RiechArtRiechArts Parfumkommentare

Alles von RiechArt

1 - 10 von 12

04.02.2017 19:34 Uhr
3 Auszeichnungen
Einen hatte ich noch nicht erworben von den Rituals-Düften. Den Roi d’Orient. Im Advent hatte ich ihn mal auf einem Papierstreifchen getestet - da war er mir aber einen Hauch zu pudrig und nachdem ich mittlerweile ein großer Fan des "Sultan de Muscat" (ebenfalls von Rituals) geworden war und immer noch bin, und der Roi im Testschächtelchen keinen Platz mehr gefunden hatte, geriet er erst mal in Vergessenheit. Letzte Woche nun hatte ich beschlossen, den Vorrat an Mini-Fläschchen des Sultan de Muscat aufzufüllen und dieses Mal gab es einen „Dritten Platz“ in der Testbox. Dann Anfang der Woche zum ersten Mal bewusst und direkt auf Hals und Brust gesprüht – und – „Wow!“

Da trauen sich die Rituals Parfümdesigner endlich mal ein bisschen etwas. Erinnert in der Kopf- und insbesondere in der Herznote ein ganz kleines bisschen an die Lush-/Gorilla-Designer heran. Wohlan - dies ist ein Duft für den Arbeitstag und die Freizeit und trotzdem , er hat auch etwas Experimentelles. Da ist wieder ein bisschen das Stinktier, noch viel feiner als beim Breath of God (BoG), von dem ich ja vor ein paar Wochen schon so begeistert war. Bei weitem nicht so brachial, aber irgendwo da. Auch hier der Gummi-Geruch. Sehr facettenreich. Wie an und in einem warmen Hunter-Gummistiefel nach einem langen Waldspaziergang. Innen und an der erdig-moosig-feuchten Profilsohle geschnüffelt, vermischt mit Weihrauch – viel Weihrauch mit verwelkenden Blütenblättern durchmischt – ich assoziiere Kränze bei Beerdigungen. Wieder mal ein gewaltiges Erlebnis.

Zu Beginn die Kopfnote - süßlich, etwas pudrig – trotzdem (ich bin kein Fan von pudrigen Düften) etwas sehr Schönes. Erinnert entfernt an Versace’s „Blue-Jeans“, vermischt mit dem Rituals typischen Honig-Myrrhe Grundton. Weissen Pfeffer kann ich allerdings gar nicht ausmachen. Moderner und vielgestaltiger als der Blue-Jeans, fordert er Nase und Gehirn lange und nachhaltig und verbirgt doch sein wahres Gesicht. So lange, bis sich die Herznoten entfalten. Sehr facettenreich. Den Moschus kann ich nicht erkennen. In jedem Fall Unisex – würde mir auch an meiner Frau sehr gut gefallen. Blumige Noten im Herz, die ich aber nicht einsortieren kann. Nichts Zitrisches. Ich assoziiere Wasser, Waldboden, Gummi. Hab ich oben schon beschrieben. Blau passt hervorragend. Nicht so außergewöhnlich wie der Breath of God, dafür aber sehr tragbar und doch auch unablässig die Sinne beschäftigend. Hat eine hohe Präsenz bei mir selbst und bei meinem Umfeld - „Hallo hier bin ich!“, ruft der Roi d’Orient.

Am Abend (ca. 8 Stunden nach dem Aufsprühen): Im Abgang bleibt eine Mischung aus einem sehr feinen Holzton – riecht wie Schiffsplanken - die regelmäßig dem Wasser ausgesetzt sind. Immer noch ein wenig Honig und dieser sehr feine Weihrauch, jetzt feiner und eng mit dem Holz verwoben. Das Pudrige ist abgeklungen, auch das Blumige. Immer noch eine gewaltige Mischung, wenn auch der Radius kleiner geworden ist. Immer noch ist das Blau enthalten. Wiewohl Blau kein Duft ist, beschreibt es dieses kühl-erdig-kirchlich-Wässrige gut. Immer noch jener Hauch – ein Anklang - des BoG und etwas von diesem Geruch von erdigen Gummistiefeln. Lecker.

Insgesamt: Ein enorm zu empfehlender Geruch. Hält lange, beschäftigt die eigene Nase und die Nasen seines Umfelds. Ein Anklang an die Lush-Gorilla Düfte aber tragbarer. Wer Versace's Blue-Jeans mag, wird den Roi D' Orient lieben. Wer den Breath of God erfahren hat, findet hier eine Mitmenschen-tauglichere Verdünnung.


19.12.2016 16:33 Uhr
3 Auszeichnungen
Pace

Pace - Jaguar

9.0
Berlin – 19. Dezember 2016 - was ein wunderbarer Tag. Die Waage zeigte nach dem Duschen – schon wieder 400 Gramm weniger als gestern. Der Spiegel sauber, die Küche aufgeräumt und beladen mit frischem Obst und Gemüse, der Morgenkaffee schon fertig und nach Sandelholz, feinster Pfeffernote duftend. Die Sonne scheint licht vom Himmel, ein kleiner Wasserfall ergießt sich in eine tiefe, von funkelnden Tröpfchen befeuchtete Grotte. Die Vögel jubilieren, es duftet frisch und würzig – voluminös und mächtig, wild, mächtig und zärtlich zugleich - die Menschen laufen fröhlich durch die Straßen. Der Regionalzug ist pünktlich und verströmt einen Duft nach sanftem Meeresrauschen, die Fahrgäste springen zur Seite, um Dir mit einem liebenswerten Lächeln den Vortritt zu überlassen. Der Busfahrer pfeift ein Liedchen und grüßt Dich herzlich. Es duftet nach Weihrauch und tief-dunklem Holz. Die Menschen tanzen singend und lachend durch die Stadt, haben Zeit für kleine Plausche, spenden mildtätig und offenen Herzens für karitative Zwecke und freuen sich auf Weihnachten. Was ein wunderbarer Tag. So sanft verführt in eine andere Welt, ummantelt von wohligem Entzücken, erregt von so viel Fülle und Liebe, reise ich durch das morgendlich-nächtliche Berlin. Laternen und Autoscheinwerfer malen ihr warmherzig-sanftes, einen Hauch Melancholie verströmendes, güldenes Licht in das alles so sanft auffangende, glückliche Dunkel. Weihrauch und tief-dunkles Holz, Gewürze und fruchtige Aromen in raschem Wechsel. Das ist wahr und hier und jetzt. Nach den Samstäglichen Erfahrungen im Einkaufs-Paradies habe ich mir heute Morgen den Pace von Jaguar geholt und dufte und bin glücklich. Diese Kombination hatte ich mir schon lange gewünscht. Das Zugabteil erkenne ich nicht wieder. Die Sitze aus kühlendem Carrara-Marmor gefertigt, Fresken an den Wänden. Weihrauch und grüner Pfeffer wabern durch den sanft im Morgentau glitzernden Mittelgang – Kreuzgewölbe an der fernen Decke. Mönche in langen Gewändern stimmen in ein melodisch-esoterisches, tiefes „Ommm“, das sich mehr und mehr in einen gregorianisch-orgiastischen Choral wandelt. Weihrauch und Früchte, Erdbeeren an grünem Pfeffer, frisches austreibendes Grün einer feucht-warmen, pulsierenden Klamm im Frühsommer, ein Bächlein spendet plätschernd Wohlwollen aus luftiger Höhe. Und wieder jene ferne Myrrhe. Schon die Heiligen drei Könige aus dem Morgenlande hatten ihn bei sich, den Weihrauch, neben Gold und Diamanten, als sie das Christuskind besuchten.

Und in aller Kürze: langanhaltend und mit einem wunderbaren Spannungsverlauf von fruchtig-pfeffrig-wild hin zu weihrauchig-holzig-erdig, vermutlich riesiger Radius, beschäftigt die Nase und liefert immer wieder neue Assoziationen. Bei dem Preis eine absolute Kaufempfehlung. Ein Duft, der Euch beschäftigen wird und einen grauen Wintertag in einen angeregt-empathischen Kopffilm, eine phantastische Gedankenreise zu verwandeln vermag

Nachtrag - gleicher Tag - 17:00 Uhr. Er duftet noch immer. Ich glaube, er hat sogar immer noch Radius. Wenn ich mich bewege, schnüffelt mein Zugnachbar. Er hat sich nicht essentiell verändert, erstaunlich frisch immer noch, klar und sehr, sehr holzig, weihrauchig. Toll!


15.12.2016 08:42 Uhr
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6:30 Uhr im Badezimmer, frisch geduscht, rasiert: Heute fast eineinhalb Minuten (das ist sehr lange) vor der Kiste mit den Düften verweilt,  untypisch unschlüssig. Hab in den vergangenen 2 Wochen,  seit vom Parfumo-Plattform-Virus infiziert,  viel neues ausprobiert.  So wandern die neugierig-ertastenden Fingerkuppen letztendlich - vielleicht alten Gewohnheiten folgend - zum schlicht-effizienten, grundsoliden Flakon des Miro Cabal. Den nehm ich seit Jahren,  wenn ich mich nicht wirklich entscheiden mag. Heute aber will ich ihn mal aktiv verwenden,  darüber nachdenken, ihn in seinem Verlauf erschnüffeln und beschreiben. Nach dem Auftragen denke ich als erstes an Weihnachtsbäckerei. Passt ja zur Jahreszeit. Wir hatten letzten Sonntag mit den Kindern Großbacktag und der süße Duft ging bis Dienstag nur schwer aus dem Wohnzimmer. Okay - also heute ¨Plätzchen-Tag¨.


Zwei Stunden später in der Bahn: Winfried in seinem Kommentar weiter unten schreibt, dass der Duft bei ihm nach einiger Zeit seine ¨Vanilligkeit¨ verliert und männlicher wird. Darauf warte ich noch, nach jetzt etwa zwei Stunden. Immerhin, gute Haltbarkeit, aber wo ist der männliche Duft? Für mich ist es vorzugsweise Vanille, Bittermandelöl, weiche Butter. Ein Hauch Holz (wirklich, wie wenn man am Backbrett nach dem Teigausrollen riecht. Ich hab noch nie einen so präzisen Vergleich für einen Duft für mich entdeckt. Das ist fast 1:1) ist dahinter. Recht schön warmes Holz, mir aber zu stark von den süßen Plätzchen-Düften überlagert, kann sich nicht durchsetzen.


Alles in allem und Zusammenfassung: Winfried und Dufter vergleichen den Miro Cabale (in den beiden vorangegangenen, für mich im Vergleich spannenden Kommentaren) mit Le Male von Gaultier, den ich nicht kenne. Winfried sagt ¨toll für Familienabende¨ und dem pflichte ich bei. Ich komme mir vor wie oben beschriebenes Backbrett. Zu viel Backaroma unterm T-Shirt, ein wenig peinlich berührt hier im Zug - zumindest aber überaus passend zur Jahreszeit.  Für mich kein durchwegs männlich-markanter Herrenduft - mehr etwas für gemütliche Familienabende im dicken Wollpulli, Sonntagabend vor dem ¨Tatort im Ersten¨ kuschelnd, mit den Kids Plätzchen backend. Liebevoll, warm, familiär, schnurrend. Ein Duft nicht wirklich für den Arbeitstag sondern für ganz bestimmte, privat-familiäre Augenblicke. Da untermalt er wunderschön glücklich-zufriedene Besinnlichkeit. 


Ich grüße Euch Duftbegeisterte... 


14.12.2016 19:27 Uhr
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So viele tolle Kommentare schon vor mir auf dieser Seite. Da war ich extrem neugierig auf Aigners „In Leather – Man“. Schweres Leder, Cowboys, Lassos, wirbelnder Staub und galoppierende Pferde, Lederwesten und hohe Stiefel auf dampfender Haut – wow. Und siehe da – vorletzte Woche gab es beim Kosmetiker meines Vertrauens (dem Reittier-Mann) justamente genau diesen Duft zu unschlagbarem Preise. Der Papierstreifen hatte einiges versprochen – wohlan, Montagmorgens beim Verlassen der häuslichen Harmonie schnell noch ein paar Spritzer des Ledermannes unter T-Shirt, Hemd, Pulli und Daunenjacke versprüht und los in einen aufregenden Arbeitstag. Wohl ob der vielen Textilschichten – des kühlen Büros halber, bis auf die Daunenjacke anbehalten – konnte ich die Ledermixtur über den langen Arbeitstag nur sporadisch wahrnehmen – war schon enttäuscht ob der kleinen Haltbarkeit. Des Abends zum Bahnhof gelaufen – wie immer zu spät und bergan – ein wenig ins Schwitzen geraten und in der Bahn den Pullover vom Körper gerissen und siehe da – da ist er wieder, der „In-Ledermann“ - mit ein wenig Schweiß gemischt - eine sagenhafte Derbheit, Verruchtheit und erstaunlicherweise einer Fülle feiner, fast süßlicher - unter schwerem Leder verborgener Nuancen. Schokolade, gebrannte Mandeln, sehr nah, kaum Radius – but, so what – nach 9 Stunden.
Dienstag wieder ausprobiert – diesmal in wärmerer Umgebung, nur im Hemd – ein enorm komplex-herber Duft. Konnte kaum aufhören zu schnüffeln. Da ist viel Holz dabei. Hölzer – man assoziiert die Arbeit mit der Schleifmaschine an Terrassenmöbeln mit Lehnen und Griffen aus Tropenhölzern. Ein Hauch Kaffee. Der Geruch ist immens spannend, weil die Nase immer wieder neue Nuancen findet – immens viele Assoziationen. Der Duft passt unglaublich gut zu meinem wild-markanten eigenen Schweißgeruch den er nicht verdeckt sondern aufgreift, spiegelt, reifen lässt und harmonisiert. Die Haltbarkeit ist hoch wenngleich der Radius mit der Zeit sehr schnell abnimmt – was tut’s zur Sache – jetzt ist es mein privater, mein heimlicher Duft. Wunderschön wuchtig und vieldimensional. Wer fruchtige, zitrisch-beerige Noten sucht, ist bei diesem Geruch völlig falsch. Das ist ein durchwegs harter, bräunlich-markiger Duft. Aber mit extremer Wandlungsfähigkeit. Herbstlaub wäre hier ein guter Vergleich. Habt Ihr mal beobachtet, wie viele Brauntöne es gibt? Wie Blätter ihre bräunliche Farbe modifizieren, wenn sie gefallen und feucht den Boden bedecken? Morgens grau-beige-grünlich angehaucht – abends dunkelbraun mit schwarzen Flecken. So ist „In Leather – Man“. Wild, derb, sanft, linear sich wandelnd im Gleichbleibenden. Empfehlenswert ist es, immer mal wieder nach zu spritzen. Bedenkt dabei allerdings - so schön mächtig und dickglasig und massiv der Flakon – wirklich dekorativ – so wenig transportabel in der Aktentasche sind die 75 ml verpackt. Flakon und Duft zusammen wiegen locker 300 Gramm und haben die Ausmaße einer größeren geballten Faust. Dann lieber ein paar Spritzer unter dicke Kleiderschichten am Morgen, um den Duft ein bisschen „zusammen zu halten“ und am Nachmittag die Schichten reduzieren und den schweißdurchmischten Restduft genießen. Von mir (als nach wie vor „Rookie“ im olfaktorischen Wunderland) eine ganz, ganz klare Empfehlung…


09.12.2016 08:28 Uhr
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Einer der Flakons, die seit Jahren ein Nischendasein in meiner kleinen Sammlung im Badezimmer fristen.

Angeregt durch die Duft-neugierige Parfumo-Community und recht wohlwollende, schön verfasste Kommentare hier auf der Seite, hatte ich ihn heute Morgen mal wieder hervorgezogen – wohlgemerkt, ich habe den Duft als Rasierwasser, das Eau de Toilette mag intensiver sein. Irgendwer, hatte mir den Duft wohl irgendwann mal geschenkt. Erst einmal rieche ich den Alkohol. Dann lange nichts. Warum hat mir irgendwer den Duft irgendwann geschenkt? War es ein Schnäppchen? Während ich dies schreibe – der Duftauftrag liegt 7 Minuten zurück und ich sitze im T-Shirt am Schreibtisch, zieht ab und an ein Hauch jenes Blumenstraußes vom vergangenen Wochenende an meine Nase. Rosen und Gerbera - in vorweihnachtlichem Gelb und Rot. Vielleicht standen sie schon ein wenig trocken in der Vase. Und – Ihr werdet es nicht glauben – im Grunde riecht die verwesenden Schwere der Blüten bewegender und vielschichtiger als dieses winzige Duftrinnsaal unter meinem T-Shirt. Nachdem ich letzte Woche mit Jaguars "Classic Red", YR’s "Comme une Evidence Homme", dem alten "1881" von Cerruti und Etienne Aigners "In Leather Man" in den vorweihnachtlichen Einkäufer-Massen herumexperimentiert hatte, ist Aigner’s – „Clear Day for Man“ die pure Ernüchterung. Ich bin aber auch nicht der Liebhaber von nur-fruchtig-frischen Sommernoten. Keine wirklich eigene Linie für mich, kein Radius. Kein Versuch an mir zu schnüffeln, keine Herausforderung für die Riechkölbchen in meiner Nase. Eine fruchtige Note mit etwas grau-nebligen. Nicht warm. Nicht neugierig machend. Der Geruch ist nicht einmal schlecht zu nennen. Er ist einfach nur so dünn (vielleicht liegt es ja am Rasierwasser) und Allerwelts-Parfum und wirkt auf mich - Pardon an Euch Liebhaber der Essenz - ein wenig langweilig. Da riecht der Lavendel Weichspüler im T-Shirt markanter und intensiver. Aigner‘s -Clear Day for Man wird wohl den Weg in den Kellerschrank nehmen. Ich spiele mit dem Gedanken, nochmals zu duschen und etwas neues, spannenderes aufzutragen. Schade eigentlich, dass es keinen (mir bekannten) Geruch gibt, der „verwelkendes, schweres Blütenaroma“ im Portfolio hat…


09.12.2016 00:15 Uhr
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Das Papierstreiflein mit dem Duft sprang mir aus der Vielzahl von 4 vorrätigen Herren-Düften entgegen. Comme une Evidence Homme – diese Woche (Dezember 2016) im Angebot bei Yves Rocher. Nicht übel. Im Büro angekommen, ungeduldig das schwarze Pappschächtelchen von seiner Kunststoffhülle befreit und aufgenestelt. Schöner Flakon in einem „Klarglas zu Braunglas Verlauf“. Der Farbverlauf spiegelt meiner Meinung nach sehr schön die Veränderung des Duftes mit der Zeit wieder. Beginnen wir mit dem klaren Glas.

Ein paar Spritzer unter Hemd und jahreszeitlich wie immer dicken Pulli. Beeindruckt. Eine wunderbare Woge fruchtiger, gemüsiger und holziger Noten. Der Pfeffer ist toll mit dem Bergamotte vermengt – trotzdem beide Facetten klar unterscheidbar. Ich sollte bei einer der nächsten abendlichen Kochrunden mal die Kombination Pfeffer – Bergamotte erproben. Vielleicht kurz und stark gekochter Earl-Grey Tee mit frisch gemahlenem Pfeffer als Aromagrundgerüst für eine Nachspeise… - doch zurück zum Evidence. Der Radius (Sillage ist wohl der entsprechende Fachterminus, hier im Forum. Ich muss bei Sillage dummerweise immer an das landwirtschaftliche Pendant „Silage“ denken und da ist die Silage nichts, woran man wirklich schnüffeln wollte – also bleibe ich bei Radius. Das ist Mathematik und damit geruchsneutral als Formulierung) in der ersten Stunde ist ziemlich mächtig, trotz drei Lagen Stoff auf dem Körper. Ich erkenne die typischen vibrierenden Nüstern meiner Mitmenschen, die zeigen, dass der Geruch ihre Riechkölbchen erreicht hat. In dieser Stunde überwiegt der pfeffrig-fruchtig-zitrische Duft, aber das Holzige beginnt unter deren leichtflüssigen Wogen schon zu wabern. Ein bisschen nimmt der Duft – nach vielleicht zwei Stunden oder drei etwas von diesen „alten Gerüchen“ wie dem 1881 von Cerruti an – nicht annähernd so massiv, ganz fein altmodisch, männlich und vermischt mit etwas Honigartigen und etwas Harzigen. Jedenfalls einer dieser tollen Gerüche, die sich mit der Zeit verändern. Das Zitrische verliert sich und macht einem etwas wilderen, unbeherrschten Ensemble Platz, das schwerer zu analysieren ist - von der Nase - und diese daher sehr beschäftigt. Er passt zu meinem Schweiß, das merke ich – aber das muss jeder für sich erproben. Winzigste Mengen Phosphor könnten dabei sein – jedenfalls sehe ich - mit geschlossenen Augen den Geruch analysierend - eine Streichholzschachtel-Reibefläche vor mir. Und Myrrhe. Ganz, ganz wenig. Das ist jetzt der braun-beige Teil des Flakons. Wirklich – genau meine Assoziation, braun-beige. Ein klein wenig kantig. Wild und unbeherrscht. Einzig die Haltbarkeit insgesamt könnte ein wenig höher sein. Nach 4-5 Stunden ist kaum noch etwas wahrnehmbar. Da will das Fläschchen also mitgeführt werden, um nach zu sprühen. Trotzdem für diesen Duft meine persönliche, klare Empfehlung. Ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis...


07.12.2016 12:39 Uhr
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Schon lange bei parfumo beobachtet, Kommentare gelesen, sehr neugierig auf diesen Duft – Himbeeren mit Vanillesauce – konnte ich mir nicht vorstellen. Wohlan auf der Merkliste, gestern im Prospekt gesehen, bei R…mann, heute Morgen zugeschlagen. In der Toilette im Regionalzug unter T-Shirt und Hemd gesprüht. Wow. Irre. Ganz verzückt. Was für eine unglaubliche Vielfalt an Nuancen. Das könnte ein weiterer Favorit meiner Sammlung werden. Zitrisch helle Noten, Beeren und darunter ein tiefes, holziges Rauschen. Wenig Chemie. Andere Kommentare sagen „Himbeeren mit Vanilleeis“. Ich würde dies erweitern auf – ein ganzes leckeres Nachspeisenbuffet. Aber nicht ausschließlich. Das wäre zu einfach beschrieben für diesen Duft. Vanille ist in jedem Fall dabei. Aber ganz fein verwoben. Ein ganz feines Harz ebenfalls. Unglaublich warm, der Geruch. Er verwandelt den grauen Brandenburger Morgen in einen warmen Sommertag. Da liegen auch ganz feine Blumennoten drunter. Ein Hauch Weihrauch, Kirche, ganz, ganz fern – ich muss mich sehr konzentrieren, aber ich rieche den großen Dom mit Blumensträußen, die beginnen zu welken und einen ganz besonders schweren, tief-schwebenden Duftglanz verströmen. Das Rot des Flakons könnte nicht besser gewählt sein. Wenn ich den sanfte wiegenden Odem unter den Kleiderschichten heraus rieche und die Augen schließe, sehe ich Rot. Viel mehr Rot. Rote Beeren, rote, leicht welkende Blütenblätter, die einen roten Schneefall auf marmornem Kirchenboden unter den Sträußen bilden, rote organisch-ineinanderströmende Formen. Welche Musik ließe sich damit vergleichen – eine Pastorale, gespielt auf einer gewaltigen barocken Orgel in einem großen früh-gotisch asketischen Dom. Kein reiner Männerduft. Gespannt, wenn die große Wolke verflogen, was an privatem Nachhall bleiben wird.

Nachtrag, Stunden später – das Beerige bleibt, dünnt allerdings stark aus. Der Geruch ist vollkommen linear über den gesamten Zeitraum. Keine Überraschungen. Selbst am nächsten Morgen, wenn ich an der Haut rieche ist er noch da, der Vanille-Beeren-Rosenblätter-Holz-Harz-Geruch. Ganz dünn aber praktisch genauso, wie er aus dem Flakon kam. Wenn im Sonderangebot erhältlich, eine klare Empfehlung, tolles Preis-/Leistungsverhältnis und ein Duft, den man gut und gerne über längere Zeiträume, Tag füt Tag wieder verwenden möchte…


05.12.2016 20:12 Uhr
5 Auszeichnungen
Cerruti 1881 pour Homme – seit Jahren habe ich den Duft als Rasierwasser zu Hause. Ein Brecheisen. Altmodisch, wurde hier schon oft gesagt. Ich finde den Duft halbjährlich wieder und weiß jedes Mal wieder nicht, warum ich ihn nicht benutze. Also teste ich wieder und bin jedes Mal aufs Neue erschlagen. „Minigolf“ weiter unten in den Kommentaren vergleicht ihn mit einer moosig-harzigen Waldlichtung. Ein schöner Kommentar. Ich kann das Moos und den Boden, die Feuchte und den fernen Harzgeruch auch nachempfinden. In erster Linie aber denke ich an Badezimmer in Wohnungen, die wir mit der Familie als Kinder besucht hatten. Freunde, vielleicht auch Verwandte. Ich kann mich entfernt an die allgegenwärtigen Aliberts, die Plüschkloodeckelabdeckungen, die Blumenornamente auf den Fließen, die riesigen Schaumbadflaschen und an die stets im Bad anwesende Waschmaschine erinnern. Und an jenen Geruch. Fast überall das 1881. Mein Papa hatte es wohl auch verwendet, damals. Ich meine mich zu erinnern, dass er nach dem Rasieren oft so gerochen hat. Muss nicht 1881 gewesen sein. Fast alle Düfte damals rochen so. Sie waren die Schwerter, Äxte und Lanzen der Karriereritter der 70ger. Archaische Duftwaffenarsenale. Mussten sie auch. Jeder qualmte irgendwelche Klimmstengel und der Rauch wollte überlagert werden. Hei – ich sage nicht, dass ich ihn nicht mag, diesen vorsintflutlichen 1881 Duft. Im Gegenteil. Er ist ein Geruchs-Brüller. Kein Flüstern. Und er hält, Stunden um Stunden. Selbst das AfterShave. Ein gewaltiger Radius – noch ganz hinten im Bus sehe ich Mitfünfziger schnüffeln und abschätzen – „wer hat diesen Duft, das erinnert mich …“

Ab und zu finde ich es herrlich, mich aus der Gegenwart zu lösen und in die Vergangenheit einzutauchen – hinfort zu riechen. Ich sehe faszinierte Nasen der Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts um mich. Sie riechen mich und haben ebenfalls sofort Bilder ihrer Kindheit vor Augen. So selten riecht man ihn noch, diesen wuchtigen Duft-Hammer.

Diese und nächste Woche gibt es ihn mal wieder beim Herrn der Rösser für kleines Geld. Greift zu, geruchsliebende Freunde um die 50. Auch wenn ihr ihn nur ab und an ganz selten verwenden werdet – er gereicht zu herrlichen Déjà Vus in eine vergessene Zeit Eures Lebens. Indes seid sparsam im Gebrauch und nehmt den Duft nicht zu einem feinabgestimmten Abendessen mit. Das würden Euch alle Gäste im Lokal verübeln. Nehmt ihn mit in Bus und Bahn, ins Kaufhaus, in eine Ausstellung – und nehmt Euch die Zeit, die älteren Junggebliebenen zu beobachten, wie sie suchend herumschnüffeln, irritiert, fasziniert, überrollt von einer Bilder—und Erinnerungsflut, wie sie in ihre Kindheit verfallen, die Blicke sanft werden…

Ich werde ihn morgen früh abduschen und wieder einen feinwürzigen, moderneren Duft auftragen, und die 1881 Flasche ein halbes Jahr ganz nach hinten packen. Und irgendwann im Juni oder so werde ich sie wiederentdecken und überlegen „was hast Du da denn noch für ein Fossil. Habe ganz vergessen, wie Du riechst, mein Freund im dickglasigen, rubbeligen Flakon – na da wollen wir mal… „ und wieder einen herrlichen verlorenen Tag in den 70gern verbringen…


03.12.2016 18:55 Uhr
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Der, die, das Dritte im Bunde der Rituals-Düfte meiner kleinen Probierschachtel – dreimal 12 ml Entdeckungsreisen meiner Riechknospen. Nach Sultan de Muskat (klare Empfehlung) und Eau du Kashmir (lecker aber zu wenig haltbar) jetzt also Maharaja D’Or. Naja – „Aladins Wunderlampe“ wäre ein besserer Name gewesen. Flakon geöffnet und auf Papierstreiflein aufgesprüht und recht beeindruckt. 7 Spritzer unter T-Shirt und Hemd – ganz schön viel und – nichts. Wie? Nichts. Verschwunden. Der Geist. Allerdings nicht wieder in der Flasche sondern gänzlich. So etwas habe ich noch nie erlebt. Eine gefühlte Haltbarkeit von 30-45 Sekunden bei einem Radius von etwa 30 Zentimetern. Ein schöner Duft. Glaub ich. Zu schnell verschwunden, um überhaupt einen Eindruck zu hinterlassen. Wie hat der Parfumeur das wohl hinbekommen. Gerüche, die sich offenbar gegenseitig auslöschen. Da riecht eine Tüte gebrannte Mandeln von einem Fahrgast am anderen Ende eines Zugabteils länger und intensiver. Auch ein Nachsprühen (4 weitere Spritzer – da würde ich bei Fahrenheit eineinhalb Tage duften) bringt nichts. Wieder verziehen sich die Nuancen blitzartig unters T-Shirt und sind – weg. Die Verkäuferin im Laden hatte erklärt, Maharaja D’Or sei ein zeitlich befristeter Duft, den es nur bis zum Jahresende gibt. Falsch! Es gibt ihn eigentlich gar nicht, diesen Flaschengeist. Diesem Maharaja werde ich nicht nachtrauern. Weil – ich konnte ihn kaum kennenlernen. Vielleicht assoziiert ein anderer Duft-Begeisterter ja anderes – von meiner Seite tendenziell ein Abraten. Nehmt lieber zwei Miniflakons des Sultan de Muskat – da habt Ihr in jedem Fall mehr davon.


02.12.2016 23:32 Uhr
5 Auszeichnungen
Mein zweiter Nasenstreifzug aus dem schon bei Eau du Kashmir von der gleichen Herstellerfirma erwähnten Probeschächtelchen mit drei ¨Wahldüften¨ von Rituals nach freier Wahl. Ein sehr schöner Kommentar steht hier schon weiter unten von Aliana - mich inspirierte der Duft zu einem anderen Format - mal sehen ob das hinzubekommen ist...

Dieser Sultan voll Muskat,
blumig, würzig, sehr komplex -
kleiner Radius sehr privat,
männlich – weiblich – unisex.

Irgendwie wie Fahrenheit
- im Nachgang meinem Lieblingsduft
recht ähnlich - welche Seltenheit

nur etwas schneller er verpufft…
… in seiner Breite.

feiner Honig hinterfragt…
… das Fahrenheit - es fehlt die Seite,
die dort so alles überragt.

Das Fläschchen schlicht und bernsteingold -
der Duft doch eher rotes Glühen.
Beschäftigte mich ungewollt,
verführt mich nochmals nachzusprühen.

Und wieder dieses Potpourri,
der Parfumeur wohl ein Genie.
Feine Würze - kaum Chemie,
wohlgemischt mit Phantasie.

Der Nase Schleimhaut wird verführt -
bekannte Werte, Komponenten,
Blüten, Kräuter - tief berührt
an Hypothalamus (*) zu senden...

...der dadurch intensiv beschäftigt,
die Komponenten zu erfassen -
die eng verwoben, zäh und kräftig
so wunderbar zusammenpassen.

Der Radius kriecht nach ein‘ger Zeit -
nach ein paar Stunden maximal,
in Hemd und Halstuchs Heimlichkeit -
vertreibt genüßlich allemal...

...des Winteralltags fahles Grau.
Der Duft komplex und linear
ein wenig süss, zu wenig rauh
Und doch, in summa – wunderbar.

So, und jetzt zusammenfassend nochmals in schlichter Prosa. Tatsächlich finde ich, dass Sultan de Muscat in seiner langen, sehnsuchtsvoll seufzenden Würze meinem Lieblingsduft Fahrenheit ein wenig ähnlich ist. Der Geruch ändert sich über die gesamte Tagesduftdauer so gut wie gar nicht – das hatte ich selten erlebt, vorher. Es ist die Unfassbarkeit, die Undurchdringlichkeit, die beschäftigt. Die Nase versucht immer wieder zu zerlegen und zu analysieren und stößt immer wieder auf die Unmöglichkeit, das zu tun. Vorsicht, der Geruch lenkt ab, beschäftigt. Vielleicht wird man ihm auch überdrüssig – trotzdem werde ich ein größeres Fläschchen kaufen. Nach ungefähr vier Stunden hatte ich zwei Spitzer nachgesprüht – das ist die Methode der Wahl. Abends im Bett riecht es immer noch. Fahrenheit mit Honig. Anders kann ich es nicht beschreiben. Toll ist auch, dass man sich einsprühen kann und sofort in Gespräche stürzen. Der Radius ist nicht übermäßig groß. Führt man aber einen intensiven bilateralen Dialog, spürt man geradezu, wie auch der oder die Gegenüber von dem Geruch eingefangen wird und die dortige Geruchsverarbeitung ebenso intensiv beschäftigt, wie die eigene. Spannend zu beobachten. Und auch hier meine ganz klare Empfehlung.

(*) Soweit ich die Geruchsverarbeitung ein wenig nur verstanden habe finden im Hypothalamus, also in einem Teil des vegetativen Nervensystems die Geruchsverarbeitungs- und Geruchsinterpretationsprozesse statt.


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