Hört bitte einfach auf!
Das möchte man in diesen Zeiten so vielen Marken zurufen. Denn Parfum ist längst ein gut laufendes Geschäft und hat mit echter Kunst nur noch in der absoluten Nische etwas zu tun. Und wem das jetzt zu polemisch ist – sorry! Aber wenn man sich die Entwicklung von Marken, den Turnus neuer Veröffentlichungen, die Wahl der Parfümeure und die Duftpyramiden anschaut, kann einem nur ein Gedanke kommen: Hört bitte einfach auf!
Nishane ist ein Haus, das ich immer sehr mochte. Nicht nur für seine experimentellen Düfte, sondern so insgesamt. Irgendwie hatten die Düfte immer Ecken und Kanten. Jetzt werden sie von Jordi Fernandez gemacht. Und in allen ist „Akigalawood“. In einem sogar gleich zweimal. Und sowohl „Jordi Fernandez“ als auch „Akigalawood“ kann ich nicht mehr hören/lesen/riechen. Der Typ ist ein Star bei Givaudan und kippt dieses Zeug (ähnlich wie der andere Givaudan-Liebling Quentin Bisch) in so ziemlich jede seiner Kompositionen. Das Ergebnis sind Düfte, die nicht schlecht riechen, aber so, als würde man sie schon kennen – nur halt stärker, penetranter und langlebiger. Neu ist da nix, kreativ sowieso nicht und mutig erst recht nicht. Aber scheinbar wollen Marken das auch gar nicht mehr sein: neu, kreativ und mutig. Stattdessen setzt man auf das, was sich gut verkauft. Gerade ist es Gourmand und selbst eine Marke wie Dusita macht da plötzlich mit.
Es ist wirklich nicht mehr auszuhalten, wie viele Marken (auch welche, die vielversprechend angefangen haben) plötzlich nur noch langweiliges Zeug rausbringen. Pernoire? Haben seit Ewigkeiten nichts Gutes mehr herausgebracht, sondern nur den Wilhelm’schen Durchschnitt an den Mainstream angepasst. Nicht falsch verstehen: Ich will hier nicht die Arbeit von Andreas Wilhelm diskreditieren – im Gegenteil! Der Mann hat verstanden, wie erfolgreiche Nischendüfte funktionieren, und nutzt diese Formel maximal aus. Aber Pernoires Wurzeln liegen woanders. Die ersten Düfte der Wilhelm-Ära waren Reformulierungen ehemaliger Vincent-Micotti-Düfte und radikal anders als das, was die Marke mit Poka, Anelo, Melos und Oudian rausgebracht hat. Alles Düfte, die sich dem Zeitgeist anbiedern, aber nichts Interessantes mehr zu bieten haben. Und das ist schade, denn die „alten“ Pernoire-Düfte (auch die Reformulierungen von Andreas Wilhelm) mochte ich sehr und trage viele von ihnen auch heute noch gerne. Trotzdem hat die Marke für mein Empfinden ihr Profil verloren und sich zu sehr dem Massenmarkt angepasst und dem, was heute von Düften verlangt wird: Süße, Sillage und 24 Stunden Haltbarkeit.
Über BORNTOSTANDOUT und Mind Games will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Gerade Mind Games ist meiner Meinung nach eine der schlechtesten Marken überhaupt, so absolut uninspiriert, dass es weh tut. BTSO hat immerhin noch ein paar Düfte im Line-up, die zumindest einen Hauch Radikalität atmen – wenn auch wenige, und einige von denen wirken schlicht unfertig. Allerdings ist BTSO für mich eine Lifestyle-Marke, die mit Nische wenig bis nichts zu tun hat. Aber auch wenn man mal die absoluten Lowlights außen vor lässt, entwickelt sich die Branche in eine Richtung, in der es kein richtiges „Vorwärts“ mehr gibt. Stattdessen werden sogar in der Nische Flanker immer häufiger (Ex Nihilo mit seinen Extraits, die übrigens zu einem großen Teil von Jordi Fernandez gemacht wurden) oder eine DNA wird so minimal modifiziert, dass man Leuten im Prinzip dreimal denselben Duft verkaufen kann (die Oud-Reihe von Maison Crivelli, gemacht von Jordi Fernandez). Habe ich übrigens schon gesagt, dass extrem viele Düfte aktuell von Jordi Fernandez gemacht werden? Die Auftragsbücher von Givaudan sollten also auch in Zukunft gut gefüllt sein. Und wenn man dann als Teil der IFRA auch noch dafür sorgt, dass die Reglementierungen für natürliche Inhaltsstoffe immer strenger werden, dann kann man bald in jeden Duft „Akigalawood“ reinschütten. Kaum zu glauben, dass selbst so ein Unternehmen mal mit echtem Eichenmoos gearbeitet hat (der Chypre Inferno von Nocturne z.B. baut auf einer Chypre-Basis von Givaudan auf, die Ende der 70er/Anfang der 80er hergestellt wurde).
Aber um mal wieder auf meinen Ausgangspunkt zurückzukommen und mich nicht komplett im „Klein-Klein“ zu verlieren: Mein Eindruck ist, dass große Konzerne mit wenigen Parfümeuren und patentierten Inhaltsstoffen einen Großteil des Marktes dominieren. Das ist soweit nichts Besonderes, sondern einfach Marktmechanismen, die wenig überraschend sind. Aber das bedeutet auch, dass sich die Konsumenten vom Prinzip der „Duftkunst“ scheinbar verabschiedet haben und Parfum als performativen Teil ihres Lifestyles bzw. als bloßes Statusobjekt akzeptiert haben. Sprich: Es zählt nicht der Duft, die Erzählung, die Details, die Entdeckung, sondern vor allem die Performance und das „Wahrgenommenwerden“. Denn genau das ist es, was Parfümeure wie Jordi Fernandez bedienen: Luxus-Düfte, die wie eine Louis-Vuitton-Tasche oder eine Moncler-Weste zur Schau getragen werden, aber jeglicher Subtilität und jedem Stilbewusstsein beraubt sind. Kalte, kalkulierte und austauschbare Duftbomber für Leute, denen es völlig egal ist, wie ein Duft riecht, sondern nur, was er kann. Und vielleicht noch, was er gekostet hat. Ich weiß … jetzt klinge ich wie ein frustrierter alter Mann, der über die Oberflächlichkeit der Welt klagt. Und natürlich ist auch da was dran, aber ich will auch nicht komplett weltfremd wirken, denn diese Entwicklung ist (wie schon gesagt) weder neu noch überraschend. Auch in der Musik werden Subkulturen ständig von großen Marken untergraben, die hoffen, dass ein bisschen des Verve einer solchen Szene auf sie abfärbt und sie deren Werte dann maximal kommerzialisieren und für die Masse zugänglich machen können.
Am Ende ist es auch fast egal, denn jede und jeder muss selbst entscheiden, was Parfum für sie oder ihn bedeutet und ob sie oder er Lust hat, sich die immer gleichen Düfte wieder vor die Nase setzen zu lassen. Ich finde es einfach schade zu sehen, dass immer mehr Häuser – und da schließt sich der Kreis – die durchaus kreativ angefangen oder zumindest Raum für solche Experimente gelassen haben, sich der Gleichförmigkeit und Redundanz unterwerfen und sich scheinbar mehr von Zahlen und Trends denn von einer künstlerischen Vision leiten lassen. Aber wie seht ihr das? Ist mein Blick da zu pessimistisch oder seht ihr die Entwicklung ähnlich? Und vor allem: Was macht einen Duft für euch gut bzw. welche Ansprüche habt ihr an ein Parfum? Ich bin gespannt und freue mich auf eure Antworten.


THEFUMEROOM

Nische ist tot. Irgendwie. Und leider.
Neuere Nischenlabel hauen echt nur noch Beduftung für so genannte Maincharacter heraus. Und das gefühlt im Minuten-Rhytmus.
Olfaktorische attention whores quasi.
Schlimm.
Ich halte mich jetzt lieber an Klassiker aus vergangenen Jahrzehnten und Vintage-Sachen. Die sind mit Abstand cooler und wesentlich besonderer als BornToBeEdgelord, ey!
Waren in meiner Jugend (Mitte 80er) Düfte noch etwas, um einfach nur gut zu riechen, sind sie mittlerweile zum Statussymbol geworden. Selbst Duftanfänger starten gleich mal mindestens mit Xerjoff und Tom Ford und ständig wird nach "Beastmode"- und "Safe Blindbuy"-Düften im Forum und im Ticker gefragt...
Die Marken wollen halt alle verkaufen und produzieren en Masse das, wonach die Käuferschicht am lautesten schreit.
Ich selber freue mich mehr an leisen, besonderen Düften, die Emotionen oder Erinnerungen hervorrufen oder mich einfach (positiv) überraschen.
Das muss auch nicht unbedingt "Nische" sein... manches Mal überraschen sogar Designer oder Cheapies 😉
Oder ich möchte durch die Frische des Duftes animiert, aktiviert, motiviert werden.
Oder ich möchte durch den Duft zur Ruhe kommen an einem hektischen Tag.
Oder der Duft soll mich kreativ inspirieren.
Oder der Duft soll mich ……..
Jeder Duft erzeugt eine Emotion, bewusst oder unterbewusst.
Wir?entscheiden welcher Duft welche Emotion bei uns ( oder bei anderen z.B. Bewunderung , Respekt ect. ) auslösen soll.
Für mich persönlich erzeugt der Duft je ausgefeilter und kreativer er ist dementsprechend auch die Emotion der uniqness, was Menschen ja auch alle sind.
Ich stimme Dir völlig zu, dass der Mainstream sich längst auch im Bereich Nische breitgemacht hat ( z.B. Parfums de Marley).
Viele Dufthäuser verlassen ihre Werte bzw. ihr Alleinstellungsmerkmal indem einfache und gefällige Düfte kreiert werden die immer mehr die Breite Masse ansprechen, um mehr Profit zu generieren.
So verstehe ich deinen Beitrag und sage bewusst nicht ‚träum weiter‘!
#Vomex
Grüße
Einerseits macht natürlich der "Markt" die Musik. DIe Kreativen können es sich nicht leisten, reine Kunst um der Kunst willen zu produzieren. Es ist nun mal eine natürliche Entwicklung, und es gab schon immer die Künstler, die Szenen, die Trends und die kapitalistischen Trittbrettfahrer.
Andererseits beobachte ich leider auch, dass gefühlt fast jede Brand (außerhalb des Hardcore-Artisanal-, Ultra-Nischen-Bereiches) mittlerweile nicht ohne "Oud", "Kirsche", "Kokosnuss" oder "Pistazie", Ambrofix, Ambrocenide, Hedion, Lactone etc. auskommt. Das verhagelt einem doch sehr die Freude. Plus die Tatsache, dass Marken, die früher so eine breite Palette an spannenden und einzigartigen Düften hatten, ihre Palette gerade stark in den absoluten Mainstream verengen (Liquides Imaginaires – ich meine dich! ), während sie gleichzeitig dreimal so viele Düfte rausbringen wie vor fünf Jahren.
Auch deinen Einwand zu LV und Moncler verstehe ich nicht: das sind Häuser mit sehr langer Tradition und begeistern jedes Jahr aufs Neue mit tollen Materialien, Schnitten, Farben und Kooperationen mit anderen Künstlern. Ich könnte dir jetzt einfach schlechten Geschmack und Stil vorwerfen, aber genau das tue ich nicht, denn es gibt für alle da draußen etwas und das ist gut so.
P.S.: Es gibt auf Parfumo Sammlungen, da schäme ich mich immer fremd ob der Monokulturen, die einem da entgegenprangen und ich verstehe da schon die Sicht des Blogautors. Denn genau da liegt sowohl Impetus wie Ergebnis dieser Entwicklung begraben. Über die Reihenfolge kann man streiten: Ei oder Henne? Aber der MrWhite hat schon recht: will man jemandem wirklich vorschreiben WIE er wirtschaftlich erfolgreich sein soll? Ich persönlich finde diese Entwicklung zum Kotzen, vor allem, weil man bei vielen Marken, die eigentlich ganz anders unterwegs waren, solche Zugeständnisse riecht, ganz egal ob Guerlain, Penhaligan's, Le Galion etc etc... Nur: wenn deren olfaktorische Zeitgeistschlümpfe erfolgreich sind, finanzieren sie auch die Klassiker-Backlist mit! Aber man sollte wissen, woher man kommt!
Kam erst neulich ein Bericht im TV darüber.
Man erhält es durch enzymatisches Upcycling von Abfallprodukten der Patchouli-Destillation. Es handelt sich nicht um ein einzelnes Molekül, sondern um ein Gemisch. Unter anderem ist Rotundone darin enthalten, das auch Pfeffer seine typische Note verleiht. Obwohl künstlich hergestellt, ist es kein "synthetischer" Stoff. Es wird recht unterschiedlich beurteilt. Ich mag in vielen Parfüms sein an Patchouli erinnerndes, holzig-würziges Profil mit pfeffrigen und erdigen Nuancen. Wie gesagt, hat mit der Kunstholz-Seuche von Ambrocenide und Co. nach meiner Meinung nichts zu tun.
Und Bisch ist hier ein interessanter Sonderfall, da offenbar das Givaudan Marketing genau darauf setzt, den in-House Parfumeur mitsamt seinen Captives quasi in Riechstoff/Personalunion zu projizieren. Die Rechnung geht sicher auf, und ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren noch mehr einfach klingende Captives kommuniziert sehen werden – Parfum in Zeiten der molecular awareness…
Mein Schnitt war auch früher nicht besser. Und was den angeblichen Verlust von Originalität angeht: Die 80er Jahre Damenchypres rochen irgendwann auch alle gleich, genau wie die 90er Aquazen, die 00er Sauberdüfte oder eben heute das süß-würzige Zeug. Also Jammer nicht rum, freu Dich, dass Du trotzdem solche Auswahl hast.
Ich verstehe aber auch deinen Punkt gut.
Ich habe inzwischen so viel "Übung", dass ich Düfte, deren DNA in den 1920ern entstanden ist, auch erkenne und diesem Jahrzehnt zuordnen kann.
Ich sehr mich eher als jemand, der die Perle im Duftozean finden möchte die dann meine eigene wird und zwar aus Düften der letzten 20 Jahre, und da habe ich genug Auswahl. Mein geliebtes Osmanthe Yunnan von Hermes ist ziemlich alt, und mein Tubereuse Astrale ist fast brandneu. Who cares was heute alles erscheint und wieviel Abwechslung drin ist?! Ich bin nicht Luca Turin und auch kein Giveaudin Vorsitzender. Ja vielleicht kauft man heutzutage eher die Brecher die alle ähnlich sind aber andererseits es gibt immer noch feine Boutiquelinien siehe Hermesense da sind auch viele neue Erscheinungen wunderschön gemacht
Nein, Nishane Karagoz zB. gibt es immer noch und ist für mich Parfumkunst. Dior Fahrenheit Le Parfum, immer noch verfügbar und einfach ein klasse Duft, der sehr unique ist für einen Designer. Ich gebe zu das vieles was zuletzt erschien sehr unbefriedigend war aber auch nicht alles, Pernoire Oudian zB. Ist sehr gut geworden. Parfumkunst heißt nicht das alles super unique und noch nie dagewesen sein kann, Parfumkunst ist Emotionen zu wecken, und ganz ehrlich bei 95 % der Bevölkerung (Außerhalb dieser Parfum Bubble) reicht ein gut gemachter Designer/Nische aus. Und für mich tut es das auch.. . .
Ich wünsche mir, dass nicht alle in die günstigsten Rohstoffe investieren würden.
Der Markt wird es schon regeln… und das ist richtig so! Oder wollen wir das es selbst im Parfüm Sektor Sozialismus entscheidet ? Firmen müssen nun mal gewinnbringend wirtschaften sonst gehen sie unter..⬇️
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@Sveti ganz einfach: das was gewollt wird, wird nicht von ALLEN gewollt, die zunehmend befürchten, auf der Strecke zu bleiben 🤪
SvetiSveti Gerade eben
@Fresch21, abe
Deswegen verstehe ich die ganze Diskussion nicht so recht …
Wer einfach nur gut duften will, egal ob mit 4711 o. Roja, hat heutzutage eine unfassbare Auswahl u. Möglichkeiten u. wird immer was finden ohne in gepflegte Langeweile zu versinken.
Ansonsten bin auch ich bei @Ergoproxy : Gleiche Kleidung, gleicher Duft, so wie es die Influencer vorgeben - aber was sollen sie auch sonst erzählen, sie werden schließlich dafür bezahlt.
Wie gut, dass es Parfumo gibt und man so immer wieder auf kleinste Dufthäuser stoßen kann, die die Fahne der wahren Duftkunst hochhalten.
Ähnlich wie schon bei Haute Cuisine, Indie-Pop, Techno und nun auch im Parfüm-Business. Eine "Szene", die bis dato "unentdeckt" vor sich hin florieren durfte, wird entdeckt: Alle freuen sich, da mehr Geld, mehr Marken, mehr Auswahl auf den Markt kommt und die Künstler/Akteure nun von ihrer Passion leben können. Jedoch dauert es nicht lange und man merkt, dass einige der Akteure nur noch an Geld interessiert sind und andere Akteure dazukommen, die lediglich nur bestimmte Verhaltensweisen und visuelle (oder in unserem Fall auch olfaktorische) Codes imitieren, um die Trendkuh zu melken.
Dank dem lieben @Floyd hatte ich Gelegenheit, den einen oder andern Duft zu testen und war ebenfalls begeistert.
Mein persönliches Problem ist aber genau das: Diese Düfte finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wenn eine Charge aus 50 Röhrchen à 10 ml besteht, dann wird daraus eine sehr exklusive Sache im wörtlichen Sinne.
Die von @THEFUMEROOM gewünschte Grauzone würde ich sehr begrüßen.
Zwei Trends, die ich seit geraumer Zeit mit zunehmendem Unbehagen beobachte: Parfum-Inflation (zu viele Nischenmarken, zu viele Parfums, zu viele Dupes) und die Allgegenwärtigkeit von Amberhölzern, die die Basisnote komplett überdecken und den Duft - für mich - regelrecht verunstalten.
Leider scheint es nahezu unmöglich, diese Trends zu stoppen. Es gibt selbstverständlich genung Düfte, an denen wir uns erfreuen können, aber die Entwicklung an sich ist schon etwas problematisch.
So werden die Jordis dieser Welt weiterhin die Regale mit Mittelmaß fluten und Milliardenumsätze generieren.
Wer von uns da nicht mitmachen möchte, muss halt tiefer schürfen und wenn schon, dann den richtigen Videokanal abonnieren ;-)
Der globale Parfummarkt belief sich im Jahr 2024 auf schätzungsweise 54 bis 57,3 Milliarden US-Dollar.
Ob Designer, Nische oder Artisan. Es ist ein einziges Business und ins Regal kommt was sich verkauft. Umsatz vor Qualität. Leider!!!
Aber ich zB mag auch Chypre Düfte nicht :)
Nach so vielen Jahren Parfumo weiß ich, was ich mag. Inzwischen suche ich nur noch die Vintage-Versionen meiner Lieblingsdüfte.
Genauso schlimm aber die Flutung des Marktes, immer neue Brands mit absurden Geschichten, überzogenen Preisen. Erinnert mich an die Zeit, wo viele Schmuck designt haben.
Aber hier auf der Plattform findet man dann doch immer noch bei etwas genauerem Lesen Micromarken, die durchaus überzeugen können wie z. Bsp. Lingua Planta aus Holland.
Spannendes gibt es aber wohl derzeit woanders, Ihr habt es unten schon erwähnt, Angelos Créations Olfactives, Papillon, Olympic Orchids, Hiram Green...
Von einem Duft erwarte ich Charakter, Individualität, einen Schatz an Assoziationen und keine klebrige, bellende, synthetische Süße. Da ist man derzeit in den Straßen Berlins leider sehr (!) schlecht aufgehoben. Danke für deine so ehrlichen Gedanken.
Wenn Marken plötzlich ein so breites Publikum haben (anstelle ein paar versnobter nerds), muss die Verlockung groß sein einfach das zu machen, dass monitär funktioniert.
Schade eigentlich.
Habe mir gestern erst in einer kleinen süßen Nischenparfümerie in Berlin The Cobra and the Canary und Bulls Blood von Imaginary authors mit genommen. Hier haben mich einfach das Storytelling und die Kreativität begeistert.
Aber ob nach Schlachthaus, Pipi und Asphalt riechen jetzt für den everyday Joe, der vorallem stark, gut und teuer riechen möchte, besonders ansprechend ist wage ich zu bezweifeln. Denke kaum, dass Imaginary Authors mit so einem eher artsy fartsy teil wie dem Bulls Blood, die großen Moneten macht.
Wahrscheinlich bin ich in den 70ern, 80ern und 90ern stehen geblieben. Da konnte man noch qualitätsvolle, innovative Parfums bekommen.
Es ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, (und natürlich dem Profit) dass es immer mehr und immer gleichförmigeres zu kaufen gibt. Wenn es die Leute kaufen, dann ich es in.
Aber die Duftwelt ist doch nach wie vor vielfältig, man kann sich ja auch einmal nach den Klassikern umsehen. Einige gibt es noch.
Franchise, Remake, Prequel, Sequel,...
Die zunehmende Flut an neuen und immer redundanteren Releases quer durch alle Genres, Marken/"Häuser" und Preisklassen führt bei mir zu wachsendem Desinteresse und zunehmender Gelangweiltheit. Viele Häuser die ich mal mit Interesse verfolgt habe entlocken mir nur noch ein gleichgültiges Achselzucken wenn sie einen Duft nach dem Anderen auf den Markt pumpen.
Deswegen auch von mir ein lautes "Hört bitte einfach auf!"
Das mit den fixiativen ist mir so aber noch nicht aufgefallen. Oder erkenne ich die einfach nicht als solche?
Nein,dein Weitblick ist nicht pessimistisch sondern realistisch,bzw. erfreulich nüchtern.
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