Parfum und der Sinn des Lebens

21.09.2013
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Do it yourself

Dass der Mensch ein "Homo faber" ist, also ein Macher, Schaffender, weiß man spätestens seit Max Frisch, obwohl sich mir der Titel des Romans nie wirklich aus seinem Inhalt erschlossen hat. Aber das tut nichts zur Sache. Jedenfalls bin ich immer wieder begeistert, mit welch perfekten Werkzeugen Gott uns ausgestattet hat und was wir durch das Zusammenspiel von Sinnesorganen, Gehirn und ausführenden Körperteilen Gutes hervorzubringen imstande sind. Natürlich gibt es hier wie immer auch die andere Seite, aber die lassen wir mal außer Acht.

Für mich liegt es nahe, das, was ich gerne mag oder schön finde, auch selber machen zu wollen und so habe ich mich im Lauf der Jahre an Vielem versucht, Manches aufgegeben, Einiges perfektioniert und Anderes beibehalten. Wie beispielsweise die Herstellung von Duftwässerchen. Nachdem ich die 80er Jahre mit den damals populären Duftbomben intensiv erlebt habe und viele Ereignisse untrennbar mit Geruchseindrücken verknüpft sind, gehören Parfums seitdem für mich einfach dazu. Als Anfang der 90er das Flaggschiff aller Selbermacher, die Hobbythek, den Parfumbaukasten herausbrachte, war es für mich gar keine Frage, die Herstellung von Parfum selbst auszuprobieren und das Mischen und Experimentieren hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Zwischenzeitlich war es etwas schwierig, die Zutaten zu beschaffen, da der Selbermacher-Boom abgeflaut war und viele Geschäfte, bei denen man zuvor die Bestandteile bekommen konnte, aufgaben. Mittlerweile kann man - dem Internet sei Dank - jedoch wieder alles kaufen und sogar Dinge, die es in den 90ern nicht gab.

Freilich ist es für einen Laien ohne entsprechende Ausbildung und professionelle Hilfsmittel nicht gerade einfach, einen Duft zu kreieren, der mit den Erzeugnissen der Profis mithalten kann, aber unmöglich ist es bestimmt nicht. Die Komponenten des Hobbythek-Baukastens sind ja zum großen Teil schon "idiotensicher" vorgemischt, das vereinfacht das Ganze deutlich. Man bekommt auf jeden Fall ein besseres Gefühl für die einzelnen Duftnoten, vom Spaß an der Sache ganz zu schweigen. Für mich ist es immer wieder total spannend, nach ein paar Wochen Reifezeit festzustellen, was am Ende tatsächlich rausgekommen ist, weil der fertige Duft nach dem Verschmelzen der einzelnen Bestandteile völlig anders riecht als direkt nach dem Anmischen. So hatte ich unlängst ein lustiges Erlebnis, als ich eine Duftmischung in einen Zerstäuber abfüllen wollte, dieser jedoch zu klein für die angemischte Menge war. Also habe ich den Rest in einen zweiten Zerstäuber gefüllt. Als ich eine Woche später an beiden Zerstäubern probeschnupperte, rochen sie völlig verschieden. Der eine wirklich gut und der andere eher nicht. Nach kurzer Irritation hatte ich dann die Erleuchtung, woran das lag: ich hatte die Duftmischung vor dem Abfüllen nicht ordentlich durchgerührt, weil ich dachte, sie passe in einen Zerstäuber. Da dem nicht so war, hat der eine Zerstäuber wohl mehr von der Kopf- und Herznote abbekommen und der zweite eher die Basis. Danach habe ich beides in einer größeren Flasche zusammengekippt und das Ergebnis stimmte wieder.

Neben dem Spaß am Selbermachen ist mir die Faszination für das "Profiprodukt" natürlich trotzdem erhalten geblieben und das eine kann das andere bislang nicht ersetzen, soll es auch nicht. Mich würde nur brennend interessieren, ob und wie viele andere Parfumos es gibt, die auch gerne selbst mit Duftwasser experimentieren und sich eventuell über ihre Erfahrungen beim Selbermachen austauschen wollen. Ganz cool wäre es natürlich, wenn man sich hin und wieder mit ein paar Gleichgesinnten zum gemeinsamen Panschen treffen könnte, aber da hier alle anonym sind, ist es schwierig bis unmöglich, in der Nähe wohnende Mitglieder zu finden, oder?


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