SomebodySomebodys Parfumkommentare

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Somebody vor 58 Tagen
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Die wahre Reise nach Indien
Angelockt vom verheißungsvollen Namen und der hohen Bewertung bei Parfumo hatte ich mir vor einiger Zeit Voyage en Inde von Rituals zugelegt und wurde bitter enttäuscht, da der Duft für mich so gar nichts Indisches, Orientalisches, Exotisches oder Würziges bereithielt, das ich mir davon versprochen und erwartet hatte.
(Selbst schuld, Blindkaufrisiko; hat schnell wieder einen neuen Besitzer gefunden.)

Als ich dann in den Kommentaren zu Musc von Räucherstäbchen, Hippies und Indienshops las, waren alle Erfahrungen vergessen und er wurde bestellt, obwohl der Name auf eine ganz andere Duftrichtung schließen ließ.
Und diesmal traf der Blindkauf voll ins Schwarze.

Mich begrüßt eine dichte, komplexe Note, die tatsächlich nach dem gelegentlich von mir besuchten Dritte-Welt-Laden duftet und auch einen Schuß klebrigen Hustensaft beinhaltet, den ich in Kindertagen öfter verabreicht bekam und für immer in meinem Duftgedächtnis gespeichert habe.
Die Hustensaftassoziation gibt sich mit der Zeit, dafür gewinnt Räucherstäbchenaroma an Gewicht.
Musc ist würzig, balsamisch, nur leicht süß, dezent rauchig und wenn die recht heftige Kopfnote sich etwas verzogen hat, durchaus sozialverträglich.

Bollywood und Hippiekommune halten sich hier die Waage und im Geiste ziehe ich den seidenen Crinclerock über, den ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr getragen habe, schlüpfe in meine geliebten Zehenschlappen und schlendere durch die palmengesäumten Straßen von Arambol.
Das ist sie, die olfaktorische Reise nach Indien!

Moschus finde ich hier übrigens gar nicht, nicht einmal in der Basis, die bis zum Schluß von einer feinen Würze durchsetzt ist.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an euch Parfumos, die ihr diesen Duft in euren Statements so treffend beschrieben und mich dadurch darauf aufmerksam gemacht habt.

Somebody vor 61 Tagen
6.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Eine Chemie der Liebe
Beautiful Belle Love könnte eine in Duft umgesetzte Liebesgeschichte sein.

Am Anfang wie vom Blitz getroffen, prallt eine exzentrische Rose, durch Mandel, Vanille und Orangenblütenhonig leicht in die gourmandig-fruchtige Richtung tendierend, auf Bodenständiges wie Patch und Amber.

Diesen Start finde ich ziemlich stürmisch und laut, die Parteien müssen erst noch zueinander finden, kämpfen mit Leidenschaft um ihre Position. Ich betrachte das mit gebührendem Abstand und bin noch nicht so richtig dabei, mir fehlt die Harmonie zwischen den Protagonisten. Mag sein, dass es die Mandel ist (ich denke da an Amaretto) oder Patchouli, das mich ein bisschen in der Nase sticht und den Gesamteindruck stört, aber man fällt auf, ein leiser Duft ist das nicht.

Wie sich Charaktere im Lauf der Zeit aneinander abschleifen, finden auch hier die Gegensätze nach geraumer Zeit eine gemeinsame Basis, der Eindruck wird cremiger, weicher, angenehmer und am Ende des Duftverlaufs umschmeichelt mich der immer wieder gern gerochene Vanille-Amber-Moschushauch.

So richtig meins ist Beautiful Belle Love nicht. Ich würde den Duft eher an einer jüngeren, etwas exaltierten Person sehen. Haltbarkeit und Sillage sind gut bis sehr gut. Ich bin gespannt, wie lange sich diese Creation am Markt hält.
1 Antwort

Somebody vor 63 Tagen
8
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon

Ich hab‘ geträumt von dir
Die letzten Tage habe ich mich mit eher schweren, warmen Düften umgeben, zumal es auch wieder recht kühl geworden war.
Vergangene Nacht tauchte plötzlich After My Own Heart in meinen Träumen auf und war beim Aufwachen noch präsent. Ich träume zwar viel und lebhaft, aber sehr selten von Parfum und nahm es als Fingerzeig des Unterbewusstseins, diesen Duft, den ich lange Zeit nicht benutzt hatte, heute zu tragen.

Ich bin immer wieder überrascht von der grün-herben Eröffnung, weil ich mit dem Duft die Note verbinde, die darauf folgt und das ist ein wunderschöner, pudrig-leichter, heller Flieder mit einem Touch ins Cremige. Dieser eigentlich zarte Geruch ist dennoch so präsent, dass mein Auto heute früh nach dem notwendigen Einkauf komplett davon erfüllt war. Der kleine Glücksmoment beim Einsteigen verscheuchte das beklemmende Gefühl, das mich in dieser schrägen Zeit wegen Abstandsregelung und Maskenpflicht regelmäßig befällt. Auf der Heimfahrt sinnierte ich darüber, dass ich heute wahrscheinlich genau diesen Duft gebraucht hatte so wie man manchmal plötzlich Appetit auf saure oder bittere Nahrungsmittel hat, und dass der Körper oft sehr viel klüger ist als das, was wir Verstand nennen.

Nachdem alles Notwendige geschafft war und sich das Wetter heute wieder frühlingshaft freundlich zeigte, unternahm ich nachmittags einen langen Spaziergang ins Grüne. After My Own Heart war in der Zwischenzeit zu einem leichten Fliedermoschushauch geworden, der in der schattigen Kühle des Waldes mit dem Duft frisch geschlagenen Holzes verschmolz und beim Nachhausekommen nochmal mit einem kleinen Sprüher aufgefrischt wurde, der mich jetzt fliederblütencremig in den Abend begleitet. Einen passenderen Duft hätte mein Unterbewusstes nicht auswählen können.
2 Antworten

Somebody vor 64 Tagen
10
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Hansdampf in allen Gassen
Ich wage zu behaupten, dass in jedem von uns ein Schatzsucher steckt. Wir testen uns unermüdlich durch das unerschöpfliche Duftangebot in der Hoffnung, in der nächsten Flasche den Heiligen Gral zu entdecken.

Meistens ist das Ergebnis der Suche eher „na ja“, aber manchmal schlägt der Blitz ein und man weiß sicher, dass man etwas Kostbares in den Händen hält, ganz unabhängig vom Preisschild.
So empfinde ich in Bezug auf Smoked Oud, der seinem Namen in meinem Fall nicht gerecht wird, aber gerade das macht mich glücklich.

Er startet mit einer vollen, likörigen Rose, die mit einer feinen Wacholderbeerenwürze unterlegt ist.
An diesem Punkt könnte er das perfekte Kind einer stürmischen Romanze von Calligraphy Rose und Journey Man sein.
Sanft gesellt sich ein Tabakaroma dazu, das mal in die harzige und mal in eine leicht rauchige Richtung changiert.
Mit zunehmender Reife entwickelt sich der Duft balsamisch, fast cremig hin zu einer warmen Amber-Tonka-Basis.
Rose kann ich den ganzen Verlauf über erkennen, sie spielt die heimliche Hauptrolle. Oud hingegen geht für mich völlig unter und das ist auch gut so.

Die Intensität ist mir sehr angenehm. Ich nehme den Duft lange wahr, aber nur wie einen zarten Schleier und nicht kräftig wie man anhand des Namens vielleicht vermuten könnte. Auch die leichte Süße empfinde ich als absolut schmeichelnd und würde Smoked Oud unbedingt unisex einordnen, auch wenn er in seinem Ledermäntelchen und dem schweren Flakon sehr maskulin auftritt.

Der erscheint übrigens nicht nur hochwertig, sondern zeichnet sich auch durch eine angenehme, rutschsichere Haptik und vor allem eine satt sitzende Verschlusskappe aus.
Alles in allem ein rundes Gesamtpaket und dabei außerdem preislich sehr attraktiv.
Höchstpunktzahl von mir.
1 Antwort

Somebody vor 69 Tagen
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Er muss sie sehr geliebt haben
Diesem Parfum spürt man die Mühe und Sorgfalt, die Zeit und die Liebe, die in seine Entwicklung investiert wurde, tatsächlich ab.

Das dichte olfaktorische Geflecht ist sehr erwachsen, tiefgründig, perfekt austariert zwischen Blüten und Früchten. Es ruht auf einer Basis, die mir manchmal sanftmoosiges Grün, manchmal erdbraunes Patchouli vorgaukelt. Darüber die pralle Duftmelange, die meine Nase nicht aufzuspalten vermag in ihre Einzelteile.
Weder süß noch herb, ist sein Charakter ganz einzigartig und wie es mühelos so Gegensätzliches wie die „stolze Rose“ und das „sittsame Veilchen“, den Esprit des Pfeffers und die betäubende Wirkung von Muskat vereint, drängt sich die Vermutung geradezu auf, dass dadurch gewisse menschliche Eigenschaften der Namenspatin flüssig interpretiert wurden.

Und stark ist es, das Parfum der Thérèse, begleitet mich viele Stunden und muss mit Bedacht gewählt werden, um mich selbst und meine Umwelt nicht zu überfordern.
Ich kann mich nicht erinnern, je etwas gerochen zu haben, das diesem Duft irgendwie ähnelt und er hat für mich absoluten Wiedererkennungswert.
Ich mag es sehr, dieses in Fläschchen gefüllte Denkmal, das Edmond Roudnitska seiner Frau errichtet hat, ein Taj Mahal der Parfumwelt…

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