SchwälbchenSchwälbchens Parfumblog

13.06.2018 19:06 Uhr
32 Auszeichnungen

Verduftet oder die praktizierte Unlust

Schmerz. Stechend. Schneidend.

Ernüchterung. Über das eigene Unvermögen.

Verletzte Eitelkeit. Letztere tut am meisten weh.

Nicht ans Bett dennoch auf die Couch gefesselt, lese ich. Am liebsten auf eurer Seite die hinreißenden Kommentare und Statements. Und trotz der appetitlichen Beschreibungen steht mir so gar nicht der Sinn nach Parfüm. Warum ist das so? Ist mein Körper mit der Selbstheilung beschäftigt? Fehlt mir ob der ständigen Schmerzen die Muse mich mit Hingabe einem Duft zu widmen? Beide Erklärungen mögen zutreffen, doch liegt die Wahrheit wie immer tiefer verborgen.

Vor einiger Zeit las ich den sehr berührenden Kommentar einer Parfumista, die während ihrer Zeit im Krankenhaus vom Duft Magie Noire begleitet wurde. Wenn ich mich recht erinnere, so trug die Krankenschwester am Bett wachend diesen Duft und verknüpfte ihn so untrennbar mit der Schwere der Situation. Damit war er untragbar für die Genesende geworden. Unser Gehirn neigt nur allzu leicht dazu, Gerüche mit bestimmten Ereignissen, Erinnerungen zu verbinden. Das sog. Proust-Phänomen kennen wir alle und es wird in zahlreichen Kommentaren geschildert...

"Wenn wir etwas sehen, fühlen, schmecken oder hören, werden diese Eindrücke zunächst vom Thalamus geprüft. Erst dann wandern sie in die Hirnrinde.

Beim Riechen ist das nicht der Fall. Denn in der Nähe des Riechkolbens sitzt das limbische System. Vor allem zwei Regionen sind hier entscheidend: der Hippocampus und die Amygdala. Der Hippocampus ist dafür zuständig, Erlebnisse zu verarbeiten und Erinnerungen zu formen. Die Amygdala hilft dabei, ein Ereignis emotional zu bewerten.

Gerüche geraten also gewissermaßen ungefiltert in das limbische System. Sie verbinden sich, bildlich gesprochen, unmittelbar mit Gefühlen – und haben deshalb eine bessere Chance, im Gedächtnis zu bleiben." (aus "Die guten alten Zeiten" von Daniel Rettig)

Ich werde wohl noch eine Weile um meine Schätze herumschleichen, unbeduftet weil ich fürchte, ein geliebtes Parfum mit meiner Misere zu verquicken. Naja, vielleicht einige Pröbchen werde ich mir genehmigen, aber definitiv nicht von Kaufkandidaten... so gaaaaanz ohne geht's halt doch nicht.

Ich bedanke mich bei euch für's Lesen und frage, wie ihr mit ähnlichen Situationen umgeht?

Ahoi, Horrido und Namaste,

euer Schwälbchen


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