SantalwaltiSantalwaltis Parfumblog

Vor 118 Tagen
38 Auszeichnungen

Ein Tag ohne Düfte ist ein verlorener Tag

"Ein Tag ohne Düfte ist ein verlorener Tag" – dieses alte Sprichwort stammt aus Ägypten. Das klingt radikal und ist eine absolute Aussage. Doch angesichts der Tatsache, dass kein einziger Tag ohne Duft vergeht, ist es eine vollkommen natürliche und realistische Einschätzung. Und da in Wahrheit kein einziger Tag in der Geschichte verloren gehen kann, liegt in diesem Ausspruch eine Weisheit des Orients verborgen, deren Sinn ich so interpretiere: Kein Tag vergeht, ohne dass er seine duftenden Spuren hinterlässt...

Nichts ist ohne Duft. Wasser, Erde, Luft, Feuer, Bäume, Gräser, Blüten, Tiere und Menschen und alle möglichen Sachen, ob aus Holz, Stein, Metall oder aus Kunststoff – alles riecht irgendwie. Ob du drinnen bist, im Haus, im Auto, im Flieger, im Fahrstuhl oder draußen im Garten, im Wald, auf dem Balkon, auf der Straße mitten im Verkehrsgetümmel, ob auf der Erde oder in der Luft, ob im Bett oder auf der Gartenliege oder ob du unter deinem Auto liegst:

Nichts ist ohne Duft. Alles hat seinen Geruch.

Vor allem Menschen haben ihren sehr spezifischen Geruch. Natürlich riechen sie nicht immer gleich, wenn wir an ihnen schnuppern. Heute tragen sie dieses Parfum und am nächsten Tag ein anderes. Und doch, wenn ich an eine bestimmte Person denke, ob ich sie gut kenne oder nur wenig, dann rieche ich immer dasselbe. Ich rieche genau diese Person, an die ich denke. Gemeint ist der individuelle Geruch eines Menschen, der äußerlich gar nicht anwesend ist, der mir aber innerlich vertraut ist, mehr oder weniger. Der Geruch eines solchen Menschen wohnt in meinen Gedanken und in meinen Empfindungen.

Meine Haltung einem Menschen gegenüber beeinflusst mein Duftempfinden für ihn. Also geht der Duft nicht nur von dem anderen aus, sondern auch von mir. Der Duft eines Menschen basiert also auf der Beziehung zwischen zwei Personen.

Menschen, die wir mögen und lieben, haben gewiss den schönsten Geruch. Menschen, die wir ablehnen oder denen wir gern ausweichen, auch diese haben ihren ganz speziellen Geruch, doch ist er für uns nicht schön.

Jedes Getränk, jede Speise, jeder Stoff riecht nach irgendetwas und je mehr unsere Nase geübt ist, desto intensiver nehmen wir dies auch wahr. Tiere sind uns darin bekanntlich weit überlegen. Und nicht zuletzt sind Düfte eine bedeutsame Komponente in der Literatur. Die Gestalten in einem Kriminalroman oder die Hauptpersonen einer Liebesgeschichte und die Plätze, wo sie auftauchen, wo sie sich begegnen, verbergen, verlieben, verfolgen – da spielen die Aromen von Räumen, Landschaften, Häusern und Treffpunkten wie Cafés und Kneipen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Unterbreche ich meine Lektüre und nehme sie später wieder zurhand, begleitet mich stets ein ganz konkretes Duftempfinden. Und sobald ich die Witterung wieder aufgenommen habe, bin ich mitten drin in meiner Geschichte, habe wieder alles bisher Gelesene vor Augen. Denn alles hat seinen Geruch.

Magst du dir einen Augenblick Zeit nehmen um zu riechen? Immerhin ist heute Weltdufttag!

Also: Setz dich ganz bequem hin, halte inne und lege die Hände auf deinen Bauch, schließe dann deine Augen, atme gleichmäßig langsam tief ein und wieder aus bis du dich entspannt fühlst. Nun versuche zu riechen. Kannst du in dich hinein riechen, so wie du auch in dich hinein horchen kannst?

Versuche es einfach. Es ist so leicht... Riechst du schon etwas? Ist es angenehm oder unangenehm? Ist es süß, herb, kühl, glatt, hart, spröde, warm, weich, würzig, lecker? Vielleicht nimmst du gleichzeitig Verschiedenes wahr? Womöglich sind noch andere Sinne beteiligt, wenn du deine Umgebung zu erriechen versuchst.

Bitte rieche..... rieche weiter!

Riechen ist anders als Sehen, anders als Tasten, Schmecken und Hören. Und doch sind weit mehr Sinnesorgane beteiligt, wenn es um Gerüche geht. Es arbeitet in mir, wenn ich bewusst rieche. Meine Phantasie wird rege, ich stelle mir etwas vor, sehe etwas mit geschlossenen Augen. Und manchmal sehne ich mich nach etwas, sobald ich bewusst die Augen schließe. Manchmal ist es eine Person, die ich herbei rieche aus lauter Sehnsucht oder weil ich wundervolle Erinnerungen mit dieser Person verbinde, die sich unauslöschlich eingeprägt haben in meine Seele. Dann höre ich auch deren Stimme, fühle deren Ausstrahlung, erinnere den Duft dieser Person sehr genau. Selbstverständlich kann sich das auch alles genauso auf ein geliebtes Tier beziehen.

Unerfüllte Wünsche fallen mir ein... Mein Leben lang wollte ich einen kleinen Hund haben. Dieser Wunsch lebte schon in mir als ich ein Kind war. Manchmal denke ich an meinen Hund, den ich gar nicht habe.... Dann sehe ich meinen Traumhund Lenny vor mir (den Namen gab ich ihm schon vor langer Zeit) und ich rieche etwas Bestimmtes, das zutiefst mit meinem Wünschen verknüpft ist.

Riechen ist Leben, das Leben, das hinter uns liegt und das, das noch vor uns liegt. Düfte sind von nichts im Leben auszuklammern, denn sie sind allgegenwärtig und haben eine gewisse Macht über uns, können so manches helfen, zu überwinden. Ich finde es wunderbar, dass es einen Tag im Jahr gibt, der daran erinnert. Man mag es als Geschäftemacherei abtun, doch verringert das nicht den tiefen Sinn eines solchen Tages. Schließlich sind wir hauptsächlich mit Gucken und Hören beschäftigt, viel zu wenig mit Tasten und Riechen...

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Hier auf Parfumo geht es um die Welt der Düfte, sie näher kennenzulernen und miteinander zu teilen. Doch Riechen ist weit mehr als ein Parfum zu tragen, es zu lieben und es zu kennen und es zu vermitteln zu versuchen.

Trotzdem: Ich bin eine große Parfumliebhaberin, liebe die Flakons und ihren Inhalt, finde es immer und immer wieder erfüllend, einen Duft zu tragen und finde es spannend, neue Parfums zu testen und dennoch meine Lieblinge treu aufzusprühen.

Für mich gilt: Ein Tag ohne Parfum, ist zwar kein verlorener Tag, dennoch ist ein Tag ohne Parfum für mich nicht vorstellbar, wäre auf jeden Fall ein verlustreicher Tag.

25 Antworten
Vor 20 Monaten
13 Auszeichnungen

Ich weiß gar nicht, ob dies die passende Rubrik ist für das, was ich sagen oder genauer gesagt 'fragen' möchte. Ich lese immer wieder in Kommentaren und in Kurzbeschreibungen eines Duftes das Wort 'pudrig'. Dem gegenüber stehen Begriffe wie würzig, blumig, orientalisch, aquatisch...

Doch ich frage mich: wie kann ein Duft 'pudrig' riechen? Ich bin absolute Duft-Anfängerin und wüsste zu gern: was genau bedeutet PUDRIG bei Düften??? Was befindet sich genau in der Schublade, auf der 'pudrig' drauf steht?

Puder hat doch nur dann bestimmte Duftnoten, wenn sie ihm substanziell beigefügt wurden. Puder ist doch zunächst einmal ausschließlich die Bezeichnung einer Beschaffenheit - so verstehe ich diesen Begriff jedenfalls bisher. Ähnlich wie bei der speziellen Beschaffenheit von Flüssig, Fettig, Mineralisch, Cremig, Locker oder Fest....

Wie also kann etwas überhaupt pudrig duften? Für mich ist das eine völlig unverständliche, unklare Bezeichnung. Vermutlich hat es aber in der Parfumsprache eine ganz spezielle Bedeutung...

Kann man das eindeutig erläutern? Noch dazu finde ich es verwirrend, weil wir hier auf Parfumo nur von vollkommen flüssigen Düften sprechen (nicht von Cremes oder eben Puder)

Pudrig heißt für mich sachlich gesehen:

Hier ist eine von der Substanz her mehr oder weniger cremig-staubig-krümelige Masse, die eine gewisse Festigkeit hat, damit sie mit den Fingern oder einer Quaste oder einem Pinsel aufgetragen werden kann.

Ist also 'pudrig' tatsächlich eine Duftnote? Oder sagt 'pudrig' nur etwas darüber aus, wie etwas IST und wie es sich von der Haptik her in der Hand oder beim Auftragen auf der Haut ANFÜHLT?

Sorry, wenn das hier nicht der korrekte Platz ist für meine Frage ... ich fand keinen anderen.

Herzlicher Gruß

Santalwalti

34 Antworten
Vor 21 Monaten
25 Auszeichnungen

Bonjour!

Ich grüße alle Duftliebhaber/Innen und möchte mich als Neuling kurz vorstellen. Mein Lieblingsduft ist über viele Jahre MAGNETIC von Gabriela Sabatini gewesen. Mittlerweile schätze ich ganz besonders das Shalimar (EdP) und das Ombre Rose (EdP). In der Natur liebe ich würzige und fruchtig-blumige Gerüche gleichermaßen. Meine Lieblingsblumen sind Rosen, von denen ich über 35 Schönheiten in meinem Garten gesetzt habe. Ich trainiere schon eine Weile, sie nicht nur nach Aussehen der Blüte, sondern eben auch nach Duft (falls vorhanden) zu unterscheiden. Von daher ist meine Nase schon ein wenig geübt.

Ob ich je ein Parfum-Kenner werde? Ich stehe eigentlich darauf, einer Person möglichst einen charakteristischen Duft zuzuordnen, der dann für diesen Menschen zum Markenzeichen wird. Vielleicht bin ich auf parfumo dann doch eher fehl am Platze....Denn hier geht es ja um unzählige und vielfältige Duftnoten....

Apropos 'Noten': Neben Rosen und Düften fühle ich mich vor allem der Musik und der Lyrik verbunden.

Nun grüße ich Euch noch mit einem kleinen Gedicht von mir und einigen Fotos aus meinem Garten :-)

Eure Santalwalti


VOM GLÜCK DES VOGELS

Der Vogel erinnert an dein Glück

Mal sitzt er hier, mal sitzt er dort

Mal kommt er näher Stück für Stück

Und willst du ihn berühren, fliegt er fort


Er sucht sich einen neuen Platz

Will singen seine schöne Melodie

Der Klang ist kostbar wie ein Schatz

Beflügelt dich und deine Phantasie

Er hebt sich schwingend in die Lüfte

Nur die Erinnerung bleibt zurück

Verströmend wohlbekannte Düfte

Der Vogel erinnert an dein Glück

12 Antworten