NerolineNerolines Parfumkommentare

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Neroline vor 2 Monaten 17
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Happy Birthday Mr. President...
...hauchte Miss Monroe 1962 zum Geburtstag von J.F. Kennedy ins Mikro und trug dabei bestimmt Chanel N°5.
Ihr Kleid, die Torte und die Affaire mit J.F. Kennedy sind Legende. Denn spätestens seit sie einer Zeitschrift im Interview erzählte, dass sie als Nachtgewand nur einen Tropfen Chanel N°5 trage, war der Erfolg dieses Duftes nicht mehr aufzuhalten.
Die Fantasie von Millionen von Frauen wurde dadurch angeregt und jede wollte so sexy sein wie Miss Monroe und genauso riechen. Chanel N°5-das war ein kleines Stück vom Glück.

Ich habe keine Ahnung, wie der ursprüngliche Duft von 1921 roch, aber der heutige Chanel No5 ist mir zu stark. Ja, und irgendwie auch ein wenig zu altbacken. Da mich aber die Duftgeschichte faszinierte, habe ich mich dann doch damit beschäftigt, um herauszufinden, was es mit dem Duft auf sich hat. Immerhin feiert er im nächsten Jahr seinen 100. Geburtstag und das muss gewürdigt werden.

Im Spätsommer des Jahres 192o fing Ernest Beaux an, für Mademoiselle Chanel das erste Parfum zu entwickeln. Es war als Geschenk für Chanels Kundinnen gedacht. Es sollte ein Parfum für eine Frau mit dem Duft einer Frau sein.
Es wird bis heute vermutet, dass er das Parfum, welches er ursprünglich als Hommage an die ehemalige Zarin Katharina entwickelt hatte, als Ursprung seiner Entwicklungen verwendet hat. Frau Chanel selbst hatte das Parfumgeschäft wohl nicht richtig eingeschätzt und deshalb sehr früh alle Rechte abgetreten. Es kostet sie viel Mühe und Zeit, um doch wieder einsteigen zu können. Mit keinem ihrer Düfte erreichte sie je wieder solch einen Erfolg.

Die damals neu in der Duftwelt eingesetzten Aldehyde sollen für die strahlende Frische des Duftes verantwortlich sein. "Strahlende Frische" frage ich mich nun, die kann ich nicht erkennen. Finde dann aber heraus, dass Aldehyde oberhalb einer bestimmten Konzentration, oder beim Altern oft als, ranzig, fischig oder alt empfunden werden. Bei der Dosierung im Labor muss daher mit Bedacht gearbeitet werden. Das Parfum selbst muss nicht nur dunkel gelagert werden, sondern sollte auch nicht allzu alt werden. Und genau darin liegt wohl das Problem: Das damals fast unerschwingliche Fläschchen wurde nur zu besonderen Anlässen verwendet und veränderte sich dann mit den Jahren. Genau dann entsteht nun der "Oma Helga" Eindruck.

N°5 enthält als eines der ersten Damendüfte Vetiver. Das Süßgras wird wird gewöhnlicherweise in Herrenparfums eingesetzt. Es findet sich ebenso wie Eichenmoos in vielen Chaneldüften und ist mitverantwortlich für die herbe Süße die typisch für Chanel ist. Auch in Coco Mademoiselle findet sich Vetiver. Ursprünglich war dies wohl die Handschrift des Parfümeurs Ernest Beaux. Es ist wohl dieser Reiz zwischen den vielen süßen und blumigen Komponenten sowie den eher männlichen und herben Ingredienzien, die die Fazination von N°5 ausmachen.

Für unsere an süße Kuchengerüche gewöhnten Nasen ist das im ersten Moment sehr schwer nachvollziehbar.

Aus Artenschutzgründen sowie aus Gründen der Toxidität verschiedener Inhaltsstoffe ist der Ursprungsduft immer wieder adaptiert und an die Normen angepasst worden. Dazu gehören unter anderem Zibet, Moschus, Jasmin oder Eichenmoos. Auch wenn die vielen sogenannten Reformulierungen vielen ein Dorn im Auge sind, begrüße ich, dass keine tierischen Produkte wie Moschus oder Zibet mehr verwendet werden.
Auf Eichenmoos und Jasmin reagieren viele Menschen sehr stark, auch hier musste nachgearbeitet werden.Insgesamt hat sich der Duft dadurch sicherlich verändert.

Chanel N°5 feiert im nächsten Jahr seinen 100. Geburtstag. Sicher wird das Haus Chanel den großen Geburtstag gebührend feiern. Denn trotz der 100 Jahre ist N°5 immer noch ganz vorne mit dabei, verbinden viele Menschen mit Parfum genau diesen Duft.

Ich habe nun die verschiedenen N°5 getestet und mich tatsächlich in einen verliebt: Der No5 Eau Premiere. Auch nicht mehr taufrisch, aber irgendwie an mir vorbeigegangen. Das ist für mich tatsächlich ein Duft, der nicht von dieser Welt ist:

Die strahlende Frische der Aldehyde mit den typischen Anklängen von Orangenschalen kommt hier sehr viel besser zum Vorschein als im Original. Es besitzt die Leichtigkeit, die ich mir gewünscht habe. Vielleicht war das auch 1921 schon so? Wer weiß das.

N°5 Eau Premiere unverkennbar eine Enkelin der berühmten Uroma. Es ist aber weicher und sanfter als seine berühmte Ahnin. Von daher auch deutlich jünger und moderner. Es ist, als habe man eine dicke Schicht vom Duft genommen.
Irgendwie habe ich hier tatsächlich eine Ahnung von dem was Ernest Beaux so faszinierte: Die prickelnde Frische der Aldhyde zu Beginn. Es ist wie Kohlensäure im Wasser.

Auf der Haut entwickelt sich Eau Premiere zu einem Duft, der mich nach einiger Zeit an Menschenhaut erinnert. Daran, wie wir als Kinder rochen, als wir vom Schwimmbad mit dem Fahrrad nach Hause gefahren sind oder daran, wie ein frisch gebadetes Baby riecht. Auch an die frische Luft morgens um 5.30h beim Campen im Sommer oder den frischen Hauch auf der Haut nach einer Bootsfahrt. Frisch, warm und weich und nach viel Sonnenstrahlen. Eau Premiere verändert sich auch kaum. Nach der anfänglichen Frische wird er warm und weich. Er bleibt wie ein zarter Duftschleier über viele Stunden auf der Haut. Nicht spektakulär, nicht erotisch oder orientalisch schwer. Aber so gut und so schön – oder wie mein Mann sagt: Der riecht nach Liebe.

10 Antworten

Neroline vor 9 Monaten 23
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Eigenwillige Schönheit
Voll Blüten steht der Pfirsichbaum
nicht jede wird zur Frucht,
sie schimmern hell wie Rosenschaum
durch Blau und Wolkenflucht.

Wie Blüten gehn Gedanken auf,
hundert an jedem Tag –
Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!

Es muss auch Spiel und Tanze sein
und Blütenüberfluss,
sonst wäre die Welt uns viel zu klein
und Leben kein Genuss. (H.Hesse)

Nomade startet mit einer sehr angenehmen blumigen Frische die sofort an die duftig frischen Pfirsich-, und Pflaumenblüten jetzt im Frühling erinnern. Begleitet wird die Blütenfrische von Zitrusnoten, die ganz deutlich herauskommen. Die Pyramide stimmt hier nicht. Später gesellt sich die fruchtige Süße der Mirabellenfrucht dazu.
Die Mirabelle, eine Verwandte des Pfirsichbaums ist die Hauptdarstellerin in diesem ungewöhnlichen Duft von Chloe.Mit der Zeit wird das Ganze milder und auch deutlich herber. Der Duft wird nun grün holzig blumig. Das Eichenmoos ist mit seiner Würze gut zu riechen, ich rieche aber auch Sandelholz und Patschuli. Die feine Süße der Mirabelle beibt aber die ganze Zeit präsent. Insgesamt sehr komplex und sehr schön gemacht. Trotz der herben Zutaten ist Nomade ein äußerst femininer und eleganter Duft.

Mit diesem modernen Chypre geht Chloe einen mutigen Schritt weg von den Gourmanddüften. Ich hatte zu Beginn unserer Bekanntschaft Schwierigkeiten mit der herben Seite von Nomade. Und doch – er ist mir im Kopf geblieben. Diese fruchtige liebliche Frische mit der schönen Würze und der holzigen Basis. Sehr ungewöhnlich und deshalb markant. Nomade ist ein zeitloser feiner und kühler Duft der unvergesslich bleibt - der kühne Duft einer eher eigenwilligen Frau. Er hinterlässt einen gepflegten und aparten Eindruck.

Mit einer mittleren Sillage und einer Haltbarkeit von ca. 8 Stunden eignet sich Nomade hervorragend als Büroduft. Der Duft ist ganzjährig tragbar, am schönsten kommt er aber jetzt im Frühjahr zur Geltung. Wie alle Flakons von Chloe ist auch dieser wunderschön und eine Zierde im Bad. Der Preis ist im mittleren Bereich, weshalb das Nachkaufen nicht so weh tut.
Nomade ist von mir ein klare Kaufempfehlung für Frauen die blumig-holzige oder blumig-frische Düfte mögen.

Wie Blüten gehn Gedanken auf,
hundert an jedem Tag –
Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!
9 Antworten

Neroline vor 11 Monaten 17
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Be yourself - no matter what they say
Gabrielle tut sich auf dem deutschen Markt etwas schwer. Er ist nicht so ein "typical Chanel" wie man es erwartet. Gabrielle tanzt ein wenig aus der Reihe. Weniger streng, weniger tantig, weniger konservativ wie die bekannten Ikonen. "Ein Duft voller Leuchtkraft"schreibt Chanel auf der Homepage. "Warm, blumig, sinnlich und opulent"soll er sein. Das klingt alles sehr vielversprechend. Ist das dann noch Chanel?Hat es Oliver Polge geschafft, diesen Anspruch in eine Flasche zu transportieren? Von mir eindeutig: Ja! Oliver Polge hat hier einen jungen, zeitgemäßen und doch eleganten Duft geschaffen, der dem Hause Chanel gerecht wird.

Mit der Gabrielle Linie versucht Chanel offensichtlich ein jüngeres Publikum anzusprechen und das etwas angestaubte Image abzuschütteln.
Auch wenn eingefleischte Fans es nicht sehen wollen: Das junge Publikum denkt bei Chanel zumeist an „Omadüfte“. So schön die alten Chaneldüfte waren oder sind, sie sind nicht mehr zeitgemäß. Die Exclusiv Reihe können sich jüngere Frauen kaum leisten oder kennen sie nicht.
Um auf dem Markt mithalten zu können muss aber nun einmal auch ein zeitgemäßer Duft mit im Portfolio stehen. Mit der Auswahl der Ingredienzien hat Oliver Polge den Nerv der Zeit getroffen: Zitrusnoten und weiße Blüten eröffnen mit ihren sonnigen Noten den Duft. Es entsteht sofort ein warmer sinnlicher Eindruck. Recht schnell übernehmen Ylang Ylang, Tuberose und Jasmin und geben dem Duft die Süße und den exotischen Touch. Später wird der Duft milder und cremiger durch Sandelholz, Vanille und etwas Kokos. Der Duft ist perfekt ausbalanciert, keine Note sticht wirklich heraus, nichts stört. Der Duft ist warm, weich, cremig und sinnlich. Gabrielle wirkt sehr natürlich. Die exotischen Komponenten sind seit Jahren sehr beliebt – vor allem bei einem Publikum, welches das Reisen in ferne Länder gewohnt ist.
Und doch ist es kein aufdringlicher Kokosknaller a la Viktorias Secrets und kein lauter fröhlicher Paco Rabanne Duft.
Gabrielle bleibt Chanel und ist deshalb bei aller Opulenz zurückhaltend vornehm. Gabrielle hinterlässt keine Mördersillage und ist so elegant, dass er auch im Business Outfit getragen werden kann. Die Haltbarkeit ist mit bis zu 8 Stunden sehr gut.

Gabrielle ist tatsächlich so wie es auf der Chanel Homepage versprochen wird: Sinnlich, opulent und leidenschaftlich. Der Duft einer modernen jüngeren oder junggeblieben Frau, die ihr Leben mit allen Sinnen genießt und doch eine respektable Persönlichkeit ist.

Ähnlichkeiten zu ersten Gabrielle sind durchaus vorhanden, nur das dieser etwas herber und sportlicher ist.
Beide haben ihren eigenen Reiz.

Ich denke, dass Chanel mit Gabrielle eine neue Linie fahren wird. Zu erkennen auch an der veränderten Flasche. Sicher ist es von der No5 oder der No19 zu Gabrielle ein parfumtechnischer Quantensprung. Doch alles sind Kinder ihrer Zeit und trafen den jeweiligen Zeitgeist. Für mich ist Gabrielle Essence eine der besten Neuerscheinungen im Jahr 2019 und seit langer Zeit der beste Chanel überhaupt.
9 Antworten

Neroline vor 11 Monaten 17
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Kuschelig
Es ist Winter in einem Spa Hotel irgendwo in Süddeutschland. Die Sonne geht über den Hügeln und hinter dem Nebel auf und im Haus erwacht langsam das Leben.
Das Frühstück hat schon begonnen und vereinzelte Gäste ziehen Bahnen im Schwimmbad. Fleißige Helferlein verteilen duftig saubere weiße Wäsche in Sauna und Wellnessbereich. Die Atmosphäre ist entspannt, sauber frisch und aufgeräumt. Durch die große Glasscheibe kann man jetzt sehen wie sich der Nebel langsam auflöst. Die Welt da draußen sieht gedimmt und verzaubert aus.

Im Asia Bereich bereitet eine Mitarbeiterin den Körperpuder vor, den sie für verschiedene Behandlungen braucht: In fein gemahlenen Reispuder mischt sie die Ingredienzien die sie im Sommer gesammelt hat mit Süßgras aus ihrer Heimat: Rosenblüten, Jasmin, Zedernholz und Süßgras werden im Mörser fein gemahlen und mit dem Puder gemischt. Nach der Behandlung wird eine große Puderquaste in den Behälter getaucht und der Blütenholzpuder nun auf die Haut aufgetragen. Er kühlt die Haut, verhindert das Scheuern und desodoriert. Der Duft ist betörend und beruhigend.

So ein Duft ist Narciso poudrée: Sanft, betörend und ruhig. Sehr fein und zurückhaltend und doch mit einer gehörigen Portion Moschus. Narciso poudrée ist ein sehr weiblicher und verführerischer Duft. Einer der auf leisen Sohlen daherkommt, sich aber keineswegs versteckt. Ein idealer Duft für den Arbeitsalltag im Büro. Wenn man es mit der Dosierung bei 2-3 Sprühern belässt wird man damit kaum jemanden stören und doch wahrgenommen werden. Er ist keiner den man an jeder Ecke riecht, allein schon deshalb ist er etwas Besonderes. Narciso Rodriguez ist es gelungen hier Vetiver einzuarbeiten ohne dass der Duft automatisch männlich wirkt. Er vermittelt aber die leicht zurückhaltende Kühle, die er ausstrahlt. Die Blüten sind gut wahrnehmbar, aber nicht zu verspielt.

Fazit: Ein Businessduft mit viel Klasse und Eleganz. Hohe Signaturwirkung da nicht häufig riechbar. Für mich ein feiner Winterduft.


5 Antworten

Neroline vor 1 Jahr 18
9
Duft
8
Haltbarkeit
9
Sillage
7
Flakon

Pour la vie!
Es ist Ende Juni in der Provence und die Lavendelernte ist in vollem Gange.
Ich wache morgens durch das grelle Licht auf und muss mich erst einmal zurechtfinden. Ich bin wieder hier: In der Provence dem Land des Lichts. Wir sind in unserer Ferienwohnung am Rande von Roussillon. Fernab vom Lärm der Stadt und der Hektik des Alltags. Gestern sind wir angekommen und ich habe das Gefühl schon ewig hier zu sein. Ich stehe leise auf und laufe in den Hof. Die Steine sind warm und die Grillen zirpen schon.

Die warme Morgensonne trägt den Duft des blühenden Lavendels vom Feld nebenan zu uns hinüber. Kräftig, würzig und krautig. Ich atme tief ein, atme den würzigen Lavendelduft ein, der sich mit dem Duft der Pinien und Zedern mischt. Der Duft ist unbeschreiblich frisch und würzig mit Bachminze, Eichenmoos und warmen Holz. Mein Blick schweift in die Ferne und ich sehe die Bergketten des Luberon mit seinem kräftigen Grün. Der Waldboden duftet warm und holzig, die Grillen zirpen und die Sonne kündigt einen heißen Tag an. Es ist Sonntag und wir haben frei. Vielleicht werden wir nach Isle sur la Sorge auf den Sonntagsmarkt fahren. Wir könnten in dem Restaurant am Flusslauf zu Mittag essen. Wir werden sehen. Ein wunderbarer Tag fängt an. Ein Sonntag in der Provence.Im Radio singt Patrick Bruel „pour la vie“ und aus dem Haus riecht es jetzt nach frischem Cafe..

Genau diese Stimmung fängt „Luberon“ ein: Der Duft ist entspannt, würzig, lavendelig mit grünen minzigen und moosigen Noten die dann später im warmes Zedernholz übergehen. Ein wunderbarer ursprünglicher Duft, der mich sofort abholt und einfängt-wunderschön!

Fazit: Sehr schön gemacht und auf alle Fälle nicht nur für Provenceliebhaber interessant. Einziges Manko und deshalb Punktabzug ist der leider unangemessen hohe Preis. Auch der Flakon könnte für diesen Preis wertiger sein. Aber sonst ein rundum gelungener und sehr individueller Duft.

Die Abfüllung die mich vorige Woche an einem tristen Oktobertag erreichte zauberte direkt Sonnstrahlen in diesen trüben Tag. Nur wenige Tropfen auf meinem Handrücken haben genügt, um mir eine warme Duftwolke in die Nase steigen zu lassen und mich direkt in die Provence zu beamen.
Ich bedanke mich bei Leonor dafür, dass sie mir diese wunderbare Abfüllung zur Verfügung gestellt hat.



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