Taurus1967Taurus1967s Parfumkommentare

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19.05.2019 18:45 Uhr
9 Auszeichnungen
Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr echauffieren soll. Darüber, dass in den letzten Jahren wirklich jedes Parfum-Haus noch schnell auf den abgefahrenen Oud-Zug aufspringen wollte ... oder dass man Oud im Namen angibt, auch wenn dieses so gut wie keine Rolle im Duft spielt.

Ersteres kann man natürlich noch mit „Nachfrage“ und „Stück vom Kuchen“ erklären – schließlich will jeder Geldverdienen, da ist es mehr oder weniger legitim noch schnell mit Oud was auf den Markt zu werfen.

Letzteres habe ich in letzter Zeit allerdings recht häufig erlebt. Selbstredend muss Oud nicht unbedingt im Parfum dominieren, aber dass so gut wie gar nichts herauszuschnuppern ist, lässt bei mir an der Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Konsumenten zweifeln.

Dabei muss sich dieses Duft von Patricia de Nicolaï keineswegs verstecken. Sanftes Lavendel gibt vom ersten Augenblick den Ton an und lässt sich von würzigen sowie holzigen Ingredienzien begleiten, insbesondere etwas Beifuß, Zimt und Patchouli um später vom warmen Amber aufgefangen zu werden. Gerade die süßlichen und harzigen Ingredienzien der Basisnote verleihen der Struktur zusätzlich ein wenig zaghaft Schokoladiges, doch dies wirklich nur ganz am Rande.

Im Prinzip ist Amber Oud ein solider Duft, wenn auch nicht gerade der Überflieger. Aber wo zum Teufel soll da noch Oud sein? Nicht, dass ich es persönlich vermissen würde, doch ich möchte nicht wissen, wer sich den eventuell aufgrund der Bezeichnung gekauft hat und nun enttäuscht ist, dass man ihm das Adlerholz quasi unterschlagen hat.

Dass im Hundekuchen keine Vierbeiner enthalten sind oder dass Marzipankartoffeln ohne Erdknollen angeboten werden sowie die Verwirrung um Mettigel und Leberkäse sind hinreichend bekannt. Bei Parfums sollte man jedoch ehrlich bleiben bzw. keine kostbaren Inhalte vorgaukeln, die dann so gut wie gar nicht oder in homöopathischer Dosis enthalten sind.

Ansonsten hätte Lavender Amber weitaus besser gepasst.


15.05.2019 06:55 Uhr
12 Auszeichnungen
Im 19. Jahrhundert war die Anzahl der Düfte für Herren noch sehr sehr überschaubar. Parfums waren eher was für Damen oder junge Frauen, wobei es durchaus Kreationen gab, die man heutzutage als Unisex einordnen würde. Auch das Eau de Cologne du Coq kann problemlos von beiderlei Geschlecht getragen werden, denn schließlich haben wir es hier mit einem klassischen Erfrischer zu tun, der in seiner Startphase berauschend klar mit Neroli und Orange alles andere als geizt.

Dass bisschen Lavendel und Patchouli geht arg unter, aber das sollte niemanden stören, denn wer „du Coq“ auflegt, kommt vollkommen aufgeweckt und bestens gelaunt durch den Vormittag, sofern er immer wieder nachsprüht. Denn eins ist gewiss: so schön und angenehm dieser Hahn hier kräht, er ist leider auf der Haut bereits nach denkbar kurzer Zeit wieder verstummt.

Das ist bekannterweise auch ein Zeichen der Natürlichkeit und gleichzeitig ein Bekenntnis zur Authentizität des Duftes. Ob der im Laufe der letzten 125 Jahre hier und da verändert bzw. reformuliert wurde ist wahrscheinlich, aber nicht auffällig. Er könnte immer noch aus der damaligen Zeit entsprungen sein und ähnelt nicht von ungefähr dem weitaus älteren Original Eau de Cologne von Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz von 1709 – quasi dem Ursprung aller frisch-zitrischen Düfte. Im Gegensatz zum allseits bekannten 4711 ist er weitaus sanfter.

Vielleicht ist unser Gockel nicht unbedingt der Platzhirsch unter den kölnisch Wässern oder der langlebigste im doppelten Sinne. Aber bestimmt das Cologne mit dem schönsten Flakon.


11.05.2019 19:18 Uhr
21 Auszeichnungen
Bisher war ich der festen Überzeugung, dass Hermès überdurchschnittlich gute Düfte auf den Markt bringt. Immerhin hat die Marke aktuell einen Bewertungsdurchschnitt von 7.8 Punkten. Zudem dachte ich, dass die „Jardin“ Reihe wirklich außergewöhnlich gelungene Kreationen offenbart. Doch leider falsch gedacht bzw. große Enttäuschung bei diesem rostwasserroten Lagunen-Ableger. Zwar war man bei der Namensfindung ebenso idyllisch wie bereits bei den anderen Düften der Serie, doch bei dieser Rotwasser-Lagune möchte ich weder meinen Garten haben noch selbigen betreten.

Dabei ist der Auftakt relativ verheißungsvoll, denn man vernimmt anfangs frische zitrische Noten gepaart mit leichter Aquatik und fein herbem Hairspray-Vibe. Hätte so auch bleiben können, doch innerhalb weniger Sekunden dreht sich der Lagunen-Garten ins lilien- und magnolienartige, allerdings mit ordentlich Calone auf Sperrholz, was alles andere als gelungen wirkt. Auch die Haarspray-Note driftet mehr ins Unangenehme ab. Die leicht salzige Note finde ich zwar konsequent zum Thema, aber so richtig funzen will das ebenfalls nicht. Und auch hier dachte ich, dass Christine Nagel für eine gewisse Art von Qualität stehen würde.

Nee – das ist weniger eine Lagune sondern eher ein großes Kuddelmuddel mit abgestandenem Blumenwasser, das für mich beim Testen keine Motivation zum Nachsprühen aufkeimen ließ.

Ich befürchte, dass ist leider das uninteressanteste Hermès-Wässerchen, dass mir bisher unter die Nase gekommen ist.


08.05.2019 06:51 Uhr
10 Auszeichnungen
Oud

Oud - Nuhi

8.5

Es gibt olfaktorische Erlebnisse, die brennen sich für lange Zeit ein bzw. verknüpft man mit einer besonderen Situation. So war es damals das Eau de Toilette von Nuhi, das ich seinerzeit auf der GaoP 2013 in Berlin geschenkt bekam, davon etwas auf einen großen Teststreifen sprühte und in meinem Gast-Appartement für einige Stunden liegen ließ. Als ich zurück kam, schnupperte der ganze Raum trotz vieler weiterer Proben angenehm nach Nuhi, einem sanften würzig-floral-süßen Mix aus u. a. Lavendel, Kardamom sowie Tonkabohne, verbunden mit einer dezenten Honignote. Ich war total geflasht von diesem positiv einstimmenden Vibe und habe ihn für immer in mein Gedächtnis eingeschlossen.
Genaueres zu diesem Duft habe ich im entsprechenden Kommentar verfasst.

Sechs Jahre später hat sich das Portfolio etwas weiter entwickelt um eine Oud Variante. OK – das Thema ist nicht mehr ganz so aktuell, wenn nicht sogar überholt, aber das hat dieses Eau de Parfum nicht unbedingt schlechter gemacht. Im Gegenteil, denn es beinhaltet die gleichen angenehmen Elemente wie das „normale“, also eine fein ausgewogene orientalische geheimnisvolle Aura zwischen Lavendel, würzigen sowie minimal holzigen Noten, kurz gedippt in Honig plus einem Hauch von Oud, welches spät im Ausklang mit der Tonkabohne bemerkbar wird und dem Ganzen ein relativ dunkles Finale gibt.

Von dem Adlerholz sollte man also keine großen Erwartungen schüren. Oud-Enthusiasten werden bei dieser Variante eher kaum auf ihre Kosten kommen, Oud Hasser müssen keine Bedenken haben, können aber genauso beim normalen Nuhi bleiben und die meisten werden den Unterschied so gut wie gar nicht bemerken.
Dennoch ist es einfach ein schöner Duft, auch wenn sich besagtes Erlebnis von damals nicht 1:1 duplizieren lässt.


03.05.2019 06:50 Uhr
11 Auszeichnungen
Die Acqua Colonia Serie von 4711 hat richtig gut eingeschlagen. Zumindest ist die Idee nicht verkehrt, frische Cologne-Düfte mit zwei Hauptakteuren unter dem 4711-Label zu kreieren und anzubieten. Zumindest ein paar mehr als brauchbare Duos sind daraus entstanden, wie z. B. Mandarine & Cardamom oder Lavender & Thyme, wobei letztgenannter leider recht schnell wieder vom deutschen Markt verschwunden ist, da angeblich die Nachfrage nicht ausreichend war. In anderen Ländern wird jene erfrischende Thymian-Lavendel Kombination weitaus mehr geschätzt.

Was mir an Saffron & Iris gefällt, ist nicht nur das attraktive Lila im Etikett, sondern auch die konsequente Beibehaltung des Frische-Themas. Selbstredend ist neben den beiden Hauptdarstellern ein zitrisch-bergamottiger Begleitton, der auf die Herkunft des Hauses 4711 verweist und die Komposition sommerlich-fluffig gestaltet, jedoch offiziell zum Entspannen einlädt.

Leider ist vom Safran kaum was merkbar. Und auch die Iris ist weniger pudrig wie man es glauben würde, sondern eher am Rande der Synthetik. Das betrübt ein wenig die Stimmung, auch wenn dieser Acqua Colonia Ableger mit seiner lieblich, sanften und minimal herben Art zumindest gute Laune verströmt. Zwar ist diese blumig-würzige Mixtur als Unisex deklariert, was auch stimmt, doch die Tendenz geht dann mehr in Richtung junges Fräulein (darf man das heutzutage überhaupt sagen, ohne von Feministinnen gebrandmarkt zu werden?) als in Richtung Junggeselle.

Persönlich werde ich mich dann früher oder später verstärkt auf die Suche nach Lavender & Thyme machen, auch wenn mir jenes Lila nicht ganz so zusagt, wie das von Saffron & Iris.


26.04.2019 06:46 Uhr
13 Auszeichnungen
Ein ganz klein wenig habe ich mit dem Gedanken gespielt, meinen Kommentar passenderweise tatsächlich als Haiku zu verfassen, also jene traditionelle japanische Gedichtform bestehend aus drei Wortgruppen von 5-7-5 Lauteinheiten.

Allerdings bin ich davon schnell wieder weg gekommen, denn zum einen hätte ich wohl ewig lange dafür gebraucht und zum anderen wäre der Informationsgehalt zum Duft viel zu kurz gekommen.

Also mache ich es lieber recht konventionell, wobei Bois d´Hinoki auch nicht unbedingt soviel Motivation freisetzt um kreative Höhenflüge zu machen. Es ist halt ein nettes frisch-grünliches Eau de Parfum mit anfänglichen Bezug zum zitrisch-floralen. So kommt auch das Hinokiholz ein bisschen zur Geltung, welches ja ebenfalls recht zitrisch duftet.

Was mir weniger behagt und worauf ich mir keinen Reim machen kann, ist die Präsenz der Feige. Sie ist zwar fein, natürlich und relativ dezent – jedoch im Verhältnis zum namensgebenden Hinoki doch etwas zu dominant.

Im kleinen Finale setzt es sich dann noch mit der Weichheit von Benzoe sowie hellem Zedernholz gekonnt zur Ruhe.

Ansonsten passt Bois d´Hinoki mit seiner japanischen Attitüde außerordentlich gut zu einem feingeistigen und zartgliedrigen Thema wie Haiku. Doch beim Thema Feige dürften dann viele wieder draußen sein.


21.04.2019 19:46 Uhr
11 Auszeichnungen
Meine Erinnerungen sind noch recht frisch an die Zeit, als Hugo im Feldflaschen-Flakon damals in die Parfümerien kam. Irgendwie fand ich den gar nicht so verkehrt und das Packaging ganz gagig. Dennoch mochte der Funke nicht überspringen. Und vor ein paar Jahren bekam ich mal einen kleinen Zerstäuber – leider keine Miniatur – geschenkt, so dass ich mich endlich mal damit intensiv auseinandersetzen wollte, doch den Test habe ich immer wieder hinausgezögert.

Letzte Woche hatte ich ihn dann doch endlich mal hervor gekramt, wobei ich nicht denke, dass ich Hugo hier noch groß vorstellen muss. Es ist ein einfacher altbekannter und altbewährter Duft, der beinahe ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel und zahlreiche Fans sowie Gegner um sich vereint hat. Meine Kaufentscheidung muss ich nicht überdenken, es ist einfach kein Duft für mich. Dennoch muss ich einigermaßen objektiv bescheinigen, dass er zwar simpel, aber ordentlich gemacht ist. Persönlich überzeugt mich diese unaufdringliche Frische, dezent an beliebige Früchte, Gewürze sowie Blumen erinnernd, wenn auch eher synthetisch und ohne dass von den Noten eine herausragt, dazu jedoch auch diese herbe Note, wie so eine Art Gegenstrich bzw. Kontrapunkt.

Das macht Hugo für mich zu einem unaufdringlichen Begleiter, der nicht so versüßt und verplörrt wie viele seiner späteren Artgenossen aus dem gleichen Stall daher kommt, sondern seriös wirkt – geradezu ideal als dezentes Eau de Toilette für den Arbeitsalltag.

Andererseits kann ich mir vorstellen, dass viele Parfumos ihm gegenüber überdrüssig sind und ihn am liebsten in die Erdumlaufbahn ohne Rückticket schießen würden. 7 Punkte fände ich dann doch etwas wenig, 7,5 schon beinahe zu viel. Dennoch runde ich wohlgesonnen auf, denn einen gewissen Wiedererkennungswert hat er ja.


18.04.2019 06:54 Uhr
12 Auszeichnungen
Vor ein paar Wochen unternahm ich mit einem Kumpel einen Kurztrip nach Antwerpen. Er wollte günstig ein paar Diamanten einkaufen, ich war u. a. sehr neugierig darauf, was die attraktive belgische Hafenstadt parfümtechnisch so her gibt.

Entsprechend machte ich mich im Vorfeld auf die Recherche nach Parfümerien und deren Auswahl vor Ort. An Shops mangelt es in Antwerpen garantiert nicht, doch was es dort gibt, kann ich zumindest was Herrendüfte betrifft auch in Deutschland erwerben. Dennoch stieß mein Interesse auf einen wirklich kleinen empfehlenswerten Laden namens „La Maison du Parfum“ nahe des sehenswerten Hauptbahnhofs. Neben Luxusmarken wie Roja, Xerjoff, Sospiro, Montale und Creed bietet man auch das französische Label Süs-Skïnd an, deren Düfte ich noch nie begegnet bin und die mit 40€ für 30 ml relativ erschwinglich sind.

Nachdem ich einige Fläschchen angetestet hatte, entschied ich mich für Extreme Wood als persönliches Mitbringsel. Die nette Verkäuferin erzählte mir nebenbei, dass Andy Tauer dieses Eau de Parfum kreiert hätte, was mich ein wenig verblüffte. Ich konnte auch leider im Internet nichts finden, was die Aussage belegt hätte, nur halt den Hinweis, dass Süs-Skïnd mit verschiedenen Parfümeuren arbeitet. Entsprechend ist meine Headline vorsichtigerweise mit Fragezeichen versehen – aber eventuell ist ja wirklich was Wahres dran.

Und wie die Headline schon vorab verraten hat, haben wir es hier mit einem Aventus-Zwilling zu tun. Zumindest ist die Ähnlichkeit immens, auch wenn Extreme Wood weniger fruchtig und etwas leiser startet und nach hinten verstärkt die Zeder zitiert, was mir an sich besser gefällt. Zwar scheint er in der Theorie vom Aufbau her anders gelagert zu sein, jedoch im Endergebnis auf den Creed Überflieger rauszukommen – egal ob da nun offiziell Ananas, Birke oder Johannisbeere enthalten ist oder die versprochene Orangenschale kaum ins Gewicht fällt. Selbst die Haltbarkeit und Projektion gehen in die gleiche Richtung.

Interessanterweise hat sich ein Kollege vor kurzem das Original gekauft und war im festen Glauben, ich würde ebenfalls Aventus tragen. Einen Unterschied konnte er nicht feststellen, was meinen Eindruck unterstützt. Dennoch glaube ich kaum, dass Creed gegenüber Süs-Skïnd den Verlust von Marktanteilen fürchten muss. Es sei denn, es wird publik, dass Andy Tauer tatsächlich kräftig mitmischt.


13.04.2019 19:46 Uhr
11 Auszeichnungen
Diesen unscheinbaren Flakon habe ich zwar schon oft in Parfümerien und Parfüm-Abteilungen in Kaufhäusern wahrgenommen, sogar in Apotheken, doch mit der Bezeichnung Eau Tonic bzw. Eau Energisante konnte ich mir eher so eine Art Gesichtswasser vorstellen. Entsprechend war Basic Homme oberflächlich betrachtet keine wirkliche Option, die ich näher in Betracht ziehen wollte.

Auf dem Trödelmarkt erwarb ich eine günstige Miniatur, die mir vom Inhalt her nicht nur die Nase, sondern auch die Augen öffnete. So offenbarte sich mir ein wohlgefälliger warm-würziger Zitrusduft, beginnend mit ordentlich Bergamotte, eventuell etwas Neroli. Im späteren Verlauf meine ich zusätzlich den einen oder anderen Schuss Muskatellersalbei, Sandelholz, Moschus, und gegebenenfalls ein paar Tropfen Patchouli sowie Eichenmoos wahrzunehmen mit denen der Duft ausklingt. Nicht originell, aber weitaus besser als ich ihn mir immer vorgestellt und dadurch auch blöderweise ignoriert hatte.

Als ungefähren Vergleich würde im ersten Verdacht Cacharel pour L`Homme nennen. Dabei wird einem erst richtig bewusst, welch sinnliche Schwungmasse Basic Homme mit sich trägt, der wahrscheinlich von den allermeisten mit mir eingeschlossen als schnödes Pflegeprodukt eingestuft wurde.

So kann man sich irren und somit wird auch klar, warum Basic Homme hier wenige, aber dafür hohe Bewertungen einfährt, denen ich mich nur anschließen kann. Leider kommt diese Erkenntnis zu spät, denn so wie es scheint, ist dieses Eau Tonic von Vichy vom Markt genommen worden.


10.04.2019 06:52 Uhr
7 Auszeichnungen
Bücher sollten wir nicht nur nach dem Umschlag bewerten und Düfte nicht nur nach dem Namen. Allerdings habe ich mich schon gefragt, welche Intention die junge Parfümeurin bei diesem Eau de Parfum hatte.

Vorab musste ich an Geza Schöns „Paper Passion“ denken, den er mit dem Untertitel „Perfume for Booklovers“ für den Steidl Verlag kreierte und dessen Flakon von Karl Lagerfeld gestaltet wurde. Nun, einen Design-Oscar wird der Duft trotzdem niemals erhalten und Geza Schön erzählte mal bei einer Veranstaltung, dass die Zusammenarbeit mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl alles andere als unkompliziert gewesen wäre, was erklärt, dass „Paper Passion“ mit seiner synthetisch-holzig-frischen Ausstrahlung eher an sterilem fabrikneuen Papier erinnert, weniger an die Leidenschaft von Druckwerk.

Bei Book von Comodity geht´s in eine ganz andere Richtung. Hier eröffnet das erste Kapitel mit einem sillagestarken Schwall von frisch-grün-würzigen Noten, die mehr in Richtung Dill-Gurke als Eukalyptus gehen, sich aber im zweiten Kapitel einer Metamorphose zur Feige unterziehen, ohne dass diese offiziell angegeben wird.

Erfreulicherweise driftet das Feigenaroma nicht ins kokosnussige was allzu oft passieren kann, sondern bleibt ernsthaft grünlich-herb um dann von Seite zu Seite und Kapitel zu Kapitel in Holzige zu gleiten mit einem leichten Schlag ins Moschus-Amberartige und in der Tat samtweichem Ende abzuschließen. Zumindest im letzten Part ist die Assoziation zum Thema frischgedruckten Buch einigermaßen nachvollziehbar.

Zwar weiß ich nicht, warum Book so intensiv nach Feige duften muss und inwieweit dies eventuell von der Nootka-Scheinzypresse bzw. Alaska-Zypresse stammt, dessen Brennholz aufgrund des Aromas recht beliebt ist. Konzeptionell hinkt das Ganze ein wenig, aber davon losgelöst ist der Duft mit seiner ungewöhnlichen Entwicklung beachtenswert.


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