SeeroseSeeroses Parfumkommentare

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05.09.2018 01:23 Uhr
Mit dem Namen dieses Dufts "Collector - Altesse Mysore" wird behauptet, dass wir es mit einem Sandelholzduft zu tun haben. In der Pyramide wird aber weder Sandel noch Mysore genannt.
Jedoch will ich immer alles genau wissen, denn es ist ein Duftstoff im Namen genannt über den auch ich im Allgemeinen in Düften hinwegschnudele, weil ich nicht so genau weiß, was das denn sein soll: Mysore-Sandel. Diesfalls noch dazu ein "hochmütiger/hochgemuter" Sandel.
Nun erwartet man und auch ich einen sandelcremigen Duft.
Was für ein Irrtum. Und das nicht nur in Bezug auf die Erwartung. Auch In Bezug auf meine Kenntnisse über den möglichen Duft von Mysore-Sandel, also dem westindischen Sandel.
Was ich bei Mysore-Sandel dachte, ist dieser feine cremige Sandel in nicht so feiner Qualität. Diesen Duft hat man aber nur, wenn es echter oder synthetisch gut nachgebauter Ostindischer Sandel ist.
Also einfach macht es einem "Altesse Mysore" nicht.
Ich rieche einen sofort sehr pfeffrigen recht säuerlichen pfirsichpudrigen Duft. Sogleich gefällt mir "Altesse Mysore", sehr sogar. Der Pfeffer ist zu Beginn so scharf, dass ich niesen muss.
Dieser pfirsichpudrige Mix gefällt mir stets in Düften. Ich dachte erst an Labdanum, jedoch ist die zusätzliche melissig-zitrische Note sehr aromatisch jedoch kein bisschen honigsüß, sondern fast schroff.
Über lange Zeit bleibt "Altesse Mysore" in dieser aparten Mischung, mir fällt dazu erstmal "Velvet Aoud" von Montale ein, jedoch ganz gewiß in "Altesse Mysore" ohne eine Spur von Oud. In "Velvet Aoud" gefällt mir auch diese Note sehr, die ich auch in vorherigem Versuch nicht wirklich beschreiben kann.
Erst verstärkt sich in "Altesse Mysore" noch die säuerliche Note aber dann beruhigt sich der Duft mit einer leichten Vanillenote und mit vermutlich Moschus. Ambroxan nehme ich nur ansatzweise in der ersten Phase wahr und dann nicht wieder.
Jedoch bleibt "Altesse Mysore" immer in dieser pfirsichpudrigen säuerlichen Mischung erhalten. Ich kann es nicht anders beschreiben.
Nun hier aufgerufen ist in der Pyramide Elemiharz gelistet. Was für ein Zufall, dass ich just kurz vorher in der Pyramide eines anderen Dufts las, dass Elemiharz von einigen Amyrissorten abgesondert wird. Sowie, dass Amyris nach Zitrus duftet.
Amyris in Wikipedia aufgerufen erklärt, dass Amyris ein Balsambaum ist aus der Familie der Rutacea, zu denen auch die Zitrusfrüchte gehören.
Weiter im Wiki: Im Gegensatz zu dem Ostindischen weißen Sandel enthält Amyris die Stoffe Elemol, Eudesmol, Agarofuran. Na, wunderbar. Ich weiß natürlich überhaupt nicht, was das nun wieder sein könnte.
Also weiter im Google nachgeforscht. Elemol ist jener Stoff, der offenbar im Elemiharz zitrusähnlich duftet. Ja, das rieche ich in "Altesse Mysore".
Aber nun Eudesmol und Agarofuran. Da finde ich nur spanische und englische Erklärungen, das sind bestimmte Terpene, die man u. a. aus Amyris extrahiert hat. Eudesmol wird auch Sesquiterpene genannt. Aha. Und Agarofuron soll nach Zedernholz riechen.
Was für ein Zufall, Zedernholz ist hier gelistet, aber ich rieche es nicht heraus.
Und ich finde auch, dass ich mich nun genug mit der Chemie von Mysore und somit mit der des Parfüms "Altesse Mysore" beschäftigt habe.
So riecht also die der "hochgemute" Mysore-Sandel. Und man kann nun annehmen, dass mit der Listung des Elemiharzes, der Zeder, dem Amberholz, dem Benzoe und der säuerlichen Pflaume ganz verschlüsselt der Name "Altesse Mysore" gemeint ist.
Rose, Jasmin, Patchouli kann ich nicht herausriechen, ich vermute, dass sie zur Anziehungskraft von "Altesse Mysore" ihren Anteil haben. Fazit: Alle Düfte, die diese gewisse für mich ganz eigenartige und superbe fruchtig-säuerliche-bizzelnd sowie leicht scharfe und doch pudrige Note von Mysore-Amyris haben gefallen mir.


31.08.2018 02:54 Uhr
Ein "Olea Fragrans" von Cerchi nell' Aqua gibt es schon seit 2015 und hat noch keinen Kommentar? 2 Userinnen besitzen ihn, die Wunschliste ist leer, die Merkliste sehr überschaubar.
Immerhin wurden schon drei Statements verfasst vor meinem. Ich finde das schon unerklärlich.
Die absonderlichsten Düfte werden akribisch kommentiert und diskutiert. Aber "Olea Fragrans" ist eine Schattennischendüftchen, so scheints.
Beim ausgiebigem Testen muss ich allerdings feststellen, dass "Olea Fragrans" mir zunächst rätselhaft bleibt.
So einen Duft habe ich noch nicht gerochen.
Die schon im Statement erwähnte seltsame Note rieche ich auch über den ganzen Verlauf.
Eine merkwürdig minzig-krautige Note zusammen mit einer säuerlichen fast zitrischen-krautig-grünen Strenge ist immer präsent.
Zuerst rieche ich aber auch die gelistete und frische herbe Zitrusnote, dann sogar kurzzeitig helle weiße Blüten. Ich vermute Orangenblüten. Und ebenso ist im Start ein angenehmer cremiger Akkord der im weitern Verlauf in der Sillage immer wieder aufduftet.
Bevor ich es bestimmen kann ist das Blumige verschwunden.
"Olea Fragrans" wird immer herber, säuerlicher. Ich meine trotzdem eine Weile eine Spur Osmanthusfruchtigkeit zu riechen.
Ich rieche immer wieder an meiner Haut, ich denke nach. Ich warte auch lange genug, schon einige Stunden.
"Olea Fragrans" bleibt stundenlang in gleichmäßiger, zurückhaltender Intensität so säuerlich-minzig-zitrisch, scharf und krautig.
Ich frage sogar meinen Mann und der findet "Olea Fragrans" komisch, scharf, säuerlich und nach herben grünen Blättern, meint jedoch, dass es keine Minze, auch kein Salbei sei, keine üblichen Küchenkräuter seien.
Aber jetzt nach ca. sieben Stunden ist "Olea Fragrans" zwar noch sehr deutlich und intensiv wahrzunehmen, jedoch habe ich die innere Vorstellung, dass ich zuerst grüne Blätter mit scharf-aromatischen Kräuterduft roch und nun nur noch die die Blattgerippe davon habe, dunkelgrüne aromatisch-säuerliche seltsam riechende Reste. Es erscheint auch hier und da immer wieder ein Andeutung beruhigend balsamischer Cremigkeit.
Aber dann rieche ich es ganz deutlich: Citral, welches auch als Litsea Cubeba und noch viel häufiger als Tomatenblatt gelistet wird. Damit habe ich für mich das Rätsel um die zunächst nicht bestimmbare eigenartige Note gelöst.
Denn ich rieche tatsächlich deutlich den einzigartigen Duft von Tomatenblättern.
Aber nicht nur, denn Citral riecht zwar offenbar auch nach Tomatenblatt aber ebenfalls nach Zitronengras. Citral bzw, Litsea Cubeba hat einen ganz eigenen Geruch der je nach verschiedenen anderen Ingredienzen chamäleonhaft verschiedene herb-säuerlich-grün-krautig-würzige bisweilen recht scharfe Gerüche ausströmen kann.
Die noch relativ stark vorhandene Sillage lässt auf noch einige Stunden Haltbarkeit schließen.
Mittlerweile duftet "Olea Fragrans" durchgehend versöhnlicher nach Moschus mit einer minimalen Lieblichkeit, vor allem um mich herum. Auf der Haut bleibt es der mehr harsche grüne Duft.
"Olea Fragrans" gehört für mich zu den herb-grünen Düften, vergleichsweise zu "Frapin Paradis Perdu" sowie den lieblicheren Jardin-Dufte von Hermès.
Wer so etwas sucht findet in "Olea Fragrans" einen ganz und gar nicht alltäglichen grün-herben Duft.


20.08.2018 03:17 Uhr
Als ich das erste Mal im Jahr 2012 "Ambre Gris" von Balmain testete war mein Nase noch nicht so geschult. Es nimmt daher nicht Wunder, dass ich mit dem Duft nicht viel anfangen konnte. Das entnehme ich meinen hier eingetragenen Notizen, die ich noch um meine damalige Einordnung ergänzt habe. Phantasievoll, wie ich damals "Ambre Gris" einordnete.
Ich konnte nämlich genau wie jetzt die Pyramide nicht mit meiner Wahrnehmung auf einen Nenner bekommen. Gut, dass ich keinen Kommentar schrieb. Danach habe ich "Ambre Gris" einfach vergessen, noch dazu schlecht bewertet in meiner Unerfahrenheit.
Aber dann bekam ich vor Längerem von einer lieben Freundin einen Flakon "Ambre Gris" von Balmain als Geschenk.
Wow, so ein schöner Flakon, Rauchglas mit einer Verschlusskappe wie ein Discospiegel in Gold.
Zu meiner Schande gestehe ich, dass ich keinen blassen Schimmer mehr davon hatte, dass ich "Ambre Gris" bereits kannte. Ich testete ihn also erneut ohne hier vorher rein zu klicken.
Als ich dann hier sah, dass ich den Duft kannte, wollte auch einen Kommentar schreiben. Das habe ich gelassen, es standen schon genug Kommentare hier, befand ich offenbar.
Angeregt durch den schönen stimmungsvollen Kommentar von Floramalia holte ich mir vorhin den Flakon und sprühte noch einmal auf. "Ambre Gris" hat auch einen Kommentar von mir verdient. Floramalia möge mir verzeihen, dass ich somit ihren Kommentar nach unten drücke.
Ich habe "Ambre Gris" nun selbstverständlich öfter getragen, weil es ein schöner und auch besonderer Duft ist, mit dem ich mich immer gut und angemessen beduftet fühle.
Und auch heute war ich erneut erstaunt, wie sich doch die Pyramide von meiner Wahrnehmung unterscheidet.
Ich will nicht bestreiten, dass alle gelisteten Duftstoffe in "Ambre Gris" auch eingearbeitet sind, aber ich rieche sie nicht.
Ich nehme zu Beginn ein Spur säuerliche Bergamotte wahr und Ambroxan. Das irritiert mich jedes Mal, wenn ich ihn auftrage und ich denke: "Schade, die Wahl war daneben."
Aber dann entwickelt sich "Ambre Gris". Es entsteht ein Duft, der mich auch sehr an "Soulle Ámbar" von Floris erinnert. Nur hält "Ambre Gris" von Balmain länger, ist stärker.
Das Ambroxan verschwindet völlig aus "Ambre Gris" und allmählich entwickeln sich nussige, holzig-balsamische Duftnoten, eine schöne dunkle zedernartige Holznote wie ich sie liebe, entsteht zudem. Desweiteren kommen liebliche aber unblumige Noten in das Duftgeschehen. Man hat mich hier belehrt, dass es auch milde Myrrhe gäbe. Vielleicht ist auch sie für die Lieblichkeit verantwortlich. Sonst ist Myrrhe holzig-erdig, ich habe reines Myrrhenöl und auch "Classic Myrrh" von Eusersdorff, beide gehen in die raue Richtung.
Jedoch das Grundtimbre von Myrrhe mit leichter Bitterkeit ist auch in "Ambre Gris" enthalten.
Ich kann weder Blumenduft noch die gelisteten Gewürze herausriechen. Auch nehme ich keine süßen Duftnoten wahr.
Aber dann kommt das Schönste in "Ambre Gris", nämlich die Ambre-Gris-Note. Das Ambre Gris ist wirklich gelungen und ist, wie der Name des Parfüms sagt, der Protagonist dieses Dufts. Nach der Startphase rieche ich wirklich hauptsächlich grauen Amber in "Ambre Gris".
Ich bezeichne diese besondere Duftnote als warme, satte ja fast pastös-salbige Milde und Cremigkeit.
Ein einziges mal, es war aus einem Wanderpaket, habe ich einen intakten ziemlich alten Duft mit eindeutig echter Walambra riechen können und das erste Mal überhaupt erkannt.
Es war noch kein Batch auf der Packung oder dem Flakon, der reduzierte Preis war von Hand und mit "DM" darauf vermerkt.
So eine pastös-salbige Lieblichkeit hatte ich noch nie gerochen in einem Parfüm, und auch nie wieder seither. Diese Duftnote ist nicht süß, sondern verschmilzt mit den anderen Duftnoten zu einem besonderen Duft.
Eigentlich kann ich das nicht wirklich beschreiben, es duftet eben wie graue Ambra!
Das heute in keinem Duft mehr graue Walambra sein darf, hat man offenbar sehr gute synthetische und recht authentische Nachbauten oder auch Mischungen entwickelt, die dem tierischen Duftstoff bereits ziemlich nahe kommen.
Daher gibt es jetzt Düfte, die das mit synthetischen Molekülen erstklassig fast authentisch wiedergeben. Etwa in "Soulle Ámbar" oder in "Ambre Gris" von Balmain.
Diese Komposition verstärkt sich noch und bleibt bei mir sehr lange mit gleicher Stärke und ohne Veränderung wahrnehmbar.
"Ambre Gris" ist kein lauter Duft mit einem großen Radius von Sillage, ich nehme ihn aber an mir selber sehr gut wahr, ohne dass ich andauernd meine Handgelenke an die Nase bringen müsste.
Ich empfinde "Ambre Gris" als einen raffinierten und superben, trotzdem unprätentiös-eleganten Qualitätsduft. Und er ist bereits ein Klassiker, hoffentlich bleibt er noch lange und möglichst nicht weiter verändert auf dem Markt.


10.08.2018 00:39 Uhr
Schon einmal schrieb ich einen Kommentar zu "Fusion Sacrée" 2013. Jedoch habe ich diesen Duft erneut 2016 und jetzt wieder getestet.
Im Grunde hat sich an meiner Wahrnehmung im Prinzip nicht viel geändert. Staunte und verabscheute ich vor fünf Jahren die Duftnoten von schwarzer Johannisbeere und Rhabarber so scheine ich mich daran gewöhnt zu haben und finde das nicht mehr widerlich sondern zuweilen sogar aromatisch-erfrischend.
Dennoch sind es immer noch die Beeren, die in "Fusion Sacrée" durchdringend für mich herausströmen. Die gesamte Pyramide erscheint mir noch stets als eine ziemlich verwegene Mischung.
Es nimmt daher nicht Wunder, dass ich "Fusion Sacrée"Duft recht aufdringlich finde.
Ich rieche beispielsweise eine Art Bittermadel, das könnte auch Persipan sein oder schlicht Tonka. Dann entsteht eine Mischung aus Rhabarberkompott mit Vanillesoße und Milchkaffee von Muckefuck (Kaffee-Ersatz aus Zichorienwurzeln) aber arabisch mit Koriander.
Es folgen Noten von Suppengemüsekräutern und Früchten mit Blumen, Harzen und Hölzern. Hatte ich beim ersten Test sehr seltsame Gedankengänge finde ich "Fusion Sacrée" jetzt eher eigenartig.
Nach dem herb-fruchtigen Start entwickelt sich "Fusion Sacrée zu einem süßlich schwerem Duft, geradezu atemberaubend, wenn auch nicht angenehm. Auch nehme ich so etwas wie angebrannten Pudding wahr, kratzig-bratzig als ob Tannenhonig beigefügt wäre. Diese Schwere und Süße, auch das Animalische bleibt sehr lange bestehen.
Desweiteren gibt es einen eigenartigen Duftverlauf. Wenn sich "Fusion Sacrée Elle" aus dieser mir unharmonisch und bedrückend erscheinenden Phase herausentwickelt hat, folgt eine Zeitspanne während der "Fusion Sacrée" edel wenn auch heftig duftet.
Danach wird "Fusion Sacrée" wieder wild und dann schwülstig. Um sich dann erneut zu beruhigen und überraschenderweise eine erotische Nuance auszuströmen.
Jedoch jedes Mal, sobald ich dachte: So, nun wird es doch ein Duft mit sanfterem Charakter, beruhigt sich, setzt sich, tobt "Fusion Sacrée" wieder los. Außer dem Fruchtkompott schwarze Joha, Rhabarber, Feige mit Vanille und Koriander kann ich zeitweise keine weiteren Ingredienzen präzise wahrnehmen. Tolubalsam meine ich durchgehend rauszufiltern. Aber Tannenbalsam, Zeder? Wenn, dann sind sie eine Allianz mit den anderen Riechstoffen eingegangen.
Obwohl Blüten gelistet sind scheint es mir ein eher unblumiger Duft zu sein. Und immer wieder zwischen furiosen disharmonischen Phasen wird "Fusion Sacrée" wieder angenehmer bis beinahe richtig schön rund und voll. Lieblich kann ich nicht sagen. Der Duft beruhigt sich zwar immer wieder, aber bleibt auch in diesen Phasen intensiv, um dann erneut den seltsam bedrängenden mir widerlichen Gourmandattacken Raum zu geben.
Einerseits werde ich von "Fusion Sacrée" in den Bann gezogen. "Fusion Sacrée" hat dann etwas diabolisch Verführerisches, aber wenn ich mich nähere stößt es mich zurück, enttäuscht mich.
Man könnte "Fusion Sacrée" als extraordinären Duft bezeichnen mitsamt seinem surrealistischen Namen.


27.07.2018 12:29 Uhr
Neugierig und ahnungslos behielt ich mir die kleine Abfüllung von "Evasion" aus einer liebevoll zusammen gestellten Duftsendung bis vom Schluss auf, den, da war ich sicher, noch nie getestet hatte.
Ich trug großzügig auf. Und zunächst meinte ich etwas unsicher, ein mir sehr bekanntes florientales Chypre darin zu erkennen. Aber dann kam die mir unangenehme Eichenmoosnote vom Handgelenk in meine Nase. Nein, "Evasion" ist kein Vorläufer zu "Dia Woman" von Amouage, welches mehr seifige Aldehyde hat, aber kein Eichenmoos, zumindest nehme ich es in "Dia" nicht wahr.
Jedoch von vorne: Zuerst rieche ich für ganz kurze Zeit eine stroffe (sagt man in Norddeutschland zu sehr sauer-bitter-herb) zitrische Mischung. Die ganz schnell zu einer lieblich cremigen Blütenmischung, unter dem harschen Zitrus und dem mir unangenehmen Eichenmoos überleitet. Nun ist "Evasion" mehr "Tosca", die neue Extrait-Version. Daran gefällt mir, dass keine weißen Blüten dominant herauszuriechen sind. Zudem ist "Evasion" trotz Cremigkeit ebenfalls moderat erdig-irispudrig
"Evasion" bleibt aber dennoch immer einige Stufen herber, kratziger und unangenehmer - für mich, als "Dia Woman" oder "Tosca". Nicht nur das Eichenmoos, ich mutmaße, dass Narde von der mir etwas stinkigen (Baldrian) Art mitwirkt. Das oft gescholtene Zibet kann ich nicht nie herausriechen, aber vielleicht ist es für mich ähnlich wie diese Narden-Baldriannote.
Ich weiß von dem Gerücht, dass man unter die Schlafzimmerfenster von Nachbarn, die man foppen will, Baldrianöl träufeln soll. Die Nachbarn sollen davon durch durchdringend-extatisches, stundenlanges sehr unangenehm lautstarkes Katzenliebesgeheul um den Schlaf gebracht werden.
Ich schreibe das im Konditional, weil meine Katzen, präsentierte ich ihnen mal zum Test Baldriantropfen (der Alkohol muss dann natürlich verdunstet sein für die Katzen) auf dem Finger, guckten mich immer entgeistert und stumm an, als ob ich wohl nicht ganz bei Trost sei und wortlos fragtend, was sie denn damit sollten. Dann wandten sie sich kopf- und pfotenschüttelnd von mir ab.
Nach einigen Stunden der sich immer mehr zu Eichenmoos dominierenden Basis finden sich auch Holznoten, erdiges Vetiver und ebenso erdiges Patchouli ein. Mit diesen Noten und der oben erwähnten Iris entwickelt sich zudem noch eine Ledernote.
Nein, das ist kein Chypre wie ich es tragen mag, "Evasion" ist für echte Chypre-Liebhaber und -kenner.
Positiv finde ich, dass ich, wenn ich es rückblickend bedenke, keine störenden seifigen Aldehyde wahrgenommen habe.
Zwar nimmt sich "Evasion" sehr in der Sillage zurück, es ist von vorne herein nicht so eine Sillagerakete. So dass ich es zum Schlafen nicht abwaschen musste, ich habe es sowieso nur auf dem Unterarm und in der Ellenbogenbeuge großflächig aufgetragen.
Heute Morgen war tatsächlich bis ca. 10 Uhr noch eine typische Basis zu riechen, wie sie zu einem echten Chypre gehört, mitsamt der Ledernote. Ganz angenehm hautnah herb-bitter, sogar bei der Hitze ist "Evasion" so. Also 12 Stunden Haltbarkeit sind möglich.
Obwohl "Evasion" eindeutig feminin in der Herznote ist, so wird es rasch und über die lange Haltbarkeit für meine Wahrnehmung auch für Männer tragbar.
"Aufgelesen"
und historisch interessant füge ich hinzu (30.07.2018)
Laut "Bettina de Cosnac, Parfüm, Frauen in der Welt der Düfte", (Busse & Seewald Verlag, 2017) Seite 41,
besaßen die Brüder Pierre und Paul Wertheim die Parfümmanufaktur "BOURJOIS" bis 1924. 1924 gründeten Coco Chanel und die Brüder Wertheim das Parfümunternehmen "Chanel".


24.07.2018 02:48 Uhr
Als ich die Ingredienzen dieses Dufts las war ich richtig angefixt: Mandeln, Kirschen, edle Hölzer. Sollte ich mit "Luctor et Emergo" einen Duft analog zu "Hiroshima mon Amour" gefunden haben? Zimt ist zwar nicht gelistet. Das ist in "Hiroshima" ein deutlich wahrzunehmendes Gewürz. Jedoch sonst, vielleicht wäre das etwas für mich als Alternative zu Hiroshima?
Mittlerweile habe ich dank einer aufmerksamen Userin einen Restflakon von Hiroshima mon Amor" von Nez à Nez. Also könne ich den Vergleich ziehen, so meine Überlegung.
Denn wenn ich den aufgebraucht habe, werde ich ihn nie wieder bekommen, er ist schon seit ca. fünf Jahren eingestellt.
Und so bestellte ich eine Abfüllung des EdT's davon (es gab kein EdP als Abfüllung zu kaufen).
Aber ich brauchte nicht mal meine Nase bis zum Flakon "Hiroshima" zu bemühen, das alles das hat, was ich mir wünsche und wie es hier teilweise für "Luctor et Emergo" gelistet ist.
Denn das, was als Ingredienzen für "Luctor et Emergo" genannt wird und was mich neugierig gemacht hat, entspricht in keiner Weise dem, was ich rieche.
Zuerst kommt mir eine starke Kokosmilchnote entgegen mit frischem zerriebenem Grün. Das Grün wird mir schnell widerlich und ich erkenne, dass es genau dem entspricht, was in sowohl in dem alten Poison als in dem neueren Hypnotic Poison gerochen habe: Welkes Grünzeug das mit Herbiziden nieder gemacht wurde, also Kumarin und nochmals Kumarin, sehr synthetisch.
Dazu riecht "Luctor et Emergo" nach Anis und/oder Kardamom, ich kann das in Düften oft nicht so gut auseinander halten. Ich bin schon schwer enttäuscht.
Aber es soll noch schlimmer kommen. Nämlich entwickelt sich schnell eine aufdringlich urinige Note nach Harnsäurekunststoff. Sollen das die weißen Blüten sein? So habe ich die noch nie wahrgenommen. Ich will das etwa ein halbe Stunde durchhalten und plane im Geiste ein ausgiebiges Abwaschritual, gehe schon mal die möglichen rabiaten Mittel durch, die vielleicht nötig wären.
Aber glücklicherweise wird "Luctor et Emergo" innerhalb von 30 Minuten holziger, sehr nach Lakritz/Süßholz duftend. Die Urinnote verschwindet völlig. So bleibt dann ein sämiger Duft aus einer Mischung von Lakritz, Holz und einem Rest Kokos und Vanille. Während des Übergangs der animalischen Note zur Holz-Lakritz-Note schwächt sich der Duft ab.
Als "Luctor et Emergo" tatsächlich mit Lakritz- und Holznoten steht, nimmt er Fahrt auf, wird wieder stärker, die Blätter nun schon etwas erdig-kompostiert, treten wieder ins Duftgeschehen. Jetzt ist People of the Labyrinths - "Luctor et Emergo" auszuhalten. Aber es ist leider überhaupt nicht der Duft, den ich nach den Ingredienzen erwartet habe. Diesen Duft werde ich niemals lange um und an mir ertragen können.
Nach etwa weiteren zwei Stunden rieche ich nur noch einen hautnahen und süßlichen Lakritz-Vanillegeruch. Harmlos, eine Spur penetrant immer noch nach Kumarin riechend ist "Luctor et Emergo" nun geworden.
Wer so etwas mag, etwa die Liebhaber von "Bosque" von Humiecki & Graef, denen sei ein Test empfohlen.


22.07.2018 02:46 Uhr
"La Belle Hélène" ist für mich ein ziemlich kompliziertes nicht besonders harmonisches modernes Chypre, welches ich frei als Fruchtchypre bezeichnen würde.
"La Belle Hélène" als die bekannte Nachspeise, wie er hier immer wieder beschrieben wird finde ich nicht in diesem Parfüm.
Vor allem fehlt dazu die Schokoladensoßennote, die zu diesem Dessert gehört, daher kann das Rezept nur nach der Entdeckung Amerikas so kreiert worden sein.
Allerdings fehlte nur noch eine vanillige Schokonote im Parfüm "La Belle Hélène", dann wäre es ein seltsamer Gourmandduft.
Unermüdlich wird von vielen hier nicht nur auf die köstliche Birne als Frucht, sondern auch auf die Nachspeise "Birne Helene" abgehoben. Ob es sich wirklich direkt um eine Hommage für die antike Helena aus Homers Ilias handelt ist fraglich aber durchaus möglich.
Es kann auch eine andere heißgeliebte Hélèna gemeint gewesen sein. Vielleicht auch eine ganz andere Frau und diese so nach der antiken Helena benannte Nachspeise war nur eine versteckte Liebesbotschaft oder Ehrenbezeugung.
In früheren Zeiten wurden oft solche Botschaften auf diese Weise "verschlüsselt".
Wie beispielsweise Kreuzfahrtschiffe einer britischen Rederei Oriana und Aurora getauft wurden um damit die Queen und die Kronprinzessin zu ehren bzw. ihnen zu huldigen. Nur um die "Dames" nicht so plump zu kompromittieren anstatt ihnen Respekt zu erweisen .
So wurde es uns während der festlichen "Time to say Good bye"-Events der beiden Schiffe in den Reden erklärt.
Zum Duft:
Ich rieche von Anfang an Eichenmoos und Patchouli in "La Belle Hélène". Zunächst allerdings nicht so deutlich, so dass ich für mich rätsele, ob ich mir das vielleicht einbilde. Ich hatte Recht, nach dem Aufrufen hier sehe ich die beiden Ingredienzen gelistet.
Ganz deutlich und schön rieche sofort zarte Iris mit zitrisch-fruchtig und pudrigem Aroma. Da mag auch Birne gemeint sein. Darunter rieche ich schon die Basis, so dass mir "La Belle Hélène" unrund erscheint. Vorübergehend nehme ich offenbar von der Zeder und anderen holzigen Noten bewirkt eine leichte Ledernote wahr, die jedoch rasch wieder unter geht.
Daraus entwickelt sich durch eine Mischung aus fruchtigem Osmanthus, Rose und anderen Fruchtnoten mit Ylang-Ylang als Unterstützung eine feinere und transparentere Version von "La Panthère von Cartier als Herznote.
In der mir leider weniger angenehmen Basis mit nun deutlicheren Noten des Eichenmooses und des Patchoulis nehme ich auch die erdige und strenge Myrrhe wahr. Durch den Amber und Moschus als Gegenpart bleibt "La Belle Hélène" dennoch ein zartes doch unregelmäßiges Duftgespinst.
Der fruchtige Charakter von "La Belle Hélène" erscheint mir nun kräftiger, denn ich nehme vorwiegend wachsige Aldehyde und Osmanthusblüten mit ihrem Trockenobstgeruch zunächst zu den anderen Basisnoten wahr.
Allmählich jedoch nehmen die Aldehyde mit der Osmanthusnote und den Blüten aus der Herznote wieder Fahrt auf. Die mir schroffen Basisnoten entfernen sich und nun ist "La Belle Hélène" fast wieder wie in der Kopfnote, die Irisnote duftet nicht mehr mit: Säuerlich-fruchtig und zudem leicht seifig.
Ich habe jetzt nur teilweise das genannt, was in der Pyramide gelistet ist. Ich bin überzeugt, dass da noch einige andere Ingredienzen in der Komposition von "La Belle Hélène" mitwirken, kann sie aber weder benennen noch möchte ich hier spekulieren.


19.07.2018 02:53 Uhr
Dass es für Etro "Patchouly" EdP noch keinen Kommentar gibt, wundert mich nicht nachdem ich ihn getestet habe.
Dass ich neuerdings nebenbei nach schönen Patchoulidüften Ausschau halte liegt daran, dass zu meiner Überraschung auf den Patchouliduft "Patchouli Nosy be" von Perris Monte Carlo ein Reaktion meines Mannes erfolgte: "Oh, das ist aber eine wunderschöner Duft, Du duftest so gut". Und das nach sechs Jahren Parfumo das erste Mal mit solch ehrlicher Bestimmtheit.
Sonst kann ich tragen was ich will, er hat entweder nichts gerochen, oder er sagt so etwas Indifferentes wie: "Das ist aber ein starker Duft" und ganz oft: "Das riecht ja nach Maiglöckchen", auch wenn es überhaupt kein Blumenduft ist. Weil er das rät, er mag so gerne Maiglöckchendüfte, (und ich kann sie nicht ertragen).
Es gibt nur wenige Düfte die er überhaupt richtig wahrnimmt.
Es hat natürlich Vorteile einerseits. Denn ich kann mich eindieseln womit ich will. Auf sein Urteil brauche allermeist nichts geben, wenn ich ihn frage. Das fällt immer so aus wie er denkt, dass es vielleicht hinkommt. Wobei er lustigerweise bei ein und demselben Duft einmal Maiglöckchen riecht, das andere Mal aber nicht. Oft sagt er auf meine Frage, wie er den Duft findet: "Oh, ich habe nicht drauf geachtet, ich rieche nichts".
Aber bei Patchouli reagiert er immer zu meiner großen Überraschung mit Entzücken und ich frage mich im Stillen, was davon wohl aus der Vergangenheit vor mir stammt. Na, und wenn schon!
Jetzt habe ich schon einige Patchoulidüfte und ich selber liebe die Abwechslung. Außerdem sollte man immer eine Alternative haben, falls ein Duft, der einem gut gefällt nicht mehr zu haben ist.
Langer Einleitung kurzer Sinn bezüglich "Patchouly EdP" von Etro:
Es ist ein netter Duft. Zuerst rieche ich helle, wie soeben in der Sonne getrocknete Patchouliblüten. Allerdings scheinen sie schon vor dem Trocknen angewelkt gewesen zu sein, und riechen bereits etwas staubig-pudrig nach Heu. Etwas später kommt eine Note wie Vanillepuddingpulver hinzu, mit einem leichten Kakaobuttergeruch wie weiße Schokolade. Dennoch ist "Patchouly" nur andeutungsweise süß. Tonka ist sehr zurückhaltend eingesetzt. Um ehrlich zu sein: Wenn es nicht gelistet wäre hätte ich es nicht vermutet. Labdanum rieche ich zu meinem Bedauern überhaupt nicht, sondern einen milchigen Balsamduft, das muss daher Tolu sein. Mit der Zeit entwickelt sich ein Hauch einer bitteren Note.
Mir fehlt bei diesem Duft ein Gegenspieler, etwas mehr Holzigkeit oder vielleicht bitterer Kakao. Etwas Herzhaftes gewissermaßen. So bleibt "Patchouly" sehr nett, brav und ausdruckslos. Es scheint, als ob Etro sich nicht so richtig getraut hätte "Patchouly EdP" mehr Charakter in eine Richtung zu geben. So ist es ein immer tragbarer Duft, jedoch mich berührt er nicht, weder positiv noch negativ.
Denn was auch immer mein Mann dazu sagt, zuerst muss ich ihn schön finden und ihn gerne tragen mögen.
Die Haltbarkeit ist gut, die Sillage so mittelmäßig wie der Duft insgesamt.


18.07.2018 02:19 Uhr
Zunächst habe ich Caron, La Collection privée, Secret Oud (EdP) nur aus Neugierde in einer Abfüllung bestellt. Weil ich Narde sonst ganz furchtbar finde.
Und weil mir bisher jedes Parfüm mit Baldriangewächsen scheußlich roch.
Nun wollte ich wissen, wie sich das mit Oud und Jasmin macht.
Aber in "Secret Oud" ist es Caron gelungen, einen außergewöhnlichen aparten und exquisiten Oud-Duft zu komponieren. Alle genannten Ingredienzen passen harmonisch zusammen, die Speiknarde, ein Geißblattgewächs (Jatamansi) passt vollkommen zu dem holzigen Oud mit der dezenten cremigen Rose mit der "Secret Oud" startet.
Sodann nehme ich ein leicht erdig-medizinisch-harziges (vielleicht Myrrhe), warmes und deutlich auch nach Zistrose duftendes Parfüm wahr. Balsamisch-harziger Amber untermalt "Secret Oud". Ich meine auch Ylang-Ylang zu riechen.
Die Narde verströmt dabei zunächst leicht, doch eindeutig den typischen Baldriangeruch aus.
Holziges Oud zusammen mit einer für mich für Zistrose eigenen Melissennote macht "Secret Oud" fast honigsüß.
Zeder rieche ich nicht, sondern eine sehr dunkle warme Holznote. Auch Safran kann ich nicht identifizieren. Jasmin nehme ich nicht als Jasmin wahr, sondern, wie bei "Bois d' Oud" von Perris Monte Carlo; als einen Hauch der Gerüche von warmen Federn und Fell.
Im Zusammenwirken aller Ingredienzen duftet "Secret Oud" beruhigend, aromatisch und umhüllt mich mit Geborgenheit.
Dazu passt auch die mittlere fast körpernahe Sillage. Die Haltbarkeit von jetzt 4 Stunden bei gleichbleibender Sillage verspricht, dass "Secret Oud" noch etwas länger bleibt.
Unerwartet hat mich "Secret Oud" richtig betört und scheint ein Wunschduft zu werden. Es war der Duft, der mir beim Öffnen der Abfüllungssendung so verlockend entgegen duftete.


10.06.2018 12:01 Uhr
Sehr gespannt war ich auf den Test von Patou's "Vacances". Die Düfte dieses Hauses tendieren für mich zwischen den für mich oft untragbar heftigen Düften des letzten Viertels des 20 Jahrhunderts und den ganz modernen zuweilen etwas sehr minimalisierten Düften von jetzt. Patou-Düfte sind dennoch für mich "richtige" Parfüms, konventionell, aussagekräftig und keineswegs alltägliche Düfte. Aber "Vacances" kannte ich noch nicht.
Eine liebenswürdige Parfuma hatte mir "Vacances" als Überraschung mit in die Duftpost gegeben. (Ganz lieben, herzlichen Dank an sie! Was für einer Rarität hat sie mir da überlassen!)
Wie immer testete ich ohne mich hier in der Seite zu informieren und auch noch spät am Abend in der Gewißheit, dass der Duft bereits kommentiert sei bei einem Haus wie Patou.-
Einen kurzen Moment duftete es unspektakulär leicht grün-herbe.
Sofort folgte eine süßer, cremiger Moschusduft mit einer ebenfalls lieblichen Mischung von Blüten mit einer Tendenz zu weißen Blüten. Jedoch glitt diese filigrane moschuscremige Blütenmischung nicht ins Nivea-Cremige ab, sondern sie wurde unterlegt mit einer leicht bizzelnden Note. Vielleicht Ylang-Ylang? Eher nicht, ich notierte es erstmal, es würde sich beim Aufrufen gewiß offenbaren. Irgendwie apart vertraut hatte "Vacances" etwas, was nicht so ganz in die heutige Parfümlandschaft passt. "Vacances" ist ein sehr femininer Duft.
Da ich mich jedoch im Schreiben von Mails verlor und daher nur ab und zu an meinem Handgelenk schnupperte, wurde es sehr spät bzw. früh. Irgendwann notierte ich "Flieder", vielleicht Veilchen, Glyzinie?". Das Herbe könnte auch Mimose sein. Ein sehr feiner dennoch aussagekräftiger Duft; mädchenhaft zart, lieblich, süß, unschuldig, eigenwillig, altmodisch-bezaubernd und hellstrahlend, und dennoch, irgendwie, irgendwie...kenne ich so einen ähnlichen Duft. Aber welcher war es, der so ähnlich duftet?
Dann ging ich nach draußen, es war noch schwül und bewölkt, kein Regentropfen fiel, wie seit Tagen nicht. Durch die Wolken sah ich den Jupiter schon tief fast im Süden schimmern. Also würde es immer noch keinen Regen geben.
Aber dann kam vom Flüßchen unten schwirrend auf unsere Terrasse ein sehr kleines gleißend strahlende Flugobjekt: Ein Glühwürmchen. Es flog gemächlich ein paar Saltos und Schlangenlinien und verschwand, noch ein paar Loopings drehend wieder hinunter zum Fluß.
Da fiel es mir ein: Météorites von Guerlain duftet so ähnlich, nämlich nach Flieder, es ist auch leicht grün, cremig, jedoch ist darin noch anderes, es endet mit einer ganz feinen Guerlinade. Vor allem ist die Moschusnote viel dezenter in "Météorites". Überhaupt ist "Météorites" leichter, jedoch sind ist die Noten nach weißen Blüten dominanter.
Obwohl "Vacances" kein lauter Duft ist, oder doch? Es fehlt ein Antagonist - keine Zitrusnote banalisiert "Vacances" - auch wenn etwas Herb-Grünes mit duftet. So steht es in meinen Blindtest-Notizen Ich wollte den PC schon runterfahren da fiel mir ein, dass ich "Vacances" doch noch hier als getestet listen sollte.
Tja: Kein Kommentar, kein Statement und ein Duft von 1936, ein Vintage, es gibt ihn schon längst nicht mehr. Wie schade, dachte ich.
Die herbe grüne Note ist also Mimose mit Galbanum. Die weiße Blütenduft kommt von Weißdorn und von wird von der Sorte Hyazinthe abgemildert, die sehr fein duftet. So erkläre ich mir das. Allerdings ist sind das nur meine Überlegungen.
Aber recht behalten habe ich auf jeden Fall mit dem Identifizieren von Flieder.
So eine nachträgliche Bestätigung ist für mich ein kleines Erfolgserlebnis.
Da ich "Vacances" schön fand und finde wollte ich ihn zum Schlafen nicht mehr abwaschen.
"Vacances" wäre für mich ein Duft für mich selber, ein Betthupferlduft, ein Kuschelduft für zu Hause. Und folgerichtig konnte ich schon zum Vergleich doch Météorites auftragen. Den Rest vom Teströhrchen wollte ich für den Kommentartest nicht noch weiter verbrauchen
Heute Vormittag konnte ich auf der Auftragsstelle von gestern Abend noch eine Spur unveränderten "Vacances" wahrnehmen, also habe ich genau dort wieder aufgetragen.
Oha, jetzt ist "Vacances" dadurch um einige Drehzahlen verstärkt und viel deutlicher. Der ganze Raum duftet danach. Der Verlauf ist gleich, aber der Flieder ganz deutlich einzeln für mich wahrzunehmen, die Blütenmischung süßer und gar nicht mehr so unschuldig, sondern üppig. Das Mädchen ist eine Frau mit Kurven geworden. Dafür rieche ich keine weißen Blüten mehr. Also ist Zurückhaltung bei der Dosierung geboten.
Da "Vacances", den ich jetzt getestet habe, keine Spur von Alter zeigt, nehme ich an, dass es eine Probe der kostspieligen "Heritage" - Version davon ist. Es ist nostalgischer weiblicher reiner Blüten-Moschus-Duft.
Ob "Vacances" "Météorites" wohl als Pate gestanden hat?


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