Wie mir der Sommer meine Parfums verleidet.
Da bin ich seit Jahrzehnten überzeugt, dass der graue Herbst die schlimmste aller Jahreszeiten ist. Kein Kerzenschimmer, kein Kuschelpullover, kein selbst gemachter Gemüseeintopf, kein Griff in die Playlist mit Barockmusik schafft es, das Grau am Himmel und in der Seele wirklich in Schach zu halten.
Und nun dieses: Der Sommer, auf den ich im noch kalten und pflanzenlosen Spätwinter gehofft habe bringt mich an den Rand der Leidensfähigkeit - körperlich und mental. Nicht nur die Temperaturen machen mir das Atmen zur Qual, die hohe Luftfeuchtigkeit tut ein Übriges um sehnsüchtig nach dem Kalender zu schielen und im Stillen abzuschätzen, wie lange ich noch durchhalten muss. Alle gesundheitlichen und altersgemäßen Unzulänglichkeiten bremsen mich schon morgens aus, nachdem die zu warme Nacht auch keinen wirklich erholsamen Schlaf brachte. Dass die Mauersegler seit ein paar Tagen Richtung Süden unterwegs sind, hat mich in früheren Jahren immer etwas melancholisch gemacht. Nun würde ich mich herzlich darüber freuen, am Himmel das wohlbekannte Pfeilmuster ziehender Kraniche oder Wildgänse zu entdecken.
Also mal sehen, was sich im Parfumschrank als Mittel gegen Hitze Schwüle und gelinde Atemnot finden lässt. Noch letztes Jahr hat mir #Cala Rossa gute Dienste im Sommer geleistet. Frisch aufgesprüht gefällt mir auch das spröde herbe Aroma, das ja eigentlich die rauhere Seite mediterraner Landschaften verkörpert. Aber was ist das? Kein bisschen Frische, keine Möglichkeit zum Durchatmen, kein kraftvolles Aroma entströmt dem Duft auf meiner Haut. Im Gegenteil. Schon sobald der Alkohol verflogen ist, nerven mich Duftnoten, die mir bisher noch gar nicht aufgefallen sind.
Nächster Versuch #Tirrenico. Der Duft hat mich doch immer an die Küste der Ostsee im Baltikum erinnert, wo die Seevögel so lautstark ihre Nester in den Kreidefelsen verteidigten. Herb, rauh und kraftvoll. Und nun - angegammelte Fenchelknollen auf schwitziger Haut - einfach nur furchtbar.
Dann kann #Paris - Édimbourg vielleicht zeigen, was ich ihm in mitteleuropäisch gemäßigten Zeiten zugetraut hatte: Ersatz für #Cristalle oder #N°19 bei hochsommerlichen Temperaturen. Und nun?? Was ich als Aromatherapie, herb und aromatisch empfand ist heute nur noch nervig.
Fazit: Ich gebe es auf. Lasse ausser Wasser und Seife nichts sonst an meine Haut und warte auf den Herbst. Erstaunlicherweise hält sich der zarte Duft meiner Melograno-Santa-Maria-Novella-Seife auf der Haut wunderschön und fein selbst nach einer Stunde. Ob es daran liegt, dass dabei kein Alkohol im Spiel ist und die ätherischen Öle auch nicht im flüssigen Urzustand im Flakon vorhanden sind?
Bleibt mir nur die Bitte an Euch: Sollte ich im grauen nasskalten November mal offensichtlich am Herbstblues leiden - bitte ich um einen sanften Tritt in den..... mit einem Verweis auf diesen Text. Bis dahin begnüge ich mich damit, die Flakons mal wieder abzustauben und neu zu sortieren. Macht ja auch Spaß.


Turandot
Ganz aufgeben würde ich trotzdem noch nicht. Bei mir funktionieren an heissen Tagen Torino21 von Xerjoff mit seiner deutlichen Minzfrische und Terre d’Hermès Eau Givrée ausgesprochen gut. Letzterer hält bei mir zwar nicht ewig, aber gerade diese zitrisch-herbe, fast eisige Anfangsphase ist bei Hitze wunderbar.
Wenn es aquatischer sein darf, mag ich auch Kenzo Homme EdP sehr gerne: charaktervoll und präsent, ohne mich zu erschlagen.
Aber vielleicht sind Wasser, Seife und Melograno momentan tatsächlich die beste Duftgarderobe. Und falls im November der Herbstblues kommt, erinnern wir dich selbstverständlich an diesen Blog. 😉
Hausarbeit klärt den Geist, las ich. Dazu dürfte man ja auch Flakonabstauben zählen.
Der einzige Duft den ich bei Hitze toleriere ist #dior homme cologne.
Halte durch!
Die Hitze wäre für mich vielleicht gar nicht so schlimm, wenn ich nicht ein Gesichtsschwitzer wäre. Kleidung bleibt trocken, mir läuft alles aus dem Gesicht. Alter, Medikamente, Klimakterium verstärkt das auch noch. Mich ekelt das an. Antitranspirant im Gesicht hilft übrigens nicht dagegen.
Was gerade noch geht, sind die krautigen Düfte. Richtig herb und krautig, noch herber, als ich sonst trage.
Ich teste mich durch Minz-Düfte und habe festgestellt, dass der Kobe Gardens sehr schön kühlt und angenehm riecht. Ansonsten nutze ich einfach mein Pfefferminzöl. Ein paar Tropfen in den Nacken und es kühlt. Ich freue mich auf kühlere Temperaturen.
wir hier oben an der Dänischen Grenze hatten vergangenen Winter für diese Region eher untypische 7 Wochen hoch Schnee. Ich hasse Schnee und habe mich noch mehr auf den Sommer gefreut als sonst. Jetzt haben wir hier einen für diese Region eher untypischen Sommer, sehr lange sehr heiß und trotz Schwüle kein Regen. Man kann nur das Beste daraus machen und den Herbst und Frühling noch mehr genießen.
Gern erinner ich Dich sollte der Herbstblues bei Dir eintreten.
Liebe Grüße!
Ich finde am Hochsommer wirklich nichts erfreulich oder gut. Sommer bedeutet in unseren Gefilden (leider) oft, dass gefühlte 95% der Menschen meinen, ständig und überall laut und schrill zu sein. (Laute Musik im Außenbereich allerorten, Geschrei, Gelache, Gebrülle im Suff an vielen Ecken...).
Wenn die 35C überschritten sind, ist es in der Sonne so heiß, dass es direkt auf der Haut sticht, und man ob des Megawatt-Lichts nicht mal normal geradeaus schauen kann im Freien. Dann noch die Hitze überall in Gebäuden - und ja, DANN wird auch die Duftwahl schwieriger, und sogar das schöne Hobby leidet unter der 'schönsten Zeit des Jahres' Oo
Ab Ende Juni graut mir täglich, dass die zwei schlimmsten Monate jetzt noch anstehen, und ich zähle täglich müßig runter, bis endlich Herbst ist, Wolken, Kühle, Erholung.
Kann Dich gut verstehen.
Wenn dann hitzemäßig fast gar nichts mehr geht und mir trotzdem nach Parfum ist, kommt meistens Green Tea zum Einsatz.
Liebe Grüße und eine kühle Brise für dich 😉
trage im Sommer kaum Düfte ist ja schon anstrengend genug mit dem Klima da schnuppere ich leidenschaftlich die Natur, mal so eine Konstante wie früher vermisse ich auch :)