Terras Parfumblog

26.06.2018
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Blindtest Nr. 3: Von Spülmittel, harzigen Zitronen, Heftpflastervanille und Frosta-Kräutermischungen

Vor einiger Zeit gab mir ein lieber Parfumo ein paar Blindproben. Also lediglich nummerierte Proben, bei denen ich mich ahnungslos, was da auf mich zukommt, durchschnuppern konnte. Vielen Dank an dieser Stelle an den Probenspender. Natürlich möchte ich euch an meinen Notizen zu den Düften teilhaben lassen. Die Auflösung findet ihr jeweils in einem Google-Dokument unter der Duftbeschreibung. Einfach den Link öffnen!

Viel Spaß!

Nr. 1:

Zu Beginn rieche ich Waschmittel mit Zitrusfrüchten, wozu sich schnell etwas Harz gesellt. Möglicherweise Weihrauch? Ich bin mir nicht sicher, da es für Weihrauch untypisch dunkel wirkt. Vielleicht handelt es sich auch um Labdanum oder eine Ledernote. Es riecht eben harzig, aber auch ledrig und leicht rauchig-dreckig.

Das Ganze kommt mir irgendwie bekannt vor. Habe ich den Duft schon getestet/bewertet?

Es könnte einer der X Harz/Rauchdüfte sein, von denen sich viele ein wenig ähneln und wo ich erst kürzlich viele getestet habe. Er ist nur viel leiser. Liegt vielleicht an der Applikation. Nach kurzer Zeit ist der Duft auch fast verflogen, doch er war sowieso direkt hautnah – obwohl ich alles aufgetragen habe.

Er riecht jetzt keinesfalls schlecht, aber ich versteh den nicht. Er bringt vermeintlich düstere Noten (ledriges, rauchiges, harziges) mit rein, doch am Ende wirkt der Duft wieder ungeheuer zahm. Für mich hätte es dieses Zusammenspiel in so einem Kontext nicht gebraucht. Für den totalen Harzjunkie der nen zitrischen Sommerduft sucht, ist das aber vielleicht ziemlich cool.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1Gk6eAIrFXh_vKi...

Nr. 2:

Auch dieser Duft kommt mir vorerst bekannt vor. Der Auftakt beginnt mit einer ziemlich knackigen Zitrusfrucht, die kurz davor ist in eine Nimm2-Richtung abzudriften, dafür aber zum Glück noch zu sauer/spritzig ist. Dazu gesellt sich etwas angenehm Grünes. Nicht krautig, sondern eher weich-grün. Was mich irritiert, ist etwas mandelartiges, was ich hintergründig wahrnehme. Das ist nun um Himmels Willen (noch?) nicht wirklich süß oder gourmandig, aber diese Mandelnote schimmert im Hintergrund und erhöht die Spannung, wie sich der Duft entwickelt. Ich habe Galbanum im Verdacht gehabt für den grünen Eindruck, aber möglicherweise wurde auch etwas Coumarin eingesetzt, um jenen zu unterstützen, was vielleicht auch diese Mandelnote verstärken könnte?!

Im Verlauf wird alles noch etwas runder, die Zitrusfrucht also weicher und weniger vordergründig.

Mit etwas böser Absicht könnte man auch sagen, es riecht ein wenig nach grünem Spüli. Die Assoziation hatte ich eben und ja... analysiert man den Duft nicht, sondern schnuppert nur kurz hin, ist die Nähe deutlich. Ich könnte mir also vorstellen, dass er für manche Außenstehende eher nach Spülmittel riecht.

Im Ausklang wird der Duft weicher. Moschusbetont, nehme ich an. Angenehm, nicht gewöhnlich, aber unspektakulär.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1b0dYVyy9rjt_yD...

Nr. 3:

Mein erster Gedanke: Oh man, will er mich ärgern? Plastik-Montaleoud. Ich rieche also einfach nur eine künstlich wirkende, stechende, heftpflasterartige Oudnote - möglicherweise hervorgerufen durch eine ungünstig gearbeitete Safran-Oud Kombi. Jene ist schon in edelsten/natürlichen Varianten sehr eigen (Gao von XerJoff & co.) und wirkt auf mich schnell künstlich. Am Ende ist es dann aber nicht so wild, denn wie üblich beruhigt sich das Ganze schnell. Zur weiteren Besänftigung kommt noch eine gute Schippe Vanille hinzu und möglicherweise auch etwas obligatorische Rose. Der Duft wird also süß und angenehm weich. Ich würde ihn somit zum jetzigen Zeitpunkt als ganz nett bezeichnen, aber auch nicht als Must Have.

Dieser Oud-Akkord hat für mich was Montale-artiges, aber es ist glaube ich kein Montale. Es könnte ein LM, Terenzi oder so sein. Also irgendein Nischenlabel was das ganze teurer verkaufen will, weil der Duft später so gefällig wirkt und zwar so einen Montale-Oudcharakter zeigt, aber nicht deren Agressivität.

Im Verlauf ist der Duft quasi ein Vanille-Karamell-Gourmand, bei dem im Hintergrund dieser für mich nicht sooo tolle und zumindest leicht synthetisch wirkende Oud-Akkord mitschwingt, was eine etwas dreckige Kante gibt.

Also wird er im Endeffekt ein süßer Kuschler mit leichter Kante. Das ist nicht spektakulär und mir zum wirklichen Tragen etwas feminin. Aber es ist zweifelsohne ein ganz netter Duft.

Zu Beginn ist der Duft furchtbar laut, wird aber ungewöhnlich schnell relativ leise. Die Haltbarkeit ist für einen Duft dieser Gattung auch eher bescheiden.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1XYZA6NMQL_3fJ1...

Nr. 4:

Der Auftakt ist schon mal recht cool. Ich rieche angenehm knackige Zitrusfrische - aber da ist noch mehr. Eine Aquatiknote? Doch wenn, dann eine ziemlich untypische. Keine Cool Water-Aquatik und keine Algen-Öltankeraquatik. Es ist eher eine sehr grüne Note. Hat was von Petersilie, Koriander (grün-krautig-seifig) und Limette mit Meersalz. Die Kombi erinnert mich an das Dressing von einem Couscoussalat, den ich gerne zubereite. Also eher eine mediterrane Erinnerung in vielerlei Hinsicht und nicht der direkte Gang an der brechenden Welle entlang.

Diese Krautigkeit wird für mich deutlicher, weil sich die Zitrusfrucht langsam verzieht. Dadurch riecht der Duft für mich sehr deutlich nach Koriander und anderen Kräutern. Die Koriander-Petersilien-Salz-Kombi passt wirklich zu diesem Eindruck. Später gefällt mir der Duft weniger, weil ich immer mehr das Gefühl bekomme, nach einer Frosta-Kräutermischung als nach einem Parfum zu riechen.

Im Verlauf wird der Duft leiser und weicher, somit stört die Küchenkrautnote weniger, aber das Versprechen des schönen Auftakts wird für mich dennoch nicht eingehalten.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1tolWN-pCR_rJjP...



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