SvenScentSvenScents Parfumkommentare

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SvenScent vor 2 Monaten 11
9.5
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
9
Flakon

Einerlei, Black Orchid bleibt Black Orchid!

Da es sich beim Black Orchid Eau de Parfum um einen meiner absoluten Lieblingsdüfte handelt und ich dessen Rezeption anhaltend verfolgt habe, weiß ich nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen Duftenthusiasten, dass auf die Veröffentlichung der Parfumvariante ziemlich gespannt gewartet wurde.

Weil ich aus diesem Grunde denke, dass ein gesteigertes Interesse auch an einem Vergleich der beiden bestehen könnte, und weil ein Statement einem zu diesem Vorhaben einfach zu wenige Zeichen bietet, möchte ich hier in geraffter und stichwortartiger Form mein vor einiger Zeit abgegebenes Statement konkretisieren. Meine Eindrücke basieren hierbei auf einem Solo-Trage-Tag des neuen Parfums sowie einem direkten Arm-Arm-Vergleich des Eau de Parfums mit dem Parfum. Das EdT bleibt hier außen vor, da ich es einerseits nicht so gut kenne; und es sich andererseits ja eigentlich sowieso nur in der Duftkonzentration vom EdP unterscheidet.

Der Kopf der neuen Parfumversion kommt recht schokoladig daher. War Schokolade auch beim EdP schon ein Akkord, den viele Benutzer (ich weniger) wahrnahmen, so kommt diese Note in der Eröffnung des Parfums jetzt deutlich zur Geltung. Das Opening beim EdP finde ich hingegen merklich dunkler, trüffliger, erdiger, ja dreckiger.
Auch das Herz des neuen Parfums ist etwas runder, blumiger, balsamischer, fruchtiger, wobei zu letzterem auch die neu hinzugefügte Pflaumennote beiträgt. Je mehr sich der Drydown dann setzt, desto ähnlicher werden sich beide Varianten dann auch, so dass sie mit der Dauer letztlich eigentlich nicht mehr unterscheidbar sind.
Enttäuschend finde ich den Auftritt des Rums im neuen Parfum. Diesen kann man erst spät im Drydown ein ganz klein wenig erahnen. Hier hatte ich mir doch deutlich mehr versprochen, denn diese Rumnote hätte dem Orchid Parfum meines Erachtens einen gewissen Twist geben, das gewisse Etwas verleihen können, welches ihn zu etwas Besonderem gemacht und seine Anschaffung zwingend notwendig gemacht hätte.

Was die Performance angeht, nehmen sich die beiden Varianten kaum etwas. Die Sillage nehme ich bei beiden gleich stark wahr - sie sind also beide Sillagemonster - und bei der Haltbarkeit hat das Parfum vielleicht minimale Vorteile, mehr nicht.

Unterm Strich handelt es sich - und dies sei mit Nachdruck festgehalten - bei beiden Varianten um beeindruckende Düfte, einzig und großartig, der eine wie der andere! Schließlich sind es mehr Nuancen als wirklich frappante Unterschiede, die die beiden unterscheiden.

Angemerkt sei zum Abschluss noch: Obschon Black Orchid in der neuen Version erstmals unisex vermarktet wirkt, halte ich das alte Eau de Parfum letztlich sogar doch für das maskulinere der beiden, denn es ist insbesondere zu Beginn des Verlaufs der kantigere und rauere Duft.

3 Antworten

SvenScent vor 3 Monaten 3
7
Duft
6
Haltbarkeit
4
Sillage
7
Flakon

Dolce & Gabbana The One Light Eau Fraîche


Bei Cordovan handelt es sich um einen Duft des kalifornischen Modelabels Banana Republic, das in den letzten Jahren insbesondere durch die sehr gelungenen ICON-Reihe von sich reden machte. Der Name des Parfums erschließt sich mir allerdings nicht, ist doch Cordovan meines Wissens eine Lederart. Doch von einem Lederduft hat Cordovan, wenn auch hier gelistet, kaum etwas...

Als ich Cordovan - den ich, aufmerksam geworden durch eine Videorezension, (günstig) als Blindbuy erstand - das erste Mal auflegte, kam mir diese DNA gar seltsam bekannt vor. Zunächst konnte ich für mich allerdings nicht klären, woran mich der Duft erinnerte. Es musste ein bekannter, frischer, fruchtiger, aquatischer Duft sein. Acqua Di Gio? Nein. D&G Light Blue? Nein. Bleu de Chanel? Nein. Hm. Bis ich dann merkte, ich war auf der falschen Schiene unterwegs; es war Dolce & Gabbanas The One, an welches ich mich erinnert fühlte. Und zwar The One, wenn man sich dessen Tabaknote einfach wegdenkt...

Ja, man kann sagen, Cordovan ist ein luftig-leichtes The One für den Frühlings- oder Sommertag. Es eröffnet sehr schön zitrisch-frisch und fruchtig. Die fruchtige Komponente legt sich alsbald, während die um florale, um grüne und holzige Noten bereicherte Frische erhalten bleibt, zu der sich ganz hintergründig im Drydown dann auch etwas Leder gesellt. Ähnlich wie bei Bleu de Chanel hat man deshalb, obzwar man denkt, der Duft sei schon längst und nur allzu schnell verflogen, noch lange das Gefühl von anhaltender Frische. So ist meines Erachtens denn auch mehr die mangelhafte Sillage als die Haltbarkeit die Achillesferse dieses Parfums, denn nach kurzer Zeit spielt sich doch alles relativ hautnah ab.

Der Flakon (und die Umverpackung) sieht übrigens leider nicht mehr so edel aus wie auf dem offiziellen Parfumo-Fotos, sondern so wie unten auf den von Ernie geschossenen. Aber der klare Glasflakon charakterisiert das Parfum auch besser als der braune bzw. halb-braune, ist es doch eher sehr leicht und transparent als braun, dunkel, holzig, ledern und schwer...

SvenScent vor 4 Monaten 4
7
Duft
9
Haltbarkeit
10
Sillage
9
Flakon

Zu viel Schwulst und Karamell!

Midnight Oud ist ein orientalischer Duft, der trotz Oud und Weihrauch doch eher sehr sanft und süßlich daherkommt. Im Vergleich zu 'Oud Mood' von Lataffa etwa (ähnlicher Duft, ähnliche Herkunft, selbe Preisklasse), welchen ich ebenfalls besitze, ist Midnight Oud deutlich schwülstiger und hat weniger Ecken und Kanten, von Animalik ganz zu schweigen. Am meisten stört mich die süßlich-cremige Karamellnote, die sich durch den gesamten Duftverlauf zieht. Diese gibt dem ganzen Duft einen fast schon kindlichen Charakter und wird irgendwann zu penetrant, wie ich finde. Weihrauch, Leder und Oud empfinde ich hingegen als sehr zurückhaltend, so dass ich das Parfum eindeutig mehr auf der weiblichen Seite verorten möchte.

Die Haltbarkeit und Sillage ist, wie man es von einem orientalischen Duft auch erwartet, extrem gut.
Doch auch wenn Midnight Oud als Geheimtip gehandelt wird und als brauchbare Alternative zum Amouage Interlude gilt, konnte mich der Duft leider nicht ganz überzeugen. Als Mann würde ich auf jeden Fall lieber zu 'Oud Mood' von Lataffa greifen. Jener weist zwar ebenfalls einen Karamellakkord auf, allerdings wesentlich rauchiger, maskuliner und weniger aufdringlich.

Nachtrag:
Mittlerweile habe ich auch beide Amouage Interlude gerochen, und kann nur sagen, dass Midnight Oud wirklich fast eine 1:1 Kopie ist. Ich kenne eigentlich bislang keinen 'Clone' eines Duftes, der dem Original derart nahe kommt. Und dies wohlgemerkt zu einem Bruchteil des Preises.
5 Antworten

SvenScent vor 4 Monaten 13
9.5
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
10
Flakon

Nicht von dieser Welt...!

Black Orchid von Tom Ford ist schlichtweg ein Ereignis, überwältigend! Es gibt kein Parfum, das mich derart umgehauen hat wie dieses. Ich kann diesen Duft weder in Worte fassen, noch in seine Bestandteile zerlegen, wie ich es sonst gern tue. Deshalb versuche ich es hier auch gar nicht erst. Er ist ein Paradebeispiel dafür, was man mit Duftingridenzien anstellen und wie man daraus ein ganzes Kunstwerk erschaffen kann. Ich lege ihn auf, bin sprachlos über diese Duftfülle, die mich im Nu in ihren Bann zieht. Dieser Duft ist so tief, so opulent, so sinnlich, ja, wortwörtlich atemberaubend.

Er hält beinahe ewig und seine Sillage ist enorm. Ich rieche ihn über Meter. Und es ist mir vollkommen unverständlich, weshalb hier bei Parfumo manch schnöder 08/15-Duft locker die 8er Grenze in der Benotung nimmt, dieser jedoch nicht. Wahrscheinlich polarisiert er zu sehr...!?

Es gibt vielleicht ein, zwei Düfte, die ich, müsste ich mich entscheiden, eher auswählen würde, wenn es darum ginge den Duft fürs (restliche) Leben zu wählen, weil sie vielseitiger und undogmatischer sind, aber es gibt nur dieses eine Parfum, dessen Dufterlebnis ich niemals vergessen werde und das ich mit ins Grab nehmen würde.


Song: The Mission - 'Love me to death (my flower)' [1986]
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SvenScent vor 4 Monaten 20
9.5
Duft
7
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Traumhaft bei Tag und Nacht

Ich kann mich meinem Vorkommentator nur anschließen: Dieser Duft ist warm, er ist sinnlich, er ist schön, nein, er ist wunderschön, ja, er ist traumhaft!

Es ist - wie eigentlich immer bei Tom Ford-Parfums - sehr schwer den Duft in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen, weil sie dermaßen well-blended sind, so auch hier.

Schon das fruchtig-würzige Opening ist an Sinnlichkeit kaum zu überbieten. Eine wahre Explosion an Eindrücken und Würzaromen. Hier kommt auch bereits das Sandelholz zum Vorschein, das dem gesamten Duftverlauf eine gewisse Cremigkeit und Stabilität verleiht.

Und dann dieses Herz!?! Ich weiß nicht, ob überhaupt jemand jemals dieses Kulfi gerochen hat. Für nicht Eingeweihte wie mich entsteht hier im Herzen einfach eine neue Duftnote, ein gänzlich neuer Akkord. Ich könnte nicht mal sagen, woran es mich erinnert, denn ich kenne nichts Vergleichbares. Es ist süß, aber nicht zu süß, es ist fruchtig, aber nur ganz leicht, und es wirkt zusammen mit den floralen Noten frisch und elegant.

In der Basis setzt sich dann nach einiger Zeit stärker die Vanille durch. Doch selbst diese ist keine schnöde Vanille, wie in den hautnahen Drydowns manch anderer Parfums, sondern ist leicht ambriert, wunderbar cremig und trägt all die Würze des bisherigen Verlaufs wohlgebettet weiterhin in sich.

Ich würde den Duft insgesamt eher als würzig-orientalisch denn als gourmandig charakterisieren, aber es bleibt jedem selbst überlassen, was er so zu sich nimmt... Von vielen anderen Orientalen setzt er sich aber dadurch ab, dass er immer eine gewisse Transparenz behält und nie süßlich, schwülstig oder überladen wirkt. Außerdem finde ich, es ist ein Parfum, was sich eigentlich immer tragen lässt: morgens, mittags, abends, nachts, des frühlings, sommers, herbstes und winters. Für diesen Typus Duft doch recht ungewöhnlich.

Zu kritisieren wäre einzig die Performance, denn diese wäre noch ausbaufähig gewesen. Noir Extreme fängt sehr stark an, lässt aber irgendwann auch sehr stark nach. Meines Erachtens doch etwas zu schnell für ein Parfum dieser Art.

Und zu guter Letzt sei angemerkt: Ich habe mich tatsächlich dabei erwischt, diesen wunderbaren Duft einfach nur zum Schlafen aufzulegen. Dekadent - ich weiß ... aber traumhaft!
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