StanzeStanzes Parfumkommentare

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10.11.2019 16:32 Uhr
23 Auszeichnungen
Heute ist ein schöner nebliger Tag. !ktgwquiiii liegt im Garten und lässt sich vom zarten Licht der orangenen Sonne (Pollux) den Wanst grünen. Schon zeigt sich der erste gesunde gelb-grüne Teint. !ktgwquiiii isst eine Smaragdgeode und trinkt dazu ein Tässchen Acetylsalicylsäure. Dann seufzt er (?) zufrieden. Schöner kann das Leben nicht sein.

Vielleicht habe ich hier Glück mit meiner Haut. Der Schimmeleindruck ergibt sich bei mir nur direkt beim Aufsprühen, einen Sekundenbruchteil lang. Familiärer Tester M riecht dann gar nichts, was ich der Synthetik zuschreibe. Auf der Haut riecht es jedenfalls schwach säuerlich mit sehr geringer Sillage. Die Assoziation mit Reinigungsmitteln kann ich nachvollziehen. Trotzdem finde ich den Eindruck eher angenehm. Ging dann mit dem Hund raus und draußen stand ich auf einmal in einer Wolke von dem Zeug. Plötzliche heftige Projektion. Dort kam Peau d'Ailleurs mir eher männlich vor. Wieder im Haus erklärte mir M, dass es definitiv unisex sei. Jetzt konnte er doch etwas riechen. Wunder über Wunder. Insgesamt komme ich mir mit Peau d'Ailleurs vor wie ein Alien. Die Haut, nach der es riecht, ist wirklich von ganz weit weg.

!ktgwquiiii trägt Peau d'Ailleurs vor allem in der wärmeren Jahreshälfte, dann auch täglich. An Tätigkeiten bietet sich das Sternenbad an und der Hausputz. Man kann es bestimmt auch als Astronaut tragen. !ktgwquiiii trägt Peau d'Ailleurs auch bei der Geodenernte und beim Felsenweitwurf. Laut !ktgwquiiii löst Peau d'Ailleurs bei ihm (?) auch romantische Gedanken an Tentakeln unter dem Sternenzelt aus. !ktgwquiiii würde 10 Punkte geben. Ich kann mich dem aber nicht anschließen, bin ich doch nur ein "hässlicher großer Beutel, hauptsächlich mit Wasser gefüllt" (s. Star Trek TNG Ein Planet wehrt sich).


05.11.2019 21:40 Uhr
21 Auszeichnungen
Schon von außen riecht der Flakon nach Indienladen. Ich kenne Indienläden noch von früher aus den 80er Jahren und habe darüber bereits in dem Kommentar zu Karma von Lush berichtet.

Von Dream of India habe ich einen Reiseflakon zum Rollern und damit erreiche ich natürlich nicht die gleiche Intensität, wie beim Sprühen. Die Orange meldet sich relativ kurz zu Wort ("Hallo, ich bins, die Orange. Ich halte mich dann mal im Hintergrund.") dann riecht es direkt an der Haut recht würzig-herbe, vor Allem nach Curry. Es riecht aber auch nach Champaka. Champaka (Magnolia champaca) ist eine Blume, die sich Inderinnen gern einzeln in die Haare stecken. Champaka wird auch in Duft- und Massageölen verwendet und in den beliebten Nag Champa Räucherstäbchen. Da es Curry gar nicht in den Indienläden gab, wird es wohl die Champaka sein, die hauptsächlich für den "Indienladen"-Eindruck verantwortlich ist.

Familäre Testerin Q bestätigt den "Indienladen"-Duft von Dream of India. Sie war dereinst in Indien. In Indien riecht es aber nicht wie in den 80ern im Indienladen sondern nach "32 Venenum". Chai-Tee ist als Duftnote in beiden Düften gelistet, bei Dream of India merke ich nichts davon, vielleicht geht es aber auch im Curry unter.

Wenn kein Curry drin wäre, oder der Curry wesentlich schwächer wäre, könnte man nochmal darüber reden. So ist mir Dream of India aber zu unspaßig, herb, erdig, dröge, curryistisch.

Bei Dream of India ist total offensichtlich, wozu man es benutzt: Wenn man der Besitzer eines Indienladens in den 80ern war, oder wenn man besonders sentimentale Erinnerungen an 80er Jahre Indienläden hat. Wenn man einen Sprühflakon hat, kann man auch eine Indienparty geben, einen Bollywoodfilmabend veranstalten. Mit dem Rollflakon die Wände zu berollern, stelle ich mir aber eher mühselig vor. Vielleicht kann man es auch in die Soße geben.

Witzig finde ich, dass Cuero de Mexico nach modernem Esoterikladen riecht, Dream of India aber nach 80er Jahre Indienladen. Mit Arts&Scents durch die Jahrzehnte der Esoterik reisen. Haben die wohl auch einen Swedenborg-Duft (Läder från Stockholm) oder einen Orakel-Duft (Hallucination of Delphi)? Ich verbleibe in gespannter Erwartung.


03.11.2019 00:36 Uhr
36 Auszeichnungen
Akkale ("Weiße Burg") ist ein Ruinenfeld aus spätrömischer oder byzantinischer Zeit nahe Elaiussa Sebaste in der Südtürkei. Die Sonne knallt auf die Reste eines römischen Amphitheaters. Grillen zirpen und es ist still. Da riecht es nach Zitrusfrüchten und jemand wäscht sich gerade an einem antiken Trog den Stallgeruch mit Rosenseife ab. Ist aber ein schwieriges Unterfangen, der Stall will sich nicht abwaschen lassen. Macht nichts, in Akkale ist nicht so viel los. Da kann man ruhig komisch riechen.

Meine indische Kollegin hat uns allen vor zwei Jahren einen kleinen Rollflakon eklig stinkendes und sehr anhaftendes, orientalisches Zeug aus dem Heimaturlaub mitgebracht. Das hat sie wohl am Flughafen gekauft. Es war auch toll für Muslime, nämlich ohne Alkohol und ich fand das zwar sehr lieb von ihr, musste das Zeug aber draußen in die große Mülltonne schmeißen, weil es so stark stank. Daran hat mich Akkale erinnert. Sooo schlimm sei es aber auch nicht, sagte fam. Tester M, der das Akkale-Ereignis schon von der Zimmertür her roch, als er reinkam und ich saß am Fenster. Ich hab jedenfalls ein Trauma bezüglich protoorientalisch riechenden Düften.

Da ich gut ausgerüstet bin, was Mittel zum Abschrubben von ungeliebten Düften angeht, bekam ich Akkale ab. Das war immerhin ein Trost. Auch in der Hinsicht war es nicht ganz so schlimm, wie das Zeug, das mir die Kollegin mitgebracht hatte.

Irgendwer kann Akkale bestimmt tragen. Ich aber nicht. Zu gar keiner Gelegenheit und in keiner Jahreszeit. Nicht einmal in einer menschenleeren Gegend.


30.10.2019 17:12 Uhr
24 Auszeichnungen
Inciensos ist ein kleiner Esoterikladen in Mexiko. Es gibt dort hauptsächlich Räucherwerk für jeden, der Räucherstäbchen mag. Religiöses Räucherwerk für Hindus, Buddhisten oder Christen. Natürliches oder künstliches Räucherwerk, zur Entspannung oder zur Anregung. Das hat alles nichts mit dem Duft zu tun, ich verorte den Duft genau wie molihuacha in einem Esoterikladen. Das ist alles. Wenn ihr einen Kommentar erwartet, in dem es nur um den Duft geht. Dann geht weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

Geführt wird inciensos von José Fortunato, einem kleinen unscheinbaren Mann mit Halbglatze. Er kennt sich sehr gut mit Räucherwerk aus. Es ist sein Leben. Er raucht auch gern. Jeden Tag kommt Patricia in seinen Laden und schnüffelt an den Packungen der Räucherstäbchen. Manchmal kauft sie auch etwas. Patricia ist schüchtern und blass. Sie ist heimlich in José Fortunato verliebt, traut sich aber nicht, ihm ihre Liebe zu gestehen. José Fortunato raucht zu viel. Er bemerkt nicht, dass Patricia in ihn verliebt ist und außerdem ist es ihm egal. Er schafft es geradeso, mit seinem Laden zu überleben, wenn er unter der Theke noch ein bisschen Spezialräucherwerk verhökert. Eines Tages kam Patricia erst spät am Abend in den Laden. Es gab einen Stromausfall und die beiden standen im Dunkeln herum. José Fortunato hatte ein Feuerzeug in der Tasche. Er nahm es heraus und benutzte es. Da standen die beiden und zwischen ihnen tanzte eine kleine warme Flamme. "Soll ich dich heimbringen?" fragte José Fortunato. Darauf hatte Patricia schon lange gewartet.

molihuacha hat es schon gesagt, Cuero de Mexico riecht wie in einem Esoterikladen. Kein Leder. Der Duft ist nicht unangenehm, ist aber auch nicht richtig parfümig zumal die Projektion nicht sehr stark ist und die Haltbarkeit auf mir ist wirklich sehr schlecht. 500 verschiedene Sorten Räucherstäbchen riechen zusammen so, wenn man sie nicht anzündet. Familiärer Tester M hätte nur maximal 6,5 Punkte vergeben. Ich habe pittoreske wenn auch nicht romantische Erinnerungen, die Esoterikläden betreffen. Daher finde ich 7 Punkte okay.

Cuero de Mexico kann man ganzjährig benutzen, wenn man sich olfaktorisch in einen Esoterikladen transportieren möchte oder wenn man Verkäufer oder Verkäuferin in einem Esoterikladen ist. Der Duft ist fruchtig-harzig. Man wird wahrscheinlich nicht geteert und gefedert aus der Stadt gejagt, wenn man Cuero de Mexico benutzt, aber die Leute werden sich wundern, seit wann man so religiös geworden ist oder ob man zu einer fernöstlichen Religion konvertiert ist. Wenn man sich als Hippie verkleiden möchte, zum Beispiel auf einer Kostümparty, dann eignet sich Cuero de Mexico auch hervorragend. Gibt es eine Alt-68er-Disco? Das wäre dann etwas zum Ausgehen. Aber Sport? Nein. Da fällt mir diesmal gar nichts ein.


12.10.2019 19:06 Uhr
29 Auszeichnungen
Die schöne Francesca wartet auf Paolo in ihrem Boudoir. Sie hat sich für ihn sorgfältig aber unauffällig geschminkt. Sie hat sich das Gesicht gepudert, denn Blässe ist vornehm. Sie hat roten Lippenstift aufgetragen. Sie hat sich Beutelchen mit Gewürzen in das Kleid gesteckt. Sie hat sich einen Kranz aus geflochtenen Nelken auf den Kopf gesetzt. Sie duftet würzig, süß, pudrig und blumig. Sie sieht jung und unschuldig aus, obwohl sie schon fast 30 Jahre alt ist. Durch das kleine spitzbogige Fenster fällt ein Lichtstrahl auf Francesca, sie scheint von innen heraus sanft zu leuchten. Es klopft leise an der geheimen Tür zum Gang nach draußen. Das verabredete Zeichen. Paolo ist da.

Francesca da Rimini (1255-1285) war aus politischen Gründen mit dem behinderten Giovanni Malatesta (gestorben 1305) verheiratet. Wie behindert Giovanni war, weiß ich nicht, aber da er in der Geschichte recht aktiv eingegriffen hat, kann es nicht allzu schlimm gewesen sein. Er hinkte vielleicht. Francesca hatte eine Affäre mit Paolo Malatesta (1246-1285), einem der beiden Brüder von Giovanni. Wahrscheinlich wusste es schon die halbe Stadt bevor Giovanni 1285 die beiden überraschte und tötete. Der Beginn einer Familienfehde und Stoff für Dramen, Opern, Gemälde und Skulpturen. Dante Alighieri (1265-1321) war ein Zeitgenosse und hatte Francesca und Paolo gekannt. In seiner "Göttlichen Komödie" (1307-1321) schrieb er über das Liebespaar.

"Und sie zu mir: 'Wer kennt ein größer Leiden,
Als wer im Elend schönrer Zeit gedenkt?"

Er schrieb, dass sie in der Hölle seien, weil sie schöne Zeiten erlebt hatten. Damit stellte er sie im Gegensatz zu seiner eigenen Person und seiner unerfüllten Liebe zu Beatrice Portinari (1265-1290) dar. Dante hatte nie etwas mit Beatrice. Beide waren mit anderen Personen verheiratet. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass Dante ein bisschen neidisch war. Klar hat die Affäre die beiden Liebenden getötet (und später kam es noch zu einer Racheaktion seitens einem Sohn von Paolo). Aber sie waren vorher glücklich gewesen. Dante war vielleicht nie glücklich gewesen. Was, wenn es keine Hölle gibt? Die Hölle, das sind die Anderen. Oder die Hölle kann man sich auch selbst sein. Beatrice starb schon 1290. War es für Dante vielleicht besser, einen Grund zu erfinden, warum es ihn in die Hölle gebracht hätte, wenn er Beatrice seine Liebe gestanden hätte? Ich geh da jedenfalls nicht mit Dante konform. Schöne Erinnerungen sind im Alter eine vortreffliche Sache.

"Fugit Amor" ist eine Skulptur von Auguste Rodin, die er 1885 entwarf und in den Jahren 1886 bis 1887 fertigte. Sie zeigt Francesca mit ihrem Geliebten und Schwager Paolo als Charaktere in Dantes Werk. Sie sind nackt. Francesca versucht sich aus Paolos Armen zu winden. Der Duft Fugit Amor wiederum ist inspiriert von Rodins Skulptur.

Das Parfum Fugit Amor gefällt mir ausgesprochen gut. Vielleicht bin ich zu alt dafür, aber ich trage es einfach trotzdem. Der Duft ist keineswegs hautnah, kommt aber familiärem Tester M so vor. Ich nehme an, dass da Riechstoffe drin sind, die nicht jeder gleich gut riechen kann. Wir Yatagan in seinem Statement schon werwähnte, ist das vielleicht so ein Frauending..

Man kann Fugit Amor ganzjährig und zu jeder Gelegenheit tragen, außer zum Sport. Wenn wenigstens Paolo sportlicher gewesen wäre, hätte er sich gegen Giovanni wehren können. Wenn Francesca sportlicher gewesen wäre, hätte sie rauslaufen können und um Hilfe schreien. (Was ihr als Ehebrecherin im 13. Jahrhundert zugegebenermaßen nicht unbedingt geholfen hätte.) Der Duft hält ganz gut, genaue Zeiten kann ich noch nicht liefern. Die Sillage ist je nach Nase unterschiedlich. Fugit Amor passt eher zu Francesca als zu Paolo. Für mich ist es ein sehr angenehmer Wohlfühlduft. Ich bin bekanntlich nicht die richtige Ansprechpartnerin für die Frage ob ein Duft sexy ist oder nicht. Das müsstet ihr also selbst herausfinden.


21.09.2019 18:15 Uhr
21 Auszeichnungen
24. Mai 1899. Die Oper Cendrillon von Massenet wird in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. Cendrillon ist eine Märchenoper, das Märchen ist Aschenputtel. Es gehen aber trotzdem Erwachsene in die Oper. Es gibt auch Ballettszenen und insgesamt ist es ja vielleicht ein romantisches Thema, wenn man romantisch veranlagt ist. (Die Autorin dieses Kommentars ist so romantisch wie ein Holzhammer.)

(Laut der offiziellen Webseite:) In der Pause treffen sich sieben junge Männer (da Märchen involviert sind, müssen es sieben sein) im Foyer, um Bräute abzugreifen. Damals gab es keine Clubs, Discos oder Ähnliches und auch Tinder, Adopte un mec oder sowas gab es noch nicht. Natürlich werden diverse junge Frauen sofort von dem frisch-grünen Duft der Gardenien in den Rockaufschlägen der jungen Männer angezogen. Das Axe des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als die Damen näherkommen, verströmen die Knopflochblumen (Übersetzung für Boutonnière) ihren elegant-maskulinen Duft.

Was die Marketing-Abteilung sich da wieder zusammengesponnen hat. Da muss ich an meinen momentanen Schüler denken, der sagt: "4711 kenne ich nicht, ich bin 1993 geboren." (Pech für ihn. 4711 ist eine tolle Gedächtnisstütze für die durchschnittliche Größe der Niere eines Erwachsenen.) Ich hätte zu diesem Trupp von Gardenienmännern gesagt: "gibt es hier keinen Mann mit Nelke?"

Boutonnière (Knopflochblume) startet sehr schön mit einem Zitrus-Lavendel-Akkord. Der ist so toll, dass ich mir etwas abfüllen ließ. Schon auf dem Weg nach draußen wandelte sich der Duft aber dramatisch. Der Startlavendel ist leicht minzig und wenn es so weitergegangen wäre, würde ich das Zeug sofort kaufen wollen. Die Gardenie beherrscht die Herznote. Das ist ein bisschen wie ein Geschlechterwechsel, die Herren mit der Knopflochblume werden zu Damen. Das kann man ja machen, aber elegant-männlich ist das eher nicht. Es ist eine schöne Gardenie, nicht zu indolisch. Ich bin da empfindlich. Aber es ist auch eine langweilige Gardenie. Die Gardenie bleibt über längere Zeit vorherrschend und nach 1-2 Stunden stellte ich fest, dass mein Handgelenk plötzlich nach einem generischen Vetiver-Duschgel Männerzeugs roch. Haben wir uns wieder umorientiert? Der Vetiver-Duschgel-Duft passt besser zu mir als die Gardenie, war aber auch langweilig und schon zu oft gerochen. Nach 7 Stunden war die Knopflochblume verwelkt.

Ich finde es gefährlich, zu sagen, wer diese Knopflochblume tragen kann. Sie eignet sich jedenfalls total gut zum Cross-Dressing. Knopflochblume übersteht eine Opernaufführung und würde auch die Leute im Nebensitz nicht stören. Ansonsten ist die Sillage zum Ausgehen eher zu schwach. Auf meiner Arbeitsstelle könnte ich Knopflochblume gar nicht tragen. In der Gardenienphase würden die Patienten sich beschweren, in der Vetiver-Duschgelphase meine Kolleginnen. Es gibt aber bestimmt Arbeitsplätze an denen einem niemand näherkommt und da kann man eh alles tragen. Auf einer Ölbohrplattform zum Beispiel.

Nachtrag: Fast vergessen, dass Bibergeil drin sein soll. Das darf man auch nicht erwähnen. Die Herstellerfirma ist amerikanisch. Riechen kann ich das Bibergeil jedenfalls nicht. Das würde mich auch stören.


12.09.2019 21:30 Uhr
30 Auszeichnungen
Letztes Jahr verstarb ein alter Freund der schon in jungen Jahren an Krebs erkrankt war, nennen wir ihn B.

Eine deutsche Großstadt in den 90ern. B. wohnte in einer Wohngemeinschaft mit seinem Geschäftsfreund. Die Wohnung war groß. Eine ganze Etage hoch über einer Hauptverkehrsader in einem Ballungsgebiet. Der Geschäftsfreund hatte eine Frau gefunden, heiratete und zog aus. Ein neuer Mitbewohner musste her. Der neue Mitbewohner wirkte nicht einmal besonders furchteinflößend. Er sah nicht gerade gut aus. Aknenarben entstellten seine groben Gesichtszüge. Ich kannte ihn nicht näher und wusste nichts über ihn. Er war immer höflich. Dann feierte B. seinen 30. Geburtstag und die Wohnung war voller Freunde des neuen Mitbewohners. Eine seltsame Stimmung. Natürlich tranken die Leute alkoholische Getränke aber niemand wurde laut, niemand war betrunken. Abgesehen von leiser Musik und intimen Gesprächen war es ungewöhnlich still. Die Männer sahen alle ernst aus. Dunkel, und da meine ich nicht die Hautfarbe. Geheimnisvoll. Gebremster Schaum quasi. Zu den Männern gehörten keine Frauen, das hatte aber nichts mit ihrer sexuellen Einstellung zu tun. Es war eine Art Arbeitstreffen. Es wurde auch gekifft. Rauch lag in der Luft und der Geruch von starken alkoholischen Getränken. Man konsumierte gewiss auch weißes Pulver, aber davon habe ich nichts mitbekommen.

Später stellte sich heraus, dass der neue Mitbewohner schon länger von der Polizei observiert wurde. Und während wir den Geburtstag feierten, wurden wir die ganze Zeit von der anderen Seite der größeren Verkehrsader mit Kameras überwacht. In einem Hinterzimmer lagerte der neue Mitbewohner einen Koffer mit teuren, illegalen Dingen. Und natürlich Geld.

B. klagte den neuen Mitbewohner dann irgendwie raus. Später zog B ins Ausland.

Daran erinnert mich Midnight With The Mobster. Wahnsinnig tolles Zeug, das von sich behauptet ein Dupe von Rojas Enigma pour Homme zu sein. Enigma pour Homme ist bestimmt gräßlich teuer. Midnight With The Mobster ist wahrscheinlich ziemlich ähnlich geraten und ist dementsprechend ausverkauft. Dafür wäre ich sogar zum Zoll gewandert.

Ich rieche bei Midnight With The Mobster besonders die holzig-harzigen Anteile stark heraus. Neroli und Jasmin spielen wenn überhaupt nur eine Nebenrolle. Patchouli, Benzoe, Tabak und Cognac geben hingegen alles und Vanille spendet anheimelnde Süße.

Man kann Midnight With The Mobster auch als rechtschaffener Bürger tragen. Selbst wenn man überhaupt keinen Gangster kennt. Männlein und Weiblein können Midnight With The Mobster gleichermaßen tragen. Die kalte Jahreshälfte ist zu bevorzugen, aber man kann Midnight With The Mobster wahrscheinlich ganzjährig tragen, wenn man möchte. Zur Arbeit eignet es sich nicht nur, wenn man kriminell ist. Wahrscheinlich ist die Haltbarkeit und Sillage nicht ganz so heftig wie beim Original. Um so besser. Falls ihr es schafft, an Midnight With The Mobster heranzukommen. Gönnt es euch ruhig. James Cagneys und Humphrey Bogarts Geist wird über euch wachen.


05.09.2019 15:23 Uhr
32 Auszeichnungen
In seinem neuesten Fall muss Sherlock Holmes den gemeinen Blumendieb Ron Wieboriarty zur Strecke bringen. Wieboriarty hat Fußspuren auf der Veranda von Irene Adler hinterlassen. Interessanterweise mit Erde, die nicht aus Frau Adlers Garten stammt. Woher stammt die Erde nur? Um das zu erfahren gräbt sich Holmes durch die Gärten Londons. An den Knien trägt er Hosenschoner aus Leder. Im 5. Garten verliert Holmes seine Pfeife. Im 10. Garten beschädigt er Blumenbeete. Im 15. Garten muss er sich mit Karamellbonbons stärken. Wird der berühmte Detektiv den Erzgauner Wieboriarty finden oder findet Wieboriarty ihn??

Ron Wiebe ist der Parfümeur. Das ist sein Signaturduft. Er riecht also nach Erde, Leder, Tabak, Blumen und Süßkram. Die Erdduftnote ist die gleiche, die auch in Summer Storm eingesetzt wird. Nur dort macht sie Sinn. Bei Sherlock eher nicht. Holmes ist nicht für seine Gartenarbeit bekannt. Zudem ist die Erdnote über eine Stunde lang sehr stark. Ich trage momentan Sherlock und rannte gerade auf die Straße, weil bei den Nachbarn Drama war. In Städten gibt es keine Privatsphäre. (In London also auch nicht.) Die Nachbarn haben sich nicht beschwert, dass ich stinke, waren aber auch sehr mit sich selbst beschäftigt.

Die Sillage ist moderat. Der Duft hält etwa 8 Stunden bei mir, wird in der Basis aber irgendwann harmlos seifig-blumig. Es macht für mich ganzjährig wenig Sinn, Sherlock zu tragen. Mir fallen außerdem wesentlich weniger Einsatzmöglichkeiten ein, als bei Summer Storm.

Sherlock riecht, als wohne ein normaler Mensch (unisex) dauerhaft in einem ungelüfteten Kartoffelkeller. Der Mensch hat ein normales Leben, er isst Süßkram und hat eine Lederjacke. Er benutzt ein sehr dezentes blumiges Parfum und raucht ab und zu. Er wird den Kartoffelkellergeruch aber niemals los. Das ist doch schrecklich!

Man kann Sherlock als Totengräber auf der Arbeit tragen. Man kann es auch täglich tragen, falls man wirklich in einem dunklen ungelüfteten Kohlenkeller wohnt. Vielleicht wohnt Herr Wiebe ja so. Zum Ausgehen eignet Sherlock sich eher nicht, außer man geht zu Treffen der Anonymen Kartoffelkellerbewohner.


01.09.2019 01:35 Uhr
31 Auszeichnungen
Es war Mitternacht. Eine warme Sommernacht. Alice hielt an der Tankstelle. Sie stieg vom Motorrad, nahm den Helm ab und schwenkte ihr langes, blondes Haar in Zeitlupe. Sie hatte Beine bis zum Boden und selbige kamen in der hautengen Lederkluft besonders gut zur Geltung. Während sie tankte, explodierte in der Nähe ein amerikanisches Auto (in Filmen explodieren die auch immer). Der Geruch von Rauch vermischt mit Motoröl und Teer gesellte sich zum Geruch des Benzins, das sie gerade tankte. Dann sah sie einen weißen Hirsch, der in einem Smart in einen Gully fuhr. Das kam ihr seltsam vor, denn ein Hirsch passt normalerweise nicht in einen Smart. Sie bezahlte das Benzin. Der Kassierer starrte sie an. Dabei war der Hirsch viel seltsamer gewesen (fand sie).

Alice stieg auf ihre Maschine und ließ sie an. Der Motor blubberte satt. Sie fuhr los in den Gully und verfolgte den weißen Hirsch. Glücklicherweise erwies sich das Innere des Gullys als deutlich größer, als man das so von Gullys erwartet. Alice landete in einem Irrgarten mit vielen Ampeln, die alle auf Rot standen. Da stand der Smart, daneben der weiße Hirsch, der den Daumen raushielt, beziehungsweise den Huf. Alice hielt an.

"Wie heißt du?", fragte Alice den Hirsch mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme. Der blieb aber ganz lässig und röhrte. (Hirsche können halt nicht sprechen, was habt ihr erwartet.) Der Hirsch gestikulierte wild und zeigte auf eine Tür, die sich langsam aber sicher näherte. Darauf stand: "Lederland".

Alice konnte einer Gelegenheit zum Einkaufen von Klamotten selten widerstehen. Sie öffnete die Tür und trat ein. Drinnen war alles mit Leder ausgekleidet. Es gab Ledermöbel, Lederlampen, Lederkleidung, Lederbrillen und Lederparfum. Der Hirsch entpuppte sich als Verkäufer und hielt Alice diverse scharfe Klamotten hin. Sie wollte aber nur das Lederparfum im Lederflakon. Der Hirsch hielt diverse Lederschilder hoch (da er nicht sprechen konnte, was für einen Verkäufer eine schwierige Situation ist). Darauf stand: "Lederparfum ist aber nur für besonders männliche Männer." Da lachte Alice und dieselte sich ordentlich ein. Da roch ganz Lederland nach Alice und aus einem Hinterzimmer kam eine Horde Lederspielkarten als Rausschmeißer und Alice wachte auf.

Sie hatte drei Stunden geschlafen. An ihrem Handgelenk konnte sie noch einen sehr schönen aber schwachen Duft von Weihrauch und Synthetik ausmachen.

Fazit: Midnight Stag ist nichts für Leute mit schwachen Nerven. Entgegen der offiziellen Webseite bin ich aber der Meinung, dass es unisex ist. Wer verrückt genug ist, es zu tragen, könnte auch eine Frau sein. Kopf- und Herznote sind eine Kakophonie heftigsten Leders mit einer ordentlichen Menge Motoröl, Benzin und meinetwegen auch Waffenreiniger. Alles ist umwabert von einer großen Wolke Rauch. Die Basis (nach etwa anderthalb Stunden) ist sehr zart, wunderschön und besteht hauptsächlich aus Weihrauch. Dafür lohnt es sich vielleicht, die Probe zu behalten. Familiärer Tester M widerspricht dem aber und meint, Midnight Stag sei nur gut, falls man erkältet ist und sich die Nase freipusten möchte. Man kann Midnight Stag in jeder Jahreszeit nur tragen, wenn man ein bisschen verrückt ist und sollte seine Mitmenschen erst nach mindestens einer Stunde damit behelligen. Ich fands aber insgesamt ein schönes Erlebnis.


27.08.2019 18:17 Uhr
35 Auszeichnungen
Das Stanz machte sich also mal wieder auf zum Blocksberg. Den zünftigen Hexenhut auf dem Kopf, mit kleinen Spiegeln, um vorbeiziehende Vögel abzulenken. Man will ja nicht zusammenkrachen. Bekleidet mit dem schwarzen Zipfelkleid und die guten Stahlkappenstiefel an den Füßen. Rechtzeitig zum Ereignis war ein neuer Duft mit der Hexenpost aus Seattle eingetroffen. Witchmusk. Hexenmoschus. Das klingt doch verführerisch. Zudem ist Ginster drin und aus Ginster, auch bekannt als Besenginster, Besenstrauch, Besenkraut usw, machen Hexen ihre schönen Besen. Leider gibt es da keine Manufakturen, wie in den Harry Potter-Romanen. Hexen müssen das alles selbst machen. Das Stanz dieselte sich also komplett mit Witchmusk ein. Es roch vanillig und nach getrockneten Strohblumen. Komisch. Das soll so verrucht sein? Macht nichts, ab auf den Besen und los gings.

Auf dem Blocksberg war der Hexensabbat schon im vollen Gange. Man trank Zaubertränke mit lustigen Nebenwirkungen, tanzte sich Löcher in die Schuhsohlen und war allgemein recht guter Dinge. Es roch allenthalben nach Ziegenstall (3.1 Arabian Horse), Knoblauchschweiß mit Autoabgasen und Slime (Mortal Skin), sowie diversen Körperflüssigkeiten (Sécrétions Magnifiques) und natürlich Indol und Skatol. Das Stanz stand dann nach einer wilden Orgie mit einem Hexenmeister an der Theke und er sagte: "Du hast ja gar kein Parfum drauf heute." Stanz fiel fast in Ohnmacht, Witchmusk war sündhaft teuer gewesen. Sie ließ den bösen Mann an ihrem Ausschnitt schnüffeln. "Das erinnert mich an meine Oma", sagte der darauf: "die konnte so gut backen und hat immer Kränze aus Strohblumen geflochten". Und mit einem Plopp verschwanden seine Hörner, auf die er so lange mit bösen Taten gespart hatte. Als er das bemerkte, schrie er auf und verfluchte das Stanz, woraufhin die Hörner wieder mit einem Plopp auf dem Kopf erschienen. "Puh", sagte er dann angewidert: "was ist das denn für Zeug? Das ist ja total nett." Da schämte sich das Stanz doch sehr, weil es so lieb und harmlos roch.

Epilog: Witchmusk kann wirklich nur von guten Hexen getragen werden. Man blamiert sich sonst vor den ganzen orgiastischen Bösewichtern und mit der Teufelsbuhlschaft wirds auch nichts. Otto Normalverbraucher kann es zu jeglichem Anlass tragen, außer zum Ausgehen, denn die Sillage ist sehr moderat. Wenn man sein Fläschchen Witchmusk in die Flammen gießt, was nur ein Bekloppter tun würde, da es sehr teuer ist, bekommt man als Hexe außerdem ein Problem, denn wenn man Ginster verbrennt, dann ist das für Hexen wie Kryptonit für Supermann. Also Vorsicht!


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