SebastianMSebastianMs Parfumrezensionen

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6 - 10 von 26
SebastianM vor 12 Monaten 9 2
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
Irreführung der Behörden
Insgesamt bin ich recht angetan von Fougère Emeraude. Allerdings ich finde ihn gar nicht so "fougerig": das Grün ist doch äußerst dezent, auch ist die Tuberose - die übrigens gar nicht fleischig sondern eher leicht wächsern daherkommt - viel weniger bestimmend als die pudrig-süße Lavendel-Mimose-Tonka-Kombination. Insofern bietet sich der Duft völlig anders dar, als ich erwartet hatte. Die leichte Seifigkeit erinnert noch am ehesten an ein klassisches Fougère.

Aber ist der Duft schön! Ausgewogen, elegant, schmeichelnd und optimistisch. Die Struktur ist nicht sehr dicht, der Duft ist nicht üppig, man kann ihn jederzeit tragen. Nur leider fehlt es ihm ein wenig an innerer Spannung und Lebhaftigkeit. Ich vermisse die bittere Minze von Eichenmoos oder stärker erdig-ledrige Noten, die den Duft klassischer und weniger angepasst-modern machen würden. Er ist schon recht ereignislos, wenn auch unbestreitbar luxuriös (und unverschämt teuer).

Auch der Name weckt falsche Erwartungen, smaragdgrün ist hier gar nichts, nur ein bisschen krautig vom Muskatellersalbei. Der genannte pudrig-weißblütige Akkord hat so gar nichts von Farn oder Blättern. Immerhin kann man bei Wikipedia lernen, dass der sog. "Strich" (also das Mineralpulver) des Smaragds weiß ist.

PS: Nachdem Herr von Spee die Mode aufgebracht hat, möchte auch ich jemanden zum Duell fordern, nämlich denjenigen, der Rive Gauche p. H. als ähnlichen Duft eingestuft hat. Und dann auch noch die ursprüngliche Version im Metallzylinder. Jenes Parfüm ist sicher eines der besten Fougères, die es jemals gab. Dem vorliegenden Duft, bei aller Schönheit, tut der Vergleich zuviel Ehre an.
2 Antworten
SebastianM vor 1 Jahr 11 7
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
Eine Freundschaft in Briefen
Das wird keine sehr differenzierte Rezension, eher eine kleine Bildgeschichte. Aber ich muss hier unbedingt eine Lanze brechen für diesen so unterschätzten Duft! Dieses Parfum ist für mich ein sehr überzeugender Orangenblüten-Leder-Duft. Das Leder ist leicht rauchig, wie es sich gebührt für einen Duft, der nach George Sand heißt. Dazu kommt eine leichte Staubigkeit und Süße. Ich assoziiere ein Arbeitszimmer in Zentralfrankreich, dessen offenes Fenster auf einen Garten hinausgeht. Man sieht den Staub in der Luft tanzen, durch das Fenster zieht ein Hauch süßen Blütenduftes und vermischt sich mit dem Geruch der alten Bücher und des Mobiliars. Man trinkt erstmal einen Kaffee, öffnet die Tabakschatulle, dann geht man an die Arbeit. Danach erholt man sich auf dem Diwan, Perubalsam und Myrrhe ergeben ein weiterhin ganz leicht süßes, weiches und holziges Ende. Man entspannt sich und geht in Gedanken noch einmal den eben geschriebenen Brief an Flaubert durch.

Der Gesamteindruck erinnert ein wenig an "L'Eau Scandaleuse", ebenfalls ein Neroli-Leder-Duft. Letzterer ist noch raffinierter, die Zutaten sind von höherer Qualität, der Duft ist dunkler und dichter. Aber auch "George" braucht sich in puncto Qualität nicht zu verstecken und ist erheblich billiger. Ich sehe keinen Grund, beide zu besitzen. Als Alltagsduft ist er wegen der Abwesenheit von Animalik auf jeden Fall tauglicher. Die Haltbarkeit finde ich genau richtig für einen Arbeitstag, die Sillage nach kräftigem Beginn angenehm zurückhaltend.
7 Antworten
SebastianM vor 1 Jahr 2 4
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
Wo ist Alesia? Ich kenne kein Alesia.
Warum heißt dieses Parfum so wie es heißt? Ich rieche keine Birke, was auch daran liegen mag, dass ich gar nicht wüsste, wie das riechen soll, außer irgendwie unspezifisch blättrig und hellholzig. Jedenfalls wirkt dieser Duft mitnichten irgendwie nordeuropäisch (mit Verlaub, Dave), sondern eher subtropisch, genauer gesagt morgendlich subtropisch. Ich empfinde ihn als schön frisch-würzig und blumig, mit einer sanften, fast lieblichen Basis. Sehr nett. Die eigentliche Überraschung ist jedoch die grüne Feigennote, die - wie es nicht selten vorkommt - direkt einen cremig-grünen Charakter entwickelt. Mit dieser Feige ist dann wirklich die allerletzte Nordeuropaassoziation perdu. Normalerweise mag ich so etwas überhaupt nicht, aber diese Sonnencreme duftet sehr zurückhaltend freundlich, und beruhigt die kühlen und bitteren Aspekte.

Der Clou ist eben, dass es hier fast keine Süße gibt,. (Ein klein wenig gibt es doch, durch die charakteristische Süße des Ylang-Ylang). Man stelle sich eine kühlende Hautcreme vor, die wirklich gut einzieht. Handwerklich klasse gemacht. Oder kann sich jemand ein cremiges Lächeln vorstellen? Um ein weniges mehr schmeichlerisch als liebenswürdig und sehr professionell freundlich. Man weiß sofort, hier wird man zuvorkommend bedient. Sehr angenehm sowas, im Urlaub.

PS: Falls mich jemand aufklären kann, was Figolide™ genau ist, ich bitte um Nachricht. Meine Nachforschungen sind dabei stehen geblieben, dass die Verbindung auch als 5-propyloxan-2-one bekannt ist, und es sich anscheinend um ein Mitglied einer Familie von synthetischen Moschusdüften mit fruchtigen Noten handelt. Jedenfalls mache ich das Figolide für den ungewöhnlichen Eindruck verantwortlich.
4 Antworten
SebastianM vor 1 Jahr 4 5
6.5
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
Schneeblind
Dieser Duft ist so gleißend, so kompromisslos ungedimmt weiß, dass ich nach dem Auftragen erst einmal nichts anderes mehr wahrnehmen kann. Schockstarre setzt ein, zum Glück ist es nicht so warm, dass alles auf einen Schlag verdunstet, sonst würde ich ohnmächtig. Ein paar Stunden später kann ich sogar schon wieder Kaffee schmecken.

Midnight ist ein Witz: etwas weniger Nächtliches kann man sich nicht vorstellen.

Das nächste Mal bin ich vorsichtiger: Ich tupfe den Roller nur einmal kurz auf (ohne ihn zu drehen), warte zwei Minuten und spüle die Hand einmal mit kaltem Wasser ab. Midnight Garden ist jetzt immer noch intensiv genug: Ich rieche einen unschuldig-schön-heiteren, ziemlich synthetischen Duft. Das heißt, sogar die Tuberose ist unschuldig und die Lilie kein bisschen traurig. Alles ist so weiß und sauber wie frisch gewaschene Bettwäsche auf der Leine. Ab und zu weht ein Laken im Wind, und aus dem Schatten steigt kurz ein dunklerer oder herberer Akzent, aber der ist auch gleich wieder verschwunden. So bleibt es eine ganze Weile, und man möchte unbedingt ein Hemdchen aus Viskose dazu anziehen.

Ich hatte mir den Duft anders vorgestellt, aber die Erfahrung war er wert. Dank an Gschpusi für die Probe!
5 Antworten
SebastianM vor 1 Jahr 3 2
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
Sommermorgen in Margate
Einer der ganz wenigen aquatischen Düfte, die ich mag, sehr eigenartig und ungwöhnlich, nicht die 0815-Meeresevokation mit angeblichem Salz etc. Man liegt im Sonnenschein in einer grünen Mulde, die Luft ist frisch, die Kräuter blühen, die steinige Küste ist nicht weit, vor ein paar Stunden hat man ein Rachengold (blau) gelutscht und spürt noch einen metallisch-bitteren Geschmack. Kühn komponiert. Die Haltbarkeit ist erstaunlich: lockere 8 Stunden mit 1x sprühen, die Sillage nach einer anfänglichen Explosion angenehm im mittleren Bereich. Passt zu feucht-frischem Vorfrühlingswetter und ist auch im Sommer ein schöner, belebender Duft.

Die Website des Herstellers ist bemerkenswert, es gibt dort auch sehr stimmungsvolle Videos zu den einzelnen Düften und ihren Herkunftsorten in der Nähe von Margate in Kent.
2 Antworten
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