PallasCCPallasCCs Parfumkommentare

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PallasCC vor 114 Tagen 7
8
Duft
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Haltbarkeit
7
Sillage

Eine Nacht in Sevilla
Erstmal möchte ich mich bei LadyLuxifer und Caligari für die Beschaffung der Proben bedanken. Die Düfte dieser Marke sollten zumindest getestet werden. Und nun zum Duft:

Tatsächlich könnte man sich vorstellen, dass man auf einer der kleinen Straßen Sevillas befindet. Es ist schon spät; der Mond scheint; die Luft riecht nach Gewürzen mit prominentem Muskat. Dieses Aroma vermischt sich mit dem Duft der dunkelgrünen Blättern der Orangenbäume, die die Straßen schmücken.

Jetzt kommt eine schmale Gasse und folgt den "Pfad" des Duftes.... die Kopfnoten werden durch das herbe Herz ersetzt. Die winzigen Fenster sind mit Blumentöpfen dekoriert. Manchmal trifft man auf Geranien und manchmal auf Kräuter, die für Essenzubereitung benutzt werden. Die Kontraste erschaffen eine Spannung.

Und endlich erreicht man den gesuchten Ort. Eine alte Holztür mit metallischem Gitter verziert. Die Tür steht offen. Man betritt den von feuchter Luft gefüllten Raum. Und da... da steht sie... die Gitane. Ihr rotes Kleid bedeckt den Boden. Ihre nach dem Tanzen verschwitzte Haut glänzt im Kerzenlicht. Ihre Tanzschuhe sind aus schwarzem Leder, das durch die wilden Bewegungen aufgeweicht wurde. Es ist die letzte Phase, die hier ausschlaggebend wirkt. Sinnlich, jedoch stark. Ein Duft, der sich über jede Konvention hinwegsetzt.
3 Antworten

PallasCC vor 131 Tagen 7
7
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Yet another Rose-Oud?!
Was soll man bei so einem hohen Preis von dem Duft erwarten?! Da die Erwartungen offen nicht erfüllt werden, vor allem, bei bestimmten Marken, wird hier nur der Duft beschrieben/beurteilt. Und dabei will ich möglichst objektiv sein.

Im Prinzip ist der Nebulous nicht für jeden. Er wird sicherlich kein großer "Crown-Pleaser" wegen seines Auftaktes sein. Beim Aufsprühen geht der direkt in die Herznoten, also Oud (vermutlich Hindi, von hoher Qualität) und Veilchen. Das Veilchen rundet das Oud ab und macht ihn tragbar für die, die an den natürlichen Oud-Duft nicht gewohnt sind. Die Rose bleibt (zu meinem Glück) weit im Hintergrund und stört die Komposition überhaupt nicht. Ist er animalisch? Vielleicht nur am Anfang. Es hängt auch davon ab, was man für Maßstäbe benutzt. Im Großen und Ganzen (und im Vergleich zu anderen Boadicea the Victorious Düften) ist er ganz zahm. Die Kombination von Oud, Safran und Moschus gibt ihm einen ledrig-holzigen Charakter, der aber etwas verschwommen bleibt. An Kanten wird man hier nichts finden.

Nach ca. 2-3 Stunden kommen die Basisnoten ins Spiel. An dieser Stelle findet die Hauptwandlung statt. Hier wird der Duft ganz samtweich, leicht harzig und süß (aber nicht süßlich). Das wird wohl die Darstellung vom Bernstein sein. Hellbraun und glühend ist er; mit Spuren von Rose, die sich immer im Hintergrund versteckt hat. Dennoch bleibt fast überhaupt nichts übrig von dem, was man am Anfang gerochen hat.

Es ist ein dezenter Duft (denn es gibt weniger attraktive Düfte von der Marke), aber in dieser Kategorie sicherlich nicht der beste. Wenn man schon in diese Richtung gehen will, dann sollte man den billigeren "Dead of Night" von Strangelove NYC probieren. "The Night" von Frederic Malle wäre auch ein guter Kandidat.

Im Fazit: Beeindruckend ist er nicht. Das einzige Überraschende hier war Veilchen, welches man normalerweise in solchen Düften nicht finden würde. Von der Performance her war der Duft auch kein Heavyweight. Obwohl man hier alle Noten sehr klar erkennen kann, bleibt die Summe ziemlich "nebulous", daher finde ich den Namen ganz passend.


3 Antworten

PallasCC vor 182 Tagen 4
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Für die, die kein Mainstream-Leder/Oud wollen
Wenn man sich die Noten durchliest, dann scheint hier überhaupt nichts Außerordentliches zu geben. Beliebt ist der No.1 von EnsarOud auch nicht so sehr, vor allem, wenn man die Parfumo-Statistik in Betracht zieht. Und vom Preis her liegt er in den oberen Rängen von dem, was man heute als "Niche" bezeichnet, und "Luxury". Jetzt stellt sich natürlich die Frage: "Ist die Investition es wert?" Man könnte genauso gut etwas von Roja oder Creed kaufen. Man kennt sie; viele scheinen sie zumindest zu mögen; und für manche ist es sogar zu einem Statussymbol geworden. Jedem das Seine! Über die subjektiven Meinungen, was das Preis-Qualität-Verhältnis angeht, kann man sich lange streiten. Aber Oud ist nicht gleich Oud. Hier wird nicht von dem Oud à la TF Oud Wood gesprochen. Das Gleiche gilt für die anderen Rohstoffe. Ebenfalls weiß man nicht, wie viel von dem einen oder dem anderen Rohstoff benutzt wurde und von welcher Qualität sie waren. Mit dieser Vorgabe im Blick habe ich mich fürs kleine Duft-Abenteurertum entschieden.

Und jetzt zur Beschreibung:
Im Auftakt ist wird man von einer sehr erträglichen Animalik, für die Castoreum (hier nicht erwähnt) vermutlich sorgt, und süßlichem Harz begrüßt. Es ist sehr einladend und warm, jedoch dunkel zur gleichen Zeit. Man könnte sich dabei ein Stück vom groben, braunen Leder vorstellen. Langsam geht der Duft in die nächste Phase, die ihn etwas sanfter und edler macht. Diese Auswirkung könnte an der blumigen Noten und der Zibet (Absolute?) liegen. Jedoch handelt es sich um keinen blumigen Duft in dem Sinne (die, die "Mysterious Oud" von Bortnikoff mögen, werden diese Phase ganz gut überleben können). Er verbleibt schön dunkel und anziehend. Man erkennt hier die Wechselwirkung von Animalik, Harzen und zahmen Blumen. Das zerbrechliche Herz des Duftes wird von dem Oud umhüllt. Und (nach mehreren Stunden) erreicht man die lang ersehnte Basis. Das Leder tritt in den Hintergrund als der feine, süßliche Weihrauch seinen Platz besetzt. Die Hölzer und die moosigen Noten sind hier nur zur Unterstützung. Die Basis an sich könnte zum eigenständigen Duft werden!

Natürlich ist es eine starke Vereinfachung des Erlebnisses. Dennoch für mich wird meine o.g. rhetorische Frage beantwortet, denn es gilt nicht immer: "you get what you pay for." (im wörtlichen Sinne).
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