PollitaPollitas Parfumkommentare

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Pollita vor 6 Tagen 42
9
Duft
4
Haltbarkeit
7
Sillage

Ein Stück Kindheit im Flakon
Wer möchte nicht auch ab und an nochmals Kind sein? Diese unbeschwerte Zeit ohne Sorgen oder Ängste. Eine Zeit der Kreativität und Glückseligkeit. Jeden Augenblick einfach genießen! Tollen auf einer Sommerwiese. Ein leckeres Eis essen. Oder lieber Bonbons und Konfekt? Ja, gerade in der aktuell schwierigen Zeit beobachte ich auch an mir selbst nicht selten die Sehnsucht nach der unbeschwerten Kindheit.

Imaginary Authors hat mit Saint Julep einen Duft geschaffen, der es vermag, genau diese Zeit olfaktorisch wieder aufleben zu lassen. Wir haben hier einen grün-süßen Duft. Eine Kombination, der ich allzu oft verfallen bin. Ich rieche die grüne Wiese, die frische Minze, das Eis und die Süßigkeiten und auch an Cocktails lässt mich der Duft denken, wie er ja auch soll. Für mich sind das allerdings eher alkoholfreie, fein-fruchtige Desserts. Das ist in meinen Augen ein Duft, der mich direkt in die Kindheit katapultiert und zwar im Hochsommer. Whisky kann ich keinen wahrnehmen. Überhaupt keinen Alkohol. Die Erwachsenen haben bei diesem Schätzchen in meinen Augen erstmal Sendepause. Die Bühne gehört voll und ganz den Kleinen.

Den Jahrmarkt, die Tüte Gummibären, ja fast alles, was meine Kolleginnen und Kollegen hier wahrgenommen haben, kann auch ich nachvollziehen. Allerdings werden die Naschereien allesamt in der frischen Luft gereicht. Vielleicht im Freibad an einem unbeschwerten Sommertag?

Saint Julep ist ein Stück Kindheit abgefüllt in Flakons. Leider ist er nach zwei Stunden für meine Nase fast nicht mehr wahrnehmbar. Ansonsten wäre ich vermutlich gleich schwach geworden und hätte ihn schon bestellt. Ich bin eben einfach nicht so der Nachsprüher. Aber abgehakt habe ich diesen traumhaften Glücklichmacher definitiv noch nicht. Könnte ich mir für den Sommer sehr gut vorstellen.

Herzlichen Dank an Chizza für die Probe. Der hat mir heute gleich meine morgendliche Fahrradtour versüßt und mich aus dem Novembergrau 2020 in den Hochsommer 1986 zurückversetzt.
38 Antworten

Pollita vor 9 Tagen 57
8.5
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage
9
Flakon

Der Le Male von heute?
Er kommt in den Club oder in die Bar. Er wirkt modisch, selbstbewusst, hat ein Lächeln im Gesicht und ist sich seiner Erfolges bereits sicher. Er weiß, was er will. Er ist überzeugt von sich selbst und hat die Absicht, heute Abend mit einer weiblichen Begleitung nach Hause zu gehen. Wer kennt solche Typen nicht? Ob im Business Setting oder abends in der Bar. Überall tauchen sie auf. Und bei einigen Frauen sind sie aufgrund ihres Selbstvertrauens oft sehr erfolgreich. Typisch für diese Sorte Mann sind trendy Klamotten und ein sehr süßer, markanter und in der Regel auch hochdosierter Duft. In meiner Jugend war das meist Joop Homme und später dann Le Male. Heute, denke ich, würde so ein Typ Mann Baccarat Rouge 540 tragen.

Mit diesem Duft fällt man auf. Er ist intensiv und sofort raumfüllend, wenn man(n) den Raum betritt. So selbstbewusst wie sein Träger. Trotz des Jasmins empfinde ich den Duft nicht als sehr blumig. Er ist süß, stark und strotzt auch mit diversen maskulinen Attributen vor Selbstbewusstsein. Ich empfinde es als schwierig, diesen Duft in seine Bestandteile zu zerlegen. Bei Le Male funktioniert das noch einigermaßen mit Lavendel und Vanille. Hier haben wir neben der süßen Mandel und dem süß-warmen, intensiven Duft von Ambra eine feine Holzigkeit, die für mich auch leicht rauchig wirkt. Auch wenn das jetzt vielleicht erstmal etwas „gesponnen“ klingt, kann ich – zumindest im Auftakt – sogar entfernte Gemeinsamkeiten mit Creed Aventus ausmachen. Daher tippe ich auch auf etwas Birkenteer, was diesem Duft bei all seiner Süße eine gewisse Maskulinität mitgibt.

Der Duft ist toll – keine Frage. Für mich wirklich einer der Schönsten von Maison Francis Kurkdjian. Und hier erkennt man auch ganz klar die Handschrift des LeMale-Schöpfers. Wenn es seine Absicht war, mit Baccarat Rouge 540 einen würdigen Nachfolger seines Klassikers aus den Neunzigern zu schaffen, der auch noch perfekt in die heutige Zeit passt, dann ist ihm das absolut gelungen.

Selbstverständlich kann dieser Duft, ebenso wie Le Male oder auch Joop Homme, auch von Damen getragen werden. Für mich selbst empfinde ich ihn zwar nicht als passend, ich könnte mir aber beispielsweise vorstellen, dass meine Mutter den sofort tragen würde. Gefallen tut er mir, trotz all seiner Synthetik. Und wohldosiert würde ich diesen Duft, auch wenn er sehr süß ist, an einem Herrn als sehr angenehm empfinden. Den Großteil der Herren, die diesen Duft tragen, würde ich allerdings nicht als die erste Wahl für einen Heiratskandidaten empfehlen, sollte eine Freundin oder Verwandte von mir aktuell auf der Suche nach einem solchen sein :)

Herzlichen Dank an Violett für die Probe. Ich bin alles in allem positiv überrascht. Hätte ich so nicht erwartet von Herrn Kurkdjian, da ich die meisten Düfte der MFK-Reihe doch als eher unspektakulär empfunden haben, vergleicht man sie mit seinen früheren Werken.
54 Antworten

Pollita vor 14 Tagen 35
9
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage

Wer warst Du nur?
Wer kennt es nicht. Das „Tip of the tongue“-Phänomen. Wenn einem etwas auf der Zunge liegt, ein Name, ein Begriff, eine Bezeichnung, aber man will partout nicht darauf kommen. Ich hingegen erinnere mich an einen Menschen, weiß allerdings nicht mehr, wer er war, wie er aussah und in welcher Beziehung ich zu ihm stand. Es ist alles weg. Ich weiß nur noch, dass ich die Erinnerung an seinen Duft bis heute behalten habe.

Schon der erste Schnupperer Opoponax von Les Nereides bringt mich zu ihm zurück. Ich kann ihn riechen, mit seiner warmwürzigen Süße, die mich schon damals verzaubert hat. Vanille, Benzoe und ein paar Holztöne nehmen die süße, weiche Myrrhe in ihre Mitte und lassen sie erstrahlen. Im Hintergrund blühen ein paar Blümchen und auch etwas Fruchtiges ist dabei, das ich hier in der Pyramide als Orangenschale wiederfinde. Diese feine, süße Myrrhe bei Opoponax hat fast etwas von dunkler Schokolade. Ich war mir bei diesem Duft stets sicher, dass auch Schokolade im Spiel ist. Und was ich ebenfalls vermute zu erschnuppern, ist eine weiche Ledernote, die dem Duft einen maskulinen Touch verleiht.

Ich weiß noch so genau, dass ich diesen Duft an Dir damals faszinierend fand. Jetzt kenne ich den Namen Deines Parfums, aber ich weiß überhaupt nicht mehr, wer Du warst. Auf jeden Fall hast Du mir etwas bedeutet, denn ansonsten würde ich mich nicht so gut erinnern können, wie wunderbar Du geduftet hast.

„Etwas Gutes kommt wieder“, pflegte meine Großmutter stets zu sagen. Vielleicht fällt es mir ja irgendwann wieder ein, wer Du gewesen bist? Ich glaube, Dein Haar war lang.

Herzlichen Dank an Susan für die Probe. Das war heute ein Aha-Erlebnis und was für ein Schönes! Und jetzt bin ich unentwegt am Grübeln (und am Schnuppern).
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Pollita vor 17 Tagen 32
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Wie ich mir einen Sportduft vorstelle
Wie die meisten von euch wissen, treibe ich gerne und viel Sport. Inzwischen messe ich mich nicht mehr mit anderen in Wettbewerben, das ist mir zu stressig, aber ich liebe es, täglich laufend oder mit dem Rad viele Kilometer zurückzulegen. Oft teste ich dabei auch Düfte (bei den vielen Proben, die hier eintrudeln, hab ich ja keine Wahl), die dann meistens leider nicht wirklich ins Natursetting passen.

Doch heute hatte ich einen dabei, der tut das. Granverde von Lorenzo Dante Ferro. Ein wunderbarer Begleiter, wenn man in die Natur geht. Der erste Eindruck war der eines klassischen Colognes. Der Auftakt ist zitrisch und frisch gehalten, gibt aber eigentlich schon die Richtung vor, in die es gehen soll. Grün, richtig schon grün. Die Gewürz- und Holznoten und Vetiver lassen nicht lange auf sich warten. Der Duft erinnert mich an feuchte Wiesen in der Früh. Auch der Wald ist nicht weit entfernt und bringt sein typisches, holziges (nadelholziges) Aroma mit ein. Da dieser Duft ein Parfum und kein Cologne ist, hält er auch wunderbar eine Sporteinheit durch.

Obwohl ich in der Pyramide keinen Moschus finde, vermute ich mal, er ist drin, denn das Ganze wirkt auf mich immerzu sehr schön sauber. Allerdings ist der Moschus hier nochmals gedimmter verbaut, als beispielsweise bei den Aqua Allegorias von Guerlain. Ich denke auch, die Moschusnote ist es, die Kollege Meggi, bzw. seine Mitarbeiter, als feminin wahrgenommen haben. Der Duft hat bei all seiner Frische und krautigen Würze etwas Liebliches und das schreibe ich dem Moschus zu. Dennoch wage ich zu behaupten, dass der Duft auch denjenigen gefallen könnte, die das Wort Saubermoschus erstmal in die Flucht schlägt. Denn dieses Liebliche ist ganz zart, ganz klein. Es nervt nicht und nimmt dem Duft auch nicht die maskuline, Cologne-typische Grundnote. Hier ist alles so, wie es in einem klassischen Herrenduft sein soll. Und dabei trotzdem so spritzig und auch ein bisschen verspielt.

Ich weiß, die Zeit der Sportdüfte ist eigentlich vorbei. Und eigentlich ist es ja auch Blödsinn, beim Sport Parfum zu tragen. Dennoch sage ich mal, wenn jemand das möchte, dann trifft er mit diesem Parfum aus Bella Italia eine gute Wahl. Denn man duftet frisch und dabei auch fein natürlich und sollte eigentlich niemandem auf die Nerven gehen. Ein Duft, dem auch ganz prima der Spagat zwischen einem echten Klassiker und einem modernen Duft gelingt und der, zumindest für meine Nase, kein Alter hat. Mit diesem Duft liegt man irgendwo zwischen Eau Sauvage und Original Vetiver. Und auch wenn ich ihn primär auf der maskulinen Seite sehe, ist er auch an der Frau nicht gänzlich verkehrt.

Weder Marke noch Parfum waren mir bislang bekannt. Dank dem lieben SchatzSucher bin ich nun schlauer. Vielen herzlichen Dank dafür!
29 Antworten

Pollita vor 25 Tagen 39
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Die süßen Blüten der Neunziger Jahre

Ich ging in die zehnte oder elfte Klasse, als K. in unsere Jahrgangsstufe kam. Sie war gebürtig aus den neuen Bundesländern und sprach, wie ihr der Schnabel gewachsen war. Ihre Kleidung war nicht besonders und schon gar nicht teuer und sie war auch generell nicht der Typ, der als schön galt. Doch ihr war das egal. Sie machte ihr Ding. Färbte sich die Haare lila und hatte stets ein Lächeln für alle und jeden. Ich suchte gerne den Kontakt zu ihr. Die ganzen, angeblich so coolen Mädels, wollten von ihr selbstverständlich nichts wissen. Doch ich mochte ihre quirlige, für Baden-Württemberger so gänzlich untypische Art, ihre zahlreichen Geschichten von der Zeit vor der Wende sowie ihr immenses Selbstvertrauen. Denn K. war es egal, ob die anderen sie akzeptierten oder nicht. Sie wollte nicht gefallen. „Das kratzt mich alles nicht“, pflegte sie stets zu sagen. (Ein Blick in Serenissimas wunderbaren Kommentar erklärt auch gut, warum. Sie beschreibt nicht nur den Duft ganz bezaubernd, sondern klärt auch über die Bedeutung des Namens auf).

K. duftete immerzu nach Impulse Mille Fleurs. Ich bin mir sicher, dass dieser Impulse-Duft einigen Parfumos hier, die so etwa in meinem Alter sind, gut bekannt sein sollte. Nach dem Sportunterricht puffte sie sich von oben bis unten damit ein. Man konnte sie immerzu schon von weitem erschnuppern, wenn sie in der Nähe war.

Ich will jetzt natürlich nicht behaupten, dass Sylvaine Delacourtes Vanori exakt so duftet, wie dieses Impulse-Deo aus den Neunzigern. Aber Parallelen gibt es. Und ich bin mir sicher, nahezu jede, die in der Jugend dieses Deo liebte, wird auch an der sehr fein komponierten und etwas erwachseneren Schwester Vanori Gefallen finden. Wir haben hier einen eleganten Blütenduft mit jugendlichem Flair, der zart von vanilligen Noten untermalt wird. Für Jasmin und insbesondere für Frangipani sollte man schon eine gewisse Vorliebe mitbringen. Vanori ist kein Leisetreter. Diese Blüten schreien laut „hier“ und wollen auch wahrgenommen werden. Verstecken ist nicht mit diesem Duft. Aber er ist ein wunderbarer Schmeichler, trotz all seiner Opulenz und dafür sorgt die zarte Vanille. Ich mag solche Düfte, auch wenn ich sie nicht als meine sehe. Bei mir müssen die floralen Noten etwas mehr in den Hintergrund rücken. Meine Schulfreundin K. jedoch hatte andere Vorlieben.

K. hätte Vanori sicher auch sehr gerne gemocht. Nachdem wir uns nach der Schulzeit aus den Augen verloren hatten, trafen wir uns Jahre später noch einmal. Doch unsere Interessen waren damals so unterschiedlich, dass es leider zu keinem weiteren Treffen kam.

Herzlichen Dank an SchatzSucher, der sich bestimmt denken konnte, dass dieses moderne Parfum mit seiner wunderbaren Neunziger-Jahre-Aura mein Gedankenkarussell anwirft und mich einmal mehr auf die Reise schickt. Ich weiß das. So gut kennst Du mich inzwischen *zwinker*


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