Parfum und der Sinn des Lebens

11.02.2016
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To smell or not to smell

Hin und wieder stoße ich dufttechnisch an Grenzen.

Manchmal an die meiner Mitmenschen.

Wenn der Liebste äußert „Hättest du das beim ersten Date getragen, wäre aus uns nichts geworden“, wird der betreffende Duft zumindest in seiner Gegenwart nicht mehr benutzt oder gleich aussortiert.

Meine Kollegen sagen auch geradeheraus, wenn ihnen ein Parfum nicht gefällt und werden künftig davon verschont.

Generell berücksichtige ich, wann und wo ich mich wie bedufte um mich nicht nur selbst wohlzufühlen, sondern auch meine Zeitgenossen nicht zu verprellen.

Öfter sind die Grenzen meine eigenen.

Meist lässt sich das schnell und einfach dadurch lösen, dass ich die unangenehmen Düfte künftig meide.

Schwieriger wird es, wenn sich die Düfte an Menschen befinden, mit denen ich zu tun habe, es sei denn, es handelt sich um ein Familienmitglied oder sehr engen Freund, mit dem man schonungslos ehrlich sein kann. Man will ja schließlich niemanden verletzen, indem man zu so etwas Persönlichem einen negativen Kommentar abgibt.

Ganz schwierig ist es, wenn es sich um Fremde handelt, mit denen ich auf engem Raum zusammen sein muss ohne die Möglichkeit, auszuweichen.

Beispielsweise um meine Sitznachbarin im Theater, deren starkes Parfum mir regelrecht Übelkeit bereitet. Als Inhaber von Abokarten treffen wir fast monatlich aufeinander und ich habe inzwischen sicher den Eindruck erweckt, chronisch krank zu sein, da ich ständig in einen Schal eingemummelt da sitze, den ich zuvor mit einem Spritzer eines mir angenehmen Dufts präpariert habe. Anders wäre die Spieldauer eines Stücks für mich nicht auszuhalten. Welchen Duft die Dame trägt, habe ich noch nicht herausgefunden. Entweder er ist mir noch nicht unter die Nase gekommen oder überdosiert oder riecht nur an ihr so penetrant. Fragen mochte ich bisher nicht, weil wir abgesehen vom obligatorischen „Guten Abend“ noch nicht die Gelegenheit zu einem Gespräch hatten. Und was sollte ich dann auch zu diesem Duft sagen? Wir sind hier ja im Bereich des persönlichen Geschmacks, über den sich bekanntlich nicht streiten lässt und den man sich nicht einfach verbitten kann wie das Tütenrascheln im Kino.

Es gibt sicher Schlimmeres und noch ist der Leidensdruck nicht so stark, dass ich eine Änderung des Abos oder zumindest der Sitzplätze in Erwägung ziehe, aber der Kunstgenuss ist mir durch das Duftbombardement schon ein Stück weit verleidet. Zu hoffen, dass der Flakon bald leer ist und nicht nachgekauft wird, ist wohl sinnlos. Vielleicht gewöhne ich mich ja mit der Zeit daran und nehme den Duft nicht mehr so stark wahr.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen und vielleicht sogar eine Lösungsmöglichkeit?


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