The Clone Files No.1: Creed Aventus vs. The Essence Vault No. 199. Ist das Original seinen Preis wirklich wert?
Für die volle Transparenz:
Dieser Vergleich entstand vollkommen unabhängig. Beide Düfte wurden von mir selbst erworben. Es besteht keinerlei geschäftliche Beziehung zu den genannten Herstellern, und ich habe weder finanzielle noch materielle Gegenleistungen erhalten. Die Hersteller werden ausschließlich genannt, damit interessierte Leser den Vergleich nachvollziehen und bei Bedarf selbst reproduzieren können. Sämtliche Einschätzungen beruhen ausschließlich auf meinen eigenen Tests.
Kaum ein Herrenduft genießt einen derart legendären Ruf wie Creed Aventus. Gleichzeitig gibt es wohl keinen anderen Duft, der so häufig kopiert wurde. Die spannende Frage lautet daher nicht, ob Aventus ein guter Duft ist – das steht für mich außer Frage. Interessanter ist vielmehr, ob der enorme Preisunterschied zum Original im Alltag tatsächlich wahrnehmbar ist.
Für den Auftakt meiner Reihe The Clone Files habe ich deshalb Creed Aventus direkt mit The Essence Vault No. 199 verglichen. Beide Düfte wurden zeitgleich auf Teststreifen und Haut aufgetragen, ihre Entwicklung über zwei Stunden beobachtet und anschließend einem Blindtest unterzogen.
Schon die ersten Sekunden hielten eine Überraschung bereit.
Ausgerechnet in der Eröffnung, also dort, wo sich beide Düfte am stärksten unterscheiden, gefiel mir der Klon zunächst sogar etwas besser. Beide starten mit einer recht kräftigen, beinahe scharf wirkenden Frische, doch während Creed in den ersten Augenblicken etwas kantig erschien, wirkte The Essence Vault No. 199 einen Hauch gefälliger.
Zum Glück endet ein Duft nicht nach dreißig Sekunden.
Bereits nach wenigen Minuten begann Aventus, seine eigentlichen Stärken auszuspielen. Die anfängliche Schärfe legte sich, die Komposition wirkte runder und harmonischer, einzelne Duftbestandteile ließen sich klarer wahrnehmen und das Gesamtbild gewann spürbar an Eleganz.
Genau hier zeigte sich der größte Unterschied zwischen beiden Düften.
Während Aventus im weiteren Verlauf an Tiefe gewann, blieb der Klon etwas geradliniger. Er traf den Charakter des Originals erstaunlich gut, wirkte dabei aber etwas kompakter und weniger fein ausdifferenziert. Es fehlte nicht an Qualität – vielmehr an jener Leichtigkeit und Transparenz, die das Original so angenehm wirken lässt.
Interessanterweise wurden die Unterschiede mit zunehmender Tragedauer dennoch kleiner. Je weiter beide Düfte in Richtung Basis gingen, desto näher rückten sie zusammen. Nach etwa zwei Stunden lagen sie erstaunlich dicht beieinander. Aventus besaß zwar weiterhin die etwas bessere Ausstrahlung und wirkte insgesamt strukturierter, doch der Abstand war deutlich geringer, als ich erwartet hätte.
Den entscheidenden Wendepunkt empfand ich ungefähr nach einer halben Stunde. Von diesem Zeitpunkt an lag Creed konstant vorn – nicht spektakulär, sondern mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit. Aventus wirkte einfach in nahezu jeder Disziplin etwas ausgereifter.
Der Blindtest
Besonders gespannt war ich auf den anschließenden Blindtest.
Eine unbeteiligte Person roch beide Düfte auf der Haut, ohne zu wissen, welcher Arm welchen Duft trug. Das Ergebnis überraschte: Das Original wurde nicht erkannt. Die Zuordnung erfolgte sogar mit geringer Überzeugung, weil beide Düfte als sehr ähnlich wahrgenommen wurden.
Für mich ist das vielleicht die spannendste Erkenntnis des gesamten Vergleichs.
Nicht, weil der Klon besser wäre – das ist er nach meinem Eindruck nicht. Sondern weil sich zeigt, wie schwierig es selbst im direkten Vergleich sein kann, beide zuverlässig auseinanderzuhalten. Im Alltag, wenn nur einer der beiden Düfte getragen wird, dürfte das für die allermeisten Menschen praktisch unmöglich sein.
Haltbarkeit
Eine vollständige Haltbarkeitsmessung war nicht Teil dieses Vergleichs und wird Gegenstand eines eigenen Tests sein.
Trotzdem hatte ich während der gesamten Beobachtung den Eindruck, dass Aventus seine Präsenz etwas länger bewahren dürfte. Das Original projizierte leicht stärker und schien seine Struktur überzeugender zu halten. Wie groß dieser Unterschied tatsächlich ausfällt, muss jedoch ein Langzeittest zeigen.
Ändert das meine Empfehlung?
Eigentlich nicht.
Rund 235 Euro (Creed www.creedfragrance.de) für 50 Milliliter stehen ungefähr 14 Euro für The Essence Vault No. 199 gegenüber. Selbst wenn Aventus am Ende einige Stunden länger hält, bleibt der Preisunterschied gewaltig. In der Praxis lässt sich ein günstiger Klon jederzeit unkompliziert nachsprühen, ohne dass dies wirtschaftlich ins Gewicht fällt.
Fazit
Creed Aventus ist für mich der bessere Duft.
Er wirkt hochwertiger, feiner komponiert, transparenter und vermutlich auch ausdauernder. Sein legendärer Ruf kommt nicht von ungefähr.
Aber er ist nach meinem Eindruck nicht über zwanzigmal besser, obwohl genau das der Preis vermuten lässt.
The Essence Vault No. 199 trifft den Charakter von Aventus erstaunlich präzise und liefert für einen Bruchteil des Preises eine Leistung, die mich ehrlich überrascht hat. Wer beide Düfte nicht unmittelbar nebeneinander erlebt, wird den Unterschied vermutlich nur selten bemerken.
Meine persönliche Konsequenz fällt deshalb erstaunlich pragmatisch aus.
Wenn es darum geht, das Original zu besitzen, seine Geschichte zu schätzen und dieses besondere Gefühl beim Tragen zu erleben, führt an Creed Aventus kein Weg vorbei. Für diesen Anspruch würde ich allerdings eher zu einer hochwertigen Abfüllung greifen als zu einem kompletten Flakon.
Für den Alltag dagegen würde ich jederzeit ohne schlechtes Gewissen zu The Essence Vault No. 199 greifen. Das Original bleibt etwas Besonderes. Der Klon übernimmt den täglichen Einsatz.
Und vielleicht ist genau das die größte Überraschung dieses Vergleichs.
Nicht, dass Creed Aventus seinen Ruf verdient.
Sondern wie nah ein guter Klon dem Original tatsächlich kommen kann.
Grenzen dieses Vergleichs
Wie jeder Einzeltest besitzt auch dieser Vergleich Grenzen.
Getestet wurde jeweils nur ein Flakon beider Düfte.
Unterschiede zwischen verschiedenen Chargen wurden nicht berücksichtigt.
Die Beobachtungsdauer betrug lediglich zwei Stunden; belastbare Aussagen zur Haltbarkeit sind daher noch nicht möglich.
Der Blindtest wurde mit nur einer Person durchgeführt und besitzt deshalb keinen statistischen Aussagewert.
Diese Einschränkungen ändern nichts an den beschriebenen Beobachtungen, definieren aber bewusst deren Aussagekraft. Künftige Ausgaben von The Clone Files sollen die Methodik schrittweise erweitern – unter anderem durch längere Haltbarkeitstests, Wiederholungstests an verschiedenen Tagen und Blindtests mit mehreren Teilnehmern.



Danke Dir.