Rene72Rene72s Parfumrezensionen

1 - 5 von 35
Rene72 vor 12 Tagen 2
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Traum in Gelb für junge Römer?
Da war er nun, dieser neue Valentino, der gelbe Traum der in Rom Geborenen oder was auch immer man uns mit der Bezeichnung des Duftes mitteilen wollte.
Das Gelb könnte die fruchtig-saftige Ananas und Mandarine beschreiben. Der Duft selbst überrascht nicht wirklich, er erscheint sehr unaufgeregt mit Adaptionen bekannter Düfte. Ein bisschen Mischung aus einigen Hypes der vergagenen Jahr(zehnt)e. Ich testete ihn in Büro-Umgebung bei frühlingshaften Temperaturen. Er wurde von den befragten Damen allerdings als angenehm wahrgenommen. Vermutlich weil ich sie auch öfter mit wirklich polarisierenden Düften konfrontiere und an manchen Tagen völlig ungestört in meinem Büro arbeiten kann, weil empfindlichere Nasen es vorziehen, ihre Anliegen an einem olfaktorisch geeigneteren Tag vorzubringen. Für mich war er wenig wandelbar, fordert nicht heraus, was ja auch nicht schlimm sein muss. Vanille gibt die Süße und ist für mich mit dem Fruchtgemisch schon etwas zäh und klebrig. wie ein Cocktail zur falschen Tageszeit im Sommer. Ist aber definitiv Geschmackssache. Zeder kann ich kaum nachempfinden. Persönlich hätte ich mich über einen deutlich stärkeren Hauch Lebkuchen und den orientalischen Ausklang gefreut. Denn genau das hatte mich neugierig gemacht, wie das Spiel um Lebkuchen, Ananas und Mandarine ausgehen könnte.
Ich werde ihn bei Gelegeneit wieder tragen. Vielleicht mit etwas mehr Abstand zu Weihnachten, wenn man den typischen Lebkuchengeruch noch zu präsent hat.
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Rene72 vor 9 Monaten 12
8
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Jahrgang 1972 - in Würde gereift
Es ist das erste Mal, dass ich einen Duft kennenlernen wollte, nur weil dieser aus meinem Geburtsjahr stammt.
Wen interessiert es nicht, welcher Duft wohl gerade modern war, als die Eltern jung waren und über Nachwuchs nachdachten. Man könnte auch fragen, was wurde womöglich für ein Duft getragen, als eine attraktive junge Frau und ein ebenso ansprechender junger Mann zur leidenschaftlichen Sache kamen in 1972, deren Produkt man womöglich ist.
Pour Monsieur ist definitiv ein Duft seiner Zeit. Aber einer von denen, die in den Herzen überlebt haben, wenngleich nicht an jeder Ecke erhältlich.
Aber ich konnte den Duft günstig erstehen und nicht nur die Verpackung und der Flakon versetzen mich sofort in die Form- und Farbgebung der 1970er, erst recht in der 240 ml-Ausgabe. Ob die Phallus-Anspielung bewusst war? Man könnte auch über ein Abbild eines Fernsehturms oder dem Design langstieliger Kugelvasen oder Kugeluhren nachdenken, die ebenfalls Produkte der Anfang 1970er waren.
Auch der Duft sorgt für eine Zeitreise. Und was für eine.
Der Start entspricht bei mir wenig der oben dargestellten Duftpyramide, es wird schnell sehr würzig, fruchtig-zitrisch ist da bei mir nichts. Bergamotte, Zitrone, Orange also stark herunter gedimmt. Und schon während man Lavendel und Basilikum wahrzunehmen scheint, powert dieser 1972er. Vor allem Patchouli und Leder nehme ich wahr. Ich liebe die Nelke in diesem Zusammenspiel. Nicht aufdringlich, aber ausgleichend. Rosengeranie und Iris kann ich selbst nicht herausriechen, vielleicht ist der florale Dreiklang aber auch so fein verwoben, dass ich die Noten eher der Nelke unterordne.
Das Sandelholz gehört natürlich in diesen 1972er. Ich rieche sogar etwas mehr Gewürzschränkchen: Zimt, Gewürznelke, Kardamom. Doch diese sind angeblich gar nicht enthalten. Der Pour Monsieur wird dann ledriger, leicht animalisch. Bekommt sogar etwas Süße. Die Seifigkeit, die einige Kommentare beschreiben, legt sich bei mir recht früh und wird in keiner Phase als störend empfunden.
H/S zeugen von der Potenz guter 1970er Herren-Düfte. Da wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Eine Nähe zum Habit Rouge EdC (wie FabianO) empfinde ich auch.
Ich sehe bzw. rieche den Duft eher an Männern über 40. vielleicht ab Geburtsjahr 1972 und früher. Aber wer mit Würze und Leder etwas anfangen kann, wird hier gut bedient. Eine gewisse Ausstrahlung sollte der Träger aber mitbringen. Denn das Umfeld wird ihn als Ansage wahrnehmen.
Hätte man mir beim Testen Duft und Flakon getrennt vorgeführt, hätte ich ihn nicht diesem Flakon zugeordnet, der ja fast etwas futuristisch daherkommt. Ich sehe in dem Flakon Sputnik-Design der Space Age -Epoche.
Der ledrig-würzige Duft passt eher in eine klassischere Form. Es ist eine Rettung eines klassischen Dufts pour Monsieur in ein seinerzeit hochmodernes Design.
Beides erfreut das Retro-Liebhaber-Herz.
Und was hat das mit mir zu tun? Ich bin einmal mehr stolz, Jahrgang 1972 zu sein. Der pour Monsieur wird an jedem meiner Geburtstage getragen und ganz sicher auch dazwischen.
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Rene72 vor 12 Monaten 8
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Last Night and the Morning after
Ich muss zugeben, der Name "Last Night" hat mich zum Kauf dieses Duftes verführt. Was gibt es schöneres als eine Erinnerung an eine erfüllte Nacht, den Geruch danach, der in den Kissen oder in der Garderobe hängt. Nun gut, es gibt auch letzte Nächte, an die möchte man sich gar nicht erinnern und auch solche, an die man sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Nach diesen verschwindet die Wäsche schnell in der Waschmaschine und man selbst in der Dusche.
Diese letzte Nacht jedoch ist eine andere, eine besondere. Rose, Leder, Rauch lassen ahnen, wie diese Nacht verlief. Durch die Clubs oder Bars, vielleicht ein Rendezvous im Restaurant davor. Vielleicht sogar die Rose, die frisch vom Rosenhändler gekauft wurde, der abends seine Runden durch die Restaurants zieht. Es könnte aber auch der rosenartige Duft sein, den manche Lippenstifte abgeben. Mit diesem Rosenduft in der Nase geht es in die Nachtbars oder Clubs. Ob es die Lederjacke oder sogar eine andere Ledergarderobe ist, die man trug, oder der Geruch der Ledersessel, in denen man die Drinks nahm im Laufe der Nacht, bleibt der eigenen Phantasie oder Erinnerung an diese letzte Nacht überlassen. Der Duft lässt genau diesen Spielraum, das herauszuriechen, was jede(r) mit einer schönen vergangenen Nacht assoziieren möchte. Die rauchige Note ist verhalten. Es ist kein intensiver Tabakrauch, vielleicht eher der Trockeneis-Rauch einer Nebelanlage, den ich ja liebe, oder ein leichter Hauch aus der Smoking Area, der sich in den Haaren oder der Kleidung verfing.
Aus der lackschwarzen Verpackung entnimmt man einen schönen Glas-Flakon mit den abgeschrägten Ecken, der das gelbe Eau de Parfum unverhüllt zeigt. Eine schlichte zylindrische schwarze Magnetkappe schließt den Flakon. Klar uns schnörkellos gehalten ist auch das weiße Etikett auf Verpackung und Flakon in schlichtem Schriftbild, als wäre es auf dem eigenen Drucker gedruckt.
Für mich ist der Duft eindeutig unisex. Er erinnert mich entdernt an Düfte von J.F. Schwarzlose, nicht so körpernah-sinnlich wie Leder 6 / Fetisch und nicht so kräftig wie Trance, irgendwo dazwischen, sanft und linear, wenn man ihn zurückhaltend dosiert, wozu ich dringend raten würde.
Die Nacht, die ich aus diesem Duft herausrieche, ist eine, die man gern wieder erleben möchte. Aber gerade diese Nächte, an die wir uns noch am nächsten Morgen und lange danach gern erinnern, sind selten und das macht sie so besonders, so wie diesen Duft.
5 Antworten

Rene72 vor 1 Jahr 6
8
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Das Kräuterbuch von 1491 - meisterhaft umgesetzt
Das Hortus Sanitatis ist ein Buch der Kräuterheilkunde, das 1491 (!) in Mainz gedruckt wurde. Und genau dies ist in erstaunlich guter Weise in diesem Duft umgesetzt. Zum einen die Kräuternoten, die schon auch an Arznei erinnern. Gleichzeitig auch eine unten schon beschriebene Muffigkeit, ich würde eher sagen, der Geruch von alten Mauern, altem Leinen. Es ist wohl orientiert an altem Papyrus, das genau diese Gerüche aufgenommen hat, als Hortus Sanitatis in seiner Zeit. So riecht ein Buch, das lange dort gelagert und geatmet hat, vielleicht auch in einem Kloster, wo im 15. Jahrhundert ja genau solche Kräuter angebaut und zu Tinkturen verarbeitet wurden.
Mich erinnert der Duft an einen Besuch im Dungeon in Hamburg, in dem der Besucher Szenerien der dunklen Geschichte der Hansestadt durchschreitet. Genau genommen ist die Station, die mich erinnert, dem Thema Pest gewidmet. Von einem Mönch in Leinen-Kutte in einem Laboratorium mit zahlreichen Tinkturen wird dem Besucher geschildert, wie sehr auch die Hansestadt Hamburg unter der Pest litt. Das klingt jetzt schlimmer als es ist. Der Duft stinkt nicht wie die Pest!
Man kann dort nur eine sehr extreme Überspitzung dieses Duftes feststellen.
Ich könnte schwören, dass ich eine Animalik herausriechen konnte. Sowohl im Dungeon, wo natürlich auch der Geruch von Körperflüssigkeiten mit den Kräutertinkturen vermischt wurde. Aber auch das Perfum Hortus Sanitatis enthält für mich etwas animalisches im weiteren Verlauf. Es tritt auch eine gewisse Rauchigeit hinzu. Der Duft wandelt sich sehr, immer wieder scheint eine andere Kräuternote durchzukommen. Wenn auch in der Duftpyramide nicht angegeben, sind verschiedene Kräuter enthalten. Ich tippe auf Salbei, der auch in der Natur durchaus eine gewisse Animalik besitzt, teilweise nach abgestandenem Urin riechen kann, Kamille, Thymian, Rosmarin, Estragon und vor allem auch Lorbeer. Ein Klostergarten mit Kräuterbeeten, ein Laboratorium, in dem Tinkturen über offener Flamme köcheln und kokeln und mittendrin, ein Buch der Rezepturen und Wirkungen, das Hortus Sanitatis, das diese Gerüche aufnimmt.
Ich finde, Morillas hat das Thema meisterhaft umgesetzt und aus dieser Herausforderung (denn wer will schon wie ein altes muffiges Buch oder wie eine mittelalterliche Peststation riechen) ein tragbares Parfum gestaltet.
Ich will nicht leugnen, dass dieses Parfum fordernd ist. Aber es gibt so viel herauszuriechen und es schreit nicht nach Komplimenten. Es umhüllt den Träger aber mit einem geheimnisvollen Flair.
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Rene72 vor 1 Jahr 2
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
7
Flakon

Schwarzes Drachenboot auf Kaperfahrt
Ein linearer männlicher Duft. Er zeigt sich frisch-würzig und das bleibt er über Stunden. Wer ihn trägt, muss ihn lieben, denn er wandelt sich nicht und wirbt auch nicht mit schimmernden Nuancen um Zustimmung. Er ist definitiv sehr nah am klassischen Drakkar Noir, wenngleich dies die Duftpyramide nicht hergibt. Amber und Sandelholz sind wohl die gemeinsame Grundlage. Die Würzigkeit kommt offenbar von verschiedenen Kräutern. Ich frage mich, wie dies ohne Bergamotte und Lavendel überhaupt funktionieren kann. Vermutlich ist die Angabe oben nicht ganz vollständig. Die Komposition wirkt wie beim Original, dem schwarzen Wikinger-Drachenboot, wie frisch nach der Dusche und das über den ganzen Tag. Drakkar Noir war in den 1980ern einer der erfolgreichsten und meistverkauften Düfte, zu Recht. Es sollten sich wieder mehr, vor allem auch jüngere Männer trauen, solche Statements zu tragen!
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