Taurus1967Taurus1967s Parfumkommentare

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18.07.2019 06:33 Uhr
10 Auszeichnungen
Das kleine Label Maison de Parfum Berry kommt aus Rouen, welche die Hauptstadt der Normandie ist. Dort war ich zwar bisher noch nie gewesen, jedoch soll der Duft die hellen Reflexionen sowie die besonder Atmosphäre des Sonnenaufgangs an der Küste widerspiegeln.

Was direkt in den ersten Nanosekunden nach dem Sprühen deutlich wird: Éblouissants Reflets ist ein wirklich hauchzarter frisch-blumiger Duft, der vor allem mit Maiglöckchen und Kirschblüte zu becircen weiß. Dazwischen eine minimale Spur Ingwer und Zeder, das Ganze aber fein hingetupft ohne jemals aufdringlich zu wirken.

Passt zum milden feuchten Klima der Normandie ganz gut, allerdings frage ich mich, wie wahrscheinlich viele andere auch, was hier darin Kirschblüte und Ingwer verloren haben. Die wachsen zwar nicht in Nordfrankreich, geben Éblouissants Reflets jedoch den richtigen Schliff, obwohl Äpfel, Cidre und Calvados authentischer wären.

Der Duft selber bleibt durchaus linear und relativ unsüß, wobei man glaubt, eine leicht kühle Brise wahrzunehmen, die über den morgendlichen Tau gestrichen ist und einen unbeschwerten Tag verheißt. Zwar ist die Haltbarkeit überschaubar, aber der positive Eindruck bleibt längere Zeit in Erinnerung.

Dabei fragt man sich schon, wie sehr Éblouissants Reflets an der Grenze zum Unisex-Duft lang gleitet. Ich denke, dass sich junge Frauen oder auch jung gebliebene Damen damit am wohlsten fühlen, doch Normandie-Reisende könnten dies ungeschlechtsspezifisch wieder ganz anders sehen.


14.07.2019 11:07 Uhr
10 Auszeichnungen
Na, dass ist ja hier mal ein richtiges Schätzchen für alle, die es gern rauchig mögen. Hora Fugit, entnommen aus dem Sprichtwort „Hora Fugit, facta manent“, was so viel bedeutet wie „Die Stunde entflieht, die Taten bleiben“, beginnt üppig mit ordentlich Räucherwerk zwischen harzigem Benzoe und süßlich-seifig-grünlich bis würzigen Noten. Wobei man meint eher Weihrauch der klassischen Art wahrzunehmen.
Der Auftakt hat schon mal ein ordentliches Pfund, wobei der Rauch sich bis zum Ende erstreckt und viele Begleitingredienzien mehr oder weniger verdrängt.

Erstes Opfer ist Bergamotte, was aber wohl niemand ernsthaft vermissen würde. Lavendel und Lorbeer lugen ein wenig zwischen den Lücken, wobei erst aus der zweiten Reihe Sandelholz eine richtige Chance hat sich ein wenig zu behaupten. Harmoniert aber alles prächtig.

Keine Stunde später macht sich auch die Zeder verstärkt bemerkbar und gibt Hora Fugit eine winzige Spur von diesem holzigen Bleistiftcharakter. Das Rauchige weicht ein wenig und im Ausklang vernimmt man mehr von den süßlich-würzigen bis harzig-koniferigen Noten. Muskat und Leder spielen dabei nicht wirklich eine wesentliche Rolle.

Summasummarum ergibt Hora Fugit einen beeindruckenden Duft, der gerade am Anfang vor Rauchigkeit so strotzt und dann handzahmer wird. Nicht für Jedermann, aber für die Wesentlichen mehrere Stunden ein olfaktorisches Vergnügen, dass in Erinnerung bleibt.


06.07.2019 10:47 Uhr
11 Auszeichnungen
Dieser Spicebomb Flanker erscheint mir wie ein weiter gesponnener Gag aus der Marketing-Abteilung um zu schauen, was man thematisch den Kids noch alles andrehen kann.

Hatte das Original noch zumindest in der Kopfnote etwas Charme und Esprit, wird hier klar, dass man mit einem Invictusartigen Gebräu bei den jungen Käuferschichten Boden gut machen will. Ich denke, denen wird das Spiel mit den synthetisch-süßlichen ins Gourmandige streifenden Noten sowie der martialische Flakon, diesmal mit der Anmutung von einem Nachtsichtgerät, sicherlich zusagen.

OK – die Granate als Flakon fand ich schon damals kindisch-blöd, und grün mag ich auch nicht besonders, aber der Duft an sich ist selbst für mich alten Sack einigermaßen annehmbar. Zwar hat Night Vision keine explodierend betörende Kopfnote, doch diese seichte Süße mit leicht künstlichen Anklängen an Apfel und etwas Mandarine sowie dem Kaugummi-Kardamom gehen in eine halbwegs brauchbare Richtung, die erfahrungsgemäß im Mainstreambereich weitaus dramatisch schlimmer sein könnte.

Ebenso finde ich die zusätzlich Kalorienbombenverdächtigen Zutaten wie geröstete Mandeln und dezent vanillige Tonkabohne mit dem ganzen Gewürzkrimskrams als Des(s)ert Storm nicht wirklich daneben.

Vielleicht habe ich schon zu viel anderes und übleres erlebt bzw. geschnuppert, als das mich dies nun irgendwie schocken oder verängstigen würde. Im Gegenteil, beim Aufsprühen sowie Tragen war meine Toleranzgrenze noch längst nicht in Sicht- und Riechweite. Auch die Tatsache, dass das Zeugs extrem lange Haltbar ist, hat mir nicht die Stimmung verhagelt.
Dennoch wird er für mich niemals nie ein Kaufkandidat werden – aus dem Alter bin ich schlichtweg raus.

Allerdings frage ich mich, was die Marketingabteilung von Viktor & Rolf oder meinetwegen von L´Oreal bezüglich Spicebomb-Flanker noch alles in petto hat. Im Brainstorming fielen bestimmt schon Namen wie Nuclear Blast, Atomic Fallout, Biohazard oder Chemical Weapon. Und für den Sommer vielleicht mal in Giftgelb.


30.06.2019 15:01 Uhr
18 Auszeichnungen
Über Roja Dove kann man sagen bzw. schreiben was man will, aber eins ist sonnenklar: hingepfuschte Düfte mit mieser Qualität macht er garantiert nicht – zumindest nicht bis jetzt. Im Gegenteil: A Midsummer Dream bietet den idealen Stoff für einen, na komödiantisch will ich jetzt nicht erwähnen, aber zumindest äußerst positiv gestimmten Duft für heitere Tage oder solche, die es werden sollen.

Er eröffnet mit einem wahren Füllhorn an fruchtigen Noten, bzw. lässt die sonst eher typische Roja Dove Zitrone weg, gibt dafür aber mehr spritzige Grapefruit mit minimaler Säuerlichkeit dazu plus ein paar frischen grünen Noten und ein spannender langsamer Übergang in Richtung cremiger Orangenblüte.

Allein die ersten paar Minuten sind berauschend schön und machen Lust auf mehr ... mehr Duft, mehr Sonne, mehr Sommer – aber vielleicht nicht unbedingt mehr Hitze.

Der langanhaltende Mittelteil mit den fokussierten Orangenblüten erinnert nicht von ungefähr an APOM pour Homme von MFK. Doch während jener mit persönlich etwas zu trocken und dumpf wird, bietet A Midsummer Dream mit floralen und würzigen Akzenten mehr Frische, Lebendigkeit und Raffinesse. Einfach eine verwobene Komplexität an erstklassigen sowie natürlich wirkende Nuancen, wie sie typisch für RD sind.
Süßlich, aber nicht zu süß und einfach satt ohne übertrieben oder gar penetrant zu wirken.

Zum langfristigen abklingenden Ende dimmt der Sommertraum cremig ab, wobei die besagte Orangenblüte noch einige Zeit wahrnehmbar ist. Dies ist m. E. die dominierende Ingredienz in diesem Eau de Parfum, märchenhaft schön und teilweise vielleicht doch eher was für die Sommernacht als für den Tag, aber ansonsten tages- und auch geschlechtsunabhängig.

Wer grundsätzlich Orangenblütendüfte mag, wird sich mit großer Sicherheit mit diesem Sommertraum mehr als wohl fühlen. Und wer sie nicht mag, wird eventuell trotzdem noch was abgewinnen können.


26.06.2019 06:54 Uhr
9 Auszeichnungen
Aigner Sport Fragrance for Men war in der Historie der für den Sport konzipierten Düfte (wenn man mal von Hattric und Polo absieht, die Sportbegriffe bzw. Sportarten im Namen tragen) leider nur der Zweite. Immerhin mussten elf Jahre vergehen, ehe nach Eau de Sport Lacoste von Jean Patou Ende der 60er sich mal wieder jemand an das Thema heranwagt. Heutzutage hat so was fast jeder gefühlte zweite Abfüller im Sortiment.

Zwar weiß ich nicht, wie lange Aigner Sport Fragrance sich auf dem Markt halten konnte und wie gut es sich durchsetzte, jedoch kann ich mir vorstellen, dass man diesem Duft doch relativ skeptisch gegenüber eingestellt war.

Der Start ist relativ frisch-würzig, ohne jedoch zu sehr ins Zitrische abzudriften. Direkt danach folgt ein kurzer Sprint durch die Botanik mit floralen Ansätzen, wobei dem Duft dann allmählich die Puste ausgeht. Nachdem er das Tempo merklich gedrosselt hat, verharrt er langsam in diese weiche kuschelige Moschus-Ebene, wie man es auch von Aigner Nr. 2 kennt. Bei jenem scheint auch diese olfaktorische Entschleunigung durchaus zu passen, bei einem Sport-Duft ist mir das allerdings etwas unausgereift. Vielleicht war man da zur Zeit seiner Entstehung anderer Meinung. Schließlich ist die Verwandtschaft zum Klassiker Aigner Nr. 2 deutlich erkennbar. Da wollte man eventuell kein allzu großes Risiko eingehen.

Danach sollte es gut weitere sieben Jahre dauern, bis mit Sport de Paco Rabanne das Thema wieder aufgegriffen wurde … anscheinend mit länger anhaltendem Erfolg.


24.06.2019 06:27 Uhr
14 Auszeichnungen
Bei einem Parfum mit dem Namen Matin d´Azur, was übersetzt so viel bedeutet wie ein Morgen an der französischen Riviera, erwartet man einen frischen Duft, der entweder mit ordentlich Aquatik oder halt Zitrone kickt. Hier ist es letzteres, was den Ton angibt, allerdings zu Beginn sehr synthetisch und etwas ungelenk.

In dieser Phase werde ich stark an die künstlich stechenden Agrumen bei den Lô-Wässerchen von Santi Burgas sowie an AB von Blood Concept erinnert, bei denen die Zitrone unnatürlich übersteuert wirkt. Der Vergleich zu Putz- und Scheuermittel ist nicht allzu weit hergeholt. Angenehm ist was anderes.

Da wundert man sich schon, warum der Duft hier so gut bewertet wird. Ein wenig später wirkt der Morgen wacher und das olfaktorische Bild erscheint klarer, denn die Zitrone wandelt sich mitsamt einigen anderen frisch wirkenden Ingredienzien etwas mineralischer und eventuell sogar metallischer. Halt kühl, jedoch mit Anspruch.

Geduldet man sich noch ein paar Stunden ist die Zitrone endlich aufgestanden und präsentiert sich mit der Kombi aus dem süßlichen Osmanthus sowie dem geschmeidigen Guajakholz schon recht cremig.

Und weitaus später bleibt am Ende nur noch süßlich-holzige Cremigkeit, allerdings ohne versprochenem Wildlederanteil.

Als Resümee würde ich ziehen, dass Matin d´Azur doch eine relativ verpennte Zitrusnote hat, die sich leider viel zu spät entwickelt. Man könnte befürchten, dass sich bis dahin einige aus Enttäuschung mit saurer Miene den Sprühnebel wieder von Arm oder Handgelenk gewischt haben.
Zwar wird es danach besser, hebt aber die Gesamtnote nicht über gehobenes Mittelmaß.

Ich denke, in dem Segment gibt es interessanteres, was den Morgen an der Côte d´Azur verkörpert.


19.06.2019 21:36 Uhr
13 Auszeichnungen
Was haben Taurus und Balafre gemeinsam? Natürlich das Geburtsjahr 1967 – wie schon hier und da mal erwähnt einfach ein vorzüglicher Jahrgang. Vielleicht trifft es nicht unbedingt auf alles zu, was innerhalb dieses Zeitfensters das Licht der Welt erblickte, aber auf Balafre würde ich nichts kommen lassen, auch wenn er fast auf dem Abstellgleis gelandet wäre.

Seit einigen Jahren gibt es eine Reformulierung, doch dieser Kommentar befasst sich mit der Vintage-Version. Die Eröffnung fällt recht klassisch aus, mit bergamottig sowie zypressig-floralen Noten, allerdings eher warmherzig einladend, weniger kühl distanziert.

Was flott folgt ist ein kleiner Gruß aus dem Wald mit koniferigen Eindrücken und ordentlich Eichenmoos, die den maskulinen sinnlichen Charakter von Balafre unterstreichen, ohne derb zu wirken. Immerhin lässt sich nebenbei eine Spur von Leder ausmachen.

Gegen Ende spielen Moschus und Amber noch mal eine kleinere Rolle, doch Hauptakteure sind zweifelos die nicht zu übertriebene Kiefernadel in Kooperation mit Eichenmoos und anfänglicher Zitrone-Bergamotte-Kombi. Kamille ist mir irgendwie gar nicht aufgefallen – warum auch immer.

Für mich vermittelt Balafre dem Träger ganz klar die Aura eines Menschen, der welterfahren jedoch gleichzeitig bodenständig ist. Also überlegen, aber nicht überheblich.
Oft fragt man sich bei der Parfumo-Einordnung, ab wann ein Duft eher was für Ältere ist. Hier trifft es auf jeden Fall zu, quasi in der gleichen Riege wie viele andere Klassiker like Habit Rouge, Giorgio for Men, Jules von Dior usw., die an U30-Trägern eher unauthentisch wirken.

Wenn ihr mich fragen würdet, wie man Balafre sonst noch beschreiben könnte oder an welchen bekannten Duft er erinnert, so kann ich ganz klar Cacharel pour L´Homme als Antwort geben. Beide teilen sich nicht nur eine Menge Ingredienzien, sondern auch den selben Parfumeur. Vielleicht ein hieb- und stichfester Beweis.


13.06.2019 06:31 Uhr
9 Auszeichnungen
Othoca (phönizisch „alte Stadt) bezieht sich namentlich auf eine alte ausgegrabene phönizische Kleinstadt an der Westküste Sardiniens, die wohl aufgrund der archäologischen Funde im 3. Jahrhundert v. Chr. Hafen und Handelsknotenpunkt war. Das umgebende Meer wird auf dem Flakon durch die gezackten Wellen symbolisiert - olfaktorisch durch zaghaft salzige Akzente, die sich ab der Kopfnote dezent durchsetzen.

Gerade der Auftakt lässt Othoca beinahe geradezu explodieren. Die Bergamotte bleibt ein wenig im Hintergrund, doch Thymian und Majoran haben hier einen exorbitanten Auftritt und bilden die festen Grundmauern, neben dem etwas später einsetzenden Wacholder und Costus. Das ist außergewöhnlich, aber dann auch bereits der frisch-würzig-fruchtig-florale Höhepunkt dieser Kreation.

Danach wird Othoca etwas ruhiger, jedoch ergeben Majoran, Costuswurzel, Wacholder und ein wenig Lavendel eine Aura, die nicht von ungefähr an feuchten Modellierton mit minimal synthetischen Touch erinnert. Finde ich persönlich nicht so sexy, könnte aber den ein oder anderen zusagen. Nichtsdestotrotz frage ich mich, ob diese relativ ungewöhnliche Note das Thema Ausgrabung, Gemäuer oder Nekropol widerspiegeln soll. Wer weiß ...

Gegen Ende kommts dann fast schon versöhnlich pudrig bis staubig, ein bisschen angesüßt mit Ambra und gefühlter Tonkabohne, obwohl die gar nicht angegeben ist. Somit bilden Eröffnung und Finale insgesamt einen ansprechenden Twist, doch bereits zu Beginn hat Othoca sein ganzes Überraschungsfeuerwerk abgefackelt – und zwar satt und im vollen Panorama. Der Mittelteil stimmt mich nachdenklich, und ich bin mir nicht ganz sicher, was ich tatsächlich davon halten soll. Würde Othoca zu 3/4 aus der Kopfnote bestehen, würde er auf Parfumo für weitaus mehr Furore sorgen, doch so verblasst der gute Gesamteindruck ein bisschen. Die 7.5 Punkte gebe ich mal auf großzügige Art. Wer den feuchten Modellierton grundsätzlich nicht mag, kann für sich noch mal 2 Punkte abziehen.


08.06.2019 08:58 Uhr
14 Auszeichnungen
Das französische Duft-Label FiiLiT (abgeleitet von „feel it“ und „fill it“) konnte ich das erste Mal vor zwei Jahren auf der GAoP in Düsseldorf kennen lernen. Dort war einer der jungen Firmengründer noch persönlich vor Ort und stellte drei unterschiedliche Kreationen vor.

Mittlerweile hat sich das Portfolio auf insgesamt zehn Eau de Parfums in allerlei Farbschattierungen erweitert. Sie bestehen aus zwischen 87-100% natürlichen Inhaltsstoffen und kommen sowohl clean als auch vegan. Hinter den Kreationen steht u. a. die Parfümeurin Stéphanie Bakouche (u. a. „Invasion Barbare“).

Dabei legt man lt. den Versprechungen bei der Auswahl der Rohstoffen wert auf Nachhaltigkeit und Rücksicht auf die Belange der heimischen Bevölkerung und deren Umwelt. D. h. Materialen aus fairem Handel, umweltfreundliche Verpackungen aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung, Bio-Alkohol aus französischen Weizenkulturen sowie Bio-ätherische Öle. Alles ist frei von Parabenen, Phthalaten, Farbstoffen, endokrinen Disruptoren und Tierversuchen. Ich glaube, mehr geht nicht!

Das ist schon mal ein höchstlöblicher Ansatz, den wenn überhaupt, nur wenige Parfum-Labels erreichen – zudem sind alle Düfte exotischen Destinationen aus aller Welt gewidmet, was sich auch mehr oder weniger in deren Farben widerspiegelt.

Das Wort Saudade wurde vom Institut für Auslandsbeziehungen e. V. Berlin auf Platz sechs der zehn schönsten Wörter der Welt und laut einer britischen Umfrage von unter Linguisiten sowie Dolmetschern in die Top-Ten der „unübersetzbarsten Wörter der Welt“ gewählt.
Das Wort stammt aus dem portugiesischen und umschreibt eine spezifische Form des Weltschmerzes, nostalgische Träume, Sehnsucht nach anderen Orten und Liebe – die man für das Amazonasgebiet und seine Lebensräume empfinden kann.

Dabei strahlt der Duft alles andere als Melancholie sondern eher Lebensfreude aus, denn es grünt an allen Ecken, Kanten und Flussbiegungen. Zum einen wirkt es recht frisch-säuerlich durch die zurückhaltende Zitrone, aber auch etwas exotisch durch florale sowie fruchtige Noten, allen voran die Passionsblume.

Zwischendrin, wie sich das gehört, ordentlich grünes Beiwerk, holzig-pflanzliches Piri Piri (am Amazonas als Aphrodisiakum für Frauen bekannt) und sogar etwas Guajakholz, am Schluss abgerundet mit einem balsamischen Anstrich, womit die ganze Kreation eine minimale Schwülstigkeit des Regenwalds verkörpert.

Zwar war ich noch nie am Amazonas, finde aber, dass das Ganze hervorragend zum Thema passt. Und genau das ist es, was ich vielen anderen Konzeptdüften ankreiden würde. Doch hier fügt sich alles wunderbar zusammen und die Illusion ist perfekt.

Die Sache hat nur einen klitzekleinen Haken. Nein, das ist noch nicht mal der Preis, denn alle EdPs werden zum relativ fairen Kurs angeboten.
Es ist die Haltbarkeit, die aufgrund der Natürlichkeit der Ingredienzien ihre Grenzen hat, auch wenn diese dafür schon recht langanhaltend ist. Aber selbst dafür gibt es eine ideale Lösung, denn alle Kreationen werden abgestimmt zur Farbe mit 11 ml Reise-Taschenzerstäubern aus Holz angeboten, die man selbstverständlich austauschen kann. Mittlerweile sind auch einige Düfte zum Nachfüllen erhältlich.

Alles in allem ein wunderbar rundes Konzept in allen Belangen. Ich denke, wenn ich selber ein Parfum-Label gründen würde, wäre zum Thema Nachhaltigkeit FiiLiT mein absolutes Vorbild. Vielleicht mit ein paar gestalterisch ansprechenderen Flakons, aber ansonsten hat man hier alles richtig gemacht. Klar – die Düfte sind widerum Geschmackssache und man müsste mal alle der Reihe nach ausgiebig testen und sich dann wieder melden. Aber Saudade ist absolut klasse gemacht, auch wenn er für meinen Geschmack noch etwas mehr Volumen vertragen könnte. Ansonsten drücke ich der Marke mal ganz fest alle Daumen, dass sie sich auf dem harten Parfum-Markt erfolgreich durchsetzen können


03.06.2019 18:45 Uhr
24 Auszeichnungen
Es war der 28.02.1996 in der Bochumer Zeche als ich Rammstein das erste Mal live gesehen hatte. Zuvor hatte ich mir die CD „Herzeleid“ zugelegt und genoss die provokative Show mit Flammenwerfer und Kunstsperma, die in der vollbesetzten Halle für viel Furore sorgte. Rammstein in einer so intimen Atmosphäre zu sehen wäre heute nicht mehr möglich. Schon kurze Zeit später füllten sie größere Konzerthallen, danach ganze Fußballstadien – und zwar weltweit.

Irgendwann musste ich auch nicht mehr jedes Album von Rammstein haben und auch die Konzerte zogen mich nicht mehr in ihren Bann, aber nach wie vor hatte ich große Sympathien für die Band, die gern weiter provozierte und sich selbst trotz des Mega-Erfolgs nicht so ernst nimmt. Den Track „Deutschland“ mit dem schweineteuren Video halte ich für eines der besten von Rammstein und beinahe war ich letzte Woche sehr in Versuchung gewesen, bei Bekanntgabe dass sie einen eigenen Duft bei Rossmann lancieren jenen blind zu kaufen, denn einen Tester gab es noch nicht. Ach – ich wäre schon gern der erste gewesen, der dazu einen Kommentar geschrieben hätte, aber das Risiko war mir einfach zu groß.

Heute weiß ich, dass ich damit gut beraten war, denn die Enttäuschung über die versenkten 20 € wäre immens. Ich könnte jetzt zeilenlang darüber schwadronieren wie Heroin riecht und welche olfaktorischen Unterschiede es gibt zwischen Kokain aus Medellin oder Cali oder einer anderen Region, aber ich gebe zu, dass ich damit leider (nein – zum Glück) keine praktischen Erfahrungen habe. Und das hier verwendete Benzin erinnert eher an Waschbenzin, nicht aber an oktanhaltigen Brennstoff. Nein, auch verkohltes Holz oder Feuer spielt in diesem Duft keine Rolle, noch nicht mal Patchouli. Ganz am Anfang schielt ein bisschen Leder durch, doch schnell danach ähnelt dieses Kokain eher billiger Rosenseife mit ein wenig Puder, blitzsauber und blitzlangweilig.

Wenn ich ein 16 jähriger weiblicher Fan wäre, würde mich dieses weichgespülte Wässerchen eventuell ansprechen, doch so muss ich leider urteilen, dass Kokain ein kläglicher Versuch ist, dem Image von Rammstein gerecht zu werden. Dann entweder, wie hier bereits vorgeschlagen den Weg der Nische zu gehen und wirklich was gegen den Strich mit allen Konsequenzen anzubieten, was zum Thema passt, auch wenn dies etwas teurer und exklusiver angeboten werden müsste, jedoch garantiert zufriedene Abnehmer gefunden hätte oder sich eben damit eine blutige Nase holen.

Wirklich gern hätte ich Kokain aus Respekt vor Rammstein weitaus höher bewertet. Doch wem will ich damit was vormachen? Mir? Euch?

Da waren Rammstein und/oder ihr Manager leider schlecht beraten, aber vielleicht klingeln die Kassen trotzdem. Nur halt ohne mich!


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