ShamisShamis’ Parfumkommentare

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Shamis vor 2 Monaten 24
8
Duft
4
Sillage

Vom kleinen Glück am Wegesrand
1983 gab es im Münchener Stadtmuseum die Fotoausstellung "Grün kaputt". In dem dazugehörigen Begleitbuch wurde unter dem Titel "Koniferenland" in Worten, die unter die Haut gehen, eindringlich beschrieben, was wir unseren Gärten antun: auf der einen Seite des Zauns mit viel Zeit und Geld vergiftete Wüste - auf der anderen Seite blüht es bunt am Straßenrand...

Genau dieses Bild vom blühenden Wegesrand, von Kräutern und Wildblumen und viel zu hohem Gras weckt das Parfum "Salvia" in mir. Allerdings nicht von Anfang an: beim Aufsprühen muss ich immer abwechselnd an Alpenwiesen und Sieben-Kräuter-Shampoo denken - was mir gefällt, aber nicht lange als Dufteindruck bleibt. Was folgt ist die Erinnerung an sommerliche Spaziergänge, vorbei an Wiesen und Feldern, am Fluss entlang. Links und rechts neben mir blüht und grünt es, ein leichter Wind kommt auf, weht mir einen Dufthauch in die Nase.
Bei diesem Hauch von Duft bleibt es auch. Und das ist gleichzeitig unglaublich passend und doch das aus meiner Sicht größte Manko. Ein ähnlich fragiles Duftwesen befindet sich bereits in meiner Sammlung: "Hermessence Osmanthe Yunnan". Ein wunderschöner Duft, den ich leider nur kurz beim Aufsprühen wahrnehme... Ich finde das schade. Ein wenig länger kann ich "Salvia" zwar an mir erschnuppern, aber auch nur direkt auf der Haut.

Den namensgebenden Salbei kann ich in meinem kleinen Dufthauch nicht herausriechen. Es erscheint mir eher wie ein Potpourri aus verschiedenen Kräutern und Wiesenblumen. Das ist auch gut so, denn Salbei ist nicht unbedingt meine liebste Duftnote: seit ich vor einigen Jahren einmal eine ganze Menge davon im Garten geerntet und in der Küche zum Trocknen aufgehängt habe, finde ich ihn eher ein wenig unangenehm und schwitzig, zumindest ab einer bestimmten Duftintensivität. Da sich bei "Salvia"auch einige andere Duftnoten dem Salbei dazugesellen, fasse ich den Namen hier eher als richtungsweisend (im Sinne von einem Heilkräuterduft) auf.

Und trotzdem: sollte mich der Weg einmal wieder (optimalerweise im Sommer) nach Köln und womöglich sogar in eine ganz bestimmte Parfümerie führen - ich würde mich gerne von Kopf bis Fuß mit "Salvia" einsprühen. Ich würde die Parfümerie verlassen, etwas Gutes in einem der schönen Brauhäuser essen, ein kühles Kölsch trinken und den Duft auf mich wirken lassen. Ich würde vielleicht doch noch schwach werden... Immerhin ist er mein absoluter Liebling aus der kleinen Reihe.
Nicht jeder mag Naturgärten. Nicht jeder mag "Salvia". Ich schon - beide.
16 Antworten

Shamis vor 3 Monaten 22
7.5
Duft
6
Haltbarkeit
6
Sillage

Ich bin eine Linde!
Vor einigen Jahren durfte ich an einem Wochenendseminar der Firma Weleda teilnehmen: es ging kreuz und quer durch ihr gesamtes anthroposophisches Arzneimittelsortiment und unsere Gehirne begannen vor lauter Input bald zu glühen. Um uns Teilnehmer vor der totalen Reizüberflutung zu bewahren wurden jedoch einige Entspannungsmomente eingebaut - eine gegenseitige Handmassage, mit den Füßen stampfen und gleichzeitig in völlig anderem Takt in die Hände klatschen und auch eine - so vermute ich mal - geführte Meditaton bei der wir die Augen schließen und uns vorstellen sollten, wir wären ein Baum.

An diese Meditationsübung habe ich seitdem nicht mehr gedacht, bis - ja bis ich Tilia aufsprühte. War ich seinerzeit noch in Gedanken eine Birke, so stand beim Duft von Tilia schnell fest:
ICH BIN EINE LINDE!
Und zwar ganz und gar... Der Start ist allerdings (genau wie bei der Meditation) noch etwas unrund. Ein wenig dumpf, das mag am Koriander liegen, und so als müssten sich die einzelnen (Duft)Bausteine erst noch finden. Dann allerdings wird es sehr "echt". Ich rieche nicht nur Linde, nein ich fühle mich regelrecht wie eine Linde. Oder sind es eher Impressionen einer Linde? Erst wird es süß wie Lindenblüten, Lindenblütenhonig, Lindenblütentee. Dann wird es frischer und luftiger; vor meinem geistigen Auge sehe ich frische grüne Lindenblätter, sie wiegen sich im Frühlingswind. Zwischendurch gesellt sich noch eine Heunote dazu, so als wären die Blüten und Blätter in der Hochsommersonne ein wenig vertrocknet...

Für mich ist "Tilia" ein äußerst facettenreicher Lindenduft, der sich nicht auf die typische Lindenblüte beschränkt, nein er bezieht den ganzen Baum mit ein. Doch so gelungen ich die Wiedergabe einer Linde hier auch finde - in meine Sammlung einziehen wird er nicht. Grund: zum einen haben sich, wie auch immer, bereits drei (!) Lindenblütendüfte in meine Sammlung geschlichen, und das obwohl ich kein ausgesprochener Fan dieser Duftnote bin. Vor allem aber ist mein ganz klarer Favourit der kleinen Serie "Salvia", den ich mit seiner Alpenkräuternote einfach herrlich finde.
15 Antworten

Shamis vor 4 Monaten 22
3
Duft
3
Haltbarkeit
2
Sillage
4
Flakon

Curiosity Killed the Cat
Das kommt eben dabei heraus, wenn man aus Neugier seine Nase überall reinstecken muss: zuerst in Taurus' Verlosungs-Thread (und es sage niemand, er hätte uns Teilnehmer nicht gewarnt!). Dann, nachdem mir das Losglück hold war und der Flakon auffällig schnell den Weg zu mir fand, in den Duft... "Curiosity Killed the Cat" war promt das Erste, was mir beim Schnuppern durch den Kopf schoß. Doch keine Angst, liebe Katzen- und Parfumfreunde: zumindest in der englischen Variante gibt es zu diesem Spruch einen zweiten Teil, der dem Ganzen eine ausgesprochen positive Wendung verleiht und der am Ende noch von mir genannt wird ;-)

Das Positive zuerst: an diesem Testkandidaten muss sich niemand lange aufhalten - man kann ihn quasi aufsprühen und sich dann direkt dem nächstbesseren Testduft zuwenden! Die Wahrscheinlichkeit, dass er es auf die Wunschliste schafft, ist eher gering und selbst wenn: teuer ist er nicht. Insofern kann man also gefahrlos lostesten. Kreativ finde ich vor allem die Dufnoten. Es sind immerhin drei (das schafft auch nicht jeder) und alle sind mehr oder weniger frei erfunden. Das lässt hoffen, dass auch der Name des Duftes einen allenfalls losen Bezug zur Realität hat. Genau weiß ich es nicht, denn russische Wälder habe ich noch nicht besucht beziehungsweise beschnuppert.

Zum Duft selbst: er hat mich auf Anhieb an ein billiges, vage süßliches Haarwasser erinnert, das meiner Erinnerung nach ganz gut in die Siebziger gepasst hätte. Vorstellen könnte ich mir auch ein Duschgel aus dem Niedrigpreissegment, bei dem man sich nicht darüber einigen konnte ob der Duft nun "männlich markant", "aufregend aquatisch" oder doch besser "sinnlich süß" werden soll. Dann eben einfach mal von allem etwas und soll der geneigte Kunde doch selbst entscheiden, was er daraus macht... Ist ja eigentlich auch egal, da die Haltbarkeit - wir halten unsere Versprechen! - colognemässig mässig ausfällt. Bei 1,99 Euro für 85ml kann man andererseits natürlich oft und großzügig nachlegen:)

Fazit: ein fast schon außergewöhnlich gewöhnlicher Duft, der aber immerhin dank seiner kurzen Haltbarkeit nicht nervt, bei mir keine Übelkeit auslöst und nicht überteuert ist. Die Duftrichtung "synthetisch-grün" kann man mit viel gutem Willen durchgehen lassen, wobei die Betonung natürlich auf "synthetisch" liegen muss. Auf die Frage aller Fragen "Ist das Parfum oder kann das weg?" würde ich antworten:
1. keine Ahnung
2. ja, das kann weg!
Also schnell noch eine Probe für einen mutigen Forumsfreund abgefüllt und dann darf der Flakon weiterwandern zu einer lieben Forumsfreundin - die genau wie ich bei der Verlosung ganz laut "HIER!" gerufen hat.

Trotz allem - es hat Spaß gemacht! Die Verlosung, das Warten auf den Überraschungsflakon, das Kommentieren und nicht zuletzt das blitzschnelle Weiterreichen des schwarzen Peters. Und in diesem Sinne beende ich meinen Kommentar mit Teil zwei des Sprichworts:
"Curiosity Killed the Cat,
but satisfaction brought it back."
17 Antworten

Shamis vor 1 Jahr 16

Haus zu verkaufen - renovierungsbedürftig!
"Älteres Haus zu verkaufen, günstig, renovierungsbedürftig!" - so stand es in der Anzeige, die sie hierher geführt hat. Angelockt von dem günstigen Preis stehen sie nun vor dem windschiefen Kasten, schauen Hand in Hand auf den verwilderten Rasen und das schmutzigweiße "zu verkaufen"-Schild. Ja, das graue Ungetüm von einem Haus wirkt mehr als renovierungsbedürftig, doch bereits auf den ersten Blick haben sie ihr Herz daran verloren und aneinander. Und so krempelt das junge Glück die Ärmel hoch und stürzt sich nicht nur in die Schulden, sondern vor allem in die Arbeit...

Ein paar Wochen später: die Formalitäten sind erledigt, die stolzen neuen Besitzer eingezogen, die Handwerker aus Kostengründen nicht bestellt. Man werkelt selbst, weicht die dicken Schichten alter Tapeten mit Unmengen von Wasser ein, kratzt sie mühsam von den Wänden und rührt eimerweise Kleister für die günstigen, aber hübschen neuen Tapeten an. Eine Zeit der Mühen und der Anstrengung, aber auch der Hoffnung, der Vorfreude und des gemeinsamen Glücks. Was gibt es Schöneres als die Erschaffung des eigenen Zuhauses? Wird es zu mühsam, geht man für ein Weilchen in den Keller und stöbert dort in Kisten mit alten Büchern und Papieren.

Genauso riecht Paperback für mich: nach etwas muffigen eingeweichten Tapeten und Kleister. Ich mag diesen Geruch, weil ich ihn mit der einerseits aufreibenden, andererseits aber auch euphorischen und hoffnungsfrohen Zeit einer Renovierung verbinde. Die Kleister-Illusion ist dabei so gelungen, dass ich etwa eine Stunde nach dem Aufsprühen an dem Zimmer vorbeigegangen bin in dem ich aufgesprüht hatte und mich einen Moment lang gefragt habe: wieso riecht es hier nach Tapezieren? Ein bißchen Taschenbuch ist vielleicht auch enthalten, allerdings ganz sicher nicht druckfrisch. Es hat im Gegenteil schon mehrmals Feuchtigkeit gezogen.

Und doch: ein Parfum im eigentlichen Sinne ist "Paperback" für mich nicht. Ich mag den Renovierungsgeruch, wenn er in der Luft liegt, aber selbst möchte ich nicht unbedingt danach duften. Aus diesem Grund verzichte ich auf eine Bewertung. Eine spannende Dufterfahrung war der "Paperback"-Test aber allemal.
6 Antworten

Shamis vor 2 Jahren 12
7
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage

Im Wald wohnen die Räuber
Prinzessinnendüfte gibt es wie Sand am Meer. Meist kommen sie in rosa Flakons daher, gerne mit Schleifchen und Glitzer verziert. Aber wie sieht es mit Parfüms für all die anderen Märchengestalten aus? Der böse Wolf wurde zwar mit "Mechant Loup" bedacht, für die restlichen fällt mir jedoch nicht viel ein. Schade, so eine Märchen-Kollektion würde ich spannend finden. Wie duftet Rapunzel? Die sieben Zwerge? Frau Holle?

Mit "Join the Club - Don" habe ich nun immerhin einen Duft gefunden, der wie geschaffen scheint für die bösen Räuber ("Die Bremer Stadtmusikanten"). Vom ersten Moment an wird hier nämlich ordentlich Pulver verschossen. Diese Schießpulvernote habe ich so noch nicht gerochen und auch wenn sie zu Beginn besonders stark ist, verläßt sie den Duft zu keiner Zeit. Ich mag das zwar nicht, finde es aber erstaunlich gut getroffen. Wenn die Räuber nicht gerade schießen, zünden sie ein kleines Lagerfeuer an, stochern in der Glut und lassen es qualmen und kokeln. Ob sie dabei auch noch ein Pfeifchen rauchen, läßt sich nicht ganz ausmachen. Auf jeden Fall schwitzen sie ein wenig. Den Whisky haben sie leider in ihrem Haus im Wald vergessen oder schon ohne mich ausgetrunken.

Haltbarkeit und Sillage sind schon recht ordentlich, erreichen aber nicht ganz das Ende der Fahnenstange (hier ist für mich "Vanitas" der Referenzduft). Den Duft selbst zu bewerten ist schwieriger. Er ist sicher gut gemacht, aber ich mag weder das leicht Angeschwitzte noch das allgegenwärtige Schießpulver. Den sollen die Kerle mal ruhig behalten.
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