SmoetnSmoetns Parfumrezensionen

1 - 5 von 21
Smoetn vor 1 Tag 6
8
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Der Frankenstein Amouage
Wie so viele hier bedanke ich mich erstmal auch bei Raz für das tolle Sharing. Dadurch konnten wir diesen doch sehr neuen Duft sehr zeitnah nach der Veröffentlichung testen.

Amouage gehört klar zu meinen Lieblingsdufthäusern und so habe ich auch bereits sehr, sehr viele Düfte aus dem Haus testen können (und 2 Flakons zu Hause stehen). Wie es scheint, wird mir (und offensichtlich anderen) dies aber nun zum Verhängnis, da man nicht umhinkommt, aus "Boundless | Amouage" viele verschiedene andere Düfte herauszuriechen.
Fangen wir mal von vorne an.

Boundless startet für mich sehr(!) ähnlich zu "Beloved Man | Amouage" , wundert dies nach einem genaueren Blick aber nicht, teilen sich beide Düfte in der Kopfnote doch viele Duftnoten, allen voran die Orange und das Elemiharz. Wer also Beloved Man kennt, weiß wie die Kopfnote riecht. Das ist für sich genommen schon mal merkwürdig, da Beloved Man zwar ein schöner Duft ist, man diesen aber kein zweites Mal benötigt.

Nach ca. 15 bis 30 Minuten kommt dann aber auch noch - wie einige ebenfalls bereits angemerkt haben - eine relativ starke Ähnlichkeit zu "Spicebomb Extreme | Viktor & Rolf" durch, also eine rauchige Cremigkeit. Hier wird es dann richtig befremdlich, da Spicebomb doch sehr bekannt ist (im Gegensatz zu Beloved Man) und entsprechend viele diese Assoziation haben werden. So etwas mag funktionieren, wenn die Preisgestaltung andersherum wäre, also das Vorbild teurer wäre als der vorliegende Duft, aber so werden sich doch viele Leute fragen, warum sie denn dann zu dem teureren „Dupe“ greifen sollten.

Im Drydown wird der Duft dann immer süßer und (weih-)rauchiger und fängt dann noch an "Journey Man | Amouage" zu ähneln, aber nicht so stark, wie bei den anderen beiden.

Insgesamt geriert sich "Boundless | Amouage" also zu einem Frankenstein (klar bei so viel frankincense, haha, Achtung Wortspiel) verschiedener anderer Düfte; allen voran Beloved Man und Spicebomb extreme. Das ist sehr schade, da der Duft eigentlich zu gefallen weiß, nur ist halt alles schon mal dagewesen. Wäre der Duft vor 10 Jahren erschienen, wäre es etwas anderes, aber so ist er (leider) ein Stück weit überflüssig.

Somit gehört der Duft für mich eher zu den schwächeren Amouage Düften, da er einfach nicht eigenständig genug ist. Der größte Kritikpunkt, den ich aber habe (und auch das wurde schon teilweise in den Statements erwähnt), ist die schwache Sillage. Für einen Amouage, vor allem aus der süß-rauchigen Richtung, ist dies doch sehr enttäuschend; hier erinnert er dann wieder an Beloved Man, der doch auch recht hautnah ist. Die Haltbarkeit könnte ebenfalls besser sein, obwohl diese in Ordnung geht.

Der Flakon wiederrum verdient aber natürlich wieder die Höchstwertung; gerade diese braun-lila Farbgestaltung macht schon etwas her.

Insgesamt aber also leider nur ein durchschnittlicher Amouage und etwas Enttäuschung macht sich breit, waren die Erwartungen bei dem anfänglichen Hype des Duftes doch recht hoch. Dennoch lohnt es sich sicherlich diesen Duft einmal zu testen. Gerade für jemanden, der die anderen Düfte noch nicht kennt, mag Boundless ein tolles Erlebnis sein, da der Duft für sich genommen mitnichten schlecht ist… wäre da nur nicht die mäßige Sillage.
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Smoetn vor 14 Tagen 12
10
Duft
10
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Der Nachruf – eine ganze Gemeinde trauert und verliert einen Teil von sich
Der Trauerzug überquerte gerade den Friedhof zum letzten Geleit des Verstorbenen. Das Wetter war typisches Aprilwetter, dennoch wärmten die Sonnernstahlen, die vereinzelt durch die Wolkendecke stießen, die Trauergemeinde. Dass die Sonne schien, war der letzte Höhepunkt einer glorreichen Laufbahn des zu Grabe getragenen, entfaltete sich „APOM“ doch gerade bei diesen Sonnenstrahlen am besten. Und so befand sich auf den Gesichtern der meisten Trauergäste auch ein Lächeln auf den Lippen, denn der Gedanke an diesen treuen Gefährten rührte alle zu Herzen.

Unter den Gästen waren auch viele Jüngere, die wussten, dass sie „APOM“ niemals das Wasser reichen würden. Zu den Anwesenden zählten unter anderem „L’Homme a la rose“ oder „Petit matin“, welche ihren Vorbildern zwar stets bemüht nacheiferten, aber diese niemals erreichen würden.

Aber auch Schwergewichte wie „Grand Soir“ oder „Oud Satin Mood“ haben sich auf den Weg gemacht, um ihrem älteren Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Wiederum andere lagen ebenfalls bereits unter der Erde, allen voran „Lumiere Noire Homme“.

Keiner der Anwesenden konnte es begreifen, warum ausgerechnet die Besten unter Ihnen so frühzeitig das Zeitliche segnen mussten. So gab es auch große Trauer und Wut unter den Gästen, da sie es einfach nicht verstehen konnten. Dennoch wurde die Trauer willkommen geheißen, ist dies doch ein Prozess, welcher dabei hilft, den Verlust eines Weggefährten zu verarbeiten und zu bewältigen. Aber nicht nur die Trauer an sich, auch die Erinnerung an den Verstorbenen ist ein wesentlicher Teil der Trauerarbeit sowie der Würdigung und des Gedenkens an den zu Grabe getragenen.

Als der Trauerzug endlich am vorgesehenen Grab zum Stehen kam, löste „Grand Soir“ sich von der Menge und begann mit der Trauerrede:

„Lieber Bruder, liebes Vorbild, lieber APOM,
ganze sieben Jahre warst Du älter als ich und warst damit für viele für die heute hier Versammelten stets ein Anker in turbulenten Zeiten und somit stets ein Teil von uns. Mit deiner frischen, blumigen und auch leicht süßen Art hast Du allzeit ein Lächeln auf die Lippen derjenigen gezaubert, die dich kennenlernen durften. Ja, du warst ein simpler Zeitgenosse, du hast dich klar gegen den modernen Schnick-Schnack und flüchtige Trends gestellt. Du warst sinnlich, warm und fast zärtlich. Dabei warst Du von Anfang an aber auch edel, klassisch und zeitlos. Und auch wenn deine innere Konzentration nicht zu den stärksten gehörte, hast Du doch immer gestrahlt und hast deine Liebsten stets lange begleitet.
Du warst der Inbegriff des klassischen Mann von Welt und hast nie vorgegeben etwas anderes zu sein. Du konntest Trost spenden und warst einfach da, wenn man dich brauchte. Deine Vorliebe für Orangenblüten und Zedernholz hast Du vereint wie kein Zweiter vor Dir oder nach Dir. Ja, Du wurdest nicht von allen geliebt, aber doch von sehr vielen. Manche hielten dich für altbacken, aber ich sage, du warst stets aktuell und auf der Höhe der Zeit.
Glücklich darf sich schätzen, wer dich zu deinen Lebzeiten erleben durfte und noch glücklicher dürfen sich diejenigen schätzen, welche dich noch länger in ihren Herzen und auf der Haut tragen dürfen. Du wirst uns fehlen, geliebter Bruder, warst und bist Du doch unersetzlich. Wir werden uns alle für immer an dich erinnern und können nur hoffen, dass eines Tages jemand auftaucht, der in deine großen Fußstapfen treten kann. Du warst immer ein Teil von uns und wirst auch für immer ein Teil von uns bleiben!“

Mit diesen Worten wurden die letzten Überreste von „APOM“ beigesetzt und die Trauergemeinde zerstreute sich langsam und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Nun kam aber endgültig die Sonne heraus und jeder einzelne wusste, dass „APOM“ von nun an über sie wachen würde und stets bei den ersten warmen Sonnenstrahlen sich alle von ihnen an „APOM“ erinnern würden.
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Smoetn vor 24 Tagen 3
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
4
Flakon

Der Duft des Tony Soprano oder „Don‘t stop believing“
Dua Fragrances ist ein Parfümhaus, welches dafür bekannt ist, Duftklone von bekannten Parfüms nachzukreieren, bzw. zwei Duft-DNAs zu kombinieren. Dabei hat jeder Duft seinen eigenen kreativen Namen, wobei das Interessante dabei die Kombination derer ist.

So ist „Midnight Rendezvous“ der Duftklon zu „La Nuit de L’Homme“ und „An evening with the mobster“ die Entsprechung zu „Creation-E“ von Roja Parfums. Wenn man nun beide kombiniert, erhält man vorliegenden „Midnight rendezvous with the mobster“, also eine Kombination aus „La Nuit de L’Homme“ und „Creation-E“ bzw. „Enigma“.

Nun ist das Besonderes daran (laut Dua Fragrance), dass es sich hier um die Vintage-Formulierungen beider Duft-DNAs handelt und das beste beider Düfte kombiniert wurde. Der Clou an der Sache ist nun, dass dies auch noch zu einem erheblich kostengünstigeren Preis zu bekommen ist als das Original, zumindest gilt das für Roja Parfums. Wobei dies natürlich auch relativ zu sehen ist. So kostet ein 30ml Flakon auf der Dua Fragrances Seite von „Midnight rendezvous with the mobster“ 65$ also knapp 60 Euro. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass die Flakons aus den USA kommen und entsprechend für Versand und ggfs. Zoll noch einmal entsprechende Kosten hinzukommen, liegt der Preis dann bald bei 80€ - 90€ für 30ml; das ist dann schon preisliches Tom Ford Territorium, aber immerhin handelt es sich ja auch um ein Extrait de Parfum.

Dennoch konnte ich mein Glück kaum fassen, als ich „Midnight rendezvous with the mobster“ zufällig beim Browsen auf der Dua Fragrances Seite sah, so galt er doch als eingestellt, wie hier auf dem Parfumo-Eintrag auch entsprechend zu lesen ist. Man sollte halt nie aufhören zu glauben (so mein zugegebenermaßen etwas weithergeholter Bezug zum Titel „Don‘t stop believing“, dem berühmten Song der letzten Folge der noch berühmteren Serie „The Sopranos“, mit der namensgebenden Hauptfigur Tony Soprano, dem Ober-Mobster).

Also habe ich auch gar nicht lange gefackelt (machen Mobster ja auch nicht) und zugeschlagen (im Gegensatz zum Mobster, aber nur im übertragenden Sinne), klang die Beschreibung doch zu verlockend, zumal ich beide Duft-Paten (The Fragrance Godfathers) auch kenne und mag.
Nun ist er endlich hier, nachdem das erste Paket wohl auch verloren gegangen ist. Freundlicherweise hat DUA hilfsbereit reagiert und, nachdem das Versandunternehmen nach knapp 2 Monaten den Verlust anerkannt hatte, den Duft ein zweites Mal versandt. Diesmal kam er innerhalb von einer Woche bei mir an. „Don’t stop believing“.
Nun also zum Duft…
„Midnight rendezvous with the mobster“ startet ganz klar mit „Enigma“, sprich mit einem wunderschönen Cola-Vibe. Es ist zwar schon etwas her, seit ich „Enigma“ getestet habe, aber so habe ich ihn in Erinnerung – boozy, blumig und etwas verraucht samt der Vanille-Cola. Ein wirklich tolles Opening und ganz dicht dran am Original. Eine gewisse Animalik scheint der Duft aber auch zu besitzen, so riecht meine Frau wohl etwas Katzenurin. Dies tue ich zwar nicht, aber ein Kompliment-Getter im Opening scheint der Duft nicht zu sein.

Nach ca. 45 Minuten setzen die Anzeichen eines Wandels dann immer stärker ein und man vernimmt erste „La Nuit de L’Homme“ Duftnoten. Nach ca. 3 Stunden hat sich der Duft dann gewandelt und jetzt ist der YSL Duft gut erkennbar, auch wenn die Cola-Note stets im Hintergrund verbleibt. Ob es sich hierbei dann wirklich um die Vintage Version von 2010 handelt, kann ich nicht beurteilen, aber der Duft kommt satt und dicht daher. Der Kardamom ist einfach klasse und wer „La Nuit de L’Homme“ mag, wird diesen auf jeden Fall auch mögen. „An evening with the mobster“ kann ich übrigens auch Leuten empfehlen, welche „Midnight Rendevous“ von DUA ins Auge gefasst haben, diesen aber nicht bekommen, weil er ständig ausverkauft ist. Der vorliegende Duft bildet „La Nuit de L’Homme“ ebenfalls schön nach, nur eben mit dem 3 stündigen Vorspiel von „Enigma“.

Somit handelt es sich also wirklich um zwei Düfte in einem. Und das ist für mich das ganz besondere Highlight. So finde ich zwar Düfte mit einer langen Haltbarkeit toll und betrachte dies als Qualitätsmerkmal, doch ist es bei mir häufig so, dass ich nach 4 Stunden oder so gerne schon wieder einen anderen Duft auflegen würde, nur um mal wieder etwas anderes zu riechen. Ich scheine da sehr sprunghaft zu sein :) Jedenfalls bietet dieser Duft genau das! Anfangs klare „Enigma“ Vibes, zum Ende hin immer mehr „La Nuit de L’Homme“.

Die Sillage ist DUA typisch (obwohl es sich hierbei um meinen ersten DUA handelt) wirklich sehr gut und ich nehme den Duft an mir selbst durchaus konstant kräftig wahr. Der Duft verbleibt auf meiner Haut 8-9 Stunden und lässt somit keine Wünsche offen. Es ist aber nicht so ein H&S Mon(b)ster, wie ich vielleicht von anderen DUA Beschreibungen erwartet hätte.

Der Flakon ist im Übrigen wirklich so schlecht, wie er hier auf Parfumo wegkommt. Es handelt sich um einen einfachsten Glasflakon mit einem nicht mal gerade aufgebrachten Aufkleber auf der Vorderseite. Der Deckel besteht aus billigstem Plastik, sitzt dafür aber sicher auf dem Sprüher. Dieser verrichtet seinen Job aber recht anständig. So kann man natürlich als Unternehmen Kosten sparen, da nur eine Flakongröße und Form zu produzieren ist und einfach verschiedene Aufkleber auf diese gepatscht werden können. Dies soll mir aber egal sein, wenn die Kosteneinsparung an den Kunden weitergegeben wird; was ja augenscheinlich passiert, bei den doch relativ günstigen Preisen (Versand und Zoll mal außen vorgelassen).

Insgesamt also ein wirklich toller Duft, der 2 Top Düfte (Platz 16 und 17 respektive hier auf Parfumo) miteinander vereint und auf wundervolle Weise miteinander verwebt. Dabei ist Kopfnote dem einen Duft (Enigma) gewidmet und der Drydown („La Nuit de L’Homme“) dem anderen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass auch im Drydown „Enigma“ ständig mitschwingt und den Duft die ganze Zeit über begleitet. Es ist also nicht so, dass der Duft sich komplett wandelt und erst der eine ist und dann zum zweiten wird. Insgesamt sehe ich „Enigma“ auch präsenter als „La Nuit de L’Homme“, wohl so im Verhältnis von 70% zu 30%.

Auf jeden Fall ein wirklich toll gemachter Duft, welcher jedem, der auch nur einen der beiden Originale mag, wärmsten zu empfehlen ist. Allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass der Duft für einige weder Fisch noch Fleisch sein mag und deshalb gefühlt etwas fehlen kann, wenn man zu sehr das eine oder andere möchte.
2 Antworten

Smoetn vor 29 Tagen 10
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Between Two Ferns
Auch wenn die bisherigen Kommentare zu „Bracken“ allesamt durchweg sehr gelungen sind, gab es jetzt doch seit ziemlich genau einem ganzen Jahr keinen Kommentar mehr, so dass ich mir dachte, dass ich dem Duft in Form einer Rezension einmal neue Aufmerksamkeit zuteil lasse.

Selten habe ich einen Duft gerochen, der so naturgetreu und authentisch nach einem bestimmten Thema, hier „Farn“, riecht. Der Name „Bracken“ bedeutet ins Deutsche übersetzt, übrigens genau das, also Farn. Dabei finde ich den Namen für deutsche Ohren etwas unglücklich gewählt, da dieser mich immer an „Brackwasser“ erinnert. Aber keine Angst, damit hat der Duft nichts am Hut.

Farn - so also mögen sich Barack Obama oder auch Charlize Theron gefühlt haben, als diese zwischen zwei Farnen von Zach Galifianakis ins unverschämte Kreuzverhör genommen wurden. Für alle die diese durchaus gelungene Interview-Comedy-Reihe nicht kennen, sei ans Herz gelegt, sich einmal „Between Two Ferns“ auf YouTube anzuschauen.

Nun aber zum Duft.
„Bracken Man“ startet direkt sehr frisch und direkt „farn’ich“. Wem dem nichts sagt, kann sich wahlweise auch trockenes Stroh vorstellen, dies geht in eine ähnliche Richtung. Waldassoziationen kommen bei mir auch auf. Aber Wald ist ja nicht gleich Wald. Der „Bracken“ Wald ist kein dichter, dunkler, nasser Wald, sondern eher ein trockener, lichter Wald. Ich stelle mir hier einen See an einer Waldlichtung vor, an dessen Ufer der Farn wächst. Evtl. hat es auch gerade geregnet, aber nicht sehr stark, eher genieselt, und die Regentropfen kondensieren nun von dem von der Sonne beschienene Farn. Im Opening ist der Duft also sehr grün und Fougère -artig.

So verbleibt der Duft dann auch ca. zwei Stunden bevor sich dann eine leichte Süße dazugesellt. Das ist sicherlich der Zimt, der sich langsam nach vorne kämpft. Auch wird der Duft mit der Zeit etwas dunkler, etwas schwerer, erdiger, gewiss bedingt durch das Patchouli. So als ob die Sonne sich nun etwas stärker zurückzieht und es wieder zu Regnen beginnt. Nun steigt also der Geruch des feuchten Waldbodens mit in die Nase und ergänzt so den trockenen Farngeruch. Hier erinnert der Duft dann etwas an „Rain Wood“.

Nach leider bereits ca. 6-7 Stunden klingt der Duft dann holzig aus, hat dafür aber eine recht angenehme und wahrnehmbare Sillage in den ersten zwei Stunden; danach wird er relativ hautnah. Der Duft passt als Fougère natürlich perfekt in den Frühling bzw. Frühsommer, kann aber sicherlich auch gut das ganze Jahr über getragen werden. Der Duft eignet sich gut für Männer über 30, da er zwar ein Stück weit klassisch daherkommt, dies aber auf eine moderne Art und Weise, so dass ihn auch Jüngere tragen können.

Der Flakon ist Amouage-typisch ein Hingucker und kommt sehr qualitativ hochwertig rüber. Der aufgezeichnete Farn auf dem Flakon gehört zwar nicht zu meinen Lieblingsmotiven, aber passt natürlich perfekt zum Duft.

Apropos Amouage-typisch. Viele bezeichnen ja die neueren Amouage-Düfte gerne als nicht typisch für Amouage und verreißen den Duft allein schon deshalb. Ich persönlich finde es gut, dass Amouage versucht sich weiterzuentwickeln und auch gewagte Wege geht. Das Thema Weihrauch wurde ja mit Interlude, Jubilation, Epic und Journey Man auch genügend bedient. Auch wenn ich nicht alle Neuerscheinungen gut finde (ich kenne inzwischen relativ viele Amouage), gibt es doch auch tolle, gelungene neuere Düfte von Amouage. Und „Bracken Man“ gehört für mich ganz klar dazu, auch wenn er nicht ganz oben mitspielt.
7 Antworten

Smoetn vor 1 Monat 10
8.5
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage
10
Flakon

Mein Dankeschön an die Community
XerJoff – ein Name in der Welt der Düfte, welcher für Exklusivität und Extravaganz steht wie kaum ein zweiter. Das fängt schon damit an, dass XerJoff Düfte nur bei ausgewählten Händlern, sowohl online als auch in der Präsenzwelt, verkauft werden, und das quasi ausnahmslos ohne Rabatte.

Casamorati Düfte spiegeln dabei die Sammlung von Vintage-Parfums von Xerjoff wider, inspiriert von der alten Kunst der italienischen Parfümerie. 1888 gründete Claudio Casamorati die Parfümfabrik C. Casamorati in Bologna. Während dieser Produktionsjahre erhielt Casamorati zahlreiche Auszeichnungen und wertvolle Belohnungen von großen nationalen und internationalen Ausstellungen. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts musste Casamorati aufgrund einer Finanzkrise die Fabrik schließen und so trat dann XerJoff auf den Plan. Sergio Momo, Gründer von Xerjoff, beschloss, Casamorati wieder zu den Glanzzeiten des frühen Jahrhunderts zu bringen und übernahm kurzerhand Casamorati.

So ein Hintergrund, sehr wohl wunderbar vermarket, weckt natürlich Begehren. Da kam das Gewinnspiel hier auf Parfumo zu „Italica“ genau richtig. Und, nachdem ich mein Leben noch nie wirklich etwas von Belang gewonnen hatte, durfte ich mich auf einmal zu den glücklichen Gewinnern zählen. Nun kam „Italica“ endlich auch bei mir an und ich möchte meine Eindrücke mit euch teilen (nicht nur schriftlich). Zunächst aber zum Duft.

Duft
Es gibt wohl nur sehr wenige Düfte, welche ähnlich wie „Italica“ polarisieren. Im Internet geht es da von himmelhochjauchzend („Gourmand sein Vater. Außergewöhnlich gut“) bis hin zu lebensmittelvergiftungsähnlichen Äußerungen („mir wurde schlecht“, „löst bei mir Übelkeit aus“) her.

Interessant ist dabei, dass „Italica“ wohl als „Re-Release“ wieder neu aufgelegt wurde, da er zwischenzeitlich offenbar eingestellt wurde. So wird er auf einigen Internetseiten auch als „Italica 2021“ geführt. Ob der Duft dabei reformuliert wurde, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Um es gleich vorwegzunehmen – für mich ist „Italica“ ein schöner Duft, wenngleich auch kein Meisterwerk. Allerdings kann ich auch nachvollziehen, wieso er bei einigen einen Brechreiz auszulösen scheint. Der Duft befindet sich in der Tat an der Grenze zum Übersüßlichen mit einer intensiven tiefsten Mandel-/ Marzipannote. Für mich ist diese Gratwanderung durchaus gekonnt und kippt dabei auch nicht über, aber wenn man hier etwas übersensibilisiert ist, kann es wohl zu einer Übelkeit verursachenden Assoziation kommen.

Dabei stimme ich allen Kommentaren zu, welche „Italica“ mit italienischem Gebäck verbinden. Dazu einen Cappuccino oder gleich einen Amaretto und die Italien induzierte Verknüpfung im Kopf ist perfekt. So gesehen passt der Name natürlich wie die Tomatensoße zu den Spaghetti.

Insgesamt macht der Duft auch nur eine minimale Wandlung durch und das auch erst im Drydown. Dann nämlich wird die süße Marzipannote etwas mehr in den Hintergrund gedrängt und Hölzer und Moschus machen sich breit. Dies tut dem Duft recht gut, wird ihm doch so etwas von dieser stechenden tiefen Marzipannote genommen. Safran trägt auch zum Gesamtbild bei, wenn auch recht gedämpft, was mir sehr gut passt, da ich zu starke Safrannoten nicht mag (zu medizinisch).

So verbleibt der Duft dann auch gut und gerne 10 Stunden auf der Haut und strahlt dabei recht ordentlich ab. Für mich ist der Duft auch unisex, hat er doch neben der Süße auch eine recht tiefe, vielleicht sogar herbe Marzipannote, die dem Duft gar etwas Dunkles oder auch Orientalisches verleiht. Dadurch ist er natürlich vorwiegend im Herbst und im Winter zu tragen, aber in Zeiten von Corona und Home Office, gerne auch im Hochsommer alleine vor dem Computer.

Der Flakon ist XerJoff gemäß über alle Zweifel erhaben und verdient allerhöchstes Lob. Durch dieses dunkle Magenta ist er für mich der schönste Flakon der ohnehin sehr schönen Casamorati Flakonreihe.

Für wen ist dieser Duft nun also geeignet? In erster Linie natürlich für Gourmand-Liebhaber. Allerdings ist der Duft durchaus auch mit Vorsicht zu genießen. Wer auf Nummer sicher gehen und im XerJoff Universum fündig werden möchte, sollte vielleicht doch eher zu „Lira“ greifen oder aber „Naxos“ probieren, wenn es etwas edler sein soll. Dennoch hat „Italica“ auch durchaus seine Daseinsberechtigung, ist er doch künstlerisch meiner Meinung nach wertvoller und somit auch interessanter. Für die Masse wohl eher nichts, aber die greift ohnehin eher selten zu XerJoff. Wer es also etwas extravaganter mag und auf Gourmand-Düfte steht, sollte „Italica“ unbedingt mal testen. Apropos…

Gerne möchte ich meinen Dank an diese tolle Community zum Ausdruck bringen und etwas von meinem Glück abgeben. Deshalb verschenke ich 5x5ml an die ersten fünf Kommentatoren zu dieser Rezension . Einzig der Versand in Höhe von 3,50€ (ich lebe derzeit nicht in Deutschland) sollte bitte übernommen werden. Den Glasflakon übernehme ich dann wieder.
Kommentiert also gerne zu meiner Rezension und lasst mich wissen, ob ihr an einer Abfüllung Interesse habt (die ersten 5 können sich dann zu den Glücklichen zählen). Gerne könnt ihr natürlich auch zum Inhalt meines Kommentars eure Meinung sagen :)
9 Antworten

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