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21.10.2016 09:48 Uhr
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Interview mit Victor Wong - dem kreativen Kopf hinter Zoologist

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, ein paar Fragen an Victor Wong, den kreativen Kopf hinter ZOOLOGIST Perfumes, zu richten und er hatte einiges dazu zu sagen. Ich habe ihn als Katzenliebhaber (besonders seine süße kleine Ragdoll Dor-Dor) und humorvollen Menschen kennengelernt, der vom Nischenduftfan zum Nischenduftmacher gewachsen ist. Geboren in Kowloon, wohnhaft in Toronto, kam er eigentlich aus einer ganz anderen Ecke der Ideenschmieden...

Zuerst einmal, wie kamen Sie dazu, eine eigene Parfummarke zu lancieren?

Damals, im Jahr 2013, war ich mit meiner Laufbahn sehr unzufrieden und fühlte mich unsicher und frustriert. Ich glaube, ich hatte das, was man eine Midlife-Crisis nennt. Viele Leute machten Politik und trafen Entscheidungen, die nirgendwo hinführten. Ich wollte ein Projekt, das ich selbst steuern konnte. Ich wollte ein Produkt auf den Markt bringen, auf das ich stolz sein konnte. Zufällig hatte ich gerade die Welt der Nischendüfte entdeckt (ich war ziemlich besessen davon, wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann) und fragte mich, ob ich eine eigene Marke ins Leben rufen könnte. Ich hatte keine Geschäftsverbindungen, keine Erfahrung, keine Strategie und keine Kenntnis des Marktes, also war alles reines Bauchgefühl. Ich rief in basenotes dazu auf, ob mir jemand von den Parfümeuren dabei helfen könne, einige Düfte zu entwickeln, und zwei Indie-Parfumeure meldeten sich.

Haben Sie jemals überlegt, selbst als Parfümeur tätig zu sein und wenn nicht, warum nicht?

Ich habe kurz darüber nachgedacht, kam aber zu dem Entschluss, es zu lassen. Ich hätte erst lange lernen müssen, um gut genug zu werden und Zeit ist ein Luxus, den ich nicht habe. (Ich habe ja dann auch noch einen „richtigen“ Job. Wenn ich nach Hause komme, habe ich jetzt noch gerade genug Zeit, Bestellungen zu erledigen, den nächsten Duft zu entwickeln und für entsprechendes Artwork).

Wie würden Sie den Weg beschreiben, wie Sie den „richtigen“ Parfümeur zum jeweiligen Duftkonzept gefunden haben – oder war es eher umgekehrt? Haben etwa die Nasen ihre „Tiere“ ausgesucht, die Sie umsetzen wollten?

Bevor ein Projekt beginnt, ist es für mich am wichtigsten zu wissen, wie der Stil und das Temperament des Parfümeurs sid (durch Online-Chat). Nachdem ich seine / ihre Art kennengelernt habe, kann ich feststellen, welche Art von Tier passt. Einige Parfümeure machen beispielsweise sehr unkonventionelle und einzigartige Düfte, also werde ich ein Tier zuordnen, das unerwartet oder weniger allgemein beliebt ist. Einige Parfümeure entwickeln eher klassische Parfums, und ich werde diesen eher Tiere zutrauen, die generell als schön oder elegant angesehen werden. Natürlich gab es einige Parfümeure, die mich direkt angesprochen haben, ein bestimmtes Tier wiederzugeben. (Zum Beispiel Ellen Covey – Bat) Da habe ich natürlich nicht Nein gesagt (lacht).


Gibt es eine Verbindung zwischen der Arbeit als Spieleentwickler und einem Duftaficionado?

Vielleicht nicht, aber die Arbeit im Studio hat mich einiges gelehrt: was laufen wird, was nicht, sollte man mit unkonventionellen Dingen Risiken eingehen usw. Außerdem habe ich gelernt wie man ein Produkt entwickelt und bekannt macht...Social Media, Verpackung, Marketing. Kollegen, die jeweils auf eine dieser Dinge spezialisiert sind, haben mich mit Rat und Tat unterstützt (z. B. bei den Illustrationen der Etiketten).

Wird Zoologist bald einem größeren Publikum in Deutschland zugänglich gemacht?

Viele hier halten viel von dem Projekt und der Qualität der Düfte, doch sie sind nicht leicht zu bekommen, zumal die Bestellung im Ausland manche abschreckt. Im Moment sehe ich daher keine Möglichkeit, einen großen Markt zu bedienen. Ich mache quasi alles alleine, auch die Abfüllung, das Verpacken und Verschicken. 30 Flacons ist schon eine Tagesaufgabe. Wenn ich jetzt noch einen Zwischenhändler einschalte, kann ich die Preise nicht halten, also ist die zweitbeste Möglichkeit, direkt an kleine Händler zu verkaufen. Die beste Lösung ist derzeit Direktbestellung auf meiner Website, aber auch dann zahle ich beim Versand dazu, da der Versand aus Kanada leider sehr teuer ist.

Wie entstand die Idee einer tierbezogenen Serie und wird es in absehbarer Zeit noch eine in eine andere Richtung geben?

Im Moment bestehen nur folgende Vorgehensweisen:

1. Ein bestimmter Stoff, z. B. Castoreum, steht im Vordergrund des Konzeptes, in dem Fall Beaver.

2. Ein Duft wird vom Lebensraum des Tieres (Bat – versucht den Geruch einer Höhle umzusetzen) inspiriert.

Macaque hebt sich ein wenig von diesen Denkweisen ab, da bei diesem Duft die meditative Stimmung erlangt werden soll, die dieses Tier angeblich bei vielen Menschen auslöst.

Vielen Dank, Victor Wong!

Das Interview führte Chanelle - vielen Dank!


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