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28.05.2017 17:16 Uhr
24 Auszeichnungen

„Die Galerie der Düfte“ – ein Roman mit leichter, romantischer Formulierung und ausgeprägter Herznote

„Düfte kann man nicht in Worte fassen“, so steht es in Patrick Süskinds berühmtem Roman und wird ebendort sofort Lügen gestraft. Das war der Auftakt zu meiner eigenen Duftrecherche, denn ich wollte einen Roman schreiben, der in Florenz in der Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella spielt und Gefühle wie Düfte gleichermaßen erzählt.

Warum? Nun, weil es „ein magischer Ort zwischen Gotik und Barock mit sakraler Atmosphäre, ein Zauberreich natürlicher Schönheit und verantwortungsvollen Luxus‘, ein Seelenort“ ist, um gleich mal aus „Die Galerie der Düfte“ zu zitieren. Alle meine Romane beginnen mit solch einem Ort. Nach und nach besiedeln ihn illustre Protagonisten, aus denen sich dann ganz von allein die Handlung ergibt. Ich gestalte rückwärts!

Mein roter Faden sollte das Acqua della Regina sein, das die Dominikaner der „ältesten Apotheke der Welt“ für Caterina de‘ Medici formuliert haben und das es noch heute zu kaufen gibt. Santa Maria Novella Acqua di Colonia steht nun auf dem edel-schlichten Flakon. Ein klassisches Eau de Cologne, man ist an das gute alte 4711 erinnert, das sein Image gerade neu definiert. Sehr erfolgreich, wie ich finde. Doch das hat die altehrwürdige Officina Profumo gar nicht nötig. Das Zauberreich expandiert weltweit. Die wunderbaren Düfte, Cremes, Kerzen oder Seifen, die medizinischen Elixiere und Liköre oder das berühmte Potpourri aus Blüten und Kräutern – den Duft von Florenz – gibt es trotzdem nicht eben mal schnell per Mausklick. Erfrischend unmodern präsentieren sich die Florentiner da, pflegen ihre schöne Website, verwehren jedoch den Online-Verkauf.

Aber ich schweife ab. Meine Duftrecherche führte mich zu parfumo.de und dem leidenschaftlichen Passionato einer im wahrsten Wortsinn sprühenden Community Ephitelium hat 2010 mit seinem beglückend fundierten Blogbeitrag zum Santa Maria Novella Acqua di Colonia die Latte hochgelegt, Amandan ein Jahr später das Angeli di Firenze nicht minder profund beschrieben – die beiden Acqua, die meinen Roman molekülgleich durchsetzen. Nostalgie, Melograno, Porcellana…, ich kann die Düfte der SMN gar nicht alle aufzählen, die hier gefeiert, umworben und manchmal auch gescholten werden – je nach Geschmack und Nase und immer mit kolossaler Sprachgewalt.

Wem der Sinn also nicht gleich nach einem ganzen Roman steht, der lese parfumo.de. Es macht glücklich, süchtig und lenkt jeden noch so absichtslosen Weg in die Dufttempel internationaler Metropolen. Wie die Officina Profumo, dem Geheimtipp unter Florenzreisenden und sie ist wahrlich schwer zu finden. „Der Eingang zum Himmel lag unscheinbar hinter einer hohen Holztür mit geätzten Glaseinsätzen und Messinggriffen in der Via della Scala, einem monochromen Bandwurm trauriger Fassaden. Er präsentierte sich nur jenen, die bereit waren, durchs Fegefeuer typischer Bahnhofsviertelgestaltung zu gehen, unweit des Kopfbahnhofs Santa Maria Novella“ kann man in meinem Roman lesen. Übrigens eine Liebesgeschichte und damit eindeutig in die Kategorie ♀ einzuordnen, zu den leichten, romantischen Formulierungen mit ausgeprägter Herznote.

Tausend Dank an alle, die hier wirken, schwelgen, schreiben, leiden und die schönste Obsession der Welt pflegen: Düfte! Tausend Dank für die Inspiration!

Aus dem Roman:

„Er hatte tatenlos an seinem Schreibtisch gesessen, stundenlang sein Labor aufgeräumt, alte Entwürfe verworfen und dann die Kette einer neuen Duftassoziation gesponnen. Das Feuer ihres roten Haares hatte ihn zu schweren Blütenaromen inspiriert – Jasmin und Tuberose, zarte Gewächse mit betäubender Aura, und dazu seltene Hölzer, Perubalsam, Benzoe und Sandelholz, die ihren erdigen satten Geruch erst verströmten, wenn man sie der Natur geraubt und sich gefügig gemacht hatte. Duftkörper, die Sandro immer auf jenen schmalen Grat zwischen Erregung und Abscheu führten, wo Leidenschaft und Erotik zu finden waren, die die verstörende Vision schweißnasser Körper heraufbeschworen, den Geruch der Lust. Und dabei war Johanna selbst wie ein Parfum, das sich nicht offenbarte, nicht sofort mitteilte, eines, das erst entdeckt werden wollte. Fließende Emotion, Illusion, Ambivalenz. Er hätte gern gespürt, wie es sich auf seiner Haut entfaltete.“


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