SeeroseSeeroses Parfumkommentare

1 - 10 von 648

21.10.2017 02:39 Uhr
Das Endergebnis dieses Test ist für mich, dass ich feststelle: "Dojima" duftet für mich wie eine Mischung aus "Bosque" von Humieckie & Graef sowie "Bois Farine" von L' Artisan.
Wobei ich "Bosque" auch nach mehrmaligem Testen nie mochte. Jedoch "Bois Farine" mit seiner ruralen Geradlinigkeit, der erdig-nussigen Note kann mich immer wieder begeistern.
Eigentlich hatte ich mir eine leicht blumigen, nicht süßen pudrigen Irisduft vorgestellt der mich bezaubern könnte. Dem Muskatellersalbei traute ich allerdings nicht. Muskat, so stellte ich mir vor, könnte "Dojima" eine leicht scharfe würzige Holzigkeit geben.
Ambrette kommt mir zudem oft analog zum Austausch von normalen Zucker durch Sacharin vor. Oder so, als wenn man geröstete Zichorienwurzel als Kaffee-Ersatz trinkt. Es ist kein Kaffee, es sieht nur so aus und riecht geröstet, schmeckt bitter-malzig. Ambrette ist ein pflanzlicher moschusähnlicher Duft, kein synthetischer Moschusduft, der ja bereits ein Ersatzstoff ist. Für mich ist Ambrette eigenständiger Duftstoff.
Reis? Es gibt mittlerweile Düfte, die nach Basmati-Reis duften sollen oder nach Duftreis.
Aber noch nie roch mir ein Parfüm nach Reispuder.
Jedoch, was wird nicht alles in Ingredienzenlisten bzw. Pyramiden gelistet. Man weiß nicht, ob es danach riechen soll in der Gesamtkomposition oder ob es wirklich danach riecht und man selber das nicht identifizieren kann.
Ich jedenfalls roch nach dem Auftragen und Verdunsten zunächst für kurze Zeit eine leicht holzige Note und Kokosduft. Dazu entwickelte sich eine leichte Parfümledernote die bis jetzt immer noch für mich wahrnehmbar ist. Und eine parfümaquatische Note als sei auch Calone mit im Duftkaleidoskop von "Dojima". Aber auch die typische Irisnote roch ich, zunächst sanft ganz leicht nach Irisblüten duftend.
Wie ich aus Erfahrung weiß, duften Irisblüten, wenn sie duften, wirklich leicht blumig und zart aber unverkennbar nach Iriswurzeln, manchmal leicht karottig.
Aber dann steigen von Dojima Noten auf, die ich bedrängend finde; Ambrette, eine deutliche leicht breiige Sandelnote. Was der Muskatellersalbei und der Jasmin bewirken, kann ich nicht bestimmen. Weder rieche ich zunächst den typischen Salbeiduft noch den mir oft animalisch riechenden Jasmin. Überdies scheint mir, dass in Dojima für mein Empfinden Labdanum eine wachsige und unangenehm süßliche Note darauf setzt.
Auch nehme ich Süßholz wahr. Aber das kann auch das Ergebnis der Komposition sein.
Meines Erachtens fehlt hier einerseits ein Antagonist, etwas Holziges vielleicht und/oder etwas Herb-Grünes. Und andererseits ist hier mit einige Ingredienzen übertrieben worden, wie Labdanum, Ambrette und ein Zuviel an Sandel. Entweder Moschus oder Sandel wäre ausreichend gewesen. Beides zusammen mit Ambrette scheint mir zu übermächtig.
Nach längerer Zeit setzt sich doch ein Hauch minzigen Salbeis durch. Das tut "Dojima" gut. Dadurch wird der seltsam süßlich pastöse Duft doch noch etwas herb und luftig-transparenter.
Nun duftet "Dojima" für mich angenehmer und auch aparter. Somit konnte sich, meine Wahrnehmung, die Iris sich gegen die zahlreichen Mitspieler als Hauptprotagonistin durchsetzen.
Aber vielleicht habe ich mich auch an Dojima gewöhnt.
Den Usern hier, die solche Düfte wie Bosque mögen kann ich zu einem Test raten.
Dojima ist ein durchaus vielfältiger, raffinierter Duft, wenn auch nicht wirklich innovativ. Mich kann er leider nicht begeistern. Irgendwie ist er mir zu bedrängend, klebrig-milchig-süßlich.
Die Haltbarkeit ist gut, Dojima bleibt über lange Zeit konstant intensiv. Bei der Sillage bin ich mir nicht sicher. Mir kommt sie stark vor. Ich gehe davon aus, dass man bei der Dosierung sparsam sein sollte.





12.10.2017 00:23 Uhr
Beim Entschluss, einen Kommentar zu schreiben, dachte ich auch an den Titel: „Nichts für fundamentalische Sauerfruchtgegner“. Aber das schien mir zu politisch für ein paar saure Früchtchen oder das scheußliche Rhabarberkompott von früher. Nach den Kommentaren hier hätte ich wenigstens eine aromatische authentische Fruchtkonfitüre aus einer Waldfrichtmischung erwartet. Aber ich hatte sie zuvor nicht gelesen. Montale, so dachte, ist hat einige sehr ansprechende Düfte für mich, also muss „Pretty Fruity“ getestet werden.
Auf der Haut roch ich mit der ersten Sillage vor dem Trocknen in der Luft einen aromatischen Fruchtduft.
Aber dann setzte für mich ein scharfer und saurer Fruchtduft ein. Zitrus erkannte ich nicht. Aber ich dachte an Granatapfel, Rhabarber und Passionsfrucht. Und das gut konzentriert scharf, sauer von keiner Süße besänftigt.
Jedoch mein Mann wollte auch mal riechen und fand den Duft „herrlich“. Warum ich mir nicht mal so ein Parfüm kaufen würde war sein Kommentar.
Auch später, als sich noch eine grüne wachsige Note wie die von wachsigen sauren Apfelschalen mit einem Hauch muffiger Tuberose einstellte, blieb er dabei, dass „Pretty Fruity“ schön an mir duftete. Er verstehe mich ja, ich würde die wirklich schmackhaften Früchte verschmähen, aber „Pretty Fruity“ wäre doch nun wirklich ein fruchtiger Duft für Erwachsene, kein bisschen wie alberne Fruchtgummis.
Ich erklärte ihm unbarmherzig, dass ich mir „Pretty Fruity“ nie kaufen würde und ihn vor dem Schlafengehen abwaschen würde, ich hätte schon ein pelziges umd saures Gefühl auf der Zunge. Damit könne ich nicht schlafen. Aber zuvor müsse ich zu Testzwecken noch ein Weilchen den Duft aushalten. Das fand er bedauerlich, meinte aber friedfertig, dass ich das selber wissen müsse.
Beim weiteren Verlauf blieb die saure Schärfe, ich roch auch Kumarin und auch so etwas wie Venylsynthetik. Noch einige Zeit später, nämlich jetzt, rieche ich zudem etwas leicht Bitteres, einen Hauch Moschus und auch Vanillin. Damit wird „Pretty Fruity“ milder, die scharfe Säure ist neutralisiert. Aber es bleibt nun nur noch ein seltsam synthetisch-wachsiger Plastikgeruch, grün und undefinierbar. „Pretty Fruity“ erinnert mich nun eher an Kosmetik und Reinigungsmittel mit Apfelaroma.
Wenn ich es recht überdenke, ist „Pretty Fruity“ ein eindimensionaler Duft. Es ist ein Gourmand für Liebhaberinnen, und wie ich feststellte, für Liebhaber von sauren sehr herben Früchten.
Ich habe aus einer neuen, unbenutzten Originalprobe getestet


18.09.2017 02:50 Uhr
Vor einigen Tagen erhielt ich in der Apotheke eine O-Probe von "Fleur d' Osmanthus".
Zu Hause rief ich zuerst den Duft hier auf und las meinen Verriß, und was ich dazu in den Notizen vermerkt habe. So weit ich mich erinnere, hatte ich einen Rest einer Abfüllung oder eine Abfüllung. Die ganz sicher nicht mehr taufrisch war.
Und was ich da alles gerochen haben will, bestätigt mir, dass der Duft schon auseinandergefallen, aber noch nicht gekippt war.
Heute nun habe ich das noch einmal mit der frischen Probe überprüft.
Ergebnis: Als erstes habe ich den alten Kommentar gelöscht. Und ich hoffe, dass ich die Abfüllung nicht weiter gegeben, sondern entsorgt habe.
Jetzt rieche ich einen gleich zu Beginn fruchtigen Duft, ein Spur nach Trockenobst. Sie wird oft in herberen und seriösen Fruchtdüften eingesetzt.
Ein feine nicht zu saure Fruchtigkeit mit einem leicht cremigen und blumigen Unterton, so soll Osmanthusblüte duften. Und so entwickelt sich "Fleur d' Osmanthe" auch binnen Kurzem.
Die genannten Zitrusnoten sind nicht vorherrschend, sondern unterstützen die Osmanthusblütennote, sind Antagonisten gegen Trockenobstduft, der dann auch schon mal leicht zu intensiv nach aromatisiertem Tabak riechen kann. So hatte ich es auch geschrieben.
Aber das finde ich jetzt auch nach mehreren Stunden nicht wieder.
Der milde rote Pfeffer ist wahrnehmbar und gibt dem Duft im wahrsten Sinne des Wortes "Pepp".
Ich hatte seinerzeit etwas von aquatischen Noten geschrieben. Das rieche ich jetzt überhaupt nicht. Auch die damals von mir bemängelte Entwicklung zu muffiger Tuberosennote tritt nicht wieder zu Tage.
Lediglich eine ganz leichte Seifigkeit rieche ich zu von Zeit zu Zeit.
Jetzt habe ich auf meiner Haut und in meiner Nase einen hellen, sehr angenehmen, leicht säuerlichen transparenten Duft, mit feiner Süße, leicht cremig.
"Fleur d' Osmanthus" zeichnet nun sehr gekonnt einen säuerlicher-blumigen sehr aromatischer Apfel nach, einer der alten Sorte, frisch vom Baum und sofort angeschnitten.
Wenn hier Patchouli erwähnt wird, dann kann ich nur vermuten, dass das Aroma von frisch getrocknetem Patchouliblüten sehr sparsam eingesetzt wurde.
Fleur 'd Osmanthus ist doch ein sehr harmonischer, leichter und vor allem aparter Fruchtduft, Ganz gegen meine ersten Eindrücke.
Was wieder einmal deutlich macht, dass man Abfüllungen zeitnah verbrauchen sollte. Oder, dass man sie umgehend nach dem Test weiter geben sollte solange der Duft noch frisch ist. Und das es besser ist im Zweifelsfall eine Abfüllung zu entsorgen.


13.09.2017 01:17 Uhr
Zur Zeit sind Fruchtdüfte so beliebt. Es wundert mich, dass "Aoud Orchid" von Mancera noch keinen Kommentar hat.
Wenn man gerne Fruchtdüfte mag, aber durchaus nicht wie ein wandelndes überzuckertes synthetisches Fruchtgummi riechen möchte, hat mit "Aoud Orchid" eine seriöse Alternative.
Als Auftakt rieche ich Kokos und moderat säuerliche fast authentisch frische Früchte. Leider ist die Mischung so unbestimmt, ich hätte Osmanthus vermutet. Aber da es mir leicht aquatisch riecht, habe ich mit meiner Vermutung recht, dass Mandarine mit im Duftspiel von "Aoud Orchid" ist. Calone (o. ä.) die Note, die für den parfümaquatischen Akkord verantwortlich ist, bleibt nicht nur während des gesamten Verlaufs erhalten, sie verstärkt sich in der Basis noch.
Mit der oudähnlichen Holznote, die nur ab und zu eine winzige Spur schweißig riecht, wird der Name "Aoud Orchid" verständlich. Aber keine "Bange", es ist kein animalisches Stinkoud, sondern ein Oud, dass nach hellem Holz riecht, zusammen mit etwas Pfeffrigem.
Bis dahin ist "Aoud Orchid" noch ein stroffer Duft, wenig lieblich. Blüten kann ich zunächst überhaupt nicht wahrnehmen. Im weiteren Verlauf entwickelt "Aoud Orchid" durch Vanille und Moschus eine hauchzarte Süße wie ein Hauch Puderzucker über einen Fruchtbecher gestäubt. Trotzdem bleibt auch das grüne helle oudähnliche Holz als Grundton erhalten. Würde "Aoud Vanille" so bleiben, könnte ich sagen: Ein perfekter Fruchtduft. Leider entsteht langsam eine Note wie Tuberose, die ich oft als "angesäuerter Spüllappen" empfinde. Es könnte auch Gardenie sein. Vielleicht ist die gelistete Orchidee gemeint. Ich habe noch nie an einer nach Blumen duftenden Orchidee riechen können.
Zusammenfassend lässt sich dennoch sagen, dass "Aoud Orchid" ein ernsthafter Qualitätsfruchtduft ist. Einzigartig ist "Aoud Orchid" allerdings nicht. Ich habe schon ähnliche Fruchtdüfte getestet.


10.09.2017 01:45 Uhr
Ich trug "Love Shot" auf und dachte: Riecht wie "Divin' Enfant" von ELdO. Und notierte zwischen dem Lesen der zahlreichen Antworten zum letzten Blog FabianO etwas zu "Love Shot". Nein, auf den Namen gehe ich nicht ein. Es ist müßig. Auch nicht auf den Blog, das kann jeder selber lesen.
Ich beginne mit dem Fazit. Nämlich riecht "Love Shot" mir wie eine geputzte Raucherbude, bei der dann mit einem Raumspray versucht wurde, den omnipräsenten Kippenaschengeruch zu übertönen. Was aber, so meine Erfahrung, nicht gelingt, sondern zusätzlich zum Kippenaschengeruch kommt der Geruch von Reinigungsmittel und dem des Raumsprays.
Zwischendurch dachte ich über die von mir gemacht Beobachtung zu bestimmten Düften mit Kippenaschenakkord nach.
Mir will scheinen, dass blumig-fruchtige und vor allem süße Düfte mit Rauch, bzw. mit Veilchen-Iris und Ruß, Holzteer und zudem noch Patchouli UND Vetiver und anderen Rauchmolekülen erzeugter Lederduft diesen Geruch nach Zigarettenkippennote bewirken.
Ein typischer Geruch, der sich ähnlich in Räumen festsetzt, in denen viel geraucht wird, auch wenn genügend gelüftet und geputzt wird. Das kann noch lange Zeit in solchen Räumen hängen, in Tapeten, Wandfarben, Teppichböden, einfach an und in allem.
Wer einmal einen Raum gereinigt hat, in dem viel geraucht aber längere Zeit nicht gründlich geputzt wurde, wird in mehrfachen Wischgängen von allen glatten Flächen aus Glas, an Bildern, Türen etc. eine braune Schicht entfernt haben müssen. Bilder in einem Raucherraum abzuhängen zeigt das ganze Ausmaß der "Räucherei".
Nein, ich bin keine Antiraucherin geworden. Ich rauche nur nicht mehr, nie mehr.
Und nun zum Duft "Love Shot". Zuerst rieche ich eine Mischung von Blumigem, grün, süß-fruchtig. Himbeeren sollen das sein? Meinetwegen, ich rieche nur ganz allgemein etwas Fruchtig-Süßes. Aber gleichzeitig ist diese rauchige Kippenaschenote sofort dominant . Dann folgt etwas Erdiges und auch eine Spur Aquatisches. Bei mir will sich keine Ledernote einstellen. Stattdessen nehme ich vorübergehend ein unangenehme animalische Note wahr, richtig stinkig wie von jemand lange Ungewaschenem. Aber dieses Unangenehme verschwindet sehr schnell wieder.
Stattdessen wird "Love Shot" weniger rauchig, fruchtiger, leichter. Ich nehme auch eine erdige grüne Note wahr.
Nun rufe ich "Love Shot" hier auf. Im Grunde ist alles in der Pyramide Genannte da, Vanille kann ich nicht einzeln herausriechen, Moschus auch nicht.
Wenn ich mir den mißlungenen Leder- und Rauchgeruch wegdenke, dann ist "Love Shot" einer dieser vielen, zur Zeit angesagten süßen Fruchtgummidüfte, süß, eintönig, eine Spur indifferent fruchtsauer.
Ich zähle keine anderen Düfte auf, es gibt sie von ganz preiswert bis zum teuren Nischenduft.
"Love Shot" hat eine beachtliche Sillage, die mir auf die Dauer Sodbrennen verursacht.
Ich könnte mir vorstellen, dass Raucher diesen Duft nicht so wahrnehmen. Das weiß ich aus meinen lange zurückliegenden Raucherzeiten. Ich merkte wirklich nicht, dass alles in unserem Haus nach gerauchten Zigaretten roch. Auch wenn ich nie einen Aschenbecher mit gerauchten Kippen stehen ließ.
Dass es bei uns so roch, wie ich es jetzt in diversen Parfüms auch noch riechen kann, merkte ich erst, nachdem ich einige Zeit nicht mehr geraucht hatte.
Dieser Duft hat für mich eine Aussage: Abwaschen!
Zwei Punkte gebe ich, weil die Pyramide zum großen Teil mit dem Gerochenen übereinstimmt. Wenn auch im Ergebnis alles anders zusammenwirkt als man es erwarten könnte.


08.09.2017 02:32 Uhr
Als ich die O-Probe "Ziryab" erhielt dachte ich: Wie schön, ein interessanter Oud-Duft. Ich las den vollmundigen Text dazu. Ziryab war ein frühmittelalterlicher Poet und Universalgelehrter aus dem Irak, der nach Cordoba gelangt war, ein Genie seiner Zeit, weltberühmt. Das heißt für die damalige Zeit; berühmt in den Teilen Europas wo es entsprechende Kultur gab.
Ich dachte an den Duft "Avicenna" von Annette Neuffer. Ich dachte an "Leo Africanus" und andere mittelalterliche Gelehrte aus Vorderasien und Nordafrika, die aus verschiedenen Gründen nach Spanien kamen und dort blieben. Allerdings einige Jahrhunderte später.
Von Ziryab hatte ich noch nie etwas gelesen oder gehört bis vor ein paar Tagen. Dabei bin ich schon in Andalusien gewesen, meine Schwiegertochter ist Andalusierin und hat in speziell Spanisch-Europäischer Kunst- und Kulturgeschichte promoviert. Sie lässt uns gerne an ihrem Wissen und besonders dem jener Zeiten teilhaben. Aber an Ziryab kann ich mich nicht erinnern.
Ich fand nur etwas im englischen Wikipedia. Auch daraus hätte ich eine Beziehung zu diesem Duft herstellen können. Immerhin hat Ziryab sich unter anderem, laut englischem Wikipedia, mit Kosmetik beschäftigt.
Aber dann habe ich den Duft aufgetragen und mir fiel nur noch "Johanna die Wahnsinnige" ein, eine spanische Königin, die man aus politischer Ranküne nach dem Tod ihre geliebten Mannes bis zum Ende ihres Lebens gefangen hielt wegen angeblichen Wahnsinns. Das ereignete sich allerdings ca. 700 Jahre nach Ziryabs Wirken.
Denn bei jedem Test roch ich in Duft "Ziryab" sofort deutlich brackiges Wasser mit einem modrigen Geruch und dunkelgrünem Laub, etwas säuerlich und auch leicht pfeffrig und erdig.
Es ist Tulpe als Kopfnote angegeben. Tulpen duften tatsächlich nach grünem Laub, auch eine Spur pfeffrig. Zuweilen konnte ich ich sogar einen Hauch Safran wahrnehmen. Sie haben keinen blumigen Geruch. Aber nach Brackwasser riechen Tulpen nicht.
Der brackig-aquatische Geruch wird durch schimmelige Noten angereichert, die sich im weiteren Verlauf zu jenem medizinischen-Oud entwickeln, von dem ich Anklänge in einer Salbe gegen Rosacea-Pilzinfektion der Haut genau so wahrnehmen kann, nämlich auch leicht schimmelig.
Solche ähnlichen Oudvarianten habe schon öfter so wahrgenommen.
Ich will nicht ausschließen, dass nur ich das so wahrnehme, weil mir der Geruch von meiner Creme her so vertraut ist.
Daher finde ich diesen Oudgeruch nicht unangenehm.
Der schimmelig-muffige Akkord verschwindet nach Stunden. Aber nun wartete ich auf mildernde Entwicklung durch Amber zum Beispiel.
Nichts dergleichen passiert auf meiner Haut. Ich habe keinen lieblichen oder gar blumig-süßen Duft erwartet. Aber es bleibt durchgehend bei jenem erdig-grünen, leicht säuerlichem Duft. Das Säuerliche könnte eine Mischung von Rhabarber und/oder Johannisbeeren sein, so meine Idee. Auch das medizinische Oud bleibt im Duft. Ein strenger und nüchterner Duft ohne jegliche Lieblichkeit und dennoch ist "Ziryab" leise und transparent. Mehr passiert bei mir nicht.
Für die, die "Ziryab" lieben ist es ein idealer Duft im Sommer, anstelle der üblichen Colognes.
Ich finde "Ziryab" keineswegs widerlich. Kein Abwaschreflex kommt bei mir auf. Aber ich kann wenig mit diesem Parfüm anfangen.
Erstaunlich finde ich die Haltbarkeit. Auch nach "normalem" Abwaschen ist "Ziryab" noch nach 12 Stunden leise und deutlich hautnah wahrzunehmen.
Aus allem ergibt sich ein Unisexduft. Die schlechte Note gebe ich, weil "Ziryab" ein für mein Verständnis sehr teurer Nischenduft ist. Ich nenne als Beispiele 'Paradis Perdu' von Frapin und 'Chypre Mousse' von Oriza L. LeGrand. Das sind keine Duftzwillinge, sie gehören aber meines Erachtens ein die gleiche Duftkategorie wie "Ziryab". Sie sind preiswerter sowie sehr viel stärker in der Sillage.


03.09.2017 01:39 Uhr
Nun besitze ich schon einige Jahre einen Flakon „Bois d‘ Oud“ von Perris Monte Carlo. Wie sieht es nun mit meiner Liebe von damals aus?
Gut sieht sie aus, sie duftet immer noch wunderbar, ich liebe „Bois d‘ Oud“ genauso wie zu Beginn. Ich habe mir sogar für alle Fälle einen Vorratsflakon zugelegt, man weiß ja nie.
Es ist immer noch so, wie ich es von Beginn an erlebte:
Als der etwas aasige, modrige und sehr bittere Geruch des Oud von meinem Handgelenk aufstieg, war ich fasziniert und abgestoßen zugleich. Ich dachte an das Märchen "Die Schöne und das Biest". An jene Märchen in denen die Schöne ein abstoßendes Wesen lieben lernt, sie ihm nicht widerstehen kann, es für immer liebt, das Biest sich für sie in ein schönes Wesen verwandelt. Das ist wahre Liebe.
Früher jedoch gab es die Liebe zum Tier und Untier mit einer Menschenfrau - im Märchen. Später wurden es dann Menschen, die durch Schadenszauber zu abstoßenden Wesen wurden und sich zurückverwandeln konnten, wenn sie geliebt wurden. Ja, so empfinde ich den Duft zu Beginn: Animalisch, abstoßend und unwiderstehlich anziehend, faszinierend. Jetzt weiß ich allerdings, dass die Anfangsphase des Verlaufs von „Bois d‘ Oud mal mehr, mal weniger animalisch, bitter und holzig duften kann. Von dem gelisteten Jasmin nehme ich nichts wahr, aber er mag das Animalische verstärken.
Immer wieder jedoch entwickelt sich „Bois d‘ Oud“ gleich. Es wird sanfter, dunkler, das Bittere wird milder, malziger und wärmer. Blüten sind gelistet, Pflaumen? Ich nehme sie immer noch nicht wahr.
Ein halb medizinisch, halb animalisches Oud ist omnipräsent, schwebt über allem und durch alles hindurch.
Für mich duftet „Bois d‘ Oud“ dann sehr lange nach warmen Vogelfedern, nach Fell, nach Pelzmantel. Nach warmem lebenden Federvieh oder bepelzten Tieren. Wie das Fell meiner Katze roch.
Aber auch wie der Geruch des Gefieders von Greifen, die in der Natur, wenn man ihren Geruch wahrnimmt, einen leichten Aasgeruch verströmen können. Ich habe so etwas schon als Kind gerochen. Einmal hat mich ein Greif statt eines Kükens mit seinen Krallen in meinen Haaren verheddert, weil ich im in seinen Landeanflug geriet. Er war ebenso erschrocken wie ich und flatterte aufgeregt um sich sofort loszureißen
Noch immer habe das Gefühl der in Panik schlagenden Flügel, das schmerzhafte Gefühl der scharfen Krallen auf meinen Kopf in Erinnerung, wie er sich aus meinen Haaren losriß. Und ich meine immer noch den Geruch evozieren zu können. Jenen Geruch, den ich in „Bois d‘ Oud“ wieder rieche. Und ich hatte verstanden, dass der große schöne Vogel mich nicht mitnehmen wollte.
Noch bin ich immer noch von Greifen fasziniert. In jedem Zoo will ich sie anschauen. Flugschauen mit Greifen lasse ich nie aus, wenn es die Möglichkeit dazu gibt. Hier gibt es viele Bussarde und auch Falken. Mit einem Bussard „flirte“ ich schon einige Jahre, wenn ich ihn auf dem Baum in der Nähe sitzen sehe. Er dreht dann zuweilen eine Runde über unserer Terrasse und gibt einen bestimmten leisen Laut von sich, wenn er sich zuvor durch heisere Pfeiftöne locken ließ, ich kann seine Laute deutlich von denen anderer Bussarde unterscheiden.
Die Episode damals scheint sich mir als Abenteuer eingeprägt zu haben.
Wenn diese wilde Duftphase vorbei ist, wird Bois d‘ Oud sanft dunkel, kuschelig wie Fell. Niemals verliert sich der Geruch, nein Duft von warmen Vogelfedern und Fell - für mich. Das Oud verwandelt sich zum Teil in ein mehr dunkel-aromatisches Holz, behält aber immer den von mir so geliebten Oudcharakter. Moschus und vermutlich Vanille geben Bois d‘ Oud den Finish, wenngleich ich sie nie wahrnehme. Allerdings will ich das auch gar nicht herausriechen können.
So bleibt Bois d‘ Oud viele Stunden auf meiner Haut, um mich herum. Jedesmal bedaure ich, wenn ich „Bois d‘ Oud beim Duschen wegspüle. Immerhin lässt sich der Duft leicht abwaschen, was für mich sonst ein Qualitätsmerkmal für ein Parfüm ist. In der Kleidung bleibt „Bois d‘ Oud“ bis ich sie wasche. Daher muss ich immer sehr gut kalkulieren, wann ich „Bois d‘ Oud“ benutzen kann. Ich muss mitbedenken, dass ich die Kleidung hinterher nicht noch einmal mit anderem Parfüm auf der Haut tragen kann.
In der Sillage wirkt „Bois d‘ Oud“ auf andere moderat nach aromatischem Holz duftend, wenn sie es überhaupt wahrnehmen. Bei mir ist er offenbar für andere viel zu körpernah. Ich selber nehme „Bois d‘ Oud“ wie etwas kuschelig Flauschiges, sanft Einhüllendes stets gut an mir wahr. Auch und gerade bei warmem und heißen Wetter mag ich den Duft an mir. Ich mag ihn immer tragen, genau deswegen trage ich ihn relativ selten.
Hatte ich damals bedenkenlos gemeint, das „“Bois d‘ Oud“ ein Unisexduft ist, wenn nicht sowieso mehr maskulin, so bin ich da nicht mehr sicher. Was könnte dieser nicht sehr liebliche biestige Duft an sich haben, dass etliche Männer, die sonst Ouddüfte mögen, ihn nicht so zu schätzen wissen?
Möglicherweise strahlt „Bois d‘ Oud etwas Ambivalentes, nämlich eine Dosis unterschwellig Weiblich-Erotisches aus?



03.09.2017 00:05 Uhr
Immer wieder lese ich hier zum einen in Kommentaren, wenn Mimose gelistet ist, dass man entweder nicht genau oder gar nicht wisse, wie Mimose duftet. Das kann ich verstehen. Denn die Mimosen, die man hier kaufen kann haben meist kaum noch einen Duft. Ich weiß nicht, ob es zu den Rückzugeigenschaften der Mimose gehört, dass sie durch die Behandlung des Abschneidens und des Transports vor allem ihren Duft einfach zurückziehen oder ob sie für den Blumenhandel nahezu geruchlos gezüchtet werden.
Auch habe ich bisher bei gepflanzten Mimosen in diesen Breiten, wenn sie in Blüte standen, keinen solchen Duft wahrgenommen.
Zum anderen beschreiben User in Kommentaren den Duft der Mimose in Düften als zart oder lieblich, fein und sie wähnen, dass sie ihn wahrnehmen.
Bei diesen Behauptungen widerspreche ich des Öfteren. Denn ich weiß, wie Mimosen duften und ich weiß auch, wie Mimosenparfüm als Soliflor duftet.
Außer in den starken Parfüms des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts habe ich ganz selten Mimosenduft in Parfüm angedeutet wahrgenommen, wenn er gelistet war. Hin und wieder meine ich in komplexen Blütenparfüms auch Mimosen wahrzunehmen.
Verschiedene Düfte, die Mimose im Namen führen und die ich getestet habe, riechen für mich nicht oder kaum nach Mimose. Vielleicht ist das auch gar nicht die Absicht, sondern es sollen nur die Eigenschaften und Wesensmerkmale angesprochen werden, die Mimosen als Blumen, oder Menschen, die dementsprechend in eine bestimmte Schublade gepackt werden entsprechen.
Ich habe Mimosen jedoch auch als Blüten stark duftend wahrnehmen können. Ich war vor vielen Jahren von März bis in den April zu einem Sprachkurs Italienisch in Florenz. Damals im März war der Duft der Mimosen überall präsent im öffentlichen Raum. Alle Frauen und alle Gebäude schienen nach Mimosen zu duften, schon morgens im Bus roch es danach.
Die Blüten, die überall zu kaufen waren, dufteten sehr stark. Mimosen haben einen ganz speziellen Duft, unverwechselbar. Es ist für mich der Duft von Florenz.
Ganz besonders am Weltfrauentag, dem 8. März war die ganze Stadt von Mimosen beherrscht. Wir Frauen bekamen und verschenkten an alle Mimosen, vor allem von und an andere Frauen, nur an diesem Tag dem: "Feste delle Donne". Überall in den Geschäften auf den Plätzen wurden Mimosen verkauft und verschenkt. Auch Männer hatten Sträuße und Zweige mit Mimosen, die sie uns Frauen und Mädchen auf der Straße schenkten, lachend mit freundlichen Worten uns zu "unserem Tag" beglückwünschend.
Wir waren in der Sprachschule schon entsprechend vorbereitet worden. Wir hatten uns mit Sträußen von Mimosen versorgt, wir trugen sie am Revers, am Kragen, wie fast alle Frauen.
Die sonst sehr distanzierten, leicht blasiert und indifferent wirkenden Florentiner und Florentinerinnen waren diesen Tag nur fröhlich und höflich mit uns Frauen. Die Türen wurden uns aufgerissen, man durfte zuerst in den Bus steigen, wurde nicht zur Seite geschubst, man wurde angesprochen, wir hatten überall an diesen Tag den Vortritt.
Auch in den "bar‘s", den kleinen und größeren gastronomischen Betrieben für die speziellen kleinen Speisen für zwischendurch, Espresso, Wasser, Treffpunkte, Kommunikationsräume standen Vasen mit Mimosen, die wir nehmen sollten. Bei diesen Bars, die wohl jeder kennt, der in Italien war, handelt es sich nicht um das, was wir hier unter "Bar" verstehen.
Auch in Bussen, in Geschäften, in der Schule, mit den Mitlernenden tauschte man Sträußchen mit Mimosen, verteilte welche an jene, die keine hatten.
Es war ein ganz anderer Frauentag als wir das hier kennen.
Jeden Tag führte mein Weg mich ich an der Farmacia ( SS Annunziata) vorbei. Wie man hier in deren Website sieht, so sah die Ladenfront auch damals aus. In der Auslage standen Flakons mit Mimosenparfüm in verschiedenen Größen. Ich habe mir als Souvenir einen 100 ml Flakon gekauft.
Leider habe ich ihn zu Hause nach mehreren Jahren verschenkt. Und zwar, weil ich von dem betäubenden Duft Sodbrennen bekam und ihn einfach als Parfüm nicht ertragen konnte, auch nicht als Raumduft. Es schien so zu sein, dass mir der Mimosenduft in Florenz als schön und fremdartig erschien, eben das Ambiente (Ambiente heißt Geruch, Duft) von Florenz. Jedoch wieder in Deutschland war das Parfüm ein einseitig bedrängender Duft.
Als ich hier im Parfumo nach speziell diesem Duft suchte, musste ich feststellen, dass es ihn nicht mehr zu geben scheint.
Kürzlich jedoch sah ich, dass es einen Mimosenduft "Absolu Mimosa" von Provence & Nature gibt. Nach einigem Suchen fand ich ihn und habe ihn ersteigert.
Denn wie kann ich bei sich bietender Gelegenheit hier im Forum Usern gegenüber immer wieder behaupten, dass so, wie sie das meinen, Mimosenduft nicht riecht, wenn ich nur eine viele Jahre alte Erinnerung daran habe. Da war ein "Update" fällig.
Ein Blindkauf, den ich bei dem Preis getrost riskieren konnte.
Und "Absolu Mimosa" duftet tatsächlich so, wie seinerzeit der Farmacia-Duft.
"Absolu Mimosa" ist insgesamt weniger "beißend". Aber die schwere Süße, die sehr wohl etwas von Jasminduft verströmt, ist identisch mit dem Duft von damals. Gleichzeitig ist das eine fast chemische Schroffheit, die nicht das oft Animalische des Jasmins aufkommen lässt. Hinzu kommt eine ebenso schroffe Note, wie grünes Holz, ein Spur nach Nadelholz duftend und auch eine bittere Harzigkeit wie der Saft von Laubbäumen im Frühjahr. Nein, Mimosenduft ist keine zarte Lieblichkeit, das ist ein Dufthammer, bedrängend, süß und abweisend.
Ich habe versucht, den Mimosenduft so genau wie möglich zu beschreiben. Aber auch das wird dem sehr authentischen Duft dieses Parfüms, ein EdT, "Absolu Mimosa" nicht wirklich gerecht.
"Absolu Mimosa" duftet ganz und gar spezifisch und echt nach Mimose. Allerdings, wie seinerzeit mein Duft von „Farmacia“, nach sehr verstärkt extrahierter Mimose.
Die Blüte der Mimose, die so empfindlich auf Berührung reagiert, reagieren soll, steht als Symbol für bestimmte sehr sensible und empfindliche Menschen, die auch oft verschlossen, abweisend und zurückgezogen sein sollen. Es sei dahin gestellt, ob das für die Pflanze Mimose so zutrifft, ich erkenne diese Eigenschaften der Mimose weniger in der Pflanze als in dem äußerst intensiven Duft, der zunächst faszinierend erscheint und dann zurückstößt in seiner schroffen schwersüßen Aufdringlichkeit. Ich habe "Absolu Mimosa" 100 % gegeben, weil es ein authentischer Mimosenduft ist. Gut gemacht, schon beim Öffnen der Verschlusskappe roch ich, dass ich das Gesuchte und Erwartete wirklich gefunden hatte.
Aber eine Empfehlung für diesen Duft möchte ich nicht aussprechen. Denn, ganz ehrlich, nicht unerheblich riecht Mimosenduft - das fand ich bereits damals bei dem Farmacia-Duft - wie bestimmte Duftsteine riechen, wie bestimmte Reinigungsmittel. Auf jeden Fall muss man solche starken Blumendüfte mögen. Ich werde damit nicht wagen, mich unter Menschen zu begeben, wie ich es damals mit dem sehr teuren Farmacia-Duft auch nie gewagt habe.
Mir gefallen Düfte in denen Mimose als ein Ingredienz im richtigen Verhältnis eingearbeitet ist, wenn damit die bittere Harzigkeit, das schroffe Grün einen Antagonist bilden, der dennoch oder gerade deshalb andere Blüten positiv unterstützt.


27.08.2017 01:12 Uhr
Bei der Schlingpflanze "Chevrefeuille / Honeysuckle" handelt es sich schlicht um das Waldgeißblatt. Die französische Bedeutung ist ebenfalls: Geiß- oder Ziegenblatt.
Schon als ich jung war, habe ich Parfüms mit Geißblattduft über alles geliebt. Aber die von damals gibt es nicht mehr, wie z. B. „Honeysuckle“ von Avon. Ich bin über „in der Bucht“ fündig geworden und habe mir blind einen Flakon „Chevrefeuille“ von Melvita besorgt. Bei dem kleinen Preis war das kein Risiko, notfalls nimmt man so einen Duft dann als Raumspray.
Aus Erfahrung weiß ich, dass nicht überall wo Geißblatt oder Honeysuckle drauf steht auch solches im Flakon ist.
Aber bei dem von Melvita handelt es sich um den echten Geißblattduft, EdT. Sofort habe ich mir die restlichen 2 Flakons von der Verkäuferin besorgt. Einen verschenkte ich, den Rest bunkere ich. Denn Melvita "Chevrefeuille" kann man nicht in Deutschland kaufen.
Und nun zum "Chevrefeuille" von Melvita. Es hat eindeutig und authentisch den Charakter der Schlingpflanze, die an Waldrändern wächst. Zarte weiße bis gelbliche Blüten mit dünnen langen Blütenkelchen voller Nektar, 3 bis 5 cm sind es, die den typischen Duft und Geschmack haben. Als Kind haben wir im Sommer die Blüten vorsichtig abgezupft und den Nektar unten aus dem Kelch gesogen. Der Blütenduft entspricht genau dem Geschmack des Nektars und ist etwas süß. Aber nur das wilde Geißblatt, welches an Waldrändern wächst hat diesen einzigartigen Duft. In Gartenmärkten gibt es jede Menge Geißblattrankpflanzen mit verschiedenen Blütenfarben. Aber sie alle duften nicht so wie das, was man an den Waldrändern finden konnte. Ich habe es schon lange nicht mehr an deutschen Waldrändern gefunden, andere Rang- und Schlingpflanzen haben diese Biotope erobert. Und wenn, seltsam, dann hatte es überhaupt keinen Duft und es gab kaum je Nektar. Vielleicht kann man das als Kind besser und/oder anders wahrnehmen.
Für mich entstehen beim Wahrnehmen des Geißblattdufts die inneren Bilder; Die Erinnerung an duftende Sommertage, an Wald und Sonne, Sommerblumen und an meinen Vater.
Es könnte sein, dass ich den Duft nicht so bezaubernd finden würde, hätte ich nicht diese Erinnerungen.
Es wäre möglich, dass ich den Duft schwül und so animalisch wie den von Maiglöckchen finden könnte. Den wenn „Chevrefeuille“ von Melvita ist in der Duftdichte um einiges stärker als man solche Blüten in der Natur wahrnehmen kann.
Aber so kann es mit Düften sein; hat man eine kostbare Erinnerung daran, dann können die positiven und schönen Erinnerungen darüber obsiegen und betören. Ich habe den Flakon vor mir stehen und schnuppere hin und wieder an der Spraydüse.
Es entzückt mich immer wieder von Neuem. Wann immer ich diesen Duft trage werde ich positiv darauf angesprochen und gefragt was für einen besonders schönen Duft ich verströme. Offenbar gefällt er vielen Menschen.
Noch nie hat jemand sich negativ geäußert. Ich selbst bin "befangen" und kann nicht objektiv beurteilen wie der solitäre Duft wirklich ist.
Selbstverständlich, wie ich nun gelernt habe, werden Solyflordüfte aus verschiedenen Riechstoffen kreiert, sonst erhält man leider oft einen veränderten vom tatsächlichen natürlichen Duft sehr stark abweichend und enttäuschenden Duft. Ich nehme nämlich auch Anklänge von Orangenblüten und vielleicht anderen weißen Blüten, sowie, ein Spur Zitrisches und Moschus wahr, die den Geißblattduft unterstützen, einen leichten Kontrast bilden und so verhindern, dass "Chevrefeuille" ein beduftetes belangloses Wässerchen geblieben ist, sondern ein ernsthaftes blumiges Parfüm geworden ist.
Es ist meines Erachtens kein leichter, aber heiterer Sommerduft mit dem Sillagevolumen etwa von "Le Parfum" von Elie Saab.
„Chevrefeuille“ von Melvita ist für mich sehr authentisch gelungen.


26.08.2017 23:26 Uhr
Manchmal brauche ich etwas Schweinesüßes zum Essen, Fondant darf es ruhig sein. Das ist reiner Zucker mit etwas Aroma. Honig mit feinen Aromen gehören ebenfalls zu den Schmackofatzen, die ich ab und an sehr gerne mag.
Aber ich bin dennoch jemand, der nicht viel ißt, auch nicht bei solchen Süßschmachtattacken.
Und selbstverständlich habe ich außer Honig selten solche Zuckerbomben im Haus.
Süße Nachspeisen und Eis gibt es bei uns auch niemals.
Bei Parfüms jedoch gibt es nun jede Menge Düfte die sich Gourmand nennen. Teure und preiswerte. Für alle Geschmacksrichtungen kann man Düfte finden.
Aber die meisten sind mir dann doch zu vanillig, zu süß, zu viel Kokos, zu synthetisch. Oft fehlt eine ausgleichende Holznote, etwas Bitteres.
Die Fruchtdüfte kann ich fast alle nicht leiden, wie ich auch Obst im Allgemeinen nicht esse.
Ich wünsche mir auch keine Gourmanddüfte um damit außer Haus zu gehen, sie passen überhaupt nicht zu meinem Typ und Outfit.
Ich möchte sie ab und an zu Hause als Betthupferl oder auch einfach nur so als Kuscheldüfte tragen, wenn ich das Bedürfnis nach so einem Geschmack, bzw. Duft habe.
Die Trio Loukhoum-Düfte von Mecherie sind zwar auch Gourmands, aber für mein Empfinden nicht so ganz. Sie haben doch etwas Erwachsenes, sind blumig. Ich mag sie, aber sie sind dann auch wieder sehr heftig - und nicht gerade preiswert.
"Aomassai" war schon länger auf meiner Wunschliste. Jedesmal, wenn ich ihn testete war ich zu Beginn sehr angetan, aber nach einiger Zeit wurde er mir zu aufdringlich und ging mir auf die Nerven.
Als erster Gourmand hat mich "Pure Honey von Kim Kardashian erobert, ein feiner blumiger Honigduft.
Aber dann habe mit "Black Sugar" einen zweiten wirklich reinen Gourmandduft entdeckt, der mir nicht nur gut gefällt, sondern der auch preiswert ist und doch alles hat, was ich mag.
Als ich neulich eine Abfüllung von "Black Sugar" bekam war ich schon beim ersten Test sehr angetan .
Zwar beginnt "Black Sugar" mit einer synthetischen Vanillinnote und ich dachte: Ach, naja, Volltreffer, wieder so ein Duft, der bestimmt noch wie Grießbrei mit Vanillinzucker wird.
Aber nein, nach einiger Zeit kommt eine leckere bittere Karamellnote zum Vorschein, wie grade von der Pfanne abgelöschter gebräunter Zucker in der Flüssigkeit zu einem echten Karamellpudding duftend, so wie wir das früher gelernt haben: Bitter, etwas rauchig. Das Vanillin hat sich zurückgezogen und riecht nicht mehr so stark synthetisch, sondern natürlicher.
Einen kurzen Moment rieche ich eine Andeutung einer angenehm säuerlichen aromatischen Frucht. Dann folgt für mich eine deutliche, wenn auch zurückhaltende runde Oud-Note die sich peu à peu immer mehr zum Holzigen wandelt, jedoch seinen Oud-Charakter nie ganz verliert. Den Preis von „Black Sugar“ bedenkend gehe ich von synthetisches Oud aus, das den Parfümeuren dann verdammt gut gelungen ist.
Ich rieche in "Black Sugar" auch etwas Balsamisches. Zudem könnte ein wenig Sternanis verwendet worden sein.
Ich stelle fest, dass mir "Black Sugar" ausgesprochen gut gefällt, weil er nicht so pappig süß ist, eine angenehme Bitterkeit hat und nicht mit Pfefferkuchengewürzmischung aromatisiert ist. Auch der die rauchige Note, der für mich wahrnehmbare Oud-Holz-Duft gefällt mir sehr.
Das notiere ich alles und als ich "Black Sugar" aufrufe, ich hatte noch nie zuvor etwas davon gelesen hier, bin ich doch positiv überrascht.
Die gelisteten Ingredienzen stimmen mit meiner Wahrnehmung ziemlich überein.
Zu meinem Glück rieche und roch ich niemals Leder. Das hätte meiner Meinung nach überhaupt nicht gepasst.
Nach dem Eingeben und Listen hier habe ich mich auf die Suche gemacht, wo diesen netten Gourmandduft erwerben könnte und stellte fest, dass er sehr preiswert zu haben ist.
Also habe ich mir "Black Sugar" bestellt. Das Risiko, dass die Abfüllung doch nicht ganz so ist wie der Originalduft, ist immer gegeben, so habe ich es ein paarmal erlebt. Aber bei dem Preis wäre das nicht so schlimm gewesen.
Nachdem der sehr hübsche Flakon, schwarz mit zarten, dezenten Goldranken in einem zylindrischen Schuber, der ebenfalls schwarz ist und etwas andere Goldranken hat bei mir eintraf, war ich auch darüber angenehm überrascht. Auch die jeweiligen Deckel sind mit einer Rankenspirale verziert.
Das alleine ist eine Augenweide. Und der Inhalt entspricht exakt dem der Abfüllung.
Ich habe dann ein paarmal "Black Sugar" getragen. Doch, es hat mich immer wieder überrascht, wie ausgewogen und so gar nicht pappig süß „Black Sugar ist“. Aber es kam auch vor, dass es mich danach nach einer sauren Gurke oder einem Duft wie „Paradis Perdu“ von Frapin gelüstete.
Also habe ich mir einen Schubs gegeben und „Black Sugar“ meiner Enkelin zum Geburtstag geschickt. Nicht nur sie, sondern die Mama ist auch sehr angetan von „Black Sugar“. Tja, das müssen die beiden dann untereinander ausmachen.
"Black Sugar" hat mit seiner Bitterkeit, dem Rauchigem und dem Oud für mich keinen eindeutig femininen Charakter.


1 - 10 von 648