VrabecVrabecs Parfumrezensionen

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Vrabec vor 8 Tagen 13 8
8
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon
The Bad Boys vom Land
"Les Mauvais Garcons" wurde inzwischen leider eingestellt. Deshalb ergriff ich im Souk die Gunst der Stunde und kaufte ihn blind. Prin Lomros erfährt mit seinen diversen Marken, mit denen er eine sehr nischige Schiene fährt, hier von einem kleinen Personenkreis Aufmerksamkeit. Seine Kreationen sind meist recht fordernd, häufig sehr voll beladen mit unglaublich vielen Duftnoten. Oft mit einer deutlich animalischen Natur, oder zumindest deutlichem Unterton.
Strangers Parfumerie ist die günstigere seiner Marken und führt einige Düfte, welche nicht überfordern, aber trotzdem sehr besonders sind.

"Les Mauvais Garcons" Ist einer davon.
Inspiriert wurde er von den Bad Boys von Paris der 50er Jahre.
Mit den 50er Jahren bin ich einverstanden, aufgrund des Eichenmooses (dies ist jedoch sehr fein und mild verbaut) eine Metropole wie Paris kommt mir aber nicht in den Sinn.
Eher ist es ein ländliches Bild, welches der Duft mir zeichnen will.

Der Auftakt des Duftes ist Heu. Duftendes, trockenes Heu, mit Blumen und Kräutern durchsetzt, welches seinen weichen Duft an die warme Abendluft abgibt. In einiger Distanz liegen Lavendelfelder, deren Geruch herüber weht. Der Lavendelduft ist gut wahrnehmbar, ohne zu stark zu sein. Du sitzt auf einer kleinen Bank und dein Tabakbeutel liegt offen.
Der Duft von Eichenmoos umspielt deine Brust, da wo du am Morgen ein paar Tropfen deines Colognes aufgetragen hattest. Du schließt die Augen, atmest tief, unbekümmert, frei..

Der ganze Dufteindruck wird unglaublich cremig, fast schon auf eine schaumige Art und Weise. Eichenmoos sollte hier nicht abschrecken, es ist so mild verbaut, dass er auch von jungen Männern getragen werden kann.
Die anderen Noten spielen nur eine hintergründige, Rolle.


Auch wenn ich diesen Duft sehr schätze, an mir will er nicht funktionieren und so verlässt er mich heute wieder. Es lohnt sich jedoch, Prin Lomros Düfte unbedingt auszuprobieren, für den Sommer empfehle ich den hier im Forum populäreren "Oliver"
8 Antworten
Vrabec vor 7 Monaten 20 10
8
Duft
5
Haltbarkeit
4
Sillage
6
Flakon
Dem Schimmel den Kampf ansagen - oder Südschweden's sommerliche Kiefern- Küste
Als Molecule 05 angekündigt wurde, hatte ich es sofort auf dem Zettel. Molecule 01, über den nach wie vor fast jeder Parfumbegeisterte stolpert hatte mich begeistert, tut es auch zu Teilen noch heute (auch wenn ich oft lieber Parfum trage, wozu man mono- molekulare Düfte nicht zählen kann, nicht mal Geza Schön tut das). Und so hatte ich die Hoffnung, dass mich der neue Release ähnlich in den Bann ziehen könnte, obwohl mich die gesamte restliche Escentric-, sowie Molecule- Reihe ziemlich kalt ließen. Von Cashmeran hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht viel gehört, heute sieht das anders aus, erkenne ihn in diversen Düften wieder, finde jedoch dass er sich als Alleingänger ganz anders entfaltet. Ich testete Molecule 5 im Frühling/ Frühsommer und war sofort begeistert.
Ich roch helles, von der Sonne beschienenes, trockenes Holz, der ätherische Duft, der sich aus diesem löst der Geruch von vertrockneten sowie am Strauch vergorenen Brombeeren sowie Sand und einer luftigen Moschusnote, die jedoch frei von Schweiß ist. Auch frisch wirkt er, jedoch mehr aus einer eukalyptischen Richtung als aus einer minzigen heraus. Weniger als Geruch, sondern mehr als durch den Duft erzeugte Ahnung kann man das angenehme britzeln sehen, welche Molecule 5 in mir auslöst.
Also: ein wunderbarer, sommerlicher gute Laune Duft.

Ich kaufte mir Molecule 05 nicht, da mir die Sillage viel zu niedrig war.

In meinem Urlaub im Süden Schwedens, im Sommer 2020, wo wir an der Küste zelteten, musste ich häufig an diesen Duft denken. Der Kiefernwald erstreckte sich bis zu den Dünen, der Waldboden war Sand, welcher von einem Moosteppich und Blaubeeren bedeckt war. Die Temperaturen waren durchaus Mittelmeer würdig. Dort roch es genau so.


Teste ich Molecule 5 an veregneten, kalten Tagen, nehme ich andere Dinge war. Jetzt riecht das Cashmeran zwar auch noch tannig, aber auch nach feuchter Erde, nassem Moos, morschem Holz, Waldpilzen, Nebel und insgesamt waldiger. Ich kann das Schimmel- Bild also durchaus nachvollziehen, glaube aber dass es diesbezüglich hier auch eine Art Schneeballeffekt gibt. Will sagen, dass umso mehr von Schimmel schreiben, desto mehr diesen Duft damit assoziieren. Dies motivierte mich, Molecule 5 mit diesem Kommentar etwas Rückendeckung zu geben, sozusagen dem Schimmel den Kampf anzusagen.

Fun Fact: inzwischen erinnert mich dieser Duft entfernt an Nasomattos Duro- nur synthetischer & sehr viel leichter, transparenter.

Vielen Dank für das Lesen meines Kommentars.
10 Antworten
Vrabec vor 7 Monaten 34 19
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon
Ein kalter, verregneter Hutewald - Oder: wie authentisch darf ein Duft sein?
Pineward ist eine Marke, welche sich hauptsächlich auf Walddüfte konzentriert und sich selbst das Ziel gesetzt hat, die "ultimative Linie von Kiefern- und Tanmendüften zu kreieren". Dabei werden viele natürliche Inhaltsstoffe, auch nicht vegane, verwendet, aber nicht ausschließlich.
Dadurch sind die Düfte nicht IFRA konform.
Verwendet wird eine Düftölkonzentration von um die 30%, bei "Bindebole | Pineward" sind es 33%

Hutewälder gibt es heute nicht mehr. Früher waren es Wäldern, in welche domestizierte Tiere getrieben wurden, um dort zu weiden. Dadurch blieb der Wald recht licht.
Ich muss sagen, dass ich sehr gerne in Wäldern unterwegs bin, auch gerne über mehrere Tage hinweg wandere und dort dementsprechend auch die Nächte verbringe. Bei Sonne und Regen. Dementsprechend hat mich diese Marke besonders gereizt, ich erkenne auch viele Gerüche wieder, so viel vorweg.

Bindebole startet mit dem für Pineward typischen, grandiosen natürlich harzigen Kiefernadelaroma. Dieses zieht sich durch das gesamte Parfum, hier wirkt es leichter und dezenter als in anderen der Marke. Gerade in der Kopfnote habe ich nur ganz kurz einen Hauch von frischen, grünen, saftigen Tanneknospen, welcher leider viel zu selten anhält und sonst mein Highlight in diesem Duft wäre. Er wird überdeckt von einem zunächst gemüsigen Eindruck, welchen ich dann als Duft von feuchten laubbedeckten Boden, zwischen dem junge, wilde Pflanzen sprießen.
Gleichzeitig kommt ein Ton vor, bei dem ich an nasse, bemooste Nadelbaumrinde denken muss. Im Drydown bleibt der Duft recht monothematisch, der Nadelduft von Beginn tut sich wieder stärker auf, aber in einer kalten, frischen Form.

Ein salziger Eindruck ist wie bei allen von mir getesteten Pinewards dabei, welcher wohl oft für ein Maggi empfinden sorgt. Ich empfinde nicht so, außerdem ist diese hier recht gering ausgeprägt.
Laut Pineward soll hier der Eindruck von hoch gewachsenen Baumkronen, neuem Gewächs, zartem Grün und den von Frost erwachenden Wäldern vermittelt werden.
Es stimmt, dieser Waldduft wirkt offener, nicht so beengend und dicht wie andere Pinewards. Etwas feuchtes rieche ich schon öfter in den Düften, das liegt jedoch meist am Moos, hier kommt mir der Duft schon deutlich nasser vor, auch kalt. Ich finde das Konzept gut gelungen, auch haben wir hier einen Mischwaldduft, Nadelbäume dominieren zwar deutlich, aber Laub kommt auch merkbar vor.
Dieser Duft, aber auch die meisten von Pineward lassen mich in einem Zwiespalt zurück. Sie riechen einfach so authentisch, dass sie für mich nicht mehr nach Parfum riechen, sondern viel mehr nach Waldarbeit. Das war sicherlich das Ziel des Parfumeurs, dazu man ihn beglückwünschen. Ich finde den Duft toll gemacht und wunderschön, muss mir jedoch erst im klaren werden ob ich so riechen möchte.

(Verliert ein Gemälde seinen Reiz, wenn jeder denkt es sei ein Foto?)

Vielen Dank für das Lesen meines Kommentars.
19 Antworten
Vrabec vor 7 Monaten 26 15
6.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon
Dämmerungstrunken in Zimt versunken.
Die Sonne geht unter, du sitzt auf einer Terasse auf Elephantine Island mittem im Nil bei Assuan. Abendsonne im Gesicht, Cocktailglas in der Hand. Es liegt der Duft von Tabak, sowie eine angenehme, leicht holzige Süße in der Luft, die Sonne verschwindet am Horizont.
Das ist das Bild, welches Andy Tauer mit seinem neuen Release erschaffen will.

Andy Tauer hatte zuvor schon mit der Kunst briliert, Momentaufnahmen von Stimmungen olfaktorisch zu vermitteln. Die oben geschriebenen Sätze beschreiben die Atmosphäre, die "Sundowner | Tauer Perfumes" vermitteln soll. Ein in Entspannung genossener Drink als Ausklang eines warmen Tages. Diese Sätze ließen mich aufhorchen und im November 21 eine Probe bei ALzD ordern, denn eine warme, trockene Aura erzeugte Tauer bereits mit seinem Meisterwerk "№ 02 - L'Air du Désert Marocain (Eau de Toilette Intense) | Tauer Perfumes" so treffend wie kaum ein anderer.

Vorweg: seine Neuerscheinung an seinem Kassenschlager zu messen war ein Fehler. Denn Sundowner geht m.M.n. eine andere Richtung.

Der Duft startet krachend: das enthaltende Tabak- und Kakaoabsolue bringen einen warmen Eindruck, von schwerer, trockener Luft. Orangenschale und Bergamotte sind wohl auch als Öl enthalten, können die beiden Kracher Kakao und Tabak jedoch maximal abrunden, jedoch schwer bändigen oder in den Hintergrund rücken. Wenn wir ehrlich sind, sind die zitrischen Duftnoten kaum wahrnehmbar in dem trockenen, porösen Strang, welcher sich fest verwurzelt durch den Duft zieht. Wichtig zu erwähnen ist, dass der Duft an keiner Stelle schokoladig riecht, weder durch den Kakao, noch durch das später auf den Plan tretende Patchouli. Erster sorgt lediglich für eine bittere Note, wärend Patchouli im Verlauf nur etwas Feuchte bringt. Und das ist bitter nötig, denn dieser Sonnenuntergang wurde zuvor in den Herznoten durch Zimt so staubig angetrocknet, dass es an einen trockenen Husten erinnern lässt, den es nach einem Schluck Wasser dürstet. Wenn ich ehrlich bin ist mir diese Zimtnote zu prominent, erinnerte mich etwas an l'Artisan Parfumeurs "Mon Numéro 10 | L'Artisan Parfumeur" , welcher selbst irgendwann für mich untragbar wurde. Mitten in dieser zimtigen, trockenen Süße, treten Vanille und Tonka auf, sorgen für eine leichte Cremigkeit. Zum Glück wird der Duft nicht klebrig, sondern behält sich eine gewisse Transparenz.

Ich kann das Bild, welches Andy Tauer hier malen wollte durchaus nachvollziehen, jedoch ist mir dieser Ausklang des Abends zu anstrengend. Das könnte daran liegen, dass ich kein Zimtfreund bin, dass ich für das im Nildelta herschende Klima oder die dort ausgeschenkten Drinks nicht geschaffen bin, oder dass mich Sundowner an meinen schlimm verpanschten und überwürzten Glühwein aus der Weihnachtszeit '21 erinnert.

Vielen Dank für das Lesen meines Kommentars.
15 Antworten
Vrabec vor 10 Monaten 6 3
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon
Die Amsel ist ein Brombeernascher
Auf Olympic Orchids Artisan Perfumes bin ich über Umwege aufmerksam geworden. Ich fing an mich für Zoologist zu intressieren, wobei ich erstaunlicher Weise wenige gerochen habe, denn das Intresse ebbte auch wieder ab. Gelesen hatte ich eine Menge, vorallem von Bat, dessen Ursprungsversion eben von Dr. Ellen Covey kreiert wurde und auch als Nightflyer in ihrer Marke weiterleben darf. Neben diesem fand ich auch Blackbird sehr spannend klingend, weshalb ich ihn schlussendlich ersoukte. Nach dem testen von beiden kann ich eine gewisse Verwandschaft im Duftaufbau erkennen.
Was der weinrote, dicke Fleck an Parfumöl offenbart sind zunächst Tiefrote, vertrocknete und überreife Brombeeren. Diesen Geruch kennt man tatsächlich, wenn man im Spätsommer an ungepflückten Brombeersträuchern vorbei läuft, dieser Duft ist wirklich gut nachgeahmt. Auch Blätter sind hier höchst authentisch nachgebildet und lassen den Brombeerstrauch Form bekommen. Ein wirklich schönes Kopfnotenerlebnis, welches man selten erlebt und einen bis zum ableben der selbigen mit der Nase am Handrücken kleben lässt.
Zieht diese vorüber entwickelt sich Blackbird mehr und mehr zu einem Waldduft, wie Minigolf so treffend im letzten Kommentar beschreibt. Die Brombeernote bleibt zwar Prominent, schafft jedoch Platz für ein wundervolles Tannenaroma (ohne 80er Jahre Vibes, was ich sehr begrüße) trocken torfigem Waldboden und einer Palette von holzigen Eindrücken. Der Duft bekommt hier durchaus etwas warmes, was einem Gewissheit verleiht, dass in diesem trockenen aber fruchtbaren, lichten Wald die Sonne scheinen muss.

Ab diesem Moment tut sich nicht mehr viel, der Duft bleibt recht Konstant und das bei einer ausreichenden Sillage und Haltbarkeit.

Was hat mir besonders gefallen?

Ich hatte das Gefühl das Konzept des Duftes genau erriechen zu können, was ich sehr selten habe.
Der Duft ist sehr fascettenreich und reizte mich ihn komplett entschlüsseln zu wollen, ihm sein Geheimnis zu entlocken.

Was hat mir nicht gefallen?
Die Brombeernote ist mir etwas zu extrem, gerade weil sie sich für mich nicht als eine schmackhafte darstellt.
Der Duft zeigt sich nur in Hautnähe als ein Fächer von Dufterfahrungen, mit etwas Abstand riecht es etwas plumper nach Früchtetee, aber auch synthetischer.

Ich bleibe etwas ratlos, denn Blackbird ist ein Parfum, über das mir das schreiben unglaublich leicht fällt, die Bewertung jedoch deutlich schwerer.
3 Antworten
1 - 5 von 83