SeeroseSeeroses Parfumkommentare

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07.06.2018 02:09 Uhr
Dies ist der letzte Duft der Providence Perfumes. Insgesamt decken sie von "zum Hinknien schön" über "schön" bis "naja, nicht meins" und "betont öko" ein breites Spektrum ab.
Aber mit diesem hier: "Osmanthus Oolong" kann ich sehr wenig anfangen.
Oolong-Tee ist ein halbfermentierter chinesischer Tee und er wird, wie viele chinesische Tees über Feuer getrocknet, geräuchert. Osmanthus ließ mich eine fruchtig-blumige zarte Note erwarten in einen möglicherweise schwachen Teeduft.
Aber ich rieche zuerst nur eine Art Rauch-Teergeruch (nein, das "r" zwischen "Tee" und "Geruch" ist kein Tippfehler), wie ich das von versotteten Schornsteinen kenne, richtiger Schornsteinfegergeruch. Zunächst rieche ich nichts weiter, dieser Rauchgeruch ist nicht mal der von Holzkohlenfeuer. Auch der rauchigste Tee aus China, den man damals in Ökoläden kaufen konnte hatte diesen Geschmack oder Geruch, allerdings nicht ganz so stark auf jeden Fall.
Ich mochte sie alle schon damals nicht. Und womöglich noch mit Jasmin oder Bergamotte aromatisiert waren sie besonders scheußlich für mich.
Aber auch das ist hier nicht der Fall, nur sottig-klebriger Rauchgeruch kommt von meinem Handgelenk. Solcher Sott dringt durch die gemauerten Steine eines Schornsteins und bei feuchtem Wetter, wenn der Ofen nicht beheizt wird, riecht man so etwas in den Räumen. Erzeugt wird dieser Sott durch zu frisches und nasses Feuerholz und unsachgemäßes Anfeuern.
Als ich hier den Duft aufrufe ist als Holz "Aglaia" genannt. Das ist ein Mahagonibaum. Nun gut, dann soll das hier Holzkohle aus Aglaia-Mahagoni sein?
Danach schwächt sich der Geruch von sottiger Holzkohle ab, ich rieche ganz schwache Noten von Wachs und etwas Wässrig-Fruchtig-Blumiges. Und neben dem jetzt ganz schwachem Rauchgeruch kann ich tatsächlich Holz und eine Spur Sandelcremigkeit wahrnehmen.
Diese Mischung etwas stärker und ohne diese grobe Teernote und mit einer zarten Teenote an dessen Stelle zu Beginn würde ich schon mögen.
Irgendwie scheint mir "Ostmanthus Oolong" nicht so gelungen wie man es gedacht hatte. Ich gebe so eine niedrige Bewertung, weil die oben genannte Ingredienzenliste völlig überzogen erscheint und Erwartungen weckt, die überhaupt nicht erfüllt werden.


06.06.2018 02:06 Uhr
Zuerst rieche ich nach dem Verdunsten des Alkohols von "Tabac Citron" eine zitrisch-süße Note mit Lakritzandeutungen. Das verwandelt sich dann kurzfristig in eine säuerliche Dropsmischung. Das ist nicht zu beanstanden, aber spannend finde ich das nicht.
Dann wird "Tabac Citron" mir richtig unangenehm. Es entwickelt sich eine mir widerliche Note, eine Art komischer Hautgeruch, etwa wie Efeublüten. Ein breiiger leicht angesäuerter gammeliger Geruch mit Gewürzen und Lavendel, was meiner Ansicht nach mehr als unharmonisch riecht.
Diese Phase währt vielleicht eine Stunde und ich kann mit das erst erklären, als ich den Duft hier aufrufe. Diese komische Note muss vom Sandel kommen. Der passt irgendwie nicht zu den anderen Noten und daher bekommt "Tabac Citron" diese seltsam menschelnde Hautnote.
Was da sonst gelistet ist: Rose, Ylang, kann ich überhaupt nicht riechen.
Und ich gestehe, dass ich mir unter "weißen Tabak" aber auch überhaupt nichts vorstellen kann. Albinotabak gewissermaßen, vielleicht gibt es so etwas. Aber diese mir mehr als unangenehme Note verschwindet wieder und es kommt wieder diese Bonbonfruchtnote, leicht süß zum Vorschein, ich rieche auch etwas Holziges.
Desweiteren nehme ich immer mehr Gewürznelken mit etwas Zimt wahr und eine säuerliche Fruchtnote.
Ach, was drösel ich das so umständlich auf? Pflaumenmus kommt hin, mit etwas Apfelkompott.
Zur Ehrenrettung kann ich sagen, dass der Sandel "Tabac Citron" nun doch noch eine cremige Note verleiht wie es sich gehört. Da wird wohl auch noch ein Stückchen Vanillestange mit geholfen haben. Nur Tabak habe ich nicht wahrgenommen.
Insgesamt entwickelt sich "Tabac Citron" zu einem traditionellen Duft wie es ihn sehr oft gibt: Säuerliches Fruchtmus oder auch Trockenfrüchte gut gewürzt. Die saure Herbheit wird durch Sandel und Vanille neutralisiert und somit steht "Tabac Citron" als schlussendlich als eine Art Gourmand-Duft.


05.06.2018 02:18 Uhr
"Moss Gown" ist für mich ein wirklich wunderschöner Moosduft. Der Start ist lieblich-moosig mit balsamischen Harzen. Das Moos bleibt über den gesamten langen Verlauf erhalten, schwächt sich jedoch ab.
Die Sillage ist die erste Stunde nicht von schlechten Eltern. Es duftet wirklich wie in eine lichten Mischwald mit alten Eichen an denen die Moosflechten hängen und es ist Sommer. Die Heide blüht schon und duftet lieblich, wenn der Wind darüber streicht.
Dann kommt die Herzphase in der ich denke, dass "Moss Gown" (Moosgewand) sich ins Herb-Bittere und mehr in Richtung Terpene, also Holzöle verwandelt. "Moss Gown" wird zudem etwas bitterer und erdiger, bleibt aber interessant und angenehm, immer vom Moosgeruch flankiert.
Jedoch erscheint dann nach und nach eine liebliche Blütenmischung, süß, leicht frisch, eine Spur aromatisch-fruchtig.
Als ich hier nach dem Testen die Pyramide aufrufe erklärt sich mir einiges. Wenngleich die Reihenfolge sich bei mir im Duftverlauf nicht so abspielt. Einzelne Blüten kann ich gar nicht identifizieren. Ich rieche allerdings so etwas wie blühende Besenheide.
Im Grunde ist das auch nicht wichtig, denn:
"Moss Gown" ist ein zum Hinknien schöner Landschaftsduft, wie oben bereits gesagt: Eine blühende Heidelandschaft im Sommer mit Eichen und Moos und ein paar Traubenkirschbäumen an den Waldrändern.
Ich würde das Moosgewand jetzt als Duftdecke zum Schlafen nehmen. Aber ich muss für den Testnachfolger noch etwas im Tester lassen.
Die Haltbarkeit ist für eine Naturduft sehr gut, die Sillage wird allerdings nach drei Stunden fast hautnah.


04.06.2018 01:14 Uhr
Es ist zu schade, dass "Love-In-A-Mist" so von weißen Blüten dominiert wird. Denn ganz gleich, wie gut es ist, ich kann es nicht mögen.
Und "Love-In-A- Mist" ist ein gutes Parfüm. Es haftet ihm nichts Ökohaftes an.
Ich trug "Love-In-A-Mist" auf und sofort roch mir nicht nur die mir sehr unangenehme weiße-Blüten-Phalanx entgegen. Puh!
Dann war sofort noch eine unangenehme Note, die nicht zu den weißen Blüten gehört.
Diese beiden Noten bleiben vor allem dicht auf der Haut intensiv über den ganzen Verlauf erhalten..
Aber auch in der Sillage sind sie leider - für mich - sehr präsent.
Jedoch roch ich kurze Zeit später darunter etwas Grünes und Frisches, eine liebliche dezente Süße, etwas Cremiges. Nicht zu fassen, unter den wüsten weißen Blüten breitete sich ein wunderschöner lieblicher Blütenteppich aus, ich kann sogar Rose herausriechen und ein Blütennote mit heller würziger Frische zusammen mit Süße.
Vor allem in der Sillage nehme ich das intensiver wahr. Und ich hoffe, dass sich die beiden Stinkerchen noch zurückziehen. Leider passiert das nicht.
Nachdem ich mich länger mit anderem beschäftigt habe um "Love-In-A-Mist" Zeit zu geben, rufe ich es hier auf.
Die Pyramide ist wenig hilfreich, ist doch schon mal keine weiße Blüte gelistet. Mimose ist für mich zwar nicht bedrängend, gehört zu den Gewürzblumen und ist auch recht heftig. Mimose könnte sich allenfalls unter die weißen Blüten gemischt haben.
Dann die Jungfer im Grünen. Die musste ich im Wikipedia nachschauen. Ach ja, ich kenne sie, wußte nur nicht, dass sie so heißt. Ein schöne blaue Blume mit sehr filigranen Grün besonders um die Blüten.
Jedoch sind die Früchte der Schwarzkümmel mit ähnlichem Geruch wie Kreuzkümmel. Das ist die zweite unangenehme animalische Geruchsnote, animalisch, bedrängend und schweißig.
Was alles in dem schönen Blütenbouquet enthalten ist - außer Steinklee - habe ich allein mit meiner Nase frei erraten. Der Stein- oder Honigklee ist für die lieblich-süße Blütennote verantwortlich. Ich hatte auf Zistrose getippt. Ich roch noch anderes, etwa Rosen, Ylang könnte auch fein dosiert darin sein, sowie etwas Nelkenblüte mit rosa Pfeffer verstärkt. Ein guter Sandel, sehr sparsam eingesetzt verstärkt die Cremigkeit der von mir gerochenen Rose.
Ich bin der Meinung: Wären in "Love-In-A-Mist" nicht die weißen Blüten und der Schwarzkümmel, so wäre das ein schönes Blütenparfüm mit dem ich durchaus liebäugeln könnte. Bin ich doch immer auf der Suche nach schönen Blütenparfüms.
"Love-In-A-Mist" ist ein femininer Duft. Und für alle, die weiße Blüten mit einer Spur Animalik mögen ein gelungenes Parfüm.


03.06.2018 00:25 Uhr
Wenn ich nicht soeben frische Kaffeebohnen in das Mahlwerk der Mühle für morgen Früh gefüllt hätte, vielleicht hätte ich hier auch versucht, Kaffee oder Espresso wahrzunehmen. Obwohl ich keinen Kaffee trinke, so muss! ich unbedingt immer einen tiefen Nasenzug aus der Dose davon nehmen. Ich will auch nicht bestreiten, dass hier Kaffee verarbeitet wurde. Aber ich rieche ihn nicht. Ich bin extra noch einmal an den Küchenschrank und habe das geprüft.
Jedoch rieche ich von Anfang an sehr wohl eine angenehme Bitterkeit, was ich in Düften sehr mag. Begleitet von allerfeinstem Eichenmoos!
Wie die meisten, die mich hier kennen, wissen, finde ich in den gängigen Düften allermeist Eichenmoos abscheulich, richtig zum Schütteln. Das modifizierte Eichenmoos verdirbt mir so manchen Duft.
Aber echtes Eichenmoos ist auch für mich wunderschön in Parfüms. Nur die Mischung in manchen Parfüms ist mir nicht angenehm, auch wenn wirklich schöne Eichenmoosnoten verwendet wurden. Es mag an den synthetischen Bausteinen liegen, dass ich Eichenmoos meistens in Parfüms nicht mag.
In "Heart of Dark" jedenfalls finde ich es schön. Es folgt sofort eine Mischung aus aromatischen Hölzern, Harzen, Balsamen, eine feine Rauchigkeit tritt hinzu.
Aber dann wird es nicht so eine teerige Angelegenheit wie beispielsweise "Black Amber" von Agonist.
Sondern sehr meisterlich zugefügte Vanille und Zistrose machen "Heart Darkness" zu einem wunderschönen kuscheligen Duft, ja geradezu zu einem lieblichen, keineswegs süßem Duft.
Trotzdem bleibt der Charakter erhalten, das Eichenmoos nimmt sich in seiner Intensität zurück, alle Ingredienzen/Duftnoten bleiben im Verlauf.
Oh ja, "Heart of Darkness" überflügelt meiner Ansicht nach Düfte wie "4. April 1968 von Rundholz", "All Angel Calling von April Aromatic" und auch "Black Amber von Agonist.


02.06.2018 01:08 Uhr
Abgesehen davon, dass auch "Samarinda" eine leichte Ökonote hat, die offenbar so gewollt ist, ist es ein sehr schöner Gourmandduft.
Ich versuche jetzt diese mir als Ökonote immer wieder in Düften begegnete typische Ökolinade zu beschreiben: Da ist zum einen etwas Staubig-Getreidiges. Und dann eine leicht muffige Note mit so etwas wie Kampfer. Je nach dem ist sie mir in vielen Ökoduften mehr oder weniger stark in die Nase gekommen.
Wobei es durchaus ökologisch erzeugte Düfte gibt, die das gar nicht haben, sondern sehr aparte und/oder natürlich-traditionelle Düfte sind. Die man nicht so einfach von den uns herkömmlichen in Massen produzierten Düften unterscheiden kann.
Zurück zu "Samarinda".
Zuerst rieche ich ein schöne harzig-holzig-balsamische Mischung mit Gewürzen, frischen Kräutern. Hinzu kommt ganz schnell eine moderate Note von weißen Blüten. das stellt sich in der Pyramide als Orangeblüte vor. Ich aber würde auch auf Jasmin tippen.
Diese mir immer leicht bedrängende Blütennote bleibe relativ lange, ca. 2 Stunden bestehen, wobei sie immer schwächer wird. Immer stärker entwickelt sich eine Gewürzmischung von Zimt, Sternanis, Lorbeer und Nelken. Die anfängliche Frische, leicht minzig-melissig verschwindet und es tritt noch eine etwas stallige Ledernote hinzu. Jetzt kommt der Lorbeer mehr zur Geltung. So würde ich meinen, ich hätte ein gutes Lederpflegemittel.
Aber tatsächlich gibt es einen langen Verlauf, immer wieder wird "Samarinda" heller, auch mal wachsig, dann wieder wie Politur, dann wieder mehr wie ein winterlicher Gewürztee. Und dann erneut das gut gefettete Leder.
Unter allem liegt dezent das, was ich als Ökonote bezeichne.
Insgesamt ist "Samarinda" ein schöner aromatischer holzig-balsamischer Duft. Allerdings kommt er vielen industriellen-traditionellen Düften sehr nahe. Das gefällt mir. Denn die industriellen Düfte sind schließlich den natürlichen Düften nachgebaut. Also muss es immer noch möglich sein, wieder oder immer noch solche Düfte auf ökologische Weise herzustellen.


01.06.2018 01:37 Uhr
Gerne würde ich Positiveres schreiben oder gar nichts. Aber auch dieser Duft hat einen Kommentar verdient. Im Testsprayer ist eine granatrote Flüssigkeit, richtig verheißungsvoll finde ich die Farbe. Das ist aber auch für mich das Schönste an "Divine" von Providence Perfume.
Als erstes kommt mit heftiger Sillage ein Duftschwall mit bedrängendem weißen Blütenmix in meine Nase, Jasmin ist für mich dominant. Die Duftstärke nimmt sofort ab es entwickelt sich eine getreidige trocken-staubige Note. Etwas später rieche ich zudem grünes trockenes Heu und "Divine" wird eine Spur säuerlich. Noch später, die Sillage ist nun sehr moderat aber nicht schwach, rieche ich auch noch eine Prise aromatischen Gewürzes. Bei gutem Willen kann man auch noch abmildernde Vanille und Ambrette wahrnehmen.
Ich ordne die Ambrette der Getreidenote zu. Ich schätze Ambrette nicht sehr in Parfüms. Ich finde es so, wie man Zichorienkaffee nicht mit echtem gerösteten Kaffee wirklich gleichsetzen kann. So in etwa kann man Ambrette nicht einmal - meine Wahrnehmung - mit den synthetischen guten Nachbauten von Walambra vergleichen, nur Ambroxan finde ich schlimmer.
Insgesamt ist "Divine" bezogen auf den Namen ein Duft der Göttin Demeter gewidmet.
"Divine" duftet nach Jasmin, zweiter Heumad, erdig, geerntetem Getreide und Koriander, der auch als Brotgewürz verwendet wird. Ein wahrlich ruraler Duft.
Aber auch "Divine" kann mir für mich nicht als Parfüm vorstellen. Es ist mir zu gewollt ökohaft. Beduftet mit "Divine" positioniert man sich, sendet ein deutliches olfaktorisches Signal: "Ich bin Öko, umweltbewußt...


30.05.2018 01:08 Uhr
"Hindu Honeysuckle" bedient jedes Vorurteil, das man so allgemein, ich jedenfalls früher, gegen Ökodüfte hat bzw. hatte. Es startet kurz mit einer acetonig-scharfen Note und geht sofort über in einen Geruch nach vor langer Zeit getrocknetem Jasmin, der nun muffig, ranzig und alt riecht. Dafür aber hat "Hindu Honeysuckle" denn doch eine starke Sillage.
Geißblatt soll darin sein? Ich rieche lange Zeit keines. Allenfalls nach der anfänglichen Acetonnote könnte man ihn ganz entfernt erahnen. Aber vielleicht habe ich mir das nur gewünscht und mir den Geruch von Geißblatt so aus der Erinnerung vorgestellt. Die Realität des recht penetranten Geruchs ließ mich erst wieder an das Geißblatt erinnern, als ich den Duft hier aufrief und das was ich roch mit der Pyramide verglich.
Zwar wird mit dem Nachlassen der Sillage der mir unangenehme Geruch nach altem scharfen Jasmin etwas schwächer, ich ahne Vetiver, Ambrette (ansatzweise).
Wenn sich also "Hindu Honeysuckle" gewissermaßen beruhigt hat, wird es etwas grüner, weniger bedrängend und lässt eine gewisse Süße frei, die man fast als Geißblatt identifizieren möchte.
Nur frage ich mich, zu was man diesen Duft tragen soll? Ich würde ihn nicht einmal als Raumduft oder in einer Duftlampe verwenden mögen.
Also hier ist noch Entwicklungsbedarf.


22.04.2018 01:11 Uhr
Ich wollte es gar nicht glauben, argwöhnte, dass selbst nach dem Duschen noch ein Restchen "Do Son" EdT auf dem Handgelenk mitwirken würde. Also noch ein zweites Mal Biehl "GS 03" in die Armbeuge.
Nein, es bleibt auch auf der ganz sicher nicht vorher bedufteten Stelle wie auf dem Handgelenk.
"GS 03" startet zwar mit einer herben Zitrusnote, wird aber ganz schnell leicht seifig- blumig-leicht würzig sogar. Ich kann leider nicht ignorieren, dass "GS 03" mich auch beim zweiten Testversuch an Rasierschaum und den Frisörsalon-cologne-Duft aus den Zeiten erinnert, als ich noch zum Frisör ging und mir dieser Geruch aus der Herrenabteilung des Salons herüberwehte. Zwar ist auch in der blumigen Note eine ganz leicht fruchtige Komponente.
Wenn dem nicht so wäre, würde ich überhaupt nicht glauben können, dass "GS 03" ein von Herrn Schön gemixtes Parfüm ist. Neben den seifigen und aldehydischen Nuancen nehme ich nach kurzer Zeit auch wachsige und sandelcremige Nuancen wahr. Jetzt, wo ich es lese erkenne ich auch die Absicht von Pfeffer, kombiniert mit grünem Vetiver.
Die Zitrusnote hat sich zwar gleich zu Anfang zurückgenommen aber auf die Dauer mausert sie sich zur Colognenote. Allerdings entwickelt sich"GS 03" nicht zu einem frischen Cologne, Tonka und ähnliche Noten machen es zu cremig-harzig. Zeder rieche ich gar nicht. Ebenso rieche ich kein Eichenmoos. Ich rieche gar nichts Animalisches oder Bedrängendes.
Ich finde es schwierig, "GS 03" wirklich zu beschreiben, andere offenbar auch, weswegen hier kein Kommentar zu lesen war. Ich kann einfach nicht unterdrücken, dass ich zugeben muss: Ich rieche in abgeschwächter zahmer Form eine Melange jener altmodischen Parfüms wie Tosca, 4711 und viele andere, die damals so ähnlich rochen. Nur die fruchtige osmanthusähnliche Note lässt mich erkennen, dass es ein neueres Parfüm ist.
Vielleicht wollte Gesa Schön damit zeigen, dass er auch ganz konventionelle Düfte mit einem kleinen Twist Fruchtigkeit nach dem Schema älterer Düfte mischen kann. Ich finde "GS 03" tragbar und nett, aber belanglos und langweilig.


18.04.2018 01:52 Uhr
Oh je, wieder einmal blind getestet, es ist schon spät und: Kein Kommentar. Und dann zu so einem einerseits interessanten und andererseits recht konventionellen Duft.
Biehl "mb02" ist weder experimentell noch ein Konzept- oder Themenduft. Es ist, wie offenbar alle Biehl-Düfte, ein nüchtern-modernes Parfüm mit dem man nichts falsch machen kann.
Biehl Düfte sind keine Parfüms, bei denen ich sagen könnte, dass man sie nicht tragen könnte. Sie sind eher beliebig. Die Synthetik ist so, wie es heute bei vielen Düften zum Duftkonzept gehört. Auch sind es keine Düfte, mit denen man negativ auffallen würde.
"mb02" startet sehr sauer. Ich denke an Rhabarber und saure Zitrone. Dann entwickelt "mb02" darüber eine starke frische und grüne Note. Eine leicht aquatische Note und leichte scharfe Bitterkeit duftet auf. Ab und zu rieche ich würzige Andeutungen. Alles ist scheinbar bewußt moderat synthetisch komponiert.
Dachte ich beim Start, dass "mb02" ein Cologneduft ist, so sind innerhalb kurzer Zeit cremige und liebliche Noten da. Nun ist "mb02" ein sauer-grüner-cremiger und kompakter Duft. Für ein Cologne ist "mb02" viel zu cremig.
Im weiteren Verlauf verliert sich die sauer-beißende Note und "mb02" duftet immer deutlicher nach frischem Grün, etwa wie frisch gemähtes Gras. Trotzdem ist "mb02" nie süß, kein Ambroxan rieche ich, aber jede Menge Kumarin mit Sandel und Moschus. Das ist soweit sehr angenehm.
"mb02" bleibt stets ein kühler, ja fast kalter Duft. Und das trotz der Cremigkeit.
Irgendwie erscheint mir "mb02" als ein zwiespältiger Duft.
Dann entwickelt für mich als kleine Überraschung nach einiger Zeit eine Veilchennote. Jedoch ist diese Veilchennote ganz zart wie sie die kleinen echten Veilchen im Frühjahr inmitten ihrer grünen Blätter duften, lieblich zwar und doch nicht süß, auch nicht nach Süßholz, wie es in manchen Düften der Fall ist.
So bleibt für mich "mb02". So stabil wie die Sillage jetzt nach fast 4 Stunden noch ist, gehe ich von einer recht guten Haltbarkeit aus.
"mb02" ist ein androgyner Duft, so mein Fazit. Womit ich die Ausstrahlung meine, die Signale, die die Trägerinnen oder Träger mit diesem Duft aussenden.
Die Zuordnung als unisex bedeutet für mich hingegen, dass er für Frauen und Männer tragbar ist. Dem stimme ich zu.
"mb02" ist ein neutraler Duft für viele Anlässe, mit dem man nicht falsch beduftet sein kann, auch nicht für sich selber.


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