WeihrauchWeihrauchs Parfumblog

09.01.2020 15:15 Uhr
34 Auszeichnungen

Hallo liebe "Mitgefangenen",

bitte bewertet den Titel und die Anrede nicht als negativ oder gar herablassend.

Ich habe bisher zwei Blogs auf Parfumo veröffentlicht, die beide in eine ähnliche Richtung gegangen sind. Ein Linie/ein System/einen roten Faden, sogar eine Landkarte für diese Parfüm-Reise zu finden.

Für einige von euch mag dieses Thema abgedroschen und vollkommen obsolet sein, doch für mich ist dies seit zweieinhalb Jahren von Bedeutung.
Denn vielleicht gibt es auch da draußen Nutzer, die genau da stehen wo ich stand oder sogar vielleicht die gleichen Fragen stellen die ich stelle und gestellt habe.

Ich hatte nun aufgrund meines Urlaubes viel, viel Zeit zum Nachdenken und möchte euch nun meine (absolut persönlichen und subjektiven) "Regeln" nennen, die ich mir selbst gesetzt habe. Und welche sich in den letzten Jahren heraus kristallisiert haben.

Doch zu erst möchte ich kurz ergründen, warum es (Meiner Meinung nach) solche Regeln benötigt.

Es gibt hier auf Parfumo 132331 eingetragene Parfüms. Anzahl steigend. Selbst wenn viele nicht mehr verfügbar sind, ist die Auswahl dennoch größer als bei vielen anderen Hobbys.
Wenn man dann auch noch zur Kundschaft der ambivalenten Minimalisten gehört, kann das Hobby ganz schön zur Zerreißprobe werden. Und da es in unserer heutigen Zeit von ALLEM zu viel gibt, ist eine kritisch reflektierende Betrachtung des Themas wichtig.

Hier nun meine Regeln, mit der Hoffnung auf Diskurs, Erweiterung, Korrektur oder sogar Hilfe für "Betroffene":

1. kaufe immer die kleinst mögliche Menge, selten wirst du einen großen Flakon leer machen.
2. kaufe erst, wenn du mindestens 5ml getragen hast (wenn das nicht möchglich ist, verkaufe erst den Flakon NACHDEM du 5ml getestet hast) - und mit tragen ist echtes tragen gemeint. Spüren, fühlen. Es ist keine Atomphysik, es ist Parfüm! Schluss mit der Analyse!
3. behalte nur Flakons die du alle 1-2 Wochen auch tragen würdest (mir ist bewusst, dass es Jahreszeiten-Garderoben gibt, aber diese lohnen sich finanziell aus meiner Sicht nicht).
4. bilde dir deine eigene Meinung. Halte nicht jeden Kommentar und jedes Statement für die wahre Realität. Dafür ist das Thema Parfüm viel zu subjektiv.
5. behalte und kaufe nur 10/10 Düfte. Keine Düfte wo du die Marke, den Flakon, die Kopfnote, das Konzept, den Parfümeur gut findest ODER den Duft MAL GERNE RIECHST.
6. du darfst auch mal keinen Bock auf den Duft haben, aber so richtig nerven, darf dich ein Flakon nie.
7. warte bis zum Dry-Down. Viele Düfte sind so konzipiert, dass sie dich in den ersten 10 Minuten zum kaufen bewegen.
und 8. hör auf günstig Flakons einzukaufen, um sie dann teurer via Abfüllungen etc. zu verkaufen. Geh richtig arbeiten, du bist kein Grauhändler!

So. Ihr merkt schon, ich versuche hier die Quadratur des Kreises. Ein absolut subjektives Thema mit Augenscheinlicher Objektivität zu füllen.

Trotzdem habe ich es versucht und ich danke jedem Leser der hier angelangt ist.

Euer Weihrauch


42 Antworten
20.12.2019 10:41 Uhr
45 Auszeichnungen

..das ich das mal loswerde!


(Disclaimer: Ich entschuldige mich jetzt schon für dieses zu oft genutzte Stilmittel)

Wieder ist ein Parfumo-Jahr fast zu Ende. 2019. Ein Jahr in der ich diese faszinierende Leidenschaft, aufgrund meiner Ambivalenz beinahe ablegte.

Ich nahm im März an meinem ersten Parfumo-Treffen teil und wahr erstaunt, dass es doch auch noch andere Verrückte gibt, die ähnlich denken wie ich.

Ich schloss intensiven Kontakt (auch im privaten Bereich) mit ein paar Parfumos und komplementierte dieses Hobby durch ständiges austauschen und reflektieren.

Doch Duft-Technisch war ich 11 Monate mehr als rastlos. "Gehyped" von einem Duft, enttäuscht von einer kompletten Linie und wieder verwirrt über eine ganze Marke. Ganze 40 Flakons zogen ein und beinahe genauso schnell wieder aus. Ich verlor mich selbst in einem Wahn aus Youtube-Videos, Kommentare, Statements, Whatsapp-Nachrichten, Instagram Beiträgen, Fachartikeln und "MEGA SALE" -Mails.

War dann doch ein Duft bei mir, langweilte er mich nach kurzer Zeit. Oder enttäuschte in der Performance. Oder zeigte eine dröge und belanglose Basis. Oder hielt einfach nicht das, was ich mir in meiner Suche erhofft hatte.

Daraufhin schrieb ich vor 7 Monaten den Blog: Der gnadenlose Kampf gegen die olfaktorische Ambivalenz.
Wurde es besser nach dieser Katharsis? Nein.

Doch eine entscheidende Komponente lies mich weiter machen...

...der zwischenmenschliche Austausch. Sei es mit Parfumos, Parfümeure oder Unbeteiligte. So wühlte ich mich durch, auf der Suche nach meiner Oase der Ruhe und Zufriedenheit. Zufriedenheit über die eigene Sammlung, ja quasi Dankbarkeit. Ruhe um sich auf den Genuss des Vorhandenen einzulassen, anstatt dem Lärm der Suche zu verfallen.

Stolprig, wackelig und mürbe kam ich dann diesen Monat an. Erstaunlich, dass ich dafür weit über zwei Jahre gebraucht habe.

Ich fragt euch jetzt sicherlich, "ja und wo?". Im Independent Bereich...

So abgedroschen es auch klingen mag, hier fand ich genau dass, was ich manisch gesucht habe.
Und ich will nicht damit sagen, das dieser Bereich, dass einzig wahre ist. Oder nur hier Qualität oder "hippe Kreativität" herrscht. Nein, diese Beiden Begriffe machen vor Vertriebswegen oder finanziellen Mitteln keinen halt. Aber es wurde für mich endlich übersichtlich. Übersicht über den Menschen hinter der Marke. Übersicht über die Idee und Inspiration hinter den Düften. Es faszinierte mich, wie "anders" und beinahe schon ignorant diese Parfümeure an ihr Werk gehen. Dieser nennen wir es, Esprit, steckte mich an.

Nennt mich Snob, aber Häuser die ich dieses Jahr wirklich entdeckte (Papillon, Bianchi, Strangers, Prissana, Arquiste, Profumum, Unum, Bortnikoff, Bogue) zeigten mir, dass auch ich zufrieden sein kann. Das es Düfte gibt, die mich trotz meiner kritischen Nase überzeugen.

Um den Bogen zu spannen. Warum schreibe ich das hier? Reicht dass nicht als persönliche Notiz? Nein...

Denn ich möchte EUCH dafür Danken. Jedem einzelnen, egal ob für den Kontakt, Austausch oder auch für jedes Statement. Ihr habt mich hier hin stets begleitet, mich nie verurteilt oder fallen gelassen.
Ich empfinde es so, dass dieses Hobby uns manchmal "einsam" macht, denn ich kenne in meinem kompletten privaten Umfeld niemanden, der Düfte so zelebriert wie wir. Aber hier, hat man immer wieder einen Hafen der "Erdung".
Es wurde schon oft gesagt, aber in solch toxischen Zeiten wie heute, dennoch zu wenig. Diese Community hier ist einfach fantastisch.

Es wird Zeit, dass ich es mal los werde...VIELEN DANK!

Ich wünsche euch und euren Liebsten fröhliche Weihnachten und ein gesundes Jahr 2020. Lasst uns einfach so weiter machen oder?

Euer Moritz


10 Antworten
19.05.2019 18:42 Uhr
49 Auszeichnungen

Liebe Parfumo Community,

wenn ihr hier einen Blog Eintrag erwartet, der euch einen echten Mehrwert bietet, wie z.B. Hintergrund Infos oder sogar echte Bildung, dann klickt bitte weiter.

Dieser Blog soll eher als karthasische Psychohygiene dienen.

Seit gut 1,5 Jahren bin ich nun voll mit dem Parfümvirus infiziert! Beinahe täglich entdecke ich neue Marken, Düfte und sogar Duftrichtungen und Stile. Beinahe wöchentlich verbringe ich viel Zeit in Parfümerien. Täglich verbringe ich Stunden um Stunden hier auf Parfumo. Monat für Monat schreibe ich akribisch auf, wie viel Geld ich für mein Lieblingshobby ausgebe, nur um im selben Moment zu realisieren, dass ich meine selbst gesteckte Grenze wieder überschritten habe. Selbst nach dem ich jedes Parfüm YouTube Video eingeatmet habe, vergeht mir nicht im geringsten die Lust an dem Ganzen. Ich muss auch hinzufügen, dass ich noch nie ein Hobby hatte welches mir solch allumfassende Glücksgefühle bereitet hat...

Ihr denkt jetzt sicher: "okay, solange er nicht pleite geht, wo ist sein Problem?"...

Ich bin leider ein Mensch der Besitz-technisch sehr minimalistisch aufgestellt ist. Es liegt vielleicht am Platz, oder am Geld, aber sicherlich auch viel an der Suche nach Einfachheit, Klarheit und Stringenz (def. "Schlüssigkeit").

Und da haben wir den Salat! Neidisch schiele ich auf all die Parfumos, die "ihre Linie" gefunden haben. Die mit wenig Flakons zufrieden sind, ihre Schätze haben und mit Abfüllungen ihre Neugier füttern (Gruß geht raus an TheScenter).

Und was ist mit mir? Ein Parfüm was mich gestern umgehauen hat, ist heute nur noch okay und morgen eventuell sogar belanglos. Viele Düfte gefallen mir die ersten Tage gar nicht und erst nach einer Woche liebe ich sie und umgekehrt. Wenn ich glaube "meine Schiene" gefunden zu haben, kommt zwei Tage später wieder ein neuer Stil, der sich dazwischen drängen möchte. Und wieder geht die Umstrukturierung los...sehr anstrengend!

Ich glaube ihr wisst was ich meine oder?

Es tut gut, dass Alles mal nieder geschrieben zu haben, doch helfen tut mir das leider auch nicht.

Ich freue mich auf eure Gedanken und Meinungen.


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