RobGordonRobGordons Parfumkommentare

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09.09.2019 17:55 Uhr
18 Auszeichnungen
Wenn in der Mainstream-Welt Pfade beschritten werden, die vom Zeitgeist abweichen ist mir das durchaus die Zeit für einen Kommentar wert. Dadurch, dass eben der Intense Flanker released wurde, wird der gleich im Zuge einer Gegenüberstellung mit verarztet.

Der Grund warum mir dieser Duft gefällt liegt darin begründet, dass ich eine Schwäche für holzige Amber Düfte habe. Solange sie nicht in Kuchengewürz ersticken. Im Grunde wurde einem Duft, den ich leider erst nach seiner Einstellung kennengelernt habe, Kiton Napoli das Herz herausgerissen, die Zitrustöne sowie die Maiglöckchen-Simulation reduziert und die Vanille auf Schonkost gesetzt.

Der überbleibende Corpus ist für mich ein linearer hölzerner Amber-Ton, der auf wundervolle Weise hinterlüftet wurde. Hätte ich mich hier auf ein Statement reduziert, hieße das wohl: "Der Zauber liegt in der Luft!" gelautet. Und was diesen Duft für meine Nase herausragend macht, ist nicht die Zutatenliste sondern seine Fähigkeit, trotz des linearen Grundeindrucks zu changieren. Mal schaut eine Wishky-Textur vorbei, mal eine Nuance von Tabak und sehr konsequent ein Anflug von Kirsche. Nie klebrig oder gourmandig, auch nicht erstickend cremig, sondern luftig aufgeschlagen.

Um den Faktor von Eigen-Adaption bereinigt, liegt die Performance bei 7-8 Stunden und damit problemlos in meinem Nutzradius. Die Projektion ist bei normaler Handhabung durchschnittlich und damit alltagsfreundlich.

Damit das Handover zu seinem neuen, großen Bruder. Ich hätte hier kein Intense gebraucht, weil der Direktvergleich mir untrügerisch verrät, dass auch hier eine eigene Formel ins Rennen geschickt wurde. Und das auf Kosten der charakterlichen Eigenständigkeit des Originals.

Wenn Zimt schon in der Pyramide angedroht (schlicht nicht eine meiner Lieblings-Duftnoten) wird, dann erfolgt in der Regel auf sein Einsatz merklich. Eine für mich stark herausstechende Note. Der Pool an Zimt-lastigen Holzdüften, die ähnlich ausklingen, ist deutlich höher.

Deswegen würde ich hier die Empfehlung abgeben: Wer das EdT mag, sollte lieber das übersprühen als zum Intense zu greifen. Die DNA der Vorlage wird durch Zimt deutlich, durch Iris behutsam, entstellt.

Was ich dem Flanker aber zugute halten möchte, ist, dass er nicht in Süße erstickt. Diesen Charakter (des EdT) konnte man aufrecht erhalten. Die Intense Version beginnt wie ein subtiler Butterkeks, riecht dann eine Zeit lang nach frischem Beton und schmiegt sich tangential an die DNA Vorlage des WOW EdT an. Immer den Zimt im Gepäck, der im Gesamteindruck sehr leicht Assoziationen zu anderen Düften zulässt.

Ich kann nicht beurteilen, wie sich die Verdoppelung der Konzentration des EdT auf den Duft selbst ausgewirkt hätte. Und damit, ob ihm die Luftigkeit die diesen Duft erst für mich interessant macht, verloren gegangen wäre.
Wow Intense ist fernab von schlecht, aber für jemand der mit Zimt auf Kriegsfuß steht, keine echte dauerhafte Alternative.

Zum Marketing, einen Duft als "WOW" zu plakatieren, fordert spöttische Kreativität potentieller Kundschaft geradewegs heraus. Da Düfte sehr viel mit Suggestion zu tun haben, hätte sich dieser Duft durchaus einen Namen verdient, der nicht zwischen Parkplatz und Büro "gebrainstormed" wurde.

Es gibt kein Superlativ zu WOW, außer vielleicht Wau Wau"!


11.03.2019 21:45 Uhr
26 Auszeichnungen
Aus einem zuletzt gelesenem Interview mit F. Kurkdjian ist mir in guter Erinnerung, dass er von sich selbst behauptete in Marketing-Angelegenheiten eine Null zu sein. Hierfür hätte er eine rechte Hand, so schreibt er, die in Marketing-Metier aus meiner Sicht so zaubert, wie er selbst bei manchen seiner Rezepturen.

Mit einem Parallel-Release zweier Flanker von sich selbst, die mit ihrer indirekt proportionalen Groß- und Klein-schreibung zu Fehlkäufen anstiften werden, verwirrt man, so scheint es, auch diejenigen, welchen bei jedem neuen Release das Lied: "schon wieder ein Flanker!" anstimmen.

Von Layern hab ich im Vorfeld beider gentle-Wässerchen gelesen. Das Gold & Silber Fluid-Dingens soll man Layern können. Layern kann man bekanntlich alles, aber davon, wie das Ergebnis riecht, steht nichts geschrieben.
Und vorweg, ich würde es nicht tun. Schade um den Schatz im Silbersee.

Um Kurkdjians Gentle-Goldmarie zu düpieren: "Sprühen ist Silber, (ver)souken ist Gold!" Manchmal verbirgt sich hinter Goldglanz einfach eine verkohlte Plastikvanille, die wie bei Aktionskünstlern aus Kübeln über eine fertigen Komposition geschüttet wird.

Unter Aktionskunst würde ich diesmal auch die Nennung der Pyramide verorten. Irgendwie hat einer im Haus MFK eine Wette verloren und musste sich trauen eine Pyramide zu erfinden, die gar nichts mit dem Duft zu tun hat. Hierbei wurden Zutaten-Schnipsel stochastisch aus einem Hut gezogen.

Deswegen habe ich für euch heute primär ein Duftbild, das sich bei der Duftbeschau jedes Mal von neuem zeigt. Ich sehe eine schneebedeckte Bergspitze (repräsentativ für die sauberen Anteile) im Frühjahr, bei der sich Einstreuungen grüner schneefreier Flecken (feinwürzige Anteile) zeigen. Und in den ersten 10 Minuten sehe ich auch einen Einkehrschwung mit hochprozentigem Alkohol (mit Eigennote), den ich bei MFK Düften so nicht gewohnt bin.

Es wäre auch schade um jeden Papierstreifen. MFKs Silver-Surfer "Gentle fluidity" mag Papier nicht. Duftverlauf wird um Stunden verzögert und bleibt hinter seinen Möglichkeiten. Und gute 10 Minuten sollte man dem Duft auch auf der Haut geben, bis er sich geordnet hat. In der Zeit sind oft schon 5 Statements verfasst!

Müsste ich den Duft in Zutaten rahmen, sähe die Rezeptur wie folgt aus:

Ein Berg voll beta-Damascenone (sorgt für grün-würzige, florale, fruchtige Facetten mit einer Bandbreite von Johannisbeere bis Rose) Deutlich mehr als davon in Aventus enthalten ist. Ein Hauch von Jasmin um das sanft floral-süße zu unterstreichen (zwischen Kopf-und Herznote blinzeln ein paar mal dezent aber doch verräterische leicht indolische Wellen durch) Und zur Basis hin wird die Komposition in strahlend halbcremigem Moschus getunkt und mit Ambroxan Flügel verleiht.

Vom Test am Papier kann ich noch einen Tropfen zitroniges beisteuern, der auf der Haut im Alkohol-Nebel untergeht. Auch bleibt ein verräterischer hartnäckiger Duftbelag von ISO-E-Super zurück, wenn der gute Stoff längst verdampft ist.

Hier werden keine Berge versetzt. Es beginnt grün-alkoholisch, geht über in grün-floral-lieblich-würzig-aromatisch und endet damit, dass der grandiosen Herznote wieder die Luft ausgelassen wird und das zurückbleibende grün-würzige in ein Leintuch aus Moschus fällt.

Rein von der Pyramide her, das muss erwähnt werden, hätte ich mir einen völlig anderen Duft erwartet. Etwas fein-würzig holziges vielleicht. Der Parfumeur hat aber damit bereits für eine Überraschung gesorgt und mich am linken Nasenflügel erwischt.

Wacholder-Wässerchen, mit beliebigem Gürtel aus Küchengewürz, die in Kunstholz ersticken, gibt es selbst in der Nische zuhauf. Chemie ist kein Alleinstellungsmerkmal des "Mainstream", der immer wieder zur Charakterisierung eines Duftes herhalten muss. Ich kann beim besten Willen nichts generisches entdecken und wenn "Frische" alleine bereits für diesen Eindruck sorgt, soll das so sein. Das fiese ist nur, Orientalische Themen gibt es auch im Mainstream. Sei es wie es sei, mir ist jedenfalls noch kein Duft untergekommen, der mit direkt vergleichbaren Proportionen an Zutaten arbeitet wie dieser, nicht einmal bei MFK selbst.

Für einen Duft mit wenig Bewegung halte ich das Ergebnis für sehr gelungen. Noch lieber wäre es mir jedoch gewesen, wenn man die Herznote eingefroren und in die Basis gerettet hätte, bzw. wirklich den Weg von betontem Holz (gerne staubig/spänig) gegangen wären. Auf die genannte Vanille wurde zu meinem Vorteil zumindest in meiner Abfüllung verzichtet (wohl alles für die goldenen Flaschen draufgegangen!)

Fazit: Ein wunderbar runder, leicht zu tragender Grünling, der durch subtil eingesetzte Vielfalt in Erscheinung tritt und so ein angenehmer Begleiter für Sie und Ihn in der wärmeren Jahreszeit ist. Seine Performance macht ihn auch zum verlässlichen Begleiter und die hierfür eingesetzte Chemie nehme ich gerne in Kauf. Einen Kritikpunkt habe ich aber doch. Es gab öfter beim Tragen, so im Bereich der Stunde 6-7 einen Moment, in welchem mir meine Nase kommuniziert, alles schön und gut, aber jetzt brauch ich Erholung. "Anstrengend sauber", wäre meine Umschreibung hierfür. Und diesen Aspekt möchte ich trotz meiner Lobesworte für diesen Duft nicht schuldig bleiben.

Eine besonders üppige Abfüllung "Gentle fluidity" wurde mir von @Flanker zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!


13.02.2019 22:55 Uhr
21 Auszeichnungen
Keine Sorge, Flakons diesen Saftes sind nicht zum Zerbersten verflucht und ich auch nicht so ungeschickt (noch nicht). Die Textzeile

"You were the sweetest thing that I ever knew
But I don't care for sugar, honey, if I can't have you.."

und die Erwähnung von Glas haben mich diesmal für den Auftakt inspiriert und wie es der Zufall so möchte, auch das zugehörige Album Namens "Diva", das mir den Anker bildet um diesen Stoff von allen Seiten zu beleuchten.

Warum eine Diva? Btw., wenn ich über Diven sinniere, muss ich immer an einen bestimmten Songtitel von Kettcar denken: "So lang die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende!" In Zeiten wie diesen politisch nicht korrekt,
aber wenn man sich Stimm-Kaliber wie Montserrat Caballé in Erinnerung ruft, wohl nicht so weit hergeholt.

Im Sternzeichen ist BR540 eine polarisierende Diva. Zu chemisch, zu süß, zu... bitte selbst einsetzen. Für mich ist dieser Duft einer der wenigen Düfte, die mir über die Absicht ihres Erstellers vermitteln, dass Düfte mehr sein können als ein Gebrauchsgegenstand. In dem Sinne, dass Parfums ein Thema gekonnt repräsentieren. Es ist ein Unterschied, ob jemand Blumen würgt, abfüllt und das als Stilleben einer Blumenvase thematisch an Frau/Mann bringen möchte oder wie hier, einen Duft zum Jubiläum einer Kristalldynastie erstellt und nach der Exklusivfrist
neu aufleben lässt.

Und jetzt sind wir beim Thema Glas. Glas/Kristall hat keinen Eigengeruch. Und Transparenz wird man nicht mit einem Schubkarren voll Weihrauch oder einem Scheiterhaufen Vanille vermitteln. Es ist hilfreich, dass das Parfum selbst klar ist. Aber welche Zutaten, aus der Natur, könnten sich dazu eignen, Glas zu simulieren? Nach einer längeren Denkpause, bin ich auf Wasser gestoßen, nur muss man jemanden finden, der für Wasser den Nennpreis hinblättert.

Mir war also relativ rasch klar, dass es hier nicht die Natur richten wird können sondern Synthetik zum Einsatz gelangen muss. Und diese auf eine Weise, dass Fragilität und Transparenz plausibel erscheint. Und das ist aus meiner Sicht dem Parfumeur sehr gelungen. Auch im Falle, dass sich die Wege meiner Nase und dieser Duft mal trennen sollten. Für die Verwirklichung eines Duftthemas gibt es hier kein Bewertung und ich arbeite sie auch nicht in den Duft ein.

Die Diva brauch ich aber noch für einen weiteren Aspekt. Der Umgang mit Parfums die Isomaltol und Ambroxan enthalten haben mir mehrmals gezeigt, wie leicht sich das Ergebnis wieder auftrennt. Sei es durch länger nicht in Verwendung befindliche Flakons, wobei der Zuckerverstärker sich "absetzt" und als besonders kalorienreicher Schwall als erstes ausgespuckt wird, andererseits, nach dem Aussprühen in Taschenzerstäuber, die letzten Tropfen aus diesem Zweitbehältnis wie Putzmittel daherkommen. (gab ein Statement zum EdP, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht)

Wer sich etwas gutes tun möchte, inhaliert nicht den ersten Hub und nicht den Letzten. Der "Mittelstrahl" muss es richten, so wie gelegentlich beim Arzt.

Die Diva BR540 hat noch andere launige Charaktereigenschaften. Wer den Duft im Übermaß aufträgt und in Nasennähe appliziert, wird ihn selbst sehr rasch nicht mehr riechen. Die Zutaten sind prädestiniert für nasale Adaption.

Ich habe im Laufe der letzten Monate auch das EdP getestet und beide Düfte direkt miteinander verglichen. Die Haltbarkeit sollte nicht zum Kernargument werden sich für den einen oder anderen Duft zu entscheiden. Die Projektion der beiden Düfte hingegen sehr wohl. Das Extrait ist deutlich leichter zu tragen als das EdP, ohne gleich seine Umwelt vorsätzlich ins Koma zu sprühen. Wer für weniger Geld mehr Power möchte ist mit dem EdP gut beraten und möge meine Kreise wenn möglich nicht stören. Auf Textil halten beide wie Pech.

Ich gebe auf Pyramiden nicht viel. Der Einzige Unterschied im Duftbild selbst ist tatsächlich ein Mandelton im Auftakt, der auch sanft ledrig in Erscheidung tritt, wenn man sich nicht zu sehr auf das Gelesene fixiert. Safran und Jasmin sind für mich Streichresultate, treten nicht deutlich genug in Erscheinung um sie plausibel im Duftsalat zu entdecken. Somit ist auch sehr zu meiner Freude nichts indolisches aktiv.

Den meisterhaft aromatischen Korpus bildet beim Extrait wie beim EdP eine in fruchtigen und holzigen Tönen fast bis zur Unkenntlichkeit ertränkte Tanne (Waldfreunde sind hier falsch). Und dieses Duftbild wird konstant gehalten. Äußerst linear nachdem die Mandel extrahiert wurde. Auch diesen Bogen scheint MFK gelungen gespannt zu haben, weil Glas/Kristall selbst riecht sehr beflissen und konstant nach nichts.


20.12.2018 21:47 Uhr
18 Auszeichnungen
Keine weiteren Erzählungen zum eigenen Stammbaum, wie der Titel womöglich verheißt. Duftnamen ringen uns gerne Urteile ab, die mit dem Inhalt wenig gemein haben.

Wir suchen in Düften, die das Prädikat "Oud" im Namen tragen gerne die Holznadel im Dufthaufen und dennoch erweist sich dieser Edelholz-Scheit gerne als scheues Reh. Somit muss auch nicht verwundern, wenn unglückliche Übersetzungen von "Cologne" immer wieder gerne zur Vorstellung allzu dünner Wässerchen führen.

Die Muglers wissen zu täuschen. Schon der kleine grüne Giftzwerg "Mugler Cologne" ist kein Cologne sondern liegt in EdT Konzentration vor und es muss daher auch nicht verwundern, wenn es sich bei beim "Hot Cologne" um ein EdP handelt, fernab von Kurzlebigkeit.

Somit wird das "Cologne" im Namen zum größten gemeinsamen Teiler der beiden Düfte, was mich zu diesem Titel bewegte. Der Preis der "Les Exceptions" Serie ist natürlich abgehoben, das macht den grünen Giftzwerg aber nicht automatisch zu einer Alternative.

"Hot Cologne" ist ein idealer Kompromiss für Duftfreunde, die mit Colognes nichts anfangen können. Er ist keine Sekunde lang seifig und hat auch das Strahlemann Moschus-Heck seines kleinen Bruders nicht. Neroli kann man mit der Lupe suche und dabei scheitern. Je nach Jahreszeit der Verwendung ist die Zitrone im Auftakt dominanter oder kurzlebiger.

Vor Petitgrain muss man sich nicht fürchten, ist es doch gerne Signalgeber für einen Altherrenduft. Hier hat es die Aufgabe die Kaffeenote frischgrün erscheinen zu lassen und das gelingt ausgesprochen gut. Ich würde gerne erwähnen, dass die Note "grüner Kaffee" eine kreative Idee des Mugler-Marketings ist. Weil selbst das Ergebnis kaltgefilterter geröstete Bohne, nicht nach Kaffee riecht sondern maximal nussig.

Würde man versuchen aus grünen Kaffeebohnen tatsächlich ein Absolue herzustellen, wäre das typische Kaffeearoma, das überhaupt erst durch Röstung + heißem Wasser entsteht, nicht gegeben. Neroli ist für mich ein Streichresultat, ebenso wie der Ingwer. Man kann sich das kurze Kitzeln nach dem Auftragen zwar als Ingwer imaginieren, ich habe hier einfach den Alkohol im Verdacht. Jedenfalls nichts das länger hervor sticht, um sich damit eingehend zu beschäftigen.

Im Grunde lebt auch dieser Duft vom beispielhaften Verlauf. Das macht für mich Düfte überhaupt erst aus der Masse hervorstechend, es stimmt die Dosierung aller Duftstoffe, ich habe nie den Eindruck mich mit einem künstlichem Karamell-Macciato angeschüttet zu haben und verneige mich vor dem ineinander fließen
von Petigrain und der richtigen Dosis Kaffee-Absolue [?] das im weiteren Verlauf durch subtile Betonung von Würze noch an Dichte gewinnt, ohne typisch klebrige Gourmand-Themen überhaupt zu strapazieren.

Auf Kardamom hätte ich hier selbst nicht getippt, mir fällt aber auch keine Alternative dazu ein. Die meisten Düfte mit deutlicherer Kardamom-Betonung die ich kenne, haben eine charakteristische Holzspäne-Aura, die mir hier gänzlich fehlt. Könnte natürlich auch als Staffel-Übernehmer dienen, einen Hauch frischer Einsprengsel von der Front in die Basis zu retten um die Idee des grünen Kaffees aufrecht zu erhalten.

Dem Flakondesign würde ich hinsichtlich praktischer Tauglichkeit eine 12/10 bescheinigen. Der Sprühkopf ist abschraubbar und dabei das Gewinde versenkt. Somit erscheint der Flakon wie aus einem Guss und dennoch ist sein Inhalt sehr leicht dekantierbar, sofern gewünscht. Mit seiner Metallumrahmung halt leider auch
ein Fingerabdruckmagnet.

Hot Cologne hat hier wenig Airplay. Ich habe in letzter Zeit mehrere kleine Abfüllungen davon verschenkt und der Duft kam immer gut an, ohne ein Feedback überhaupt einzufordern. Für mich auch ein Plus, dass man ihn das ganze Jahr über tragen kann und der Duft einen Arbeitstag auch im Sommer übersteht, selbst wenn er aus
dem eigenen Wahrnehmungsradar längst entschwunden ist.

Er hat etwas mehr Projektion als der hier mehr geschätzte "Over the Musk", dennoch kein Sillage-Monster. Beide stellen für mich trotz ihrer Schlichtheit den Gipfel dieser Serie dar. Hot Cologne ist als unisex gelistet und dort sehe ich ihn auch gut aufgehoben. Wer rein anhand des Auftakts urteilt, könnte versucht sein, diesen Mugler intuitiv in die Herrenabteilung zu schieben.

Fazit: Ein sehr kreativer Duft, dem, aufgrund seiner ausgesprochen guten Tragbarkeit, nicht die Gelegenheiten hinsichtlich Einsatz fehlen. Mit offensichtlich nicht ganz dem Prestige, das man sich in dieser Preisklasse wohl allzu gerne erwartet.

Ob Hot Cologne in unseren Breiten, die beste Vermarktungsstrategie, für diesen Duft ist und nicht ein allzu schnelles Vorurteil abringt, will ich nicht beurteilen müssen. Schon einmal hat Mugler einen Duft aufgrund der Umstände des Werbeträgers (Pistorius) umbenannt. Einen Teil des abgegebenen Namens für diesen Duft zu nehmen und somit "Hot Shot" zu taufen, wäre von einer Ironie, die zumindest mir sehr sympathisch erschiene.


28.09.2018 00:43 Uhr
27 Auszeichnungen
Als Kind besuchte ich gerne meinen Vater im Büro. Damit ich seinen Mitarbeitern nicht zu sehr auf den Sack ging, durfte ich das Zimmer meines Großvaters in Beschlag nehmen.

Er lebte nicht mehr und dennoch war alles so unaufgeräumt, als wenn er es gerade verlassen hätte. Dieses Gen trag ich auch in mir. 3 Dinge in diesem Zimmer werden mir immer in Erinnerung bleiben:

Eine Flasche Alkohol mit einem Apfel darauf, die, bevor ich sie entdeckte, noch ungeöffnet war. Damals wusste ich nicht was Calvados ist, aber ich wusste, warum der Füllstand mit jedem meiner Besuche weniger wurde. Ein Fall von Spontan-Verdunstung. In den Schreibtischladen (die Wahrung seiner Persönlichkeitsrechte hatte er in meinem Augen wohl verwirkt) ein verrosteter Trommelrevolver von Grabungsarbeiten, wahrscheinlich aus einem der Weltkriege.

Sowie eine schwarze lederbezogene Box, die einen benutzten Elektrorasierer beherbergte. Dieser verströmte schon beim Öffnen der Box einen nicht einfach zu beschreibenden Duft, der im Bereich des Schutzgitters der rotierenden Klingen sein Duftmaximum fand.

Wie beschreibt man überhaupt einen Duft, für den eine Note verantwortlich zeichnen soll, von der nur wenige eine konkrete Vorstellung haben? Am besten gar nicht. Aber einen Versuch ist es wert.

Als ich die Abfüllung in Empfang nahm, roch ich lediglich an der Düse. Und jeweils mit einigen Tagen Abstand wiederholte ich diesen Vorgang immer wieder. Ich wusste von Beginn an, diesen Dufteindruck habe ich schon mal gerochen, wusste nur nicht wo und wann.

In diesem Fall musste ich sehr weit zurückgehen. Da war ich nun am Schreibtisch meines Großvaters. Die Box mit dem Elektrorasierer, von dem ich immer wieder die metallene Klingenschutzfolie abnahm und feststellen musste, dass der Rasierer sich wohl nicht von selbst reinigte. Und mein Großvater war wohl auch zu beschäftigt, um dieser Tätigkeit zu Lebzeiten nachzugehen.

Was ich damals, wie auch beim Testen dieses Duftes in der Nase hatte, war ein Akkord aus Nähmaschinenöl, das einen charakteristischen Duft entwickelt, wenn es durch Reibung erwärmt wird, abgerundet mit dem Hauch eines strengen Moschus-Rasierwassers, mit dezent mitschwingender Süße. Auf der Haut ebenfalls höchst linear.

Wer "Eaglewood" "blind" testet, wird nie auf die Idee kommen, hier von holzigen Noten zu sprechen, somit lässt sich der Eindruck über Holz eher schwer kommunizieren. Hätte Christi Meshell diesen Duft aus einem bestimmten Oud-Destillat erstellt, wäre Sie als Parfumeurin zur Abfüllerin degradiert. Es muss also nicht verwundern, dass es sich hier laut Parfumeurin, um eine Komposition mehrerer Oud-Destillate, aber dennoch ohne Pyramide, handelt.

Echtes Oud ist hier, einmal mehr, eine interessante Erfahrung, dennoch bleibt dieses für mich ein Problemstoff in der Parfumerie. Oud Chips zu verbrennen ist ein spannendes Ritual mit langer Tradition, in der Parfumerie für mich eher ein Hype, um höhere Preise zu rechtfertigen und das fast ausschließlich mit Substituten, für in Wirklichkeit kleines Geld aus dem Labor.

Die Haltbarkeit beträgt etwa 8 Stunden, den Projektionstest lass ich diesmal aus. Frau weigerte sich hier, sich hier für die Duftwissenschaft zur Verfügung zu stellen. Pantys regnet es nicht, evt. aber kantige Aschenbecher und Schwiegermutter-Vasen.

Animalische Noten haben manchmal neben ihren abstoßenden Eigenschaften auch etwas anziehendes. Das sehe ich hier erfüllt. Reicht aber nicht, um diesen Duft selbst tragen zu wollen. Dafür empfiehlt sich jedenfalls ein soziales Umfeld, welches das mit den anziehenden Eigenschaften ebenfalls sieht. Und es liegen Welten zwischen einen Duft mal gerne unter der Nase zu haben und ihn regelmäßig tragen zu wollen. Der Preis liegt übrigens bei 660$/50ml.

Dankbar bin ich der Parfumeurin, für den Ritt in die Vergangenheit und das in mir beim Testen aufkommende Bewusstsein, meinen Vater nie danach gefragt zu haben, warum er Großvaters Büro nach dessen Tod unverändert ließ.

Mein Dank auch an @Fluxit für das zur Verfügung stellen einer Duftprobe.


29.06.2018 20:55 Uhr
18 Auszeichnungen
Ich sag's gleich, ich hab beim Testen dieses Duftes kein weißes Slim-Shirt getragen. Hätte ohne die geschulterte Palette Coca-Cola auch nicht die Wirkung, welche die Werbung einst versprach. Ersparte mir auch mitleidiges Grinsen.

Es gibt Düfte, die sich nach einer Ein- bzw. Überleitung sehnen. (Hierfür nehme ich mir gerne die Zeit, weil diese hier wird etwas länger als sonst. Und den in der Überschrift zitierten Song von einstigen Vertretern der Hamburger Schule mit Namen "...but Alive", habe ich schon lange im Lauf, um ihn an passender Stelle mit Textauszug abzufeuern:

"...Nur wegen ihm bin ich hier,
wegen diesem letzten Moment,
kurz bevor es bitter wird.
Sekunden voller Licht,
der Rest interessiert nicht.
Zwischen Geduld und Bereuen,
Wenn du vergißt was du weißt,
atmen und sich freuen.
Hallo Bomben und Applaus,

Und das ist nicht gerade das, was man bürgerliches Leben nennt,
beziehungsweise das, was man vom "drüber reden" kennt.
Man sieht nur Dinge, die man so nicht kannte,
und dann macht man sich bereit für den Sprung von der Teppichkante.
Kein letzter Wille, kein mildes Erbarmen,
der Zustand in dir gibt alles einen Namen.
Und das Ganze in weniger als 5 Sekunden.
Einmal kurz da und verschwunden.
Und das bin auch nur ich und der Spacken in mir.
Und zusammen fragen wir uns: was machen wir hier?
Und für die paar Menschen, die einen wirklich kennen:
muß ich alles beim Namen nennen?
Ich lasse das Erklären in Strophen lieber sein
und packe den Hobbyphilosophen wieder ein.
Wir werden keine Brüder, weder hier noch am Meer.
Ich hab genug gesehen bisher."

Wer Lust hat, kann sich den Song hier anhören:
https://www.youtube.com/watch?v=gL2RWLm3ruI

Es kommt nicht oft vor, dass ich selbst Vertreter dieser Duftgattung kommentiere. Aber ich lese gerne die Eindrücke der anderen, wenn mir Zeit bleibt. Es bleibt nicht im Verborgenen, dass Prädikate wie "Duschgelfrische" sehr gerne und damit zuweilen in manchem Fall auch inflationär bemüht werden. Das hat zumindest dazu beigetragen, dass Duschgels mittlerweile nicht mehr nach Duschgel riechen möchten, weil mittlerweile eine negative Konnotation im Raum steht.

Hab gerade nachgesehen, meine Duschgels wollen im Moment nach "blauem Eukalyptus & Zypresse", nach "Zitrongengras & Guarana" sowie "Blutorange & Schwarzer Pfeffer" riechen.

Und wenn man sich das Angebot anderer Hersteller solcher Erzeugnisse ansieht, wird auch dort das Angebot an Dufteindrücken immer breiter und damit der verlockende Versuch des Einwort-Urteils "Duschgelfrische" zunehmend unpräzise. Was impliziert, dass 5 Sekunden einfach nicht zur Einschätzung reichen, bei keinem Duft!

Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich kenne die Klippen von News South Wales nicht und habe auch an dessen Felsenmoos noch nie meine Nase gerieben. Die Erwartungshaltung die der Name hier suggeriert, könnte bei Nasen, die dahingehend bereits eine Erwartung haben, in Enttäuschung umschlagen. Typisch moosig ist hier bei der gegenständlichen Duftkreation nämlich nichts. Darauf zu sprechen, warum das kein Fehler ist, komme ich später noch.

"Pacific Rock Moss" ist für mich kein neues Duftkonzept. Es handelt sich hier um einen aus dem Gedächtnis (Material zwecks Direktvergleich hab ich keines mehr) in der erstes Halbzeit überdeutlichen Nachbau von Korres "Blue Sage | Lime | Fir Wood", der wiederum in Anlehnung an "Potion Blue Cadet" (war mein erster Kommentar hier auf Parfumo) entstand. Pacific Rock Moss" geht aber im Auftakt trotz einer Zitrone aus dem "Bleu de Chanel" - EdP - Hain etwas verhaltener mit Chemie um. Die DNA von Korres lässt sich dennoch schwer verleugnen, wenn man sie rein an den Eindrücken auf der Haut festmacht.

In der Projektion biegt der Duft jedoch ab, es schießt jedoch anstelle des Tannenbalsam Absolues der Vorlage ein Anflug von Hyazinthe ein, die auch "M;0°C" von Masakï Matsushïma" floral in angenehmer Weise beflügelt. Diese Nuance geht auf der Haut leicht unter, weil die klebrige Zitrone lange die Oberhand behält. Die Bewegung die dieser Duft durchmacht ist insgesamt verhalten, der Duft gewinnt jedoch mit Fortdauer für mich an Attraktivität, weil das chemische dann doch weitestgehend verpufft und das Ergebnis eine Anschmiegsamkeit bekommt, dass man auch als Frau einen solchen Duft gut tragen kann.

Für mich hat der Duft keinen klassischen Verlauf, nur eine Phase mit und eine ohne (lästige) Zitrone, letztere lässt einen sanft aromatischen Grün-Ton durchscheinen, den ich weder Moos noch Salbei zuordnen würde. Dennoch gelungen!

Durch die Positionierung im Unisex-Lager wird auch klar, warum mögliche (Irish-)Moos Assoziationen im Vorfeld die Erwartungshaltung zügeln sollten. Um beim Thema Positionierung zu bleiben. Ich finde es gut, wenn solche Duftkonzepte auch die Nische erreichen.

Der Vergleich der Wertungen zu den anderen erwähnten Düften zeigt überdeutlich, wie stark sich die Präsentation im Wertungs-Empfinden niederschlägt. Ein Erfolg (das was vom Hype überbleibt) kommuniziert Mitbewerbern in diesem Segment, dass der Drops rund um aquatisch anmutende Frische-Düfte noch lange nicht gelutscht ist.

So kann auf Basis des Bestehenden, wieder etwas Neues entstehen und dem stehe ich grundsätzlich offen gegenüber.

Möchte man mich jedoch in dieser Duftklasse erreichen und einen Kaufimpuls auslösen, braucht es weniger den klingenden Namen, dafür eine schwebende, nicht klebende, lässig aromatische Duftaura an Projektion, die bislang der Papierform nach lediglich mittels Veilchen-Aldehyden bzw. Tannenbalsam im Zentrum funktioniert haben und mit subtiler Würze angereichert werden. Sowie eine angemessene Präsentation. Mir ist hier bei "Pacific Rock Moss" die Projektion etwas zu dicht und die Zitrone überrepräsentiert. Korres hat aufgrund des Synthetik-Vibes im Auftakt bei mir versagt, die Präsentation hatte den Charme von Hühneraugen-Tinktur. Von "Blue Cadet" schaffe ich mir heute noch alle heilige Zeiten ein Fläschchen an, ärgere mich aber immer noch über die Präsentation (= Fleckenentferner).

Liegt aufgrund seiner Ausgestaltung der Projektion einen halben Punkt besser in der Duftwertung. Dennoch gefällt mir "Pacific Rock Moss" etwas besser als seine direkte Vorlage von Korres.

Eine Problemstellung die wohl alle Düfte dieser Gattung gemein haben, ist der Auftakt. Entweder zu generisch zu synthetisch oder zu unausgewogen in der ersten halben Stunde. Und in einer Zeit, in der alles unter 5 Sekunden zu passieren hat, sind auch die Parfumeure gefordert Konzepte für den Auftakt zu entwickeln, wenn sie nicht möchten, dass Ihre Schöpfungen mitunter verheizt werden.

Vielleicht ist es hierzu hilfreich sich nicht schon hinsichtlich der Vorgaben/Ziele künstlich einzuengen und Frische nicht länger über Meeresbrandung und dergleichen zu definieren. Durch den Plastikmüll und ungefilterte Abwässer, geht die Rechnung sowieso früher oder später nicht mehr auf!

PS: Wünsche allen Parfumos/as einen schönen Sommer und ein abschließender gesonderter Dank an @Flanker, der mir mit seiner großzügigen Duftspende genügend Material zur Beleuchtung dieses Duftes überließ.

PS1: Es wäre schön, wenn die Hersteller endlich den Unsinn mit den Landkarten-Zutaten-Pyramiden ließen.


12.05.2018 16:35 Uhr
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Hallo, ich bin der Ernst aus Fucking (Kleiner Ortsteil der Katastralgemeinde Hofstatt in Oberösterreich). Ich bin noch recht neu hier und würde mich gerne ganz kurz vorstellen.

Der Name "Fucking" hat uns Ortsansässigen gerade erst Berühmtheit in aller Welt beschert. Ich durfte in der Zeitung lesen, dass ich als Bewohner Fuckings ein Premium-Angebot gratis bekomme.

Genauso wie die Einwohner der Orte "Rectum" (NL) und "Cummings" (USA). Wir sind schon erlesene Glückspilze! Wenn mir bitte rasch noch jemand diesen Google erklären könnte. Ich würde gerne nachschlagen, was mich mit "Pornhub-Premium" erwartet und ob sich das für mich lohnt?

Ihr müsst nämlich wissen, im Grunde hab ich es mit Menschen nicht so. Bin eher so der Misanthrop im Sternzeichen und mit Menschen zu interagieren, ist mit anstrengend noch nicht hinreichend beschrieben, wenn ich ihnen dabei auch noch ins Gesicht sehen muss. Deswegen will ich auch kein Facebook. Da hab ich mich schon schlau gemacht. Der Nachbarbub warnte mich bereits. Furchtbar diese Bilder von Fratzen, wie Trophäen, mehr lebendig als tot!

Nasen, das geht gerade noch, aber bloß kein ganzes Gesicht. Ihr könnte die Welt wahrscheinlich auch nicht riechen und deshalb tummelt ihr euch hier unter euresgleichen und klagt euch euer Leid? Richtig? Wunderbar!

Aber wenn ich euch Riechorgane quasi schon an der Hand habe, könnt ihr mir vielleicht verraten, wie ich meinen Unterschriften-Duft finde? Ich brauche etwas, um mir den Postler vom Hals zu halten. Der will immer reden vom Stress mit seiner Alten. Furchtbar!

Mit Wachkötern zwecks Abschreckung hab ich es auch nicht so. Die fressen und kacken was das Zeug hält und das ständige Gebell. Man muss auch sanft Ernsthaftigkeit versprühen können, ich sag's euch. Man hat's nicht leicht in dieser Welt.

Ich denke da eher an so was zum Sprühen für den eigenen Pelz. Die Bäuerin, die mir wöchentlich die frischen Eier bringt, wird sich dann zwei mal überlegen, ob sie mir den Klatsch vom Nachbardorf als Odyssee erzählt. Was herbes, quasi einen Unkrautvernichter für das lebende Objekt, wäre fein.

Der Duft soll meine Verbitterung zum Ausdruck bringen, bzw. unterstreichen und ein gewisses eigenes Leid in meiner Wermut-Leder-Duftblase gefangen würde ich ihn Kauf nehmen. Wichtig ist, dass mir meine Umgebung auf Respekt-Abstand bleibt. Eine olfaktorische Zuchtpeitsche, wenn es so etwas in Duftform tatsächlich gibt, würde ich suchen.

Falls der Duft mit der Zeit an Lieblichkeit zunehmen sollte, sprühe ich einfach nach und der Ernst beginnt von vorne. Ich kenn' da nichts. In der Apotheke hab ich schon nach so einem Wundermittel gefragt, weil es hieß doch immer: "Da gibt's doch was von Ratiopharm."

Auf jeden Fall konnte man dort mein Problem nicht lösen. Eine edle Behausung für meinen Leibwächter-Duft ist sicher kein Hindernis. Meine Frau, die Trude, trinkt gerne einen und würde auch so manches Putzmittel runterschütten, wenn der Verschluss keine Kindersicherung hätte. Aber wenn etwas von außen edel aussieht, geht sie respektvoll mit dem Inhalt um. Sie würde wohl den Stoff eher für schlechte Zeiten oder zum Aufbrezeln fürs nächste Begräbnis im Dorf verstecken - es laufen eh schon die Wetten - und vorher das Behältnis noch auf Hochglanz polieren.

Ob mein Unterschriften-Duft zwingend natürlichen Ursprungs sein muss? Ach, hört mir auf an das Märchen von der Natur glaubt ihr doch selbst nicht mehr. Wie jetzt, ihr sagt, es gäbe da einen Duft der meinen Ansprüchen entspräche mit Bittermandel und Scharlei?

Leute, ich will doch niemanden töten, aber Versuch mach kluch. Und wie heißt bitte das Zaubermittel zum Mitschreiben?

"F u c k i n g F a b u l o u s"

Ja schon gut Fucking ist eine Reise wert, ich wohn' ja schließlich dort, aber wie heißt der Duft? Oder soll das gar heißen, wir sind mittlerweile so berühmt dass wir auch dieses Premium-Angebot geschenkt bekommen? Das wäre natürlich "sakrisch-klass", wie wir stolzen Fuckinger gerne zu sagen pflegen.


09.05.2018 21:46 Uhr
26 Auszeichnungen
In diesem Beitrag geht es aber nicht um die aussterbende Gattung der Berg-Gorillas sondern viel mehr um die Ausrottung erschwinglicher und gleichzeitig gelungener Designerdüfte in einer von Rendite bedrohten Duftwelt.

Honig-Akkorde in Düften verstellen mir gerne die Sicht auf die Dinge welchen ich auf den Grund gehen möchte, was einer Vernebelung gleichkommt. Prominente Beispiele wären zB. Vermeil PH oder seine Vorlage, L'Envol, in Chergui nicht ganz so dramatisch, aber ich gewinne oft den Eindruck, die Dufmoleküle wären quasi mittels Hochdruckpasteurisation zusammengeschoben, bis zur Unkenntlichkeit entstellt und hängen wie ein trüber klebriger Schleier über dem Duftverlauf.

Meine Französisch-Kenntnisse entsprechen exakt meiner Expertise hinsichtlich der finnischen Sprache. "Honig aus Arabien" hätte mir eine Warnung sein können, die Zeit den Namen zu übersetzen oder die Noten zu lesen, hab ich mir bei der Bestellung nicht genommen. Es mussten einer ALzD Bestellung noch schnell Parfum-Probenwünsche nachgereicht werden und da fielen mir die Chopard Newcomer ein, von welchen ich mir einen blind ausgewählt habe.

Ein kurz eingeschobenes Lob für das Team rund um AlzD, die meine Wünsche prompt eingearbeitet und noch am selben Tag versandt haben. Der Service kann sich wirklich sehen lassen und nein, der Beitrag ist nicht gesponsert.

Von mir aus hätte der Duft auch "Lawrence d'Arabie" heißen und ohne den Bienensabber abgefüllt werden können. Aber Herrn Morillas gelingt das schier Unmögliche, dass mich ein Cameo-Honigauftakt tatsächlich nicht stört. Auf dem Teststreifen geht er fast völlig unter und der würzig-aromatische Grünton ist fast noch präsenter als im Verlauf auf der Haut.

Ausnahmsweise eine Empfehlung diesen Duft jedenfalls auch auf dem Streifen zu testen. Selbiges hinsichtlich Präsenz gilt für den Hauch von Iris, den ich am ehesten als eine Nuance einer staubigen Grundierung ebenfalls nur am Papier wahrnehme. Iris-Liebhaber haben jedenfalls noch keinen Grund bei diesem Duft in Ekstase zu fallen.

Aber alles der Reihe nach. Den Corpus bildet eine fast bis zur Unkenntlichkeit vermummte Rose, die höchst behutsam mit Weihrauch beregnet und sanft mit Harztönen trockengetupft wurde. Damit das Konzept nicht banal wirkt, kommen grüne, feinwürzige, sehr präsente ätherische Noten hinzu, die wesentlich zur Luftigkeit im Gesamtbild der Aromatik beitragen und diese zugedeckte Rose so mühelos aus dem Lager der Oppulenz ziehen. Das alles wird fast im gesamten Verlauf fein fruchtig-säuerlich kontrastriert. Nach dem Lesen in welche Richtung ich dabei denken soll, erscheint eine Granatapfelnachstellung durchaus plausibel.

Das Ergebnis ist dezent fruchtig,sauer-würzig-unschwülstig blumig, kurzum hoch aromatisch und das Wichtigste, nicht synthetisch anstrengend, was vielen Düften der Neuzeit auf die Stirn geschrieben ist, spätestens nach mehreren Stunden des Tragens. Es entsteht auf der Haut und in der Projektion eine wunderbare Verbindung, die am Grat des unisex-Pfades in perfekter Balance entlang tänzelt. Ich verwende Attribute wie "sexy" so gut wie nie, aber dieser Duft löst den Wunsch, ein solches Vokabel in den Text einzupflegen, durchaus aus. Es kommt auch nicht oft vor, dass ein Duft für mein Empfinden am Streifen aromatisch "leuchtet".

Es geht mir nie darum Hype-Trains (unentgeltlich) zu starten, aber ich teile gerne meine Freude an diesem Duft. Es dauerte ja bloß 24 Jahre bis Chopard wieder einen Duft rührt der mich so berührt, wie einst "Heaven" oder "Bogner Man" 1990, obwohl sie nichts gemeinsam haben, außer vielleicht eine vergleichbar ausgeklügelte Aura, die hier an Frau und Mann gleichermaßen funktioniert.

Vor meiner Tastatur liegt noch der Streifen der pulsartig sein Aroma versprüht und mir die Sinne raubt. Es ist trotz der sinnlichen olfaktorischen Attacke auf mein Vernunftzentrum sicher kein heiliger Gral unter den Düften.
Es wird nie einen Duft geben, egal ob Nische oder Designer, bei welchem sich die Duft-Community je einig wird. Ich halte das für einen sehr wesentlichen Aspekt den man bei seiner eigenen Duftreise nie aus den Augen verlieren sollte. Dafür gehen die individuellen Geschmäcker und natürlich auch die Möglichkeiten finanzieller Natur einfach zu deutlich auseinander.

Es ist für mich lediglich ein spannender Designerduft mit vergleichbarem Potential einiger 90er Düfte, den das Marketing in die Exklusiv-Linie geschoben hat und man dafür 275€/100ml sehen möchte. Der Duft selbst kann jedenfalls nichts dafür. Deshalb suche ich auch nicht krampfhaft nach Gründen den selbst gewonnenen Dufteindruck abzumildern.

Ich wage es jedoch hiermit öffentlich anzuzweifeln, dass man mit der Verdreifachung des Preises zur Unterstreichung der Exklusivität mit diesem Duft mehr Umsatz machte, als wenn er in der 90-100€ Klasse bei jeder Kette feilgeboten würde. Auch auf die Gefahr hin, dass man ihn womöglich auch an jeder Ecke röche. Was mir die Lust am Tragen eines Parfums eher nimmt.

Der Duft hat alles, was Parfum für mich braucht. Der Charakter der Projektion ist stimmig, er schmiegt sich wunderbar an die Haut an. Er ist vielseitig hinsichtlich Einsatzmöglichkeiten und nicht auf eine Jahreszeit beschränkt, nicht zu laut, nicht zu leise und trifft meinen Nerv perfekt. Ich habe mich in den nahezu 5 Jahren hier auf Parfumo immer gewunden eine 10 zu vergeben.

Mir fehlen hier eindeutig die Gründe es diesmal nicht zu tun. Die 10 bekommt der Duft jedenfalls nicht wegen seiner Präsentation sondern trotz seiner Aufmachung.

Eines möchte ich noch loswerden:
Das überschaubare Stelldichein von Honig im Auftakt bzw. als poetischer Namensgeber macht diesen Duft nicht einmal zum Halb-Gourmand, wer Schmutznoten zur Unterstreichung der sexyness braucht, ist hier ebenfalls am falschen Dampfer. An anderen Stellen des Internets wird noch eine Teenote gelistet. Diese suche ich zum Glück vergeblich.

Falls mir das Chopard-Marketing diesen Duft gerne schenken wollte, er würde von seinem Empfänger wohlwollend angenommen.


09.05.2018 00:34 Uhr
16 Auszeichnungen
Heute war für mich so etwas wie Duftweihnachten. Es wurden zwei Düfte sehnsüchtig erwartet und eine Hand voll selbst ausgewählte Abfüllungen, darunter auch "Music for a While". Ich stand schon fast Spalier, als sich der Paketpostbote mit dem für ihn typischen stürmischen Klingel-Rhythmus angekündigte.

Das hört sich an, als wollte er mit dem Klingelknopf die Tür eintreten. Ich empfand das Geläute wie Bescherung zu Weihnachten. "Music for a While" ist seit seiner Ankündigung hier auf meinem Merklisten-Radar. Die überschaubare olfaktorische Notation las sich einfach testwürdig.

Letztens in einem Supermarkt des REWE Konzerns fand ich beim Gemüse Siam's Pineapple-Chips. Wenn das Zeug bei den Vitaminen steht, muss es gesund sein, dachte ich mir. Und weil die Packungen eher Schneewittchen-Portionen-Format hatten, landeten gleich 2 Packungen davon im Einkaufswagen. Für meine Gesundheit geh ich schon mal an meine Grenzen.

Der Geruch, der mich an den Duft erinnert, entsteht aber ausnahmsweise nicht beim Öffnen der Packung sondern wenn man eine Ladung dieser Chips gewissenhaft im Mund zermalmt und entfalten lässt. Was davon aufsteigt erzeugt herrliche Gegenspieler zwischen Fruchtsäure von Ananas und der Karamellisierung im eigenen Fruchtzucker.

Und dieses Spiel mit Kontrasten ist nicht nur beim Essen bzw seiner Bereitung oft sehr spannend für mich, auch bei Parfum wird es zunehmend zum Kriterium. Ich würde aber vorweg gerne noch eine Warnung aussprechen.

Diesen Duft bloß auf dem Streifen zu testen und nach einer Stunde entnervt wegzuschmeißen würde bei mir für Noten sorgen, die unterhalb des aktuellen Punkte-Durchschnitts sind. Der Lavendel hier ist sperrig heuig mit einem flach gehaltenem silbrig-metallischen Aroma-Ton. Alte-Lavendel-Kissen oder Insekten-Reppelent kommt mir in den Sinn. Hier wird nicht Duschgelfrische bemüht sondern Kampfstoffe unserer Großeltern.

Ich hab mich gleich gefragt, wozu braucht Carlos B. den Lavendel hier überhaupt? Kann man den nicht weglassen?

Bin aber froh, den Streifentest hier der Vollständigkeit halber mitgemacht zu haben. Weil mir der Duftverlauf die Antwort selbst gibt. Er ist wesentlicher Teil der Nachstellung dieser Ananas-Note. Am Papier dauert dauert der Prozess dieser Erkenntnis durchaus bis zu 2 Stunden. In der ersten halben Stunde sollte man diesen Duft auch auf der Haut atmen lassen. Die Projektion ist von Beginn an außergewöhnlich aromatisch, weil genau die perfekte Balance von aromatischen Nuancen der Ananas und ihrer typischen Säure den Raum erhellt. Die nachgestellten karamelisierten Röst-Aromen bilden einen Kontrast der verblüffender Weise auch als Parfum funktioniert.

Man muss sich ausnahmsweise weder vor der Vanille fürchten noch vor Etyhlmaltol. Der Duft hier klebt nicht schwülstig auf der Haut, der ist und bleibt auf der luftigen Seite und füllt dennoch den Raum mit 2 Sprühern aus dem 2ml Taschenzerstäuber. Eine ausgesprochen toll inszenierte Komposition aus nicht flüchtiger Ananas und einem leicht seifigem Rasierwasserunterton auf Patchouli-Corpus, der sich problemlos an die Haut anschmiegt. So kann der Duft auch problemlos von Männern getragen werden.

Es ist zuletzt schwierig geworden, mich für Duftneuheiten zu begeistern. Ich kann diese Iso-Holz, Vanille-Basis Wohlfühl-Arrangements einfach nicht mehr riechen. Insofern ist "Music for a While" für mich schon von der mutigen Konzeption ein durchaus tragbarer Lichtblick für die besondere Anlässe und von der Musik-Analogie her eher ein "Pomp & Circumstances March Nr. 1", denn dieser durch Leiden geprägte Fado-ähnliche Gesang nebst unauffälliger Klavierbegleitung mit Übungsstück-Charakter, die hier als Namensgeber herhalten musste.

Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Duft früher oder später bei mir einzieht. Selbst auf die Gefahr hin, diesen Duft nicht regelmäßig zu nutzen, hätte er in meiner überschaubaren Sammlung seine Daseinsberechtigung. Obwohl es mir dufttechnisch an nichts mehr fehlt. Wäre da nicht noch der eine, der eine in den 90ern hinterlassene Duftlücke zum Thema blumig-würzig-aromatisch ein für alle Mal zu schließen vermag. Ich sagte bereits heute war Bescherung. Aber das ist eine andere Geschichte.


05.05.2018 17:55 Uhr
18 Auszeichnungen
Kritiker haben sich oft gefragt, inwieweit Hans Zimmer für all die Soundtracks selbst sorgen kann, die seinen Namen zeichnen. Roja Dove hat im Jahr 2017 17[!] Düfte veröffentlicht. Es würde mich auch gar nicht wundern, wenn er im Jahr 2018 18 Düfte veröffentlichte. Im Hinterkopf behaltend, dass die Konzeption eines wirklich guten Duftes schon mal 3 Jahre dauern kann, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie geht sich das aus?

Entweder hat er Helferleins und gibt nur noch seinen Namen für die Ergebnisse Dritter her, die seinem Rendite-Anspruch entsprechen oder aber nicht alles was in seinem Flakons glänzt ist so hochwertig wie gerne bejubelt.

Selbstverständlich sind die Optionen keine gegenseiten Ausschluss-Gründe. Es kann also problemlos beides zutreffen. Bei 50ml für 500€ lohnt es sich, wie ich finde, schon mal genauer hinzusehen. Übrigens der Film zum Soundtrack heißt mitnichten "Aventus". So viel sei schon mal vorweg verraten.

Der Film oder besser gesagt der Duft, welchen den Duft-Alchimisten hier inspiriert hat, lautet "Essence of the Park" (Profumo). Damit das nicht zu deutlich durchscheint wurde der Carthusia-Maiglöckchen-Simulations-Akkord-Corpus mehr von der ätherisch herben, dezent oktanischen Seite beleuchtet als von der ozonischen Front, wie bei der Vorlage. Hier scheint Artemisia und Thymian der Bittermacher zu sein. Auch ein Leder-Veilchen wäre hier plausibel gewesen.

Der Unterbau lässt sich aber auch durch Nennung eines beliebigen Obstkorbes nicht verleugnen. Mir erscheint Elysium als wurde "Essence of the Park" mit einer Nuance Nasengold /L gelayert. Zwei Düfte, die sich übrigens perfekt layern lassen. Einerseits, um den Nasengold mehr auf die unisex Seite zu ziehen. Oder aber im Umkehrfall den "Essence of the Park" einen Ticken männlicher erscheinen zu lassen.

Zwei Düfte die ich grundsätzlich sehr mag. Bleibt noch das Finish dieser "Duftinsel der Seeligen" einzuordnen. Ich war sehr gespannt auf das was Herr Dove als Nachtisch serviert.

Umso verblüffter war ich, als mich ein Thema umwehte, das in der Parfumo-Welt sehr verhasst erscheint. Ich weiß nicht, wie ich es freundlich umschreiben soll. Vielleicht als Bespoke-Duft für den Sultan von Ambroxan? Das Parfum bleibt lange (über mehrere Stunden) auf der ätherisch-fruchtigen Seite. Ich würde meinen er hat ein großes, ausdauerndes Herz. Aber wenn sich der Duft zur Ruhe bettet, bleibt ein Eindruck von Sauvage übrig, wie selbiger nach 10 Stunden des Tragens riecht.

Dieser Duft wird nie zur opulenten Leder-, Amber-, etc,... Bombe, wie man angesichts der Pyramide vielleicht erwarten könnte. Der Übergang von Herznote ist schleichend und für meinen Begriff unspektakulär. Neue Welten hat Herr Dove mit diesem Duft definitiv nicht beschritten, beim Preis handelt es sich wohl um eine Pionierleistung. Insgesamt aus meiner persönlichen Sicht kein schlechter Duft, vom Finish war ich etwas enttäuscht. Ebenso von der Performance. Sowohl das Cologne Parfum als auch Parfum hier haben überraschend wenig Projektion. Die Haltbarkeit ist beim Parfum etwas besser (ca 7-8 Stunden). Das Parfum erscheint gegenüber dem hauseigenen Duftkonzentrations-Flanker wie auch beim Carthusia Essence einen Tick runder.

Luca Maffei wird sich in den Allerwertesten beißen, wenn er erfährt, wie mit Teilplagiaten, wenn ordentlich eingetütet, richtig Geld gemacht wird. Mir gefällt die Vorlage nicht nur vom Preis her deutlich besser, weil gelungenere Basis.


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