Duftreise mit Euch open end oder: Wo führt das noch hin?
Bisher habe ich mich immer dagegen gewehrt, hier zu irgendeinem Thema meine Gedanken unter die Leute zu bringen, weil ich denke es gibt schon zu viel zu vielen Themen viel zu viele Wortmeldungen auf diesem Erdball. Andererseits – Kommunikation verbindet.
In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass ich zwar schon einige Zeit mehr oder weniger aktiv auf Parfumo verbracht, mich aber nie offiziell vorgestellt habe. Asche auf mein Haupt! Die Annahme, hier zu sein sei eine eher anonyme Angelegenheit, hat sich nach einer gewissen Zeit als Irrtum erwiesen. Ich hatte/habe hier im vergangenen Jahr schon einige wunderbar erfrischende, tiefsinnige oder witzige Begegnungen mit verschiedenen Parfumas/os und regelmäßigen Kontakt, was mich sehr freut.
Aber ich will mich erst einmal vorstellen und dann mit Euch reisen:
Ich bin ein Schwabenkind mit Familie und vielen Hobbies. Lesen, Bergsteigen, Wandern, Gärtnern, ich koche und backe gerne und betreibe Kraftsport. Karate und Skifahren habe ich nach diversen Verletzungen zwischenzeitlich abgeschworen. Man muss schließlich auf sich Acht geben 😉. Ich sammle Edelsteine und
Mineralien aller Art und auch Schmuck gehört dazu, Bücher standen ebenfalls lange Zeit im Fokus. Und dann natürlich PARFÜM.
Meine Duftanfänge gehen (weit) zurück in meine Kindheit, bis zum Ende der Sechzigerjahre. Vermutlich, weil ich mich immer mal wieder an die Flakons meiner Mutter wagte (Tosca und Nonchalance, was nicht erlaubt war), schenkte mir mein Vater zu Weihnachten einen schönen Flakon Patrizier Lavendel. Der hatte zu meiner großen Freude sogar einen Sprühballon – ganz nobel, so wie beim Friseur. Das war mir damals vielleicht noch wichtiger als der Inhalt. Ach, wie war ich glücklich! Vor kurzem hat mir eine ganz liebenswerte Parfuma eine Abfüllung davon verehrt. So kann ich immer mal wieder in die Vergangenheit abtauchen und schwelgen.
Als ich dann ungefähr 16 war entdeckte ich einen tollen, grünen Duft namens Tamoré, mit dem ich mich fühlte wie im Dschungel. Ich verbrauchte einige Flakons bis es Tamoré nirgends mehr zu kaufen gab. Es folgte mit Anfang 20 Estivalia und mein erster Signature Azurée. Wie außergewöhnlich Azurée
war/ist, war mir damals noch gar nicht so klar, aber klasse fand ich ihn immer. Etwas "gereifter" kaufte ich mir 2015 die Zweitversion und habe ihn auch jetzt wieder voller Freude in meiner Sammlung stehen. Viele Chypres kamen im Laufe der Jahre dazu. Sie waren schön und in der Regel hochwertig kreiert und trotzdem schienen sie mir oft zu blumig oder gar schwülstig, weil eine Tuberosekombination mir den Spaß daran verdarb.
Und dann erschien 1984 Paloma Picasso und es war vollkommen um mich geschehen – mein neuer Signature bis heute, obwohl ich ihn nicht mehr ganz so oft trage – meine Sammlung ist einfach zu groß. Dieser Duft hat alles was ich mir von einem Parfüm wünsche: Wärme, Würze, Volumen, Tiefe, leichte
Animalik, eigenen Ausdruck und außerdem eine Haltbarkeit, die ihresgleichen sucht ohne in einer chemischen Keule zu enden. Es ist keine Blümchenduft, obwohl viele Blüten erwähnt werden. Der Parfümeur hat es geschafft aus seinen Zutaten einen „Gesamtduft“ zu erschaffen, das kann nicht jeder von sich behaupten und ist bestimmt auch nicht das Ziel aller Parfümeure.
So gesehen könnte ich sagen, diesen einen – meinen – Duft habe ich schon längst gefunden. Ich muss nicht mehr suchen.
Aber hier nimmt meine Reise erst richtig Fahrt auf, denn meine Neugier auf andere, neue, fremde
Dufteindrücke ist viel zu groß und meine eigene kleine Chypresammlung musste dann schon auch noch sein 😊.
Ich habe manche meiner Chypres aus früheren Jahren nun wieder mühsam zusammengekauft. Ihnen habe ich einen eigenen Ordner gegeben, denn das geht hier ja wunderbar. Es sind nur Chypres, die ich wirklich mag, mit den für mich passenden und nicht zu vielen Blumen oder Früchten. Und es sind einige dabei, die ich bis vor nicht allzu langer Zeit noch nicht gekannt habe, weil ich dem Glauben aufgesessen war, 15 Düfte reichen, nein, 15 Düfte sind schon viel zuviel und sie kippen schnell. Welch ein Quatsch!
Seit ich hier gelandet bin, hat sich meine Einstellung zum Thema viel/wenig grundlegend geändert und somit durfte meine Sammlung in verschiedene Richtungen wachsen und es gibt jetzt außer Chypres einige
Gourmands darin, die ich wunderschön finde (ja, die Chypretante in mir glaubt es selber kaum), Challenge/Beverly Hills, Tendre Madeleine/Les Senteurs Gourmandes, Chocoloat/Il Profvmo, Suma Oriental/Une Nuit Nomade, Golden Moka/XerJoff, Golden Dallah/XerJoff, 2022 Generation Her/St. H. Lucas, etc., Düfte, die ich ohne die Parfumogemeinschaft niemals gefunden hätte.
Genauso haben sich meine „Fangarme“ in eine weitere Richtung ausgestreckt, zu den „Würzlingen“. Pfeffer, Rauch, Weihrauch, Safran (jawohl) sind zwischenzeitlich ebenfalls ganz in meinem Beuteschema. Fiery Pink Pepper/Molton Brown, Chypre Mousse/Oriza L. Legrand, AlUlA/Penhaligons, 20.1 Sorong/Pierre Guillaume, Byzantium Saffron/MoV, Duftrichtungen, die ich für mich niemals für möglich gehalten hätte. Geht es Euch ähnlich?
Vanilledüfte haben mich in jungen Jahren in die Flucht geschlagen. Ich habe um Shalimar umd Co, einen großen Bogen gemacht. Heute liebe ich Vanilledüfte, sofern sie nicht zu blumig daherkommen. Mit Jasmin hatte/habe ich ein Thema – manchmal finde ich ihn sehr schön, manchmal erträglich und häufig zum Davonlaufen (ich spreche vom Duft auf meiner Haut!). Ebenso die Tuberose. Die war bisher wirklich mein Endgegner. Seit ich Casablanca Lily von Byredo an mir getestet habe - den ich ganz wundervoll finde -, weiß ich, dass mir diese Blüten in Kombination mit anderen Weißblühern in aller Regel zuviel des Guten sind.
Offenbar ist es manchmal dieses Quäntchen mehr oder weniger in der Gewichtung, ob mir ein Duft am Ende gefällt oder nicht. Deshalb schließe ich einen Test selten aus – man weiß ja nie. Ihr kennt das sicher alle auch. Man könnte die nächste Offenbarung verpassen…
Grüne und zitrisch-holzige Düfte finde ich ich im Sommer spannend, wenn alles andere zuviel scheint. Dabei war mir #untitled so eine kleine Offenbarung, weil ich Buchsduft sehr liebe und ich vorher nie ein Parfüm mit dieser Note erlebt hatte. Auch über Tomatenblätter wie in den Nilgärten von Hermès freut sich meine Nase in der heißen Jahreszeit und über Yuzu kann ich jubeln, z.B. in Note de Yuzu/Heeley, ein Traum für heiße Tage.
Vor kurzem habe ich mich nun auch mal an eher experimentelle Düfte gewagt, zum Beispiel von Kamila Aubre. Yatagan hatte mich mit seiner Rezension so gefangen, dass ich dies Erfahrung mit Pilznoten im Parfüm unbedingt machen musste. Soliloquy durfte dann direkt weiterziehen, weil sich meine Nasenhaare verbogen haben. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich Pilze im Parfüm ablehne (Chypre Mousse ist klasse)! Tir a`Mhurain darf deshalb noch bleiben, Rada, Ella&Lil ebenfalls. Sie sind interessant zu riechen, eher (kurze)
Dufterlebnisse einer anderen Art – eben experimentell und nicht an jeder Ecke zu bekommen, also wirklich „NiSCHe“ – was hier doch häufig ein Thema ist.
Ach ja, bevor ich das vergesse – ein Duft, der mich nicht schon mit seiner Kopfnote erreichen kann, hat bei mir keine Chance. Ich will nämlich nicht warten bis es endlich schön wird, so wie beim Soliloquy. Geduld steht schlicht nicht auf meiner Fahne. Abschrecken kann mich ein solches Erlebnis aber nicht – ich bleibe neugierig und teste fleißig.
Meine Duftreise geht also weiter mit open end und Eurer Unterstützung bei der Suche nach neuen Eindrücken – lieben Dank schon mal an dieser Stelle. Wenn gar nix mehr geht, habe ich immer noch meine Paloma Picasso 😊. Und vielleicht tue ich irgendwann auch mal meine Meinung kund zu irgendeinem Thema – wer weiß.
Danke fürs Lesen!


Die Idee mit der Anonymität hab ich auch sehr schnell über Bord geworfen 😉🍀🌈
Wie so vielen hier, erging es mir ähnlich mit dem Entdecken alter und natürlich neuer Düfte.
Auch dachte ich, ich wäre die Einzige im Universum, die so duftverrückt ist und mehr als 30 Düfte hat, dabei bin ich eher hier im Mittelfeld mit meiner Sammlungsausweitung. (Ist ja eh schon geschrumpft, Freunde 😉).
Und das mit den eher süßen Düften kenne ich auch gut, hätte ich doch vor 30 Jahren nie gedacht, dass mir "soetwas" je ins Haus kommen könnte!
Duftreisen sollten ohnehin nie zu Ende gehen, denn es gibt ja so viel zu Entdecken und außerdem macht es ja auch noch viel Spaß.
In diesem Sinne, weiterhin viel Spaß meine Liebe und by the way: es ist mir eine große Freude, Deine virtuelle Bekanntschaft gemacht zu haben! 🤗
(Ach ja, ein Duftbrief für Dich ist auch noch in Arbeit, hab ich nicht vergessen. )
Auf noch viele weitere tolle Dufterlebnisse und -austäusche!