SantalwaltiSantalwaltis Parfumkommentare

1 - 5 von 66
Santalwalti vor 39 Tagen 39
10
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Eine ferne Insel im Nebel...
Ich bin eine ROSE
Mich haben viele Dichter bedichtet;
Aber ich blieb immer
Im innersten Schimmer –
Ob schwarze, violette oder elfenbein-gelbe
Dieselbe –
Eine von uns beiden:

Die rote für die brennende Liebe
Und das Sich-noch-nicht-kennen,
Die weiße für das Leiden
Und das kühle Sich-trennen.
(von Peter Paul Althaus)

*

Ich habe es ja schon einmal gesagt: Nahéma ist für mich ein Ort der Ruhe und Geborgenheit, der mich still werden lässt, vergleichbar einem Aufenthalt auf einer Insel. Aus der Ferne betrachtet weckt sie Sehnsucht und Lust dorthin zu reisen. Solange ich noch auf dem Festland bin, sehe ich die Insel mit hoffnungsvollen, verklärten Augen an, verbinde mit ihr das ganz Besondere, das Großartige, das Erfüllende.
Meine Sehnsuchtsinsel heißt Nahéma, die nicht nur Sehnsucht weckt, sondern sie auch stillt.
Die Insel Nahéma – ich könnte sie auch umbenennen in Stille.

Das Erlebnis des Alleinseins, die stille Begegnung mit mir selbst, wenn ich sie denn erreichen kann, ist kostbar. Es bedarf einiger Mühe dorthin zu gelangen, mich vom Alltäglichen zu befreien, einzuüben, Gewohntes sein zu lassen und den üblichen Gedankenmühlen Einhalt zu gebieten. Wenn ich es schaffe, ist das wirklich besonders, ist großartig und erfüllend.

Reif für die Insel? Ja! Ich brauche Reife für die Insel namens Nahéma.

Nahéma ist ein Rosenduft. Ein einziger.
Es ist kein Rosenduft wie man ihn kennt oder wie man ihn sich gerne denkt und hier und da auch genauso antrifft. Nahéma ist eine gegenstandslose und in ihrem Charakter dennoch unverkennbare Rose.

Eines sag ich vorweg: Für mich ist es die absolut schönste Rose im Flakon.

Dabei hat sie nicht einmal das, was ich an Rosen so schätze:
Weder riecht sie eindeutig nach Zitrone noch nach Honig. Sie ist nicht malzig und nicht würzig. Sie hat nicht das flauschig-anschmiegsame Aroma einer Aprikose oder den frischen, süßsaftig-säuerlichen Geschmack eines Apfels.
Seltsam, aber dieses Parfum lässt sich nicht so einfach beschreiben, passt in keine der gängigen und oftmals sehr schönen Rosenschubladen. Nahéma weist die für Rosen typischen Wesensmerkmale einfach nicht auf. Auch der Charakter ist nicht eindeutig cremig oder pudrig oder grün. Allenfalls ist er holzig und sehr balsamisch.

Diese Rose hat den Duft einer fernen Insel.
Das, was für uns in der Ferne liegt und was man noch nicht erreicht hat – so sehr man es sich auch wünscht, es ist stets mit besonderen Erwartungen verbunden. Ebenso liegt auch das Rosengeheimnis von Nahéma in der Ferne, ist nicht greifbar, weckt jedoch Erwartungen, die sich wunderbarer Weise gänzlich erfüllen. Tief in mir drinnen. Das ist aber unbeschreiblich, leider....

Ich versuche das Unmögliche trotzdem:
Der Duft von Nahéma steigt (wie) aus einem Nebel auf. Jedes Mal, wenn ich das Parfum aufsprühe, empfinde ich die Inselferne, ein Stückchen Land, das mir allein gehört und das von Nebeln eingehüllt ist. Ich mache mich auf den Weg durch den Nebel, den Nahéma-Nebel..schwadig, ständig in Bewegung, hell und dicht und wird nie transparent, ist niemals durchschaubar. Es sind umhüllende und mich verbergende Nebel. Nahéma ist mystisch wie ein Balsam, der aus der harzigen Rinde eines uralten Baumes tropft, auf die Erde rinnt, sich dort sammelt und wie ein Schleier wieder empor steigt und auf zauberhafte Weise wirkt wie ein Elixier, das heilt, beruhigt, absondert und in diesem Sinne heiligt.

Und natürlich ist da doch in dem großen Ganzen auch das Süße, das Honigliche, das Malzige, Würzige, das Grüne, das Aprikosig-Apfelige und vor allem das Holzige und Balsamische anzutreffen. Aber alles bleibt unter einem geheimnisvollen, undurchdringlichen Nebel verborgen und miteinander vermischt.
Im Gegensatz zu vielen anderen empfinde ich eine sehr außergewöhnliche und doch starke Süße, eine scharfe, würzige, balsamische Süße, die etwas Narkotisches, leicht Rauchiges beinhaltet.

Nahéma ist schon auch rätselhaft für mich. Vielleicht fällt es mir so schwer, sie angemessen zu beschreiben, diese Rose, weil ich sie neben dem Eau de Parfum 'Ombre Rose' (J. Ch. Brosseau) als meine Duft-Signatur betrachte.

Übrigens liebe ich Nahéma besonders im Sommer, an heißen Tagen; ich muss gestehen, ich kann mich nicht genug damit einsprühen, nie würde es mir zuviel. Für mich auch ein Markenzeichen dieses genial kreierten Dufts aus dem Hause Guerlain. Das Nahéma-Extrait kenne und liebe ich natürlich auch sehr.


*

Wer es besser verstehen will, wie Nahéma ist und wie es wirklich riecht, dem empfehle ich den wundervollen Kommentar von unserem Schatzsucher.
32 Antworten

Santalwalti vor 53 Tagen 32
10
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Honiggelbes Troffen aus warmem Sandelrosenholz
Deine Farben schweben leise in die Ferne
Honiggelbes Troffen aus warmem Sandelrosenholz

Du – ein Magnet für viele, viele Bienenschwärme
Dein Blütenkelch ergießt sich voller Stolz

Dein Laub bewegt sich auf und nieder
Vom Tau benetzt erscheint sein Glanz

Ich schau in deine sanften Blütenaugenlider
Sogar die Zweige wachen auf zum Tanz

Des Tages Helle leuchtet mir in meine Seele
Verschwenderisch beduftet, warm und tief umhüllt

Liebkosend, cremend öffnest du noch meine Kehle
Von klarem Ton und süßem Klang ist nun die Luft erfüllt

Die Ferne, die ich meine, liegt im Orient
Dein Amberblühen bringt ihn mir so nah

Welch wunderbarer Hauch für den Moment
Ich frage mich – ist es nur Traum? Ist es wahr?

*

• Tipp: akustisch hörbar und langsam lesen...
• habe zwei Flakonfotos aktuell dazu eingestellt
28 Antworten

Santalwalti vor 64 Tagen 28
9.5
Duft
7
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Mein schönstes Gartenzimmer...
Die meisten von euch wissen bereits, dass ich in meinem Garten zuhause bin, darin nicht nur arbeite, sondern auch wohne, lebe und genieße, auch daran leide und mich grenzenlos freue. Was bedeutet es aber, wenn wir von unserem Zuhause sprechen? Ist es vornehmlich der Wohnbereich, den wir nach unserem Geschmack gestalten, in den wir uns ganz privat zurückziehen und in dem wir allein das Sagen haben? Ist 'Zuhause' nicht darüber hinaus ein Empfinden, das uns überall, eben nicht nur in unseren eigenen vier Wänden und auch in völlig unterschiedlicher Weise, begegnen kann?

Ja, natürlich! Unser Empfinden 'Hier bin ich zuhause' kann ein Platz sein oder ein Mensch, es kann eine ganze Stadt sein, ein Café oder ein Garten. Auch ein Duft kann uns private Vertrautheit vermitteln, ganz spontan und unmittelbar kann es von einer Blume oder einer Speise ausgehen. Viele von uns sehen genau das in ihrem Signaturduft: das bin ich ganz privat.

**

Dank der lieben Serafina, der ich diesen Kommentar widme, lernte ich ein Parfum kennen, das dieses Gefühl in seinem Namen suggeriert: Vie privée – Privatleben. Der Duft katapultiert mich sofort in meinen Garten, der übrigens auch Zonen kennt, die mehr öffentlich oder eben mehr privater Natur sind. Ich spreche gern von Gartenzimmern, von kleinen Nischen, wo Lieblingspflanzen stehen, wo Hecken Geborgenheit vermitteln und Privatsphäre schaffen, wo Gartenmöbel zum Verweilen einladen.

Vie privée ist ein solches Gartenzimmer, das Lieblingspflanzen und Lieblingsfrüchte und Lieblingsfarben beherbergt. Darin finden unterschiedliche Gerüche zueinander und werden zu einem einzigen Duft, der mir spontan das Gefühl gibt: Hier bist du zuhause.

Der Duft vermittelt warmgetönte Farben, die im Spiel von Sonnenlicht und Schatten changieren.... da kommen dunkle Nuancen auf und werden von Helligkeit übertrumpft.

Um einen Duft zu empfinden und zu beschreiben, schließe ich gern meine Augen. Denn dann sehe ich mehr...
Da sind die weißen Blüten der Schwertlilie, erhaben und voller Stolz öffnen sie ihre Zungen, zeigen sich in ihrem reich verzierten Kleid, dessen seidiger Stoff fließend fällt. Freesien in violettem Blau und Sonnengelb geben krautige Würze. Ihre feinfaserigen Knollen legen sich wie ein dichtes Netz an die Spitze der reichlich verzweigten Stängel und sobald sie sich eine nach der anderen öffnen, hauchen sie ihren Duft aus. Es ist ein seifenzarter, zugleich leicht pfeffriger und auch grünwürziger Duft. Die Würze kommt aber womöglich von den lanzettlich geformten Blättern.
Was aber wäre solch ein Raum ohne Rosen? Selbstverständlich stehen im Beet auch Rosen, nämlich vier 'Rosa Bernstein' dicht beieinander, die mit ihren goldenen, hellgelb-orangigen seidenglatten Blütenbättern etwas Edles und Royales schenken. Ihr Duft erinnert mich an eine Mandarine.

Gelbe Ylang Ylang-Blüten vollenden das Blumenbouquet, setzen belebende, tropisch anmutende, natürlich-süßliche Akzente. Die Sonne glitzert und durchflutet alle Blumen und Büsche ringsum. Mir kommt es vor, als träufele jemand Lavendelhonig mit einem silbernen Löffel über jede Blüte, sehr fein dosiert. Daraus entsteht fast ein Geruch von Marzipan.

Noch immer sind meine Augen geschlossen und ich erforsche weiterhin, was mich in meinem frühsommerlichen Gartenzimmer umfängt. Ich nehme etwas Kräftiges, Indolisches wahr, doch nicht störend. Ist es der Bauernjasmin mit seinen sternförmigen weißen Blüten? Alles bleibt aber in Balance; der laut redende Jasmin wird übertönt von etwas, das auf dem Tisch steht. Es ist eine Schale aus grünblauem Opalglas, darin liegen frisch aufgeschnittene Orangen, die von Saft triefen und noch in ihrer herbduftigen Haut ruhen. Der Obstteller hat wohl einige Spritzer frischen Wassers aus dem Wasserspiel abbekommen... ich fühle plötzlich angenehme Kühle.

Doch ist da noch ein anderer Geruch, den ich zunächst nicht deuten und mir aus dem Gartenzimmer heraus nicht erklären kann. Er ist fast stechend süß, hat etwas Süffisantes und gibt mir ein wärmendes Geborgenheitsgefühl. So riecht edles Moschusöl... woher es kommt, weiß ich nicht und kümmert mich nicht weiter. Von irgendwoher mag es die Gartenluft durchziehen...

Alles, was ich rieche, verbindet sich auf harmonische Weise, wird zu einem einzigen Duft, den ich als cremig, dicht, sommerlich-mediterran, dezent orientalisch und wunderbar frischblütig empfinde. Mein duftendes Gartenzimmer lässt mich träumen und so weiß ich nicht, wie viel Zeit vergangen ist, wie lange ich hier schon so sitze.
Ich öffne schließlich meine Augen... alles war geträumt, alles war gefühlt und alles war sehr schön.

Was ich sehe und was bleibt, sind vielfältige Blüten, auch die bernsteinfarbenen Beetrosen, eine Buchshecke, der alte Holztisch mit der Fruchtschale aus Opalglas darauf und ich sehe mein aus dunklem Holz gearbeitetes Futterhaus, das etwas entfernt steht und an dem Meisen, Gimpel und Stieglitz ein- und ausfliegen.

*

Natürlich durfte es nicht bei der Probe von Serafina bleiben. So kaufte ich mir einige Vintage-Miniaturen des elegant geschwungenen Flakons, der grünfarbig und opalglasartig gestaltet ist und dessen geschwungene Form des cremeweißen Deckels an eine Calla-Blüte erinnert. • Abbildungen meiner Miniaturen sind in meinem Parfum-Bilderalbum zu sehen.
Der Name des Parfums passt, denn das ist ein sehr intimes, privates Parfum, ein Wohlfühlduft, der Eleganz, Noblesse und tatsächlich das Gefühl vermittelt: 'Hier bin ich zuhause, hier in meinem schönsten Gartenzimmer'.
23 Antworten

Santalwalti vor 68 Tagen 23
10
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Das Rosenholzkästchen
Ich fand eines Tages, meine große Kletterrose, die Climbing Iceberg, benötige frische Erde. Das unverwüstliche Holz sah sehr gut aus, gefestigt, stark, alt und es war von schöner grünbrauner Farbe, beinahe ins Aschgraue gehend. So soll es sein. Doch das Laub hatte nicht mehr die gewohnte Gesundheit, das glanzvolle Strahlen war über die vielen Jahre verloren gegangen und auch das Blühen nahm von Jahr zu Jahr ab. Ich war in Sorge um meine Zierde, die mir schon viele Jahre lang – nicht zuletzt wegen ihres zarten, nach Pfirsich riechenden Dufts – großes Glück und innige Freude bereitet hatte.

So machte ich mich daran und lockerte das Erdreich. Ich stieß dabei schon bald auf etwas Hartes, Undurchdringliches, was mich nicht wirklich überrascht hat, denn der Boden hier ist voller Steine und von versteinertem Lehmboden durchzogen. Doch als ich tiefer grub, war ich über meinen Fund sehr erstaunt, denn diesmal war es kein Stein, sondern ein Kasten, genauer gesagt ein Holzkästchen.
Ich hatte keine Ahnung, was das für ein Holz war, doch weil es unter meiner schönen großen Rose vergraben war, nannte ich es 'Rosenholzkästchen'.

Beglückt über meinen Fund unterbrach ich meine Arbeit, schüttete das Erdloch wieder zu. Neugierig stellte ich das gesäuberte Kästchen auf den Terrassentisch und machte mir vor lauter Aufregung erst einmal einen Kaffee... die Spannung war so groß! Ich brauchte etwas Zeit und wollte den Moment des Öffnens hinauszögern.

Endlich dann nahm ich Platz und betrachtete die mit hübschen Schnitzereien dekorierte Rosenschatulle. Der Deckel ließ sich leicht öffnen und ich sah einen kräftigen, kurzen Holztrieb mit einer einzigen verwelkten, vollkommen getrockneten Rosenblüte. An Schönheit hatte sie trotz ihres Erstarrens gegenüber den lebendigen Rosenblüten nichts eingebüßt. Lediglich ihre Ursprungsfarbe Cremeweiß hatte sich inzwischen in dunkles Ockergelb gewandelt. Behutsam legte ich den stacheligen Zweig auf den Tisch, denn darunter lag ein Pergament aufgerollt.

Nun wurde es wirklich spannend – eine Botschaft in einem geheimen Versteck!
Ich las folgenden Text:

... setze dich zu mir, dann werde auch ich mich zu dir setzen ...
... trage mich, dann werde auch ich dich tragen ...
... verstehe mich, dann werde auch ich dich verstehen ...
... liebe mich, dann werde auch ich dich lieben ...
... behalte mich, dann werde auch ich dich halten ...

Unter diesen fünf Zeilen war deutlich erkennbar die Icebergrose gezeichnet.

Ich war sehr gerührt.
Das war so besonders und um vieles außergewöhnlicher als ich es mir jemals hätte vorstellen können.
Ich las diese Anweisungen wieder und wieder und als ich das Papier zusammengerollt in seine Schachtel zurücklegen wollte, entdeckte ich in einem Winkel noch ein Drittes, nämlich einen winzigen Glasbehälter mit Flüssigkeit darin. Sofort öffnete ich das Fläschchen und es entströmte ihm ein unwiderstehlicher Duft, der mir wohl vertraut war. Es war der Duft der Iceberg-Rosenblüten. Nur viel intensiver, viel stärker und noch viel, viel schöner...

Und es hallte in meinem Innern wider... setz dich zu mir ..., trage mich ..., verstehe mich ..., liebe mich ... und behalte mich. Und alles das, was ich tun würde, es würde mir zurückgegeben.

Sich verschenken und wieder beschenkt werden.
Was für ein tiefer und wunderbarer Gedanke...
Welch einen Schatz hatte ich hier entdeckt?
Ich wollte der Rose helfen. Doch half sie mir.
Hatte mir Mut und Trost und Freude geschenkt.

**

Der Duft in dem kleinen Glas, wenn ich ihn beschreiben wollte, so ist das schnell getan:

Ich sehe vor mir eine dichte, zugewachsene, meterhohe Hecke
Es riecht intensiv-würzig, balsamisch, wunderbar erdverbunden
In der Mitte der Hecke ist ein eisernes Tor eingelassen
Dahinter ein großes tannengrünes, geschwungenes Spalier
An ihm klettert eine Rose empor mit unzähligen cremeweißen Blüten
Weit verzweigt suchen sich die Äste ihren Weg.
Winden sich in alle Richtungen, all die vielen Verstrebungen umklammernd
Das Rosenholz ist rauh und duftet nach feinen, dunklen Harzen
Holzig eben... es riecht alt, sehr, sehr alt
Warme, weit geöffnete Blütenkelche verströmen ihr Odeur
Lieblich wie ein reifer Pfirsich
Deliziös wie ein erlesener Likör
Es ist eine Rose des Orients: süß, exotisch und geheimnisvoll
Dunkle, samtige Moose suggerieren die Farbe Grün

Grün
Dunkelgrün
Die Farbe der Hoffnung


Diese Geschichte widme ich der lieben Florblanca
21 Antworten

Santalwalti vor 90 Tagen 21
10
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
9
Flakon

Eine verpuschelte, errötende, unvergleichliche Rose...
Vorab eine kurze Erklärung: meine regelmäßigen Lesebesucher kennen diesen Kommentar bereits. Ich hatte ihn zwischenzeitlich aus persönlichen Gründen gelöscht. Aber da ich seit heute nicht mehr nur die Miniatur, sondern den großen Flacon in Händen halte, und erneut so angetan bin von diesem wunderbaren Duft, mag ich den Kommentar wieder einstellen.

*

Meine Hand öffnet das Schloss
Das verwitterte, rostige Tor springt auf
Mein Schritt ist beschwingt, federnd leicht
Immer schneller wollen mich meine Beine tragen
Sie wollen laufen, hüpfen, stieben
Einfach nur losrennen, sausend schnell sein
Plötzlich halte ich inne
Die Amsel singt ihr Lied
Gespannt lausche ich der feinen Melodie
Ein heiliger Moment so früh am Morgen
Nie zuvor hab ich diese Weise gehört
Doch geht es weiter
Ich bin noch nicht am Ziel
Nicht 'mal die Amsel kann mich aufhalten

Tiefrote Beeren berühren mein Gesicht
Tauwiesen streifen meine bloßen Füße
Meine Vorfreude erfasst mich nun ganz

Ich freue mich auf sie...

Sie
Die Schöne
Die Geliebte
Die Errötende
Die Blühende
Die Verschlüsselte
Die Verpuschelte
Die Rosige
Die Frische
Die Saftige
Die Cremige und Nelkige

Rosa Noisette

Außer Atem stehe ich da
Erblicke dich
Heute ist dein großer Tag
Du hast dein Inneres der Welt
Und jedem der an dir vorübergeht
Preisgegeben

꒱ ࿐ Wie ein dicht gefüllter Becher
࿐*ೃ Aus dem ich trinken mag
° ♡˚ So ist deine geöffnete Blüte

Du erinnerst an den Duft von Nelken
Im tiefsten Kern bist du cremegelbrosa
Von dort fließt dein Wesen wie seidiger Stoff
In tiefen Falten sich verdichtend
Sich zärtlich ineinander schmiegend
So als wäre da ein Geheimnis verborgen
Fließt in Wellen, tritt über seine Ufer
Ergießt sich in Samtwogen
Benetzend das herrliche kraftvolle Laub

Blush Noisette

Deine zartrosa Blüten
Die nach außen weiss aufhellen
Und in ihrer Mitte ein Herz aus gelber Creme verwahren

Du hütest dein Geheimnis gut
Doch bist du nicht allein
Viele dunkle Knospen in Magentatönen umgeben dich
Noch verschlossen
Sich zierend
Und als sei es von ferne, vom Himmel arrangiert
Umgibt dich eine belebende, anmutige, wärmende Aura
Lindgrünes, pudrig-frisches Gras
Mit Moschusölen beträufelt
Dich einrahmend

Ich lege mich zu deinen Füßen
Deinen Wurzeln will ich nahe sein
Sie mir vorstellen, sie spüren
Auf diese Weise eine Ahnung bekommen
Vom Ursprung der Welt

Schöner kann ein Tag nicht sein

Rosa Noisette
Rosa Blume

Hier will ich bleiben
Mit dir Stunde um Stunde zubringen
Leben atmen und atmend leben

*
Danke, liebe Lavendel18, für das Kennenlernen ❤️
Und 'Danke', meine liebe neue Rosenfreundin, für den kostbaren Flacon ❤️
**
'Blush Noisette' ist eine Alte Rose, die bereits um 1817 von den Brüdern Philippe und Louis Noisette (USA) entdeckt, weiter entwickelt und unter ihrem Namen auf den Markt gebracht wurde. Eine Abbildung ist in meinem Album zu sehen.
19 Antworten

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