ParmaParmas Parfumrezensionen

1 - 5 von 218
Parma vor 21 Tagen 15
9
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Zwischenwasser
Kühle Eleganz in einer faszinierenden Mischung aus Tiefe und Frische. Ein blauer Duft mit Anspruch.

*

Stell‘ dir die Schwelle des Meeres zwischen seichtem und tiefem Wasser vor. Dort, wo man unmittelbar körperlich spürt, dass sich etwas verändert. Der plötzliche Abfall der Temperatur. Als wenn es eine Grenzlinie gäbe. Auf der einen Seite das Vertraute, auf der anderen das Ungewisse, Unergründliche. Mit diesem Reiz, dieser Ambivalenz, spielt dieser Duft.

Die empfinde ich schon in der Einordnung. Hermès spricht von einem holzig-orientalischen Duft. Nicht von einem blauen. Ein Blick auf die Duftnoten erklärt das. Zumindest für den orientalischen Teil. Ich gehe insoweit mit, als dass es sich um eine sehr westliche Variation dieses Themas handelt. Hier ist nichts opulent, sondern alles kühl und konzentriert. Sehr gefasst. Beinahe abstrakt. Am Rande des Erstarrtseins. Wie ein Ellena‘sches Reduktions-Experiment. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich ihn anders wahrnehme. Die Verortung als holzig kann ich im Ansatz nachvollziehen - es sind Nuancen da - erkläre sie mir jedoch so, dass die herbtrockene Schwarzteenote in diese traditionelle Parfumkategorie übersetzt wird.

Meine Wahrnehmung zu Beginn ist süßlich-harzig, wobei die Süße fast fruchtig - hermelinrot - ist. Ketone könnten dafür verantwortlich sein. Hier gibt es klare Parallelen zum Elixier, wie ich insgesamt beide als ähnlich empfinde. Der Ellena-Duft ist im Vergleich etwas weicher - und wenn man in Stereotypen denken will - weiblicher angelegt. Den L'Ombre könnte man als männlichen Gegenpart interpretieren. Zugleich liegt unter dieser harzig-fruchtigen Süße schon eine unterschwellige Frische, die alle Merveilles durchzieht, allerdings nicht in Richtung des Ur-Merveilles mit seiner sandig-mineralischen Strandfrische, sondern in die des Merveilles Bleu und interessanterweise - zumindest in meiner Nase - auch des H24 (beide ebenfalls von Nagel entworfen). Hier ist es eine männlich konnotierte, synthetische Duschgelfrische. Zu dem Zeitpunkt ist sie noch schwer zu greifen, tritt im Verlaufe jedoch immer klarer zu Tage und macht ihn für mich schließlich zu einem blauen Duft. Zu einem ungewöhnlichen, weil deutlich süßem, aber im Endeffekt doch zu einem solchen. Die Einordnung ist natürlich sehr subjektiv und bestreitbar, aber eine als frisch-süß fände ich passend. Mit Betonung auf der sehr eleganten Ausführung.

In meinen Augen beherrschen ihn zwei Bestandteile: Deutlich angesüßter Schwarztee und eine sehr cleane, duschgelähnlich-aquatische Note. Beide in ihrer Verflechtung nicht eindeutig als solche erkennbar, sondern wie oben angedeutet, abstrakt wirkend, als eine neue Idee, einen abgewandelten Entwurf, ergeben sie zusammen eine sehr distinktive, angesüßt-männliche Note, die einerseits in ihrer fast spiegelglatten Oberfläche modern wirkt, andererseits etwas Geheimnisvolles in sich trägt, welches vertikale Weite vermittelt. Wie das Eintauchen in tiefe Wasser. Der Tee ist dabei nur minimal rauchig und seine assamhaft-aparte Trockenheit wird durch die anfangs sehr deutliche, später moderate Einsüßung gezügelt, gerundet und grundbefeuchtet. Wahrscheinlich ist diese auf die Tonkabohne zurückzuführen, die ich allerdings nicht als typisch solche identifizieren kann, da ihr alles Weiche, Warme und Vanillige fehlt, sie eher harzig erscheint und so zum leicht herben Charakter des Duftes passt. Weihrauch nehme ich ebenfalls nicht wahr - zumindest nicht in seiner üblichen Erscheinungsform - auch wenn ihm eine saubere Frische inne wohnt, wie sie Olibanum durchaus zu eigen ist. Die harzige Süße ist, nach der obigen Duftnotenangabe zu urteilen, im Endeffekt aber wohl doch die Kombination aus diesen beiden Komponenten. Allerdings in entkernter, cleaner, unterkühlter Form.
Der glatte, minimal seifige Duschgelton, der an frische Deodorants mit dem Aufdruck ‚for men‘ erinnert, ist klar synthetisch und sorgt für lange Haltbarkeit. Für mich gut aushaltbar, da er weder kratzt noch überzieht. Er ähnelt solchen in populären blauen Düften wie Chanels ‚Bleu‘, jedoch mit jener leicht distanzierten, vornehmen Hermès-Eleganz. Über einen gewissen generischen Vibe kann sie trotzdem nicht ganz hinwegtäuschen.

Dieser Ton ist sicherlich der Grund, warum ich mich so schnell in diesem Merveille zuhause gefühlt habe. Hinzu kommt die herbwürzige Teenote, die - abzüglich der Süße - zu jener des, meines Geschmacks nach, fast idealen frischwürzigen Dufts ‚Bvlgari pour homme‘ tendiert. Und beim süßharzigen Einschlag habe ich Hayaris ‚Only for him‘ im Sinn, der nicht so fruchtig ist, dafür balsamischer und Parallelen zu einem meiner Lieblingsdüfte, Jil Sanders ‚Background‘, aufweist.
Für ein regelmäßiges Tragen ist er mir an manchen Tagen zwar etwas zu süß, aber hier treffen sich einige positiv besetzte Assoziationen, die erklären, warum ich „den Schatten der Wunder“, einen Duft, der in Untiefen (als Januswort verstanden) entführt, trotzdem so mag.

*

Apropos Untiefen: Eine zum Teil literarische Entsprechung ist für mich der wunderbare, bittersüße Roman „Jenseits der Untiefen“ der australischen Surferin und Schriftstellerin Favel Parrett, der in einer ebenso kühlen Welt spielt, dessen Mitgefühl für die Figuren aber ungleich wärmer ist.
13 Antworten

Parma vor 28 Tagen 10
8
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Casual-Vetiver
Jeans, T-Shirt, Sneakers, Tacit.

Ein wunderbar entspannter, zeitgemäßer und natürlich wirkender Vetiverduft.

Trotz klassisch dunkelgrasig-holzigwürziger Ausprägung ungewöhnlich optimistisch und unkompliziert interpretiert. Mit einer entwaffnenden Direktheit.

„No worris!“ hätte auch auf dem Flakon stehen können. In Anlehnung an die Herkunft der Marke.

Apropos Name. Der Begriff „tacit“ bezeichnet im Englischen alles implizit und nonverbal Ausgedrückte. Also das, was über Körpersprache und nicht gesprochenes Verhalten transportiert wird. Das passt natürlich perfekt zu Funktion und Wirkung von Parfum. Die australische Marke ließ sich laut eigener Homepage für dieses von den frischen Zitrusnoten klassischer Eau de Colognes und der sanft duftenden mediterranen Küstenvegetation inspirieren. Ich hatte keine der beiden Assoziationen beim Tragen, aber abwegig sind sie nicht. Für den Bezug zu klassischen Zitrusnoten wirkt es zu modern und straight. Für den Mittelmeerbezug etwas zu dunkel im Verlauf. Aber der Reihe nach.

Tacit startet mit strahlenden Zitrusnoten und dezent grünem Einschlag. Mich erinnert das an eine Mischung aus Zitrone und Mandarine samt zugehöriger Blätter (laut Aesop wurde die Yuzufrucht verwendet). Weitab von Reinigerassoziationen, da mit einer gewissen Saftigkeit versehen. Direkt mit vernehmbar ist etwas Holziges, Moschiges und eine sehr weiche Würze. Ausgesprochen aromatisch, rund und frisch. Mit angedeuteter Tiefe. Dieser Teil gefällt mir am besten. Recht schnell schält sich nun aus der weichen Würze ein dominanter, den Mittelteil beherrschender Basilikumton heraus. Ätherisch mit einer etwas spitzen, leicht süßlichen und minimal bitteren Würzigkeit. Die zitrische Note ist weiter vorhanden, schwächt sich aber immer mehr ab. Im Drydown gibt es einen schleichenden Übergang von der frischen Basilikumwürze zur zunehmend grasiger werdenden Vetivernote. Diese steht im lang anhaltenden Abgang im Vordergrund. Beide Bestandteile wecken bei mir in Kombination zarte Assoziationen an Wald. Durch die leichte Ätherik, Bitterkeit und Süße entsteht der Eindruck von Harzigkeit wie sie Pinien- bzw. Zypressennadeln verströmen. Zusammen mit der würzigen Holzigkeit erhalte ich diesen hellwaldigen Vibe. Vergleichbar in Ansätzen mit dem in Bottega Venetas ‚Pour Homme Essence Aromatique‘. Aber mit Vetivereinschlag. Je näher es dem Ende zugeht, desto süßlicher scheint er, ohne allerdings wirklich süß zu werden. Es ist eher eine dezente Färbung. Irgendwie orangig und im Ansatz balsamisch (daher der moschige Eindruck im Auftakt). Hier wirkt das Zusammenspiel dann wie eine Mischung aus süßlichen Tabakblättern und grasig-holzigem Vetiver. In aufgehellter Façon. Ohne die abschließende Dominanz des Süßgrases hätte man von einem mediterranen Duft sprechen können. So ist er - für meinen Geschmack - trotz aller Aufhellungen, einen Tick zu abgedunkelt dafür.

Die Verblendung und Passung der Inhaltsstoffe finde ich gelungen. Sehr eigenständig macht ihn dabei aus meiner Sicht die Betonung des Basilikums. Ich kann mich nicht erinnern, mal einen Duft mit ähnlich intensiver Basilikumnote gerochen zu haben. Hier fügt sie sich wunderbar ein. Viel mehr als die drei bzw. vier angegebenen Duftbestandteile braucht es dann auch nicht, um ein gelungenes Parfum zu entwerfen. Simplistisch ohne einfältig zu sein. Lediglich die erstaunlich lange Haltbarkeit bei fast gleichbleibend hoher Frequenz der Noten ermüdet mich auf Dauer etwas. Und die Vetivernote ist mir trotz der casualen Anlage des Duftes im Endeffekt zu klassisch und dominant (was hier beides zur Abwertung führt, da ich ein ambivalentes Verhältnis zum Süßgras habe - stark zitrisch ausgelegte Varianten wie z.B. Armanis ‚Vetiver d‘Hiver‘ sind mir deutlich lieber und auf eine solche hatte ich hier gehofft).

Daher ist er aus meiner Sicht eine gute Wahl für Leute, die einen sehr umgänglichen, eigenständigen, eher hellen und zeitgemäßen Vetiverduft suchen.
8 Antworten

Parma vor 1 Monat 18
9
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Maritime Feige
122 v. Chr.. Gallien. Eine befestigte Siedlung. Entremont. Rom führt einen Eroberungskrieg gegen den dort ansässigen Volksstamm und zerstört die stadtähnliche Anlage. Der Befehlshaber und Prokonsul Gaius Sextius Calvinus gründet daraufhin drei Kilometer südlich die Festung Aquae Sextiae. Das heutige Aix-en-Provence.

*

Dieser Duft soll laut den beiden Firmeninhabern (Julien Blanchard und Madalina Stoica Blanchard) eine Hommage an den bekannten Thermal- und Ferienort in Südfrankreich sein - aus deren Umgebung Juliens Familie stammt, wo das Paar geheiratet hat und den sie als zweite Heimat ansehen - und dessen mediterrane Unbeschwertheit, Harmonie und Lebensfreude widerspiegeln. Die Konstruktion passt - er riecht entspannt, sorglos und nach Urlaub. Für mich ein moderner, frischer, casual-eleganter, attraktiver living well-Duft. Ungewöhnlich in seiner Charakteristik und überzeugend in der Umsetzung: Eine wertige, gefällige, maritime Minz-Feige.

Der Duft steht von Beginn an komplett da: Eine Mischung aus kühl-prickelnder Minze (wie auf rosa Pfeffer) mit dezentem Lakritzeinschlag (wahrscheinlich durch anißig-scharfen Eukalyptus), leicht fluffigcremig-fruchtiger Feige (zart kokosnussig und moderat süß, ohne grüne Anteile) und einem synthetisch-maritimen Ton, der mich am ehesten an würziges Duschgel erinnert (in sehr wertiger Ausführung). Er hat zusätzlich einen ganz dezent rauchig-mineralisch-seidigen Ton (Labdanum) mit minimal salzigem Einschlag, der unterschwellig wirkt, den maritimen Eindruck unterstützt und tief im Drydown etwas besser zu vernehmen ist.
Die im Verlauf leicht überwiegende Feige hat Substanz und ist in ihrer Konzentration an Süße etwa vergleichbar mit der Tonka-Süße in Chanel‘s ‚Allure Homme Sport Eau Extrême‘ (wie ich auch das Verhältnis von Frische und Süße in beiden Düften als sehr ähnlich empfinde). Die anißige Minze und duschgelige Würze verleihen dem Extrait de Parfum durchgängig eine belebende Frische und zurückhaltende Herbheit, die im schönen Kontrast zur süßlich-cremigen Fruchtigkeit der Feige stehen. Jene lässt den Duft trotz des herbfrischen Einschlags eher smooth wirken. Unterstützt wird dieser Dreiklang von einem trockenen Zedernhauch. Dass alle Inhaltsstoffe so gut zueinander passen, so klar und stabil bis zum Ende bleiben und im einzelnen nie überbordend sind, zeugt von sehr guten Inhaltsstoffen und einer meisterhaften Konstruktion.

Die Idee einer maritimen Feige ist nicht neu – z.B. in Atelier Cologne‘s ‚Figuier Ardent‘, Mugler‘s ‚Womanity‘ und in Ansätzen auch Carthusia‘s ‚Capri Forget Me Not‘ -, jedoch immer noch recht ungewöhnlich. Als besonderen Clou beim Aqua Sextius sehe ich den Minz-Lakritz-Einschlag, der dem modern wirkenden Duft eine virile Attraktivität verleiht. Insgesamt eine lebensbejahende, prägnante, zugängliche Komposition - auf Gefälligkeit hin arrangiert - mit sehr eigenständigem Charakter, die bei mir keine Phantasie freisetzt, sondern einfach „nur“ sehr einnehmend duftet.
12 Antworten

Parma vor 2 Monaten 16
8.5
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage

Pastellene Lavendelseifen-Limette
Limon de Cordoza reiht sich nahtlos in die wertige und eigenständige Cologne-Reihe von The Different Company ein. Alle entworfen von Emilie Bevierre-Coppermann.

Stell dir eine herbzitrische Limette vor, gebettet auf einer durch Basilikum minimal angewürzten, cremigen Seifigkeit. Diese ist erschlägt nicht, da sie nicht durch strenge Aldehyde, sondern eine zurückhaltende Mischung aus Salbei, Lavendel und Moschus erzeugt wird. Nicht krautig, sondern clean und leicht säuerlich. So wirkt es zumindest auf mich. Sehr sauber, aromatisch und erfrischend. In sanfter, unaufdringlicher Form. Ein fast unscheinbarer Duft. Hautnah. Vermittelt über Stunden ein äußerst selbstverständliches, weiches Gefühl des Gepflegt-Seins. Der Zitruston (leicht dominant) und die cremige Seifigkeit sind dabei fast ebenbürtig. Überhaupt Aromatik. Wie schon im Tokyo Bloom versteht es Coppermann auch hier, eine äußerst sensible, nuancierte, weiche und cleane Form derselben zu erschaffen. Leicht zu mögen, ohne sich anzubiedern.

Am stärksten erinnert er mich an den wundervollen 'Spiced Limes' von Anglia Perfumery, der im Vergleich durchhaltekräftiger und präsenter ist. Ähnlich gelagert ist ebenfalls Givenchys 'Gentlemen Cologne', der statt des seifigen Lavendel-Moschus die prägnante Sauberkeit und Gepflegtheit über eine Irisnote erreicht (und mit Zitrone statt Limette aufwartet). Auch jener ist deutlich ausdrucksstärker. Allen ist die traditionelle Ausrichtung an klassischen Herren-Colognes mit Barbershop-Einschlag zu eigen, wobei der Givenchy die moderne und der Anglia die klassische Ausführung darstellt. Limone de Cordoza liegt genau dazwischen. Zu Beginn - wenn die Reinlichkeit noch nicht eingesetzt hat - erinnert er kurzzeitig an klassisch-englische, herbe Limetten-Düfte wie z.B. „West Indian Limes“ von Truefitt & Hill.

Alles in allem ein wunderbar sanftes Cologne. Mit etwas mehr Durchhaltevermögen als seine L‘Esprit-Geschwister. Leise sind sie jedoch alle. Mir ist so etwas allerdings immer sehr recht.

Der Name hat übrigens - im Gegensatz zu den anderen Düften der Reihe - keinen konkreten geografischen Bezug. Cordoza gibt es nicht. Laut Marke ist es eine Kombination aus den Namen der beiden argentinischen Städte Córdoba und Mendoza, die beide aber wirtschaftlich bzw. kulinarisch nichts bekanntes mit der Zitrone (span.: limón) zu tun haben. Ebenso legt das Haus Wert darauf zu erwähnen, dass keine solche verbaut ist. Die Namensbedeutung bleibt somit ein Geheimnis. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Duft eine Hommage an das Phantasie-Königreich der weißen Neroliblüte sein soll. Der Imaginations-Bezug könnte daher eine Erklärung sein. Neroli nehme ich hier allerdings nicht wahr, eine Tendenz aber schon (zitrisch-cremig-sauber). Und weiß passt absolut.
14 Antworten

Parma vor 2 Monaten 22
8.5
Duft
5
Haltbarkeit
5
Sillage
9
Flakon

Erdigpudriges, süßliches Gras
Kalmus ist eine aus Asien stammende Sumpfpflanze, die im 16 Jh. in Mitteleuropa eingeführt wurde und heute auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet ist. Das aus dem Wurzelstock gewonnene Öl soll kampferartig riechen (grün-ätherisch-bitter). Pflanzen, die diese Eigenschaft besitzen, dienen oft als Heilpflanzen. So auch diese. In der traditionellen asiatischen Medizin wird sie v.a. bei Magenerkrankungen eingesetzt. In unseren Breitengraden in ähnlicher Weise als Zusatz in Magenbitter-Likören :) Indigene Völker in Nordamerika nutzten sie wohl für medizinische Bäder, Räucherungen und kulinarisch als Teezutat und Gewürz. Das klingt in erster Linie nach einer recht herb schmeckenden Angelegenheit, weshalb ich denke, dass der Duft keine authentische Nachbildung ist, denn er erscheint wesentlich umgänglicher. Unisexlover zieht in der unten stehenden Rezension vor dem Hintergrund praktischer Erfahrungen eine sehr hilfreiche olfaktorische Verbindung zum realen Produkt. Danach hat der Duft nichts mit dem Öl der Wurzel zu tun, sondern gut meinend etwas mit dem Geruch der Pflanze oberhalb der Erd- bzw. Wassergrenze.

Nach dem wunderbaren Maiglöckchenduft ‚Lily‘, ist 'Calamus' der zweite aus Comme de Garçon‘s grüner Leaves-Reihe (und neben jenem leider der einzige, der noch produziert wird), der mich mit seiner verblüffenden Naturnähe überzeugt.

Er stellt sich wie folgt dar: Erdigpudrig-süßliches, exotisches Gras in cleaner, mittelgrüner Ausführung (wie Gras und leicht süßliche Iriswurzel mit minimalstem Möhreneinschlag, weder dunkel- noch hellgrün). Verfeinert mit einer sanftwürzigen Currynote auf dezenter, heller Holzunterlage. Tief im Drydown mit einer zarten Vanilleanmutung. Wenn ich ganz genau hinrieche: viel Gras, etwas Tomatenblatt (ohne Wässrigkeit), ein bisschen Curry, einen Hauch Nelke, Lorbeer- bzw. Buchsbaumblätter, deutlich Iriswurzel, vereinzelte Möhren, versteckte rote Beeren, angedeutet Medizinisches, helles Holz, ein Tropfen Vanille. Ohne Gewähr. Alles vermischt und im Mörser zu Pulver zerstoßen. Trocken. Pudrig. Grün. Sehr pflanzlich und aromatisch. Dabei weich, mit luftiger Dichte und optimistisch. Eine sanfte, smoothe, leicht süßliche und leise Version des Kraftmeiers Victrix. Wie die saubere Luft eines Nutzgartens im Sommer. Meisterhaft verwoben und zurückhaltend abgestimmt.

Ein ungewöhnliches Dufterlebnis. Voll tragbar. Einer dieser Düfte, die auffallen, weil sie anders sind. Auf angenehme Weise. Eine wundervolle, stimmungshebende (übrigens auch ein medizinischer Effekt dieser Pflanze) grüne Aromatik.
18 Antworten

1 - 5 von 218