SchahramSchahrams Parfumkommentare

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29.03.2019 08:30 Uhr
5 Auszeichnungen
Obwohl ich es eigentlich wissen müsste, bin ich mal wieder dem Trugschluss erlegen, dass sich EdT und EdP lediglich in der Konzentration unterscheiden. So bestellte ich das EdP, da mir ein Herstellerpröbchen EdT "Azzaro pour Elle" gefallen hatten, mir aber Sillage und Haltbarkeit nicht genügten und erhielt einen völlig anderen Duft. Das EdT ist in der Kopfnote frisch und leicht aquatisch und dreht dann ins Blumige. Relativ früh macht sich die Moschusbasis bemerkbar, deren leichte Kratzigkeit sich Gott sei Dank sehr schnell verliert. Ein eher hautnaher Duft, Haltbarkeit bei mir ca. 3 Stunden. Der Gesamteindruck ist frisch, unspektakulär, ein Alltagsduft für eher junge Frauen mit deutlicher Duftentwicklung.
Groß mein Erstaunen nach dem Aufsprühen des EdP. Es startet mit einer weichen Pudrigkeit, die mich an "Flower by Kenzo" erinnert. sie bleibt über den gesamten Duftverlauf erhalten und charakterisiert den Duft. Die in der Pyramide angegebenen Zitrusfrüchte nehme ich nicht wahr. In der Herznote kommen blumige und dezent würzige Noten hinzu, in der Basis ähnelt das EdP dem EdT. Ganz sicher Moschus, der in der Pyramide nicht erwähnt ist, Weihrauch nur ganz dezent, dazu eine leise Fruchtigkeit. Die Sillage über 5 bis 6 Stunden kräftig, weitere 3 Stunden hautnah noch gut wahrnehmbar. Insgesamt ein sehr weiblich weicher, eher linearer, aber deutlich präsenter Duft, den man schon opulent nennen kann. Ich würde ihn eher an einer etwas älteren, sehr weiblichen Trägerin sehen . Eigentlich passt er viel besser als das EdT zu mir, deshalb werde ich ihn erstmal behalten und abwarten, ob ich mich doch noch mit ihm anfreunde, zumal der Flakon eine echte Augenweide ist. Gesucht hatte ich aber etwas anderes.


20.03.2018 17:03 Uhr
36 Auszeichnungen
Eigentlich frage ich immer. Nur diesmal nicht.
Doch der Reihe nach. Vor zwei Wochen schwirrte mir eine feine Probe von Grand Soir ins Haus ( danke, liebe Guufy ) und traf mich mitten ins Harz, äh ins Herz. Ich hatte ein fast spirituelles Erlebnis, war umarmt, geborgen, gewärmt und ganz bei mir, ruhig, eins mit der Welt. Vor meinem inneren Auge hatte ich das Bild eines stürmisch-verregneten Novembertags, an dem man durchgefroren nach Hause kommt und sich mit einem heißen Kakao und der dicksten Decke, die sich finden läßt auf die Couch zum kuscheln verzieht. Der mir bislang für solche Abende fehlende Duft war mir ganz unverhofft ins Haus geschneit. Der Frühling steht zwar vor der Tür, aber was solls ? Ihr kennt das ja, wenn es ein Duft unbedingt sein MUSS, biegt man sich die Realität etwas zurecht - so à la Pippi Langstrumpf. Und man sucht sich einen Grund, aus dem man jetzt dringend gut 100 Euro ausgeben muss. Mein Grund war Nouruz. Das wäre doch ein toller Anlass, so eine Duftmajestät einzuweihen.
Nouruz ist das heute - an Frühlingsanfang - stattfindende persische Neujahrsfest, das ich durch meinen vor 35 Jahren aus dem Iran eingewanderten Mann kennenlernte. Ein Tag, der den Iranern so wichtig ist wie uns Weihnachten. Wochenlang bereitet man sich vor, sät Gras in kleine Schälchen aus, damit zum Fest frisches Grün als Symbol des Frühlings, des neu aufbrechenden Lebens im Haus ist. Man besucht die Familie, feiert, tafelt, lacht gemeinsam. Die Kinder werden beschenkt, die Exil-Iraner fliegen nach Hause ( so sie denn können ) oder telefonieren nach Hause. Das an diesem und an den nächsten Tagen regelmäßig zusammenbrechende iranische Telefonnetz gehört genauso zu Nouruz wie der Brauch, das junge Grün am 30. März in ein fließendes Gewässer zu werfen, es beim Davonschwimmen zu beobachten und sich dabei etwas zu wünschen - wieder im Kreis der Familie bei einem opulenten Picknick, dem ersten nach dem auch im Nordiran eisigen und schneereichen Winter. Die Iraner nehmen es mit dem genauen Zeitpunkt des Frühlingsbeginns außerordentlich ernst, man gratuliert sich zum Neuen Jahr auf die Sekunde genau, wie bei uns an Silvester. Heute kommt der Frühling um 17 Uhr 15 und 28 Sekunden. Normaler Weise sitzen mein Mann und ich schon in den Stunden davor gemütlich beisammen. Normaler Weise.

Normaler Weise lasse ich meinen Mann schnuppern, bevor ich mir einen Duft, den ich überwiegend zu Hause tragen möchte, zulege. Wegen des häuslichen Friedens und so. Nicht daß Ihr denkt, ich müsse mich unterwerfen oder die Bedingungen des Zusammenlebens täglich neu aushandeln. Das würde bei mir keine 24 Stunden gut gehen, von inzwischen 24 Jahren gar nicht zu reden. Nein, wir leben friedlich miteinander, mögen Harmonie und sind beide bemüht, den anderen nicht mehr als nötig zu ärgern, aufzuregen oder ihm Unzumutbares zuzumuten. Nach Ausbruch meiner Duftbegeisterung ist es gelegentlich vorgekommen, daß mein Mann in oben beschriebener Couch-Situation diskret etwas von mir wegrutschte und bei Nachfrage meinte, mein Duft des Tages wäre suboptimal. Seitdem lasse ich ihn vor Neuanschaffungen lieber kurz einmal drüberriechen. Es kommt gelegentlich vor, daß er die Nase rümpft, verbale Unmutsäußerungen hat es bislang nicht gegeben. Dafür sind ihm Düfte einfach nicht wichtig genug. Und, wie gesagt, wir sind nett miteinander. Bei "Grand Soir" habe ich schlichtweg vergessen, ihn schnüffeln zu lassen, so verzückt war ich. Schwebte quasi in anderen Sphären.

Vor 2 Stunden kam die Post. Was für ein Gefühl, den Flakon in den Händen zu halten, den unvergleichlichen Duft aufzusprühen. Vor Glück fast bebend begebe ich mich zu meinem Mann, möchte ihm auch einen Hauch des olfaktorischen Kunstwerkes zukommen lassen und wißt Ihr, was er mit einer Mine absoluter Abscheu sagte ? "Und das an Nouruz !". Das saß ...
Heute muß mein Mann vor dem Jahreswechsel noch einen kleinen Spaziergang machen. Das erste Mal, seit wir uns kennen. Bevor er ging, hat er noch gesagt : "DAMIT wäscht man im Iran Leichen". Und tatsächlich, Wikipedia enthüllt zum Thema Benzoe "In der römisch-katholischen Kirche ist das Harz ein Bestandteil des Balsamöls. Dieses Öl wird bei der Spendung des Sakraments der Krankensalbung (früher auch „Letzte Ölung“ genannt) eingesetzt." Aha. Also nicht nur im Iran. Ich hoffe, daß die Marketing-Leute von Herrn Kurkdjian das wissen, bevor sie den Duft im Iran vermarkten. Ich muß jetzt mal Schluss machen und meine Handgelenke schrubben. Und den Duft in den Souk stellen.


19.06.2017 10:34 Uhr
13 Auszeichnungen
Seit ich vom lieben Parfumo Zirkeltanz so reich beschenkt wurde ( er hat mir seine Vintage-Miniaturensammlung überlassen ), habe ich täglich mehrere Aha-Erlebnisse und glückliche Momente. Alte Düfte zu entdecken und möglichst zu bewahren macht mir ebenso große Freude, wie eine Gemäldesammlung anzuschauen.
Heute früh dann zuerst Aha und dann stieg mein Blutdruck. Ich habe vor einiger Zeit eine Abfüllung Cabotine erworben unter der Annahme, den originalen Duft zu bekommen. Diese habe ich jetzt im rechts-links-Vergleich gegen den neu dazugekommenen Vintage-Mini getestet. Ein Unterschied wie Seide und Sackleinen. Der wirklich alte Duft in der Kopfnote fein-blumig mit vielen Facetten, sanft, balsamisch. Der angeblich alte schreiend, kratzig. Nach einer halben Stunde nähern sich die Düfte einander, allerdings erreicht der derzeit vermarktete Duft zu keiner Zeit die Komplexität und das Sanft-Schmeichelnde des Urduftes. Während der alte Duft nach 2 Stunden erst so richtig präsent ist, geht es bei der neuen Variante stetig abwärts. Die Haltbarkeit liegt bei beiden Varianten bei 5 Stunden.
Leider ist es inzwischen müßig, sich über Reformulierungen und die damit oft einhergehenden Qualitätsverluste zu erregen. Damit müssen wir wohl leben. Aber eine Reformulierung nicht zu annoncieren ( ich habe auch bei ausführlicher Recherche keinen Hinweis auf eine solche gefunden ) ist für mich schlichtweg Betrug. Kein Mensch würde es hinnehmen, wenn Winzer neuen Wein in Flaschen älterer Jahrgänge abfüllten, schon gar nicht im Weinland Frankreich. Daß es beim Parfum möglich ist - im Land, welches sich als Ursprung und Krone der Parfumeurskunst versteht - ist mir ein Rätsel.


07.09.2016 14:24 Uhr
3 Auszeichnungen
Eigentlich haben meine Vorredner alles gesagt, ich möchte hier aber eine Erfahrung schildern, die ich mit noch keinem Parfum in dieser Preisklasse gemacht habe. Vorausschicken möchte ich, daß ich eine Firmenprobe getestet habe, die nicht älter als 3 Jahre sein kann. Was ist passiert ? Die alles überstrahlende Rose ist wenige Momente nach dem Aufsprühen voll da, anfangs noch von zitrischen Noten umspielt, danach ein echter Soliflor. Ich hatte mir eine Stunde nach Testbeginn grade das Wort "Powerrose" notiert und begonnen, im Geiste einen schönen Kommentar für dieses wunderbare Rosenfeld zu formulieren, da war es plötzlich weg. Von einer Minute zur anderen - einfach weg - nada - niente. es kam auch nichts nach, nicht mal ein bisschen Moschus. Meine Haut neigt zum Aufsaugen von Düften, aber so krass habe ich das noch nicht erlebt. Und in der Liga, in der Perris spielt, möchte man auch nicht nach einer Stunde schon nachsprühen müssen. Da die Perris-Rose mir wirklich ausnehmend gut gefällt, bekommt sie noch eine zweite Chance: Ich werde nochmal einen Sprüher aus einem Tester im Alsterhaus oder KaDEWe nehmen, da ich glaube, daß Tester dort nicht Jahre alt werden.
Vorläufiges Fazit : Flakon sehr schön, Duft wunderbar, Sillage so la-la, Haltbarkeit grottenschlecht.

12.12.16 Die liebe Fellnase hat mir netterweise eine kleine Abfüllung des Extraits geschickt, die mich mit Perris versöhnt hat. Nicht nur, daß die Haltbarkeit mit 8 Stunden für meine Verhältnisse sehr gut ist, sondern ich errrieche jetzt auch viel mehr andere, überwiegend würzige Noten. Ist das EdP für mich fast ein Soliflor, so geht das Extrait eher in die Richtung blumig-orientalisch. Die Sillage läßt nach 2 Stunden allerdings deutlich nach.


16.08.2016 17:25 Uhr
2 Auszeichnungen
Für mich war es schwierig, einzelne Noten herauszuriechen, wobei ich darin auch noch sehr ungeübt bin. Herb-frischer Auftakt mit Bergamotte, Salbei auch, Moschus ganz klar, aber dann hört es auch schon auf.
Ich schreibe hier trotzdem ein paar Worte, weil dieser Duft meine Meinung über die Marke entscheidend verändert hat. Bisher fand ich viele Jo Malones sehr schön, aber alle hatten kaum Sillage und waren auf meiner Haut nach spätestens 3 Stunden verschwunden. DIESER NICHT ! Dieser hält nun schon 8 Stunden, davon die ersten 2-3 mit mittlerer Sillage. Mag sein, daß ich bisher von Jo Malone mehr die blumig-süßen getestet habe, die ja oft weniger ausdauernd sind als die holzig-krautig-animalischen, aber auf jeden Fall werde ich der Marke noch eine zweite Chance geben, auch wenn das parallel zum Silver Needle Tea getestete Golden Needle Tea eher dem mir bekannten Malone-Muster angehört ( schön, schwach, kurz ).


14.08.2016 18:42 Uhr
1 Auszeichnungen
Murmure des Dieux startet bei mir frisch und dreht dann relativ schnell ins würzig-krautige, wo er über 5 - 6 Stunden verbleibt. Tonangebend sind für mich Fenchel und Bockshornklee, die Blüten der Herznote sind leider nur marginal zu erschnuppern. Die Sillage empfinde ich als wahrnehmbar, aber nicht zu stark.
Ein bißchen erstaunt war ich schon, als ich ausnahmsweise erst nach der Testung die Statements las. Ja, der Duft hat etwas von indischer Küche. Da ich diese aber liebe und oft und gerne mit in Indien erworbenen Gewürzen koche, ist mir gerade Bockshornklee nicht fremd. Anders ist es schon beim Fenchel. Als Kind mit Fenchelhonig traktiert begegnete er mir später als ungeliebte Rohkost ( ! ) in der Katine. Ich mag ihn erst, seit ich ihn mit Zwiebeln und etwas Puderzucker schmore bis er windelweich ist.
Die Frage ist nun, ob ich nach Küche riechen möchte. Eindeutig nein, daher würde ich das Göttergemurmel ( welch großes Wort für einen nicht besonders großen Duft ! ) sicher nicht tragen. Aber ich kann ihn mir gut an einem jüngeren orientalischen Mann vorstellen.


12.08.2016 15:26 Uhr
2 Auszeichnungen
Challot ( engl. Challah ) sind in der jüdischen Tradition geflochtene Brote aus Weißmehl, Hefe, Eiern und etwas Fett - wobei die Rezepte, die Anzahl der „Zöpfe“ und die Form je nach Brauch und Anlass variieren. Challot werden meist für Schabbat und jüdische Feiertage gebacken.
Ich hätte nicht für möglich gehalten, wie authentisch man den Duft einer Backstube einfangen kann. So täuschend, daß man meint, ein noch warmes, frisches Brötchen mit einer krossen Kruste in der Hand zu halten. So, daß man einfach nur hineinbeißen möchte. So, daß der Magen zu knurren beginnt.
Aber selbst so duften ? Zu welchem Anlaß ? Auf jeden Fall würde man den Duft mehr für sich selbst als für die Umgebung tragen, da die ohnehin nur sehr geringe Sillage nach 30 Minuten völlig dahin ist. Der Zeitfaktor ist auch das Manko der meisten veganen Gourmands, die ich durch Fluxits wunderbarer Wanderpakete kennenlernen durfte ( dem Spender sei Dank ! ). Nach 1,5 Stunden ist auch die letzte Duftspur verflogen. Ich hätte aufgrund der Duftpyramide angenommen, daß zumindest Tonka und Sandel für Haftung sorgen, aber von beiden habe ich nichts erschnuppern können. Der Duft wird zwar nach einer halben Stunde etwas herber, einer bestimmten Duftnote kann ich das aber nicht zuordnen.


11.08.2016 16:41 Uhr
6 Auszeichnungen
Caramel Chai ist einer der Düfte von Common Brimstone, die ich absolut authentisch und gut tragbar finde. Im Gegensatz zu einigen anderen Düften der Firma sind hier die Duftnoten gut miteinander verwoben, es besteht ein Nebeneinander von süßen, würzigen und scharfen Noten, wobei ein Hauch von Puderzucker nur im Auftakt tonangebend ist, sehr schnell aber von Gewürzen übertönt wird. Unterlegt ist das Ganze mit einer samtweichen milchigen Basis. Der Duft riecht für mich völlig identisch mit dem sogenannten Jogi-Tee ( nicht der aus Instant-Pulver, sondern der, den man beim guten Inder bekommt ). Er ist absolut Unisex, auch aufgrund der leichten Schärfe, die wohl dem Kardamom entstammt. Sillage und Haltbarkeit ( 3 - 4 Stunden ) sind nicht berauschend, aber deutlich besser als bei einigen anderen Brimstones und bei handgemachten Düften auf Ölbasis wohl nicht anders machbar.
Ein Dank an Fluxit, dessen Initiative zu verdanken ist, die Brimstone-Düfte kennenlernen zu können !
Teilweise hat sich durch die beiden Wanderpakete mit handgemachten Gourmand-Düften meine Einstellung zu dieser Duftkategorie gewandelt. Fand ich bisher nur Vanille ( und auch diese nicht tonangebend ) für mich tragbar, könnte ich mir nun auch vorstellen, Düfte wie Caramel Chai zu tragen. Bei Schoko / Nuß / Kuchen / Creme Brulee usw. ziehe ich immer noch die Variante vor, diese Köstlichkeiten zu essen. Auch, weil nicht nur der erste Schmelz weg ist... Um zum Anbeißen zu riechen sollte man möglichst auch so aussehen. Bei mir ist es eher so, daß man mir einige zuviel genossene Süßigkeiten deutlich ansieht, da möchte ich nicht auch noch so riechen.
Aber das ist Geschmackssache und ich möchte hier keinem Süßkram-Fan zu nahe treten, absolut nicht !


10.08.2016 21:56 Uhr
5 Auszeichnungen
hält und hält und hält. Nun habe ich fast alle im dankenswerterweise von Fluxit gestifteten Wanderpaket enthaltenen Düfte von Common Brimstone getestet und keiner hat sich als besonders ausdauernd erwiesen. Und dann das : seit sage und schreibe 11 Stunden umweht mich ein Hauch wie aus einer indischen Suppenküche. Ich koche gerne und oft indisch, deshalb fiel es mir auch nicht besonders schwer, den Verursacher zu benennen: Curry Leaf, das Blatt des Currybaumes. Riecht nicht nach Curry, ist aber in getrocknetem Zustand würzig-pikant und paßt in fast alle südindischen Gerichte. Aufgetragen habe ich Blood Moon 2 Stunden bevor ich mich auf den Weg nach Hamburg machte, um dort meinem liebsten Hobby, dem Schnüffeln, zu frönen. Der Duft war mir vom ersten Moment an nicht sehr angenehm, aber wie gesagt, Common Brimstone ist eher kurzlebig und ich sah keine Notwendigkeit, ihn abzuwaschen. Erkannt habe ich keine der gelisteten Duftnoten außer dem in der Liste nicht erwähnten Curryblatt. Dieses aber durchgehend und mit der Zeit immer kräftiger in Erscheinung tretend. Im Alsterhaus, zwischen Amouage, Lalique und Houbigant : Curryblatt. Zu Lubner und in den Hamburger Hof habe ich mich dann nicht mehr getraut. Ich hätte ihn abwaschen können, aber ich war so perplex über die unerwartete Sillage und Haltbarkeit, daß ich es nun einfach wissen wollte: wie lange bleibt dieses Curryblatt und woher kommt es ? Einst hat ja Meister Ellena aus Hedion und alpha-Jonon den Duft von Tee gezaubert. Vielleicht ist Common Brimstone die Synthese von Curryblatt aus Blutorange und gesalzenem Karamell gelungen ?
Nun, bei 11,5 Stunden indischer Beduftung gehe ich schlafen und sollte das Curryblatt morgen früh immer noch im Raum schweben, gibt's nicht Chicken Madras, sondern Pellkartoffeln.


10.08.2016 11:06 Uhr
4 Auszeichnungen
Der Name des Parfums Rats and Beadles ( Ratten und Kirchendiener ) bezieht sich auf die im viktorianischen England übliche Praxis, Ratten und anderes Ungeziefer mit vergifteter Schokolade und Tee zu bekämpfen. Die Kopfnote - ein reiner Schokoladenduft - ist absolut authentisch, quasi zum Reinbeißen. Sie ist allerdings fast schneller wieder verflogen als erschienen und macht einer recht synthetisch erscheinenden, leicht fruchtigen Bergamottenote Platz, die dem in der Duftpyramide angegebenen Earl-Grey-Tee nur sehr entfernt ähnelt. Beim ersten Test ( ohne Kenntnis der Duftpyramide ) hatte ich es für einen Fruchtduft gehalten. Eine weitere Wandlung findet nicht statt, vor allem gibt es keine fixierende Basis. So ist der Duft auch nach 1,5 bis 2 Stunden sang-und klanglos dahin. Die nur in den Anfangsminuten riechbare Sillage hatte sich schon viel früher verabschiedet.
Was Haltbarkeit und Sillage angeht, ist Rats and Beadles eine Enttäuschung und auch der Duft hat Entwicklungspotential, um es diplomatisch auszudrücken. Mehrmals während des Testens dachte ich, daß so ähnlich wohl eigene erste Versuche, Düfte zu kreieren, riechen würden. Vor allem stört mich das strikte Nacheinander der beiden so verschiedenen Noten. Daß Schokolade mit Zitrusfrüchten eine wunderbare Melange eingehen können, ist kein Geheimnis, aber hier findet diese Vermischung nicht statt. Was bleibt, ist ein kurzer Schokohauch und eine Ahnung von Tee. Beides würde ich mir lieber oral als nasal zuführen.


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