ProkionProkions Parfumkommentare

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Prokion vor 3 Jahren
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Fluctuat, nec mergitur.
"Er schwankt, aber er geht nicht unter". Beim Stöbern in den Regalen fiel mir ein Flakon Encens Flamboyant in die Hände.

Der Anfang:

Auf der Haut, eine eher trockene, dennoch weiche Weihrauchnote. Diese, sehr harmonisch durchwoben von hell-pfeffrigen und geringfügig harzigen Noten. Spontan wirkt der Duft leicht frisch, sauber und irgendwie kühlend. Ich empfinde keine spürbare Abfolge von Kopf- auf Herznote. Es wirkt schon zu Beginn recht geradlinig.

Der Fortgang:

Im Laufe der Zeit wird das Duftbild weicher und tiefer, wobei der Weihrauch-Pfeffer-Torso als prägendes Element erhalten bleibt. In diesem Stadium ( nach 3 - 4 Stunden ) wabert dann eine leichte Note mit, die mich an die Note in den Haribo Cola-Flaschen erinnert. ( Kardamom, Muskat ? ). Das riecht hier für mich sehr lecker. Das Ganze ist harmonisch und rund. Nichts stört, alles ist an seinem rechten Platz. Der Duft ruht in sich. Er hat ein Zentrum.

Das Ende:

Wenn man hier überhaupt von einer Duftentwicklung sprechen mag, dann gesellt sich im Ausklang die leichte tannenartige Note hinzu. Dies aber so dezent und harmonisch eingebunden, daß sie das Duftbild nicht auf eine andere Seite zieht, sondern ihm nur etwas mehr Farbe und Spiel verleiht. So klingt der Duft ganz langsam aus. Er bleibt, zumindest auf meiner Haut, 5 bis 6 Stunden wahrnehmbar und auch bei schwülen 26°C angenehm und körpernah.

Von vielen, bis jetzt getesteten Düften zu Thema Weihrauch / Pfeffer, ist dieser für mich der tragbarste.
Manche mögen ihn vielleicht als etwas monoton empfinden ( akzeptiere ich ) aber hier wurde das sehr gekonnt umgesetzt. Von Anfang bis Ende empfand ich Encens Flamboyant als hochwertig. Hier ist alles stimmig.
Er schwankt nur etwas um sein Zentrum. Aber fällt nicht um.

Es mag Einbildung sein, aber zum Ende hin meine ich eine Spur Gin oder Gin-Tonic zu riechen.

Wirklich gut,.....mehr davon.

Preis, geht in diesem Fall in Ordnung. Qualität gibt´s nicht gratis.

2 Antworten

Prokion vor 3 Jahren
5
Der 2-Schicht-Aufbau
Als ich das erste Mal Colonia Russa getestet habe, bemerkte ich sofort zwei Dinge, die mich davon abhielten es zu kaufen. Erstens, eine nach meinem Empfinden sehr trocken-krautige, beinahe stechende Kopfnote. Und zweitens, die Tatsache, daß es auf meiner Haut eine gefühlte ( gerochene ) Haltbarkeit von 45 Minuten hatte.
Heute, ein halbes Jahr später, bei 28°C , stellt sich das Ganze anders dar.

Ich benutze zur Zeit die dazu gehörige Seife "Colonia Russa, Sapone per Uomo". Diese Seife gehört mit ihrer Schwester "Pot-Pourri", zu den angenehmsten und pflegendsten, die ich bis jetzt in Gebrauch hatte.

Morgens mit "Russa" schön eingeseift ( was für ein Schaum ! ), dann kühl abgespült und nach dem Abtrocknen 2 bis 3 kurze Sprüher oberhalb des Bauchnabels. Mehr nicht. Seife und Parfum bedürfen einander. Die Seife bildet die frisch-weich-florale Basis. Bei höheren Temperaturen wabern dann nach und nach die Komponenten des Parfüms an einem hoch. Dieses hochharmonische Zusammenspiel dauert je nach Tätigkeit 6 - 8 Stunden. Es ist erstaunlich temperaturstabil und schweißneutral. Es duftet immer frisch und sauber. Es entsteht keine Wolke, die zu ertragen meine Umgebung verdammt ist.

Wer mal die Möglichkeit hat Duft und dazu gehörige Seife zu testen, sollte sich Zeit nehmen und nicht sofort tief einatmen. Auch wenn manchmal Uomo aufgedruckt ist, können das Männlein und Weiblein tragen.

Ich empfehle, besonders die beiden genannten Seifen und Parfüms im Wäscheschrank zu lagern. Bei hohen Temperaturen aussen, kann das abends und morgens eine kleine Wohltat sein.

"Russa" vermittelt eine leichte, angenehme, kühlende Wirkung.

Hochwertig, noch bezahlbar und nicht überall anzutreffen ( auch wichtig ).

Ist aber nichts für Leute die es eher "schmusig" wollen. Da ist keine Spur Süsse drin.

1 Antwort

Prokion vor 3 Jahren
4
Ein Duft, wie eine stille Kerze in einer lauten Welt.
Sag es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Lebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.

Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde !
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Goethe

Nein, ich habe ihn nicht gekauft. Aber ich weiß jetzt wo der Flakon steht.
Niemals zuvor, habe ich eine Parfümerie mit solch inneren Frieden verlassen.
Der Übergang zwischen Herz- und Basisnote ist so homogen und weich - nahezu perfekt.
In seiner späteren Entwicklung ( nach 3 - 4 h auf der Haut ) empfinde ich ihn als weich-würzig und weich-ledrig. Er hat etwas "nebelig-flauschiges". Sehr schwer zu beschreiben. Würde ich es haptisch beschreiben, so ist es, als ob ich mit den Fingerspitzen über dünnes anilin-gegerbtes Lammnappa gleiten würde.

Sehr körpernah.
Paradebeispiel größtmöglicher Zurückaltung.
Jenseits aller Modetrends. Vollkommen zeitlos.
Liebhaberei,... egal.

Schön, das es ihn gibt... und ich weiß wo ich ihn finde... wenn es soweit ist.


Prokion vor 3 Jahren
7
Er strahlt eine innere Ruhe aus.
Wenn die aufgeführten Bestandteile der Kopfnote an mir vorbeiziehen, deutet schon etwas auf die tieferen Bereiche dieses Duftes hin.

Es ist die Note von frisch angeschnittenen Blumenstielen. Grün, leicht bitter, in Anklängen säuerlich.
Es ist der Gegenpart zu den zitrischen Spitzen am Anfang.

Wir gehen jetzt mal gedanklich in ein gut sortiertes Blümengeschäft. Auf dem Boden unter dem Schnippeltisch liegen Blätter, Stiele, Blütenreste. Da ist auch der leicht säuerlich-mineralische Geruch des Blumenwasser aus den umgebenden Vasen und Kübeln. Im Duftbild von Colonia Essenza mag das anfangs etwas unharmonisch wirken. Im Laufe der Zeit scheint aber genau diese Kombination, dem Duft eine eigentümliche Tiefe zu verleihen.
Nach ca. 1 Stunde auf der Haut zeigt dieser Duft, was ihn von vielen unterscheidet. Er ruht in sich selbst, ist rund, körpernah, nie aufdringlich und er beruhigt.

Die Haltbarkeit ist mit ca. 8 Stunden tadellos.

Wenn dann die liebe Verkäuferin auch noch einen Bogen Seidenpapier damit besprüht und das kleine Täschchen damit auskleidet, man 15 Minuten später in Othmarschen auf die A7 Richting Süden fährt und mal wieder eine Stunde braucht um durch Elbtunnel zu kommen, ja - erst dann lernt man die beruhigende Wirkung von Colonia Essenza wirklich zu schätzen.

3 Antworten

Prokion vor 3 Jahren
3
Vorstellung und Realität
Vor etwa einem halben Jahr wurde ich auf Sutton Place erstmalig aufmerksam. Ich glaube es war auf einer dieser Werbeseiten im Manager Magazin oder der Capital,...keine Ahnung. Dort wurde Sutten Place vorgestellt und als einer der Düfte beschrieben, die das Bild eines englischen Herrenclubs einfangen sollen. Nun, bei diesem Bild stelle ich persönlich folgende Verbindungen her. Eher dunkle holzartige Noten. Ledrige, leicht trockene Töne, durchaus ein Paar florale Anklänge, später vielleicht einen Drift ins Erdige, Vanillige, leicht Alkoholische. Wenn man dann mit solchen Bildern im Kopf, vorbelastet, vor drei aneinander gestellten Regalen steht, links Clive Christian, mittig Bond No.9 und rechts Creed ( jeweils nahezu das Komplettsortiment ), kommt die Stunde der Wahrheit. Aus Bildern im Kopf wird Gewissheit.

Sutton Place ( auf Unterarm gesprüht und 5 Min. gewartet ).

Es riecht:

erstaunlich frisch, leicht seifig und leicht beerig-würzig. Farblich beschrieben, würde ich sagen, der Duft riecht "bläulich". Der erste Eindruck scheint so gar nicht der ersten Vorstellung zu entsprechen. Die Aufmachung des Flakons, die Farbe, die Haptik, besonders die Reptilleder-Andeutung weisen in eine andere Richtung. Die ersten 10 - 15 Minuten sind so vertraut, das kennen wir schon alles. Es ist auch eher seicht, geht beinahe ins Aqautische. Mit der Anspielung auf den Herrenclub, meinten die wohl nicht holzvertäfelte, mit Ledersesseln und schweren Perser-Brücken versehene 3,20 Meter hohe Räume, in denen es nach Earl-Grey riecht und das lauteste Geräusch das Ticken der Standuhr oder das Rascheln beim Umblättern der vorger übergebügelten Zeitung ist.

Ich sehe Sutton Place eher auf der sportlichen Seite. Der Duft beschreibt eher die vorherrschende Note, wenn die Gentlemen die Umkleidekabine ihres Cricket-Clubs betreten. Der Eindruck von Reinigungsmittel, Deo, und noch sauberen weißen Socken ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Im späteren Verlauf zeigt der Duft durchaus Ansätze von Würze, floralen Spuren und zunehmender Wärme. Aber so riechen viele andere Kreationen auch, die aber nur ein Viertel von dem kosten.

Mich irritiert Sutton Place. Bei der Zurschaustellung und dem Preis erwarte ich eine Art Alleinstellungsmerkmal.
Etwas was den Wow-Moment erzeugt. Ich kann auch nicht behaupten, das der nun natürlich oder besonders hochwertig riecht. Nein, auch keinen Vergleich zu diesem einen Flakon im rechten Regal ( es wäre ermüdend ), Ihr wisst schon, gell ?

Aber das ist ja auch alles sehr subjektiv. Wer den Duft liebt, wird ihn kaufen.

Wie sagt mein Kumpel aus Fürth immer: Ahweh, die Katz mog Meis, I mogs net.

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