NurmalsoNurmalsos Parfumrezensionen

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Nurmalso vor 8 Tagen 21 22
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon
First Time, First Love...
1986. Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme wird erschossen. Die Challenger explodiert nach nur 73 Sekunden. Ein Virus, der seit 1980 die Krankheit Aids auslöst, bekommt endlich einen Namen: HIV. Und in Tschernobyl explodiert ein Reaktorblock eines Kernkraftwerkes. Angst und Ungewissheit bestimmen nun das Leben vieler Menschen.

Zur gleichen Zeit wurde ich volljährig, machte den Führerschein und fühlte mich sehr erwachsen. Schon merkwürdig, wie klein eigentlich unser Kosmos ist, während man sich ausschließlich um sich selbst kreist. Während da draußen also die Hölle tobte (und auch 36 Jahre später ist es nicht viel anders), genoss ich meine neu gewonnenen Freiheiten. Meine Welt drehte sich um Make-Up, Klamotten, Musik und lauter anderen Nonsens, der damals mein Leben bestimmte und mich glücklich machte. Aus heutiger Sicht war ich nie wieder egoistischer als in dieser kurzen Zeit zwischen dem Teenager-Trotz entflohen und sich noch keine Sorgen um die Zukunft machen.

Und so brauchte mein "erwachsenes" Ego auch ein erstes richtiges Parfum. Hatte ich mich vorher mit Jovan-Öl oder Dané-Deo parfümiert, kaufte ich nun vom Weihnachtsgeld meiner Oma das erste richtige Parfum. Allein der Gang in die einzige Kleinstadtparfümerie war aufregend und irgendwie erhaben. Und ohne das Wort Blindkauf zu kennen, kaufte ich das, was im Schaufenster ausgestellt und mit dem noch sehr jungen Supermodel Yasmin le Bon plakatiert war. Schon in der nächsten Seitenstraße holte ich den Flakon mit der rotbraunen Flüssigkeit aus der Schachtel und sprühte. Ich war sofort total verknallt. Aus meiner Erinnerung habe ich vor allem den Geruch von Zimt und Nelken in meiner Nase. Ein Gewürzbasar, der trotzdem Frische versprühte. Und auch nicht so erschlagend war wie das damals ebenfalls sehr beliebte Opium. Heute erkennt meine Nase auch die Aldehyde, die dicht gewobenen Blüten und einen Hauch Weihrauch.

Zu vielen Düften von damals habe ich heute eine andere Meinung. Bei KL aber haben sich meine Ansichten null geändert. Er ist und bleibt meine erste große Parfum-Liebe und der Grund dafür, warum ich mich hier vor 5 Jahren auf Parfumo angemeldet habe. Ich hatte Sehnsucht und wollte ihn unbedingt mal wieder riechen.

Inzwischen bin ich stolze Besitzerin eines Vintage-Flakons und es hat wie damals, um in der 80er-Sprache zu bleiben, wieder ZOOM! gemacht. An Tagen wie heute, wo bei mir gerade Musikvideos aus den 80ern auf youtube laufen und ich dabei alte Fotos angucke, ist er einfach der allerbeste Begleiter. KL und ich gehen jetzt googeln, wer diesen Song mit "First time, First love.. oh what feeling is this" geträllert hat, bedanken uns fürs Lesen und wünschen allen einen wunderbaren Sonntag!
22 Antworten
Nurmalso vor 1 Monat 8 5
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
Talland Bay, September 10th, 2018, 8:28 am /Part 2
Er hätte die Flasche Birnenschnaps nicht austrinken sollen. Wie bescheuert kann man sein? Inspector Murda McMaster stand Zähne putzend unter der lauwarmen Dusche und versuchte wach zu werden. Schon wieder eine Tote in diesem Kaff. Und er kam einfach nicht aus dem Quark. Sollte es sich wirklich um einen Serientäter handeln? Und wie wahrscheinlich war es, dass es sich nicht um einen Einheimischen handelt? Allein schon das Haare trocken rubbeln war eine Qual. Eine Aspirin könnte helfen. Oder gleich zwei? Er löste die Tabletten in einem Wasserglas auf und schluckte das Zeug hastig runter. Das war jetzt schon die dritte Frau, die entweder vermisst oder tot aufgefunden wurde. Wenn er da nicht bald Licht ins Dunkel bringt, hatte er Scotland Yard am Hals. Das hätte ihm gerade noch nach elenden Sorgerechtsstreitereien und diesem nicht ganz freiwilligen Umzug gefehlt. Murda McMaster zog den grünen Makintosh-Mantel über und schnappte sich die Schlüssel. Im Handschuhfach fand er noch eine angebrochene Packung Honeyrose Vanilla, sauteure Kräuterzigaretten, die beim Entzug helfen sollten. Er zog zweimal dran und drückte sie wieder aus. Sie rochen einfach besser als sie schmeckten. Feinste rauchige Vanille machte sich über den Eichenpaneelen seines alten Jaguars breit. Gepaart mit den restlichen Kräutern, die ihn von seiner Nikotinsucht befreien sollten. Und immer wieder musste er aufstoßen. Verfluchter Birnenschnaps!

Die Thompson zog nur leicht die Augenbrauen hoch als er auf sie zuging. Und nach einem kurzen Faktencheck ging sie einfach an ihm vorbei die Klippen hoch. Diese arroganten Briten! Er würde ins office fahren und sich die anderen Fälle noch einmal gründlich vornehmen. Und ganz sicher nie wieder einen Schluck Alkohol trinken!
5 Antworten
Nurmalso vor 1 Monat 13 7
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon
Talland Bay, September 10th, 2018, 8:16 am /Part 1
Constable Nancy Thompson wartet schon seit guten vierzig Minuten auf Inspector Murdo McMaster, Ihren Vorgesetzten. Ein Kauz aus dem schottischen Lockerbie, groß, hager und mit wenig guten Manieren ausgestattet. Wo blieb er bloß?
Sie war so froh aus London raus zu sein, mit all dem Lärm, der Hektik und den vielen Verbrechen. Ihre Versetzung in dieses wunderbare kleine Fischerdorf war für sie wie für andere 6 Richtige in der National Lottery zu gewinnen. Und jetzt das. Ein Mord in Polperro, einem kleinen pittoresken Fischerdorf in der Grafschaft Cornwall. Und es war nicht der erste in diesem Jahr. Seit Wochen war die Bevölkerung beunruhigt. Eltern ließen ihre Töchter nicht mehr alleine vor die Tür gehen. Und auch sie hatte im Dunkeln immer ein mulmiges Gefühl, wenn sie noch einmal mit ihrer kleinen Mischlingshündin Stella vor die Tür musste. Sie beugt sich ein letztes Mal über die junge Frau, bevor sie in die Forensik überführt wird. Wie sie dort liegt auf den roten Felsen von Talland Bay, so unschuldig als würde sie schlafen. Nancy blickt über die Bay und atmet tief ein. Sie kann das Meer riechen. Fast bildet sie sich ein, Salz auf ihrer Zunge zu schmecken. Sie riecht die feinen Hölzer und den wilden Salbei. Alles so schön harmonisch und verträumt. Erst das Zuschlagen einer Autotür weckt sie aus ihrem Tagtraum. Inspector McMaster kommt mit forschen Schritten und grimmigen Blick auf sie zu. Na endlich.

"Alle W-Fragen geklärt, Thompson?"
"Guten Morgen, Inspector. Ja. Virginia Parker, 21 Jahre, Kellnerin im Red Lion Inn. Hatte um 23:00 Uhr Feierabend. Ihr Fahrrad fand man bereits oben in einem Gebüsch. Vermutlich ist sie erwürgt worden. Aber Einzelheiten wie immer später ..."
"Freunde? Familie? Feinde?"
Nun also die F-Fragen. Aber Nancy hatte ihre Hausaufgaben gemacht.
"Fehlanzeige, Sir. Sie ist erst kürzlich von Liverpool hier her gezogen."

So wie ich, dachte sie. Raus aus dem Smog und Dreck. Und rein in die Idylle. Wieder sog sie die salzige Meeresluft tief ein und schloss die Augen. Sie würde gleich oben den Pub-Besitzer intensiver befragen. Wie schon einmal vor vier Wochen, als seine Kellnerin Kate Adams von heute auf morgen spurlos verschwand. Und zufällig war er auch der Schwager der ermordeten Susan Brighton, die Fischer vor einem halben Jahr aus dem Wasser gezogen hatten. Entweder hatte er richtig Pech mit Personal und Familie oder Nancy konnte ihren ersten Fall lösen. Das wäre dann der zweite Lotteriegewinn innerhalb kürzester Zeit. Noch einmal blickt sie über die Bucht und atmet tief durch. Dann lässt sie den verdutzten Inspector stehen und geht nach oben Richtung Red Lion Inn.

7 Antworten
Nurmalso vor 2 Monaten 24 16
9
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon
Im Hier und Jetzt
Sie ging wie auf Wolken die Treppen zur U5 runter. So leicht hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Es war ihr erstes Date seit zwei Jahren gewesen. Und vier Jahre nach ihrer toxischen Beziehung zu einem aufbrausenden Egoisten, der ihr jegliches Selbstwertgefühl genommen hatte. Es lagen also wirklich ein paar sehr dunkle Momente hinter ihr. Vielleicht konnte sie deshalb dieses sorgenlose Glücksgefühl so sehr genießen. Eine Gruppe 20-jähriger rämpelten sich lauthals gegenseitig an, ein Businessfritze schrie unverhohlen in sein Smartphone. Das übliche halt. Nur mit dem Unterschied, dass sie das einfach nicht juckte.

Sie war mit Christian in einem kleinen Bistro verabredet gewesen. Er saß schon da, als sie kam. Life gefiel er ihr fast noch besser als auf den Fotos. Und obwohl beide hochgradig nervös waren, kam schnell eine gute Unterhaltung zustande. Sie lachten viel, erzählten von Urlauben und exotischen Gerichten. Beim zweiten Glas Wein berührte er ihre Finger und sie spürte die kleinen Explosionen, die diese unverhoffte Berührung in ihr auslöste. Das Leben war gerade mal schön. Und egal, wie das hier ausgehen wird: Jetzt ist es gerade perfekt. Zum Abschied umarmte Christian sie und sie roch seinen unglaublich angenehmen Duft. Helles Holz, sanfter Weihrauch, ein Hauch Pfeffer, eine Prise Rauch. Sie hatte immer schon einen Faible für Gerüche gehabt. Der Duft war so beruhigend, angenehm sanft und trotzdem aufregend männlich. Ein "alles wird gut"-Duft. Irgendwie roch es gar nicht wie Parfum sondern wie ein zarter Moment, ein schöner Augenblick. Sie fragte Christian nach dem Duft und er legte lächelnd seinen schmalen quarzgrauen Schal und ihren Hals: "Das sage ich Dir beim nächsten Mal."

Noch eine Station und sie musste raus. Mr. Business quasselte immer noch oberwichtig ins Telefon. Und ein Paar stritt sich recht unverhohlen und garantiert nicht zum ersten Mal. Wie ein Teenager steckte sie ihre Nase in den Schal, blendete alles aus und lächelte.
16 Antworten
Nurmalso vor 3 Monaten 30 11
6
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
6
Flakon
Etikettenschwindel (intensiv!)
Ich trinke seit 35 Jahren Kaffee. Manuell aufgebrüht, aus den handelsüblichen Filtermaschinen, den Runterdrück-Dingern, die mit den Pads/Kapseln, aus Vollautomaten und Siebträgermaschinen. Latte Macchiato, Cappuccino, Espresso, Frappé, Mokka, Ristretto, Irish Coffee, Wiener Melange, Hipster-Gedöns a la Cold Brew Tonic oder Coffbucha.... ich habe sie alle getrunken. Mit mehr oder weniger Begeisterung.

Wer jetzt noch nicht gegähnt hat: Danke schön! Aber ich fühle mich genötigt zu beweisen, dass ich wirklich und ganz in echt mit Doppelschwör weiß, wie Kaffee schmeckt und vor allem wie er riecht. Und dann kommt nach all den Jahren der Kaffee-Konsumerei Montale daher und schreibt sich Intense Café auf die Alubuddel. Echt jetzt? Welcher Kaffee soll das sein? Ich rieche keinen Kaffee, nicht die Bohne (den Fips Asmussen konnte ich nicht liegen lassen, sorry!). Okay, in Kinderschokolade sind auch keine Kinder drin. Aber die Grinsebacke auf der Verpackung bedarf einer Erklärung. Und wenn Lancôme meint, dass Leben wäre schön, wenn man sich mit La vie est belle einsprüht, ist das eben ein subjektives Werbeversprechen. Aber zu sagen: "Mit mir riechst du intensiv nach Kaffee" ist meines Erachtens nach eine dreiste Lüge.

Jetzt schrieben hier ja schon einige, es könnte das Café als solches gemeint sein. Hm, mit viel fünfe gerade sein lassen könnte es sich um den Außenbereich eines Cafés handeln. Mit niedlichen Rosensträußchen auf den Bistrotischen und Vanille-Macarons in der Auslage. Dabei ist das nicht einmal ein komplett schlechter Duft. Ich rieche Vanille, Rosen und irgendwas gezuckertes, das durchaus an eine Bäckerei erinnern könnte. Für meinen Geschmack zu süß. Aber bei fast 840 Besitzern hier auf Parfumo muss auch ich anerkennen, dass dieser Duft wohl seine Berechtigung hat. Bloß eines wollte ich mal klarstellen: Eine Kaffeebohne kennt Intense Café nur vom Hörensagen. Und das, Montale, nehme ich Dir persönlich übel.

PS: Ich entschuldige mich schon mal bei all den Kommentatoren, die auf ihrer Haut Kaffee riechen konnten. Eure Phantasie ist beneidenswert. Und ja, ich bin einfach nur neidisch.
11 Antworten
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