NorleansNorleans’ Parfumrezensionen

1 - 5 von 63
Norleans vor 10 Tagen 7
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Ein sanftes Meisterwerk
Sowohl der Duft, als auch die Marke, waren mir bisher unbekannt. Hätte ich nicht einen guten Freund, der mich immer mal wieder mit neuen Düften in Berührung bringt, wäre mir so einiges an großartigen Düften verborgen geblieben. So wie dieses Prachtexemplar.

Obwohl ich ein Freund von Düften mit ordentlich Antritt bin und Hei eher ein Leisetreter ist, kann ich mich durchaus für ihn erwärmen. Die angenehme und zurückhaltende Aquatik des Beginns ist rund, anschmiegsam und samtig frisch. Keine Algen, keine Gischt oder tote Fische. Mit der leichten und angenehm seifigen Herznote zeigt Hei ein bisschen mehr Dominanz, hält sich aber weiterhin höflich und sehr entspannt im Hintergrund. Dabei ist Hei keineswegs nur ein Hintergrundrauschen, das man ab und an mal riecht. Ich kann den Duft fast den ganzen (Arbeits-) Tag wahrnehmen, er nimmt dabei aber niemals zu viel Raum für sich in Anspruch.

Hei spielt seine Stärken zwar bei warmen Temperaturen ein wenig besser aus, als in der vorherrschenden nass-kalten Jahreszeit, allerdings ist er durchaus ganzjährig tragbar.
Ich habe ihn zwar noch nicht am weiblichen Geschlecht gerochen, könnte mir aber vorstellen, dass er seinen reizvollen Zweck auch hier sehr gut erfüllt.

Der Flakon ist sehr einfach gehalten, wirkt aber uneimlich edel und anmutig. Auch hier ist keine Prahlerei spürbar und der Charakter des Duftes wird durch den Flakon perfekt eingefangen.
Preislich sollte der Gute durchaus für die meisten Geldbeutel passen.

Ein toller Leisetreter, der einem den Tag veredelt.

Danke fürs Lesen.
4 Antworten

Norleans vor 3 Monaten 11
9
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Weitgereist und unangepasst
Als ich die Vorankündigung zu Viking Cologne las, galt meine Aufmerksamkeit direkt dem unattraktiv aussehenden Flakon. Schon den roten „Ur“-Viking fand ich flakontechnisch eher unschön.

Nachdem ich vom roten Viking mal einen ganzen Flakon hatte, besitze ich mittlerweile nur noch eine kleine Abfüllung, da ich ihn einfach zu wenig getragen hatte. Irgendwie war er doch etwas zu schwer, zu herbstlich, irgendwie nicht dauerhaft für mich tragbar. Trotz allem, ein toller, besonderer Duft!

Es begab sich, dass der Hersteller ein neues Cologne auf den Markt bringen wollte. Das ist ihm, in meiner Nase, mit Aventus Cologne bereits sehr gut gelungen. Der kommt daher wie die unbeschwerte Sommerversion seines älteren Bruders, leichter, spritziger und auf jeden Fall aus derselben Familie.

Nun ist das bei den Wikingern mit der Treue- glaubt man den Legenden- nicht allzu weit gediehen. Raubzüge in ganz Europa und- nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen- sogar bis nach Nordamerika. Dabei ging es freilich mitunter recht zügellos zu und das Erbgut der Wikinger, altdeutsch DNS genannt, findet sich sicherlich heute noch in so manchen küstennahen Regionen der damals bekannten Welt.
Es ist jetzt vielleicht etwas weit hergeholt zu glauben, dass dieser Gedanke den Parfümeuren bei der Idee des Stöffchens zugrunde lag, jedoch ist Cologne keine leichtere Version des Vikings. Man riecht immer mal eine gewisse genetische Nähe heraus, Viking Cologne ist aber ein vollkommen eigenständiger Duft, der mit seinem älteren Bruder nur ab und zu changiert.

Die Bewertungen sprechen momentan leider nicht für ihn. Das war bei Viking aber auch eine Weile der Fall, bzw. ist Viking auch heute noch kein, auf neuenglisch, crowd pleaser. Und das mag ich an beiden Düften. Natürlich ist der kölsche Wikinger vielleicht nicht das, was sich einige erhofft hatten, er ist recht klassisch, unprätentiös, man mag fast leise „langweilig“ murmeln. Das kann ich alles unterschreiben. Aber wenn man, so wie ich, ein Fan von herben, frischen Düften ist, kann ich für Viking Cologne eine Duftempfehlung aussprechen.

Die anfängliche Mandarinenexplosion muss man aushalten und die Nase für 20 Minuten auf Umluft schalten. Was danach so alles passiert, mit den blumigen und würzigen Noten ist schon sehr angenehm. Das Beste ist allerdings die Basisnote, die sich wunderbar klassisch, leicht kantig-holzig (hier bitte nicht an Kanthölzer denken), mit einem Hauch Weihrauch, den der 13. Krieger wohl aus dem Orient dagelassen hat, dahin wölkt, um je nach morgendlicher Dosierung nach 6 bis 10 Stunden gen Walhalla zu entfleuchen.

Ein wahrlich toller Büroduft! Klar, er kostet ziemlich viel, er macht die Leute nicht wuschig und sorgt nicht auf monströse Weise dafür, dass einem die Komplimente zufliegen (das ist ja manchem hier das Wichtigste beim Parfümtragen). Aber ich finde ihn klasse und empfehle, dass man ihm eine zweite Chance gibt.

Ach ja, der Flakon: In Natura sieht der wirklich schön aus!

Danke fürs Lesen

PS: Wie sprecht ihr „Cologne“ aus? Ich wechsle zwischen der englischen Art, „Collouun“ und der französischen, „Collonje“, hin und her.
7 Antworten

Norleans vor 8 Monaten 13
9.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Ja, wo isser denn?
Diese Originalprobe von Molecule 02 schlummerte vergessen ein halbes Jahr in meiner Schreibtischschublade. Kürzlich begab es sich, dass ich während eines Home Office-Tages während der x-ten Videokonferenz (in diesem Falle mit deaktivierter Kamera) den ersten Sprühstoß dieses Wässerchens auf einen Teststreifen auftrug.

Zu Beginn war er halt, wie so viele Düfte frisch nach dem Aufsprühen, ziemlich scharf und sprittig. Aber die Videokonferenz ging weiter und gewann nicht an Fahrt. So hatte ich gute Gelegenheit den Duftverlauf näher unter die Nase zu nehmen und bemerkte nach ca. 20 Minuten einen Duft, der es im positiven Sinne in sich hat.

Nun bin ich in den Jahren meiner Parfumleidenschaft einem Missverständnis aufgesessen, war ich doch der irrigen Annahme, dass Ambrox vollends scharf und im negativen Sinne atemberaubend ist (Sauvage in allen Facetten, teils auch Galloway oder Percival). Anscheinend irrte ich mich. Denn Molecule 02 hat diese sanfte, leicht seifig-süße Frische, die ich so faszinierend finde. Diese Frische rnehme ich bspw. Bei Royal Oud nach mehreren Stunden wahr. Ich hätte sie eher dem Sandelholz oder der Zeder zugeordnet. Mag sein, dass das Iso in Molecule 02 für diese wunderbar holzige Frische sorgt, wobei ich sie in Molecule 01 in keiner Weise wahrnehme.

Nun schreibt man den Moleküldüften ja dieses Flackern zu. Mal nimmt man sie recht stark wahr, mal nimmt man sie überhaupt nicht wahr, auch wenn du mit der Nase direkt über dem Handgelenk hängst. Diesen Umstand kann ich extrem bei Molecule 02 bestätigen. Und das ist ein großes Manko dieses tollen Duftes. Es ist recht risikobehaftet, wenn man aus dem Haus geht und sich nicht sicher sein kann, ob man tatsächlich was vom parfum du jour haben wird. Escentric 02 soll ja etwas stärker und wahrnehmbarer sein, dazu fehlt mir aber die Erfahrung.

Der Duft ist wirklich Sondersahne, die launische Präsenz ist mir leider zu unberechenbar.

Danke fürs Lesen.
8 Antworten

Norleans vor 10 Monaten 37
9
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Man muss auch mal etwas "riskieren"...
Blindkäufe von Flakons zu tätigen, die am, bzw. im dreistelligen Eurobereich liegen, hatte ich mir eigentlich abgewöhnt. Zu oft war der „blinde“ Duft in der Vergangenheit leider überhaupt nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte oder wie ich die Kommentare anderer Parfumos interpretiert hatte.
Manchmal kann man seinen Prinzipien aber nicht treu bleiben. Zum Glück, muss ich in diesem Fall sagen. Bereits Anfang Dezember nutze ich ein faires Angebot im Souk und erwarb den tragischen Schorsch. Seitdem hatte ich ausreichend Zeit ihn zu testen.

Die kältere Jahreszeit ist sicherlich ideal, um den Duft zum ersten Mal zu begegnen. Die „Zutatenliste“ ist nicht gerade überladen. Brandy. Seife. Tonkabohne. Brandy habe ich schon einmal irgendwann getrunken. Seife benutze ich. Tonkabohne mag ich als Eis auf Heidelbeer-Pfannkuchen in unserem Lieblingsrestaurant im Sommer…. Ich schweife ab. Die Zutaten lassen viel vermuten und viel befürchten. Aber auch viel erhoffen, was mich zum Kauf verleitete.

Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Auch wenn ich Brandy nicht erkenne, so ist die Note eines höherprozentigen alkoholischen Getränkes, mit seinen Aromen, durchaus wahrnehmbar. Die Seife, die mir in manchen Düften zu viel des Guten ist, schmiegt sich schön in die dunkle Brandy-Note ein und könnte auch ein „dunkler“ Rasierschaum sein. Ein Rasierschaum, der nicht ganz so spritzig frisch aus der Dose daherkommt, sondern so, wie ich mir selbst aufgeschlagenen Rasierschaum vorstelle. Vielleicht wurde dieser sogar aus dem Orient mitgebracht. Die Tonkabohne bringt diese geschmeidige Süße dazu- ich befürchtete schon, dass die Tonkabohne „schwülstig“-süß daherkommen könnte (ähnlich wie bei Tom Fords Fucking Fabulous, den ich dennoch sehr mag, aber als untragbar empfinde). In seiner Wärme schwingt auch ein winziger Hauch Frische mit, der ihm etwas Luftigkeit verleiht.

Die Mélange aus spirituösem, würzigen Rasierschaum mit feinen Raspeln der Tonkabohne, eignet sich nicht nur hervorragend fürs Büro (wenn man den Luxus hat, mal wieder ins Büro zu dürfen), sondern auch für die neue Lieblingsfreizeitbeschäftigungen mit der Liebsten (momentan ist dies der wöchentliche Großeinkauf bei Edeka, …ja es sind harte Zeiten).

Der tragische Schorsch ist distinguiert, aber nicht versnobbt. Er riecht besonders, aber nicht aufsehenerregend. Ein Vergleich mit anderen Düften fällt mir in diesem Falle wirklich schwer. Ich kann nur sagen, dass ich ihn mag und wirklich häufig trage. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Schorsch auch bei frühlingshaften Temperaturen noch zu überzeugen weiß.

Ach ja, der Flakon! Sehr gut verarbeitet, ein toller Deckel und ein Zerstäuber, der nicht besser zerstäuben könnte, wirklich Sondersahne. Die Umverpackung ist auch standesgemäß.


Danke fürs Lesen und bleibt gesund!
15 Antworten

Norleans vor 10 Monaten 27
9
Duft
7
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Shut up and take my money! (Teil 5)
Beim ersten Test war ich noch enttäuscht, da ich mir einen anderen Dufteindruck versprochen hatte. Auf der Roja-Seite wirkte er durch seine Präsentation viel pompöser, glorreicher, voluminöser und royaler, zumindest entstand dieses Bild in meinem Denkmuskel. Obwohl ich jetzt nicht so der Typ bin, der auf o.g. Duftattribute steht, ging die Erwartungshaltung in diese Richtung und meine erste Empfindung der Abfüllung war ein extrem emotionales „geht so.“.

Denn eigentlich ist Burlington 1819 zu Beginn ein scharfes, stechendes, herbes, frisches, benzinartiges Cologne, das in der Duftentwicklung erst nach 20 Minuten etwas an Durchschlagskraft verliert, wärmer und anschmiegsamer wird. Trotzdem nehme ich es mindestens sechs Stunden sehr gut wahr an mir, ohne dass es zu aufdringlich wird.

Bis jetzt kann ich Burlington lediglich mit einem weiteren, mir bekannten Duft vergleichen: A Man`s Cologne von Gravel. Ein fantastischer Duft, teilweise. Wenn, ja wenn, die überaus brutale Kopf- und Herznote nicht wäre. Ein klassisch modernes Cologne, dass nach vielen Stunden den Duft bildet, der für mich ein Cologne mit Potenz und Haltbarkeit- ja, ich weiß, eigentlich nicht die charakteristische Eigenschaft eines Colognes- ergibt. Diese anstrengenden Stunden Zu Beginn führten dazu, dass ich von einem Kauf des Gravel absah.

In diese Kerbe schlägt für mich Burlington 1819, nur angenehmer und verträglicher. Mein sympathischer Vorkommentator zieht Parallelen mit einem „muffigen“ Sofa in einer Cocktailbar, in der es nach Früchten duftet (ich erlaube mir seine Aussagen zu kürzen)- Ich fühle mich eher an einen Aufenthalt in einer Autowerkstatt aus den 60er Jahren erinnert, in der englische Gentlemen (einer von ihnen ist William Habenborough, Kurzform Will Haben) mit ihren Tweed-Jacken an ihren Sportwagen herumbasteln (fast wolle ich sagen, „Oldtimer“, aber in den 60ern waren sie ja noch neuwertig). Das Muffige empfinde ich als verdunstendes Benzin und Motoröl, die fruchtige Komponente ist eindeutig vorhanden- sogar sehr spritzig und fast stechend, ich betone: Fast. Ein bisschen heller Rum, vielleicht auch Gin, schwebt in der Luft, mit dem man sich nach erfolgreicher Arbeit am Flitzer zuprostet.

Mit Burlington habe ich einen wunderbar frischen Herbling gefunden, der es mir angetan hat und den ich mit keinem anderen Duft wirklich vergleichen kann. Ein maskuliner Duft, dem man seinen Auftritt in den ersten 20 Minuten nicht übel nehmen darf. Ein wirkliches Phänomen ist, dass ich nach 9 Stunden im Büro, zurück in meinem Auto, eine angenehm intensive Duftaura vorfinde, die ich auf der morgendlichen Fahrt zur Arbeit darin hinterlassen habe. Das hatte ich noch mit keinem anderen Duft vorher. Nicht mal mit Gravel.

Burlington 1819 ist für mich ein Cologne mit Potenz und Ausdauer, klassisch und zugleich modern. So schön wie „Liebe auf den ersten Blick“ bei Parfums immer ist, bin ich froh, dass man auch durch zweite und dritte Chancen manchmal erst den Wert entdeckt, den ein Duft für einen bereithalten kann. Über den Preis kann man streiten, aber bei Genuss- und Luxusgütern darf man das gerne ausklammern, da man sie nicht wirklich zum Leben braucht, sondern möchte.

Danke fürs Lesen und bleibt gesund!
12 Antworten

1 - 5 von 63