SchallhoererSchallhoerers Parfumrezensionen

1 - 5 von 29
Schallhoerer vor 4 Monaten 4
7.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Eure Dunkelheit ist mein gleißendes Licht
Wie auch in der Musik ist die Wahrnehmung von Düften offenbar äußerst subjektiv. Wer hätte das gedacht. Das die Eindrücke von Anderen sich aber so von den eigenen Unterscheiden, ist dann doch verwunderlich. Black Gemstone wird hier (und auch auf anderen Plattformen) immer mit dieser absoluten Dunkelheit, dem Abhandensein von Licht oder purer Schwärze beschrieben.

LennartS hat es wunderbar beschrieben. Auch für mich riecht Black Gemstone zu Beginn nach beerigen Hustenbonbons. Da ist etwas sehr angenehm medizinisches mit einem Schuss Süße in der Eröffnung des Duftes. Ich ziehe hier die Vergleiche zu "Accord Oud" von Byredo. Der hat auf mich ebenfalls ein so (schwarz)-beeriges Opening, dass ein wenig an leckeren Hustensaft erinnert. Dadurch versprüht er auf mich eine beruhigende und angenehm warme Aura. Im Verlauf wird er dann etwas rauchiger, gewinnt an Profil und erinnert mich etwas später im einsetzenden Drydown ganz entfernt an "Tobacco Oud Intense" (wenn bei diesem das animalische Opening verflogen ist).

Leider (und das ist der wohl einzige richtige Kritikpunkt an dem Duft) wird er mit mit der Zeit einfach zu süß. Da übernimmt die Tonkabohne offenbar die Führung. Gerade diese eintretende Süße verbietet mir jede Assoziation mit Dunkelheit, Schwärze oder etwas Mysteriösen. Dafür verströmt der Duft für mich zu viel Wärme.
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Schallhoerer vor 4 Monaten 4
6
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Der betrunkene Italiener am Schokobrunnen
Mein erster aus dem Hause Terenzi. Wahrscheinlich auch der Letzte. Aber dazu dann später mehr.
Der Flakon jedenfalls macht etwas her. Sieht schick aus, hat eine sympathische DIY Attitüde durch das Holzlabel und ist schön schwer. Der Sprüher ist auch gut. Da gibt es nichts zu bemängeln.

Der Duft allerdings lässt mich etwas ratlos zurück. Nero. Da erwarte ich etwas dunkles, schwarzes. Der müsste dem Namen nach eigentlich richtig schön fies morbide riechen. Tut er aber nicht. Nach dem ersten Sprüher begrüßt einen eine sehr einnehmende Cognac Note. Die ist gut gemacht, mir aber für den Start zu stark. Für mich bleibt diese Note konstant über den Verlauf des Duftes vorhanden, allerdings nimmt sie sich zum Glück im Drydown etwas zurück und macht Platz für die anderen Noten. Dann gesellt sich eine angenehm rauchige Note dazu, die ganz entfernt an Tom Ford Tobacco Oud erinnert. Ein bisschen diese Aschenbecher-DNA. Allerdings ist das bei Tobacco Oud deutlich stilsicherer geblendet. Nach und nach wird der Duft etwas holziger, gewinnt an Profil und wird markanter. Wenn der Duft dann im Verlauf hautnah wird, wendet sich allerdings das Blatt. Jetzt kommt eine penetrante Süße zum Vorschein, die mir sehr schnell auf die Nerven geht. Laudano Nero bekommt dann eine pudrige-schoko Note, die so gar nicht zu diesem Duft passen will.

Spätestens dann hat Laudano Nero für mich verloren. Die Summe seiner Teile ergibt für mich kein schlüssiges Bild. Das Opening mit dem starken Alkohol Akkord zu dominant, der Drydown mit dem Rauch nicht gut genug miteinander verblendet und die Grund-DNA, wenn der Duft hautnah wird, viel zu süß.

Flakon: hochwertige DIY Optik. Wirkt solide und angenehm verarbeitet.
Haltbarkeit: 8-10h ohne Probleme
Sillage: Raumfüllend mit ein paar Sprühern
Preis-Leistung: für 100ml Extrait de Parfum finde ich meine gezahlten knapp 80€ sehr fair
2 Antworten

Schallhoerer vor 4 Monaten 7
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

David Sylvian's Manafon als Parfum
Ich hege eine große "Hass"-Liebe zu Manafon von David Sylvian. Das ist eines dieser Alben, bei denen ich mir nicht sicher bin, weshalb meine Gefühlslage so schwankt. Da wird stellenweise improvisiert, schräg und fast im Bereich des "Free-Jazz", wenn es das im Bereich der experimentellen Musik überhaupt gibt. Und dann sind da aber auch Momente der absoluten Schönheit, die ganz kurz durchblitzen, den Raum mit Licht und Wärme füllen um dann aber wieder mit absoluter Dunkelheit und Tristesse erschlagen zu werden.

Das gleiche Gefühl habe ich bei Oud von Robert Piguet. Ich rieche dabei einen kalten, nassen Waldboden. Eine in Dunkelheit getränkte Lichtung. Und dann liegt da irgendwo ganz weit hinten, abseits jedes Weges, ein Tier. Aus der Entfernung erkennt man nur die Umrisse. Wenn man sich ihm aber nähert, erkennt man ein Reh. Ein einst stattliches Tier das hier nun hilflos und verwundet auf dem kalten Waldboden liegt. Es atmet nur noch leicht, der Körper hebt und senkt sich mit jedem Atemzug. Das Leben aus den Augen ist fast komplett erloschen. Es hat jetzt mittlerweile auch begonnen zu regnen. Das Fell wird vom fallenden Regen getränkt. Das Tier bemerkt mich in diesem Moment, neigt den Kopf zu mir. Ein Ausdruck der Sehnsucht. Ich berühre ganz vorsichtig das Fell, spüre die einzelnen Strähnen, spüre die Restwärme des Körpers. Der Körper hebt und senkt sich jetzt noch langsamer als zuvor. Das Tier spürt die Nähe. Für einen flüchtigen Moment treffen sich noch einmal unsere Blicke. Der Schmerz weicht. Mit dem letzten Atemzug schwindet das Leben aus dem Körper.

Ein Gefühl der Trauer mischt sich zusammen mit der Hoffnung, die letzten Augenblicke des Tieres durch die Nähe und Berührungen erträglicher gemacht zu haben.

Oud riecht nach kaltem, nassen Waldboden. Nach feuchtem Tierfell. Nach Holz abseits der Wege.
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Schallhoerer vor 5 Monaten 9
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Der Gewürze-Soud
Wer von Oud Fleur nur einen weiteren "Rose/Oud" Kandidaten erwartet (etwas das die Mehrzahl der Kommentare und Statements hier ja erwarten lässt), der hat sich geirrt. Oud Fleur findet einen ganz anderen Ansatz zu diesem bereits ausgelutschtem Thema.

Auf meiner Haut startet der Duft mit einer ordentlichen Portion Oud. Das erinnert mich von der Machart sehr an den Anfang von Tobacco Oud (ohne die rauchigen Elemente). Das hat etwas sehr würziges mit einem kleinen Schuss an boozyness. Gleichzeitig kann man auch Parallelen zu Tom Fords London ziehen. Hier allerdings ohne die zu schwitzige Kreuzkümmel-Note. Trotzdem hat das
Opening von Oud Fleur etwas animalisches im Hintergrund mitschwingen. Keine Zirkuszelt oder Ponystreichelzoo Animalik, sondern eher ganz subtil "schweinig".

Erst im Verlauf kommt bei mir dann die Rose zum Vorschein. Keine weiche, helle sondern eine etwas derbe und leicht "dreckige" Rose. Gepaart mit diesem Oud-Akkord aus der Eröffnung des Duftes, wird das eine sehr würzige Komposition, die im Drydown durch erdiges Patchouli abgeschlossen wird.

Der Drydown erinnert mich dann noch mehr an London. Hier wird die Rose zurückgefahren, das Oud nimmt auch eher einen Platz in den hinteren Rängen ein und der Duft wird warm, balsamisch und durch den Patchouli im Zusammenspiel mit Sandelholz dominiert. Der Drydown ist unisex mit geringer Tendenz zum femininen.

Oud Fleur hat als Ganzes ein großes Problem, das sich durch die gesamte Prive-Blend Reihe von Tom Ford zieht. Die Namensgebung. Wirklich floral ist dieser Duft in meinen Augen nicht. Natürlich hat er durch die Rose, die mit der Zeit zu einer der Hauptkomponten wird, einen floralen Ansatz. Aber der gesamte Duft ist von seiner Machart so viel mehr in Richtung Gewürze und Oud getrimmt, dass man den Beinamen "Fleur" hier hätte weglassen sollen. "Oud Spice" wäre der bessere und treffendere Namen für diesen Duft gewesen.

Flakon: Typisch für die Private-Blend Reihe. In meinen Augen sexy.
Haltbarkeit: ohne Probleme 2-stellig (nach 2-3 Stunden hautnah)
Sillage: oberes Niveau (kein Beastmode)
Träger: unisex mit deutlicher Tendenz zum maskulinen durch das animalische Opening. Der Drydown dann eher weich, warm und etwas femininer.

Oud Fleur ist ein würziger Oud-Kandidat, der unter einem unvorteilhaftem Namen leidet. Kein weiterer Rose/Oud Aufklatsch, dafür ein wunderbar dunkler, würziger Vertretet der Oud+Gewürze Fraktion.
6 Antworten

Schallhoerer vor 6 Monaten
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Oud Synthese
Taurus hat es bereits auf den Punkt gebracht. Wer hier nörgelt, dass kein "echtes" Oud vorhanden ist, der hat den Ansatz von Byredo einfach nicht verstanden. Der Duft heißt nicht ohne Grund Accord Oud, eben weil dieser Oud Geruch als Synthese aus anderen Duftstoffen erzeugt werden soll.

Damit ist er Düften wie Oud Wood, M7 Oud Absolu oder auch Sueded Oud sehr nah. Accord Oud startet dabei ähnlich wie Oud Wood von Tom Ford mit einer medizinischen Note, die für mich Geborgenheit ausstrahlt. Auch die Paralelen zu M7 Oud Absolu kann man ziehen, wenn man die Brombeere (eher auf der herberen und weniger süßen Seite) aus Accord Oud mit der Mandarine (Orange) aus M7 Oud Absolu austauscht. Sowohl Oud Wood wie auch M7 Oud Absolu werden aber im weiteren Verlauf cremiger und balsamischer. Accord Oud driftet etwas mehr in Richtung Sueded Oud von Clean, ohne aber dabei diese nervige Süße im Drydown zu haben, die Sueded Oud für mich eher bei Frauen ansiedeln lässt.

Leder nehme ich im Verlauf des Duftes nahezu gar nicht wahr. Die verbleibende Grundbasis erinnert mich eher an Patchouli mit etwas Restsüße der Brombeere, was mit dem synthetischem Oud in Balance gehalten wird.

Accord Oud ist nicht ganz auf Augenhöhe von Düften wie Oud Wood oder M7 Oud Absolu, bietet aber Leuten die gerne eine weitere Sichtweise auf synthetisches Oud mit einer medizinischen Note haben wollen, einen etwas anderen Ansatz als die o.g. Düfte. Haltbarkeit und Sillage sind in meinen Augen zufriedenstellend. Ich konnte den Duft etwa 6-7 wahrnehmen. Nach knapp 1 1/2 Stunden wird er dabei hautnah.

1 - 5 von 29