NuiWhakakoreNuiWhakakores Parfumrezensionen

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1 - 5 von 62
NuiWhakakore vor 1 Monat 34 30
7.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
Joe s Garage
Miguel sitzt an seinem Schreibtisch. Über der Tür steht Joe s Garage. Der Apostroph ist schon vor ein paar Jahren abgefallen. Hat keiner vermißt. Hinter ihm hängt an der Wand ein Kalender von 1976. Üppige Blondinen und Autoteile. Der hing schon, als Miguel den Laden von Joe übernommen hat. Das gehört in so einem Laden wohl einfach dazu. Daneben hat er einen Kalender von 1985 gehängt. Muskulöse Männer mit sehr wenig Leder und einem Hang zu Uniformversatzstücken und Nieten. Gleichberechtigung ist wichtig.
Vor ihm auf dem Tresen stehen Blumen und eine Schale mit Äpfeln. Die sollen den Laden freundlicher machen und sind außerdem gesund, hat Consuela gesagt. Das ist seine Frau. Die Leute schätzen Miguel wegen seiner Arbeit an ihren alten Karren. Für seine Freundlichkeit ist er nicht bekannt. Aber es sieht nett aus.
Die Tür zur Werkstatt steht offen. Es ist gerade nichts los. Der Geruch von altem Motoröl und Benzin wabert herein, vermischt sich mit den Blumen und den Äpfeln. Der Geruch ist nicht jedermanns Sache, aber Miguel mag ihn sehr. Auch seine Schweißerschürze spielt da mit rein. Sie ist aus altem, schwerem Leder, fleckig und rissig und doch ganz weich. Das liegt an der Bienenwachs-Pflege. Consuela wieder. Hätte es nicht gebraucht, meint Miguel, aber ist schon nett.
Die Toilette ist leider auch verstopft, da muß er sich drum kümmern. Was ihn sonst noch stört ist die Katzenfamilie, die seit ein paar Wochen in der Abschmiergrube haust. Da müßte er sich auch mal drum kümmern. Aber Consuela findet die so süß. Schwierig.
Von draußen hört er Schuhe klackern und lange bevor die Tür sich öffnet riecht er schon den süßen Duft von Vanille und cremigem Sandelholz. Es ist kurz vor 12. Consuela kommt, um ihn zum Mittagessen zu holen. Vielleicht macht Miguel heute Nachmittag den Laden mal zu, ist eh gerade nicht viel los.

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An dem Duft scheiden sich wohl, wie an Miguel Matos ganz allgemein, die Geister. Von 1 bis 10 ist alles dabei und verständlich finde ich das durchaus, Out in the Open ist schon schwierig.

Er startet recht süßlich-würzig, wird dominiert von Safran und Ambrette. Die Frucht, es mag ein Apfel sein, kommt bei mir nur ganz leicht durch und stört nicht weiter. Was allerdings recht schnell kommt, ist etwas öliges, wie altes Motoröl und ein Hauch Benzin. Da fühle ich mich wie in einer Werkstatt und zwar nicht wie in einer auf Hochglanz polierten, hippen Markenwerkstatt, sondern wie in einer kleinen, schmuddeligen Schrauberbude. Das kommt sicher zum einen vom Jasmin, der recht aasig ist und auch eine leichte Urinnote nicht verbergen kann. Zum anderen vom Leder, das auch eher alt, verlebt, rissig und etwas dreckig ist. Animalisch Noten spielen da auch mit einer leichten Schärfe mit hinein. Das alles ist starker Tobak, schreiend synthetisch und grell überbelichtet. Keine Ahnung warum, aber ich mag es.

Mit der Zeit wird der Duft etwas sanfter. Der Jasmin nimmt sich zurück, bleibt aber erkennbar. Das Leder wird deutlicher. Etwas Bienenwachs und wohl auch ein paar Orangenblüten mildern ab. So richtig sanft wird er aber erst nach 4-5 Stunden. Dann kommt Vanille und Sandelholz mit rein. Es wird recht cremig und etwas süßer und dadurch erst einmal sehr angenehm. Diese Entwicklung geht jedoch leider weiter, nach 8 Stunden ist fast nur noch Vanille und Sandelholz erkennbar und noch etwas Tonka. Jetzt ist der Duft wirklich sehr süß und leider dann auch etwas langweilig. So klingt er dann ganz langsam aus, 10-12 Stunden ist er problemlos wahrnehmbar.

So viele Düfte von Miguel Matos habe ich zwar noch nicht getestet, aber nach dem, was ich kenne, würde ich ihm durchaus einen gewissen Sinn für Humor unterstellen. So wie Out in the Open als blumig-süß zu deklarieren für mich von Humor zeugt. Ich zumindest finde ihn gelungen, durchaus tragbar, zu einem Kauf reicht es aber nicht.
30 Antworten
NuiWhakakore vor 2 Monaten 30 27
7
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
Fast so wie früher
Lieber J.,
erinnerst Du Dich noch an früher? An die Nachmittage im Sommer unseres Abschlußjahres? Wir hatten uns immer hinter der Turnhalle zum rauchen getroffen, unter den Zedern. Mann, war das ein toller Sommer!
Erinnerst Du Dich noch an die Jungs aus der Unterstufe? Wir hatten ihnen einen Joint angedreht, mit Salbei und Lorbeerblatt. Die waren total begeistert und haben kräftig geraucht, bis ihnen schlecht geworden ist. Das war lustig!
Für uns natürlich nur das Beste, die harztriefenden Blütenstände. Hat ganz schon reingeleuchtet. Aber die Pflanzen auf dem Dachboden Deiner Eltern haben auch ziemlich was abgeworfen und ganz ehrlich, ohne das Zeug wäre Latein beim alten Pfeiffer auch nicht zu ertragen gewesen. Veni, vidi, whatever!
War jedenfalls toll, so breit unter den Bäumen, die Luft flirrend vor Hitze, die trockenen Nadeln als weiches Kissen auf der Erde. Wir waren schon ein paar so junge Rebellen!
So, jetzt muß ich aber Schluß machen, meine Frau kommt gleich mit den Zwillingen vom Tennis und der Chablis ist auch alle, da muß ich einen neuen aufmachen. Ich hoffe, in der Versicherung läuft alles gut und die Umschuldung Deines Reihenmittelhauses ist ja auch super gelaufen, wozu hat man auch Freunde in der Bank, ne?
Dein P.

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Normalerweise hätte ich über Sagebrush nichts geschrieben, es gibt ja schon den tollen Kommentar von Flyod, aber irgendwie mußte ich doch, hat er mich doch arg enttäuscht, und das obwohl ich keine große Erwartung an ihn hatte.

Er startet richtig gut mit trocken-medizinischem Salbei, einer leichten Schärfe vom Lorbeer und auch frisch-harzigen Noten vom Elemi. Er verströmt auch gleich einen grünlichen Rauch, alles sehr trocken. Fantastisch knarzig, Volltreffer möchte man meinen. Bis hierhin wäre es ein Traum für mich und dann sind sie halt auf einmal doch da, die Erwartungen.
Es kommt dann aber, wie es kommen muß, die Hanfblüte; und die riecht halt mal intensiv nach Hanfblüte, also Cannabis in der besten Form (habe ich mir sagen lassen), süßlich und harzig. Mit Cannabis kann ich leider gar nicht, das verdirbt mir effektiv jeden Duft, was ja auch der ursprüngliche Grund war, an diesen hier keine hohen Erwartungen zu stellen. Diese Hanfschwaden bleiben dann auch bis zum Ende, zu dem noch etwas Nadelholz dazu kommt. Hier allerdings mehr die trockenen Nadeln der Zypresse und der Zeder, als deren Holz. Ganz leicht erdige Noten nehme ich noch wahr und etwas balsamisch-cremiges, bevor sich der Duft nach 6-7 Stunden verabschiedet.

Sagebrush, also Wüsten-Beifuß, wobei gerade dieser nicht enthalten ist, soll ja die Wüste abbilden und das tut er auch und erinnert mich dabei etwas an Cowboy Grass von Durga, in dem wiederum schon Wüsten-Beifuß enthalten ist. In der Durga-Wüste wird allerdings wesentlich weniger geraucht und nicht gekifft, die liegt mir daher deutlich mehr. Wer aber Cannabis in Düften (und nur in Düften, das soll ja total ungesund sein!) mag, findet hier einen tollen Duft.
Obiger Text ist reine Fiktion, ich kenne weder Banker noch Versicherungsheinis näher…

Danke an Violett für diesen wüsten Trip!
27 Antworten
NuiWhakakore vor 2 Monaten 34 32
8
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
Kurzzeitmetamorphosen
...sie starrt mich an, schwarz und schwer, seit Stunden, Tagen, Woche schon, ich weiß es nicht, die Zeit scheint stillzustehen um sie herum, sie strahlt etwas düsteres aus, ich ahne, wenn ich sie berühre, wird sie mich verschlingen, hinabziehen ins Dunkel, so wie das Zimmer im Schatten liegt, das einzig helle ist das weiße Papier auf der Walze und auch das ist eher vergilbt als strahlend und verströmt den Geruch von würzigen Blumen, oder er weht vom Suq herein, es ist verwirrend, so freundlich als wollte er mich im meiner Dunkelheit verhöhnen legt er sich narkotisch und schwer über mich, versucht mich zu locken, mich zu erdrücken...

Das kratzen von Käfern. Sie kriechen direkt über das Trommelfell. Wie ein scharrender Beat. Schweiß auf der Stirn. Fühle die Tasten. Sie sind warm und aus Leder. Pulsieren wie ein lebendiges Ding. Die Finger verschmelzen mit der Maschine. Werden eins mit ihr. Dunkle Gedanken erfüllen den Geist, fließen hinaus in einem Schwall dreckiger Erde. Keine Kontrolle. Nur das fortwährende Hämmern der Tasten.

...ich schrecke hoch, es ist dunkel geworden und die Maschine starrt mich immer noch an, schwarz und schwer, dampfend steht sie nun vor mir und das Zimmer ist erfüllt von ihrem Geruch nach heißem Metall, wie ein Tier liegt auf der ledernen Walze ein Blatt Papier, einer Zunge gleich, nur jetzt beschrieben, verlangt es Aufmerksamkeit, so dass ich es heraus ziehe und zu den anderen in die Mappe lege, mit letzter Kraft, dann ist es genug für heute, auch wenn die Gedanken immer noch rasen und an Schlaf wieder nicht zu denken ist...

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‚You see, control can never be a means to any practical end...It can never be a means to anything but more control...like junk.. ‚
- William S. Burroughs, Naked Lunch

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Type Writer ist einer der Düfte, die Bilder entstehen lassen, zumindest bei mir. Das an sich ist ja schon fast das höchste Lob, aber ich könnte mir hier sogar vorstellen, ihn zu tragen, zu (sehr) speziellen Anlässen zumindest. Doch der Reihe nach...

Er startet süß, mit einer sehr üppigen, leicht narkotischen Tuberose, die mich hier allerdings nicht so sehr an Kaugummi erinnert wie im Black Tar der selben Marke. Das liegt an den Aldhyden, die eine recht würzige Note mit hinein bringen. Auch sehr trockene, holzige Noten sind erkennbar. Eine leichte Assoziation zu Papier kann man da durchaus hinein fantasieren. Dunkles Harz und leichter Rauch machen sich bemerkbar, wobei er deutlich weniger raucht als angenommen. Es ist eher ein würziger Dampf.
Im Verlauf wird er immer ledriger und harziger, etwas dreckig und auch leicht erdig. Die animalischen Noten nehmen auch zu und ergänzen die Blüten sehr gut. Manchmal blitzt sogar eine leicht frische Zeder durch. Dabei ist der Type Writer immer recht sanft. Erst nach 4-5 Stunden wird er etwas harscher. Es kommt das Gefühl von heißem Metall und Öl auf. So klingt er langsam aus.

Für mich ein sehr besonderer Duft, spannend und fordernd, aber auch belohnend wenn man sich darauf einlässt und dabei auch durchaus tragbar, wenn auch sichern nicht allzu oft. Allzu dunkel empfinde ich ihn nicht, es ist eher ein Spiel aus Licht (zumindest Zwielicht) und Schatten. Die Vergleiche zu Black Tar kann ich gut verstehen, schon alleine ob der Tuberose. Type Writer ist im Vergleich aber viel sanfter und ihm fehlt auch der dicke Teerrauch, was ich natürlich begrüße.

Danke an Gandix für die Nachhilfe in automatischem Schreiben!

Soundtrak: https://www.youtube.com/watch?v=trbvx1U6Ry8
32 Antworten
NuiWhakakore vor 3 Monaten 31 28
9
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
Von Tradition und Taugenichtsen
Geoge Charles, genannt Pommy (1), seines Zeichens baldiger 8. Duke of Marlborough, saß an diesem Frühsommermorgen des Jahres 1877 wie jeden morgen mit seinem Tee vor dem offenen Fenster und schaute auf die ausgedehnten Gärten von Blenheim Palace. Viel zu tun hatte er nicht, was ihm zu pass kam, lehnte er Arbeit doch grundsätzlich ab, und so dachte er einmal mehr darüber nach, wie er wohl einst in die Geschichte eingehen mochte.
Er ging im Geist seine Ahnenreihe durch und musste sich leider eingestehen, dass er keinem seiner Vorfahren das Wasser reichen konnte. Er konnte sich einigermaßen im Sattel halten, war aber sicher kein großer Feldherr, wie der 1. Duke of Marlborough. Auf ein Staatsamt konnte er nicht hoffen (und wollte das auch nicht, hätte es doch ein zumindest geringes Maß an Arbeit bedeutet) und Wohltätigkeit war auch nicht Seins, dann doch lieber eine Runde Bridge und ein Gläschen Port. Nein, er machte sich nichts vor, er spürte nichts Großes in sich.
Also nahm er einen Schluck Tee, Earl Grey, die Bergamotte deutlich in der Nase. Grey, noch so einer, der es in die Geschichtsbücher geschafft hatte. Nun gut, Premierminister, aber doch wohl ein Sozialist, unverzeihlich (2). Durch das geöffnete Fenster wehte die warme Frühsommerluft in das mit dunklem Holz verkleidete Zimmer. Die Geranien blühten in voller Pracht und auch der Lavendel war heuer wieder sehr gut gewachsen. Der Geruch stieg ihm warm-würzig in die Nase und in seinem kleinen Aristokratenhirn formte sich langsam eine Idee…

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Marlborough wurde natürlich nicht von einem dekadenten Adligen erfunden, sondern wohl von George Trumper, dem Gründer von Geo. F. Trumper, einem Barbershop mit großer Tradition, aber keiner Verbindung in den britischen Adel (zumindest konnte ich keine Hinweise darauf finden) und das macht ihn mir persönlich gleich noch etwas sympathischer als eh schon. Aber wir wollen nicht zu viel auf dem britischen Adel herumtreten, auch wenn er es verdient hat.

Es geht hier um das Cologne und das ist, obwohl von 1877, keineswegs altmodisch (siehe hierzu auch den Kommentar des geschätzten Yatagan). Es startet mit einem würzigen, kräftigen Lavendel, den ich jetzt zwar nicht direkt als dunkel wahrnehme, der aber auch erfreulich weit von einer lieblichen Süße entfernt ist. Da spielt meiner Meinung nach auch Rosmarin mit rein und sicher auch ein Spritzer Bergamotte-Öl (somit aus der Schale, frisch aber auch leicht bitter). Die hier angegebenen Duftnoten sind bestenfalls rudimentär, sie geben die Richtung vor, aber da spielt sicherlich noch mehr mit. Florale Noten kommen von der gut erkennbaren Rosengeranie, die allerdings auch nicht lieblich, sondern kräftig und würzig ist, und damit den Lavendel gut ergänzt. Ob hier noch andere Blüten mit beinhaltet sind, wage ich nicht zu beurteilen, würde es aber auch nicht ausschließen. Dazu kommt dann noch eine holzige Basis aus einer herben Zeder mit einer leichten Limonen-Note und cremigem Sandelholz. Sehr gut möglich ist auch ein Spritzer Vetiver, zumindest nehme ich in der Basis etwas leicht erdiges wahr und einen leichten Würzdampf (ich will es nicht Rauch nennen, dafür ist es nicht dicht genug).
Viel Entwicklung hat der Duft nicht. Der Lavendel wird etwa weicher, lieblicher und auch süßer, aber der Duft bleibt grundsätzlich eher herb und das auf der Haut für maximal 4-5 Stunden, was für ein Cologne gar nicht mal so schlecht ist. Auf Textil hält er dagegen 7-8 Stunden, da kann man also wirklich nicht meckern.

Bereits beim ersten Test hat mich Marlborough übrigens an (den ebenfalls fantastischen) Bois du Portugal von Creed erinnert (110 Jahre jünger, aber aus ganz ähnlichem Holz geschnitzt). Beide haben eine recht ähnliche Lavendel-Zedernholz-Note, wenngleich die Haltbarkeit beim Creed schon wesentlich besser ist. Dafür war der Trumper zuerst da und ist um einiges günstiger (wobei ich Creed nicht des Plagiats bezichtigen will, die Düfte sind sich ähnlich aber keine plumpe Kopie).

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(1) Der 8. Duke of Marlborough hatte meines Wissens nach keinen Spitznamen und schon ganz sichern nicht Pommy (was eine abfällige Bezeichnung der Australier für die Engländer ist), war aber ansonsten ein typischer Vertreter seines Standes, was schlimm genug ist, jedoch durchaus noch getoppt wurde von seinem Sohn, dem 9. Duke of Marlborough, der neben allem andern auch noch ein paranoider Antisemit war. Es lebe das englische Adelshaus und alle andern auch gleich mit…

(2) Earl Grey Tee wurde übrigens nicht von Charles, dem 2. Earl of Grey erfunden, sondern nach ihn benannt und so ganz klar ist nicht, ob es ihn 1877 schon gab. Ein Sozialist war er wohl eher auch nicht, aber er hat die Monopolstellung der Ostindien-Kompanie und die Sklaverei in den Kolonien aufgehoben, was für die Zeit wohl eher progressiv war.
28 Antworten
NuiWhakakore vor 4 Monaten 41 38
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon
Heite grob ma Tote aus
Heute feiern wir wieder. Fasching auf dem Friedhof. Grufti-Disko in der Gruft. Wie die Tiere drängen wir uns in den Schatten. Warm, aber sanft. Brutal ist die Welt draußen, hier ist dafür kein Platz. Die Bewohner schätzen die Ruhe sehr. Wir reiben unsere ledernen Körper an kalten Marmor. Die harzigen Fackeln sprühen Lavendelfunken. Scharf der Geruch der Nacht. Süße Blumen sprießen durch würzigen Teer. Die Party ist dann doch schnell zu Ende. Fröhlich sein hat jetzt keinen Raum. Zuhause früh ins Bett. Alkohol ist keine Lösung, aber er hilft. Lichter aus über Europe Central.

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Ich mag Wiener Blut sehr gerne, so wie auch Wien, den Schmäh, das leicht morbide, den schwarzen Humor, das Böse mit einem lächeln serviert. Also hat es auch Unheimlich bei mir schon mal unheimlich leicht. Er passt für mich auch sehr gut nach Wien. Wien im Winter, wenn der Wind eisig durch die Gassen pfeift und es draußen so gar nicht gemütlich ist und man sich lieber ganz schnell ins nächste Café verdrückt.
Er startet bei mir mit so ziemlich allem was so drin ist gleichzeitig. Eine schöne Wildledernote, Gewürze, die aber nicht einzeln erkennbar sind, süßliche Harze und eine gehörige Portion Animalik (Zibet, Bibergeil, Kreuzkümmel). Das ganze ist durchaus dunkel gehalten, dabei aber sehr sanft und warm, eher kuschelig. Blümchen sind erkennbar, spielen aber keine große Rolle. Eine ganz leichte Frische schwingt auch mit. Ich würde das auf den Lavendel und vielleicht auch den Vetiver schieben, aber auch das ist untergeordnet. Eine scharfe Note mache ich noch aus, die ich dem Costus zuschreiben würde. Was ich so gar nicht wahrnehme ist Kakao, worüber ich aber auch nicht traurig bin. Positiv erwähnen möchte ich noch den Birkenteer, der mich normalerweise sehr schnell in die Flucht schlägt, hier aber so dezent ist, daß er mich nicht stört. Große Entwicklung hat der Duft nicht (genau genommen eigentlich keine), aber das stört mich nicht weiter. Er ist über 8 Stunden ein sanfter Begleiter. Ein schöner Duft, durchaus mit einem dunklen, aber nicht unheimlichen Wesen.

Mit Dank an Delighful!

Der Sound zum Duft kommt von Voodoo Jürgens:
https://www.youtube.com/watch?v=PvJ9L9gmJSs

Das Buch zur Lage:
William T. Vollmann – Europe Central
38 Antworten
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