UntermWertUntermWerts Parfumrezensionen

1 - 5 von 23
UntermWert vor 16 Tagen 21
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

alles, was ich nicht gesucht habe
So, nun habe ich also einen Iris-Duft.
Mit Iris im Namen.
Ich wusste nicht, dass ich Iris mögen würde.
Und diese Marke mit den Goldflöckchen habe ich ob der Dekadenz und der Preisgestaltung per se ignoriert.

......... bis mir eine Probe unter die Nase kam - als Beigabe in einem Souk (lieben Dank an dieser Stelle noch mal an BleuDQ). Zunächst lediglich zur Kenntnis genommen und liegen gelassen. Steht ja Iris im Namen.
Also was mit Blumen.
Not my Cup of tea.

Und dann passiert mir etwas, unmittelbar nachdem ich den Duft lustlos auf mein Handgelenk gesprüht ...

Feenstäubchen gehen auf mich hernieder.

Meine Güte, ist der schön!
Wunderschön.
Ich erlebe eine medizinische Süße, die mich seit neustem in Parfums sehr anspricht. Und obwohl süß, mischt sich hier eben eine Würzigkeit unter, die verhindert, dass der Duft in ein üppiges Blumenbouket abdriftet. An mir ist er auch eher nicht pudrig, dafür aber trocken. Das Patchouli-Kraut ist trocken, nicht staubig. Gibt dem Duft etwas Dunkles und Tiefes, ohne düster zu werden. Geheimnisvoll.
Wie ein Kate Bush Song, in dem Licht und Schatten zusammen klingen.... wie eine Sirene....
Ich werde einfach davon getragen.

Iris Fauve könnte vieles sein, was ich nicht mag oder momentan nicht suche - ein heftiger Blumenduft, dunkel-kalt-erdiger Patchouli, tuffiger Sauber-Moschus... stattdessen finde ich unsagbar edel und kunstvoll abgestimmte Gewürze, keines drängt in den Vordergrund - und Iris und Patchouli nehmen mich in ihre Mitte. Wunderschön hypnotisch-würzig und dabei doch nicht zu üppig oder schwer. Es ist fast so, als entstünde aus beidem ein neues, geheimnisvolles Gewürz, das mich betört und für sich einnimmt.

Ich hatte das Glück, im Souk einen „angefangenen“ Flakon zu ergattern.
Da ist er nun.
Mit seinen Goldflöckchen.
Und ja! Er ist wirklich schön!
Wie der Duft.
Mit der Iris im Namen.

Also alles, was ich eigentlich nicht gesucht habe.

——————————————
Iris Fauve erinnert mich mit seiner subtilen Verführungskraft an Under My Skin, obwohl beide vordergründig jetzt nicht so viel miteinander zu tun haben.... (wenn da nicht ein Hauch von Animalik wäre).
——————————————
Nachtrag: der Duft nimmt mich inzwischen völlig ein - es ist eine 10
17 Antworten

UntermWert vor 21 Tagen 16
8.5
Duft

Tabaksbeutel im Apothekerschrank
Mein erster, bewusst wahrgenommener Oud-Duft. Mit ganz herzlichem Dank an JonasP1.
Ich bitte um Nachsicht bei den Kennern von Ouds und deren Divsersität, wenn meine Beschreibung etwas naiv anmutet, denn das ist sie ;-)

Der Auftakt ist harsch, bitter-medizinisch und hat seinen eigenen Reiz - womit wir wieder einmal in einer vertrauenserweckenden, Schutz und Heilung versprechenden Apotheke gelandet sind. Ich möchte hier gerne das Statement von Soap zitieren, welches den Eindruck ganz wunderbar für mich zusammenfasst:
„Maroder Apothekerschrank aus massivem Edelholz. Außen Patina, innen medizinische Restaromen, die entlang der Maserung ins Holz dringen.“ (ich hoffe, das war in Ordnung)

Der Apotheker ist mein Opa, und sein weich-lederner Tabaksbeutel liegt in einer der Schubladen.
Manchmal geh’ ich heimlich dran schnuppern. Die Aromen von Tabak, Vanille und zart-krautigen Patchouliblättern hüllen mich warm ein.
Ich lehne mich an den alten Tresen in der Apotheke und fühle mich geborgen. Die Abendsonne schickt goldenes Licht durch die Fenster während ich darauf warte, dass der Opa seine Pfeife gestopft hat, die Apotheke schließt und wir nach Hause gehen.

Dann lasse ich mich an die Hand nehmen und schlendere gedankenversunken neben ihm durch die Straßen... und denke mir Geschichten aus.
—————————————-
.... wie zum Beispiel die von einem Opa, der Apotheker war....
Das stimmt jetzt so nicht, aber der Duft gibt fast unmittelbar den Impuls, kindlich-regressive Stimmungs-Bilder von Geborgenheit zu malen. Ich mag sogar das terpentinige Intro. Animalisches kann ich nicht so richtig herausriechen, ist aber wahrscheinlich drin, und meine Nase ist noch zu ungeübt.

Ein beeindruckender Duft für einen Handgelenk-Schnupper-Abend... oder tendenziell gerne an einem Herrn. Sehr schön!
13 Antworten

UntermWert vor 25 Tagen 14

Wertgeschätzter Klassiker
Nach einem dramatischen Test eines anderen Parfums, das mir gar nicht entsprach, und welches mich fast erschlagen hat, entscheide ich mich nun, endlich Shalimar zu testen (mit liebem Dank an MmeMo für die Probe). Schon lange stehe ich dem Duft etwas verhalten gegenüber, habe ich doch die Phantasie eines opulent-blumigen Bouquet-Orientalen mit Vintage-Vibe im Kopf - also eigentlich nicht meine Richtung.
Na komm‘, denk ich mir, den haben viele geschätzte Parfumos in ihrer Sammlung - also irgendwas muss dran sein, und nach dem Blumenwasser-Aquatik-Debakel des anderen Duftes kann es jetzt eigentlich nur noch besser werden.

Also los - erster Impuls: Zeitreise in die 70er; das Badeöl von Fenjala. Nicht die Seife oder ein anderes Produkt aus der Linie - nein, das heilige Badeöl, das sich auf dem einen oder anderen Badewannenrand der von mir in meiner Kindheit frequentierten Haushalte befand. Da wurde gelegentlich mal heimlich dran geschnuppert, das war „für gut“. Wird ihm aber dennoch nicht gerecht.
Damals konnte ich noch nicht unterscheiden, ob ein Duft zu Älteren oder Jüngeren, zum modernen, konservativen oder alternativen Typ passt...
Der Duft kommt mir unsagbar bekannt vor, doch kenne ich niemanden persönlich, der/die ihn tatsächlich besitzt. Definitiv schreit alles „ein Klassiker“.

Unter der wirklich sehr stimmigen Blütenkomposition zwinkert mich noch etwas anders an. Ich erhielt die Probe nach einem interessanten Austausch über Animalik in Düften. Ganz leise unter den Blumen ist etwas leicht Medizinisches, aber auch etwas Körperliches wahrnehmbar. Ganz diskret, kaum fassbar. Ich ahne nur, kann es aber nicht formulieren, warum ich die Probe davon bekommen habe.

Insgesamt ist es eher nicht mein Duft - da sind viele Blüten, in ihrer Opulenz zwar insgesamt nicht „Hau-Drauf“, aber in Kombination mit Pudrigem einfach nicht meine Richtung. Könnte ich mir an anderen aber durchaus reizvoll und schön vorstellen. Ich kann mir auch denken, warum dieser Duft so beliebt ist. Sein Alter macht ihn zeitlos, seine Vielschichtigkeit macht ihn raffiniert. Er ist sehr aussagekräftig, aber nicht Kopfschmerz-dominant.

Echt, endet so meine Rezension?


14 Antworten

UntermWert vor 1 Monat 20
9
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

der ewige Kreislauf....
Dank der lieben Delightful, die mich dazu eingeladen hat, meine Scheu vor Pilzgeruch in Naturdüften zu überwinden, wurde ich um diese herrliche Dufterfahrung bereichert. Von allein hätte ich diesen Duft glaube ich nie getestet, und nun bin ich völlig angerührt und überwältigt von dem, was Olympic Rainforest offenbart.

Er beginnt mit harsch erdigem Auftakt, es präsentieren sich Mentholiges, Myrte, Moose, feuchter Waldboden, Flechten (und irgendwo ganz hinten vielleicht auch ein Pilz ... an mir allerdings nur ein ganz kleiner)... sehr authentisch.
Die gesunde, bewegte Natur, der Kreislauf von frisch Lebendigem und mit der Erde wieder eins Werdendem wird spürbar, erfüllt mit Tiefe und Selbstverständlichkeit.
Der Wald lädt ein, ein Teil davon zu sein. Ich bekomme Lust, eine Hand voll Waldboden in die Hände zu nehmen und einzuatmen. Der sanft süße Duft der Wildblumen löst die erdige Frische ab, hat etwas Hypnotisches. Später werden die holzigen Noten deutlicher.

Olympic Rainforest hat durchaus auch etwas Mystisches, weckt Assoziationen von Nebel und uralten Baumseelen. Rauch- und Harzkomponenten, welche ich durchaus sehr gerne rieche, sind hier für mich nicht auszumachen. DAS ist für mich ein wirklicher Waldduft. Hier kokelt nichts, hier möchte man nicht plötzlich in Karamell-Riegel beißen oder Kakao trinken.
Hier möchte man sich unter einen der mächtigen Bäume setzen und sich dafür bedanken, dass man dort sein darf.

Laut Beschreibung auf der Seite des Labels ist der grün-aromatische Duft inspiriert von den mystischen Regenwäldern des Pacific Northwest / Vancouver Island (s. auch die Rezension von Palonera in der darauf ausführlich eingegangen wird).

Merkliste, Wunschliste - und Reiseziel, wenn das Weltgeschehen es wieder zuläßt.
Ein wundervoller Duft!
17 Antworten

UntermWert vor 1 Monat 16
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Hüttenabend mit Islay
Ich glaub', heut' hab' ich Hüttenabend....
Dank der lieben Delightful komme ich gerade in den Genuss von Holz- und Walddufterfahrungen, und ich habe Herrn UntermWert endlich den Heirloom Oak zuspielen können, den wir zwar zeitversetzt, aber am gleichen Tag testen (ohne es vorweg zu nehmen - der Duft ist ein Traum!).
Parallel habe ich heute - und das rein zufällig - Woodcut (Olympic Orchids) und Woody Mood (Olfactive Studio) kennen gelernt, und alle spielen für mich in einer heimeligen Waldhütte, jeder auf seine ganz eigene Weise.

Heirloom Oak war ein Blindkauf und sollte wie gesagt ein Geschenk sein, Thema Whisky. Ich werde nicht enttäuscht: Der Beginn ist "boozy" mit einer ganz besonderen, maskulinen Süße in Amber, Vanille und Tonka. An mir behält er eine leichte Frische (vielleicht Immortelle?), am Herrn entwickelt er mit seiner ganz sanften Sillage beim Gegenüber einen Impuls des gerne näher rangehen Wollens... so unglaublich heimelig, arriviert-erwachsen und zufrieden wirkt der Duft. Aber er hat es nicht nötig, dabei irgendwie würzig-dick aufzutragen, wie ein klassischer "Männerduft" (Männer dick unterstrichen). Er gehört zu ihm, verbindet sich mit seiner Persönlichkeit und unterstreicht sie würdevoll und harmonisch.
Bei mir nach kurzem, süßlichem Auftakt entwickelt der Duft bald einen sanft holzigen Ton, erinnert an eine puristische Hütte, in der ein Feuer brennt und das Harz durch die Wände duftet. Grundsätzlich erinnert er mich aber auch latent an ein leeres Whisky-Glas, aus dem zuvor ein Islay genossen wurde - rauchig, ganz leicht torfig, mit der Süße des Holzfasses, in dem er gelagert wurde.... da kann man stundenlang dran riechen.

Der Duft präsentiert uns genau das, was ich gesucht hatte: die Aura eines guten Whiskys, erwachsen, zufrieden, mit einem stillen Nicken... im Hintergrund ein Kaminfeuer.
Zwar im Wesentlichen eher maskulin, aber ich würde ihn durchaus zum gemütlichen Feierabend tragen, wenn ich in der Phantasie in eine Hütte einkehren wöllte, in der ein friedlich-einladendes Feuer brennt, umgeben von rauer Natur, felsigem Boden, im Hintergrund ein tief-ruhiger Wald
... auf jeden Fall abseits der Stadt, des damit verbundenen Alltags und der zur Zeit noch vorherrschenden Unsicherheit und Unruhe.

Wunder-, wunderschöner Duft. Nicht leicht, aber auch auf keinen Fall wuchtig - mit einer Süße, die sich an den Herrn schmiegt, als hätte sie ihn immer gesucht. (ein 10er)
13 Antworten

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