SnifffSnifffs Parfumrezensionen

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Snifff vor 7 Monaten
9
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Ein helles Köpfchen....
Merkwürdige Bezeichnung für einen Flanker „Helle Sportlichkeit“. Mitte der 80iger (das Erscheinungsjahr wird auf 1977 gesetzt) hatte ich erstmalig Kontakt mit dem. Zwangsläufig, weil er ja den unsportlichen Landjäger „Devin“ auf die Sprünge helfen sollte. Schon damals habe ich den so wahrgenommen, wie jetzt auch den neu erworbenen Vintage-Miniflakon Duft (in perfect shape).

Eine detaillierte Aufstellung der Duftnoten ist hier ja nicht angegeben. Das macht im Kern auch nichts, weil er sich ganz stark an dem „Devin“ langhangelt. Im Gegensatz zum „Devin“ hält dieser die florale, fruchtige Eröffnungsnote länger, in der Tat „heller“ und weniger fordernd und stark. Allerdings für mich damals wie heute, ohne sportlichen Charakter. Der Mittelteil fällt dafür relativ flach aus und im Abgang ist es dann doch wieder der unsportliche „Devin“;).

Abschließend:

1. Die bei mir kopfschmerzauslösende Gartennelke ist entweder nicht verbaut worden (was ich mir in Anbetracht der Duftähnlichkeit nicht vorstellen kann) oder chemisch anders, als die heute, nervige Gartennelke.

2. Auffallend ist für mich, dass viele (intakten) Vintage-Düfte eine aromatische Duftentfaltung haben. Damit ist gar nicht mal die Sillage gemeint, sondern einfach, dass diese Düfte „freier“ riechen, fluffig sind, atmen und sich offener darstellen, als viele aktuelle, verklemmten Düfte. Sie duften eben.

Fazit: Habe mich gefreut diesen seltenen Duft 1. günstig erstanden zu haben und 2. endlich mal wieder unter der Nase gehabt zu haben. Aber „damals wie heute“ konnte und kann ich keinen nennenswerten Grund erkennen, ihn zu besitzen. Er riecht herrlich, aber der „Devin“ ist ausdrucksstärker und so gut gelungen, dass es diese sanftere Version nicht bedarf hätte.
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Snifff vor 3 Jahren 6 4
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Häh, Mercedes?
Ja, richtig gelesen. Und vorab eine kleine Einleitung. Wer nicht mag, springt am besten weiter „zum eigentlichen Duft“…

Inzwischen ja keine ganz so große Seltenheit mehr, aber es gibt ja diese Beduftungsanlagen in Autos. Bei MB heißt das dann „Air-Balance“. Sinn, Zweck und Sinnhaftigkeit soll jetzt nicht das Thema sein. Ich jedenfalls finde es prima. Bei MB gibt es 4 „reguläre“ Düfte. Die Erstauslieferung(sduftnote) für normale Fahrzeuge ist ein Duft, der mich nicht angesprochen hat (aber erträglich war). Beigepackt wird auch ein Probeset von den übrigen Düften. Naja, auch die haben mich nicht umgehauen. Waren mir allesamt irgendwie zu „hell, frisch und sportlich“. Zwar kein Wunderbaumniveau (vom Preis her eh schon nicht), aber für meinen Geschmack (zum Fahrzeugtyp) nicht passend. Die Intensität der Beduftung lässt sich einstellen; ich fahre auf der kleinsten Stufe und somit ist das Ganze wirklich sehr dezent und unaufdringlich. Nicht-Duftnasen würden es vermutlich noch nicht einmal bemerken.

Ein Duft wird standartmäßig nur für den Maybach locker gemacht. Den gibt es aber zum Glück nicht nur für den, sondern natürlich auch im Zubehör-Handel von MB (-> 100 ml für etwas über schlappe 500,- , Yepp). Die Verkaufsgröße ist aber immer nur 15ml Flakons, die an die Beduftsanlage gedockt werden (preislich also gut kaschiert…..). Dessen Duftrichtung ist genau das, was mich dufttechnisch „berührt“ im Auto und gerne auch außerhalb. Der Duft heißt „Agarwood-Mood“. Die Oud-Note zusammen mit dem dunkel-fruchtigem Einklang ist einfach Klasse. Und zwar so Klasse, dass ich diese Duftrichtung auch als „echten“ Duft gern gehabt hätte. Es ist diese maskuline, markante, aber dezente Oud-Rauch-Note mit gedimmt fruchtiger Note, die ich in der Kombination sehr mag. Damit begann für die Irrfahrt und Odysse durch die Oud-Duftwelt. Denn ich finde, viele Oud-Düfte haben eine „betont starke Rosennummer und Blumigkeit“ im Schlepptau und sind dadurch mind. Uni-Sex. Oder sie sind anderseits so dunkel-ölig-dreckig, dass es fast schon schmerzt.

Und nun zum eigentlichen Duft.

Die Irrfahrt konnte zum Glück zeitig eingebremst werden (andernfalls hätte ich auch gleich 100 ml vom "Agarwood" bestellen können). Dieser Boss-Oud ist genau das, was ich zuvor beim „Agarwood“-Duft beschrieben habe. Ausgerechnet ein „Bottled“-Flanker? Das hatte ich nicht erwartet. Für mich hat der Boss-Oud eh (nur) eine kleine Grundnote vom Ur-Bottled, welche aber genau die richtige Dosis der maskulinen Ausrichtung beisteuert. Für mich ist der Boss-Oud nicht (mehr) als „Flanker“ zu erkennen, sondern hat eine sehr eigenständige fruchtig-oudige Note. Sehr schön und unerwartet (und froh, den hier ausgemacht zu haben). Verwendet wird lt. Verpackung übrigens u. a. "Echtes, opulentes Oud mit Düften/Gewürzen aus dem mittleren Osten"...soso..

Die Haltbarkeit ist gut, die Sillage gedimmt. Ich muss relativ viel Sprüher nutzen, damit es für mein Empfinden (und der externen Test-Nasen) auch wahrnehmbar ist.

Ich bin mir – mangels Wärme – nicht sicher, ob und wie er sich auch an lauen Abenden macht. Im Sommer kann ich mir den definitiv nicht vorstellen, aber Abends, wenn es kühler wird schon. Habe mich mit dem nun erst einmal eingedeckt, aus Muffen, dass der vom Markt verschwindet.
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Snifff vor 3 Jahren 8 1
8
Sillage
9
Haltbarkeit
6.5
Duft
Sakrale Opulenz und der Allvater
Damit hat Aramis mal wieder einen gelandet. Das ist in den letzten Jahren (bzw. Jahrzehnten) selten geworden. Allerdings ist das Teil ausgesprochen extravagant, sehr speziell, ja eigentlich schon nischig. Die hier bereits beschriebene krasse Räucherstäbchen/Weihrauchnote hat richtig Wumms. Wie der gesamte Duft. Diese Wummse beruhigt sich auch kaum und fackelt lange und intensiv ab. Gepaart mit den anderen primär süßlichen Komponenten ergibt das einen Mega-Highmachenden Duftcocktail an gepafften Kräutern. Auch im Ausklang bleibt es (nur) lieblich, wird aber etwas markanter und dunkler. Da kommt man fast in Taumeln. Assoziationen zu „in jung Jahren mal gerauchten Kräutern“ kommen so rein gar nicht auf…nein, nein. Auch dürfte unsere Ordnungshüter (Achtung Wortspiel) große Augen und Pupillen bekommen, wenn das Autofenster zur Übergabe des Führerscheins runter gelassen wird und die Wolke dem Fahrzeug entdampft. Ein nachfolgender Pupillentest dürfte sicher sein.

Tja, ich weiß nicht. Ich habe den glaube ich nur gekauft, weil er für mich ziemlich unique rüberkommt und ein „echter“ Aramis ist. Also irgendwie aus Anstand. Ich nehme auch nicht wirklich maskulin war, aber zu Frauen passt der wiederum auch nicht (außer siehe später im Text). Vom Level und der Besonderheit her (nicht vom Duft!) dürfte er wohl neben dem Aramis (Classic) positioniert werden können (ich kann dazu leider nichts über damalige (1964) erstmalige Dufteindrücke finden). Ich hatte bei einem anderen Kommentator mal gelesen, "es ist kein Duft sondern ein Geruch". So würde ich das auch hier sehen. Die bzw. eine Besonderheit, etwas weitschweifend und sensationelles haben beide als Merkmal. Mir fällt jedoch spontan nicht ein, zu welchem Anlass ich den tragen sollte - außer zum Kirchgang oder als Messdiener. Der Duft könnte ob der sakralen Opulenz zum "Allvater" passen (wer die Serie "The Preacher" kennt...). Nein Spaß beiseite. Vermutlich kommt er auf einem einsamen Waldspaziergang im Herbst oder Winter gut rüber (Region egal, Hauptsache einsam). Ich hatte mal eine Büro-Arbeitskollegin aus der Gothik-Szene. Eine ganz liebe und nette (sie hatte so kleine, süße Särge in ihren Topfblumen….). Sie trug immer ein mir unbekanntes extremes süßes Patchouli-Weihrauchzeugs (war wohl eine Eigenkreation). Ich denke, ihr würde der Duft gefallen. Momentan bleibe ich dabei aber auf der Nutzungsstrecke liegen.

Sind allerdings wirklich (momentan) 8.9 Points gerechtfertigt? Für mich nicht.
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Snifff vor 3 Jahren 6 5
4
Flakon
8
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Der ist der Papa vom....
...Geduld, Geduld. Erst lesen.

Der Ungaro geht vom Start her hell und frisch ans Werk. Apfel….ja, okay, auch…der ist hier jedoch gut abgeschmeckt und nervt nicht durch Übertriebenheit. Gepaart mit der Grapefriut geht es frisch-fruchtig und munter in den Duftverlauf. Unangenehm süßliche Orange nehme ich (zum Glück) nicht war. Es bleibt kernig apfellastig. Ich meine auch Zimt zu reichen, aber der steht nicht in der Pyramide. Das Ganze ist für eine recht lange Dauer von rd. 2 Std. (habe jetzt extra mal die Laufzeiten notiert) präsent und das ziemlich deutlich.

Im Mitteilteil wird es dann, leiser, ruhiger und milder. Es gesellt sich eine schicke maritime Note dazu und die Frischekräuter steigen ins Boot. Die Maritime Note kann ich aber irgendwie nicht richtig einordnen – es ist jedenfalls z. B. keine Cool-Water- oder Acqua die Gio-Note. Es scheint ein klein wenig schimmert „die“ Fierce-Note durch (?). Jedenfalls besitzt die Note kein Umkleidekabinenniveau, sondern unterstreicht nur dezent und unterschwellig den „Frischgeduscht“-Eindruck. Das ganze verteilt sich so über ca. 3 St.

Es wird dann am Ende der Fahnenstange holzig, warm, kuschelig und irgendwie cremig. Und das mal ohne Vanille. Die Tonka ist ja gefühlt eh zu 100% in jeden Duft verbaut, sie tritt hier aber nicht in den Vordergrund, sondern flankiert harmonisch den Vetiver und Hölzer (die ich aber nicht dezidiert herausriechen kann). Das Licht erlischt dann nach guten 2 Std.

Die Sillage ist anfangs sehr ausgeprägt, wird dann im Mittelteil aber zurücknehmender, jedoch weiterhin gut wahrnehmbar (= ein geschlossenes Zimmer bekommt er gefüllt). Die Haltbarkeit auf dem Handrücken/der Haut fällt bei mir eher etwas flacher aus. Wenn der Duft weg ist, ist er es auch auf der Haut. Hat also kein Nasenkneifer-Level.

Zum Preis braucht man nix sagen. Ist ein Schnapper, aber wohl nur übers Netz zu beziehen.
Für mich eher nebensächlich, aber der Flakon ist murks und unhandlich. Der Sprüher hingegen solide.

Fazit und Aufklärung bzgl. der Vaterschaft:

Mich verwundert, dass der hier so unter dem Radar fliegt. Denn er erinnert mich an einen wesentlich bekannteren Duft! Das ist alles sehr ausgewogen arrangiert, elegant und gekonnt verwoben (ich weiß jedoch nicht, wer der Parfumeur ist). Unaufdringlich, markant, frisch und gepflegt (sollte auch zum Träger passen;) und ist definitiv ein Büroler:) . Und was mich freut: Der Duft wird seinem Namen ausnahmsweise auch mal gerecht und ist keine Finte. Das ist durchweg ein moderner, maskuliner Vertreter. Okay….allerdings ist die Brust rasiert und er ist auch kein Manspreading-Typ. Holfzällerhemdniveau ist auch nicht unbedingt seine „Stärke“. Er duftet eher elegant männlich und ist nicht raubeinig geprägt. Achja, an wen erinnert er mich denn nun? Richtig, an den 1 Jahr später aufgetauchten Burner Dior Sauvage. Der Ungaro ist der Papa vom Dior S. So. Nun wisst ihr das:)). Wem die Elimiharznummer und das drum herum im Dior zu sehr stresst, der versuche doch mal den Ungaro. Der kommt definitiv „reifer“ und weniger „auftragend“ daher. Er wirkt nicht so verspielt und jungenhaft wie der Dior, trägt aber auch keine graumelierten "Rallystreifen". Der passt gut ins Mittelfeld für Düfte dieser Art und ist eher ein Tagesduft. Für den Abend finde ich den nicht so passend. Zudem hat rundum genügend maskuline Power über einen – zumindest bei mir mit gut 6 Sprühstößen verursachten – Duftverlauf von ca. 7 St. Toller, für mich unerwarteter (Blindbuy) Duft.
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Snifff vor 4 Jahren 2 3
6
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Kräftiger Schluck aus der Pulle
Nach dem Les Signature Tobacco Ambré nicht so dolle wegkam, geht es jetzt um den Malt Cuiré aus der „Les Signature“-Reihe .

Und vorab: Zumindest ist die Performance eine ganz andere – nämlich ziemlich kräftig. Sillage deutlich, Haltbarkeit noch deutlicher. Dies viel mir insbesondere deswegen auf, da ich die gleiche Sprühmenge verwendete, wie beim Tobbaco Ambré. Tja, man soll eben nicht von „dies auf das schließen“.
Kurz was zu Namen: Malt Cuiré – heißt dumpf übersetzt wohl so viel wie: „Malz gebraten“. Oder etwas feiner gesagt, vielleicht „gedünstet oder geröstet“.

Ich habe keine Ahnung, welche Zutaten diese durchaus markante und voluminöse spezielle Malz-Tabak-Note generieren – ist das „viel“ Muskatellersalbei? Nach dem relativ kurzen Start mit einer dunkel-fruchtigem Note ballert jedenfalls diese prägnante Nummer ziemlich kernig durch – und bleibt auch konstant strenght, wird nachfolgend nur etwas tabakartiger.

Optisch wird das Ganze garniert mit einem sehr schönem, dunklem whiskyfarbenem Farbton des Duftwässerchens und einem ordentlichen Sprüher (die Verpackung dafür selber ist dünnster Karton; etwas lieblos).

Mich erinnert dieser „geröstete Malz“ an eine Schnappsbrennerei für – Malt Whisky. Und da kommen wir zu einem Problem- zumindest für meine Nase: Ähnlich wie der Bentley Intense mit seiner krassen Rum-Start-Note kommt auch dieser Malt Cuiré stark alkoholisch rüber – und zwar eben als Whisky-Tabak-Verschnitt. Das hat schon etwas außergewöhnliches, gerade im Zusammenspiel mit der guten Perfomance. Und ja, er ist süßlich. Jedoch besitzt er nicht diese quitsichige Gummibärchen-Kindergartensüße, sondern eine irgendwie angenehme wohlige, maskuline Süße. Ich mag das im Grunde auch, jedoch ist das für mich definitiv ein Duft, der nicht ins Büro passt, auch wenn im Endverlauf der Vanille-Tabak langsam Oberhand gewinnt – bis dahin ist es ein langer (wankender) Weg. Zugespitzt riecht es phasenweise eigentlich mehr nach einer durchzechten Nacht im Casino, als nach einem Duft. Sehr interessant dürfte damit auch eine morgendliche Polizeikontrolle sein.

Fazit: Ein ausdruckstarker Abendduft. Der kommt fein rüber und ergänzt alkoholgeschwängerte Luft ideal, besonders wenn es auch noch mit einem Whisky-Seminar gepaart ist, wo als Absacker dann ein guter Pfeifenduft hinzukommt. Kein Duft für Bubbies, sondern eher für die reifere Generation oder die, die mal so wirken wollen. Irgendwie so eine Art abendlicher „Lounge-Duft“ – unaufgeregt und entspannend. Zumal wegen der offenkundigen Unbekanntheit und – zumindest für mich speziellen Note - dürfte dieser ausgesprochen exclusiv vertreten sein und ist garantiert kein Mainstreamer. Dazu ist er auch noch lachhaft günstig und es bleibt was für guten Whiskey über.
3 Antworten
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