NaaaseNaaases Parfumrezensionen

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Naaase vor 7 Jahren
10
Duft

Es ist ein Ros' entsprungen - aus 1001 Nacht
Es ist ein Ros' entsprungen - aus 1001 Nacht

1.
"Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art.
Und hat ein Blumlein bracht mitten im kalten Winter
Wohl zu der halben Nacht (...)"

Nach den "türkis-farbenen" Werbeankündigungen ist nämlich Giorgio Armani's "Rose d'Arabie" (aus dem Jahre 2010) eine majestätische Essenz der mystischen Damaszener Rose. Und zwar: "Pulsierend, sinnlich, fesselnd. Inspiriert durch die berühmte 'Scheherazade', die es durch unglaubliche Schönheit und Klugheit schaffte, den König mit den sagenumwobenen Geschichten aus 1001 Nacht von ihrer Einzigartigkeit zu überzeugen."

Diese "Damaszener-Rosen", die heute hauptsächlich in Bulgarien und in der Türkei gezüchtet werden, stammen ursprünglich aus Kleinasien. Sie waren schon im Jahr 1000 vor Christus auf der Insel Samos bekannt und spielen in den allseits beliebten "Märchen aus 1001 Nacht" eine Rolle. In diesen ist "Scheherazade" die Tochter des Wesirs (nach heutigen Verständnis eine Art Minister) des persischen Königs "Schahrayâr". Als dieser Herrscher feststellen muss, dass ihn seine Frau mit einem Sklaven betrügt, fasst er den -dem Grunde nach nachvollziehbaren- Entschluss, sich nie wieder von einer Frau betrügen zu lassen. Deshalb heiratet er jeden Tag eine neue Frau, die er am nächsten Morgen töten lässt. Auch eine Lösung; wenn auch nach heutigem Verständnis wohl etwas zu martialisch. Das fand wohl (schon damals) "Scheherazade" und heiratet selbst den König. In der Nacht, ihrer vermeintlich letzten, beginnt sie jedoch, ihrem frisch angetrauten Ehemann eine Geschichte zu erzählen, deren Handlung am nächsten Morgen jäh abbricht. Neugierig auf das Ende der Geschichte lässt sie der König am Leben. Und so geht es 1001 Nächte. Schau an ! Am Ende ist ihr Ehemann von ihrer Treue derart überzeugt, dass er ihr das Leben schenkt. Und wenn sie nicht gestorben sind ...

2.
Und sicherlich hat er ihr nicht nur das Leben geschenkt sondern sie überdies mit Rosen überhäuft. Mit Damaszener Rosen. Sicherlich hätte er sie aber auch mit Giorgio Armani's "Rose d'Arabie" überrascht. Entgegen der Duftpyramide hätte "Scheherazade" dann wohl einen gewissen Duftverlauf festgestellt. Wenn auch keinen nennenswerten.

Gleich zu Beginn wäre sie von einer zarten -kaum merklichen Orangenblüte- begrüßt worden. Nur ein sanfter Hauch von Neroli inmitten des sie umgebenden heißen Wüstensandes. Doch dann sogleich hätte eine stattliche und stolze Rose ihre volle Schönheit gezeigt. Geheimnisvoll. Märchenhaft. Nicht dieses zarte und fast schon kristall-klare hellrosa Exemplar aus "Lumière Noire" von Francis Kurkdijan. Nein, unsere stolze und orientalische Rose in "Rose d' Arabie" ist blutrot. Dunkelrot. Ja fast schon schwarz. Doch: Cremig untermalt ist sie. Cremig untermalt von edlem Safran, der höchstwahrscheinlich seinen langen und beschwerlichen Weg mittels einer Karawane durch die unbarmherzigen Wüsten des Landes in den prunkvollen Königspalast gefunden hat. Umschmeichelt wird unsere edle Rose von diesem. Bleibt aber dennoch dunkel und geheimnisvoll. Ein Märchen eben. Ein solches aus 1001 Nacht. Dafür sorgen schon Oud und Patchouli. Alles sehr sehr fein aufeinander abgestimmt. Doch "Scheherazade's" stolze (und durch den Safran cremige) Rose überragt sie alle. Lediglich geheimnisvoll umhaucht von ihren Mitstreitern: Dem harzigen Oud; dem rauchigen Patchouli.

Und diese fremdländische Rose hätte "Scheherazade" dann über viele Stunden begleitet. Aber nicht nur "Scheherazade". Sondern auch ihren Ehemann, den König. Denn unsere Rose ist nicht (zart-) feminin. Daher auch ein wunderschöner Rosenduft für uns Männer. Um sich als König aus einem Märchen aus 1001 Nacht zu fühlen. Zumindest für einige Stunden. Denn dann klingt dieser wundervolle Duft mit einem leichten Hauch von Vanille leicht süß aus.

3.
"Rose d'Arabie" ist ein wundervoller und geheimnisvoller Rosenduft. Ein Märchen aus 1001 Nacht. Ein Duft für Königinnen und für Könige. Für Könige, die ihre frisch angetrauten Ehefrauen nicht schon nach der Hochzeitsnacht töten lassen...
14 Antworten

Naaase vor 7 Jahren
6
Duft

Cinema Paradiso
Cinema Paradiso

Es funkelt mich an. Glamourös und herausfordernd. Die sommerlichen Strahlen des Sonnenlichts frech reflektierend. Auf dem von Line Vautrin entworfenen Flakon mit dem goldfarbenen Verschluss steht in schnörkellosen Lettern "Cinéma" geschrieben. Einfach nur "Cinéma".
Vielleicht eine Einladung zu einem Kinobesuch.

1.
Vielleicht, um gemeinsam den Film "Cinema Paradiso" anzusehen. Ja, das wäre schön, diesen Klassiker wieder mal zu sehen. Diesen -teils autobiographischen- Film von Giuseppe Tornatore aus dem Jahre 1988. Der Film erzählt die Geschichte der Menschen eines Dorfes auf Sizilien und ihres Kinos von den 1940er Jahren bis in die heutige Zeit:

Der erfolgreiche Regisseur Salvatore erfährt im Jahre 1980 in Rom, dass in dem Dorf seiner Kindheit, dem sizilianischen Fischerdorf Giancaldo, der Tod des örtlichen Filmvorführers Alfredo bevor stehe. Anlässlich dessen Beerdigung erinnert sich Salvatore an seine Kindheit in den späten 1940er Jahren, die er als Halbwaise zu einem großen Teil im Kino des Ortes mit dem Namen "Cinema Paradiso" verbrachte: Nachdem der örtliche Filmvorführer Alfredo bei einem Brand sein Augenlicht verloren hatte durfte der kleine Junge (der damals von allen nur "Toto" genannt wurde) in dem wieder aufgebauten Kino (dem "Nuovo Cinema Paradiso") arbeiten, wodurch er sich letztlich in die Filmkunst verliebte. Teils wegen einer unglücklichen Liebe, teils um selbst Filme zu machen, verließ Salvatore jedoch später den Ort seiner Kindheit und damit auch Alfredo.

Doch nunmehr kehrt Salvatore nach 30 Jahren wieder nach Giancaldo zurück. Nicht nur er selbst, sondern auch der Ort seiner Kindheit haben sich verändert. So soll das leerstehende Gebäude des "Nuovo Cinema Paradiso" abgerissen werden. Der Filmvorführer Alfredo aber hat Salvatore als Erinnerung eine Filmrolle mit aneinandergereihten Kuss-Szenen hinterlassen, die er auf Anweisung des örtlichen Pfarrers über die Jahre hinweg aus den in dem örtlichen Kino gezeigten Filmen heraus schneiden musste.

2.
Vielleicht nehmen wir bei unserem Kino-Besuch auch Jacques Cavallier-Belletrud mit. Von ihm stammen Düfte wie "L’Eau d’Issey" von Issey Miyake, "Givenchy Hot Couture" von Givenchy (gemeinsam mit Alberto Morillas) oder "Stella" von Stella McCartney. Und natürlich auch unser heutiger Testkandidat: "Cinéma" aus dem Hause "Yves Saint Laurent".

In der Ausgabe 9/09 sagte Jacques Cavallier-Belletrud gegenüber "First": "Schon als Kind haben mich die verschiedenen Gerüche in der Werkstatt meines Vaters, der ebenfalls Parfümeur war, sehr fasziniert. Ich fand es toll, dass man mit seiner Nase Geld verdienen kann, und wollte deshalb, seitdem ich denken kann, Parfümeur werden. Ich liebe die Abwechslung und verwende keine Rohstoffkombination zweimal. Aber ich bin nicht nur Parfümeur, sondern sehe mich auch als Übersetzer der Marke, für die ich den Duft kreiere."

3.
Doch, wie duftet "Cinéma" (EdP) denn eigentlich ?

Den Beginn macht eine reife Clementine. Reif und saftig öffnet sie uns das Tor zu diesem Duft. Keine säuerliche Erfrischung. Nein, einfach nur diese ausgereifte Fruchtigkeit. Wie früher bei Filmvorführungen üblich kommt also der Eisverkäufer mit seinem putzigen Bauchladen noch mal durch und wir entschließen uns sogleich zum Erwerb eines fruchtigen Clementinen-Eises. Als wir uns beim gierigen Verzehr dieser kalorienintensiven Köstlichkeit noch wundern, woher plötzlich der Hauch eines Alpenveilchens kommt (so hoch über dem Meeresspiegel ist nämlich unser "Cinema Paradiso" gar nicht gelegen) ist auch schon "Schluss mit Fruchtig". Unser Freund Jacques Cavallier-Belletrud hat sich nämlich nicht zum Kauf eines dezenten Fruchtspeiseeises entschließen können. Nein, typisch Mann, es musste natürlich wieder mal dieses "Magnum" mit den angeberischen Mandelsplittern sein. Und diese genießt er nunmehr. Nicht nur akustisch, sondern auch olfaktorisch deutlich wahrnehmbar. Direkt neben uns. Doch, holla: Das ist ja eine ganz angenehme Süße, die da unser Näschen erfreut. Etwas in Richtung "Mandorlo di Sicilia" von Acqua di Parma, wodurch wir thematisch schon wieder bei dem kleinen sizilianischen Fischerdörfchen "Giancaldo" wären, wo ja "Toto" seine Kindheit verbracht hatte. Es ist aber nicht diese leicht würzige (da unter anderem mit Kaffee unterlegte) Mandelsüße seines sizilianischen Bruders. Nein es ist schon die cremige Mandel eines (hochwertigen) Speiseeises. Vielleicht noch mit ein paar Clementinen-Stückchen. Ich meine diejenigen aus der Kopfnote.

Es läuft der Vor-Film. Eine Reportage über Blumen. Wir verlassen hiesige Gefilde und damit die Heimat unseres Alpenveilchens von vorhin. Wir erfahren, dass Arabischer Jasmin ("jasminum sambac") eine Pflanzenart der Gattung Jasminum in der Familie der Ölbaum-Gewächse ist, der wild in Indien vorkommt und weltweit kultiviert wird. Vor unserem geistigen Auge sehen wir das köstlich cremige Mandeldessert, zärtlich umhaucht von diesem zart-blumigen arabischen Jasmin. Dieser hat sich -sozusagen als Verstärkung- Amaryllis mitgebracht. Und in trauter Zweisamkeit umwehen diese beiden zarten Blumen nunmehr unsere edle Mandelnote. Nehmen ihr die Süße. Lassen sie locker und leicht an diesem angenehm warmen Sommertag erscheinen.

Der Vorfilm ist nun vorbei. Jacques Cavallier-Belletrud ist endlich mit seinem riesigen "Mandel-Magnum" fertig. Es liegt nur noch ein feiner Mandelhauch im Raum und zeugt von dem zurückliegenden Genuss. Die Leinwand wird dunkel. Dunkel und geheimnisvoll wie feinster Amber. Ein Schuss Vanille gesellt sich dazu. Nur ein Hauch. Es wird nicht zu süß. Da muss wohl jemand einen Vanille-Milchshake konsumieren. Es wird doch nicht schon wieder dieser Jaques ...
Nein, der schaut mich nur unschuldig und voller Vorfreude auf den Hauptfilm durch seine dicke Hornbrille an. Noch eine Brise rauen Moschus und schon öffnet sich der Vorhang. Der Film geht los. Und in großen Lettern lese ich auf der Leinwand:

"Cinema Paradiso".
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Naaase vor 7 Jahren
8
Duft

Der Saubermann für den Abend
Der Saubermann für den Abend

Vor mir steht der im Jahre 2006 erschienene und von Daniela Andrier kreierte Duft "Amber Pour Homme" aus dem Hause Prada. Ich bin schon sehr gespannt. Denn: Ich finde diese Prada-Flakons einfach chic. Edel liegen sie in der Hand. Das galt auch schon für "Infusion d'Homme". Fast schon minimalistisch. Doch in gleichem Maße auch modern. Einfach schnörkellos.

Und meine Vorfreude steigert sich noch mehr bei dem Versprechen dieses Duftes, dass uns hier etwas rund um das Thema "Amber" dargeboten werden soll.

1.
Amber ist nämlich einer der wertvollsten Rohstoffe, die die Natur je hervorgebracht hat. Lange Zeit konnte man sich die Herkunft dieses äußerst seltenen Rohstoffes nicht erklären. Ging man noch früher davon aus, dass die ebenso duftenden wie grauen Steine, die an die Küsten gespült wurden, von See-Ungeheuern stammten, so fanden Walfänger Anfang des 19. Jahrhunderts Amber im Darm von Pottwalen. Letztere ernähren sich nämlich von Tintenfischen und Kraken, die einen sehr schwer verdaulichen und scharfkantigen Kiefer besitzen. Es wird vermutet, dass sich Amber bei der Verdauung dieser unbekömmlichen Teile bildet. Wie das genau funktioniert ist aber immer noch unklar. Fest steht allerdings, dass sich Amber, nachdem er vom Pottwal ausgeschieden worden ist, stark verändert. Die auf der Meeresoberfläche treibenden Klumpen gehen unter dem Einfluss von Sonnenlicht und Sauerstoff eine chemische Reaktion ein. Dabei entstehen die wohlriechenden Amber-Körper, die mit den Gezeiten an die Meeresstrände gespült werden.

In früheren Zeiten stammte der meiste (natürliche) Amber aus dem Gebiet um Neukaledonien. Inzwischen ist jedoch dort der Handel nahezu zum Erliegen gekommen, da bei der Parfum-Herstellung überwiegend künstlich hergestellter Amber verwendet wird.
Natürlicher Amber wird hingegen nur noch vereinzelt dazu verwendet, den Duft dunkler und damit geheimnisvoller zu machen: Denn Amber verbindet und verfeinert blumige und süßliche Duftnoten, indem er als sogenannter "Fixateur" die Verdunstung leicht flüchtiger ätherischer Öle aus der Pflanze, verlangsamt.

Die Verarbeitung von natürlichen Amber erfolgt dergestalt, dass die Rohsubstanz zu einem feinem Puder zermahlen und Alkohol hinzugefügt wird. Diese Lösung muss dann mehrere Monate reifen, bevor sie dem Parfum beigemischt werden kann. Denn dann entfalten sich erst die charakteristischen Duftnoten. Der Parfumeur Nicolas Mamounas wird in einem Artikel von Hans Jürgen von der Burchhard für "Planet Wissen" (29.08.2013) wie folgt zitiert: "Vielleicht weckt Amber im Menschen unbewusst die Sehnsucht nach dem Meer, aus dem ursprünglich alles Leben hervorgegangen ist."

2.
Prada's "Amber Pour Homme" beginnt mit reifen Zitrusfrüchten: Eine (reife) Bergamotte und eine (nicht minder reife) Mandarine. Würzig unterlegt mit Kardamom und liebevoll umhaucht von einer Orangenblüte. Doch im Mittelpunkt stehen diese beiden reifen Früchte.

Doch nach meinem Eindruck nur sehr kurz. Man kann hier also nicht von einer ausgeprägten Kopfnote sprechen. Es wird nämlich dunkler. "Oh, kommt jetzt vielleicht schon der versprochene Amber zum Vorschein ?" rufe ich aus. In froher Erwartung. Aber -ebenso wie ein Kind am Weihnachtstage- müssen wir uns noch gedulden. Das Dunkle kommt nämlich nicht etwa von dem versprochenen Amber. Nein, hier hatte noch kein Pottwal Stuhlgang. Vielmehr erscheint grasig-erdiges Vétiver. In Begleitung von würziger Myrrhe. Ach ja, und so ein Blümchen liegt da auch noch rum: Eine Geranie. Aber alles ganz ganz weich und pudrig untermalt. Das müssen diese in der Duftpyramide angegebenen "Nirvanolide" sein. Diese haben sich bislang bei mir noch nicht vorgestellt. Doch eine Suche hiernach bei Parfumo führt insoweit nicht ins sprichwörtliche "Nirvana". Vielmehr erfahren wir, dass "Nirvanolide" ein (patentierter) Riechstoff sein soll "der intensiv nach einem fruchtigen, pudrigen, leicht animalischen Moschus mit laktonischen Nuancen" riechen soll. Ja, und genauso ist unsere Herznote bei "Amber Pour Homme": Erdiges Vétiver und würzige Myrrhe. Garniert mit diesem Blümchen. Und das Ganze pudrig unterlegt.

Was ebenfalls auffällt ist -wie schon bei "Infusion d'Homme"- diese unglaubliche "Sauberkeit". Alles wirkt hier rein - wie frisch geputzt. Nur eben im Vergleich zu "Infusion d'Homme" auf einer dunkleren, vielleicht sogar "abendlicheren" Ebene.

Und es wird süßer. Ja fast schon kuschlig. Auch wenn sich diese "pudrige Sauberkeit" in der Basis fortsetzt. Wir erleben nunmehr eine vanillige Süße, die einen leicht-rauchigen Beigeschmack (Patchouli !) hat. Gerade so viel, um dieser "pudrigen Süße" der Vanille und der Tonkabohne ein stützendes Korsett zu verleihen. Einen Touch ins Orientalische bekommt dieser Duft dadurch beileibe nicht. Das Ganze abgeschmeckt mit einer Brise Safran, einer Messerspitze Sandelholz und einem Teelöffel voll Leder. Und fertig ist unsere -nach wie vor sehr sauber und rein wirkende- pudrig-süße Basis.

Mein Fazit:
Und wo ist der versprochene Amber ? Möglicherweise wurde bei "Amber Pour Homme" Amber in der oben beschriebenen Art und Weise als "Katalysator" benutzt. So lobenswert dies auch erscheinen mag; aber dies macht aus ihm keinen ausgesprochenen "Amber-Duft" - so, wie der Name verheißt.
Dennoch ein gut gemachter Duft. Er führt das "Sauberkeits-Thema" von "Infusion d'Homme" auf einer dunkleren Ebene fort. Sozusagen der "Saubermann für den Abend".
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Naaase vor 7 Jahren
8
Duft

Aufregung beim Waldspaziergang ?
Aufregung beim Waldspaziergang ?

Unser heutiger Testkandidat ist "Tumulte Pour Homme" aus dem Jahre 2005, von Nathalie Gracia-Cetto kreiert, aus dem Hause "Christian Lacroix". Wie bereits hier erwähnt steht der französische Begriff "Tumulte" für das verwirrende und lärmende Durcheinander aufgeregter Menschen sowie den Auflauf lärmender und aufgeregter Menschen. Oder -kurz- für ein "Chaos". So zeichnet sich ein "Chaos" dadurch aus, dass ein Ablauf gerade nicht plangemäß verläuft. Das kann man auch von dem Leben des berühmten Meisters Christian Lacroix behaupten.

1.
Christian Lacroix ist am 16. Mai 1951 in Trinquetaille, einem Stadtteil von Arles, geboren. Seine Großeltern, bei denen er aufwuchs, prägten ihn dahingehend, dass er sich bereits sehr früh für Stil und Eleganz interessierte. Nach dem Studium der Französischen Literatur zog er nach Paris und studierte an der "Sorbonne" Kunstgeschichte. Wollte er anfangs noch Museumskurator werden sollte es jedoch ganz anders kommen: Er lernte nämlich in Paris seine (spätere) Frau kennen. Diese war zu diesem Zeitpunkt Beraterin bei "Hermès". Unter anderen auf ihre Vermittlung hin arbeitete Lacroix ab 1978 als Zeichen-Assistent in der Modeabteilung von "Hermès". Von 1981 bis 1987 kreierte er die Haute-Couture-Kollektion von "Jean Patou", wobei er hierfür 1986 vom "Council of Fashion Designers of America" den Sonderpreis als einflussreichster ausländischer Designer erhielt. Ab 1987 (bis 2009) war Lacroix Chef-Designer seiner eigenen Modemarke. Neben diesen Tätigkeiten entdeckte er auch immer wieder die Liebe zum Kostümdesign. Nicht nur für Theater, Oper oder Ballet; so schuf er auch die Tournee-Outfits für Mireille Mathieu und Madonna. Als wenn das noch nicht genügen würde kreierte er im Jahre 2004 die Uniformen für das gesamte in Kundenkontakt stehende "Air France"-Personal. Außerdem stammt das Design des Innenraums derjenigen TGVs, die seit 2007 die Strecken Frankfurt-Saarbrücken-Paris und Stuttgart-Straßburg-Paris befahren, von Christian Lacroix. Letztlich gestaltete er in der Französischen Stadt Montpellier eine Straßenbahn-Linie im "Meeres-Design".

2.
Doch, wonach duftet "Tumulte" denn eigentlich ? Verläuft dieser Duft "chaotisch" - wie sein Name verspricht ? Man darf gespannt sein:

Zunächst ist "Tumulte Pour Homme" ziemlich kühl. Anders als bei so vielen Düften begegnet uns hier keine einzige Zitrusfrucht. Und dennoch ist der Beginn erfrischend. Erfrischend kühl. Dafür sorgt die distanzierte Kälte von Wacholder. Leicht würzig durch Lorbeer angehaucht begrüßt er uns. Fast schon unnahbar und distanziert. Aber zugleich erfrischend und reinigend. Durch den Lorbeer wirkt dieser kühle Beginn zugleich interessanter und tiefer, da der Lorbeer im Hintergrund unserer Wacholderbeere eine ebenso würzige wie interessante Note verleiht; ihr mithin Tiefe gibt.

Und es wird nicht wärmer. In der Herznote wartet Weihrauch auf. Zwar nicht dieser unnahbar-kühle Weihrauch aus "Bois d'Encens" (Armani Privé). Aber immerhin noch kühl genug. Darf bei "Bois d'Encens" der Weihrauch noch (fast) die alleinige Hauptrolle spielen, so ist dies unserem Weihrauch hier bei "Tumulte Pour Homme" nur für sehr kurze Zeit vergönnt (und dann auch nur im Zusammenspiel mit der bereits eingangs erwähnten würzigen Wacholderbeere). Denn: Ich muss den Vor-Kommentatoren recht geben: Wir betreten sogleich einen Wald. Genauer gesagt: Einen Zedernwald. Und noch genauer gesagt: Einen Zedernwald, in dem ein Weihrauch-Lüftchen weht. Es ist richtig: Hier handelt es sich in der Tat um einen Zedernwald im Frühling. Ich vermag an diesem Wald nichts Regnerisch-Feuchtes zu erkennen. Erst recht keine Modrigkeit. Ich denke, dieser Eindruck (bei mir !) kommt noch von der nach wie vor leicht präsenten Wacholderbeere, die uns (zusammen mit dem Lorbeer) in der Kopfnote dieses Duftes so kühl und distanziert begrüßt hatte. Nun ja, und unser Weihrauch-Hauch darf ja auch noch mitspielen.

Wir sind also in einem dichten Wald. Es ist Frühling. Es hat schon lange Zeit nicht mehr geregnet. Die Erde ist trocken; nicht jedoch (hoch-) sommerlich ausgedörrt. Die dichten Baumkronen lassen nur vereinzelte Strahlen der noch zaghaften Frühlingssonne zu uns vordringen. Doch diese wenigen Strahlen kitzeln unsere Nase, die ohnehin von dem kühlen Weihrauch-Hauch umschmeichelt wird. Es ist Morgen. Die Kühle der vorausgegangenen Nacht ist noch nicht ganz verschwunden. Liegt vielmehr noch wie ein grauer Schleier über unserem Zedernwald. Beruhigend wirkt dieser auf uns. Wir vergessen Raum und Zeit. Sind gefangen in unseren einsamen Gedanken und gefangen in der Einsamkeit des Waldes. Eines kühlen, eines unnahbaren Waldes. Und so verbringen wir mehrere Stunden in angenehmer Einsamkeit. Diese Einsamkeit können wir dann zu der Überlegung nutzen, ob und in welchem Umfang "Atlas-Zeder", "Chinesische Zeder", "Texas-Zeder" und "Virginia-Zeder" in unserem Frühlingswald angesiedelt sind - wie uns die Duftpyramide glauben lassen möchte. So sehr ich mich indes bemühe, diese verschiedenen Zedern-Arten olfaktorisch nach ihrer Herkunft und damit Ihrer Heimat zu sortieren, will mir dieses Unterfangen irgendwie nicht so recht gelingen. Mein Näschen scheint für derlei Kunststücke noch zu ungeübt zu sein. Und so belasse ich es mit der Feststellung eines frühlingshaft-kühlen Zedern-Waldes.

Mein Fazit:
Ein wirklich gut gemachter Duft. Vermittelt ein sehr sehr schönes Stimmungsbild. Nur, ist es das Stimmungsbild eines "Tumultes" ?
Zugegeben, der Duft ist sexy. Aber ob deswegen von diesem Duft magnetisch (oder gar erotisch) angezogene Personen um dessen Träger ein verwirrendes und lärmendes Durcheinander oder gar einen lärmenden und aufgeregten Auflauf veranstalten ? Nochmals: Der Duft ist verdammt gut gemacht. Aber im Falle eines "Tumults" um dessen Träger nur wegen des Duftes wäre es -um es mit William Shakespeare zu sagen- "Viel Lärm um Nichts".
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Naaase vor 7 Jahren
8
Duft

Allure - einfach unbeschreiblich
Allure - einfach unbeschreiblich

"Allure - Unbeschreiblich und absolut unwiderstehlich"

... ist auf der Homepage von Chanel über diesen Duft zu lesen. Und wenn dieser Duft auch im wörtlichen Sinne "unbeschreiblich" wäre, dann könnte mein Kommentar an dieser Stelle jäh enden.

Aber wir haben ja gelernt, dass man diesen Werbeankündigungen nicht immer so recht vertrauen kann. Und so will ich doch mal den Versuch einer Beschreibung wagen. Vorwegnehmen möchte ich, dass ich der von mir sehr geschätzten "Turandot" zustimmen möchte, dass wir bei Chanel's "Allure" (EdP) aus dem Jahre 1999 nicht unbedingt eine Einteilung in Kopf-, Herznote und Basis vornehmen können. Dieser Duft entzieht sich nämlich einem stringenten linearen Duftverlauf.

Nein, sein Schöpfer, der geniale Jaques Polge, hat ganz andere Dinge mit uns vor: Unmittelbar nach dem Aufsprühen begrüßt uns eine wunderbar natürliche Mandarine. Eine reife Frucht. Keine säuerliche Erfrischung. Sondern vielmehr einfach eine ausgereifte Mandarine. Aber nicht einfach nur diese Frucht. Cremig untermalt ist sie. Ein köstlich-sommerliches Mandarinen-Dessert. An einem heißen Sommertag erfreut es unseren begierigen Gaumen. Wir befinden uns vor unserem geistigen Auge auf einer sonnenüberfluteten Terrasse unter einem betagten Mandarinen-Baum. Die spitzen grünen Blätter blicken ebenso zu uns herab wie die prallen reifen Früchte. Genießen mit uns die wärmenden Sonnenstrahlen und lassen sich von ihnen sanft umschmeicheln. Doch nur wir können dieses köstlich-cremige Mandarinen-Dessert genießen. Schmecken die angenehme Süße. Eine edle Bourbon-Vanille kommt zum Vorschein. Genuss pur. Trägt uns fort. Fort in ferne Länder. Ein zarter orientalischer Hauch verwöhnt uns nun.

Doch schon im nächsten Moment ist sie verschwunden: Unsere Mandarine. Eine edle Blume meldet sich zu Wort: Eine rosa Rose. Stolz begegnet sie uns. Aufrecht und selbstbewusst. Doch weiterhin cremig untermalt. Weich und zart. Und von Jasmin sanft und zärtlich umhaucht. Als geniales Gegenstück zu der weichen Cremigkeit. Dieser Jasmin gibt unserer stolzen (jedoch nach wie vor cremigen) Rose eine erfrischende Leichtigkeit. Lässt sie luftig und locker erscheinen.
Frühlingshaft begleitet von einem Hauch Magnolie und einer erfrischenden Seerose.

Auch diese Facette von "Allure" begeistert. Nun eben keine fruchtige Cremigkeit, sondern eben das selbe Spiel mit den -nach wie vor cremigen- floralen Tönen. Doch, bevor wir uns dieser blumigen Cremigkeit vollends hingeben können lugt auch schon wieder unsere anfängliche cremige Mandarine hervor. Spielt sich erneut vorlaut in den Vordergrund. Lässt die florale Cremigkeit in den Hintergrund treten.

Und so geht dieses Wechselspiel immer fort: Mal ist es die cremige Rose, die uns begeistert, mal die cremige Mandarine. Immerfort und immerfort. Im weiteren Verlauf nur immer dunkler und geheimnisvoller werdend: Edle Hölzer und erdiges Vétiver begleiten nunmehr immer mehr dieses liebevolle Wechselspiel, diesen zärtlichen Reigen, zwischen diesen fruchtigen und floralen Noten und lassen diesen wunderschönen Duft nach einigen Stunden liebevoll ausklingen.

Mein Fazit:
Ein wunderschöner Duft. Ein wunderschönes Wechselspiel ohne linearen Verlauf. Und wie cremig - einfach unbeschreiblich !
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