Paloma58
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Mitsouko Extrait vs. EdP
Die liebe Anabelle hat mich veranlasst meine Gedanken zu Mitsouko von Guerlain zu veröffentlichen, denn wir hatten unsere Versionen, ihr EdP und mein Extrait, ausgetauscht, um sie jeweils zu vergleichen und unsere Einschätzungen dazu abzugeben. Wo sonst kann man Düfte UND Gedanken teilen, die einem wichtig sind, die jedoch bei „Normalbürgern“ allerhöchstens für verständnisloses Achselzucken oder leere Blicke sorgen.
Da hatten wir also die frisch abgefüllten Proben vor uns und der erste Überflieger-Eindruck von uns beiden war vor einigen Tagen, dass das EdP im ersten Moment deutlicher und das Extrait zurückhaltender und weicher wirkt, die Aussage aber im Grunde die gleiche ist. Eigentlich sind Extraits dichter als ein EdP. Die Wirkung von Mitsouko Extrait scheint da eine Ausnahme zu sein.
Um richtig zu testen war es mir leider viel zu heiß und so musste ich die vergangenen Tage notgedrungen vorüberziehen lassen, bis ich endlich unbelastet testen konnte. Heute nun, bei mäßigen Temperaturen, war es soweit.
Seit heute früh 8 Uhr vergleiche ich ausgiebig
Mitsouko Eau de Parfum rechts und
Mitsouko Extrait links am Arm. Das EdT bleibt mangels Masse außen vor. Wie zuvor schon festgestellt, startet bei mir das EdP etwas kräftiger und leicht alkoholisch, das Extrait etwas weicher und runder. Es ist aber deutlich erkennbar, dass sie zusammengehören.
Die Pyramide ist genau gleich. Trotzdem meine ich zu erschnuppern, dass die Zutaten in unterschiedlicher Menge gemischt wurden, denn im EdP rieche ich die Gewürze mit dem Zimt viel stärker heraus und der Pfirsich ist ganz klein. Beim Extrait halten sich Gewürze und Zimt etwas bedeckter, obwohl sie deutlich anwesend sind. Der Pfirsich scheint mir hier etwas dicker zu sein. Vielleicht ist er es, der die Gewürze etwas dämpft.
Ich mag eigentlich keinen Pfirsich im Parfüm. Bei beiden Mitsoukos fügt er sich allerdings hervorragend ins Geschehen ein, was mir wieder einmal vor Augen (oder die Nase) führt, dass man auch seine Gegner lieben kann, wenn sie nur richtig vergesellschaftet wurden. Exponierte Blüten und Zitrik kann ich nicht im Einzelnen erkennen. Sie sind offenbar so gut verwoben, dass sie ein Gesamtes ergeben, wie es so oft bei Chypres der Fall ist.
Nach ungefähr drei Stunden trennen sich die Mitsoukowege. Beim Extrait treten die Blumen und etwas Grünes einen Schritt nach vorn zu den Gewürzen und schwupp, schon ist der Pfirsich auch wieder da. Das Extrait oszilliert geradezu wie ein flirrendes Licht, wogegen das EdP beständiger bleibt und mir weiterhin würziger scheint, was mir ebenfalls sehr angenehm ist. Ich tippe auf Piment und Muskat zusammen mit dem Zimt, rieche aber keineswegs weihnachtliche Ambitionen. Wir haben sommerliche Temperaturen und es passt trotzdem hervorragend in den Tag!
Auch zwölf Stunden später sind beide Kandidaten noch immer gut auf meiner Haut zu riechen. Beim EdP vernehme ich nun Eichenmoos und Vetiver etwas vordergründig, das Extrait hingegen hat sich für mehr Blumigkeit und noch leicht Fruchtiges entschieden.
Die Aussagen differieren bei genauer Betrachtung also doch ein wenig, das Extrait ist aber wirklich nicht dichter, sondern nur runder und weicher als das EdP. Dieser Ersteindruck hat gestimmt.
Trotzdem duften beide immer noch nach Mitsouko und sind ebenbürtig wunderschön. Das finde ich phänomenal, genauso wie die Tatsache der Haltbarkeit von über 14 Stunden, die nicht von Ambroceniden, Isomaltol, Calone etc.. herrührt und keine Kopfschmerzen macht. Es sind zwei herausragende Chypres, jeder mit seiner eigenen Daseinsberechtigung im Dufthimmel.
Da hatten wir also die frisch abgefüllten Proben vor uns und der erste Überflieger-Eindruck von uns beiden war vor einigen Tagen, dass das EdP im ersten Moment deutlicher und das Extrait zurückhaltender und weicher wirkt, die Aussage aber im Grunde die gleiche ist. Eigentlich sind Extraits dichter als ein EdP. Die Wirkung von Mitsouko Extrait scheint da eine Ausnahme zu sein.
Um richtig zu testen war es mir leider viel zu heiß und so musste ich die vergangenen Tage notgedrungen vorüberziehen lassen, bis ich endlich unbelastet testen konnte. Heute nun, bei mäßigen Temperaturen, war es soweit.
Seit heute früh 8 Uhr vergleiche ich ausgiebig
Mitsouko Eau de Parfum rechts und
Mitsouko Extrait links am Arm. Das EdT bleibt mangels Masse außen vor. Wie zuvor schon festgestellt, startet bei mir das EdP etwas kräftiger und leicht alkoholisch, das Extrait etwas weicher und runder. Es ist aber deutlich erkennbar, dass sie zusammengehören.Die Pyramide ist genau gleich. Trotzdem meine ich zu erschnuppern, dass die Zutaten in unterschiedlicher Menge gemischt wurden, denn im EdP rieche ich die Gewürze mit dem Zimt viel stärker heraus und der Pfirsich ist ganz klein. Beim Extrait halten sich Gewürze und Zimt etwas bedeckter, obwohl sie deutlich anwesend sind. Der Pfirsich scheint mir hier etwas dicker zu sein. Vielleicht ist er es, der die Gewürze etwas dämpft.
Ich mag eigentlich keinen Pfirsich im Parfüm. Bei beiden Mitsoukos fügt er sich allerdings hervorragend ins Geschehen ein, was mir wieder einmal vor Augen (oder die Nase) führt, dass man auch seine Gegner lieben kann, wenn sie nur richtig vergesellschaftet wurden. Exponierte Blüten und Zitrik kann ich nicht im Einzelnen erkennen. Sie sind offenbar so gut verwoben, dass sie ein Gesamtes ergeben, wie es so oft bei Chypres der Fall ist.
Nach ungefähr drei Stunden trennen sich die Mitsoukowege. Beim Extrait treten die Blumen und etwas Grünes einen Schritt nach vorn zu den Gewürzen und schwupp, schon ist der Pfirsich auch wieder da. Das Extrait oszilliert geradezu wie ein flirrendes Licht, wogegen das EdP beständiger bleibt und mir weiterhin würziger scheint, was mir ebenfalls sehr angenehm ist. Ich tippe auf Piment und Muskat zusammen mit dem Zimt, rieche aber keineswegs weihnachtliche Ambitionen. Wir haben sommerliche Temperaturen und es passt trotzdem hervorragend in den Tag!
Auch zwölf Stunden später sind beide Kandidaten noch immer gut auf meiner Haut zu riechen. Beim EdP vernehme ich nun Eichenmoos und Vetiver etwas vordergründig, das Extrait hingegen hat sich für mehr Blumigkeit und noch leicht Fruchtiges entschieden.
Die Aussagen differieren bei genauer Betrachtung also doch ein wenig, das Extrait ist aber wirklich nicht dichter, sondern nur runder und weicher als das EdP. Dieser Ersteindruck hat gestimmt.
Trotzdem duften beide immer noch nach Mitsouko und sind ebenbürtig wunderschön. Das finde ich phänomenal, genauso wie die Tatsache der Haltbarkeit von über 14 Stunden, die nicht von Ambroceniden, Isomaltol, Calone etc.. herrührt und keine Kopfschmerzen macht. Es sind zwei herausragende Chypres, jeder mit seiner eigenen Daseinsberechtigung im Dufthimmel.
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LE MONDE EST BEAU - wo war das Marketing?
Die allermeisten Kenzos rauben mir ja die Luft, das liegt an mir, nicht an den Düften! Nicht so die beiden Kieselsteine
Ça Sent Beau Eau de Toilette und
Le Monde est Beau .
Dass ich
Le Monde est Beau überhaupt entdeckt habe, liegt wiederum an Parfumo. Hier bin ich nämlich beim Stöbern buchstäblich über diesen kleinen Stein gestolpert und wollte meinen Augen nicht trauen, wegen der identischen Optik der beiden Flakons. Wie konnte es sein, dass ich 27 Jahre seit Erscheinen dieses Duftes nicht ein einziges Mal etwas davon gehört, gesehen, gerochen habe? „Wir haben einen neuen Duft herausgebracht, aber pssst!“ Selbst jetzt nach dieser Entdeckung musste ich einen Online-Shop bemühen. Asiatisches Understatement ist ja sehr angenehm - für ein Produkt kann es aber auch schädlich sein.
Aber nun endlich zum Objekt der Begierde:
Der Karton in Weiß und leuchtendem Orange lässt erahnen, dass er einen aufheiternden Inhalt umschließt. Der kleine Flakon, ein bauchiger Glaskiesel ist mit einem leicht erhabenen Blättermuster überzogen, der Name KENZO ebenso erhaben ins Glas eingearbeitet. Das Glas ist etwas transparenter als beim
Ça Sent Beau Eau de Toilette . Obenauf als Deckel thront die bekannte opulente Blüte. So gut, so schön und so mir bisher bekannt.
Der erste Sprüher verzückt mich ganz kurz mit einer spritzigen Mandarine und dann kommt schon der Gärtner mit einem dicken Blumenstrauß um die Ecke, frisch angeschnittene Stiele (Basilikum) , wunderschön und bunt. Wenn ich meine Nase dicht an den Arm halte, erhasche ich sogar ein paar kleine zerdrückte Johannisbeeren, die der Gärtner wahrscheinlich aus Versehen mit in den Strauß gebunden hat - ein kleiner Twist mit keckem Augenzwinkern.
Aus dem Blumengebinde heben sich vor allem die Magnolien hervor, sanft und trotzdem deutlich, Kirschblüten und Jasmin ordnen sich dem unterstützend unter. Die in anderen Beschreibungen teilweise erwähnten Tagetes kann ich in keiner Weise erschnuppern. In meiner Herkunftsgegend werden diese außer „Studentenblume“ begründeterweise vor allem auch „Stinkerle“ genannt. Dieser Strauß hier duftet allerdings sehr fein.
Bei jeder Bewegung umweht mich sehr angenehm eine andere Anmutung und auch Tonkabohne winkt nach einiger Zeit unaufgeregt aus dem Strauß. Erst nach Stunden nehme ich etwas Holz wahr. Dieses verleiht dem Ganzen eine gewisse Erdung, denn der Verlauf ist insgesamt eher luftig und leicht ohne deutliche Tiefe.
Le Monde est Beau ist so wie er (leider nicht) vermarktet wurde/wird, Understatement pur, kein Marktschreier sondern ein fröhliches Mäntelchen, das ich mir zu jeder Zeit umhängen kann, ganz gleich ob ich einen guten Tag habe oder eher Aufmunterung benötige. Ein Gute-Laune-Duft eben.
In meiner Rezension zu
Ça Sent Beau Eau de Toilette hatte ich erwähnt, dass der Duft meiner Meinung nach nicht so ganz zum Flakon passt. Mit
Le Monde est Beau hat der kleine Flakon endlich den Inhalt bekommen, der mit seiner runden freundlichen Form harmoniert.
Ça Sent Beau Eau de Toilette und
Le Monde est Beau .Dass ich
Le Monde est Beau überhaupt entdeckt habe, liegt wiederum an Parfumo. Hier bin ich nämlich beim Stöbern buchstäblich über diesen kleinen Stein gestolpert und wollte meinen Augen nicht trauen, wegen der identischen Optik der beiden Flakons. Wie konnte es sein, dass ich 27 Jahre seit Erscheinen dieses Duftes nicht ein einziges Mal etwas davon gehört, gesehen, gerochen habe? „Wir haben einen neuen Duft herausgebracht, aber pssst!“ Selbst jetzt nach dieser Entdeckung musste ich einen Online-Shop bemühen. Asiatisches Understatement ist ja sehr angenehm - für ein Produkt kann es aber auch schädlich sein.Aber nun endlich zum Objekt der Begierde:
Der Karton in Weiß und leuchtendem Orange lässt erahnen, dass er einen aufheiternden Inhalt umschließt. Der kleine Flakon, ein bauchiger Glaskiesel ist mit einem leicht erhabenen Blättermuster überzogen, der Name KENZO ebenso erhaben ins Glas eingearbeitet. Das Glas ist etwas transparenter als beim
Ça Sent Beau Eau de Toilette . Obenauf als Deckel thront die bekannte opulente Blüte. So gut, so schön und so mir bisher bekannt.Der erste Sprüher verzückt mich ganz kurz mit einer spritzigen Mandarine und dann kommt schon der Gärtner mit einem dicken Blumenstrauß um die Ecke, frisch angeschnittene Stiele (Basilikum) , wunderschön und bunt. Wenn ich meine Nase dicht an den Arm halte, erhasche ich sogar ein paar kleine zerdrückte Johannisbeeren, die der Gärtner wahrscheinlich aus Versehen mit in den Strauß gebunden hat - ein kleiner Twist mit keckem Augenzwinkern.
Aus dem Blumengebinde heben sich vor allem die Magnolien hervor, sanft und trotzdem deutlich, Kirschblüten und Jasmin ordnen sich dem unterstützend unter. Die in anderen Beschreibungen teilweise erwähnten Tagetes kann ich in keiner Weise erschnuppern. In meiner Herkunftsgegend werden diese außer „Studentenblume“ begründeterweise vor allem auch „Stinkerle“ genannt. Dieser Strauß hier duftet allerdings sehr fein.
Bei jeder Bewegung umweht mich sehr angenehm eine andere Anmutung und auch Tonkabohne winkt nach einiger Zeit unaufgeregt aus dem Strauß. Erst nach Stunden nehme ich etwas Holz wahr. Dieses verleiht dem Ganzen eine gewisse Erdung, denn der Verlauf ist insgesamt eher luftig und leicht ohne deutliche Tiefe.
Le Monde est Beau ist so wie er (leider nicht) vermarktet wurde/wird, Understatement pur, kein Marktschreier sondern ein fröhliches Mäntelchen, das ich mir zu jeder Zeit umhängen kann, ganz gleich ob ich einen guten Tag habe oder eher Aufmunterung benötige. Ein Gute-Laune-Duft eben.In meiner Rezension zu
Ça Sent Beau Eau de Toilette hatte ich erwähnt, dass der Duft meiner Meinung nach nicht so ganz zum Flakon passt. Mit
Le Monde est Beau hat der kleine Flakon endlich den Inhalt bekommen, der mit seiner runden freundlichen Form harmoniert.
24 Antworten
Verloren geglaubt und wiedergefunden
Vor langer Zeit, genau genommen 1988 kaufte ich mir einen süßen kleinen Flakon Ça Sent Beau. Schon damals war ich ganz verliebt in die Form der kleinen Flasche mit der überdimensionierten Blüte obendrauf. Die Zeit verging, die Flasche war leer und weil ich schon damals nicht nur 1 Flakon besaß, schaffte ich keinen zweiten an. Der Leere wanderte in meine Flakonsammlung und irgendwann manifestierte sich bei mir, dieses Produkt sei eingestellt worden. Ich schnüffelte lediglich ab und an am leeren Zerstäuber und träumte vom schönen Duft. Kürzlich nun kommentierte ich hier auf Parfumo, es sei ein sehr schöner Duft gewesen, worauf ein Mitglied mich darauf hinwies, dass Ça Sent Beau durchaus weiterhin zu kaufen sei. Ich bedankte mich artig für den Tipp, recherchierte und wurde direkt fündig. Seit heute bin ich wieder glückliche Besitzerin der kleinen Blüte mit dem dicken Bäuchlein.
Ça Sent Beau, "Das riecht gut", war laut Homepage das allererste Parfüm von Kenzo und mit der Kreation haben sich sowohl der Parfümeur als auch der Flakondesigner große Mühe gegeben. Er wurde in der Parfümerie als "Kenzo von Kenzo" verkauft. Auf der Flasche ist lediglich "Kenzo" ins Glas eingearbeitet.
Nun aber zum Duft:
Mein Duftgedächtnis hat mich nicht verlassen . Den Auftakt machen Zitrusfrüchte, deren Säure von einem hellen Pfirsich und dunkler Pflaume abgerundet wird, alles zusammen unterstützt von verschiedenen Gewürzen. Es können Piment oder Gewürznelken sein, etwas Zimt, auch Lorbeer.
Nach ungefähr zwanzig Minuten folgt ein großer Blumenstrauß, in dem die Tuberose und die Iris zur Tarnung Häubchen aus Kümmel tragen müssen, dass die beiden nicht lästig werden können. Ein gelungener Schachzug und meine Rettung. Das Zedernholz hilft, dem Bouquet die Süße zu nehmen und etwas Ausgleich zu verschaffen.
Nach einer guten Stunde gesellt sich die stützende Basis dazu in typischer Chypre-Manier und so gut gewichtet, dass sich die einzelnen Komponenten kaum erschnuppern lassen, allerhöchstens das Eichenmoos fällt mir deutlicher auf. Der Rest ist so geschickt verwoben, dass kein weiterer Anteil sehr herausstechen kann und höchstens einmal etwas aufblitzt was auch dabei ist. Ganz zum Schluss meldet sich noch zart die Vanille. Alles rund und sehr ausgewogen.
Mit seinen vielen Gewürzen würde ich diesen Duft in die Kategorie „orientalischer Chypre“ einordnen. Insofern ist der schöne Flakon etwas am Thema vorbei. Er könnte einen rein blumigen Duft assoziieren, was definitiv nicht der Fall ist. Er ist ein Chypre durch und durch.
Bei meinem jetzigen Test kam mir der Gedanke, der Duft könnte in einem schlichten schwarzen Flakon jederzeit als Herren-/oder Unisexduft durchgehen und für viel Geld zu den gehypten Kreationen aufsteigen. Aber pssst, nicht weitersagen..
Unabhängig davon bin ich hoch erfreut, dieses verloren geglaubte Werk wieder gefunden zu haben. Danke OkinikO !
Ça Sent Beau, "Das riecht gut", war laut Homepage das allererste Parfüm von Kenzo und mit der Kreation haben sich sowohl der Parfümeur als auch der Flakondesigner große Mühe gegeben. Er wurde in der Parfümerie als "Kenzo von Kenzo" verkauft. Auf der Flasche ist lediglich "Kenzo" ins Glas eingearbeitet.
Nun aber zum Duft:
Mein Duftgedächtnis hat mich nicht verlassen . Den Auftakt machen Zitrusfrüchte, deren Säure von einem hellen Pfirsich und dunkler Pflaume abgerundet wird, alles zusammen unterstützt von verschiedenen Gewürzen. Es können Piment oder Gewürznelken sein, etwas Zimt, auch Lorbeer.
Nach ungefähr zwanzig Minuten folgt ein großer Blumenstrauß, in dem die Tuberose und die Iris zur Tarnung Häubchen aus Kümmel tragen müssen, dass die beiden nicht lästig werden können. Ein gelungener Schachzug und meine Rettung. Das Zedernholz hilft, dem Bouquet die Süße zu nehmen und etwas Ausgleich zu verschaffen.
Nach einer guten Stunde gesellt sich die stützende Basis dazu in typischer Chypre-Manier und so gut gewichtet, dass sich die einzelnen Komponenten kaum erschnuppern lassen, allerhöchstens das Eichenmoos fällt mir deutlicher auf. Der Rest ist so geschickt verwoben, dass kein weiterer Anteil sehr herausstechen kann und höchstens einmal etwas aufblitzt was auch dabei ist. Ganz zum Schluss meldet sich noch zart die Vanille. Alles rund und sehr ausgewogen.
Mit seinen vielen Gewürzen würde ich diesen Duft in die Kategorie „orientalischer Chypre“ einordnen. Insofern ist der schöne Flakon etwas am Thema vorbei. Er könnte einen rein blumigen Duft assoziieren, was definitiv nicht der Fall ist. Er ist ein Chypre durch und durch.
Bei meinem jetzigen Test kam mir der Gedanke, der Duft könnte in einem schlichten schwarzen Flakon jederzeit als Herren-/oder Unisexduft durchgehen und für viel Geld zu den gehypten Kreationen aufsteigen. Aber pssst, nicht weitersagen..
Unabhängig davon bin ich hoch erfreut, dieses verloren geglaubte Werk wieder gefunden zu haben. Danke OkinikO !
20 Antworten
Die Sache mit der Duftliebe...
Eine gute Freundin hatte sich in den1980ern den Scherrer 1 zugelegt. Zu dieser Zeit war
Azurēe mein Signatureduft und meine Freundin liebte die Chypres genauso sehr wie ich. Allerdings war sie den richtigen Lauder-Krachern verfallen
Cinnabar (1978) Eau de Parfum ,
Youth-Dew Eau de Parfum,
Knowing Eau de Parfum und außerdem auch
Opium (1977) Parfum und
Anaïs Anaïs L'Original Eau de Parfum . Allesamt mochte ich an ihr sehr gerne riechen, aber absolut nicht an mir. Mit Opium habe ich es vor wenigen Jahren nochmal versucht und es war wieder nix. Damit muss ich nun leben.
Aber ich schweife ab. Meine liebe Freundin sprühte mir also eine Duftprobe Scherrer 1 auf den Arm und mir war fast, als sprühte sie mir Azurée auf.
Zum Duft:
Scherrer 1 ist ein kein floraler, kein orientalischer, er ist ein grüner Chrypre. Grün verleiht ihm das Galbanum und sicher ist daran auch die Johannisbeerknospe beteiligt. Das leichte Bizzeln in der Nase könnte von der Bergamotte im Zusammenspiel mit der Tangerine herrühren und geht in eine schon leicht herbe Schärfe über. Ich rieche keine Schwertlilie, keine Rose, auch vom Jasmin bemerke ich nichts. Trotzdem sind sie alle da, aber sämtliche Komponenten sind mit der Basis so genial verwoben, dass keine sich in den Vordergrund drängen kann/muss und ein großartiger Dufteindruck entsteht und bleibt und bleibt und bleibt.
Der für mich einzige Unterschied zu Azurée ist, dass dieser etwas zusätzliche Wärme ausstrahlt, die der Scherrer nicht hat, was ich jedoch nicht negativ wahrnehme.
Wenn ich manches Mal lese, der Duft sei streng, unnahbar, Oma, ich weiß nicht was noch; dieser Duft, und ich glaube das gilt für alle Chrypres, muss im Kontext seiner Erscheinungszeit betrachtet werden, wie heutige Kreationen ebenso.
Chypres waren zu ihrer Entstehungszeit die Düfte meist taffer Frauen, die ausbrechen wollten aus manchen Klischees, einen Kontrapunkt setzen wollten zu langen Haaren, flatternden Röcken und ihrem optisch femininen Äußeren. Nicht nur lieb und anschmiegsam, auch frech, aufmüpfig und Raubkatze. Das ist Chypre.
Und was "alt" anbelangt fällt mir auf, dass mir als Chyprefan in den 70ern und 80ern süße, schwere Düfte unglaublich altbacken erschienen. Es gab zu der Zeit eben auch schon die Einen und die Anderen. Nur glättet sich manches mit den Jahren, die Neugier siegt und die Toleranz wächst....auf zu neuen Dufteindrücken!
Azurēe mein Signatureduft und meine Freundin liebte die Chypres genauso sehr wie ich. Allerdings war sie den richtigen Lauder-Krachern verfallen
Cinnabar (1978) Eau de Parfum ,
Youth-Dew Eau de Parfum,
Knowing Eau de Parfum und außerdem auch
Opium (1977) Parfum und
Anaïs Anaïs L'Original Eau de Parfum . Allesamt mochte ich an ihr sehr gerne riechen, aber absolut nicht an mir. Mit Opium habe ich es vor wenigen Jahren nochmal versucht und es war wieder nix. Damit muss ich nun leben.Aber ich schweife ab. Meine liebe Freundin sprühte mir also eine Duftprobe Scherrer 1 auf den Arm und mir war fast, als sprühte sie mir Azurée auf.
Zum Duft:
Scherrer 1 ist ein kein floraler, kein orientalischer, er ist ein grüner Chrypre. Grün verleiht ihm das Galbanum und sicher ist daran auch die Johannisbeerknospe beteiligt. Das leichte Bizzeln in der Nase könnte von der Bergamotte im Zusammenspiel mit der Tangerine herrühren und geht in eine schon leicht herbe Schärfe über. Ich rieche keine Schwertlilie, keine Rose, auch vom Jasmin bemerke ich nichts. Trotzdem sind sie alle da, aber sämtliche Komponenten sind mit der Basis so genial verwoben, dass keine sich in den Vordergrund drängen kann/muss und ein großartiger Dufteindruck entsteht und bleibt und bleibt und bleibt.
Der für mich einzige Unterschied zu Azurée ist, dass dieser etwas zusätzliche Wärme ausstrahlt, die der Scherrer nicht hat, was ich jedoch nicht negativ wahrnehme.
Wenn ich manches Mal lese, der Duft sei streng, unnahbar, Oma, ich weiß nicht was noch; dieser Duft, und ich glaube das gilt für alle Chrypres, muss im Kontext seiner Erscheinungszeit betrachtet werden, wie heutige Kreationen ebenso.
Chypres waren zu ihrer Entstehungszeit die Düfte meist taffer Frauen, die ausbrechen wollten aus manchen Klischees, einen Kontrapunkt setzen wollten zu langen Haaren, flatternden Röcken und ihrem optisch femininen Äußeren. Nicht nur lieb und anschmiegsam, auch frech, aufmüpfig und Raubkatze. Das ist Chypre.
Und was "alt" anbelangt fällt mir auf, dass mir als Chyprefan in den 70ern und 80ern süße, schwere Düfte unglaublich altbacken erschienen. Es gab zu der Zeit eben auch schon die Einen und die Anderen. Nur glättet sich manches mit den Jahren, die Neugier siegt und die Toleranz wächst....auf zu neuen Dufteindrücken!
25 Antworten
Anders als man denkt - von Null auf Hundert
Wie es oft so ist, kommt es anders als man es sich gedacht hat. Bei einem Parfumo hatte ich die von ihm angebotene Abfüllung von
Ingenious Ginger angefragt, da ich Ingwerdüfte recht gerne mag. Das ging dann auch in Ordnung so, der Versand wurde mir zugesagt. Die dazugehörige Parfuma hat mir zusätzlich angeboten auch in ihrem Bestand zu stöbern, ob mir etwas gefällt. Und ich wäre nicht parfümverrückt, wenn ich in dieser Sammlung nichts gefunden hätte, nämlich den Duft ohne Namen, "untitled". Marketingcoup gelungen - Interesse geweckt. Bei näherem Betrachten der Duftpyramide fiel mir direkt der Buchsbaum auf, den ich in einem Parfüm noch nie gerochen hatte. Ich liebe den Duft von Buchs beim Zurückschneiden der Büsche und war alleine schon deshalb neugierig, ob dieser Duft in einem Parfüm wirklich naturentsprechend übermittelt werden kann. Hocherfreut und sehr gespannt packte ich wenige Tage später meine Duftpost aus und testete zuerst den Ingwerduft. Er gefiel mir sehr gut, kam mir an mir allerdings etwas zu maskukin vor, zumindest jetzt im Sommer. Dabei hätte ich geschworen, dass er mich direkt für sich einnehmen wird. Nun hatte ich ja noch den "untitled" vor mir. Und schon der erste Sprüher war wie eine kleine Offenbarung.
Zum Duft:
Er startet als stünde ich vor einem großen Buchs, der soeben in Form geschnitten wird. Die kleinen Abschnitte fallen zu Boden und ich stehe in einer Wolke von grünem Buchsduft. Dazu passt gut das leicht Bittere des Orangenbaumes. Das insgesamt eigentlich recht Herbe dieser beiden Komponenten wird fein gesäumt und eingefangen von Galbanum, Harz und dem Jasmin, der nun keinen Blütenduft daraus macht, sondern wirklich nur für eine wunderschöne Abrundung der Herznote sorgt. Dass zum Ende hin in der Basis außer Moschus und Zeder ein schöner Weihrauch auftaucht ist umso schöner, denn er verleiht dem Ganzen etwas "Würdiges", wie ich finde. "untitled" ist kein Kracher, er belästigt nicht, er umschmeichelt sehr grün, am Ende sehr würzig und ist ein äußerst edler Grüner mit Würde. Die Sillage ist wahrnehmbar, aber wie gesagt, niemand wird damit belästigt. Ich nehme den Duft auch nach sieben Stunden noch hautnah wahr. Von Null auf Hundert ist er mein Lieblings-Sommerbegleiter und längst ist ein Flakon bei mir eingezogen.
Ingenious Ginger angefragt, da ich Ingwerdüfte recht gerne mag. Das ging dann auch in Ordnung so, der Versand wurde mir zugesagt. Die dazugehörige Parfuma hat mir zusätzlich angeboten auch in ihrem Bestand zu stöbern, ob mir etwas gefällt. Und ich wäre nicht parfümverrückt, wenn ich in dieser Sammlung nichts gefunden hätte, nämlich den Duft ohne Namen, "untitled". Marketingcoup gelungen - Interesse geweckt. Bei näherem Betrachten der Duftpyramide fiel mir direkt der Buchsbaum auf, den ich in einem Parfüm noch nie gerochen hatte. Ich liebe den Duft von Buchs beim Zurückschneiden der Büsche und war alleine schon deshalb neugierig, ob dieser Duft in einem Parfüm wirklich naturentsprechend übermittelt werden kann. Hocherfreut und sehr gespannt packte ich wenige Tage später meine Duftpost aus und testete zuerst den Ingwerduft. Er gefiel mir sehr gut, kam mir an mir allerdings etwas zu maskukin vor, zumindest jetzt im Sommer. Dabei hätte ich geschworen, dass er mich direkt für sich einnehmen wird. Nun hatte ich ja noch den "untitled" vor mir. Und schon der erste Sprüher war wie eine kleine Offenbarung.Zum Duft:
Er startet als stünde ich vor einem großen Buchs, der soeben in Form geschnitten wird. Die kleinen Abschnitte fallen zu Boden und ich stehe in einer Wolke von grünem Buchsduft. Dazu passt gut das leicht Bittere des Orangenbaumes. Das insgesamt eigentlich recht Herbe dieser beiden Komponenten wird fein gesäumt und eingefangen von Galbanum, Harz und dem Jasmin, der nun keinen Blütenduft daraus macht, sondern wirklich nur für eine wunderschöne Abrundung der Herznote sorgt. Dass zum Ende hin in der Basis außer Moschus und Zeder ein schöner Weihrauch auftaucht ist umso schöner, denn er verleiht dem Ganzen etwas "Würdiges", wie ich finde. "untitled" ist kein Kracher, er belästigt nicht, er umschmeichelt sehr grün, am Ende sehr würzig und ist ein äußerst edler Grüner mit Würde. Die Sillage ist wahrnehmbar, aber wie gesagt, niemand wird damit belästigt. Ich nehme den Duft auch nach sieben Stunden noch hautnah wahr. Von Null auf Hundert ist er mein Lieblings-Sommerbegleiter und längst ist ein Flakon bei mir eingezogen.
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