Taurus1967Taurus1967s Parfumkommentare

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25.03.2020 06:44 Uhr
15 Auszeichnungen
Weihrauch ist so eine polarisierende Substanz, die man entweder liebt oder hasst. Letzteres wohl oft von denen, die damit negative klerikale Erinnerungen verbinden oder schlicht aus anderen, weniger nachvollziehbaren Gründen. Wer zu dieser Gruppe gehört, braucht erst gar nicht weiter lesen, denn dies ist bestimmt nícht Dein Duft.

Alle anderen die dem Thema offen oder zumindest einigermaßen skeptisch gegenüber eingestellt sind, winkt mit Rocher Princier ein kleiner Geheimtipp.

Dabei handelt es sich nicht nur um einen einfachen Weihrauch-Duft, sondern ein ansprechendes Eau de Parfum, welches mit Minze und den unterstützenden Aldehyde kreative Wege beschreitet. Dazwischen tummelt sich eine zaghafte Apfelnote, die nicht unwillkommen wirkt. Somit ist ein frischer, beinahe lebensbejahender Start mit absoluten hellen Nuancen garantiert. Dabei erinnert die kräftige Weihrauch-Note an die Intensität der exzellenten Serie 3: Incense Reihe von Comme de Garçons. Gefällt mir persönlich mehr als sehr!

Andere Ingredienzien können sich zwar aufgrund der Dominanz des Gummiharzes kaum durchsetzen, doch hier und da blitzt eine Mischung von holzigen bis würzigen Noten wie etwa Kardamom, Pfeffer plus Muskat und später noch Sandelholz und Eichenmoos auf. Oud-Hasser wird es freuen: es ist so gut wie nicht wahrnehmbar. Schade nur, dass die Elemente aus der Kopfnote nach geraumer Zeit durch sind und nicht ewig halten – aber immerhin!
Insgesamt wirkt Rocher Princier, was übersetzt soviel bedeutet wie „königlicher Felsen“, sehr sauber, kühl, ätherisch und sehr vital. Fast so, als würde man den besagten Beelzebub nicht nur austreiben, sondern gleich blitzblank räuchern und dann zersetzen wollen.

Ja, Weihrauch gilt seit Urzeiten als Desinfiktionsmittel, welches jedoch weitaus angenehmer schnuppert als alles andere, was man sonst damit in Zusammenhang bringt.
Das einzige, was mich ein wenig zurück schreckt, ist der relativ hohe Preis. Da muss man Rocher Princier mit der Serie 3 von Comme de Garçons für sich persönlich abwägen.


21.03.2020 06:56 Uhr
13 Auszeichnungen
Über die französische Marke FiiLiT und deren vorbildliche Intention habe ich bereits in meinem Kommentar zu „Saudade“ ausführlich berichtet. Und über die Kykladen hat ja schon Leimbacher was geschrieben. Sei vielleicht noch zu erwähnen, dass diese Inselgruppe u. a. mit Mykonos und Santorin quasi das Klischee der klassischen griechischen Touristenziele bilden. Halt mit weiß getünchten kleinen Häuschen sowie blauem Meer und Himmel.

Doch was hat es mit Irida auf sich? Nun, sie ist die griechische Göttin des Regenbogens und verbindet sowohl Himmel und Erde als auch Menschen und Götter. Man kennt sie ebenfalls als Iris, wie auch die Regenbogenhaut im Auge genannt wird. Jetzt aber genug geschlaumeiert – kommen wir zum Duft.

Dieser kommt anfangs frisch-zitrisch, aber auch zum Teil trocken bis würzig rüber. So klar, wie die Luft die man vielleicht anvisiert hat, entpuppt sich Irida nicht unbedingt. Im Gegenteil, irgendwie schwingt da noch was dumpf-herbes mit. Ich habe da das harzige leicht pistazienartige Mastix im Verdacht.

Gibt man Irida ein wenig Zeit, so entwickelt sich daraus ein eher holzig-florales Eau de Parfum, das dank Veilchen in Richtung Hommage à l´Homme von Lalique driftet. Papyrus unterstreicht da scheinbar noch mal eine fluffige Holzigkeit. Das gefällt mir schon weitaus besser als der holprige Start, kommt aber dennoch nicht an das Original ran.

Gegen Ende besticht dann Irida wieder mit trockenem Charme samt Myrrhe, aber leider auch wieder mit einer verhuschten bitteren Begleitnote.

Summa summarum ergibt das Ganze einen fast körpernahen Duft, der weder die Komplexität eine Regenbogens widerspiegelt noch idyllisches Kykladen-Kopfkino auslöst, jedoch im Mittelpart absolut ok geht. Als schwacher Trost kann man zumindest sagen, dass Irida zu 87% aus natürlichen Ingredienzien besteht.


16.03.2020 06:36 Uhr
15 Auszeichnungen
Oft überlegt man sich beim Testen und Kommentieren, die wie vielte Version einer Rosen-Oud Kombi noch unbedingt besprochen werden sollte. Im Prinzip bin ich für diese Saison mit dem Thema durch, möchte aber dennoch diesem Extrait de Parfum eine kleine verdiente Bühne bieten.

Dabei macht es einem der Duft am Anfang alles andere als leicht. Die Rose drückt sich recht quietschig-kitschig auf die Nase und bringt die süßliche Note eines Multivitaminbonbons mit. Da werden sicherlich schon einige zurück geschreckt sein und den Flakon wieder kopfschüttelnd ins Regal gestellt haben. Von Oud erstmal keine Spur.

Auch später ist das namensgebende Adlerholz alles andere als tonangebend, jedoch wird dagegen die Rose weitaus weicher, runder und allgemein angenehmer. Ja, da schimmert auch noch was Dunkles von hinten durch, was an Oud angelehnt ist und marginal ins Medizinische geht. Ich denke, die Papyrusnote macht den Duft zusätzlich noch etwas holziger, satter und geheimnisvoller.

Die Projektion sowie Haltbarkeit sind ebenfalls generös und halten Riechorgan des Trägers/der Trägerin plus dem Umfeld lange auf Trab ohne überdreht zu wirken.
Gerade in der Spätphase entwickelt sich Oud Silk Mood trotz Linierarität fein verwebt, erwachsender sowie exklusiver und wird somit zum idealen kultivierten Ausgehduft mit zaghaft konventionellem Charakter für kühle Abende.

Originell ist sicherlich was anderes, aber dafür spricht diese Rosenvariante alle an, die sich mit Oud eher schwer tun, die aber zum floralen Erlebnis noch ein wenig was dunkles, tiefgründiges ohne große Experimente erwarten.


08.03.2020 15:50 Uhr
19 Auszeichnungen
Im vergangenen Winter sowie im Laufe der letzten Jahre sind mir etliche Vanille-Düfte unter die Nase gekommen. Darunter einige wirklich exzellente Meisterwerke wie z. B. Cuir Beluga von Guerlain, Seta von Moresque, Vanille von Franck Boclet oder Vanilla Patchouli von Molinard.

So weit so gut. Aufgrund der Vielzahl an Vanille-Düfte kann ich leider nicht alle kennen lernen und testen. Doch der für meinen Geschmack bis dato beste Kandidat für den Anwärter auf den ungekrönten Vanille-König dürfte Spiritueuse Double Vanille von Guerlain sein.

Die Gründe sind so vielschichtig wie das Eau de Parfum selbst. Zum einen bekommt man eine hochwertige Vanille wie sie im olfaktorischen Bilderbuch steht. Absolut natürlich, nicht zu süß und trotzdem intensiv genug.
Drumherum noch ein wenig Würze und Weihrauch, so dass man eine leicht holzig-rauchige Stütze vorfindet, die den Duft etwas maskuliner und markanter macht.

Dazu noch etwas Benzoe, welches balsamisch wirkt, aber Spiritueuse Double Vanille weiterhin gourmandmäßig erscheinen lassen. Gleiches kann man vom Rum sagen, der höchst dezent eingesetzt wurde, aber wahrnehmbar ist. Hier die richtige Justierung zu finden, wird wohl eine der größten Herausforderungen gewesen sein.

Immerhin, und dies ist ein weiterer Grund, hat niemand geringeres als Jean-Paul Guerlain „die Nase“ der letzte Erbe der Dynastie persönlich an dieser Kreation Hand angelegt. Der Parfümeur von klassischen Meilensteinen von Arsène Lupin, Chamade, Coriolan, Derby, Eau de Guerlain, Habit Rouge, Héritage, Nahema sowie Samsara hat hier wieder einmal gezeigt, warum er zu den ganz Großen zählt. Und bei Guerlain kann man davon ausgehen, dass man zumindest unter seiner Regie nicht mal eben etwas zusammen rührt, sondern jeden Schritt mit viel Bedacht, Professionalität und Qualität ausführt.

Auch wenn die anderen Parfums aus der „L´Art et la Matière“-Kollektion allesamt beinahe perfekte Düfte sind und ihre Berechtigung haben, ist Spiritueuse Double Vanille der einzige mit der Handschrift eines Guerlains.

Das in punkto Projektion und Haltbarkeit sowie Flakon-Design eh alles seine Richtigkeit hat, ist quasi noch die Amerena-Kirsch auf dem vanilligen Sahnehäubchen. Ich wage mal die These: besser kann man einen Vanille-Duft nicht machen.


04.03.2020 06:33 Uhr
18 Auszeichnungen
Eigentlich sind Saphire blau, genau genommen himmelblau bis schwarz dunkelblau. Aber auch andere Farben können vorkommen. Sind sie tatsächlich rot, so sind es dann Rubine.

Und an Rubine muss ich denken, wenn ich die Farbe Rot sehe oder an Rosen schnuppere. Also mehr oder weniger im übertragenen Sinne.

Bei Dark Saphir dominiert zweifelsfrei die Rose. Doch drumherum passiert eine ganze Menge, wenn man sich mal die aufgeblähte Pyramide ansieht. Alles kann man freilich nicht identifizieren, aber man hat den Eindruck, dass man fast bei jedem Atemzug eine neue Facette des „dunklen Saphirs“ kennen lernt.

Mal scheinen es eher die Himbeeren zu sein, dann eher das Patchouli, dann eher die würzig-orientalischen Komponenten oder eher die floral-harzigen Noten. Anfangs weiß die Rose auch noch nicht, ob sie sich mehr von der süßlichen oder doch von der dunkel-herben Seite zeige soll, wobei sie im mittigen Verlauf zur Ruhe gefunden hat und wirklich reif und erwachsen wirkt.

Drumherum erkennt man die schweren holzigen Noten als Gerüst mitsamt dem klassischen weichen Oud als Basis, auf dem die Rose ruht.

Nicht von ungefähr fühle ich mich an „Black Tie“ von Washington Tremlett erinnert, ein dunkler Rosen-Duft für Herren, der hier mal vor gut 9 Jahren die Parfum-Top Ten anführte. „Black Tie“ spielt heute keine Rolle mehr im Duft-Segment, aber wer ihn noch kennt. weiß um seine Anziehungskraft.

So ist Dark Saphir zwar kein Duftzwilling, aber eine willkommene Alternative für alle, die etwas ähnliches suchen. Halt einen edles Parfum mit Rose als Kern und dunkler Materie drumherum, welches durchaus ebenso für Herren tragbar ist.


29.02.2020 17:01 Uhr
20 Auszeichnungen
Der Frühling steht vor der Tür. Ganz nah – in Klopfweite. Zumindest was den meteorologischen Lenz betrifft, auch wenn in einem selber noch keine Frühlingsgefühle erwachen.

So theoretisch wie der Frühlingsbeginn ist auch Flash Back als solcher für die aufkeimende Jahreszeit gedacht. Zumindest bringt er auf dem Papier alles mit, was an warme, sonnige Tage denken lässt.

In der Realität sieht es das schon etwas anders aus. Zwar ist der Auftakt mit der ansprechenden frisch-säuerlichen Grapefruit-Note einigermaßen geglückt, doch ein Flash Back an vergangene Frühlingstage will nicht so recht gelingen – wenn dann eher an das gelungenere TdH. Da kann auch der ebenso grünlich-spritzige Rhabarber nicht viel retten.

Schuld daran ist ein schwerwiegender Missbrauch zu viel chem ... äh synthetischen Beigaben, die u. a. aus dem Granny-Smith eine unverdauliche Frucht machen und den Vetiver eher alt aussehen lassen.

Der Ansatz an sich mag ok gehen und ich kann mir vorstellen, dass die Pyramide mit natürlicheren oder wertigeren Ingredienzien einen Top-Erfrischer hervorzaubern würde, aber irgendwie scheint es mir, als hätte jemand ordentlich an der Kostenbremse gezogen.

Darum würde ich zum Ausklang von Flash Back nicht unbedingt gutgelaunte Frühlingselfen summen hören, sondern mehr den zotteligen grau-roten Zonk. Vor allem, wenn ich mir das Preis-Leistungsverhältnis betrachte. Da könnten einige angesichts der vermaledeiten Triole von Duft, Haltbarkeit und Sillage glatt an Cash Back denken.


18.02.2020 06:37 Uhr
19 Auszeichnungen
Über die Marke Birkholz scheiden sich die Geister. Die einen empfinden sie als frischen edlen Wind in der deutschen Duftlandschaft, andere wiederum als überteuerte Wässerchen mit fragwürdiger Qualität.

Ich sage es mal so: im Prinzip hat sich Birkholz durch zahlreiche Veröffentlichungen und Bemühungen einen Namen gemacht und versucht in der Oberklasse der Parfüme mitzuspielen. Preislich haut das fast hin, aber bezüglich der Verarbeitung sowohl im Äußeren (teilweise kleben die Etikette schief) als auch bezüglich der Inhalte sowie des rumpeligen Marketings bleiben viele Fragen offen.

So ist Ocean Hills ein glasklarer Aventus-Klon, der allerdings mit dem angestrebten Vorbild überhaupt nicht mithalten kann. Zum einen setzt man hier verstärkt auf die zitrisch-apfelige Karte, die leider nicht so wertig rüberkommt und insgesamt etwas dumpfer wirkt. Zumindest nimmt man den typischen Aventus-Rauch wahr, was nicht jedem Parfumeur gelingt, aber das allein reicht nicht, um das Klientel zu überzeugen. Ebenfalls verzichtet man auf Birke und Wacholderbeere, dafür hatte ich kurz den Eindruck eine minimale Spur Johannisbeere zu erschnuppern, was auch eine Täuschung sein könnte.

Letztendlich spielt es keine Rolle, was die Pyramide herzugeben scheint. Ocean Hills wird zwar von Birkholz als frischer Aquate mit rauem Meeres-Charme und holzig-aromatischen Einschlag angepriesen, doch man merkt ihm an, dass er die Aventus-Käufer anvisiert.

Doch jene werden hier weder in punkto Qualität, Haltbarkeit und/oder Sillage und schon gar nicht vom Preis her genügend Argumente finden, dass Ocean Hills als Alternative gerechtfertigt wäre. Zumal mit Explorer von Montblanc und Insurrection II Pure von Reyane Tradition interessantere Kaufempfehlungen existieren. Darum also Augen auf beim Klon-Kauf.


12.02.2020 06:33 Uhr
19 Auszeichnungen
Vor kurzem besuchte ich mal wieder meine Düsseldorfer Stammparfümerie Beauty Affair. Dort hatte Herr Hardcastle die lilafarbenen Molinard-Düfte sowie die drei Neuzugänge Gingembre, Citrus Noir und Thé Basilic auf einem Extra-Tischchen für Neuerscheinungen bzw. Angebote apart aufgebaut und präsentiert. Klar – bei dieser Farbe war das für mich schon ein ordentlicher Hingucker. Thé Basilic hatte ich ja bereits vor kurzem ausführlich kommentiert, jedoch finde ich, dass ein weiterer aus der leichteren Reihe, ich liebäugle da mit dem Gingembre, wohl passenderweise besser im Frühjahr besprochen werden sollte.

Aktuell sprach mich vor allem der Vanille Patchouli an, eine Kombination die bei mir höchstes Interesse hervorrief, denn weich, süßlich und gourmandig steht hervorragend im Kontrast zu krautig, herb und erdig – je nachdem welche Art des Lippenblütengewächs verarbeitet wurde.

Hätte man eigentlich schon längst oder öfter drauf kommen können, doch so viele Düfte mit diesen beiden Hauptdarstellern findet man nicht, obwohl das spannender klingt, als vergleichbar Rose & Oud oder Zitrone & Orange.

Allerdings gehts bei Vanille Patchouli etwas anders zu als zunächst gedacht. Vanille ist schnell identifiziert, wenn auch nicht so vorbildlich geschmeidig, wie vergleichbar in Guerlain-Parfüms, aber immerhin angenehm kuschelig.

Doch statt Patchouli vernimmt man eine rauchige Note die entsteht, wenn man qualmende Kirschholzscheite mit angesengtem Tabak vermengt. Dazwischen funkt ganz zaghaft Benzoe und versucht zu vermitteln, doch der angestrebte Kontrast bleibt.

Zum Ausklang bleiben die Komponenten weiter bestehen, allerdings in einer zurückhaltenden weicheren Form, wobei man zwar das Patchouli irgendwie vermissen könnte, aber andererseits in dieser Art nicht minder uninteressant wirkt. Ein wenig fühle ich mich gegen Ende olfaktorisch an diese kleinen Vanille-Dragees erinnert, was mich persönlich definitiv positiv stimmt.

Wer also eine Vanille-Duft Sammlung um eine weniger süße dafür jedoch rauchig-patchouliartige Kreation bereichern möchte, für den aber Tobacco Vanille schon zu gewöhnlich und/oder zu kostspielig ist, der kann hiermit seine Merkliste ergänzen. Zumal Molinard vor allem als Eau de Parfum wahrhaftig absolut faire Preise verlangt und ordentlichen Gegenwert bietet.


08.02.2020 13:54 Uhr
17 Auszeichnungen
Von den großen Parfumhäusern oder auch Designerlabel gibt es auffällig viele Herrendüfte, die den Namen „Monsieur“ tragen – gerade in der Zeitspanne, als Parfums für Männer noch nicht ganz so selbstverständlich waren. Darunter „Monsieur Carven“ (1978), „Monsieur F de Ferragamo” (1976), „Pour Monsieur” von Cardin (1972), „Monsieur Rochas“ (1969), „Monsieur Worth“ (1969), „Monsieur” von Roger & Gallet (1969), „Monsieur Houbigant“ (1967), „Monsieur Balmain“ (1964), „Monsieur Lavin“ (1963), „Monsieur NET” von Jean Patou (1956), „Monsieur Lubin“ (1955), „Pour Monsieur” von Chanel (1955) und sogar „Mouchoir de Monsieur“ von Guerlain (1904) könnte man darunter aufzuzählen um nur einige zu nennen.

Da ist „Monsiuer de Givenchy“ von 1959 auch schon ein richtiger Klassiker, selbst wenn dieser äußerlich wie inhaltlich reformuliert wurde. Was er mit vielen Herrendüften aus der alten Garde gemein hat, ist diese unverkennbar frische zitrische Art mit maskulinem Einschlag. Durch Zitronenverbene und Lavendel erhält der Duft noch eine Spur mehr Kante. Dazu noch einen kleinen Schuss wunderbares Eichenmoos und schon hat die richtige Dosierung eines wertigen Wässerchens für den dezenten Gentleman, der olfaktorisch seine angenehme Anwesenheit verkündet, aber keineswegs aufdringlich wirken will.

Ganz anders dann die „Monsieur“-Düfte aus den 70er bis 80er Jahren, die mit schweren orientalischen bis animalischen Noten mehr Aufmerksamkeit erzeugen und beinahe in die Brunftkategorie zugeordnet werden müssen, welche aber auch definitiv ihre Berechtigung haben. Dafür halten jene aber auch länger.

Zugute halte muss man auch, dass „Monsieur de Givenchy“ zumindest in der ursprünglichen Version sehr natürlich rüber kommt. So wie es auch ein klassischer Parfümeur der alten Schule mit klassischen Ingredienzien kredenzen würde. Ich befürchte, sowas geradliniges und authentisches würde man heutzutage weder in Auftrag geben noch anbieten wollen. Die Zeiten ändern sich halt.


06.02.2020 06:33 Uhr
12 Auszeichnungen
Über das Parfum-Label L´Arc lässt sich nicht viel ermitteln. Laut meiner kleinen Recherche ist es anscheinend ein französisches Parfümhaus aus Grasse, welches allerdings stark im arabischen Raum vertreten ist.
Auf der Homepage wird Bezug zu einem gewissen Maître de Claude genommen, der wohl im Bereich der Architektur, Künste und als Parfumeur unterwegs ist und sich auf seinen Reisen zu Düften inspirieren lässt.

Zu „Argentium – Halo de Lune“ ist u. a. Havanna Dreh- und Angelpunkt der Inspiration für diese Kreation. Die Story dazu liest sich ein wenig krude und konstruiert, aber darüber will ich mal großzügig hinweg sehen.

Entsprechend würde ich da mehr den Fokus auf Fakten legen, denn dieser Duft hat durchaus Potential. Wer bei Oud eventuell zurück schreckt, kann schnell wieder besänftigt werden, denn wir haben es hier mit einem recht geschmeidigen Vertreter des Adlerholzes zu tun, welcher sich von seiner warmen holzigen Seite zeigt.

Dominierender aber nicht zu intensiv steht da die Orange im Vordergrund, die vermengt mit Muskat, Kardamom und etwas Safran fein würzig und eher ein wenig herb daher kommt. Es könnte sogar ein Hauch Rum oder gar Grand Marnier zu vernehmen sein. Wer dagegen die satte spritzig-süße Version der Zitrusfrucht bevorzugt, wird wahrscheinlich enttäuscht werden.

Gegen Ende wird es noch etwas trockener und edler mit weiteren Holznoten, womit sich „Argentium – Halo de Lune“ in die orientalisch-würzig-holzigen Düfte mit warm-orangigem Einschlag einreihen lässt. Das gefällt mir wirklich ausgezeichnet, allerdings muss ich anmerken, dass er mir einfach in die Luft gesprüht noch intensiver zusagt. Dort vermittelt er m. E. mehr Raffinesse und Tiefgang als auf der Haut, wo er zur leichten Dumpfigkeit neigt. Eventuell liegt es auch an mir, doch diese Diskrepanz ist mir hier stärker als bei anderen Düften aufgefallen.

Alles in allem ordentlich gemacht, auch wenn die Herkunft und die Story dahinter nebulös wirken. Zudem denke ich, dass es zwar einige Kreationen mit Orange und Oud gibt, aber wohl kaum in dieser kongenial gelungenen Kombi.


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