OlorosoOlorosos Parfumkommentare

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21.03.2014 21:37 Uhr
13 Auszeichnungen
… nennt Pierre Guillaume seinen Monsieur und in der Tat: Das ist er!

Einen Duft zu kreieren, der mehr oder minder nur aus Noten der holzigen bzw. moosig-erdigen Duftfamilie besteht, scheint nur auf den ersten Blick sehr gewagt, denn wie immer kommt es auf das richtige Verhältnis der Duftbausteine zueinander und deren Qualität an.

Pierre Guillaume, dessen Kreationen mich bisher nur wenig verzückten und den ich daher bereits als überschätzt und überbewertet einstufte, erfindet auch mit dieser Interpretation sicherlich nicht die holzige Duftfamilie neu, aber er versteht es, in gekonnter Weise eine für mich ausgesprochen ausgewogene Komposition zu schaffen, die zwar sehr einfach in ihrem Verlauf wirkt, ihre Komplexität aber durch übereinander gelagerte und perfekt aufeinander abgestimmte Duftbausteine erhält.

So wirkt dieser Monsieur edel, erhaben und elegant, aber auch herb, erdig, würzig, rauchig und auch ein wenig raubeinig. Damit schafft Pierre Guillaume eine moderne Interpretation eines Herrn, ein Update auf das 21.Jahrhundert und einen Monsieur, der sich nicht mehr in das alte, ein wenig angestaubte Bild eines Herrn mit grauen Schläfen, dem Mouchoir in der Brusttasche und den perfekten Manieren fügt. Dieser Monsieur ist zupackend, dynamisch, viril und selbstbewusst, kein leiser Herr, der mit sanfter Stimme spricht, er gehört zu den starken, die nicht warten und sich nehmen, was sie haben möchten.

Für mich ist Monsieur (neben Santal Sacré) DIE Entdeckung der letzten Monate und ich freue mich, dass er hier und heute einen verdienten Platz in den Top 100 einnehmen darf.

Und für alle, die den Wink verstehen: Ich kann nur hoffen, dass sich die üblichen Abwerter ein wenig Zeit lassen ...


13.10.2013 11:26 Uhr
13 Auszeichnungen
Dominique Ropion soll einer der besten Parfümeure für Blumenduftkompositionen sein und es ist daher nicht verwunderlich, dass er bisher überwiegend Damendüfte komponierte, stehen Blumen auch in moderneren Interpretationen und Konzepten immer noch deutlich – wenn auch nicht ausschließlich - für Weiblichkeit.
So wird Carnal Flower – was bei diesem Namen nicht weiter verwunderlich ist - ebenfalls von Blumen dominiert, wird aber als Unisex-Duft vermarktet, was hingegen dann doch sehr überraschend ist, da CF keinen maskulinen Gegenpol, etwa durch Holz- oder Gewürznoten, hat und dadurch keinen Ausgleich bzw. kein Gleichgewicht findet. Er ist m.E. eindeutig feminin.

Diese einseitige Blumigkeit ohne Gegenpol entspricht nicht meinen persönlichen Vorstellungen eines für mich als Mann tragbaren Dufts, da sie mir nur in den seltensten Fällen gefällt und nicht zu meinem Äußeren und Auftreten passt. Aber hier muss jede männliche Nase selbst entscheiden, ob sie diesen Duft als tragbar empfindet oder nicht.

CF ist schwer zu fassen und entzieht sich einer eindeutigen Beschreibung, ist aber sauber komponiert und von überzeugender Qualität. Im Auftakt dominiert Jasmin – mein persönliches Schreckgespenst unter den Blumennoten – und nicht die Tuberose. Diese entfaltet sich erst kurze Zeit später und strahlt die ganze Kraft ihrer verführerischen Weiblichkeit aus, wodurch der Name seine Berechtigung erfährt.
Der Duft ist im weiteren Verlauf sehr wechselhaft, oszilliert zwischen seinen Duftbausteinen, wirkt wankelmütig und unentschlossen und sein Verlauf erscheint wie ein Spiel von Abschied und Wiederkehr. Daher erscheinen verschiedene Bilder, die von Friedhof über Blumengeschäft bis hin zur gerne zitierten Kosmetikschatulle reichen. Die Blumen sind frisch und verwelkt, manchmal grün wie ihr Stängel und Blattwerk, manchmal erdig wie ihre Wurzeln und Knollen. Durch dieses Wechselspiel weist CF keinen linearen Verlauf auf, sondern bietet eine kleine Rundreise und man endet wieder dort, wo man angefangen hat.

Mit „Une Fleur de Cassie“ zeigte Ropion selbst, dass es anders geht und auch blumige Düfte von Männern getragen werden können, wenn sie beispielsweise durch Holz ein Gegengewicht erfahren. Und mit „Geranium pour Monsieur“ zeigte er ebenfalls, dass eine feminine Blume durch würzige Noten und Holz für Männer machbar ist, auch wenn diese Konzepte nie zu meinen bevorzugten Richtungen gehören und damit auch nie meine Begierde wecken werden.


03.10.2013 09:58 Uhr
17 Auszeichnungen
Es hat einen gewissen Unterhaltungswert, wenn man sich die Beschreibungen zu diesem Duft anschaut. Einmal soll sich Olivier Creed von der Landschaft der französischen Pyrenäen, ein anderes Mal von der der Schweizer Alpen inspiriert haben lassen. Hierbei soll er selbst durch Wald und Wiesen gestreift sein, über Berge und durch Täler gewandert sein. Ein weiteres Mal wird die Inspiration seiner Neigung zum Skisport zugeschrieben. Nun, verbuchen wir dies mal wieder unter Marketing und Werbetrommel ... Es ist auch eine lustige Vorstellung, wie Creed von Stein zu Stein hüpfend einen Bach überquert oder kniend am Ufer desselben oder auf einer Wiese an Blumen und Kräutern riecht.

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Verkauft wird Silver Mountain Water als Eau de Parfum, wobei die Konzentration lediglich die eines Eau de Toilette ist. Dies ist bei den meisten Düften von Creed der Fall. Nepp? Nun, die Beurteilung überlasse ich jedem selbst. Für mich hat SMW ohnehin Cologne-Charakter und ist m.E. kein echtes EdT und natürlich keinesfalls ein EdP.

SMW gehört in die Familie der frischen, fruchtigen und holzigen Düfte, ich persönlich würde noch grün hinzufügen. Frisch-fruchtig-grün-holzig, in dieser Reihenfolge nehme ich den Duft wahr. Damit ist er ein eindeutiger Kandidat für den Frühling und Sommer.

SMW startet frisch und fruchtig mit der Bergamotte und Mandarine und trägt tatsächlich etwas sehr Sauberes, Reines und Klares in sich, womit der Name und seinem Bezug zur Vorstellung eines sauberen und klaren Gebirgsbaches oder -sees durchaus gerechtfertigt erscheint.
Kleiner Schönheitsfehler: Die Frucht erscheint überraschenderweise leicht synthetisch, was ich bei Creed bisher noch nicht wahrgenommen habe.
Der Auftakt verliert sich sehr schnell und die Entwicklung nimmt einen rasanten Verlauf, da Petitgrain und Sandelholz sehr schnell erscheinen. Die Basis, die säuerlich und leicht bitter riecht, verweilt dann aber doch länger, als man es nach diesem Auftakt hätte erwarten können.

Alles in allem vernehme ich bei SMW auch zarte Aspekte von Puder, eine leichte Seifigkeit, die sicherlich vom Moschus kommt und auch eine leicht bittere Note, für die ich das Galbanum verantwortlich mache. Der grüne Charakter bleibt dem Duft erhalten.

Alles sehr negativ? Nein, keineswegs!

Mir persönlich gefallen die genannten Aspekte. Der Cologne-Charakter, das säuerliche, leicht bittere Grün, die nur scheinbar einfache Komposition, die aber wesentlich komplexer ist.

Die Schönheit von SMW liegt daher in der nur scheinbaren Einfachheit und in der perfekten Abstimmung seiner Duftbausteine, denn dies ist die wahre Parfümkunst.

Manchmal ist weniger mehr, so auch bei diesem Duft, denn er wirkt wie das Understatement eines Könners.


11.12.2012 05:24 Uhr
7 Auszeichnungen
Was für ein kläglicher Versuch, sich selbst zu kopieren, denn Pure Havane ist für mich alles andere als ein würdiger Ableger aus der A*Men-Reihe. Da ich Pure Shot und Pure Malt als durchaus gelungen erachte, setzte ich gewisse Erwartungen in diesen Duft, zumal das Ranking hier ausgesprochen gut ist. Maßlose Enttäuschung machte sich breit.

Pure Havane ist im Auftakt extrem süß und fällt sehr schnell seiner eigenen Charakterlosigkeit und Belanglosigkeit zum Opfer. Er schwächelt und verflacht bereits nach kurzer Zeit und wird daher schnell langweilig. Er ist auch synthetisch, was im weiteren Verlauf immer deutlicher wird. Er wirkt wie ein schlechter Mainstream und hat nichts Außergewöhnliches. Die Euphorie für diese Kreation kann ich nicht nachvollziehen, aber gut. Geschmack ist eben sehr individuell.

Die Süße wirkt in meiner Nase eher beerig und erinnert mich nur wenig an Honig, von Tabak keine Spur. Patchouli, Ambra, na ja, wenn man es sich nur kräftig einbildet, so hilft die Macht der Autosuggestion. Daher ist Pure Havane auch keine runde Komposition, er ist sehr unspektakulär, geradlinig simpel und öde, da hier etwas fehlt. Das Zusammenspiel der Duftbausteine scheint nicht besonders zu funktionieren.

Chanelle schrieb A*Men for her und nur in diesem Punkt kann ich ihr Recht geben. A*Men ist so viril wie ein Mädchen mit Zöpfchen und Sommerkleidchen - nämlich überhaupt nicht. Das Konzept des modernen männlichen Tabakdufts ist hier völlig misslungen.


08.12.2012 21:08 Uhr
6 Auszeichnungen
Fern, sehr fern des Mainstreams und des gefälligen Nischendufts steht Miel de bois, ein in der Tat außergewöhnlicher Duft. Die Komposition erachte ich als ebenso interessant wie schwierig und ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Ich muss gestehen, ich schwanke zwischen unverständlicher Faszination und fasziniertem Unverständnis. Die Kommentare meiner Vorredner zeigen diese Ambivalenz ebenfalls.

Mdb ist süß, holzig und riecht wie frisch aufgetragene Möbelpolitur mit medizinisch-weihrauchartigem-harzigem Einschlag. Süßer, schwerer Harz, das beschreibt den Duft auf meiner Haut / in meiner Nase am besten.

Und da ist auch schon das Problem, denn so faszinierend Mdb anfangs ist, so nervig wird er im Laufe der Zeit. Er verändert sich nicht wirklich und bleibt und bleibt und verweilt, um zu bleiben. Mdb leidet darunter, was man bei anderen bemängelt - es ist seine beharrliche Langlebigkeit. Und das mir! Denn für gewöhnlich habe ich leider das Problem der duftabsorbierenden Haut und selbst berüchtigte Mörderdüfte wie Black Afgano bleiben auf meiner Haut lediglich wenige Stunden. Aber aus irgendeinem Grunde erschlägt er mich und der Duft klebt auf meiner Haut und will nicht weichen. Da sich der Duft nicht weiter verändert, wirkt er leider auch unvollständig. Die überraschende Wendung fehlt hier komplett.

Fazit: Nur für hartgesottene Honigbären wirklich ein Genuss. Allen anderen rate ich zu vorsichtiger Dosierung.


17.11.2012 10:39 Uhr
5 Auszeichnungen
Als ich mich vor meinem Test über Boucherons Jaïpur informierte und mir die Pyramide ansah, war ich beispielsweise ob des Heliotrops in der Kopfnote doch sehr skeptisch und ich fragte mich, wie man so eine schwere Note in den Kopf setzen könne. Insgesamt schien mir die Duftpyramide, wenn sie denn überhaupt stimmt, schwierig und überladen mit schweren Noten. Meiner Meinung nach darf auch ein Orientale nicht einfach nur schwer sein.
Nun, vielleicht könne man es doch ermöglichen, sofern der Parfümeur mit dem Messbecher umzugehen wisse, sagte ich mir.

Meines Erachtens ist die Harmonie der Akkorde nicht gelungen, denn in meiner Nase dominieren Heliotrop, Vanille und Tonka - was im Resultat einen süßen Vanilleduft ergibt. Der zitrische Auftakt ist nicht der Rede wert und leichte Anklänge von Rose können dies nicht ausgleichen. Jaïpur riecht für mich daher sehr eindimensional und auch sehr feminin. Hätte ich das Konzept nicht gekannt, hätte ich sicherlich nicht auf einen männlichen Orientalen getippt.

Dies entspricht nicht gerade meinen persönlichen Vorlieben und ich habe auch in dem einen oder anderen Kommentar bereits meine Abneigung gegenüber überbordenden Kombinationen von Vanille, Tonka und Heliotrop zum Ausdruck gebracht - und dies obwohl ich aufgrund meines Alters durchaus zur Generation Vanille gehöre. Aber wir wissen, dass Ausnahmen zur Regel gehören.

Ich kann nicht umhin festzustellen, dass mir immer wieder eine leichte Synthetik in die Nase weht. Diese ist zwar nicht sehr ausgeprägt, aber doch wahrnehmbar. Mich würde es auch nicht erstaunen, wenn hier günstigere Synthetika verarbeitet worden wären. Es ist in allen Branchen sehr üblich, dass man die Rechte an einem erfolgreichen Produkt erwirbt, dann billig produziert und damit die Gewinne maximiert. Dies geht so lange gut, bis es der Kunde merkt und dann nicht mehr kauft, woraufhin dann die Einstellung der Produktion folgt. Nun, warten wir es ab, was mit Jaïpur passieren wird.

Bei meinen gelegentlichen Ausflügen in die Unterwelt der Düfte traf ich auch schon zweimal auf Kreationen von Jean-Pierre Sand: Magic Tower und Royal Prince Men. Sand verbreitet - nennen wir es mal - Kreationen mit gewissen Ähnlichkeiten zu bekannten und erfolgreichen Düften. Jaïpur scheint Vorbild für Magic Tower gewesen zu sein. Wenn man allerdings den Flakon betrachtet, so kommt eher Royal Prince Men in Frage, den ich allerdings in einem meiner Kommentare in die Richtung von Le Mâle rückte. Die Düfte sind nicht unbedingt schlecht gemacht und vielleicht auch eine günstige Alternative für den Alltag, sofern man das Original sehr mag.

Erwähnt sei noch, dass ich nur den reformulierten Duft kenne. Sollte Jaïpur einst ein ganz anderer gewesen sein, so glaube ich gerne, dass er einmal ganz großartig war. Aber was hier auf meiner Haut vor sich hinvanilliert ist in meinen Augen keine große Sache. Schade!


15.11.2012 06:25 Uhr
9 Auszeichnungen
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Nicht nur sauber, sondern rein –
Das kann nur EdB von Lehmann sein!

Mit diesen Anleihen aus der Werbung ist schon viel gesagt, denn mit EdB riecht man geduscht, frisch rasiert und frisiert, gebügelt und zusammengelegt.

EdB kann man sich als Mischung aus Fabergés Brut und Muglers Cologne vorstellen und dies meine ich positiv. Wer beides zu Hause hat, kann ja mal mischen.

Barneys Eindruck von Seife und Rasiercreme kann ich nur bestätigen, aber vielleicht nicht unbedingt Kernseife. Die Seife ist etwas feiner und daher nicht störend.

Neroli, Petitgrain und Moschus sind meine Eindrücke, dann noch eventuell Bergamotte. Anis und Moos folgen. Der Rest ist schwierig zu bestimmen.

Ich weiß nicht, wie Berlin riechen soll, aber frisch und ein wenig frech, unkompliziert sympathisch machen dieses Cologne aus. Es ist ein sehr direktes, aber unaufdringliches Cologne. Schön!


14.11.2012 22:24 Uhr
5 Auszeichnungen
Oxygène gibt mir Saures und dies im wahrsten Sinne, denn nach dem Aufsprühen auf die Haut fühle ich mich wie ein frisch geöffnetes Glas saurer Gurken von Hengstenberg, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich gewürfelt oder in Scheiben geschnitten bin. Identitätskrise? Vielleicht! :))

Alberto Morillas, (eigentlich) ein Meister seiner Zunft, der u.a. das wunderbare Mugler-Cologne kreierte und bereits 1997 Lanvin L’Homme realisierte, muss verschnupft gewesen sein, als er Oxygène beim Waldspaziergang zusammenstellte. Hierbei hüpfte er vermutlich von Ast zu Ast und entlaubte alle Zypressen und Tannen. Als er von einem Baum herunterfiel, landete er weich in einer großen Ansammlung von Estragon, Wacholder und Koriander und nahm bei dieser Gelegenheit gleich alles mit, denn er hatte leider seinen Messbecher vergessen. Alberto, Knoten ins verrotzte Taschentuch!!

Die Komposition ist alles andere als ausgewogen. Harz und Zypresse dominieren über den ganzen Verlauf und überdauern sogar die Basisnote, von der ich überhaupt nichts wahrnehmen kann. Der säuerliche Geruch schwindet nicht. Für die perfekte Duftnachahmung eines Glases saurer Gurken fehlt eigentlich nur noch der Dill.
Auch der Test auf Papier, im Glas und an anderen Personen brachte keine Veränderung der Wahrnehmung. Meine Nase nimmt immer nur diese säuerliche Note wahr. …

Warum man hier die Farbe blau wählte ist mir ein Rätsel, denn für mich hat der Duft nichts Aquatisches. Grün stünde ihm besser, denn mit der Idee eines Waldduftes kann ich mich anfreunden. Allerdings darf man hier nicht an den mitteleuropäischen Mischwald denken, sondern eher an den mediterranen Zypressenwald.

So fällt der Duft bei mir komplett durch und es ist für mich keine Überraschung, dass er mittlerweile im Niedrigpreissegment gelandet ist. Wahrscheinlich steht die Einstellung kurz bevor, was ich persönlich nicht als Weltuntergang betrachte.

Wenn man eine Vorliebe für eingelegte Kürbisgewächse hat, dann sollte der Duft ein Testkandidat sein. Ich gehöre nicht dazu und ich gehe dann mal vor die Tür, um frisches und echtes Oxygène zu schnappen.


06.11.2012 23:36 Uhr
11 Auszeichnungen
Harry Wüstenfuchs Lehmann beschreibt den Duft mit „warm und leicht“, eben wie ein Wüstenwind und nicht wie ein Sandsturm. Und in der Tat ist das der Duft auch nicht. Der Duft muss sich beeilen, damit er nicht schneller geht, als er kommt – was ziemlich unsinnig klingt, wenn man’s denn so recht bedenkt. :)

Aber zumindest muss ich mich mit meinem Kommentar beeilen und meine Eindrücke schnell festhalten, bevor ich immer wieder nachsprühen muss, denn die Haltbarkeit ist sogar für ein EdC eher unterdurchschnittlich, was wiederum für die Düfte von Sahara-Harry ungewöhnlich ist.

Leicht, leicht, leicht - ja leicht passt gut. Der Duft riecht leicht blumig, vermutlich gemildertes, also leichtes Heliotrop oder auch leichter Jasmin, er riecht dezent, also leicht nach Neroli und nach einem leichten Hauch von Tonkabohne (kann aber auch das Heliotrop selbst sein). Insgesamt riecht es daher leicht süßlich. In dem raschen Verlauf spürt man auch einen leichten Anklang von würzigen Noten und vielLEICHT ist auch etwas Moschus vorhanden, aber hier kann man sich auch leicht – oder war es schwer? – täuschen. Wenn meine Nase nicht zu viel Wüstensand abbekommen hat, dann würde ich mal "Chypre" sagen.
Warum das EdC aber ausgerechnet Wüstenwind heißt, weiß ich auch nicht, denn es könnte genauso gut Wiesenwind oder auch Claudia Kramnitzel heißen. Ja, Namen … Nomen non semper est omen!

Was bleibt? Nicht viel, würde ich sagen. Das EdC hinterlässt insgesamt einen positiven Dufteindruck, aber mit dieser geringen Haltbarkeit und schwachen Sillage lockt Harry Ali Baba Lehmann keine 40 Räuber hinter der Düne hervor.


02.11.2012 19:14 Uhr
10 Auszeichnungen
Leider riecht meine Nase hier etwas ganz ... ähem ... Bizarres, aber andere rochen es an mir als grünen, fruchtig-blumigen Duft. Verstehe das, wer will. :))

Jedenfalls hier mal von mir ein Kommentar der anderen Art, der sich nicht mit Charakter oder Haltbarkeit beschäftigt, sondern vielmehr meine Bilder und Assoziationen wiedergibt.

Kopf:
Urinalsteine
frisch entfernte Zahnfüllungen - siehe Kommentar von Reckoner!
läufiger Kater
kalter Schweiß


Herz:
ranzige Milch
Fußkäse


Basis:
durchgefurzter Ledersessel (sorry!)
...
...




Kauft diesen Duft nicht blind und auch nicht auf Empfehlung! Testet ihn vorher unbedingt auf eurer Haut und dies am besten mehrere Male an verschiedenen Tagen. Entweder ist dies eine sehr empfindliche Komposition, die je nach Hauttyp ein wahres Desaster auslösen kann, oder vielleicht ist es für bestimmte Nasen einfach nur ein katastrophaler Duft.

Dies birgt allerdings auch die Gefahr - falls man Träger des Dufts ist - dass einem andere aus dem Wege gehen. Welch Unglück, wenn es der Traummann oder die Traumfrau ist. :))


Für mich ist dies eine sehr bedauerliche und seltsame Erfahrung, da mich die Leichtigkeit der Hermès-Kreationen bisher immer sehr beschwingte und mir Freude bereitete. Diese Erfahrung hier lässt das Ansehen doch sinken. Ich bin ein wenig erschüttert und verwirrt.


1 - 10 von 20