Taurus1967Taurus1967s Parfumkommentare

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Taurus1967 vor 1 Tag 11
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Duft
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Haltbarkeit
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Flakon

Zeta braucht seine Zeit
Dieser Lindenblüten-Duft macht es einem nicht leicht. Bisher fand ich die Andy Tauer Kreationen relativ schnell zugänglich, doch bei ZETA wird es zunächst schwülstig und schwerfällig. Von allen bisher erlebten Düften mit zitrischer Kopfnote, ist dies hier wohl die unfrischeste Variante, was aber nicht heißen soll, dass man jene nicht irgendwie raus erkennen kann oder künstlich geraten wäre.

Aber es dauert nun mal seine Zeit, bis ZETA langsam in die Puschen kommt. Was man dann vernimmt ist ein Mix aus eher massig Linden- sowie ordentlich Orangenblüten. Teilweise etwas klebrig anmutend und dank Neroli mit dem leichten Vibe von Sonnencreme. Überhaupt finde ich ZETA beinahe generell cremig, wobei in der späteren Phase der Duft an sich leichter und schwebender wirkt, teilweise auch interessante Nuancen zwischen zaghaft metallisch sowie süßlich floral widerspiegelt.

Dazwischen kommt immer wieder das betörende Sandelholz durch, was aber Zeta als deklarierter Lindenblüten-Duft nicht unbedingt leichtfüßiger macht. Interessanter Nebeneffekt: beim Tragen kam mir zwei Mal Wespen völlig unabhängig voneinander sehr sehr nah an meinen dezent eingesprühten Hals. Auch wenn sie nicht zustachen und ich sie so weit es ging in Ruhe ließ, so war es keineswegs angenehm. Vielleicht lag dies nicht unbedingt an Zeta, aber so aufdringliche Wespen hatte ich schon äußerst lange nicht mehr erlebt.

Die sieben Punkte vergebe ich mal trotzdem sehr wohlwollend, weil mir die niveauvolle Herznote doch recht brauchbar erschien. Dennoch musste ich während des testens an „Tilleul“ von d´Orsay denken – vielleicht der gelungenste Duft zum Thema Lindenblüte. Dieser kommt äußerst leichtfüßig sowie absolut authentisch und wäre eher eine Empfehlung. Allerdings ist auch dessen Produktion eingestellt, was bei dem wirklich schade ist.
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Taurus1967 vor 7 Tagen 11
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Haltbarkeit
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Flakon

No. 127 lebt
Lange habe ich überlegt, ob ich wirklich erzählen soll, wie ich an mein Exemplar gekommen bin. Aber da jede Duftanschaffung seine eigene kleine Geschichte hat, will ich diese nicht vorenthalten. Vor gut einem Jahr entdeckte ich auf einem Trödelmarkt bei einer, sagen wir mal reiferen Frau, die gerade ein paar wertige Sachen aus ihrem Haushalt verkaufte, einen dreiviertel vollen Flakon von Floris No. 127. Es war früh am morgen – es war also noch nicht viel los und der tadellose Flakon stand auch nicht in der prallen Juli-Sonne – und so konnte ich nach einem kurzen Test den Duft für gerade mal acht Euro mein Eigen nennen.

Eigentlich spielte ich mit dem Gedanken, ihn entweder gewinnbringend zu verkaufen oder gegen ein anderes wertiges Parfum einzutauschen. Doch im Laufe der Zeit musste ich immer wieder am Sprüher schnüffeln und kam letztendlich zu dem Entschluss ihn lieber zu behalten und ihn im folgenden Sommer einzusetzen.

Der jetzige Sommer 2020 ist zwar nun anders wie gewohnt und geplant, aber dennoch erfreue ich mich am meinem No. 127. Was mich letztens zum Selbstgebrauch überzeugte, ist diese geballte Kopfnote aus herben Orangen, Petitgrain und Bergamotte mit diesem typisch englischen Lavendeltouch. Schön klassisch und wertig, als würde man an einem Sommertag im schattigen Plätzchen im Garten genussvoll seinen Earl Grey trinken.
Ringsherum blühen etwas Lavendel, Rosengeranie und Ylang-Ylang, deren Duft getragen von einer erfrischenden Brise dezent in die Nase geweht wird.
Etwas später verblassen die Fruchteindrücke, doch was bleibt ist diese edle, seifige Präsenz mit einem Hauch vom Patchouli.

Das Faszinierende an No. 127 ist diese gleichzeitige Erquickung der Geister durch Orange und Petitgrain sowie beruhigende Wirkung der zartseifigen Lavendel-Rose-Ylang-Ylang-Kombination. Vor allem in dieser Qualität und Intensivität ohne überdreht zu wirken. Auch wenn die Projektion relativ schnell wieder runter fährt, so bleibt die Haltbarkeit locker bei 8 Stunden.

Jetzt könnte man sich natürlich fragen, wie authentisch die aktuelle Version im Vergleich zu 1890, also vor gut 130 Jahren ist. Ich denke schon, dass man da noch mal ordentlich reformuliert hat, dennoch wirkt das Eau de Toilette genauso klassisch wie auch zeitgemäß. Keine Frage: ein lebendiger Gentlemen-Duft, der allerdings eher für reifere Semester mit Sinn für Nostalgie und Poesie geeignet scheint.
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Taurus1967 vor 14 Tagen 14
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8
Flakon

Schlumpfschweiß
Ein Eau de Parfum mit dem Namen Ozone, also einem farblos bis bläulichen Gas das sowohl als giftiges Oxidationsmittel die Atemwege reizen kann und gleichzeitig in der Stratosphäre die Lebewesen vor ultravioletter Strahlung schützt, ist im Prinzip zur Polarisation freigegeben.

Dabei ist auch aufgrund der Farbe klar, dass der Duft nicht natürlich und lieblich wahrgenommen werden möchte, sondern künstlich und provokativ. Letzteres zumindest in dem Sinne, dass es durchaus tragbar ist, doch dafür halt olfaktorisch zwischen Höhensonne, Glasreiniger, meerwassersalziger Haut und Schlumpfeis einzuordnen wäre – zumindest, wenn man „Ozone“ ein wenig Zeit zum Entfalten gibt.

Vorher ist es eher ein heftiger synthetischer Punch auf die Nase, der alles andere als Begeisterungsstürme entfachen kann und scheinbar als Gargamels Rache aus seinem Labor gewertet werden könnte.

Doch zum Glück entwickelt sich Ozone etwas später als aquatischer Frischling mit ein wenig Würze und süßlichem Tabak. Das erinnert mich intensiv an Quasar von Jesus de Pozo, einem der besten Aquaten überhaupt, welcher allerdings noch diese hochdezente Spur von Bananenblättern mit sich trägt. Interessant ist dabei, dass der Duft gar nicht mal so kühl daher kommt, sondern beinahe etwas Warmes verströmt.

Eine Alternative zu Quasar, der mittlerweile leider eingestellt wurde, wird Ozone dennoch keineswegs, da er insgesamt doch zu synthetisch wirkt, auch wenn dies eventuell nicht ganz ungewollt ist. Und wie bei den meisten Franck Boclet Kreationen kommt er satt und langanhaltend, doch gibt es von dem Label weitaus ansprechenderes. Da schlumpf mir doch einer einen Schlumpf!
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Taurus1967 vor 16 Tagen 9
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Gute Laune garantiert
Sofern mich mein Hintergrundwissen nicht täuscht, sind die Bon Parfumeur Düfte kreiert, um untereinander gelayert zu werden. An sich keine schlechte Idee, hat aber irgendwie was vom Baukasten-System und Marketing-Geschwurbel um möglichst viel Absatz zu machen.

Ein ähnliches Konzept hatte mal das spanische Label Santi Burgas vor gut sieben Jahren mit sieben verschiedenen Parfums versucht, die auf so obskure Namen hörten wie Lôant, Lôbitt, Lôjazz, Lômusk, Lôrose, Lôtree und Lôvann. Diese bestanden zwar aus verschiedenen Ingredienzien, doch konnte man schon mal Namen teilweise ableiten wohin die olfaktorische Reise hingehen sollte. Dazu gab es auch eine Anleitung welche Düfte untereinander besonders gut harmonieren. Ich habe es nie versucht und fand die einzelnen Parfüms größtenteils unterirdisch synthetisch zusammen gemixt. Nur nach diesen Kriterien bewerte ich und so fielen die Kreationen bei mir durch bzw. hatte schnell die Lust am Testen verloren.

Vom französischen Label Bon Parfumeur ist die Auswahl der einzelnen Düfte mit insgesamt 24 weitaus größer und nach meinen Erfahrungen wertiger, obwohl genau dieser hier als „Pomme Verte Muguet Poire“ von den Parfumos bisher die meisten Haue bekam.

Sicherlich schwingt da ordentlich Künstlichkeit mit, aber für meinen Geschmack ist das absolut hinnehmbar, zumal ich die Präsenz nicht als synthetisch oder unangenehm empfinde. Was drauf steht ist auch tatsächlich wahrnehmbar: grüner Apfel – schön knackig und frisch, Maiglöckchen – wie auf einer Sommerwiese, Birne – dezent süß und saftig. Wer das nicht mag, wird auch keinen Gefallen am Duft finden. Die anderen Inhalte sind nur sehr sehr schwer auszumachen, wenn überhaupt. Ist aber auch kein Beinbruch, denn „Pomme Verte Muguet Poire“ strahlt diese gewisse positive Energie aus, die man an einem heißen Sommertag gerne um sich hat (ja, die hat man auch gern zu anderen Jahreszeiten, aber hier ist definitiv Sommer, Sonne, Sorgenfrei das unbestrittene Thema).

Das einzige, was mir ganz persönlich ein wenig missfällt ist die etwas zu starke Dominanz von Maiglöckchen, die mich an No. 5 von Chanel erinnern und somit die Kreation etwas zu feminin erscheinen lassen. Der Apfel ist hat zwar schon recht satt, aber kommt zusammen mit der Birne nicht ganz an. Ist allerdings auch nicht tragisch, denn Maiglöckchen wurden halt im Namen erwähnt und dann darf man sich entsprechend nicht wundern.

Alles in allem ein einfacher aber liebenswerter Sommerduft, für alle die es gern fruchtig mit ordentlich floralem Akzent mögen. Hat definitiv seinen „Gute-Laune-Faktor“, sofern man seine Erwartungen relativ bescheiden hält.
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Taurus1967 vor 23 Tagen 21
7.5
Duft
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Haltbarkeit
8
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9
Flakon

Apfelstrudel auf Zuckerwatte
Ach, die Leutchen von Parfums de Marly wissen schon, wie man den Kunden das wahrscheinlich noch nicht mal sauerverdiente Geld mit süßen Aromen aus der Tasche zieht. Vor allem den Jüngeren, denen ein Preisvergleich zu anstrengend ist und noch nicht sooo viel olfaktorische Alternativen kennen.

Das soll nicht heißen, dass deren Düfte huddelig gemacht sind oder ich denen den Erfolg nicht gönne. Im Gegenteil, denn wenn ich einen Hut hätte, würde ich den vor dem CEO von PdM ziehen, denn genauso konzipiert man ein erfolgreiches Eau de Parfum, welches die kaufkräftige junge Masse begeistert. Label, Produktname, Flakonform und
-farbe sind sehr stimmig – und auch der Duft. Allerdings ist dieser so intensiv gourmandig süß, dass man den Verdacht hat, dass der Parfümeur die angesagtesten Jungspund-Kassenschlager zusammen mischte um quasi das Interessanteste aus allen Highlights zu generieren.

Heraus kam ein intensiver Süßling, der direkt beim ersten Sprüher an Apfelstrudel erinnert, den man auf der Kirmes serviert bekommt. Das bedeutet, mit viel drumherum wobei man aus parfumtechnischer Sicht Erfolgsklopper wie Boss Bottled, A*Men, One Million und Spicebomb heraus schnuppern kann mit allen gourmandigen Eigenschaften wie etwas Mandarine, eventuell gebrannte Mandeln samt einen Hauch von Zimt sowie eine gute Prise Pfeffer.

Die floralen Noten sind nur hochdezent wahrnehmbar, dafür legt kurz darauf die Vanille schön cremig los und spätestens hier wird Layton den letzten Teen bis Twen, bei dem das Wasser in Sturzbächen im Munde läuft, überzeugt haben. Vor allem, wenn sich alles fein zusammen fügt, auch wenn die Qualität nicht so hoch anzusiedeln ist, wie man sie z. B. bei Guerlain serviert bekommt.

Wer bis dahin immer noch keinen Zuckerschock erlitten hat, erfreut sich darüber hinaus an der enormen Projektion und Haltbarkeit – zwei Faktoren, die zumindest für die Zielgruppe wichtig und in dieser Preisklasse stimmig sind.

Wie man lesen kann, ist dies weder ein Verriss noch eine absolute Empfehlung. Dafür ist Layton gleichzeitig ordentlich kreiert, aber auch ein wenig zu kalkuliert. Bei einigen kam die durchaus berechtigte Kritik, dass Layton zwar mit dem Anspruch eines Nischenparfums vermarktet wird, letztendlich jedoch wirklich nur Mainstream bietet.

Für die Kategorie Nische fehlt mir einfach der Schuss Originalität, Raffinesse und Exklusivität. Ansonsten ist Layton ansprechend genug für wohlsituierte junggebliebene Leckermäuler, die einen Winter-Clubbing-Duft suchen. Fortgeschrittene, denen längst die Süßwaren-Auswahl eines herkömmlichen Supermarktes zu banal ist und z. B. bei Pralinen lieber auf handgemachte Qualität aus Belgien setzen, bevorzugen höherwertigeren Stoff ...
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