StenLaurel
StenLaurels Blog
vor 12 Tagen - 12.02.2024
12 20

Die Nase (Teil III der Auster)

Eigentlich hatte ich abgeschlossen. Also mit der Auster. Wurde schon gefragt, ob mich die Bloggeritis heimgesucht habe. Bloggeritis ist wie Corona, kommt einfach. Andere haben Sammelitis. Beides ist heilbar. Jedenfalls theoretisch. Ich stecke noch drin. Drin in der Bloggeritis. Und ich hatte ein Erlebnis. Und das muss ich teilen. Die Auster hat nämlich einen Abschluss gefunden. Deshalb gibt es jetzt Teil III, das Ende.

Es fing damit an, dass meine Frau nachhause kam. Spät. Viel zu spät. Ich bin sauer. Kein Abendessen. Weder im Restaurant noch überhaupt. Männer sind da doof dran, Frau nicht da, nix zu essen. Selbermachen, klar, kann man, die kompliziertesten technischen Sachen. Oder schreiben, Blogs schreiben. Aber Abendessen stellt den Mann vor ein unlösbares Problem. Aber lassen wir das, das hat die Natur so vorgesehen.
Ich gucke Tatort, habe die Hälfte verpasst, man glaubt gar nicht, wie eine Frau, die nachhause kommt, stören kann. Stören beim Tatort.
Mache gute Mine zum Spiel, halte ihr mein Versöhnungshandgelenk unter die Nase: "Riechst Du das?" "Ja, riecht nicht unangenehm aber auch nicht besonders doll."
Ich gehe ins Arbeitszimmer. "Moment, ich sprühe nochmal nach!" Der Tatort dümpelt vor sich hin. Bettszene mit der Kommissarin. Das wird sowieso nix, das ist vorhersehbar. Da kann man schonmal nachsprühen gehen.
Ziemlich ölig, was ich da auf der Hand habe. Habe nicht gegeizt. Rieche aber auch nicht mehr als vorher, die Frau zuckt mit den Schultern, "Ja, riecht jetzt mehr aber nicht penetrant, im Raum selbst riecht man nichts davon. Ich geh mal raus und komme wieder rein."
Draussen sind 6° Plus, es nieselt. Frische, gereinigte Luft. Sie kommt rein, nix. Ganz leichter Duft, kaum wahrzunehmen, meint sie.

Nach dem Neuseeland Krimi gehen wir zusammen ins Bett. Zum Schlafen natürlich, nicht zum Beischlafen. Mitten in der Nacht wache ich auf. Ein Monster hat mich geweckt. Monster wohnen nicht unterm Bett. Monster wohnen in Parfumflaschen. Eins ist ausgebrochen. Sitzt auf meiner Hand, streckt mir die Zunge aus. Ich rieche das Parfum! Spiele mit dem Gedanken, Kopfschmerzen zu bekommen. Klappt nicht, schlafe wieder ein. Das Monster gibt nicht auf, weckt mich erneut. Boahhh … was ist das? Kein Zweifel, meine Hand duftet. Offenbar war das Nachsprühen eine tödliche Dosis. Tödlich für meine Nase. Ich rieche wieder an der Hand. Ich rieche nichts. Kein Parfum, kein Monster. Liege im Bett, den Arm weit von mir gestreckt. Kann nicht mehr einschlafen. Irgendwann steigt mir ein Geruch in die Nase. Ein Geruch, den ich schon kenne. Das Monster! Ich rieche an der Hand. Puhh… nicht auszuhalten, was für ein aufdringlicher Geruch. Und nein, ich träume nicht. Ich bin hellwach, rieche ein zweites Mal an der Hand. Nix, ich rieche nix. Das kann alles nicht wahr sein. Und doch, es ist wahr. Es ist meine Nase. Die ist sofort beleidigt. Ein bisschen Parfümnebel vom Grand Soir eingeatmet, und sie schaltet auf beleidigt, schaltet ab, blendet diesen Geruch aus, kann ihn nicht leiden.
Im Bett liege ich quer, also horizontal. Manche schlafen im Sitzen oder im Stehen, aber ich bin ja kein Astronaut. Und wenn ich liege, ist die Hand entweder unter dem Kopf oder ganz weit weg. Und bei ganz weit weg sagt die Nase, Geil, ich kann mich erholen. Bis sie merkt, dass das Monster gar nicht weg ist, nur eben weiter entfernt. Simst an das Gehirn, "Los, weck ihn auf, ich fürchte mich!"
Ich nehme erneut einen tiefen Zug. Ja, er ist wieder da. Der Duft. Und wie! Mir wird fast schwummerig, kann das nicht glauben. Nehme noch einen Zug, nix. Ich rieche nix. Gucke in den Spiegel überm Bett und sehe meine Nase. Sie zeigt mir den Mittelfinger.

12 Antworten

Weitere Artikel von StenLaurel