SeeroseSeeroses Parfumkommentare

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18.04.2018 01:52 Uhr
Oh je, wieder einmal blind getestet, es ist schon spät und: Kein Kommentar. Und dann zu so einem einerseits interessanten und andererseits recht konventionellen Duft.
Biehl "mb02" ist weder experimentell noch ein Konzept- oder Themenduft. Es ist, wie offenbar alle Biehl-Düfte, ein nüchtern-modernes Parfüm mit dem man nichts falsch machen kann.
Biehl Düfte sind keine Parfüms, bei denen ich sagen könnte, dass man sie nicht tragen könnte. Sie sind eher beliebig. Die Synthetik ist so, wie es heute bei vielen Düften zum Duftkonzept gehört. Auch sind es keine Düfte, mit denen man negativ auffallen würde.
"mb02" startet sehr sauer. Ich denke an Rhabarber und saure Zitrone. Dann entwickelt "mb02" darüber eine starke frische und grüne Note. Eine leicht aquatische Note und leichte scharfe Bitterkeit duftet auf. Ab und zu rieche ich würzige Andeutungen. Alles ist scheinbar bewußt moderat synthetisch komponiert.
Dachte ich beim Start, dass "mb02" ein Cologneduft ist, so sind innerhalb kurzer Zeit cremige und liebliche Noten da. Nun ist "mb02" ein sauer-grüner-cremiger und kompakter Duft. Für ein Cologne ist "mb02" viel zu cremig.
Im weiteren Verlauf verliert sich die sauer-beißende Note und "mb02" duftet immer deutlicher nach frischem Grün, etwa wie frisch gemähtes Gras. Trotzdem ist "mb02" nie süß, kein Ambroxan rieche ich, aber jede Menge Kumarin mit Sandel und Moschus. Das ist soweit sehr angenehm.
"mb02" bleibt stets ein kühler, ja fast kalter Duft. Und das trotz der Cremigkeit.
Irgendwie erscheint mir "mb02" als ein zwiespältiger Duft.
Dann entwickelt für mich als kleine Überraschung nach einiger Zeit eine Veilchennote. Jedoch ist diese Veilchennote ganz zart wie sie die kleinen echten Veilchen im Frühjahr inmitten ihrer grünen Blätter duften, lieblich zwar und doch nicht süß, auch nicht nach Süßholz, wie es in manchen Düften der Fall ist.
So bleibt für mich "mb02". So stabil wie die Sillage jetzt nach fast 4 Stunden noch ist, gehe ich von einer recht guten Haltbarkeit aus.
"mb02" ist ein androgyner Duft, so mein Fazit. Womit ich die Ausstrahlung meine, die Signale, die die Trägerinnen oder Träger mit diesem Duft aussenden.
Die Zuordnung als unisex bedeutet für mich hingegen, dass er für Frauen und Männer tragbar ist. Dem stimme ich zu.
"mb02" ist ein neutraler Duft für viele Anlässe, mit dem man nicht falsch beduftet sein kann, auch nicht für sich selber.


11.04.2018 01:46 Uhr
Mittlerweile kenne ich so viele Düfte, die so ähnlich duften wie "Delox". Bisher habe ich einige Düfte von Tiziana Terenzi getestet. Ich mochte und mag sie in ihrer Opulenz. Da gibts kein Zappeln und keine halben Sachen. Es geht zur Sache in Terenzi-Düfte; überbordende und verschwenderisch verwendete Ingredienzen, gut komponiert und doch fast grotesk übertreibend wirken die Parfüms, verfremdet, ja surreal. Entweder man mag das oder man findet es grässlich. So meine Wahrnehmung. Da werden "keine Gefangenen gemacht" wie man so sagt, entweder man fällt um oder man ist entzückt.
Nun also "Delox". Aber wie so oft bei Düften, deren Beschreibung ich bei den Anbietern lese bin ich enttäuscht.
Nein, auch "Delox" ist kein seichtes Wässerchen.
Aber ich frage mich, warum diese Marke nun auch noch so einen Duft nur in "wuchtig" auf den Markt gebracht hat.
Unten steht in einem Statement, dass es identisch mit "Lira" von Xerjoff sei.
Das kann ich zum Teil bestätigen.
Was ich zuerst rieche sind sehr süße Früchte durchaus mit Säure und viel Vanille. Der Fruchtduft ist meiner Nase nach der fruchtig-blumige Osmanthus. Diese beiden Riechstoffe bleiben unverändert stark im Verlauf.
Dann rieche ich sofort Kumin und will schon hoffen, dass sich noch holzige Noten, bitteres geröstetes Kaffeearoma und Harziges entwickelt. Aber nur die Säure verstärkt sich noch, wenngleich eine herbe blumige Honignote dagegen hält. Akazienhonig könnte so duften. (nicht zu verwechseln mit dem Robinienhonig, da Robinien oft als Akazien bezeichnet werden).
Ich rieche keinen Kaffee. Nur eine etwas bizzelige schöne pudrig-cremige Blütenmischung die mich u. a. an Ylang-Ylang und Labdanum denken lässt rieche ich von Zeit zu Zeit. Rose ist auch eine Option.
Ich zähle das alles so auf. Jedoch ist der Verlauf von "Delox" so, dass sich die einzeln geschilderten Duftnoten und Gruppen nicht wie ein Pyramide verhalten, sondern sich immer wiederholen. Mal rieche ich den säuerlichen Osmanthus mit der starken Vanille, dann wieder mehr die Blumen, dann riecht es mir wieder mehr nach Kumin.
Aber im Grunde alles zusammen gefasst ist es für mich eine starke Version all jener fruchtig-gourmandigen Düfte, die gerade so "en vogue" sind. Von den "Prada Candy Düften" bis "La Vie est Belle" oder dem unten im Statement erwähnten "Lira" von Xerjoff.
Die Liste läßt sich verlängern. Gewiß gut gemacht, lässt "Delox" an Deutlichkeit, Haltbarkeit und Sillage nichts zu wünschen übrig.
Auch "Aoud Velvet" von Montale geht in die Richtung, aber der gefiel mir erstaunlicherweise auf Anhieb. Den finde ich allerdings herber, dezenter und nicht so aufdringlich gourmandig. Woraufhin mir die kompetente Verkäuferin aus ihrer Einschätzung nicht unbegründet ein Pröbchen "La Vie est Belle" mit auf den Weg gab.
(Höre ich da jemand lachen oder die Nase rümpfen? Nun, ich habe die LVEB-Probe für den Zimmerservice mit einem entsprechenden "Stahlstich mit Zahlen" darunter im Hotelzimmer gelassen, das ist ja kein Billigduft. Vielleicht hat sich jemand darüber gefreut)
Ich kann ebenfalls nicht mißmutig behaupten, dass "Delox" ein unangenehmes Parfüm ist.
Aber mir ist "Delox" wirklich zu heftig. Vor allem fehlen mir tatsächlich Antagonisten wie holzige Noten, Harz, etwas Bitteres. Es steht zwar als Absichtserklärung in der Pyramide, aber ich nehme das leider nicht wahr.
Ohne Zweifel ist "Delox" ein feminines Parfüm.


09.04.2018 01:05 Uhr
Als ich die Ingredienzen zum neuen Duft "Cornaline" von Anatol Lebreton las dachte ich, dass das doch ein schöner Blütenduft sein könnte, pudrig-erdig von der Iris, mit Ylang-Ylang, den ich in Parfüms sehr liebe. Mit der Wunderblume habe ich mich dabei nicht beschäftigt. Es werden so viele seltsame Pflanzen und Ingredienzen genannt, oft bedeutet das für meine Nase nichts, ich kenne sie nicht und kann sie nicht identifizieren.
Aber ich hätte mich besser vorher informieren können und sollen. So habe ich glücklicherweise nur eine Abfüllung von "Cornaline" in einer bekannten Internetparfümerie gekauft.
Denn jetzt beim Testen kam ich nicht mit "Cornaline zurecht. Ich hoffte auch auf eine Information beim Bewerten der Pyramide. Aber da steht nichts dazu.
Also habe vor dem Bewerten, Einordnen und dem Kommentieren erstmal im Internet nach der mir nicht bekannten "Wunderblume" oder "Mirabilis Yapala", wie sie vom Parfümanbieter gelistet ist, recherchiert.
Und im Forum "Frag Mutti" fragte eine Userin, ob es sein könnte, dass die von ihr erworbene "Wunderblume" nach "Hunderhäufchen" röche.
Das wurde bestätigt und dazu die Information gegeben, dass es sich dabei um die "Mexicanische Wunderblume" handeln würde mit lateinischem Namen "Arum "CORNUTUM". Und das sei eine widerlich stinkende Blume, aasig und so weiter würde sie stinken, für Balkon und Terrasse völlig ungeeignet.
Ookeeej! Nun weiß ich wenigstens, warum dieses Parfüm "Cornaline" heißt und leider überhaupt kein netter Blütenduft ist.
Nach dem Aufsprühen rieche ich kurz Kokos und dann eine rurale erdige und kräftige Iris, die bis zuletzt nicht aufgibt, ergänzt durch süßliche Karotte. Es ist auch ein fruchtig-zitrischer Akkord da (der könnte u. a. von der gelisteten "Mirabilis Yapala" stammen), der ebenfalls lange Zeit wahrzunehmen ist.
Aber dann explodiert mit Wucht eine wahre Stinkbombe von meinem Handgelenk hoch. Das waren nicht nur die üblichen mir oft bedrängend riechenden weißen Blüten. Ich verdächtige schon Ylang-Ylang, der als reines destilliertes Öl auch zu Beginn des Auftragens ganz kurz eine Deosteinnote fürs gewisse Örtchen hat.
Aber so extrem riecht auch das Ylang-Ylang-Öl nicht: Richtig aasig und ja, auch nach dem "Örtchen" stinkt es um mich herum. Da ist auch Skatol in "Cornaline" denn danach stinkt es auch mindestens 45 Minuten. Die erste Fliege dieses Frühlings kommt schon mal angeflogen und lässt sich vorübergehend interessiert auf meinem Handgelenk nieder, jetzt ungelogen.
Aber dann nimmt sich diese Note zurück um für eine Weile eine säuerlich-acetonische Harnsäurenote entweichen zu lassen. Es drängte sich mir ins Bewußtsein, dass das der Geruch von Menschen mit Diabetes sein könnte.
Ich notierte das eigentlich nur für mich, weil ich damit zunächst gar nichts anfangen konnte.
Nach wiederum ca. einer Stunde ist immer noch die kräftige Iris im Duftgeschehen und es ist von dem wirklich eigenartig ekligen Geruch nur eine indolische und fast liebliche Blütenmischung geblieben, immer noch etwas säuerlich. So können Hyazinthen riechen. Ich nehme sogar eine grüne Cremigkeit wahr. So könnte "Cornaline" für diejenigen, die einen aparten Duft mit weißen Blüten mögen möglicherweise schön duften. Die Sillage ist ebenfalls dezent.
"Cornaline" ist kein Parfüm für mich, da ich nur ausnahmsweise Parfüms mit weißen Blüten mag. "Cornaline" riecht nach der Stinkphase zwar relativ zahm nach weißen Blüten, aber doch nicht so wie Jasmin, Maiglöckchen, Gardenie, Tuberose. Nur Ylang-Ylang ist für mich glaubhaft in "Cornaline". Sonst muss es die "Arum Cornatum" Wunderblume sein.
Vanille und Benzoe, Rosengeranie, Pfirsich kann man voraussetzen, ich nehme sie durch die starken anderen Gerüche nicht als solche wahr.
So beurteilt ist "Cornaline" gut gemacht. Die Ingredienzen, die in der Pyramide genannt sind, kann ich größtenteils herausriechen. In einem guten Parfüm macht es die Mischung, die man wahrnehmen möchte und nicht, wie in einem Kommentar, jeden Inhaltsstoff einzeln.
Ganz gegen Ende kommt auch eine leicht Bitterkeit auf, die aber wiederum die "Arum Cornatum" in "Cornaline" etwas aufleben lässt.
Aber nun habe ich genug von "Cornaline" und Sodbrennen. Abwaschen ist fällig. Laut Angabe hier soll es ein femininer Duft sein. Aber mir scheint "Cornaline" nur für die Spezies hier im Forum interessant zu sein, egal ob männlich oder weiblich.
Ich wäre gespannt auf andere, gerne auch Kontrabeurteilungen zu "Cornaline".
Wer mehr zu "Arum Cornutum" lesen möchte, hier ist der Link:
https://forum.frag-mutti.de/index.php?showtopic=40047



04.04.2018 01:56 Uhr
Nachdem "Mimosa" von Fragonard ein wirklich schöner und gelungener sehr authentischer Blütenduft ist meiner Meinung nach, kann ich das für "Jasmin" leider nicht bestätigen.
Von der Preisgestaltung her ist es so weit OK. Was will man erwarten? Aber eine Perle unter den preiswerten Düften ist "Jasmin" von Fragonard nicht.
"Jasmin" startet frisch und grün mit einer hellen Teenote. Eine Sillage einer indifferenten ausdruckslosen netten Blütenmischung nehme ich wahr, die durch zurückhaltende Zitrustöne unterstützt wird.
Auf der Haut rieche ich eine ebenfalls nicht genau zu bestimmende Note von weißen Blüten. Angenehm finde ich die helle Teenote, etwa wie grüner Tee mit naturidentischem Aroma aromatisiert. Bei den weißen Blüten könnte ich mir verschiedene vorstellen. Hätte das EdT nicht den Namen "Jasmin" hätte ich von mir aus auf Jasmin, Gardenie und vor allem auf Tuberose getippt. Denn nach einiger Zeit riecht es mir außer nach Jasmintee mehr nach Tuberose light, dicht auf meiner Haut mit leicht müffiger Spüllappennote. An sich ein harmloser netter wenn auch ausdrucksloser Duft. Positiv ist, dass "Jasmin" nicht süßlich und so bedrängend ist wie es Düfte mit weißen Blüten mir oft sein können.
Dann kommt eine Phase in der ich deutlich Ambroxan wahrnehme und dazu noch Kumarin vermute. Ich dachte schon, dass es nun so weiter geht mit der obligatorischen ewigen Haltbarkeit dieser synthetischen Ingredienzen.
Aber "Jasmin" verstärkt sich erneut, die Teenote wird nun intensiver und die synthetischen Noten verstecken sich etwas verschämt, so will es mir scheinen.
Es bleibt nun weiterhin bei etwas stärkerem Jasmintee. Wie man es bei grünem Tee oft im 2. Aufguß schmecken kann. Ein erfrischendes EdT für den Frühling und Sommer.
Nicht mehr und nicht weniger.
Ich beurteile "Jasmin" eher als femininen Duft. Aber ich könnte mir "Jasmin" im Sommer auch an Männern vorstellen, da es ein sehr nüchterner Duft ist.


01.04.2018 01:03 Uhr
wenn das nicht...."So beteuert man, wenn etwas unglaublich unerhört vorkommt. Das ist doch nicht möglich, davon ist man überzeugt. Aber wenn es doch stimmen sollte gibt man das absurde Versprechen einen Besen fressen zu wollen.
Ich fresse einen Besen, wenn "Basel Femme" nicht ein Dupe von "Dia Woman" ist, aber in verdünnter Form, "light" sozusagen. Das dachte ich nach einer Weile des Testens von "Basil Femme".
Oder ist es umgekehrt? Ist "Dia Woman" aus Versehen mit Absicht nach "Basil Femme" die Vorlage?
Zuerst nach dem Auftragen rieche ich einen angenehm holzigen Akkord mit leicht würzig, frisch-zitrischer und seifiger Begleitung. Sehr nett und vor allem sehr vertraut kommt es mir vor. Zunächst ist "Basil Femme" auch nicht blumig süß.
Aber nach einer Weile bin ich irritiert, schnüffele, denke: Das kenne ich, denn "Basil Femme" wird blumiger, immer vertrauter, süßer.
Die Wachsigkeit und das Seifige bleibt. Na klar, Aldehyde. Und dann erkenne ich: Das ist ja eine verdünnte Version von "Dia Woman".
Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich "Basil Femme" hier noch nicht aufgerufen. Aber als ich nun die umfangreiche Pyramide sehe und immer wieder am meinem Arm schnuppere, sich um mich herum der blumige Duft verbreitet, komme ich zu dem Schluss, dass "Basil Femme" wirklich eine frappierende Ähnlichkeit zu "Dia Woman" hat.
Ein Dupe kann es nicht sein, weil Dia Woman viel später auf den Markt gekommen ist.
Ich warte noch ein Weilchen und kann feststellen, dass "Basil Femme" nicht nur etwa 45 Minuten in dieser ganz nahen Verwandtschaft zu "Dia Woman" bleibt. Es wird wieder herber, leicht metallisch und beißend würziger. Aber im Prinzip bleibt die Blütenmischung bestehen, wie ich auch die seifig-wachsigen Aldehyde weiterhin wahrnehme.
Ich finde "Basil Femme" durchaus schön, aber ich mag ja auch "Dia Woman". Obwohl es mir dessen Opulenz oft schwer macht, mich dafür zu entscheiden.
Für "Basil Femme" hätte ich weniger das Problem, weil es zu Beginn und im langen Ausklang eben nicht so blumenlastig und üppig bleibt, sondern nüchterner, herber, würziger, trockener sowie kräuterig-grüner wird. Ich rieche Kumarin, was mir durchaus gefällt.
Aber nun muss ich den Vergleich haben: Ein ganz feiner Tupfer "Dia Woman Extrait" auf mein anderes Handgelenk. Das EdP von "Dia Woman" wäre vermutlich noch näher an "Basil Woman". In meiner Erinnerung ist es auch leichter, weniger dicht in der Blumigkeit, transparenter als das Extrait.
Nein, den "Besen brauche ich nicht zu fressen".
Aber die Ähnlichkeit ist dennoch verblüffend. Auch habe ich noch niemals irgend ein Blumenparfüm, schon gar kein Blumenchypre mit einer solchen Pyramide getestet, bei dem ich nur annähernd an "Dia Woman" gedacht hätte. Bisher hatte es für mich ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.
Jetzt nach einigen Stunden ist "Basil Femme" in der Sillage zurückgegangen, es ist ein EdT und hat nicht eine solche Haltbarkeit wie "Dia Woman Extrait". Außerdem weiß ich, dass das Extrait so blumig bleibt bis zum Ausklang mit einer bestimmten, leicht beißenden seifig-wachsigen Tendenz.
Dennoch bleibt bei "Basil Woman" immer der mit dem "Dia Woman" identische Blütenteppich darunter erhalten.
Wer gerne einen Duft wie "Dia Woman" wünscht, jedoch weniger stark, was die Blumigkeit betrifft und für weniger Geld, der sollte unbedingt "Basil Femme" testen.
"Basil Femme" ist zudem alltagstauglicher.
Je nach Preis würde ich einen Blindkauf wagen.
Fast überflüssig zu erwähnen: "Basil Femme" ist ein ausgesprochen femininer Duft.


29.03.2018 22:10 Uhr
Dass man gute bzw. authentische Düfte nicht nur unter den hochpreisigen Parfüms oder in der Königsklasse der Nischendüfte findet, wird mir einmal mehr mit diesem Duft "Mimosa" von Fragonard bestätigt.
Man soll sich also nicht nur mit den teuren Düften befassen, sondern man sollte sich nie zu schade sein auch preiswerte Düfte aus den unteren Regalreihen der Drogerie- und Supermärkte, Ramschläden und Flohmärkten zu testen.
Da kann man unter vielem Wertlosen wahre Perlen und Nuggets finden.
Die Goldwäscher waschen auch große Wassermengen mit Kies, Sand, Schlamm um vielleicht mal hier und da ein Goldnugget oder Goldflake heraus zu spülen.
Sie liegen nicht in den Juwelierläden aus zum "Mitnehmen".
"Mimosa" von Fragonard ist so ein Nugget oder eine Perle unter den vielen Billigdüften, die unter den mehr als 100 000 Düften insgesamt zu finden sind.
Bei Fragonards "Mimosa handelt es sich um einen sehr preiswerten Duft: 50 ml für schlappe 18 € (die Versandkosten aus Frankreich lasse ich mal außer acht). Aber er ist der beste und authentischte Mimosenduft, den ich bisher gefunden habe.
"Mimosa" startet sofort mit der Mimosennote, wie ich sie in natura aus Italien kenne. Aber nicht so bedrängend wie ich das dann von dem Parfüm der "Pharmacia SS Annunziata" von dort kenne. Auch andere Solyflor-Mimosendüfte sind viel bedrängender und haben mal mehr mal weniger ein Deosteinnote. Sondern "Mimosa" ist zunächst ein strenger Blütenduft ohne Lieblichkeit, dunkelgrün und herbe etwa wie wie Ginsterstrauch
Nach einigen Minuten machen sich vorübergehend andere weiße Blüten mit einer fast aasigen Note bemerkbar, zudem meine ich den mir nicht angenehmen und trockenen Geruch von Immortelle/Strohblume zu riechen.
Das fand ich, immer den Preis im Sinn, zwar etwas bedauerlich, aber soweit in Ordnung.
Jedoch wenige Minuten später ist diese Phase völlig absorbiert, "Mimosa" ordnet sich allmählich zu mehr Lieblichkeit und ich bemerke einen sehr zur Mimose passenden Veilchenwurzelduft.
Und auch andere ergänzende Komponenten, die die Lieblichkeit verstärken, die ich jedoch zunächst nicht bestimmen kann, nehme ich wahr. Diese Noten erkenne ich, als ich es hier lese, als Heliotrop und Moschus. Der Heliotrop ist wie der Moschus sehr sparsam und harmonisch in "Mimosa" verwoben. So sicher ist mein Geruchssinn nicht, das ich das ohne einen kleinen Tipp zu bestimmen vermag.
Ich habe "Mimose" das erste Mal ganz und gar blind getestet, hatte nie vorher einen Blick hier in die Seite davon getan. Als ich dann schon fast im Bett war, fiel mir ein, dass ich "Mimosa" noch nicht gelistet hatte und habe den PC noch einmal hochgefahren um dann festzustellen, das zu Mimosa tatsächlich 1. Veilchen gelistet ist und 2. leider noch kein Kommentar verfasst wurde. Das habe ich mit einem erneuten gleichzeitigen Test nun erledigt. Nichts hat sich im Verlauf und in meiner Beurteilung dabei geändert.
In dieser Mischung der Hauptprotagonistin Mimose, dem deutlichem Veilchen und der superben Unterfütterung durch Heliotrop und Moschus bleibt "Mimosa" stehen.
Dennoch ist "Mimosa" kein besonders üppiger oder gar lieblicher Duft. Die Mimose als Blüte soll zwar empfindlich sein (meine Erfahrung ist das nicht), aber der der Duft ist nicht zart.
Mimosa hat eine sehr gute Haltbarkeit, eine ziemlich deutliche Sillage. Es ist ein sehr aparter Mimosenduft und hat für mich Alleinstellungsmerkmal.
Ob ich heute noch diesen Duft tragen möchte wage ich zu bezweifeln. Sollte ich aber wirklich doch noch einmal nach Grasse kommen, dann weiß ich, welchen Duft ich dort kaufen werde.
Ach ja, nicht zu vergessen: Für mich ist Mimosa in seinem Charakter androgyn, aber als Parfüm in der Anwendung feminin.


10.03.2018 01:05 Uhr
Bislang war ich nie besonders begeistert von Lavendeldüften. Gewiß, "Uralt Lavendel" ist ein sehr schönes Lavendelparfüm - gewesen. Aber alle anderen Düfte erinnern mich, wenn ich den Lavendel einzeln wahrnehme immer an beduftete Schränke und Wäsche. Überhaupt ist Lavendel für mich eher ein Raumduft, gut gegen Mücken im Sommer. Lavendel soll auch gut gegen Blattläuse an Rosen wirken, weswegen man Lavendelstauden zwischen Rosen pflanzt.
Ansonsten ist Lavendel in vielen guten Düften für Männer. So strömt Lavendel für mich etwas Maskulines aus. Sonst ist Lavendel für mich im allgemeinen ein sachlich-nützliches Kraut mit mehr oder weniger herbem Duft. Als Parfüm besitze ich keinen Duft mit dominantem Lavendel, auch bevorzuge ich keine Reinigungs- oder Waschmittel mit Lavendel. Aber ich habe auch nichts dagegen.
Als ich jedoch "Sweet Lavender" testete hätte ich die Probe gerne behalten so sehr hat es mir gefallen.
Vermutlich deshalb, weil es mich an meine erste Reise erste Reise ins Ausland als junge Erwachsene erinnert als sei ich noch unterwegs. Mein damaliger Freund und ich fuhren in unserem Urlaub in einem abenteuerlichen kleinen alten Auto, einem Lloyd Alexander, natürlich ohne Klimaanlage, also mit offenen Scheiben, zu einem Workcamp in die Cevennen. Viele junge Leute aus Europa kamen dorthin, wir wollten mitwirken, ein verlassenes sehr einsam gelegenes Hugenottenversteck als französische Jugendfreizeitstätte wieder aus seinem jahrhundertelangen Dornröschenschlaf zu befreien.
Um dahin zu kommen sind wir entlang der Rhone runter bis nach Nîmes gefahren und von dort aus weiter in die Cevennen. Da wir ganz wenig Geld hatten, sind wir über die Landstraßen gefahren, denn die Autobahnen waren in Frankreich schon immer mautpflichtig und daher damals für unsere Verhältnisse zu teuer.
Nie werde ich die vielen kleinen Orte vergessen, die vielen kleinen Töpfermärkte, wo es auch überall Lavendel zu kaufen gab, getrocknet, zu Sträußen gebunden, in Säckchen, als Seife und Parfüm. Und mir etwas unheimlich, die in Harz eingegossenen bis zu 10 cm langen Zikaden. Überall waren Schilder "Miel /Lavande, des Pêches (etc) à vendre" und die vielen Felder zum Teil noch mit blühendem Lavendel, oder schon geerntet oder auf den Feldern wurde noch geerntet. Diesen Geruch von ungewohnt trockener Hitze, Lavendel, Staub und so vielen Gerüchen, die anders waren als ich das von zu Hause kannte.
Als sich der Alkohol von "Sweet Lavender" verzogen hatte war ich sofort - und das mitten im kalten Winter - wieder auf der Fahrt in die rauen Cevennen. Das ist es, was mich an den meisten Düften von "Wonderchest Perfumes" so fasziniert. Sie können mich in die Natur versetzen, lassen mich Zeitreisen machen wie diese, weil sie wirklich so duften wie ich die Duftstoffe in ihrer natürlichen oder angestammten Umgebung wahrnehme. Diesfalls an Lavendelfelder in den Ausmaßen wie ich sie damals mit ihren blau-grau-violetten Farbtönen, wabernder heißer Luft mit einem feinen Dunstschleier darüber roch und visuell wahrnahm.
Die Naturdüfte von "Wonderchest Perfums", NY von der Parfümeurin Anna-Elvira Brodskayas sind aus natürlichen Ölen und Essenzen hergestellt. Ist Alkohol in den Düften, so ist nur rein aus Getreiden destillierter verwendet worden. Die Parfüms muten einerseits traditionell an und doch sind sie angenehm frisch, herb, natürlich und meines Erachtens dennoch apart, teilweise besonders schön mit interessanten Verläufen. Vor allem sind sie für Naturdüfte sehr haltbar, sechs bis zwölf Stunden sind bei mir gegeben. Es ist unbedingt erforderlich, dass man Geduld hat und auch bei weniger differenzierten Düften den Verlauf abwartet.
So startet "Sweet Lavender" mit starker Sillage, wie frisch geernteter an sich scharf duftender Lavendel in der Hitze trocknend, dazu die Düfte von Kräutern, trockenen Gräsern, trockenem Strauchwerk. Dennoch duftet "Sweet Lavender" darunter warm, lieblich, blumig und mir vertraut. Ich sehe wieder das Licht der Sonne in Südfrankreich, fühle die Hitze, die mir damals so gar nichts ausmachte, höre die Zikaden sehr laut zirpen, sobald man außerhalb von Orten Rast machte.
Im Verlauf entwickelt sich "Sweet Lavender" zunächst herber und trockener um dann wieder lieblicher und holzig zu duften.
Der feine rosige Blütenduft, und wie ich später feststelle Ylang Ylang, als auch Kräuternoten bleiben im weiteren Verlauf immer erhalten. Auch nehme ein sachte rauchige Note wahr, als würden irgendwo am Abend die trockenen Lavendelstängel verbrannt. Vanille und Neroli, Zitrone sind so eingearbeitet, dass ich sie nicht herausrieche.
Aber bis auf die den sehr präsenten Lavendel und der darunter liegenden rosendominierten Blütenmischung, die erdig-trocken-rauchigen Noten kann ich das nicht auseinander halten. Als ich die Ingredienzen später aufrufe, "verstehe" ich "Sweet Lavender" richtig.
Die Sillage von "Sweet Lavender" nimmt in den ersten zwei Stunden ab und bleibt dann mehr als sechs Stunden mit dieser Duftmelange erhalten. Danach ist "Sweet Lavender" noch länger wahrzunehmen, aber nun wird der Duft noch trockener, erdig-staubiger.
Insgesamt ist "Sweet Lavender" ein für mich harmonischer Duft. Abgesehen vom herb-aromatischen Lavendel ist "Sweet Lavender" nicht zu blumig und nicht süß. Daher halte ich ihn auch für Männer tragbar.
Auf unserer Rückreise waren alle Felder abgeerntet und wir waren betrübt, dass wir wieder nach Hause mussten.


09.03.2018 11:39 Uhr
Auch wenn "Cenerentola" übersetzt fast das gleiche bedeutet wie "Aschenputtel" so wählte ich die Italienische Bezeichnung um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen.
Denn im Verlauf von "Just another Love Potion" riecht nichts nach Asche und Rauch. Jedoch beim Testen dachte ich zu Beginn, es handele sich um eine gekippte Probe. Da es jedoch als 'freegift' beigefügt war, fand ich das auch nicht weiter tragisch. Und vielleicht gibt es auch Userinnen, die genau diesen Start von "Just another Love Potion" spannend finden.
Die Naturdüfte von "Wonderchest Perfums", NY von der Parfümeurin Anna-Elvira Brodskayas sind aus natürlichen Ölen und Essenzen hergestellt. Ist Alkohol in den Düften, so ist nur rein aus Getreiden destillierter verwendet worden. Die Parfüms muten einerseits traditionell an und doch sind sie angenehm frisch, herb, natürlich und meines Erachtens dennoch apart, teilweise besonders schön mit interessanten Verläufen. Vor allem sind sie für Naturdüfte sehr haltbar, sechs bis zwölf Stunden sind bei mir gegeben. Es ist unbedingt erforderlich, dass man Geduld hat und auch bei weniger differenzierten Düften den Verlauf abwartet.
So ist es auch bei "Just another love Potion".
Nämlich im Start, der mir zuerst eigenartig fremd, hefig und sehr nach Haut roch. So in etwa riechen mir Biere, vor allem Weißbiere, Hefeweizenweizen etc. Ich kann sie nicht ausstehen und schon gar nicht trinken. Sodann roch ich noch einen leichten Schwefelsäuregeruch.
Es war jedoch nur eine hautnahe Sillage, daher blieb ich sitzen und las Kommentare, wollte zunächst abwarten, wie das weiter gehen würde.
Ich dachte nur, dass es schade wäre, so ein weiter Weg, so eine nette Geste und dann ist es nichts mit "Just another Love Potion", dass die Abfüllung leider umgeschlagen wäre. In der Tat so resümierte ich, das ist mal ein Liebestrank der anderen Sorte.
Jedoch nach relativ kurzer Zeit nahm ich um mich einen sanftblumigen Duft wahr, richtig schön. Tatsächlich, dicht auf der Haut war nur noch das, was ich in Parfüms als Hautgeruch gar nicht so sehr schätze. Aber nun vermischt mit Blumenduft, dezent süß, pudrig, sogar ein Hauch von herb-lieblichem Neroli, oder zumindest einen solchen Zitrusakkord. Ich dachte auch an Ylang-Ylang, was sich im Weitern Verlauf und auch beim Aufrufen der Ingredienzen nicht bestätigte. Ich war mir auch nicht sicher, ob ich nicht lieblich-trocken duftenden Lavendel röche, wie ich ihn beim Vorbeifahren an den Lavendelfeldern in der Provence und entlang der Rhône im heißen Sommer wahrgenommen habe.
Im Weiteren Verlauf wurden in "Just another Love Potion" die Blumen zur Unterpflanzung von fein duftenden Rosen. Und als Abschluss erschien auch eine von Frau Brodskaja verwendete Duftgeraniensorte. Die Sillage nahm im weitern Verlauf ab und "Just another Love Potion" wurde trockener, staubig-erdiger. Hier hätte ich Iris vermutet. Damit stand "Just another Love Potion".
Ein schöner zarter Blütenduft mit Rose als Protagonist, feinpudrig-erdig. Die Geruchsnoten vom Beginn waren vollständig verschwunden.
Die gewöhnungsbedürftige relativ kurze Startnote ist der kritische Faktor in "Just another Love Potion". Aber wenn ich an die eigenartig bis animalischen Startphasen andere Düfte denke, so ist das nur eine ungewöhnliche Startvariante, die sich zu einem sehr angenehm femininen Blütenduft mit guter Haltbarkeit verwandelt.


08.03.2018 00:10 Uhr
Mit diesem Duft "Pan Flute" von Wonderchest Perfumes konnte als einzigem nicht wirklich warm werden.
Da die Serie zu einem Projekt gehört, konnte ich nicht mehrmals testen, weil die Proben für mehrere Teilnehmer reichen sollen.
Es soll ein maskuliner Duft sein, so meint die Parfümeurin selber in der Beschreibung des Dufts. Leider konnte ich nicht so nicht wahrnehmen, auch wenn die gelisteten Ingredienzen das nahelegen.
Die Naturdüfte von "Wonderchest Perfums", NY von der Parfümeurin Anna-Elvira Brodskayas sind aus natürlichen Ölen und Essenzen hergestellt. Ist Alkohol in den Düften, so ist nur rein aus Getreiden destillierter verwendet worden. Die Parfüms muten einerseits traditionell an und doch sind sie angenehm frisch, herb, natürlich und meines Erachtens dennoch apart, teilweise besonders schön mit interessanten Verläufen. Vor allem sind sie für Naturdüfte sehr haltbar, sechs bis zwölf Stunden sind bei mir gegeben. Es ist unbedingt erforderlich, dass man Geduld hat und auch bei weniger differenzierten Düften den Verlauf abwartet.
Für mich startete "Pan Flute" holzig mit dominantem Zimt. Im Gegensatz zu den anderen Düften von Wonderchest, die ich bisher testete, finde ich diesen zu Beginn sofort relativ süß.
Dann nehme ich ein helles Patchouli wahr.
Ganz schnell entwickelte sich eine warme und deutliche Eichenmoosnote. Zusammen mit dem Patchouli, dem Holz und der ganz besonderen Geraniensorte, der hier als Balkanstorchschnabel übersetzt wurde, ergibt sich relativ schnell ein geradezu altmodisches Parfüm mit einer mittleren Sillage. Die Süße ist dann allerdings rasch verschwunden, stattdessen rieche ich immer noch Zimt, jetzt holzig mit moosigen wie auch bitteren Noten.
Vielleicht ergibt eine Mischung aus Salbei, Muskat, Ingwer und Zeder, sowie Rosenholz eine Note, die ich als Zimt wahrnehme. Denn die genannte Duftnoten kann ich nicht wahrnehmen.
Es könnte daran liegen, dass ich es nicht gewöhnt bin, diese Kombination aus den echten Pflanzen und deren Essenzen sowie Ölen zu erkennen und/oder ich sie ganz anders wahrnehme.
Vor allem scheinen mir die als natürlich deklarierten Duftstoffe nicht so schnell und eindeutig und vor allem einheitlich genormt wahrnehmbar, wie ich es auf Grund der teilweisen Diskrepanz von Pyramide im Gegensatz zu meinen Notizen vermute.
So wahrgenommen könnte man "Pan Flute" als mehr maskulin einordnen, aber für mich war es ein sehr femininer Duft. Ich meine hier den Duft an sich und weniger bezogen auf die angedachten Träger. Ich konnte mir "Pan Flute" nicht an Männern vorstellen.
Ich will aber fairerweise zugeben, dass ich noch nie gerne diese Art von Parfüms mochte wie ich "Pan Flute" wahrnehme. Mir scheint "Pan Flute" irgendwie altmodisch und auch trotz moderater Sillage bedrängend. Die Haltbarkeit von "Pan Flute" ist, wie zu erwarten, ebenfalls sehr gut.
Ich fasse das so zusammen: Alles ist meines Erachtens erstaunlich gut gemacht mit "Pan Flute", wie ich es in allen Düften von Wonderchest anerkennend feststellte. Leider gehört "Pan Flute" nicht zu der Art Parfüms, wie ich sie mag.


03.03.2018 00:08 Uhr
Bisher fand ich fast alle Düfte mit Früchten von untragbar künstlich süß über viele Stufen dazwischen auch solche, die ich gut gemacht finde, aber für mich nicht tragen mag, bis hin zu untragbar scheußlich, wie die mit schwarzer Johannisbeere.
Aber als ich "Black Currant Summer" auftrug war ausgerechnet ich sofort mehr als angenehm überrascht.
Die Naturdüfte von "Wonderchest Perfums", NY von der Parfümeurin Anna-Elvira Brodskayas sind aus natürlichen Ölen und Essenzen hergestellt. Ist Alkohol in den Düften, so ist nur rein aus Getreiden destillierter verwendet worden. Die Parfüms muten einerseits traditionell an und doch sind sie angenehm frisch, herb, natürlich und meines Erachtens dennoch apart, teilweise besonders schön mit interessanten Verläufen. Vor allem sind sie für Naturdüfte sehr haltbar, sechs bis zwölf Stunden sind bei mir gegeben. Es ist unbedingt erforderlich, dass man Geduld hat und auch bei weniger differenzierten Düften den Verlauf abwartet.
Zuerst kam mir eine herb-grüne Note von ganz frischen Blättern entgegen, ein wenig wie Weinblätter. Nun ist die schwarze Johannisbeere mit Wein verwandt, sie wird, so weit ich weiß, zur Aromatisierung von Wein in die Weinstöcke eingekreuzt.
- (Meine Önologischen Kenntnisse sind mangelhaft, ich weißt nur, dass heutzutage viele Rotweine u. a. auch das Aroma von schwarzen Johannisbeeren haben können, wie das wirklich erzeugt wird, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen)-
Einen kleine Weile scheint "Black Currant Summer" aquatisch, wird dann bitter (ich liebe bittere Noten in Düften) und mir scheint eine Note von dunkel fermentierten Tabakblätter mit zu duften. Aber ehrlich gesagt, konnte ich das nicht mit Bestimmtheit behaupten. Ich habe die Pyramide erst Tage später aufgerufen um den Duft hier im Research einzureichen.
Ich beschreibe, was ich ohne die Ingredienzen zu kennen beim Testen wahrnahm.
Jedenfalls war diese bittere Note in "Black Currant Summer" für mich ungewöhnlich und faszinierend. Ganz unterschwellig und für mich nicht identifizierbar roch ich zudem etwas Blumiges.
Dann wird "Black Currant Summer" fruchtig, deutlich ist eine sehr leckere frische herb-beerige 'Schwarze-Johannisbeernote' ohne die sonst mir sowohl in Düften als auch in natura sehr eklige spezielle nur der schwarzen Johannisbeere eigene Duftnote. Aber ich notierte, dass da auch noch andere säuerliche Frühsommerfrüchte verarbeitet worden sein könnten.
Was ich über alles schön finde ist, dass einerseits mir das frisch-säuerliches Fruchtaroma eine heitere fröhliche Stimmung bereitet, aber andererseits diese Note keineswegs dominant ist.
Mir fiel der altvertraute Spruch ein, den ich schon so oft mit einer gewissen Schadenfreude hörte, wenn ich Fruchtverweigerin wieder einmal nicht unterdrücken konnte das Gesicht beim Probieren von Beerenfrüchten vor Säure und Widerwillen verzog: "Sauer macht lustig!"
Gewiß, das schon, aber mich betreffend war es jeweils für die anderen lustig, mein angewidert verzogenes Gesicht zu sehen.
Nicht so hier mit "Black Currant Summer", ich dachte: Oh, was duftet das so herrlich beerig-frisch-kühl, nicht süß, bitter-grün, ein richtiger erfrischend-spritziger Sommergourmand - bis zu einem gewissen Grad.
Denn gleichzeitig entwickelte sich eine aromatisch-herbe Holznote und etwas Moosiges, dass "Black Currant Summer" eine dezente Sanftheit gab, es sacht lieblicher machte und insgesamt runder werden ließ.
"Black Currant Summer" steht über eine recht langen Zeitraum mit einer mittleren Sillage, den Fruchtduft weiter abschwächend erst moosiger und dann zusätzlich noch holziger werdend. Ganz am Ende rieche ich nur noch schwach und dicht auf der Haut einen scharfen kampferartigen Geruch.
Als ich die Pyramide dann schlussendlich sah, erklärte sich mir die Abwesenheit des mir ungenießbaren Geruchs von schwarzen Johannisbeeren. Es sind gar keine enthalten, sondern nur die Blütenknospen, die auch für den leichten Blütenduft verantwortlich sind.
Vermutlich ist "Black Currant Summer" keine absolute Novität. Aber für mich ist "Black Currant Summer" einzigartig, weil es bisher der einzige Duft mit schwarzer Johannisbeere ist, den ich vollkommen schön finde. Wenn ich dann noch bedenke, dass auch Eichenmoos enthalten ist, bin ich über mich doch etwas verwundert.


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