Rene72Rene72s Parfumkommentare

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Rene72 vor 28 Tagen 6
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Last Night and the Morning after
Ich muss zugeben, der Name "Last Night" hat mich zum Kauf dieses Duftes verführt. Was gibt es schöneres als eine Erinnerung an eine erfüllte Nacht, den Geruch danach, der in den Kissen oder in der Garderobe hängt. Nun gut, es gibt auch letzte Nächte, an die möchte man sich gar nicht erinnern und auch solche, an die man sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Nach diesen verschwindet die Wäsche schnell in der Waschmaschine und man selbst in der Dusche.
Diese letzte Nacht jedoch ist eine andere, eine besondere. Rose, Leder, Rauch lassen ahnen, wie diese Nacht verlief. Durch die Clubs oder Bars, vielleicht ein Rendezvous im Restaurant davor. Vielleicht sogar die Rose, die frisch vom Rosenhändler gekauft wurde, der abends seine Runden durch die Restaurants zieht. Es könnte aber auch der rosenartige Duft sein, den manche Lippenstifte abgeben. Mit diesem Rosenduft in der Nase geht es in die Nachtbars oder Clubs. Ob es die Lederjacke oder sogar eine andere Ledergarderobe ist, die man trug, oder der Geruch der Ledersessel, in denen man die Drinks nahm im Laufe der Nacht, bleibt der eigenen Phantasie oder Erinnerung an diese letzte Nacht überlassen. Der Duft lässt genau diesen Spielraum, das herauszuriechen, was jede(r) mit einer schönen vergangenen Nacht assoziieren möchte. Die rauchige Note ist verhalten. Es ist kein intensiver Tabakrauch, vielleicht eher der Trockeneis-Rauch einer Nebelanlage, den ich ja liebe, oder ein leichter Hauch aus der Smoking Area, der sich in den Haaren oder der Kleidung verfing.
Aus der lackschwarzen Verpackung entnimmt man einen schönen Glas-Flakon mit den abgeschrägten Ecken, der das gelbe Eau de Parfum unverhüllt zeigt. Eine schlichte zylindrische schwarze Magnetkappe schließt den Flakon. Klar uns schnörkellos gehalten ist auch das weiße Etikett auf Verpackung und Flakon in schlichtem Schriftbild, als wäre es auf dem eigenen Drucker gedruckt.
Für mich ist der Duft eindeutig unisex. Er erinnert mich entdernt an Düfte von J.F. Schwarzlose, nicht so körpernah-sinnlich wie Leder 6 / Fetisch und nicht so kräftig wie Trance, irgendwo dazwischen, sanft und linear, wenn man ihn zurückhaltend dosiert, wozu ich dringend raten würde.
Die Nacht, die ich aus diesem Duft herausrieche, ist eine, die man gern wieder erleben möchte. Aber gerade diese Nächte, an die wir uns noch am nächsten Morgen und lange danach gern erinnern, sind selten und das macht sie so besonders, so wie diesen Duft.
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Rene72 vor 55 Tagen 3
8
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Das Kräuterbuch von 1491 - meisterhaft umgesetzt
Das Hortus Sanitatis ist ein Buch der Kräuterheilkunde, das 1491 (!) in Mainz gedruckt wurde. Und genau dies ist in erstaunlich guter Weise in diesem Duft umgesetzt. Zum einen die Kräuternoten, die schon auch an Arznei erinnern. Gleichzeitig auch eine unten schon beschriebene Muffigkeit, ich würde eher sagen, der Geruch von alten Mauern, altem Leinen. Es ist wohl orientiert an altem Papyrus, das genau diese Gerüche aufgenommen hat, als Hortus Sanitatis in seiner Zeit. So riecht ein Buch, das lange dort gelagert und geatmet hat, vielleicht auch in einem Kloster, wo im 15. Jahrhundert ja genau solche Kräuter angebaut und zu Tinkturen verarbeitet wurden.
Mich erinnert der Duft an einen Besuch im Dungeon in Hamburg, in dem der Besucher Szenerien der dunklen Geschichte der Hansestadt durchschreitet. Genau genommen ist die Station, die mich erinnert, dem Thema Pest gewidmet. Von einem Mönch in Leinen-Kutte in einem Laboratorium mit zahlreichen Tinkturen wird dem Besucher geschildert, wie sehr auch die Hansestadt Hamburg unter der Pest litt. Das klingt jetzt schlimmer als es ist. Der Duft stinkt nicht wie die Pest!
Man kann dort nur eine sehr extreme Überspitzung dieses Duftes feststellen.
Ich könnte schwören, dass ich eine Animalik herausriechen konnte. Sowohl im Dungeon, wo natürlich auch der Geruch von Körperflüssigkeiten mit den Kräutertinkturen vermischt wurde. Aber auch das Perfum Hortus Sanitatis enthält für mich etwas animalisches im weiteren Verlauf. Es tritt auch eine gewisse Rauchigeit hinzu. Der Duft wandelt sich sehr, immer wieder scheint eine andere Kräuternote durchzukommen. Wenn auch in der Duftpyramide nicht angegeben, sind verschiedene Kräuter enthalten. Ich tippe auf Salbei, der auch in der Natur durchaus eine gewisse Animalik besitzt, teilweise nach abgestandenem Urin riechen kann, Kamille, Thymian, Rosmarin, Estragon und vor allem auch Lorbeer. Ein Klostergarten mit Kräuterbeeten, ein Laboratorium, in dem Tinkturen über offener Flamme köcheln und kokeln und mittendrin, ein Buch der Rezepturen und Wirkungen, das Hortus Sanitatis, das diese Gerüche aufnimmt.
Ich finde, Morillas hat das Thema meisterhaft umgesetzt und aus dieser Herausforderung (denn wer will schon wie ein altes muffiges Buch oder wie eine mittelalterliche Peststation riechen) ein tragbares Parfum gestaltet.
Ich will nicht leugnen, dass dieses Parfum fordernd ist. Aber es gibt so viel herauszuriechen und es schreit nicht nach Komplimenten. Es umhüllt den Träger aber mit einem geheimnisvollen Flair.
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Rene72 vor 76 Tagen 2
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
7
Flakon

Schwarzes Drachenboot auf Kaperfahrt
Ein linearer männlicher Duft. Er zeigt sich frisch-würzig und das bleibt er über Stunden. Wer ihn trägt, muss ihn lieben, denn er wandelt sich nicht und wirbt auch nicht mit schimmernden Nuancen um Zustimmung. Er ist definitiv sehr nah am klassischen Drakkar Noir, wenngleich dies die Duftpyramide nicht hergibt. Amber und Sandelholz sind wohl die gemeinsame Grundlage. Die Würzigkeit kommt offenbar von verschiedenen Kräutern. Ich frage mich, wie dies ohne Bergamotte und Lavendel überhaupt funktionieren kann. Vermutlich ist die Angabe oben nicht ganz vollständig. Die Komposition wirkt wie beim Original, dem schwarzen Wikinger-Drachenboot, wie frisch nach der Dusche und das über den ganzen Tag. Drakkar Noir war in den 1980ern einer der erfolgreichsten und meistverkauften Düfte, zu Recht. Es sollten sich wieder mehr, vor allem auch jüngere Männer trauen, solche Statements zu tragen!
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Rene72 vor 101 Tagen 9
9
Duft
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Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Römischer Koniferenwald im Sommer
Der Roman Wood ist die erste Neuerscheinung der 20er in Zegnas Essenze -Reihe.
Viererlei Nadelgehölze lassen aufhorchen und alle Hölzer und zugehöriges Nadellaub liefern eingebettet in italienische Gewürze einen warmen, eleganten Duft.
Ob es in römischen Wäldern tatsächlich so riecht, kann ich nicht beurteilen. Aber man bekommt eine Vorstellung, wie ein solcher Koniferenwald bei Sonne und Trockenheit riechen könnte.
Für mich gibt es eine gewisse Anleihe beim Italian Cypress, wenngleich dieser mir deutlich dunkler vorkommt.
Der Roman Wood zeichnet sich durch mehr Sonne und Wärme und einen harmonischeren Ausklang aus. Beide stehen aber nebeneinander, beide haben ihre Berechtigung.
Der Roman Wood startet mit frischer Würze, Die Zypresse ist nicht vordergründig, sondern ist gut mit Salbei und Rosmarin, der ohnehin nah mit dem Salbei verwandt ist, gut abgestimmt.
Die Nadelholznote verstärkt sich, wenngleich ich olfaktorisch nicht unterscheiden kann, ob Pinie oder Zeder in den Vordergrund drängen. Die sonst so oft bemühte Bleistiftassoziation wird hier nicht bedient.
Die Kiefer bringt nochmals eine typische Nadelholznote dazu, fernab jedoch von allem, was wir von Latschenkiefer-Ölen kennen. Der Duft wird wärmer und weicher durch Vanille und Moschus, ohne aber die holzig-würzige Grundlage zu verlieren.
Der Roman Wood ist ein Duft für elegante Herren ab 30. Er ist kein Holzfäller-Duft und auch nicht ansatzweise in der Nähe von der Geruchskulisse eines Sägewerks.
Der schwere, etwas unhandliche und dunkle Flakon wird mit einem edlen Etikett von Tannengrün und Gold veredelt. Die schwere Magnetkappe passt zu dem wertigen Gesamtbild.
Der Duft will nicht aufregen oder Ansagen machen. Er ist eher für das Understatement geschaffen und gefällt mir gerade deswegen.

Rene72 vor 124 Tagen 1
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Nobelkarossen im Vetivernebel
Zum 100jährigen Firmenjubiläum von Bentley Motors am 07. Juni 2019 brachte Eight & Bob ein auf 500 Flakons limitiertes Parfum heraus. Nach eigenem Bekenntnis der Firma für Besitzer oder Liebhaber von Fahrzeugen dieser Marke kreiert, die wohl als exklusivste heute im VW-Konzern gehalten wird. Immerhin liefert Bentley Staatskarossen und ist Hoflieferant u.a. des britischen Königshauses.
Ich glaube, es gibt niemanden, der den Luxusfahrzeugen Stil und Eleganz abspricht. Sie stehen seit 1919 und auch oder erst recht nach Zusammenlegung von Bentley und Rolls Royce wie kaum eine andere Marke für Noblesse und Exklusivität.
Umso erfreuter war ich, einen der 500 Flakons erwerben zu können, genau die Nummer 012, wie auf dem echten Silber-Label in Handarbeit eingraviert zu lesen ist. Und nein, ich bin kein Bentley oder Rolls Royce-Fahrer. Noch jedenfalls nicht, denn träumen darf man ja noch. Dass ich Eleganz bei Automobilen mag, hat bisher „nur“ für Jaguar gereicht, aber das ist eine andere Geschichte und die elegante Raubkatze hat ihre eigenen Dufthuldigungen.
Der schwarze schwere Flakon mit schwerer Silberkappe ist edel und wertig, nicht zuletzt durch das Silber-Label, auf dem der typische Kühlergrill der Marke dargestellt ist.
Der Flakon wird in einer eleganten, überdimensionierten Verpackung geliefert, Understatement geht anders.
Nun aber zum Duft. Ein eleganter Vetiver-Vertreter. Er entwickelt sich nicht, er ist mit einer der weicheren Vetiver-Noten sofort präsent und die Tonkabohne bringt noch eine gewisse aromatische Süße in den Duft, der ansonsten eher zu maskulin wirken würde für einen Unisex-Duft.
Wer Vetiver mag, sollte ihn testen. Er reicht nicht an Rojas Vetiver heran, den ich sehr mag, und erinnert mich eher entfernt an Encre Noir Sports, aber er hat schon etwas Besonderes. Vielleicht ist es wirklich die feine Abstimmung beider Noten. Ich hätte wohl etwas mehr Pomp & Circumstance erwartet, mehr Prunk und Feuerwerk. Aber er bleibt elegant und doch linear. Vielleicht steht die Kreation für genau die Verbindung zwischen hoher Ingenieurskunst im Antrieb, der Solidität des Chassis und der Eleganz der Karosserie, die den Nobelkarossen so eigen ist.
Ich sehe, oder besser rieche, den Duft eher am eleganten Herrn über 40. Aber Damen, die Vetiver mögen, könnten ihn ebenso in ihr Herz schließen.
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