PollitaPollitas Parfumkommentare

1 - 5 von 90
Pollita vor 3 Stunden 14
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage

Du fieses kleines Molekül…
…was bist Du? Und warum find ich Dich in einer Sekunde anziehend, in der nächsten jedoch fast wieder abstoßend? Ein Duftzwilling zu Geza Schöns Molecule 01 sollst Du sein. Also ISO-E-Super. Ich muss gestehen, ich habe nicht so viel Erfahrung mit Moleküldüften. Den Molecule 01 hab ich tatsächlich nie probiert. Bei einer Bestellung erhielt ich aus Versehen die 02, die ich, na ja, langweilig fand. Und es heißt, mein geliebtes Silver Musk von Nasomatto enthalte ebenfalls das berühmt berüchtigte ISO-Molekül. Ob es das tut, kann ich mangels Duftpyramide freilich nicht sagen. Und Herr Gualtieri würde es mir vermutlich auch nicht verraten.

Doch was hat der gute Herr Lehmann hier zusammengemischt? Auf Papier bin ich MOL Intens zunächst einmal verfallen. Breites Grinsen im Gesicht, geflasht, jaaa, der ist toll, so meine Reaktion auf den ersten Schnupperer. Etwa maskulin, aber dennoch klar, sauber, frisch, rein, feine Holztöne und eine kühle, gar köstliche Synthetik begrüßten mich hier. Also nicht lange nachgedacht und den Duft aufgetragen. Doch an mir spielt er mit mir ein nicht so nettes Spielchen, bei dem ich leider auch nach mehreren Stunden noch nicht weiß, ob ich weiter mitspielen mag.

Ja, die Noten, die ich auf den Tüchlein mit Wonne inhaliert habe, sind allesamt auch auf meiner Haut da. Aber, halt, stopp. Da ist auch etwas anderes, was mich das Gesicht verziehen lässt. Ich erhasche eine Note, die mir aus Sauvage, LV Orage und sogar Office for Men bekannt ist. Ist das Ambroxan? Ich dachte, wir hätten hier nur ISO, Herr Lehmann? Oder spielen die Moleküle jetzt komplett verrückt?
Tja, was soll ich sagen. Ich rieche nach einer Mischung nach etwas zartem, ganz wunderbaren und nassen Socken aus der Fußballer-Umkleidekabine. Soll ich das mögen? Soll ich nochmal unter die Dusche? Mein Mann riecht glücklicherweise überhaupt nichts. Diese Moleküle können ja nicht von allen Nasen wahrgenommen werden.

Die Sillage bewegt sich im moderaten, fast körpernahem Bereich. Und dabei changiert der Duft zwischen schön und „Sauvage-ig“ (ich weiß nicht, wie ich es sonst nennen soll).
Auch hier haben wir es mit einem handwerklich sehr gut gemachten Duft zu tun. Und bei Lehmann brauchen wir über Preis-Leistung selbstverständlich nicht zu reden. Vermuten würde ich mal, dass jeder diesen Duft etwas anders wahrnehmen wird. Ich sag nur „Love and Hate are Both 4-Letter-Words“.

Ganz lieben Dank an AdAstra72 für die Probe.
12 Antworten

Pollita vor 3 Tagen 33
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Innehalten und genießen
Weihrauchdüfte mochte ich schon immer. Nicht alle sind freilich tragbar, doch wissen sie mich nahezu alle zu begeistern. Die Vielseitigkeit dieser Duftnote ist für mich immer wieder überraschend. Weihrauch kann kalt, kühl und sogar sehr warm wirken, je nachdem, wie er mit den anderen Noten verwoben ist. Von Kirchenmauern bis zu frisch gewaschener Wäsche ist bei dieser Duftnote alles drin.

Einer, der mich aktuell sehr begeistert ist Botafumeiro von Carner. Dieser Weihrauch ist ausgesprochen hell und bringt eine Süße und Weichheit mit, die ihn leuchten lässt. Dieser Eindruck entsteht oft, wenn Weihrauch auf Blütennoten trifft. Hier sind Zistrose, Maiglöckchen und Freesie im Spiel. Auch der weiße Moschus im Fond verstärkt diesen strahlenden Effekt. Ich hätte fast noch auf einen Hauch Vanille getippt, wie wir ihn auch in Lye von Gabriella Chieffo haben.

Der Duft wird dabei niemals zu süß. Im Gegenteil. Für meine Nase changiert er wunderbar zwischen Wärme und Kühle. Wäre für mich ganz klar ein Businessduft, um meine seriösere Seite zu betonen, so wie auch L’Ether von IUNX es ist. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Hätte ich diesen wunderschönen Duft von Carner blind getestet, hätte ich vermutlich zunächst auf einen Duft von Olivia Giacobetti getippt. Dieses besondere Spiel mit warmen und kühlen Tönen gelingt ihr stets meisterhaft. Wobei Madame Giacobetti gewöhnlich nicht mit dieser unterschwelligen, feinen und dabei leichten Süße arbeitet, die der Botafumeiro mitbringt. Das hätte mich womöglich dann doch stutzig werden lassen.

Lange Rede kurzer Sinn. Dieser Duft ist für alle Weihrauchliebhaber wie geschaffen. Genauso könnte er Freunde von Lye oder Bois d‘Iris begeistern. Und hat man ein Faible für die Werke von Madame Giacobetti, wie etwa Passage d’Enfer, sollte man Botafumeiro unbedingt auch probieren, auch wenn dieser freilich etwas süßer ist. Der Duft ist zärtlich, zurückhaltend, dabei aber auch ernsthaft und kontemplativ. Weiße Rauchwolken steigen hinauf in den azurblauen Himmel. Ein Duft zum Innehalten und den Moment in vollen Zügen genießen.

Herzlichen Dank an Floyd für einen weiteren, wundervollen Duft. Besäße ich L’Ether und Lye nicht bereits, dann wäre er mein.
32 Antworten

Pollita vor 8 Tagen 35
8
Duft
7
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Unsagbar berührend

Ich habe ein Faible für Musik und insbesondere für schöne Stimmen. Es gibt Sänger, denen höre ich nicht nur gerne zu, sondern denen glaube ich jedes Wort, das sie mit ihren Texten transportieren. Dazu zählen etwa Martin Gore, Alexander Veljanov aber beispielsweise auch Lajon Witherspoon und Corey Taylor. Mit kirchlicher Musik hatte ich bisher kaum Berührungspunkte und daher gibt es auch keine Erfahrungswerte meinerseits, interessierte ich mich doch stets eher für die Genres, Synthpop, New Wave und Metal.

Ein Duft, der der menschlichen Singstimme gewidmet ist, muss ja zwangsweise spannend sein. Vor allem bei dieser Duftpyramide, in der Sorcinelli einfach mal alles auf den Kopf gestellt hat. Ein Start mit Vanille und Bergamotte in der Basis. Das hat man definitiv nicht alle Tage.

Beim Aufsprühen begrüßt einen zunächst die Vanille. Sie ist wunderbar weich und wird von Beginn an von rauchigen und auch sauberen Noten begleitet. Zunächst denke ich an Eau Duelle, mit dem der Duft auch ein bisschen verwandt ist. Denn auch dieser Duft offeriert ein Konzept aus Weihrauch und Vanille. Allerdings bleibt die Vanille beim Diptyque vom Start bis hin zum Ausklang im Vordergrund, während sie bei Voix Humaine 8 lediglich in der Kopfnote wahrzunehmen ist. Danach wird sie sanft in den Hintergrund gedrängt von Ambrette und Weihrauch, wodurch ein holzig-rauchiger Eindruck entsteht. Im Verlauf wird der Duft immer holziger mit einer nur noch unterschwellig wahrnehmbaren Süße. Ja, auch ich habe hier die Assoziation von Produkten aus Holz. An aus Holz gefertigte Musikinstrumente zu denken, liegt nahe.

Im Gegensatz zu Unum LAVS und anderen Düften von Sorcinelli wirkt dieser auf mich keineswegs sakral. Ich befinde mich auch nicht in einer kalten Kirche, wenn ich diesen Duft wahrnehme. Das ist ein Duft, den man wunderbar für sich alleine tragen kann, um in sich zu gehen, Ruhe zu finden. Selten so etwas unaufgeregtes erschnuppert wie Voix Humaine 8. Ja, das ist eine Duftkomposition, der ich ebenfalls alles glauben würde, so wie auch meinen liebsten Sängern. Denn ihre Stimme ist besonders und unsagbar berührend. Speziell, aber dennoch tragbar. Auffällig und gleichzeitig unauffällig.

Wem Düfte wie Eau Duelle oder auch Memoirs of a Trespasser bereits zu süß sein sollten, diese Richtung jedoch gefällt, der ist bei diesem Sorcinelli richtig. Tragbar ist er meines Erachtens zu jeder Zeit und zu Anlässen aller Art. In der Ausstrahlung ist er im moderaten Bereich und sollte daher niemandem auf die Nerven gehen. Er ist für mich zwar kein Must-Have, aber einer, den es sich lohnt, zu entdecken.

Herzlichen Dank an Floyd für die Probe. Er duftet genau so wunderbar, wie Du ihn in Deinem Statement beschrieben hast.
31 Antworten

Pollita vor 14 Tagen 35
8
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Ein ganz normaler Sonntag auf der Feuerwache
Bereits um sechs Uhr in der Früh an diesem Sonntagvormittag wirft der erste Alarm Hauptbrandmeister Kunze aus den Federn. In einer Schrebergartensiedlung soll es brennen. Gemeinsam mit seinen Mannen rückt der gemütliche Feuerwehrmann aus, sich den Schlaf aus den Augen reibend. „Soo früh schon“, denkt er sich. Aber an einem Sonntag im warmen Sommermonat Juli kann es immer mal vorkommen, dass ein Grill- oder Lagerfeuer auf dem trockenen Untergrund einen Brand verursacht hat. Angekommen in den Schrebergärten kann er zwar deutlich den Geruch von verbranntem Holz und Holzkohle vernehmen, es brennt aber nirgendwo. „Wir haben gestern Abend gegrillt und saßen zu später Stunde noch am Lagerfeuer und haben Lieder gesungen“, erklärt ihm Walter Schmidt, einer der Kleingärtner. In seinem Garten duftet es außerdem sehr intensiv nach Gewürzen, die der begeisterte Hobbykoch mit dem grünen Daumen selber zieht. Da das Feuer schon lange aus ist, fährt Kunze gemeinsam mit seinen Mannen zurück auf die Wache.

Doch für Kaffee und Frühstück bleibt keine Zeit: Schon wieder ertönt lautstark die Sirene. Zur Dorfkirche soll es gehen. „Ein Brand im Gotteshaus“, wundert sich der Hauptbrandmeister. Dort angekommen nimmt er einen starken, kokeligen und leicht süßlichen Geruch wahr. Gar noch intensiver als zuvor in der Gartenanlage. Die Quelle ist auch schnell gefunden und es handelt sich keineswegs um ein Feuer. Pfarrer Matzke schwenkt eifrig sein Weihrauchfässchen. Gemeinsam mit dem ätherischen Räucherwerk entfaltet sich dabei der Geruch von glühenden Kohlen. Er gibt unserem guten Hauptbrandmeister noch ein paar weise Worte des Herrn mit auf den Weg und kehrt zurück zu seiner Gemeinde, während Kunze zurück auf die Feuerwache fährt.

Der Rest des Tages verläuft ruhig, doch am Abend müssen die Männer ein drittes Mal ausrücken. Dieses Mal soll es bei Rentner Albert brennen, wie dem Hauptbrandmeister mitgeteilt wird. Also auf in die Wohnsiedlung. Schon von Ferne nimmt Kunze einen dunkel-rauchigen und leicht süßlichen Geruch wahr. Albert und seine Frau sitzen gemütlich im Garten, wo der Rentner seine Pfeife schmaucht. Der Tabak ist verfeinert mit lieblichen Vanillearomen. Auch hier suchen die Feuerwehrmänner vergeblich nach einem Brand und dürfen sich in ihren wohlverdienten Feierabend verabschieden.

Broken Theories hat mich zu dieser kleinen Geschichte inspiriert, denn im ersten Moment erschnuppere ich verbrannte Hölzer mit Weihrauch und denke an ein Lagerfeuer, das lange gebrannt hat und irgendwann ausgegangen ist. Broken Theories erschafft für meine Nase exakt den authentischen Geruch von etwas Verbranntem. Aufgetragen auf die Haut wird der Duft allerdings sehr weich und warm und die Vanille- und Tabaktöne kommen durch. An meinem Mann duftet er sehr heimelig und man denkt mit der Zeit eher an ein gemütliches Pfeifchen oder an ein Räuchermännchen zur Weihnachtszeit.

Momentan ist selbstverständlich die vollkommen falsche Jahreszeit für einen solchen Duft, aber in der kalten Jahreszeit spielt Broken Theories seine Stärken aus. Wer Weihrauch mag, egal in welcher Form, wird Broken Theories lieben. Einer der authentischsten Rauchdüfte, der mir jemals unter die Nase gekommen ist. Ein passender Duft auch für alle, denen By the Fireplace von Margiela viel zu süß ist. Denn hier gewinnt der Rauch und die vanilligen Töne bleiben stets im Hintergrund. Ich fürchte, ich werde meinem Gatten irgendwann einen Flakon schenken müssen, denn er ist hin und weg davon. Und ich denke immer ein bisschen an 911, eine meiner aktuellen Lieblingsserien, wenn ich den Duft rieche.

Ganz lieben Dank an Chizza fürs kennen lernen und an Caligari für eine weitere Testmöglichkeit.
32 Antworten

Pollita vor 19 Tagen 38
9
Duft
9
Haltbarkeit
10
Sillage
7
Flakon

Vom wiederkehrenden Herumschleichen…
Ein Duft, um den ich immer wieder herumschleiche, ist L’Eau de Circé von Pierre Guillaume. Ich mag ihn sehr, ich finde ihn besonders. Aber gekauft habe ich ihn bislang nicht. Warum? Nun, ich denke immer, nice to have, aber brauchen tu ich ihn einfach nicht. Das ewige Herumschleichen spricht jedoch dafür, dass ich das vielleicht doch tue. Wer weiß?

Wer das Ur-Rush von Gucci kennt, kann sich vorstellen, in welche Richtung dieser Guillaume geht. Er ist blumig, auffällig, kraftvoll, unverkennbar, sexy und anziehend. Ein Duft, der mit der Türe ins Haus fällt mit einer Sillage, die ihresgleichen sucht. L’Eau de Circé ist ein Parfum für selbstbewusste Trägerinnen, die Spaß am Leben haben und sich keinesfalls im Hintergrund halten wollen. Im geschäftlichen Rahmen oder im Büro wäre der sowas von fehl am Platz. Das ist ein Duft für Parties, zum Ausgehen, für den Urlaub, für Spaß!

Bei L’Eau de Circé haben die Blüten das Sagen. Wir haben Jasmin, Orchidee, Ylang-Ylang und Rose. Dazu kommen leicht fruchtige Töne vom Pfirsich (Pfirsichblatt rieche ich hier keines, keine Ahnung, wie das duften soll) sowie auch etwas Apfel, wobei ich den hier vergeblich suche. Ich meine aber, hier ist auch eine Apfelnote verwoben. Zitrische Noten suche ich vergeblich. Die Basis ist satt und süß mit Amber und Honig und auch hier rieche ich eindeutig eine Vanille.

Ist der Duft für mehrere Stunden auf der Haut, kann ich eine entfernte Ähnlichkeit zu Profumum Romas Confetto feststellen, den ich seit vielen Jahren besitze und liebe. Confetto ist selbstverständlich bedeutend süßer, da Mandel und Anis hier die Hauptakteure sind. L’Eau de Circé würde ich nicht als Gourmandduft einordnen. Ich tippe mal auf die Ambernote, verwoben mit der Vanille, die diese Verwandtschaft der beiden Düfte ausmacht. Aber es liegt nicht am Confetto, weshalb ich denke, dass ich L’Eau de Circé nicht brauche. Denn dafür sind sie doch viel zu unterschiedlich. Duftzwillinge? Definitiv nicht.

L’Eau de Circé erinnert auf den ersten Riecher erstmal an die Vintage-Version von Gucci Rush. Und diesen Duft trug meine frühere, liebe Mitbewohnerin sehr lange. Sie wechselte ihre Düfte oft, jedoch mit Rush lernte ich sie kennen. Und sie ist all das, was so einen Duft ausmacht. Er passt quasi zu ihr wie der buchstäbliche A*auf Eimer. Sie ist laut, etwas schrill, sie geizt niemals mit ihren Reizen, mit ihr kann man unentwegt feiern, etc. Diese Liste könnte ich endlos fortführen. Und da fragt sich jetzt das Hühnchen „passt so ein Duft auch zu mir?“, da ich ein völlig anderer Typ Mensch bin. Deshalb bin ich mir bis heute nicht schlüssig, ob ich den brauche oder nicht. Es wird sich zeigen, da ich ihn sicher wieder testen werde.
30 Antworten

1 - 5 von 90