Taurus1967Taurus1967s Parfumkommentare

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21.09.2019 20:43 Uhr
7 Auszeichnungen
Das französische Parfumlabel FiiLit mit seinem vorbildlichen ethisch-olfaktorischen Anspruch und Konzept habe ich bereits ausführlich in meinem Kommentar zu „Saudade“ vorgestellt.

Mušhuššu - Babylonia ist die neueste Kreation der Franzosen und bezieht sich auf die Mythologie des Schlangendrachens, der das östliche Paradies Babylons inklusive seiner hängenden Gärten bewacht. Einigen ist er vielleicht aus der Abbildung vom Ištar-Tor im Berliner Pergamom-Museum bekannt. Zudem diente er als Vorlage für den trotteligen Drachen Mushu aus dem Disney Zeichentrickfilm Mulan.

Als Eau de Parfum kommt der Schlangendrachen sehr hellholzig mit einer ordentlichen Prise Pfeffer rüber. Das wirkt gleichzeitig frisch, aber auch recht trocken und erinnert in dieser Phase vor allem durch die Würze des Muskats an die Ur-Version von Jazz von Yves Saint Laurent.

Elemiharz und Weihrauch sind relativ sparsam beigemengt, so dass unser babylonisches Mischwesen mehr herb holzig-würzig als tatsächlich harzig wirkt. Selbst das Oud ist äußerst schwer wahrnehmbar. Stattdessen schlängelt sich die Minze auffällig durch den Duft und gibt dem Ganzen eine locker-frische ätherische Stimmung.

An der, sagen wir mal in diesem Zusammenhang, Schwanzspitze des Duftes, wird Mušhuššu beinah handzahm mild und ausgeglichen, was hier einen ruhigen Abschluss beschert. Auch in dieser Phase schwingt der Drache eher holzig aus.

Insgesamt vermittelt FiiLit mit Mušhuššu erneut einen nicht alltäglichen, jedoch absolut angenehmen sowie vertraut wirkenden Duft. In diesem Zusammenhang sehe ich halt eine große Nähe zu Yves Saint Laurents Jazz, der für mich damals persönlich seine stärksten Momente am Abend oder gar in Wellness-Bereichen mit Wohlfühlcharakter zeigte.

Praktisch finde ich dazu die Version als Traveller-Spray mit passender Farbe aus Holz. Sieht nicht nur chic aus sondern ist auch nachfüllbar. Was will man mehr?


17.09.2019 06:55 Uhr
16 Auszeichnungen
Vor kurzem entdeckte ich in der kleinen aber feinen Düsseldorfer Parfümerie Beauty Affair, nur einen Flakondeckelwurf von der bekannten Königsallee entfernt, eine mir bis dahin völlig unbekannte Parfummarke aus Dubai mit hochattraktiven Flakons, die dort exklusiv vertrieben wird.

Doch nicht nur die Flakons sind eine Augenweide, sondern auch die edlen luxoriösen Schatullen, in denen die Düfte verpackt sind. Entscheidend ist aber der olfaktorische Inhalt – und der kann sich schnuppern lassen.

Alle EdPs sind ohne Alkohol und wohl nach strengen natürlichen und ethischen Richtlinien hergestellt. Ist schon mal ein löblicher Ansatz, doch jetzt will man ja auch wissen, was die Kompositionen können.

Als erstes aus der Reihe habe ich mir mal den Compassionate Sandal vorgeknöpft, laut Übersetzung die „Erbarmungsvolle Sandale“.
Dabei steht das Sandelholz gar nicht mal im Vordergrund. Was man zunächst wahrnimmt, ist eine gute Dosis Jasmin, sehr natürlich und gar nicht mal so feminin eingebunden. Dazwischen leicht erfrischend exotisch-fruchtige Noten der Passionsfrucht mit einer minimalen Spur Safran. Was sich aber letztendlich stärker durchsetzt ist der Jasmin.

Erst nach und nach vermischen sich vorsichtig die Inhalte mit einem „My“chen Patchouli und dem erwarteten Sandelholz inklusive weiterer leichter Holznoten.
Im Drydown meint man, erneut ein paar Spritzerchen Passionsfrucht zu schnuppern, eventuell mit einem Hauch von Vetiver.

Ich bin positiv überrascht, obwohl das Sandelholz etwas untergeht und das EdP nicht so wummsig rüber kommt, wie man vermuten könnte. Die Merkmale hier lauten edel, diskret und raffiniert im Zusammenspiel.

Nach und nach werde ich mich noch mal intensiver mit den anderen Kreationen auseinander setzen, die mir absolut vielversprechend erscheinen und neugierig machen. Das einzige, was ganz am Rande etwas irritierend sein könnte, ist das My-Logo, das mich minimal an das M vom Magnum-Eis erinnert, was definitiv kein Minus sein muss.

Ansonsten darf da gerne mal jeder selbst auf Entdeckungstour gehen. Und ich bin mir sicher, dass man in dieser kleinen Parfümerie – wo jeder Parfumo der mal da war, den hervorragenden Service bezeugen kann – gern behilflich ist. „Mei oder My wia schee is des“ würde da glatt der Bayer sagen.


12.09.2019 21:08 Uhr
10 Auszeichnungen
Für die jüngeren Parfumos unter uns wird Alain Delon eventuell nicht so viel sagen. Zumindest in den 60er und 70er Jahren zählte er zu den populärsten europäischen Schauspielern und war als solcher noch bis vor ein paar Jahren mehr oder weniger aktiv. Ich denke, in Frankreich gilt er immer noch als absoluter Top-Star und bekam erst im Mai diesen Jahres bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Ehrenpreis des Festivals, auch wenn diese Auszeichnung aufgrund früherer Äußerung sowie seiner persönlichen politischen Einstellung relativ umstritten war.

Einer seiner bekanntesten Filme und somit Durchbruch für düstere Rollen war „Der eiskalte Engel“ von 1967. Neben seiner Karriere als Schauspieler vermarktete er erfolgreich Champagner, Cognac und Parfum – halt typisch französische Produkte.

Alain Delon Classic von 1980 war der erste Duft der Marke, der beinahe alle Merkmale von Herrenparfums aus jener Dekade vereint. Halt süßlich-würzig mit einer guten Balance aus orientalisch und fougèrartig.
Zu Beginn begrüßt uns Monsieur Delon mit einem kleinen Blumenstrauß aus Lavendel, Rosengeranie und etwas Gartennelke sowie ein wenig Bergamotte, Basilikum und ordentlich Wacholder.

Danach wird es im Drehbuch schwierig die einzelnen Rollen der Ingredienzien zuzuordnen. Interessant ist zwischen der ganzen warmen Würze eine fruchtige Nuance, die ganz leicht ins bananige driftet. Eventuell mag es an der Kombi von Honig und Zimt liegen, andererseits könnten auch die Aldehyde ihren Anteil daran haben.

Bevor die letzte Klappe fällt, kommt zum Abspann noch mal das gute alte Eichenmoos zum Vorschein, wahrscheinlich echt und authentisch, wie man es schätzt, umklammert von etwas Amber und dezenter Tonkabohne.

Was mich dennoch überrascht, ist die für jene Duftepoche überschaubare Haltbarkeit und Projektion. Da hätte ich mehr Wumms erwartet/befürchtet/ersehnt ... je nachdem wie man es sehen mag.

Ein eiskalter Engel ist dieses Eau de Toilette mit seiner herzlichen Art ganz bestimmt nicht. Und das Alain Delon Classic kein Klassiker wurde ist bedauerlich, aber heutzutage würde man sowas zur Unkenntlichkeit kaputtreformulieren. Dann ist es besser, er bleibt so wie er ist, auch wenn er mittlerweile als Rarität gilt, die hoch gehandelt wird.


09.09.2019 21:08 Uhr
12 Auszeichnungen

Heute morgen und selbst am Mittag war es schon recht kühl, da merkt man eindeutig, dass die sommerlichen Tage sich langsam verabschieden. Somit könnte man Platz machen für die eher kuscheligen Düfte, von denen Musc Intense aus dem Hause Evody ein potentieller Kandidat wäre.

Könnte, wie gesagt ... muss man aber nicht. Für mich ist dieses Eau de Parfum mehr was für Träger/Innen, die sich dezent beduften möchten, was ebenso in punkto Haltbarkeit und Projektion zutrifft. Was man bekommt ist halt eine grundsolide Moschus-Basis, eingeleitet durch ein paar Spritzerchen Bergamotte und einige leicht-holzige Tupfer. Summa summarum ergibt dass eine kleine cremige Wolke, die mich allerdings verstärkt und nicht von ungefähr an Handpaste aus dem Bio-Laden erinnert.

Keineswegs unangenehm, jedoch auch nicht so, dass man in Extase oder zum Parfum-Junkie verfallen würde. Es ist eher so eine Richtung, mit der man leicht beduftet zur Arbeit oder zum Arzt gehen oder seine Steuererklärung ausfüllen könnte, halt seriös aber auch ein wenig uninspiriert. Wobei es bestimmt auch Parfumos gibt, die im Umgang mit Finanzbehörden richtig kreativ sind, doch dann tragen sie garantiert andere Düfte.

Nee – Musc Intense verkörpert nichts negatives und geht durchaus ok, doch hat er nun mal den Charme eines Graubrotes.


07.09.2019 20:26 Uhr
11 Auszeichnungen
Vorweg möchte ich erwähnen, dass ich kein Chemiker bin und Parfüms nicht nach deren Formel aufschlüssele. Im Gegenteil – dieses Fach war für mich immer ein Buch mit sieben Millionen Siegel.
Ich musste auch noch mal nachschauen, wie genau die chemische Bezeichnung für den synthetischen Veilchenblattersatz lautet, den wir alle seit Ende der 80er Jahre aus Diors Fahrenheit kennen.

Jedenfalls ist diese Ingredienz in Portrayal Man omnipräsent. Und da ist die Brücke zu Fahrenheit schnell geschlagen, auch wenn der vorstellige Vetiver dem Ganzen einen leicht grünen Anstrich verleiht und die sogenannte Zedernwacholder etwas Leichtigkeit verströmt. Deshalb mag ich keineswegs von einem Duftzwilling sprechen.

Dennoch überkommt beim Tragen einem das seltsame Gefühl, dass andere denken könnten, man würde eine eigenartige Kopie des Originals tragen oder beim Layern nicht konsequent genug gewesen sei.

Oder um es mit anderen Worten zu sagen: wäre Fahrenheit niemals auf den Markt gekommen, dann wäre dies eine willkommene Revolution. So ist es leider nur die Darstellung einer alternativen Fahrenheit Variante, die für Fans des Dior-Klassikers sicherlich auf offene Nasen stoßen wird.

Ich selber bin mit dem Thema schon seit den 90er Jahren durch und kann dem kaum noch was abgewinnen, obwohl man zumindest bescheinigen muss, dass Amouage hier noch mal einen edlen Schliff hinein brachte, welcher der Marke gerecht wird, jedoch keine Punkte in Sachen Kreativität und Progressivität erhält.


30.08.2019 21:56 Uhr
14 Auszeichnungen
Für alle, denen das Original 4711 zu scharf, zu omahaft oder zu kölsch oder alles auf einmal ist, gibt es eine gute Nachricht. 001 Fleur d´Oranger Petit Grain Bergamote von Bon Parfumeur bietet die elegante, weiche und zeitgemäße Lösung für die o. g. Probleme.

Zwar spielen hier das typische Neroli in Verbindung mit Bergamotte die ersten zwei Geigen und Rosmarin sowie Lavendel bleiben stark im Hintergrund, jedoch kommt wie bereits der Name anklingen lässt, ordentlich Petitgrain durch, was den Gesamteindruck entsprechend orangiger werden lässt.
Vor kurzem hatte ich ja den Remix Cologne Edition 2018 von 4711 kommentiert, der allerdings noch mehr auf die Orangen-Karte setzt.

Der 001 ist dagegen zwar näher am Original, jedoch so geschmeidig, dass man ihn einfach mögen muss. Zudem bietet er mit Moschus und Orangenblüte eine feine abgerundete Basis, welche den Duft zu einem wertigen, erfrischenden Cologne machen, das man auch jenseits der 30°C gern tragen mag.

Bon Parfumeur ist auch für mich eine recht unbekannte französische Marke, die eine ganze Reihe von durchnummerierten Düften lanciert haben, die alle sehr eigenständig und relativ komplex daher kommen, jedoch untereinander kombiniert werden können. Auf der Website von Bon Parfumeur wird empfohlen den 001 mit 201 Pomme Verte Muguet Poire, also der grünen Apfelmaiglöckchenbirne für eine fruchtige Variante oder mit 801 Embruns Cèdre Pamplemousse, also Zederpampelmusengischt für eine meeresfrische Variante zu mixen. Habe ich jetzt nicht gemacht, weil mir das Layern weniger behagt, aber für Experimentierfreudige könnte das ein kleines Eldorado sein.

Die Preise sind einigermaßen moderat, so dass man keine Hemmungen haben muss das ein oder andere auszuprobieren oder in Taschenzerstäuber abzufüllen. Zumindest ist 001 als Cologne von der Haltbarkeit überschaubar, aber nicht zu kurzlebig und ebenso von der Projektion her mehr also ok.


26.08.2019 20:44 Uhr
12 Auszeichnungen
Wenn man an frisch-aquatische Düfte denkt, wird den meisten wohl Cool Water in den Sinn kommen. Danach folgt erst mal lange nichts ... und dann werden viele wahrscheinlich Chrome von Azzaro vor Augen haben.

Ein Eau de Toilette, das wohl weniger polarisiert, aber auch nicht gerade die Massen begeistert. Ist halt der blitzsaubere Büroduft, für warme Tage, wenn man parfümiert sein möchte ohne groß aufzufallen.

Er startet – und dass ist nun wirklich keine Überraschung – frisch, aber halt ohne zitrische Spritzigkeit oder Meeresbrisen-Akkord. Nein, Chrome geht eher den herben Pfad und kann bis auf den Moschus von den Inhaltsstoffen kaum identifiziert werden.

Und dabei ist gerade Moschus ab der Herznote und in dieser Intensität für einen Frische-Duft schon recht ungewöhnlich. Allerdings lugt der Geist des Synthetischen da leicht um die Ecke.

Ich glaube, Chrome ist einer dieser Düfte, die so konsensfähig sind, weil sie kaum anecken, ein bisschen bieder aber nicht altmodisch wirken, dass man sie relativ gefahrlos verschenken kann, wenn man Heranwachsende auf Teufel komm raus was aus der Parfümerie für den Job schenken will. Sollte man zwar im Prinzip nicht machen, doch hiermit ist man von Frühling bis Herbst olfaktorisch abgesichert. Gääääähn.

Fortgeschrittene werden Chrome eher meiden, weil er doch zu wenig hergibt und es in der weiten Welt der Düfte viel zu viel wirklich gute Alternativen gibt, mit denen man Freude hätte.


23.08.2019 20:11 Uhr
14 Auszeichnungen
Jetzt ist schon beinahe die Remix 2020er Edition in den Startlöchern und ich habe noch noch nicht mal die Version vom letzen Jahr getestet. Also höchste Zeit sich diesem 4711 Ableger zu widmen.

Na, wenn man es ganz genau nehmen würde, müsste ich mir auch noch die Anniversary Version von 2017 vorknöpfen, aber davon habe ich leider keine Probe zur Hand. Und in den Läden ist er auch nicht mehr zu finden.

Ich denke mal, vom 2018er haben die mehr abgefüllt, doch mittlerweile macht auch er sich immer rarer. Ist eigentlich auch schon recht clever jedes Jahr einen Duft auf den Markt zu bringen, der limitiert ist und entsprechend klar macht, dass sich das Angebot verringert. Und wer 4711 mag, wird die Remix Cologne Editionen nicht unbedingt schlecht finden, wenn nicht sogar in seinen Besitz bringen wollen. Vielleicht sogar zwei, oder drei zum Verschenken und/oder Bunkern bzw. als Spekulationsobjekt anschaffen. Wer weiß, wie die sich preislich in den nächsten Jahren entwickeln werden.

Doch nun endlich zum Duft: Klar – Remix Cologne Edition 2018 hat das Thema Orange als Leitmotiv, wie es auch der Flakon von der Farbe her verdeutlicht.
Diese offenbart sich mit Hilfe von Neroli zum Teil etwas herb, aber auch saftig und rund. Und zusammen mit dem Zitrischen wirkt es, bis zum Ausdimmen wie eine Mischung aus Campino-Bonbon plus einem kleinen Schuss Limette.

Und weil dieser Remix keine Extended Version ist, ist bereits nach gefühlt viel zu kurzer Zeit das Vergnügen wieder vorbei. Was dann ganz am schnellen Ende kommt, ist eine leichtfüßig, holzig weiche Note.

Also keine Experimente oder Exkursionen ins Kuriositätenkabinett, sondern ein feiner, einfacher, eingängiger Sommerduft mit hohem Erfrischungsfaktor für 4711 Freunde oder solche, die hiermit die zeitgemäße und etwas sanftere Fassung bevorzugen.


17.08.2019 09:55 Uhr
14 Auszeichnungen
Im Prinzip muss ich der Marketingabteilung von Versace gratulieren. Den Duft nach dem Namen des griechischen Gottes der begehrlichen Liebe zu nennen, ist schon aus Verkaufsgründen eine vielversprechende Entscheidung. Auch der blaue, aparte Flakon, mit dem mythologischen Medusa-Kopf als Versace Logo passt ideal zum Thema.
Nun, die Werbung mit dem sonnengebräunten Top-Body-Model ist wiederum Geschmackssache, aber auch da kann man keine wirklichen Vorwürfe machen.

Doch was den Duft betrifft, so kann dieser die hohen Erwartungen die mit dem Namen Eros verknüpft sind, nicht erfüllen – und ich bin jetzt mal fernab vom billigen Eros-Center Marke Fernfahrer-Glück oder irgendwelchen Etablissements hinterm Bahnhof.

Statt Sinnlichkeit oder Verführung zu symbolisieren, ist dieser Eros leider nur ein gefälliger Süßling. Zugegebenermaßen kein schlechter, denn er strahlt souverän eine interessante Mixtur aus leicht minzig-synthetischer Frische in Kontrast zu vanillig-würziger Wärme. Erinnert ein wenig an Kaugummi mit Pudding – und irgendwie auch an eine Mischung aus den damaligen Versace–Düften Blue Jeans & Black Jeans.

Kommt im Spaßbad oder beim anschließenden Besuch in der Burgerbraterei bestimmt mega.
Da kann ich mir vorstellen, dass die ein oder andere Doppel-X-Chromosom-Trägerin jüngeren Datums in Wallung gerät und das bubenhafte Pendant dazu in der Brunfthaltung erstarrt.

Für die Zielgruppe der älteren Teens und jüngeren Twens geht das auch ok. Für einen amerikanischen Duft (immerhin gehört Versace seit 2018 zu Michael Kors) hätte ich auch nix gesagt. Aber bei einem italienischen Label, welches mit der griechischen Mythologie und der Latin-Lover Attitüde spielt, wäre bestimmt mehr sinnliches Potential drin gewesen. Vor allem, wenn Erwachsene mitspielen sollen.

Die 7.0 Punkte gebe ich gnädigerweise deshalb, weil er ja nicht unbedingt unlecker schnuppert und man immer wieder schnüffeln möchte. Aber mit Eros hat das nix zu tun.


15.08.2019 14:08 Uhr
16 Auszeichnungen
Gestern ist mir bei der Recherche aufgefallen, dass Floris Düfte in den Parfümerien leider immer seltener angeboten werden.

Das kann zum einen daran liegen, dass die Nachfrage an Produkten der englischen Traditionsmarke gesunken ist oder das Vertriebssystem aufgrund irgendwelcher Umstellungen oder Exklusivität sich geändert hat. Vielleicht sogar eine Mischung aus beidem.

Jedenfalls ist es sehr schade, dass man dadurch schwieriger direkten Zugang zu solch Klassikern wie Elite hat. Dieser hat nämlich noch den wahren Geist der 70er Jahre in sich. Das war der allererste Gedanke nach dem Aufsprühen, ohne vorher zu schauen, aus welchem Jahrgang er stammt.

Ausschlaggebend dafür ist nicht nur die typische Floris-Zitrone einem Spritzer Bergamotte, sondern auch eine gekonnte Wacholdernote zum Wachwerden.

Ein paar Atemzüge darauf wird es grüner, koniferiger und dank Lorbeer auch etwas würziger, wobei sich aus dem Hintergrund bereits das Vetiver anschleicht und Elite einen herb-kratzigen bis krautigen Touch verleiht. Die Ähnlichkeit zum polarisierenden 20 Jahre älteren Vetiver von Guerlain ist nicht von ungefähr.

Dennoch bleibt Elite im Abgang weicher und geschmeidiger, denn Amber, Moschus und Patchouli geben dem Eau de Toilette in der Basis den eleganten Schliff mit einem Schuss seifigem Barbershop-Feeling. Das ist garantiert nicht neu und einzigartig, aber sowas von typisch 70er Jahre, dass man schon ein bisschen ins nostalgische Schwärmen gerät.

Keine Ahnung, ob da mal im Laufe der Jahrzehnte was reformuliert wurde, aber Elite kommt für diese Dekade relativ authentisch. Für andere ist er vielleicht doch zu Oldschool – das bin ich teilweise selber. Entsprechend bin ich für Elite.


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