StanzeStanzes Parfumkommentare

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21.07.2019 16:56 Uhr
19 Auszeichnungen
Wir schreiben das Jahr 1995. Pierre (jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig) erreichte 20 Punkte im Baccalauréat (Abitur) . Besser gehts nicht. Dafür schenkte ihm sein Papa einen brandneuen BMW Z3. Der Flitzer war gerade herausgekommen. Der junge Pierre, schlaksig und damals noch mit längeren Haaren, wollte sofort eine Fahrt ans Meer mit seinem besten Freund Guillaume (Name von der Redaktion frei erfunden) machen. Das Meer war weit. Pierre kommt aus einer Stadt im Zentrum Frankreichs. Dreieinhalb Stunden dauerte die Fahrt. Das Auto hatte Ledersitze, alles roch so neu, die beiden jungen Männer lachten, während ihre Haare vom Fahrtwind zerzaust wurden und Celine Dions "Pour que tu m'aimes encore" (damit du mich wieder liebst) aus dem Autoradio erscholl. Sie tranken "Limonade Pink" von Lorina und erreichten Montpellier bei Sonnenuntergang. Guillaume hatte schon ein paar Gummitiere aufgeblasen. Die Jungs rannten damit ans Meer und stürzten sich in die Fluten (21°C). Sie lachten und planschten, lagen hinterher ein wenig fröstelnd am Strand und rückten zusammen.

Das ist natürlich nie passiert. Pierre ist ein Student der Chemie und hat einen hellblauen Riechstoff gebastelt, der ihn olfaktorisch in seine Jugendzeit zurückversetzt. Eine bessere Jugend als er je hatte. Wilder und freier. Denn eigentlich war er ein braves Kind gewesen. Wenn er an dem Reagenzglas schnüffelt, hat er Guillaume vor Augen, der ihn anstrahlt, einen Strand an den sanfte Wellen eines lauen Meeres rollen sowie Neuwagengeruch und das Quietschen einer Luftmatratze. Zufrieden setzt Pierre das Reagenzglas ab und nennt das Zeug Psychotrope.

Psychotrope riecht aquatisch-ledrig aber auch sehr synthetisch. Ist wahrscheinlich veganes Leder. Tragen kann man das, wenn man Autos verkauft oder Autoteile, oder Gummiwaren jeglicher Art. Psychotrope ist eher für die warme Jahreszeit geeignet. Man kann es als Frau oder Mann tragen, wenn man meint, dass die Umgebung sowas toleriert. Was - wie oben erwähnt - nur selten der Fall sein wird. Der (zweite) Test war aber unterhaltsam. Da meine Arme heute schon voll waren, hab ich mein Knie besprüht. Voller Einsatz für PG.


13.07.2019 17:28 Uhr
21 Auszeichnungen
1849 in der Zeit des amerikanischen Goldrausches, machten sich viele 49er (Goldsucher) auf den Weg durch die Mojave Wüste und das Tal des Todes. Die Landschaftskarten waren damals sehr ungenau.

William war Barbier in St. Albans in Vermont im Norden der USA gewesen. Dann ergriff ihn das Goldfieber. Er schloss sich anderen Goldsuchern an und zog nach Süden. Am Green River fuhr er mit den anderen auf einer alten Fähre südwestlich. In Fort Utah in Provo traf William auf Walkara, den großen Häuptling der Shoshoni. William bot den Indianern an, sie zu rasieren, aber sie hatten keinen Bartwuchs. Walkara hielt William daher für einen Witzbold und bot ihm freies Geleit an. Die Indianer verkauften den Goldsuchern außerdem Wasser und Trockenfleisch. So ausgerüstet marschierten die Goldsucher im Dezember 1849 in die Wüste des Großen Beckens zwischen der Sierra Nevada und der Wasatchkette. Es war bitterlich kalt. Aber eine Wüste wäre keine Wüste, wenn sie nicht auch trocken wäre. Drei Wochen latschten die Goldsucher im Kreis herum, weil ihre Karten nicht stimmten (s. auch "Memoirs Of A Trespasser"). Dann erreichten sie endlich Desert Spring. Die dortige Quelle, nach der die wenigen Häuser benannt worden waren, lag an einem alten indianischen Pferdedieb-Weg. William trank von der Quelle und beschloss dort zu bleiben. Er baute sich ein kleines Häuschen und eröffnete darin sein Barbier-Geschäft. Er hatte nicht sehr viele Kunden aber gute Beziehungen zu den Indianern, für die er jeden Freitag Stand-up-Comedy-Shows gab, in denen er Witze über Bärte erzählte. Er verbrachte sämtliche Indianerkriege unbehelligt. Jahrzehnte später führte eine Handelsroute (Twenty-mule team) durch Desert Spring und er konnte endlich (viele) andere Leute rasieren. Man sagt, er sei 1888 im hohen Alter lächelnd gestorben, während er sein Rasiermesser am ledernen Streichriemen abzog.

Chiseled Face (Markantes Gesicht) ist ein Ein-Mann-Projekt von einem rasurbegeisterten Menschen (Ron Wiebe). Ghost Town Barber (Geisterstadt Barbier) soll laut der offiziellen Webseite der übliche männliche Barbershop-Duft mit einem Westernthema sein. Ron Wiebe wurde durch eine Western-Show in einer Geisterstadt zur Kreation dieses Dufts inspiriert.

Ghost Town Barber öffnet die Saloontür mit einem starken Ledergeruch, der jedoch anders ist, als man das von den parfümierten Handschuhen der französischen Damen kennt. Es riecht nach Ledersattel. Ganz zart riecht man auch die Rasierseife, in der sich Bergamotte und Basilikum in homöopathischen Anteilen tummeln. Später liegt Pulverdampf über dem Dorfplatz und Rauchzeichen verkünden die neuesten Nachrichten.

Ghost Town Barber hält bei mir höchstens 4 Stunden, dabei ist es ein Eau de Parfum. Die Projektion ist nicht sehr stark, man kann also niemanden damit stören, dass man riecht, als sei man gerade von der Ponderosa Ranch gekommen (Bonanza). Das Preis-Leistungsverhältnis ist okay, abgesehen davon, dass es amerikanisches Zeug ist, an das man nur rankommt, wenn man zum Zoll latschen möchte oder jemanden kennt, der jemanden kennt. Man kann Ghost Town Barber das ganze Jahr über tragen. Zum Ausgehen ist es vielleicht wegen der geringen Projektion etwas sinnbefreit. Als Sportart bietet sich Rodeo an. Man kann das Zeug auch als Frau tragen. Ich bin der Beweis. In meinem Alter bekommt man ja eh Barthaare. Ich werde mich aber garantiert nicht mit einem Rasiermesser rasieren.


07.07.2019 18:22 Uhr
24 Auszeichnungen
Wir schreiben das Jahr 1778. Eine Postkutsche ist unterwegs auf der Straße Malpey ("Miese Gegend") durch das Gebirge Esterel im Südosten Frankreichs. Die Kutsche hat Verspätung. Die Reisenden, ein junges Ehepaar mit einer Kammerzofe, ein beleibter Geistlicher und ein Kaufmann, hoffen, dass sie bald das Wirtshaus erreichen. Der Fuhrmann treibt die Pferde an, schneller zu laufen. Da springen Räuber aus dem Unterholz an der Seite des Weges. Die Räuber ziehen sogleich ihre Waffen, Steinschlosspistolen und lange Messer. Es ist Gaspard de Besse der Robin Hood der Provence mit seinen Leuten. Der Fuhrmann hält an. Gaspard de Besse ist eine pittoreske Erscheinung, gekleidet wie ein Adliger. Er hat noch nie jemanden getötet oder auch nur verletzt. Seine Männer nähern sich der Kutsche und öffnen die Tür. Die Reisenden haben sich zitternd in eine Ecke gedrängt. Der Ehemann schiebt sich schützend vor seine beiden Begleiterinnen. Gaspard de Besse tritt vor, er lädt er die Reisenden ein, im Wirtshaus mit ihm zu Abend zu speisen. Niemand wagt zu widersprechen. Die Räuber springen auf ihre Pferde und begleiten die Kutsche, in der heiß diskutiert wird, wie man vorzugehen habe. Ob man sich fügen solle oder ob eine plötzliche Flucht eine Option wäre. Schließlich wagt aber niemand, sich Gaspard de Besse zu widersetzen. Am Wirtshaus angekommen, werden die Reisenden von den Räubern in das Gastzimmer geführt. Abgesehen von den üblichen Speisen, Brot, Fleisch und Suppe, gibt es Zitrusfrüchte aus dem nahen Italien. Nach dem Essen nimmt Gaspard de Besse den Reisenden einen Teil ihres Geldes und ihres Schmucks ab. Während er die junge Ehefrau um ihren Schmuck erleichtert, lobt er ihre Schönheit und Grazie und während die Frau voller Scham und Verzückung errötet und strahlt, fühlt sich der Ehemann in seiner Ehre gekränkt. Die Waffen hat er am Eingang abgeben müssen, es bleibt ihm also nur, dem kecken Banditen die Faust ins freche Gesicht zu schlagen. Es entbrennt ein kleines Handgemenge in deren Verlauf nur der Stolz des Ehemanns verletzt wird. Er wird schmollend auf die blankgescheuerte Holzbank zurückgedrückt. Dann verabschieden sich die Räuber. Gaspard de Besse verbeugt sich und wedelt mit seinem Hut in der Luft herum. Kurz darauf ist er mit seinen Männern im Unterholz verschwunden.

An Duftnoten kann ich jedenfalls Zitronen ausmachen. Vielleicht sind auch noch andere Zitrusfrüchte enthalten und etwas Orangenblüte. Es kommt mir vor, als wäre später etwas Holziges involviert, vielleicht Sandelholz. Ich lehne mich so ungern aus dem Fenster.

Die Zitrone erinnert mich - wie so oft an Ata Scheuerpulver - Ich hab einfach zu lange mit vorsintflutlichen Mitteln Schlösser gewienert. Zur Basis hin wird das Duftgeschehen aber cremiger und schmeichelhafter. Wieso Herr Lehmann Esterel "grün, herb" nennt, erschließt sich mir nicht so ganz. Ich hatte ganz kurz mal den Eindruck von grün, das kann aber auch daran liegen, dass ich etwas Grünes erwartet habe. Bisher (seit einer Stunde) ist Esterel jedenfalls fast ausschließlich zitrisch. Das Preis-Leistungsverhältnis ist wie bei allen Lehmännern grandios.

Familiärer Tester M verkündet, nachdem ich ihm gesagt habe, was es zu riechen gibt: "Sandelholz und Scheuerpulver".

Man kann Esterel im Sommer gut tragen, bestimmt auch zum Sport (wie gruselig), wenn man Leute ausraubt und Bankette gibt. Esterel hält einen frisch, wenn man lange Reden schwingt und exotische Klamotten trägt. Esterel ist für Räuber und Edelfrauen gleichermaßen geeignet.


29.06.2019 23:03 Uhr
24 Auszeichnungen
Im Französischen heißt Galahad Galaad. Verwundert nicht weiter, da die Franzosen Hs gern verschwinden lassen, auch wenn sie darauf bestehen, dass sie sie Aspirieren. Wahrscheinlich aspirieren sie die Hs mit dem Aspirateur (Staubsauger) und dann sind sie weg.

Da die Franzosen total auf Synonyme stehen, bedeutet Galaad zugleich noch Gilead, sowohl Leute aus der Bibel als auch die bergige Gegend in Jordanien.

Galahad aus Gilead? Wie soll das gehen?

Laut der offiziellen Webseite ist Galahad ein Ritter aus Gilead zu einer Zeit, als die Karawanen aus Gilead Myrrhe nach Ägypten brachten. Ritter ist in dem Zusammenhang eine ungünstige Bezeichnung, denn der mythische Gründer des Landes Gilead hieß so wie sein Land (das im Französischen halt Galaad heißt). Schon verwirrt? Also Gilead aus Gilead und nicht Galahad aus Gilead. (Aha! Achso!) Weiter können wir lesen, dass die heiligen Berge Gilead voll sind mit Bienenstöcken und Zedern. Mit Cypriol und "getrocknetem Atlantiskraut" verfeinern Gileads Leute den Balsam, mit dem sich die Herrscher des Orients beschmieren. Was ist getrocknetes Kraut aus Atlantis? Tabak. Tabak war zur Zeit des mythischen Gründers von Gilead nicht bekannt. Da musste der Texter sich etwas ausdenken und ernannte Amerika kurzerhand zum versunkenen Kontinent Atlantis. Im 19. Jahrhundert gab es Hypothesen, dass die Maya beziehungsweise die Azteken Überlebende des Untergangs von Atlantis seien, das ist heute aber widerlegt.

Soviel zum Hintergrund. Wie riecht Gilead denn nun? Gilead riecht zuerst nach Zypressen, ich weiß nicht, warum ein Ritter nach Zypressen riecht. Vielleicht hat er sich einen Gral geschnitzt, mit seinem Bronzeschwert, das sich dabei bestimmt verbogen hat. Dann riecht er harzig und nach Honig. Er beschmiert sich mit Balsam und macht sich ein Honigbrot. Schließlich steckt er sich eine Atlantiskraut-Zigarette an, dann stechen ihn die Bienen nicht.

Ich finde Galaad ganz schön soweit (das Parfum, nicht den Ritter). Ich stehe auf harzige Düfte. Der Tabak ist schön eingebunden und nicht zu stark. Galaad ist in der Basis leicht rauchig. Auch das ist schön eingebunden und nervt nicht. Insgesamt würde ich fast eine 8 geben (aber dann würde ich es kaufen wollen und es passt nichts mehr in meine Parfüm-Kühltasche). Galaad ist vielleicht auch zu zahm für eine 8. Gilead ist für einen Herrscher vergleichsweise schüchtern. Galaads Sillage ist moderat. Über die Haltbarkeit kann ich noch nichts sagen.

Galaad ist unisex obwohl Gilead ein Männername ist. Man kann Galaad in jeder Jahreszeit tragen. Heute waren es über 30°C draußen und das ging ohne Probleme. Galaad passt zu den meisten Gelegenheiten. Beim Sport kann ich es mir nicht so vorstellen, höchstens bei Schnitzwettbewerben. Man muss ja nicht unbedingt einen Gral schnitzen.


14.06.2019 19:03 Uhr
25 Auszeichnungen
Wir befinden uns in Napata (heute im Sudan) anno 20 vor unserer Zeitrechnung im nubischen Königreich von Kusch. Die Königin Amanirenas lässt sich verehren wie eine Göttin. Laut offizieller Lesart ist sie mit Amun verwandt, dem Wind- und Fruchtbarkeitsgott der altägyptischen Religion. Sie ist also eine Göttin. Amanirenas hatte es nicht leicht in der letzten Zeit. Die Römer haben ihren Ehemann Teriteqas erschlagen. Daher regiert sie nun allein über das Königreich von Kusch. Es herrschte Krieg mit Rom von 27 bis 22 vor unserer Zeitrechnung. Im Kampf hat Amanirenas ein Auge verloren. Sie war danach nicht sehr amüsiert, drang mit ihren Truppen weit ins südägyptische Gebiet der Römer vor, machte Gefangene, schlug symbolhaft einer großen Statue des Augustus den Kopf ab und brachte den Kopf als Kriegsbeute in die Stadt Meroe, wo sie ihn unter der Schwelle des Palastes eingraben ließ, damit jeder, der über ihre Schwelle geht, auf Augustus Kopf trete. (Viel später würde der Kopf von Archäologen gefunden werden.)

Obwohl Amanirenas und ihre Truppen kämpften wie Löwen, musste die kämpferische Königin im Jahr 21 vor unserer Zeitrechnung einen Friedensvertrag mit den verhassten Römern schließen. Die Grenze war viel zu nah für ihren Geschmack aber immerhin mussten die Nubier keinen Tribut mehr zahlen. Ihr Volk verehrte die Königin, denn sie hatte ihnen Frieden und Wohlstand gebracht. Man zollte ihrer Göttlichkeit auch auf den Hausaltären Tribut. Dort standen Frauenstatuen aus Ebenholz und Keramik sowie Opferschalen mit Spezereien. Räucherwerk wurde verbrannt. Feste fanden zu ihren Ehren statt. Die Menschen tanzten und tranken berauschende Getränke. (Rum gab es erst ab dem 17. Jahrhundert.) Die kriegerische Königin regierte noch bis zum Jahr 10 vor unserer Zeitrechnung. Wurde ja Zeit, dass ihr mal jemand ein Parfum widmet. Denn laut Lubins Webseite ist Idole de Lubin die sakrale Abbildung einer nubischen Gottheit. Ja, das passt.

Besonders schön finde ich die Ebenholznote oder das, was ich für Ebenholz halte. Idole de Lubin ist kein lauter Duft, die Sillage ist nicht sehr stark. Vielleicht eignet sich Idole de Lubin auch zur Arbeit. Ich würde es aber eher in meiner Freizeit (Spaziergang an den Nilterrassen), abends oder bei Veranstaltungen (Festen zu Ehren diverser Götter wie z.B. Amun) tragen. Idole de Lubin ist eher ein ernster Duft. In der Basis wird das Parfum süß und weich, aber vorher gibt es nichts zu lachen. Idole de Lubin ist eventuell unisex. Wir können der Gottkönigin alle huldigen.


08.06.2019 22:02 Uhr
26 Auszeichnungen
Dann ging ich also mit dem Hund und trug dabei Selperniku und die übliche exzentrische Kleidung. Draußen an der frischen Luft ist Selpernikus Sillage immer noch der Hammer. Aber man riecht fast ausschließlich nach ausgelassener Butter. Das ist wahrscheinlich der Beweis dafür, dass ich über ausreichendes Selbstbewusstsein verfüge. Ich könnte Bekannten begegnen und sie würden sich wundern, warum ich nach Butterschmalz rieche. Familiäre Testerin Q hat es so formuliert: "es erinnert mich an die Butterlampen im buddhistischen Zentrum." Sie hat recht. Ich denke, dass das eventuell daran liegt, dass die Parfümherstellung für Herrn Biebel ein Hobby ist. Er lebt nicht davon und es ist wohl nur eine Möglichkeit von vielen für ihn, sich kreativ auszudrücken. Daher muss er nicht unbedingt etwas schaffen, das die Massen begeistert.

Tragisch ist, dass Selperniku direkt auf meinem Arm, wenn man mit der Nase ganz nah dran geht, wunderbar riecht. Wirklich toll. Die Butter wird dort eins mit dem Wacholder, der Immortelle und der frischen Kamille. Himmlisch. Nase dran- ganz toll. Nase weg- Butterlampe.

Familiärer Tester M kann diese Einschätzung nicht teilen und findet generell, dass Selperniku nach Erbrochenem riecht. Das ist Quatsch. Selperniku ist alles mögliche, aber nicht säuerlich. Ich habe beruflich gelegentlich mit Erbrochenem zu tun und weiß, wie sowas riecht. Aber über Geruchseindruck kann man nicht streiten. Familiärer Tester M würde Selperniku 0 Punkte geben. Immerhin hat er mich nicht des Hauses verwiesen (wie damals bei Mukhallat von Montale). Ich trug Selperniku jedenfalls noch beim Abendbrot mit der Familie und niemandem ist der Appetit vergangen.

Als Buddhist kann man Selperniku ohne Problem bei der wöchentlichen Puja oder sonstigen Ereignissen tragen. Man ist dann eine Butterlampe unter vielen.


01.06.2019 16:52 Uhr
23 Auszeichnungen
LAVS riecht nach hellem Weihrauch. Weihrauch wie er auch in katholischen Kirchen verwendet wird. Da ich eine neugierige Person bin, wollte ich wissen, wieso er LAVS heißt. Auf der offiziellen Webseite las ich, es sei der gleiche Name wie die Laudes, das Morgengebet. Ja, na gut, wenn es eine römische Inschrift ist - man denke an ROMANES EVNT DOMVS - dann heißt es nicht Lavs sondern Laus, wobei Laus nicht wirklich ein toller Name im Deutschen wäre.

LAVS ist aber wohl eine Firma, die Herr Sorcinelli gegründet hat, um liturgische Gewänder an hochgestellte Persönlichkeiten der katholischen Kirche zu verkaufen, z.B. den Papst (!). Die Kleidung besprüht er mit dem Parfum LAVS, bevor er sie verschickt. Den Duft verkauft er aber auch an Heiden, was sehr ökumenisch und ökonomisch von ihm ist.

Wenn wir uns also mit LAVS besprühen, preisen wir nicht nur den Christengott, sondern riechen auch wie der Papst. Das ist doch mal was.

Ich muss sagen, der Papst riecht toll.

Man kann LAVS im Sommer tragen. Draußen sind 29°C und auch in der sengenden Baden-Württembergischen Sonne verbreitet LAVS die Kühle einer gotischen Kathedrale. Ich würde es als 3-Wetter-LAVS bezeichnen. Weder Schnee noch Regen noch Hitze noch nächtliche Dunkelheit hindert diesen Duft daran, seinen Segen auszuteilen.
Auf der Arbeit passt LAVS vielleicht nicht so toll. Priester können ihn natürlich tragen, aber sonst sehe ich da schwarz.


31.05.2019 23:44 Uhr
16 Auszeichnungen
Als der 1867 geborene Philip Sava seine Ausbildung als Geograph abgeschlossen hatte, erkundete er seine Heimat Kalifornien. Besonders angetan hatten es ihm die Geisterstädte im Kern County. Die verlassenen Siedlungen gefielen ihm so gut, dass er eine Karte der Ortschaften anfertigen wollte. In Big Blue Mill fand er einen antiken Friseurstuhl. Er schraubte den Stuhl ab, holte ihn mit einem Pferdewagen nach Bakersfield und verkaufte ihn dort für 50 US Dollar. Das war damals eine Menge Geld. Daraufhin fuhr er immer wieder die Geisterstädte ab, um nach wertvollen Hinterlassenschaften zu suchen. Er saß manchmal stundenlang in den Häusern und atmete den Staub ein. Trockener Staub. Am liebsten saß er in der alten Bibliothek von Desert Spring. Die Bücher rochen so gut. Wenn er ein Buch aus dem Regal nahm, stieg der Staub auf wie Rauch und kräuselte sich in den Strahlen der heißen Wüstensonne, die durch die Ritzen zwischen den Brettern vor den Fenstern schien. Momente des Glücks, in denen er im Geiste in fremden Ländern weilte und Abenteuer erlebte.

In der Bibliothek von Desert Spring schrieb Sava sein Erstlingswerk "Holzfeuer und Wüstensonne". Das Buch war so erfolgreich, dass er sich vom Erlös einen Bauernhof in Madagaskar kaufen konnte. Er erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Er stellte einige Eingeborene ein und baute Vanille an.

Sava vergaß nie seine Anfänge und baute die verlassene Bibliothek von Desert Spring auf seinem Grundstück in Madagaskar nach. Die Bibliothek beflügelte seine Fantasie und die Abenteuer, die er dort im Geiste erlebte, machten ihn zu einem reichen Mann. Seine Reisebeschreibungen wurden in viele Sprachen übersetzt. In den USA hatte Sava ähnliche Bedeutung wie Karl May in Deutschland. Die beiden trafen sich auch einmal auf einem Schriftstellerkongress, hatten sich aber nicht viel zu sagen, da May kein Englisch sprach und Sava des Deutschen nicht mächtig war.

1923 fuhr Sava auf eine Vortragsreise nach Japan. Seine Presseagentur hatte ihm dazu geraten, da seine Bücher in Japan alle Verkaufsrekorde brachen. Sava kam am 1. September 1923 in Yokohama an und nahm sich ein Zimmer in einem Hotel. Unglücklicherweise zerstörte das Große Kantō-Erdbeben das Hotel in dem Sava wohnte und der Schriftsteller kam dabei um. Ähnlich wie später Elvis und Jim Morrison wurde Philip Sava nachgesagt, dass er gar nicht tot sei, sondern den Beruf gewechselt habe und Parfümeur geworden sei, um seinen Anhängern zu entgehen. Wenn er Parfümeur geworden wäre, würde er die Bibliothek in der Geisterstadt Desert Spring olfaktorisch nachbauen und das Parfum würde riechen wie Memoirs Of A Trespasser.


21.05.2019 17:11 Uhr
20 Auszeichnungen
Dieser Duft wurde zur Erinnerung an die Liebe zwischen Dana El Masris Großeltern gemacht und da sollte ich keine doofen Witze machen. Bei der Hochzeit wollte die Braut das Lied "Liebe ist Feuer" hören. Die Liebe muss dann auch gut gebrannt haben, denn das Parfum riecht, als sei der Ballsaal abgebrannt. "Liebe ist Feuer" klingt so poetisch. Aber dann ist alles voller Rauch und das gute Essen wird zu Kohle. Ich kann mir mindestens einen Parfumo vorstellen, der diesen Duft mögen könnte. Ich mag Nar aber ganz und gar nicht. Es roch zu Beginn so schlimm, ich musste immer unkontrollierbar lachen, wenn ich an meinem Handgelenk geschnüffelt hab. Inzwischen rieche ich aber nur noch geräuchert und gut abgehangen und hab keinen Lachzwang mehr.

Auf der Arbeit geht das nicht, wenn man Feuerwehrmann ist. Ständiger Alarm. Aber Feuerwehrmänner können es nach der Arbeit tragen, wenn sie demonstrieren wollen, wieviel sie gelöscht haben. Es passt zu einem Grillabend, auch wenn man dann vielleicht paranoid wird, weil es riecht, als sei schon alles verbrannt. Lieber nicht in der Sommerhitze im Wald tragen, falls es einen Waldbrand gibt, wird einen jeder für schuldig halten. Aber sonst, wenn man mal lachen möchte, kann man es tragen. Deswegen geht es aber nicht auf der Arbeit, wenn man Bestatter ist.

Man kann das Parfum von Jazmin Saraϊ nur noch in Kanada und den USA bekommen.


19.05.2019 16:40 Uhr
18 Auszeichnungen
Indiana Goutal zog sich den Hut tiefer ins Gesicht und betrat einen kleinen Laden im Souk eines marokkanischen Kaffs. Im Laden war die Luft weihrauchgeschwängert, der Verkäufer wieselte herbei und bat Indiana, doch Platz zu nehmen, damit er ihr die erlesensten Spezereien und Kunsthandwerkstücke zeigen konnte. Die Worte drangen sehr langsam, kratzig und laut unter seinem monumentalen grauen Schnurrbart hervor. Indiana wunderte sich, dass der Mann jemals etwas verkaufte. Sie setzte sich in einen großen alten Ledersessel. Die Weihrauchschwaden wurden dicker, da der Verkäufer (nennen wir ihn Horst Schlemmer) Weihrauch auf ein kleines Kohlebecken warf. "Diesen Weihrauch habe ich aus der Wüste Thar, aus der goldenen Stadt Jaisalmer. Unweit dieser Stadt gibt es zerklüftete Berge und in diesen Bergen gibt es einen Tempel. In diesem Tempel verehren Mitglieder einer seltsamen Sekte einen Fetisch aus Amber (Bernstein). Die Sektenmitglieder stellen kleine Miniaturfetische her und diesen Weihrauch. Sie verkaufen das alles in Jaisalmer und wir bekommen das dann hier mit der Karawane geliefert." Horst zeigte Indiana nun einige der kleinen Amberfetische. Kleine Schmuckstücke in Tierform mit Augen aus Gold, Diamanten oder Smaragden. Indiana begann sich für das Thema zu erwärmen. Sie war an dem großen Amberfetisch interessiert. Dieser Fund würde ihr endlich Ruhm und Anerkennung bringen. Sie kaufte Horst Weihrauch ab, um sich an den Geruch zu gewöhnen, außerdem einen der kleinen Fetische sowie eine Schatzkarte und los ging die Reise nach Rajasthan in Indien.

Indiana Goutal buchte einen Platz in der nächsten Karawane. - Ich spul die Geschichte mal ein bisschen vor: Bösewichter hörten mit und folgten ihr, aber Indiana Goutal haute sie alle um, umging zahlreiche Fallen, verzichtete auf eine Heirat mit einem jugendlichen Prinzen und kam als erste am Tempel an. - Der marmorne Tempel war über und verziert mit Gestalten aus der amberiotischen Mythologie. Indiana folgte den Weihrauchschwaden und fand so den inneren Raum. Das Geruchstraining hatte sich gelohnt. Hinter dem Altar stand eine riesige Statue aus Amber. Sie war verziert mit Diamanten, Gold und Smaragden. Horst Schlemmer hatte nicht gelogen. In dem Innenraum saßen aber auch einige amberiotische Nonnen. Sie sprangen kreischend auf, als Indiana den Raum betrat. Erst wollten sie sich auf sie stürzen und zückten schon gefährlich aussehende Dolche, aber dann stutzten sie, tuschelten, starrten das Götzenbild an und dann Indiana. Da war eine verblüffende Ähnlichkeit. Indiana hatte auf der Reise genug Zeit gehabt Hindi zu lernen und fragte die Nonnen, weshalb sie so komisch glotzten. Die Nonnen erklärten Indiana, sie müsse die prophezeite Parfümeurin sein, die dafür sorgen würde, dass ihr Weihrauch und ihr Amber in der ganzen Welt bekannt würde. Indiana fackelte nicht lange sondern nahm den Posten an und wenn sie nicht gestorben sind, beziehungsweise sogar dann, produzieren sie noch heute Ambre Fétiche.

Der Duft ist von Weihrauch dominiert aber auch sehr harzig ambriert. Die Projektion ist zu Begin sehr stark. Der ganze Raum hat etwas davon. Daher eignet sich Ambre Fétiche auf der Arbeit höchstens für Priester und Priesterinnen. Mir und familiärem Tester M gefällt Ambre Fétiche sehr gut und ich bin sofort Ambriotin geworden.


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