SisyphosSisyphos’ Parfumkommentare

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Sisyphos vor 20 Monaten 22
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Duft
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Flakon

"Die Ölbäume sind sehr charakteristisch, und ich gebe mir große Mühe, das einzufangen." (Vincent van Gogh)
Der Olivenbaum (Echter Ölbaum) ist ein Symbol des Friedens und der Treue - oftmals mit biblischem Bezug. Und wer Olivenbäume, zum Beispiel auf Kreta, wo sich angeblich der älteste Baum der Welt befindet, einmal in natura gesehen hat, weiß, wie anmutig und beruhigend sie auf den Betrachter wirken können. Das imposante geschwungene und massive Holz, die stabile und erhabene Statur, das Lebendige und Beharrliche in einer oftmals kargen und vor Hitze flirrenden Umgebung. Selbst die in Öl eingelegten Oliven als fester Bestandteil der mediterranen Küche in all ihren Fassetten spiegeln diese Eindrücke auf eine gewisse Weise wider. Frisches Brot und Oliven(-öl) - gibt es einen schöneren kulinarischen Minimalismus?

Die Frage, wie man derartige Aspekte in ein Parfum überführen könne, stellte sich mir lange nicht. Zu ungeeignet schien mir ein solches Unterfangen. Der Olivenbaum ist ein wunderbares Symbol und rein kontemplativ. Das Produkt ist zum Essen da, eher zum Genießen. Bis ich Olivo von Bottega Veneta aus der Parco-Palladiano-Reihe testete: Der Duft ist wahrlich nicht einfach zu erfassen. Er ist für mich eine Empfindung. Und die lässt sich ganz gut mit Zur-Ruhe-Kommen umschreiben. Olivo ist unsüß, dabei keineswegs herb. Trocken, aber nicht verdorrt. Luftig, aber nicht flüchtig. Die Haltbarkeit ist recht ordentlich und die Projektion weiß sich bei aller Zurückhaltung des Duftkonzepts immer wieder zu behaupten. Parfums, die ganz selbstverständlich und unaufgeregt plötzlich erneut da sind und wunderbar einnehmend bei einer Körperbewegung durch die Nase dringen, sind rar. Olivo ist genau so ein Parfum.

Profan gesprochen hat Olivo etwas von einem Sauberduft. Klar und transparent. Ihn als frisch zu bezeichnen, wäre aber eine Beleidigung. Er ist reinen Herzens. Und ätherisch. Wie z.B. Vetiver Insolént von Miller Harris. Doch fehlt bei Olivo alle orientalische Würze. Allenfalls eine feine Aromatik ist für meinen Geschmack feststellbar. Olivo ruht in sich, völlig geerdet und zentriert. Auf sich selbst bezogen. Auf parfumo sind lediglich grüne Note, holzigen Noten und grüne Olive gelistet. Ich denke, das gute Durchhaltevermögen ist einer Portion Iso und/oder Moschus zu verdanken. Und unmittelbar nach dem Aufsprühen sind harzige Noten im Spiel. Aber, und das gefällt mir außerordentlich gut, es ist hier nichts "Gemüsiges" mit von der Partie. Auch fehlt dem Duft jegliche Schärfe und Krautigkeit, die grüne Düfte gern aufweisen. Im Gegenteil: Ich sehe eher eine leichte Cremigkeit, gerade im weiteren Verlauf. Olivo ist aber ein weitgehend konstantes Parfum. Ein bisschen wie eine kleine, balsamische Melodie. Und universal. Ein ganzheitlicher Ansatz. Daher kann ich mir den Duft zu fast jeder Gelegenheit und Jahreszeit vorstellen. Ob zur PP-Präsentation oder während des Sabbaticals im Kloster - Olivo hilft einem, durch den Tag zu kommen, das Schöne schöner und das Schlechte erträglich zu machen.

Die gesamte Parco-Palladiano-Reihe ist beachtlich. Cipresso und Lauro z.B. sind ebenfalls außerordentlich gut gelungen und von der Stilisitk mit Olivo vergleichbar, Castagno mit dezenter Süße und durch und durch unisex. Alle Düfte wirken natürlich und hochwertig, sehr tragbar und lebendig. Unbedingt testen und nicht auf den Preis schielen.
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Sisyphos vor 2 Jahren 22
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Duft
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Fußnoten zu Héritage
Zwei Versionen vom herausragenden Héritage EdT sind mir bekannt: Die mit der silbernen Kappe und die mit der goldenen Kappe (und Guerlain-Emblem). Die aktuelle Version (holzige Kappe) hatte ich bisher nicht unter der Nase. Zwei Versionen sind mir auch vom EdP bekannt: Die mit der silbernen Kappe (aus mir selbst mittlerweile unerklärlichen Gründen irgendwann mal verkauft – man kennt das, man bereut das) und die mit der holzigen Kappe (derzeit im Normalfall im Laden erhältlich) – die alte Formulierung (goldene Kappe) kenne ich leider nicht; sie muss ein "Biest" sein, unglaublich komplex und reichhaltig. Als der EdP-Flakon von Héritage kürzlich bei mir eintraf, war ich zunächst enttäuscht und wollte das Paket spontan retournieren, denn: Laut Foto hatte ich das EdP mit der silbernen Kappe erwartet, es wurde aber die aktuelle Formulierung (aufmerksame Leser wissen jetzt: holzige Kappe!) geliefert. Doch dann sprühte ich einfach doch munter drauf los ...

Es gibt desaströse Reformulierungen in der Parfum-Geschichte und als gewöhnlich geprägter Duft-Afficionado weicht man bei einer neuen Flakon-Präsentation instinktiv zwei Schritte zurück wie ein Hund vor einer Katzenklappe. Zino von Davidoff zum Beispiel wurde übelst zugerichtet über die Jahre. Es gibt aber zum Glück auch Gegenbeispiele. Rive Gauche von YSL etwa. Behutsam ein wenig aufgehellt, ist der Duft verdammt gut gelungen und hat seinen ursprünglichen Charakter in der Reihe "La Collection YSL" im Grunde vollständig bewahren können. Und Héritage EdP?

Héritage EdP hat nach wie vor einen präsenten pudrigen Aspekt (den manch einer als leicht muffig bezeichnen könnte), den animalischen Einschlag des Vorgängers mit der silbernen Kappe aber etwas verloren (der ja bereits reduziert sein soll im Vergleich zu dem davor). Lavendel und Patchouli gehen hier nach wie vor eine völlig famose Verbindung ein, die delikat, sehr satt und üppig ist, aber nicht barock, fett oder überladen wirkt. Es zeigt sich mit Politur behandeltes, dunkles, feinstes Premiumholz. Das ist jedem Fall unverkennbar Héritage EdP. Und es hat immer noch gehörig Tiefgang und Power. Projektion und Haltbarkeit sind ausgesprochen gut. Die legendäre "Guerlinade" kann man durchaus identifizieren, wenn auch Tonkabohne/Vanille nicht gelistet sind. Hier ist Liebreizendes zu finden! Man darf seine Nase nur nicht wie wild auf den Handrücken oder die Kleidung pressen (dann wirkt der Duft insbesondere zu Beginn stark erdig); das EdP lebt durch seine Abstrahlung und bekommt in der Halbdistanz mehr Schwung und Schwingung.

Das Ganze hat etwas mit mir gemacht: Héritage EdP hat meine Gedankenwelt sozusagen olfaktorisch zurückgespult, ein bisschen wie eine Kassette früher im Sony-Tapedeck, und mich mal wieder so richtig in eine Zeit zurückversetzt, als es noch keinen blinden Oud-Wahn oder synthetischen Duschgel-Duft-Horror oder exaltierten Nischen-Pseudo-Individualismus für 389 EUR/50ml gab. Das macht richtig glücklich. Damit soll nichts verklärt werden und früher war bestimmt nicht alles besser (auch in Sachen Parfum nicht), doch die Stilistik von Héritage ist für mich einzigartig. Interessanterweise wird Héritage ja generell gern mit Bankern und Brokern assoziiert. Das mag an der der recht konservativen Werbung liegen: Clubsessel, irgendwas mit einem Flugzeug. Bei mir funktioniert der Duft auf ganz andere Weise. Er ist ein Fels in der Brandung. Ein Paradebeispiel für einen noblen, fein gourmandigen Abend- und Ausgehduft mit gewissem Retro-Charme und schöner Würze, der zuverlässig mitzieht, seinen Träger wunderbar umspannt und ihm eine sehr beständige Duftaura verleiht. Ich sehe eher die ausgelassene Familienfeier, Heiligabend vor dem Kamin oder den Sonntagsspaziergang in Herbst ... Es ist also vielmehr wieder etwas "Väterlich-Onkelhaftes" (nicht negativ zu verstehen) – keine Manifestationen eines entfesselten Turbo-Kapitalismus jedenfalls.

Das ganze Wehklagen bringt im Übrigen auch nichts. Reformulierungen hin oder her. Es gibt sie, die wirklich gelungenen Adaptionen! Guerlain hat hier zumindest das Erbe gerettet und nicht einfach im Hinterhof verzockt. Héritage EdP ist die Uridee des orientalischen Herren-Parfums. Vieles, was danach kam, wirkt manchmal wie eine Fußnote dazu. Zusammen mit dem luftigeren und etwas vielseitigeren Barbershop-EdT braucht man eigentlich nicht mehr auf einer einsamen Insel. Und auch nicht in New York City.
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Sisyphos vor 3 Jahren 23
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Duft
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Haltbarkeit
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Flakon

The spirit never dies
Vetiver Insolent von Miller Harris ist bei dem baumharzig-balsamischen Grundton, den es durchaus auch gibt und der von einer vor allem in der Anfangsphase präsenten Würze gestützt wird, ein mit Haut und Haaren spiritueller Duft. Dieses Parfum verkörpert etwas Ätherisches, ist jedoch kein fragiler Windhauch oder eine Art Duft-Luftikus, sondern im Ganzen selbstbewusst, einladend und drahtig - und verdrahtet sind auch die einzelnen Komponenten dieses Vetiver-Wunders. Kardamom leistet hier ganze Arbeit und lässt einen beim Tragen an Zimt denken. Die Iris deutet eine trockene Pudrigkeit an und umschließt das Süßgras, verleiht VI auf diese Weise Halt und Ausdauer. Wer hier wegen Würze und Tonka einen Gourmand-Kracher erwartet, der wird sich wundern. VI ist nämlich dafür viel zu kontemplativ. Der Weihnachtsmarkt oder der orientalische Bazar sind bereits in weite Ferne gerückt, man vernimmt nur noch leise das Stimmengewirr und die geruchliche Melange, während VI einen auf seinen Schwingen davonträgt. Dieses Parfum hat Vibes ...

Vetiver = Zahnarzt. Eine Gleichung, die hier nicht aufgeht. Welch ein Glück! Das dürfte der Tonkabohne und dem süßlich-aromatischen Kardamom zu verdanken sein. Es ist ein gewisser Spirit, dem der Parfum-Tragende hier begegnet. Ein Duft zwischen Verve beim Tun und theoretischer Philosophie (beim Unterlassen). Ein Parfum wie eine Überzeugung. Dabei eher der gelungene Aphorismus mit Herz und Tiefgang als das rein rationale Bollwerk-System. Das Auftreten null arrogant oder anmaßend. Es ist das Wissen darum, das Richtige zu tun oder nicht zu tun bzw. das Richtige zu tragen. VI vermag die Welt anzuhalten, zur Seite zu treten und das ganze Tohuwabohu einmal von außen zu betrachten.

VI hat ein enormes Durchhaltevermögen und in den ersten beiden Stunden eine bemerkenswerte Projektion, die sich nach und nach sehr angenehm zurücknimmt. Die Projektionsfläche hingegen breitet sich mehr und mehr aus: VI ist ein flirrender Duft. Es prickelt förmlich. VI Insolent lässt die Korken knallen. Doch entströmt hier kein Bling-Bling-Schampus, sondern ein sehr gediegener Jahrgangsriesling-Sekt. Eine Duft-Perlage wie aus dem Bilderbuch ... Nach dem Einschenken äh Auftragen auf die Haut versprüht VI Funken. Kleine, feine Funken. Sie flimmern über den Träger und tragen ihn selbst dadurch. Die grünlich-moosige Basis macht ihn Büro-kompatibel, sein ungezwungenes, natürliches Auftreten zu einem idealen Freizeitbegleiter im Frühling und Herbst. Wem Encre Noire zu düster war, diesen hier testen. Wem Vetiver (Extreme) von Guerlain zu sehr Amalgam und Desinfektion war, diesen hier testen. Wem der Vertreter von Carven zu säuerlich war, diesen hier testen. Wem Vetiver Extraordinaire von F. Malle eben nicht extraordinär genug war, sondern "zu perfekt", diesen hier testen. Vetiver Insolent ist ein Avantgarde-Vetiver ohne Mätzchen und Allüren, aber mit einem gewissen Spirit. Und der stirbt hoffentlich nie.
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Sisyphos vor 3 Jahren 28
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Bitte bewahren Sie Ruhe!
Die Düfte von Andy Tauer fand ich stets hochspannend und innovativ, konnte sie aber lange nicht so richtig in mein Herz schließen. Das betrifft zum Beispiel Incense Rosé. Das galt (und gilt) auch für das berühmte und von vielen förmlich vergötterte L´Air du Désert Marocain. Vor Jahren gab ich der No. 2 als Duft-Neuling einmal 70% und erntete dafür zum Teil Häme und Kritik. Gern hätte ich ihm 75% gegeben, das war seinerzeit auf parfumo aber nicht möglich - und hätte den Braten auch nicht mehr fett gemacht. Vor lauter Irritation und Verwirrung (und eigener Parfum-Rückgratlosigkeit) sowie nach vielen weiteren Tests löschte ich schließlich den Kommentar zu LDDM. Was folgte, war eine Tauer-Pause. Heute würde ich der No. 2 übrigens 80% geben. Meine Meinung hat sich da im Laufe der Zeit nichts wesentlich verändert. Ein gutes und individuelles Parfum war und ist die No. 2 für meinen Geschmack. Es packt mich halt nur nicht.

Mit dem exaltierten und wie ich finde doch bestens tragbarem Orange Star von Andy Tauer wurde (fast) alles anders (nachdem mich Lys du Désert allerdings von Anfang an ziemlich beeindruckt hat; daher vermutlich auch die Verunsicherung, warum es mit der No.2 nicht so recht klappen wollte). Und die Rose aus Kandahar setzte noch mal einen oben drauf in einer bestimmten Weise - sozusagen unter dem Blickwinkel "Damenparfum" (geht aber natürlich auch für Herren). Was für ein Rosenduft! Für mich jedenfalls alles absolute Ausnahmeparfums. Und als schließlich das komplexe und nach dem Aufsprühen minütlich besser werdende Lonestar Memories mich dann nach diversen Anläufen in seinen Bann zog, da wurde ich dann wohl endgültig auch zu einem Fan von Andy Tauer und seinen Parfums. Nur mit der No. 2 wollte und will es nicht so recht klappen. Umso gespannter war ich natürlich vor diesem Hintergrund auf Au Coeur du Désert.

Wie verhält es sich nun mit ACDD, das bei den Bewertungen unglaublich abräumt? Was für eine Flughöhe! Die volle Punktzahl am laufenden Band. Eine Lobeshymne nach der anderen. Mein bescheidener Ratschlag: Bitte bewahren Sie Ruhe! Denn: Im Grunde ist es doch wie bei der No. 2. Bloß mit einer etwas anderen Akzentuierung. Wer LDDM verehrt (und besitzt), braucht ACDD meines Erachtens jedenfalls nicht. Beide Düfte sind vergleichsweise geschlossene Systeme, die man im Ganzen annehmen muss. Ganz anders als Lonestar Memories zum Beispiel, in dem man lesen kann wie in einem offenen Buch, das sich windet und dreht und sich häutet ... L´Air du Désert Marocain hat eben im direkten Vergleich zu Au Coeur eine ordentliche Portion Maschinenöl im Gepäck - und es trägt die Handschrift Andy Tauers durch und durch. Au Coeur ist da softer und schmeichelnder. Damit ist es kompatibler, keine Frage. Möglicherweise ist es für einige auch tragbarer und alltagstauglicher. Nach dem Aufsprühen meine ich sogar kurz eine grüne, eine krautige Note zu erkennen. Der Rest ist relativ klar: Balsamische Holztöne und merklich Ambra. Sehr kuschelig. Sehr rund. Damit ist ACDD im Ganzen betrachtet ein Stückchen braver und glatter als der "Urahn". Als Extrait verfügt ACDD über eine wahrlich phänomenale Haltbarkeit, übersteht die Nacht und eine Dusche. Naturgemäß fällt die Abstrahlung für ein Extrait nicht allzu üppig aus. Das ist jedoch Jammern auf höchstem Niveau.

Ich halte ACDD (wie auch in gewisser Weise LDDM) für eine Art geschlossene Gesellschaft. Man gehört dazu oder nicht. Eine besonders vielschichtige Duftentwicklung wird man hier nicht vorfinden. Orange Star und Lonestar Memories sind in dieser Hinsicht wahre Abenteuerrreisen. Ob es hier ein Extrait des populären Verkaufsschlagers L´Air du Désert gebraucht hat, für das man ordentlich in die Tasche greifen muss? Ich weiß es nicht. Der neue Aspekt nimmt dem Duft ein wenig von seinem Charme, seiner ureigenen Persönlichkeit. Man könnte das böse Wort "angepasst" verwenden. Der Ansatz erschließt sich mir jedenfalls nicht so richtig, scheint aber den Nerv voll zu treffen. Insofern gibt der Erfolg dem Duft Recht. Ich empfehle trotz allem im Zweifel das "Original". Nicht, weil früher alles besser war, sondern weil L´Air du Désert ungeschliffener, ursprünglicher ist. Und im direkten Vergleich mit Au Coeur den schöneren, den reizvolleren Duftverlauf zeigt.
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Sisyphos vor 3 Jahren 11
5
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Yin und Yang des Geruchs
Von A Taste of Heaven einmal abgesehen, konnte mich noch kein Duft aus dem Hause Kilian überzeugen. Und der kommt letztlich doch nicht an Pour un Homme de Caron ran. Bei Straight to Heaven bin ich nun fast ein wenig konsterniert und stehe ratlos da wie bei einem 0-3-Rückstand nach 10 Spielminuten. Doch dazu später mehr. Zunächst: Patchouli macht am Ende mal wieder alles kaputt. Schönen Dank dafür. Der Rum ist alles andere als ein Vintage-Jahrgangs-Rum, sondern vom Discounter um die Ecke. Muskat im Kopf, Palisander und Zeder in der Basis? Das riecht irgendwie nach verbrauchter Luft oder abgestandenem Wasser, das wirkt uninspiriert. Fußballreporter würden jetzt das Wort "pomadig" verwenden. 50 ml für rund 200 EUR. Nonchalante Gleichgültigkeit den Parfumpreisen gegenüber hin oder her, unerwähnt lassen möchte ich dieses "Preis-Leistungsverhältnis" dann doch nicht. Dafür gibt es ein im Ganzen doch eher zurückhaltendes Parfum, das auch nicht besonders lange durchhält.

Straight to Heaven ist am Endes des Tages ein Fallensteller. Ein Trojanisches Pferd. Yin und Yang des Geruchs. Die Dichotmoie des Himmels. StH treibt ein perfides Spiel. Mit doppeltem Boden. Das oben Gesagte bezieht sich nämlich auf den Duft, nachdem er auf die Haut gesprüht wurde. Auf Papier zeigt sich ein ziemlich anderes Bild. Die Diskrepanz zwischen Haut und Papier ist wirklich ungewöhnlich für meinen Geschmack. Denn: Auf Papier ist alles aufgeräumter, sauberer, heller. Es zeigt sich eine smarte, eine zarte und angedeutet süßliche Fruchtaromatik, die möglicherweise ein Erklärungsansatz dafür ist, warum viele, die Straight to Heaven etwas abgewinnen können, auch Aventus von Creed zu ihren Lieblingen zählen. Jetzt kann man natürlich einwenden: Pech gehabt, liegt an der Haut. Man könnte die Empfehlung aussprechen, an das Sakko Teststreifen zu tackern und mit StH zu besprühen. Ich für meinen Teil bin raus und gebe auf. Vielleicht schiebe ich einen Textil-Duft-Test hinterher. Dann rieche ich vielleicht Dinge, die sich gar nicht mehr in Worte fassen lassen. Ich male dann ein Bild. Oder tanze meine Eindrücke und nehme sie auf. Vollkommen unentschiedene 50%.
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