PollitaPollitas Parfumkommentare

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Pollita vor 2 Monaten 37
7.5
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage

Love Chock
Ich mag Süßes, sehr sogar. Und ich esse es in Maßen, nicht in Massen. Aber wenn ich etwas Süßes möchte, dann soll es bitteschön reichlich sein. Gerne mit viel Zucker, mit Milch und allem, was ungesund ist. Denn genau dafür ist Süßes doch da. Dass man sich auch mal etwas gönnt. Ganz anders meine Schwiegermutter. Bei ihr schmeckt etwas nur dann gut, wenn es besonders gesund ist. Ganz in ihrem Sinne schenkte sie mir kürzlich zwei Riegel von Love Chock. Schließlich weiß sie, dass auch ich als Sportlerin auf eine gesunde Ernährung achte, wenn auch nicht bei Schokolade. Kurzum, diese veganen Kakaoriegel, von denen lediglich manche Sorten leicht mit Datteln gesüßt sind, sind kein Genuss für mich. Würde ich mir auch nie wieder kaufen. Die schmecken nach echtem, unverfälschten Kakao, ja. Mit Schokolade jedoch, hat das für mich mal gar nichts zu tun.

An Love Chock erinnert mich auch dieser Duft. Das ist Kakao, was ich da hauptsächlich wahrnehme und dieser kommt wunderbar natürlich rüber. Wer auf so unverfälschten Biokakao steht, ist bei diesem Duft absolut richtig. Zum Kakao gesellt sich feinstes erdiges Patchouli. Ich muss an sehr trockene, rotbraune Erde denken, die lange keinen Regen gesehen hat.

Wichtig: Vom ersten Eindruck darf man sich bei Bond-T nicht täuschen lassen. Meiner war, schon beim Schnüffeln am Sprühkopf, Kuhstall. Gibt man dem Duft allerdings ein klitzekleines bisschen Zeit, dann bekommt man bald diesen trockenen, puren, komplett zuckerfreien Kakao auf erdigem Grund.

Da ich die ungesunde Variante beim Kakao bevorzuge, ist dieser Duft selbstverständlich nichts für mich. Wenn ich Schokolade brauche, dann trage ich Sorriso von Profumum Roma. Ich empfehle Bond-T allerdings allen Schokofans, die Kakao mal in komplett unsüß entdecken möchten. Und am besten vorher nicht Love Chock probieren. Das kann einem diesen Naturkakao dann doch etwas madig machen. Meine Devise: Gesundheit ist wichtig, zu gesund macht aber keinen Spaß.

Herzlichen Dank an Floyd, durch den ich diesen besonderen Duft entdecken durfte. Vielleicht wäre er ja was für meine Schwiegermutter?
31 Antworten

Pollita vor 2 Monaten 37
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Weihnachtslauf
Heute war ich in Gedanken bei meiner ehemaligen Laufgruppe. Unsere Trainings waren stets sehr hart, aber sie haben mir immer sehr viel Freude bereitet. Unser Highlight jährlich: der Weihnachtslauf. Da ging es am zweiten Weihnachtsfeiertag in den Früh rauf auf einen der höchsten Hausberge, die unsere Region zu bieten hat. Rund 20 Kilometer haben wir dabei stets auf uns genommen, im strammen Tempo. Und die Strecke war wunderschön. Ein Stück war dabei, bei dem es auf einer des frühen Morgens geschuldeten, noch feuchten Wiese bergab ging. Unten querten wir dann eine kleine Holzbrücke und waren nach wenigen Metern im Wald angekommen. Über einen Trail kamen wir auf einen festen Waldweg. Bevor der Berg auf uns wartete, gings nochmals kurz durch ein Wohngebiet und danach nur noch bergan. Je höher wir waren, desto dichter wurde der Wald. Was unten als Mischwald begann, endete in einem finsteren Tannenwald. Oben angekommen schnell ein Gruppenfoto und wieder runter. Doch damit nicht genug: Zur Feier des Tages kehrten wir stets in den Gemeinden in der Umgebung bei Bekannten ein, lobten den Weihnachtsbaum und bekamen als Lohn ein feines Gläschen Schnaps. Von der Streuobstwiese, versteht sich.

All das finde ich bei diesem Mugler-Duft wieder, der mir, ähnlich wie schon Over the Musk, gut gefällt. Ich rieche das Moos, die taufeuchte Wiese, den Wald und auch ein bisschen Obstbrand kommt in meinen Nüstern an. Später wird der Duft etwas wärmer und lädt zum gemütlichen Kuscheln vor dem Weihnachtsbaum ein. Ob mit ohne oder Schnäpschen, kann der Leser gerne selbst entscheiden. Eine etwas synthetische Note, die in der Basis leider an Intensität zulegt, macht mir den Duft hintenraus allerdings ein bisschen madig. Ich tippe mal wieder auf Ambroxan. Hier ist es jedoch nicht so kräftig verbaut, dass es mich nerven würde. Der Duft bekommt von mir eine solide 8.

Ich sehe ihn vordergründig auf der maskulinen Seite. Wem Düfte wie Gentle Fluidity Silver oder Green Irish Tweed gefallen, der dürfte auch an diesem exklusiven Mugler, der insgesamt etwas zurückhaltender daher kommt, Gefallen finden. Der Duft passt übrigens nicht nur in der kalten Jahreszeit.

Herzlichen Dank an Floyd, der wohl den richtigen Riecher hatte, dass das mal wieder einer ist, der mein Naturkopfkino anschmeißt.
34 Antworten

Pollita vor 2 Monaten 82
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Kopfüber in die weißen Wolken
Ich erinnere mich noch genau an meinen allerersten Flug. Ich war fünf Jahre alt und es ging auf die Insel Rhodos. Alles war so neu und spannend. Der Start, die Geschwindigkeit vor dem Abheben und vor allem dieses Gefühl, wie man in den Sitz gedrückt wird, bevor die Maschine in den Himmel steigt. Als grausam empfand ich die Landung. Diesen fürchterlichen Schmerz in den Ohren, der auch nach vielen Stunden noch nicht nachlassen möchte. Das von den Eltern empfohlene Kaugummikauen brachte natürlich auch nichts. Am meisten fasziniert hat mich jedoch etwas anderes. Es waren die Wolken: Der Vogel bricht durch die Wolkendecke und man sieht auf diese kuschelig anmutenden, strahlend weißen Wattewolken von oben herunter. Man hat das Gefühl, dass diese stabil wären, man einfach reinspringen und sich einkuscheln könnte. Eine Illusion, die Kinderaugen strahlen lässt.

Genau das empfinde ich, wenn ich Muschio von Santa Maria Novella schnuppere. Ich habe noch nie zuvor einen so feinen und wunderbar komponierten Moschusduft erleben dürfen. Gibt es bei reinen Moschusdüften eine High-End-Kategorie, dann fällt dieser Duft definitiv darunter. Wir haben hier weder Waschmittel noch Weichspüler. Das alles wäre zu scharf und zu synthetisch und würde diesem wunderbar fluffigen Duft nicht gerecht werden. Er duftet einfach zart, ganz leicht frisch, vielleicht die Ahnung einer edlen Hautcreme, die vor einigen Stunden aufgetragen wurde und das ganze scheint auf der Haut zu schmilzen und eine edle Gesamtkomposition zwischen dem Duft der eigenen Haut und diesem Parfum auszumachen. Das ist so unsagbar schlicht und dabei so wunderschön. In der Basis wird der Duft leicht süßlich, bleibt dabei aber stets zart und fluffig-fein. Auch wenn die Sillage nicht allzu ausgeprägt ist, konnte ich den am Nachmittag aufgesprühten Duft bis in die späten Abendstunden gut wahrnehmen.

Auch eine kuschelige, weiße Daunendecke passt. Auf alle Fälle weiß muss es sein, das Duftbild. Weiß wie die Wolken von oben betrachtet. Ich sehe gerade, dass Yatagan dieses Bild ebenfalls hatte. Und genauso wie auch er sehe ich diesen Duft primär auf der femininen Seite, er sollte den Herren allerdings nicht verwehrt bleiben.

Und auch Susan, die mich mit diesem Schatz angefixt hat, gebe ich Recht. Dieser Duft, so simpel und zart er auch daherkommt, ist verdammt sexy! Mein Gatte war verzückt und mochte ihn auf Anhieb und glaubt mir, das kommt nicht allzu oft vor.

Da er leider bei meinem gestrigen Shopping-Ausflug im schönen Zürich nicht vorrätig war, habe ich ihn mir jetzt vorbestellt und werde meine neue Duftliebe noch vor dem Jahreswechsel dort abholen.

Herzlichen Dank an Susan, durch die ich einen ersten Eindruck von dem Duft gewinnen konnte. Dieser war so gut, dass ich ihn erneut testete und nun schwer verliebt bin

Weiße Wolken, ich komme!
63 Antworten

Pollita vor 2 Monaten 42
6
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Ferien auf dem Reiterhof
Als Zehnjährige durfte ich zum ersten Mal Ferien auf dem Reiterhof machen. In fast allen meinen Schulferien verbrachte ich auf diesem wunderschönen, idyllischen Hof mitten im Nirgendwo mindestens eine Woche. Meine Eltern waren froh, mal etwas Ruhe zu haben. Und ich genoss die spannende Zeit mit den anderen Kindern und den Pferden in der Natur.

Nie vergesse ich den Duft dieses Hofes. Es wurde viel Gras gefüttert, was man nicht nur in den Pferdeboxen sondern auch aus den Nüstern der Pferde wahrnehmen konnte. Vermischt mit dem Gras duftete die Pferdenase für mich immer nach einer Mischung aus Honig, getrockneten Pilzen und eben dieser hintergründigen grünen Frische. Wie gern habe ich an den Nüstern eines lieben Pferdes geschnuppert. Natürlich roch der Stall auch etwas urinös – das gehört dazu. Pferde müssen schließlich auch mal. Eingestreut wurde dort mir Sägemehl, was dem ganzen einen holzigen Ton verlieh. Beim Gang in die Sattelkammer schlugen einem feine Ledernoten vermischt mit dem manchmal etwas beißenden Schweiß der stolzen Tiere entgegen. Auch die Sattelseife verbreitet ihren charakteristischen Duft.

Jeden Morgen halfen wir Kinder beim Einstreuen. Es war kein Muss, aber ich gehörte zu denjenigen Gästen auf dem Hof, die gerne mitarbeiteten. Danach gab es Frühstück und dann kam der spannende Moment. Die Pferde wurden eingeteilt. Wen ich wohl heute reiten darf? Freude oder Enttäuschung? Sonntags gab es keinen Reitunterricht. Dafür stand eine Kutschfahrt mit wunderbar geschmückten Rössern auf dem Programm.

Oft tobten wir im Heuschober. Auch an diesen Geruch erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Irgendwo in der Putzbox stand immer eine Hufsalbe. Die riecht nicht gut, sollte aber mindestens einmal wöchentlich auf die gesäuberten Hufe aufgetragen werden, damit die Füße der Vierbeiner gesund bleiben.

All diese Gerüche des Hofes erschnuppere ich in Yogananda. Welche Note für welchen Eindruck verantwortlich ist, kann ich nicht ausmachen. Dafür habe ich schlicht zu wenig Erfahrung mit dieser Sorte Duft. Es ist, als wäre ich wieder dort. Die Sonne scheint, wir bringen die Pferde auf die Koppel und vertrauen uns unsere Geheimnisse an. Dabei werden die ersten Zigaretten probiert.

Yogananda ist ganz gewiss kein Duft, mit dem ich in die Öffentlichkeit gehen würde. Er riecht nach Stall, nach Sattelkammer, nach Pferdenüstern, nach Hufsalbe und nach Gras und Heu. Einmal sprühen und die Ferien auf dem Reiterhof mit allen Erinnerungen sind sofort wieder greifbar.

Ganz lieben Dank an Can777 für die Probe.
34 Antworten

Pollita vor 2 Monaten 49
7
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage

Ein Duft – zwei Bilder
Ich komme über kurz oder lang nicht umhin, meinen Lebenspartner an meinem Hobby teilhaben zu lassen. Immer mal wieder halte ich ihm den einen oder anderen Duft unter die Nase. Oft aus Neugier, welche Eindrücke bei ihm entstehen und ob sie eher positiv oder negativ sind. Oft aber auch, weil er selbst bei bestimmten Duftbeschreibungen meinerseits die Ohren spitzt. Gestern sprachen wir über animalische Düfte. Da ich gerade erst Joy von Patou, für mich ein absoluter Klassiker mit fast schon etwas derber Animalik, unter der Nase hatte, wollte auch er gerne mal am Kätzchen schnuppern.

Die Unterschiede, wie wir diesen Duft wahrnehmen, können nicht größer sein. Für mich ist Joy zwar zum Start etwas seifig und lässt, vermutlich durch die Aldehyde, einen Chypre-Eindruck bei mir aufkommen, doch es dauert keine Viertelstunde, da rieche ich fast nur noch Zibet. Die Katze setzt sich in die Mitte und drängt sämtliche Blüten, die wir hier in großer Zahl haben, erstmal in den Hintergrund. Wie ein Katzen-Faustschlag sozusagen. Auch wenn der Duft ursprünglich einmal für Damen geschaffen wurde: Ich sehe den an einem rassigen Kerl mit vorzugsweise dunklerem Teint. An mir oder generell an einer Frau finde ich den fehl am Platze. Das duftet für mich nach einem Typen, dem ein klein wenig Dreck steht. Vielleicht jemand, der in seiner Freizeit gern mal an Motorrädern rumschraubt? OK, ich schweife ab…

Und mein Göttergatte? Der grinst erstmal nur, als ich ihn Joy schnuppern lassen. Wo ist da das Tier? Für mich duftet der sehr sauber und wunderschön. Aha, sauber und wunderschön. Mein Mann erschnuppert die Blüten und dann ist die Erinnerung wie ein Schlag da. Seine Großmutter väterlicherseits muss diesen Duft getragen haben, platzt es aus ihm heraus. Da sie eine feine Dame aus dem fernen Berlin war, die ausschließlich klassische Musik hörte, assoziiert er mit dem Duft Sauberkeit und kann sich Dreck mal überhaupt nicht vorstellen. Er erzählt mir, dass der Fahrstuhl immer so geduftet hatte, wenn sie seine Omi damals abgeholt hatten und ist begeistert. Selbstverständlich schenke ich ihm die Probe. Tragen will er den nicht, sagt er. Auch wenn ich ihm bestätige, dass der einem Mann definitiv steht. Nein, nur zum ab und an dran schnuppern und an Omi denken, antwortet er mir und strahlt.

So unterschiedlich nehmen wir Düfte wahr. Unglaublich. Für meinen Liebsten freue ich mich natürlich, dass er mit dem Duft von Joy seine geliebte Omi gedanklich wieder zurückholen kann, wann immer ihm danach ist. Und ich glaube, so langsam stecke ich ihn immer mehr mit meiner Leidenschaft an.

Herzlichen Dank an Can777 für die Probe.

41 Antworten

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