SerloSerlos Parfumkommentare

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Serlo vor 3 Jahren 17
9.5
Duft
9
Haltbarkeit
6
Sillage

Someone to watch over me
Schon Ella Fitzgerald war auf der Suche nach ihm, diesem einen, der ihr die ganze Zeit im Kopf herumschwebt. Überall hat sie ihn gesucht, und doch nie gefunden. Wo mag er denn nur sein, der Schafhüter für das verlorene Schaf? Denn irgendwo da draußen wäre ja einer. Ja! Und genau dieser eine ist dann vielleicht auch derjenige, der auf sie aufpassen würde.

Manchmal brauchen unsere Seelen Trost oder Geborgenheit, und wir wollen uns einfach nur fallen lassen können. Annette Neuffer hat mit Stardust ein Parfum komponiert, das es vermag, genau dies zu tun: es ist ein tröstender, warmer Duft, der dem Träger Wärme und Sicherheit schenkt.

Dies ist mein erster Kommentar zu einem Duft von Frau Neuffer und war auch das erste Parfum, das ich, nach einer langen arbeitsreichen Woche freitags am späten Abend aufs Handgelenk aus meinem frisch eingetroffenen Probenset gesprüht habe, endlich nach Hause gekommen nach einer Dienstreise (oder wie man das eben so nennt, wenn ein Team von vier Lehrern mit 120 Schülern im Alter zwischen 14 und 19 Jahren vier Tage lang unterwegs ist). Und dann kann man alles fallen lassen und einfach nur sein. Kerzen anzünden, Füße hoch, rauf auf die Couch und Musik an.

Wenn man sich mit den Düften von Frau Neuffer beschäftigt, dann kommt automatisch die Musik, im speziellen Jazzmusik, ins Spiel und in die Gedanken. Stardust ist aber wahrlich keine Bigband-Nummer mit knackigen Einsätzen oder Free Jazz, wo scheinbar alles durcheinandergeht, Dissonanzen dominieren und in dem die improvisierte Solomelodie den harmonischen Unterbau kontrollieren sollte. Im Gegenteil: alles an dem Duft ist melodiös, schmeichelnd, wie der Klang eines Altsaxofons begleitet von einem Drummer, einem Kontrabass und einem Klavier. Und diese spielen einen Standard (nicht abwertend gemeint, sondern eben eines der Songs, das Jazzer auf der ganzen Welt eben im Repertoire haben). Die Grundakkorde des Klaviers bieten beim Duft in Form des Bienenwachses (wohl so etwas wie eine Neufferiade, die in jedem Duft, den ich bisher testen durfte, zu spüren ist) und Kakaos den Teppich für den warmen Zuckerwatte-Akkord in Verbindung mit ganz leicht bitterer Mandel, welche die Balance herzustellen vermag und die Süße vor allem in Verbindung mit der Bitterorange in den Schranken hält. Ich würde sogar eine weit entfernte Verwandtschaft zu Baccarat Rouge 540 von MFK verorten, der ebenfalls an Zuckerwatte erinnert und doch so viel mehr als Zuckerwatte ist. Was jedoch bei Stardust deutlicher wahrnehmbar ist, ist das Vibrieren - musikalisch ausgedrückt ein Tremolo - der natürlichen Rohstoffe, die fortwährend schillernde Nuancen preisgeben. Niemals wirkt die Süße zu süß, die Mandel oder die Bitterorange zu herb/bitter. Alle Facetten sind zwar da, aber keine davon sticht heraus oder dominiert den Duft. Deswegen sollte man einfach davon abkehren, die einzelnen Bestandteile herausriechen zu wollen, sondern sich auf die Gesamtkomposition einlassen. Auch ich höre jetzt damit auf, die einzelnen "Noten" der Pyramide hier aufzulisten, denn wie in der Musik besteht eine Melodie auch nicht nur aus einem Ton, sondern eben aus der Variation verschiedener Tonhöhen... naja, bis auf den One-Note-Samba vielleicht...

Hervorheben möchte ich jedoch, dass alle Düfte von Annette Neuffer sehr lange haltbar und auch wahrnehmbar sind. Gerade für reine natürliche Rohstoffe ist dies für mich erstaunlich, zumindest hört man ja, dass die Düfte mit Chemie besser haften. So habe ich den Duft heute morgen um 6 Uhr aufgesprüht und kann ihn um 16:30 immer noch deutlich wahrnehmen. Auf der anderen Seite ist der Duft jedoch nie laut und fordernd. Wahrzunehmen ist er für alle, die einem recht nahe kommen, jedoch wird man keinen Raum füllen. Genau dies suche ich in Düften und habe es auch in vielen Neuffer-Parfums gefunden! Langanhaltende Präsenz bei doch recht zurückhaltender Sillage, machen Stardust zu einem Parfum für den Träger und alle, mit denen er in nahen Kontakt tritt. Und ja, ein bisschen sexy ist der Defensivgourmand - es geht nicht um Eroberung in der Disco, sondern um das Anlehnen an Kuschelnachmittagen, wie der Parfumo Loewenherz dies so trefflich in seinem Kommentar vom L'homme idéal (Eau de Parfum) geschildert hat - auf jeden Fall!

Tja, und wie bei der guten Ella werden andere etwas an dem Duft zu kritisieren wissen. Also ich habe ihn gefunden, den Duft, der auf mich aufpasst und mit dem ich mich fallen lassen kann. Danke, Frau Neuffer, für diesen Duft!
5 Antworten

Serlo vor 3 Jahren 11
9.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Jetzt ist schon wieder was passiert...
Jetzt ist schon wieder was passiert. Du kennst das doch auch, wenn alles irgendwie nicht ganz rund geht. Der Christbaum passt nicht in den Ständer, weil das Auge hat natürlich beim Kauf eher auf die Äste und auf den Wuchs geschaut als auf die Dicke des Stammes. Und die Höhe erst! Frage nicht! Da wird also der Prachtbaum vom Auto abgeladen, und schon direkt nach der Haustür kommt man zum Verrecken nicht um die Ecke. Also wird der Prachtbaum wieder auf ein für das Zimmer erträgliches Bäumchen abgesägt, vorher brüllt man sich aber natürlich gegenseitig wieder an, denn jeder hat urplötzlich natürlich vorher schon gesehen, dass sich das nicht ausgehen wird. Aber man hat ja nichts gesagt! Und wenn der Baum dann endlich passt, ist er zu einem Eckbaum geworden, der wirklich nur dazu geeignet ist, in einer Ecke zu stehen, denn irgendwie kann man ihn wirklich nur in einem bestimmten Winkel betrachten und schön finden, diese schiache Staude. Kurz: der Weihnachtsfrieden ist dahin. Krieg und Tragödie Hilfsausdruck.

Apropos Tragödie. Beim Duke und der Rose, da läuft auch nichts so, wie es sollte. Gut, er ist jetzt nicht unattraktiv und mit der Rose hat er schon einen guten Fang gemacht, aber auf der anderen Seite kann man ihm ansehen, dass er nicht ganz glücklich ist. Und riechen kann man es auch. Die Ginfahne ist teilweise so groß, dass man damit den ganzen Buckingham-Palast beflaggen könnte, wenn die Queen grad wieder auf Besuch da ist. Du weißt ja, da wo die Ding gestorben ist, da war das doch groß diskutiert worden.. Aber wo wir gerade bei der Ding sind. Die war ja auch immer unglücklich, die arme! Da gibt es schon Parallelen zur Rose. Ob die wohl auch ihren Frust in Alkohol ertränkt, oder ob sie wenigstens so einen feschen Reitlehrer hat, der sie ein bisschen auf andere Gedanken bringt?

Da kommt man aus gutem Hause und angelt sich Englands begehrtesten ding... äh... Bachelor, wie man das ja seit RTL weiß. Alle haben ihn vorher gewollt! Und mit jeder hat er auch auf den Bällen getanzt, dieser Hundling. Dass er mal eine wirklich mit zu sich genommen hat, freilich, davon hat man nichts gehört. Der ist halt noch gut erzogen, haben alle gesagt! Ein richtiger Gentleman! Noch nicht einmal ein einziges Bussi auf den Mund hat er der Rose vor Hochzeit gegeben, sondern immer nur diesen formvollendeten Handkuss, der zwei Zentimeter vor der eigentlichen Berührung von Lippe und Mund stoppt. Mei! Und der männliche Duft, der dann bei der zackigen Abwärtsbewegung in die Kussposition in die Nase vom Roserl reingefahren ist. Die war ja wie auf Wolke sieben! Wie kann man auch nur den ganzen Tag so riechen, als ob man nach einer 45-minütigen Verwöhnorgie frisch aus dem Barbershop herausgestolpert ist?

Aber ihre Mutter hatte sie gleich gewarnt! Mit dem Kerl stimmt was nicht! Und warum hängt der immer mit dem Franzosen rum? Überhaupt! Der ist doch schon so lange Single, da muss ja irgendwas faul sein. Kind! Überleg’ dir das noch einmal, nicht dass es dir so geht wie mir!
Papa George hat sich da nicht wirklich große Sorgen gemacht. Hauptsache das Mädel kommt endlich unter die Haube! Außerdem muss man sich da keine finanziellen Sorgen mehr um die Rose machen. Lord George war ohnehin immer eher praktisch orientiert und wenn die Rose aus dem Haus ist, kann man sich das Geld, das sonst für das Mädel und speziell deren Hang zur Haute Couture draufgeht für die Alimente des Bankarts aufheben. Der Duke hat eh so viel Geld, da wird sich schon der ein oder andere Besuch bei Chanel ausgehen!

Ich sag ja immer, dass der Amor nicht umsonst immer so eine Augenbinde aufhat. Von wegen, wo die Liebe hinfällt! Aber bei der Rose hätte er schon einmal einen kleinen Blick auf den Duke riskieren sollen, ob da der Pfeil nicht doch lieber im Köcher hätte bleiben sollen. Verlorene Liebesmüh, Hilfsausdruck! Um die Rose war’s halt geschehen, wegen diesen ding, die dich dann so glücklich machen. Manche essen da ja Schokolade, um das zu spüren, weil da sind ähnliche Stoffe drin, die das Gehirn so überfluten. Bei der Rose haben schon die Sträuße gereicht, die der Duke ihr immer wieder geschenkt hat. Rosen, freilich, und zwar diese unschuldigen weißen! Hach, was für ein Mann! Da sind eben die Synapsen a bisserl durchgebrannt!

Und jetzt? Jetzt sind sie verheiratet, aber das eigentlich Tragische ist ja, dass in der Hochzeitnacht so gar nix passiert ist. Diese eine Kaiserin von Österreich – die mit dem Felix Austria und den vielen Kindern - hat ja auch einer ihrer Töchter so Anleitungen nach Paris geschickt, damit sie den Louis endlich mal ins Bett kriegt. Aber bei der Rose da hätten auch die längsten Briefe aus Wien und die heißesten Dessous aus Paris nichts genützt, denn jeden Abend verzieht sich der Duke nach dem Gute-Nacht-Kuss in sein Zimmer im Ostflügel, während die Rose im Westflügel in ihre Kissen weint. Manchmal ist er auch gar nicht zu Hause, sondern verbringt seine Nächte in so Bars. Du weißt doch, wie das dort ist. Da trinkt man dann diese Getränke, die vor lauter Sorge vor einem Sonnenbrand so ein Schirmchen aufhaben und tanzt zu YMCA, I will survive und ähnlichem. Ich war da ja nur einmal kurz drin in so einem Club, und als sich dann meine Blase gemeldet hat... SOS! Die Toiletten dort sollte man eher nicht aufsuchen, weil da ist’s mit der Privatsphäre bei den Löchern in den Kabinen ganz schnell aus!

Also warum die Rose den geheiratet hat? Das wird noch ein G’riss um den Duke geben! Ich sag ja, Scheidung wär da die beste Lösung. Heutzutage kann man ja auch jeden und alles heiraten, was man will, das ist doch kein Problem mehr. Und für die Völkerverständigung wär’s ja auch geradezu ding mit dem Franzosen. Vielleicht müsste dann der Halodri nicht so viel saufen und der Rose würde es auch besser gehen. Und nächstes Weihnachten gibt es beim Duke ein friedlicheres Weihnachtsfest, wenn er sich nicht mehr so sehr um den Schein scheren muss und sich den passenden Baum zum Ständer holt.
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Serlo vor 3 Jahren 7
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon

Was ist eigentlich Zuhause?
Heute ist ja Weihnachten, also einer der Tage, an denen es die Menschen nach Hause zieht, manche sogar in ihre Heimat. Jetzt ist ja gerade dieser Heimatbegriff doch auch umstritten. Viele würden der Definiton zustimmen, dass Heimat dort ist, wo man geboren worden und aufgewachsen ist. In unserer globalisierten Welt werden allerdings nur wenige an gerade diesem Ort ihr ganzes Leben verbringen. Viele zieht es, aus beruflichen oder privaten Gründen, in die Ferne und sie werden unweigerlich zu Fremden. Fremd ist der Fremde jedoch nur in der Fremde. Diejenigen, die fremd ausgezogen sind, die ziehen auch meist fremd wieder aus, denn in den Städten lebt man doch eher neben- statt miteinander. Der Heimatbegriff ist schon lange kein statischer mehr, denn Heimat verändert sich ständig. Oft ist er auch verknüpft mit Menschen, die diese Heimar erst geschaffen haben. Oder ist es die Stadt, in der ich wohne, oder vielmehr meine eigenen vier Wände? War ich rückblickend wirklich in all diesen Wohnungen zuhause oder eben nur ein Zugereister, der einige Monate an diesem Ort gewohnt hat. Ich, der ich jetzt seit 8 Jahren in meiner (Heimat)stadt wohne, bin noch lange kein Einheimischer geworden und werde es wohl auch in 30 Jahren noch nicht sein. Wie meine Heimat fühlt es sich dennoch an.

Und Lush bietet uns hier einen Duft an, der dieses Heimatgefühl vermitteln soll. I'm home! Ihr kennt doch sicher dieses Phänomen, dass Wohnungen einen eigen Geruch haben, der sich aus den verschiedensten Quellen speist: das Mobiliar, sei es aus Holz oder mit Leder bezogen, der Duft der Kleidung, Essensgerüche vom Vortag... etc.

Was auch immer Heimat für Lush bedeutet, bei ihnen ist auch gerade Winter und man kehrt zurück in das Haus der Kindheit. Draußen ist klirrende Kälte, die den Atem gefrieren macht, und man tritt, noch zitternd und müde von der langen Zugfahrt, ein und wird bereits erwartet. Es muss ein ganz besonderer Tag sein, denn aus der Küche duftet es nach frisch gebackenem Kuchen. Der Duft von Vanille und Schokolade (ganz viel Schokolade) zieht durch die Räume und ein leicht alkoholischer Geruch (hat da jemand etwas Rum-Aroma mit in den Teig gegeben?) schwingt ebenfalls mit. Alles was jetzt noch zu tun ist, ist die Liebsten in die Arme zu nehmen, sich fallen zu lassen und angekommen sein. Denn hier muss man sich nicht verstellen und darf so sein, wie man ist.

I'm home ist ein Winterwohlfühlduft für alle, die früher gerne den Kopf in die Teigschüssel gesteckt haben. Ein Stückchen Kindheit steckt in jedem Fall drin, vor allem zeigt sich hier jedoch diese liebevolle Geste des Wartens auf den Heimkehrenden.

Ich hoffe, dass ihr alle Weihnachten an einem Ort verbringen werdet (oder verbracht habt), an dem ihr auch wirklich zuhause seid, euch eine neue Heimat geschaffen habt oder eben einfach erwartet werdet. Frohe Weihnachten!
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Serlo vor 3 Jahren 4
7.5
Duft
10
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Englische Zurückhaltung
Verwundert lese ich von der männerverschlingenden Duchess, deren Duke, wenn man der Geschichte von Penhaligon's Glauben schenken kann, sich nicht gerade als "l'homme idéal" herausgestellt hat. Begehrenswert ist sie allemal. Ich halte es aber für recht unwahrscheinlich, dass sich Rose an die Hälse der Liebhaber wirft. Vielmehr lockt sie die Männer mit einem raffinierten Augenaufschlag und verschämten Blicken, die eventuell eindeutige Botschaften senden.

In einem stimme ich den Vorrednern jedoch zu: die Duchess ist kein kleines Mädchen mehr. Der ihr zugedachte Duft zeichnet sich für mich durch seine geradezu adlige Zurückhaltung aus. Es präsentiert sich eine sehr feine, fast schon zerbrechlich wirkende Rose - Mandarininenaufhellung sei Dank - die auf einer verwitternden Holzplanke ihren Duft verströmt. Die Komposition ist so angelegt, dass der Rose eine gewisse Spritzigkeit, wie perlender Champagner, verliehen wird. Eine zart wirkende Zeitgenossin ist sie, diese Rose. Und wohlerzogen ist sie auch, denn von überbordender Schwülstigkeit kann man nicht sprechen. Somit eignet sich die Duchess auch als Begleiterin im Büroalltag. Die ganz große Abendrobe würde ihr aber auch stehen.

So ist der Duft zumindest bei den vorherrschenden Wintertemperaturen sehr hautnah, flackert jedoch von Zeit zu Zeit wieder auf. Angenehm ist allerdings, dass es dem Duft nicht an Ausdauer mangelt, denn auch nach 12 Stunden kann ich ihn ganz zart an meinem Handgelenk wahrnehmen. Im Frühling oder Sommer wird Rose erst so richtig aufblühen, da bin ich mir fast sicher.

Wer Rose mag, wird die Duchess lieben, und gerade die Kombination mit Holz kann hier überzeugen. Sparfüchsen rate ich jedoch, vor dem Kauf auch die Prinzessin Vaara in Augenschein zu nehmen, die durchaus mit der Duchess verwandt sein könnte, sich allerdings mit weniger pekuniärer Zuwendung zufrieden gibt.
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Serlo vor 3 Jahren 4
8
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
3
Flakon

Schwedische Sachlichkeit
Bei Svensk Parfym handelt es sich um das Projekt des Parfumeurs Henrik Lestréus, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, sein Land olfaktorisch abzubilden und es zu vertreten. Er selbst sagt über seine Arbeit, dass diese sowohl eine exakte Wissenschaft als auch eine kreative Kunstform sei. So würde der reine Wissenschaftler scheitern, hätte er nicht gleichzeitig einen künstlerischen Anspruch. Und wenn der Schöpfungsakt mit wahrer Passion verknüpft sei, dann werde das Resultat einen höheren Wert haben. In allen seinen Düften scheine seine Passion und sein Leben in Schweden durch. Er wolle Düfte kreieren, die einzigartig, aufregend und nützlich sind und er möchte, dass seine Parfums hohe Qualität und Klarheit ausstrahlen. Alle Parfums werden auch in Schweden hergestellt und repräsentieren die Natur, die Landschaft, die Kultur, die Menschen, Städte und Dörfer, die Gechichte, die Gegenwart und die Zukunft Schwedens. Soweit sei der Anspruch des Hauses von der Webseite hier wiedergegeben.

Dies sind natürlich hochgesteckte Ziele, an denen man auch grandios scheitern kann. Und wenn man sich die Beschreibung der einzelnen Düfte im Webshop ansieht, werden die Ansprüche des geneigten Parfumos noch höher. Denn Virke soll gar ermöglichen, "den Tag sich nach Ferien anfühlen zu lassen, als ob man sich mit der Zeit anfreundet, und man die einfachen Freuden aufs Höchste auskosten kann." Dann kommt noch der Zusatz, dass Virke das schwedische Wort für Holz ist.

Tja, denk ich an Schweden und an Holz, dann denke ich auch automatisch an die Firma mit den vier Buchstaben. Auch diese Firma schafft es, meinem modernen, einfachen Geschmack was Möbel angeht zu entsprechen (ich wollte wirklich auch in anderen Möbelhäusern Geld lassen, als ich es mir endlich leisten konnte, aber was mir dort gefallen hat, lag dann weit außerhalb meines Budgets). Und so ähnlich verhält sich dies auch mit Virke. Eine große Notenvielfalt ist hier nicht gegeben. Es handelt sich eben um moschusgetränkte Hölzer (wohl so ein Supermolekül) mit einer aufhellenden, aber unsüßen und dennoch fruchtig-realistischen Himbeere. Das Holz ist aber verdammt sexy in Szene gesetzt und hält zudem noch den ganzen Tag mit doch angenehmer und spürbarer Sillage durch. Ein bisschen verwittert scheint es auch zu sein. Eine Entwicklung konnte ich nicht feststellen, und so verbleibt der Duft, wie er sich nach dem ersten Aufsprühen zeigt.

Nun ja, als ob ich Ferien machte... das kann der Duft mir leider nicht vermitteln. Ein Wohlfühlduft ist er allerdings schon. Zudem ist er einer der wenigen Düfte, die im Umfeld für spontane Komplimente von mehreren Personen gesorgt haben, auch wenn ich nicht zu den Menschen gehöre, die Düfte tragen, um anderen zu gefallen.

Stilistisch könnte es sich hier durchaus um einen Duft von Ellena oder Heeley handeln, wie auch die anderen beiden Düfte (Stilla und Prakt), die zusammen mit Virke herausgebracht wurden. Es handelt sich hier um lineare Parfums, die sehr transparent und simplistisch komponiert sind. Das vor Kurzem erschienene Trio, welches das derzeitige Sextett komplettiert, geht hier komplexere Wege, aber noch hätte ich nicht ausreichend Gelegenheit, die Neuerscheinungen zu testen.

Wer sich für "sachliche Düfte" interessiert, dem sei eine Investion in ein Probenset (3x5ml) sehr ans Herz gelegt. Schweden hat ja mehr zu bieten als Möbelhäuser.
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