Im Dschungel mit Yatagan

30.12.2018
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Im Dschungel mit Yatagan - ein Jahresabschluss

Auch im Jahr 2018 habe ich wieder ungewöhnlich viele Düfte getestet, viele auch aus dem aktuellen Jahrgang. Insofern traue ich mir zu, einen Weg durch den Dschungel der über 4000 Neuerscheinungen zu suchen, auch wenn wohl kaum irgendjemand in der Lage ist, sich wirklich über diese Menge von neuen Düften Überblick zu verschaffen. Also bleiben wir am Boden, packen die Machete aus und marschieren los.

Interessant ist zunächst, dass die Zahl der Neuerscheinungen nach einem Höhepunkt im Jahr 2016 wieder etwas rückläufig ist. Vielleicht haben gerade die großen, am Markt besonders stark präsenten Designer- und Drogeriemarken erkannt, dass eine allzu große Flut von neuen Angeboten kontraproduktiv wirken kann. Gleichzeitig scheint mir jedoch im Nischenmarkt die Zahl neuer Düfte sprunghaft angestiegen zu sein. Da lässt sich die Kuh (resp. die Kühe, also wir) besonders gut melken. Offenbar springen wir nach wie vor auf alles, was nach Nische, exklusiven und limitierten Editionen riecht. Mir scheint hier besondere Vorsicht geboten. Niemals häufiger als in diesem Jahr habe ich exorbitant teure Düfte sog. Nischenlabels gerochen, die schlicht und ergreifend Mainstreamware mit hohem Anteil an Ambroxan, Cashmeran, Calone, Frucht-Estern und ISO-E-Super waren. Dafür muss man EIGENTLICH nicht mehr als Drogeriepreise ausgeben. Der Prodkutionswert mancher dieser Luxusdüfte wird wohl eher im Bereich von Deos liegen.

Im Bereich des Mainstreammarktes fiel mir auf, dass einerseits gerade hier die Menge der ambroxan- und caloneschwangeren Herrendüfte (Stichwort: Duschgelgeruch) weiter zugenommen hat (und auch die kosten in der Produktion so gut wie nichts, wir aber zahlen 50,00 bis 100,00 Euro dafür), andererseits aber auch solide neue Düfte auf den Markt kamen, dies aber eher im Damensegment.

Ich weiß natürlich, dass ich meinen ganz eigenen Geschmack habe, dass niemand dem folgen muss, aber vielleicht macht es dem einen oder der anderen Freude, mal nachzuvollziehen, was aus meiner Sicht einen Test wert wäre.

Dabei fällt auf, dass hier kaum hochexklusive Nischenmarken vorkommen. Die haben mich 2018 überwiegend enttäuscht. Ebenfalls kaum vertreten ist der Mainstreammarkt, was wenig überraschen mag. Die meisten Düfte sind übrigens Unisex-Düfte (auch ein Trend), da die meisten kleineren Marken eher in diese Richtung tendieren.

Auch in diesem Jahr gelang es Annette Neuffer gleich mehrere Düfte zu lancieren, die wirklich überragend gut gelungen sind. Für mich ist Annette Neuffer somit die Marke des Jahres 2018, zumal die Düfte ins Segment der verdienstvollen Naturdüfte gehören. Testet "Narcissus Orientalis" , "Make Someone Happy" und "Autumn Nocturne".

Die Neuentdeckung des Jahres war für mich übrigens die Marke The Zoo, die ich nach der Lektüre von Luca Turins neuem Guide testete. Allerdings sind die meisten Düfte bereits in den Vorjahren erschienen, so dass ich hier nur die Neuerscheinung "Carre Blanc" nennen kann.

Eine weitere Marke, die ich für einen Test dringend empfehle, ist die schwedische Manufaktur NOT Perfume (ein Tipp von Can777). Die Proben kann man recht preiswert auf der Homepage ordern (die Düfte sind leider teuer) und ich nenne hier meine beiden Lieblinge "Ashka" und "Svaha". Recht nah an Naturduftmarken in Image und Ausprägung.

Für Freunde der Naturdüfte sei noch die gleichermaßen bekannte wie verdienstvolle Marke LUSH genannt, die mich dieses Jahr mit "Grass (Perfume)" beglückte. Leider nur auf der Homepage, nicht in den Ladengeschäften erhältlich. Für mich der beste grüne Duft des Jahres 2018 (Dank an Siebter für die Möglichkeit zu testen).

Bleiben wir bei den Marken: Aus dem Luxussegment ist für mich hier vor allem Tom Fords hochpreisige Reihe zu nennen, der 2018 den Mut hatte, zwei Fougère-Düfte auf den Markt zu bringen. Diese durch Cumarin charakteristisch geprägte Duftrichtung war in den 70ern und 80ern sehr populär, wurde dann in den 90ern verwässert und kam in Verruf, ist jetzt aber reif für ein Comeback: "Fougère d'Argent" und "Fougère Platine" sind stark!

Wer gelegentlich Kommentare von mir liest und schon mal auf meiner Seite war, der weiß, dass ich Lavendeldüfte sehr schätze. Der beste im Jahr 2018 war ganz eindeutig "Pour Un Homme de Caron L'Eau".

Die schönsten Düfte für den Sommer waren für mich "Blu Mediterraneo - Chinotto di Liguria" von Acqua di Parma und die drei Sommerdüfte von Perris Monte Carlo: "Mandarino di Sicilia", " Bergamotto di [email protected] Monte Carlo" und allen voran "Cedro di Diamante".

Nun folgt vor dem krönenden Abschluss eine unsortierte Liste von Düften aus dem Jahr 2018, die ich zum Test empfehle, auch wenn ich davon keinen kaufen würde. Tragen aber schon - und das gerne: "Cap Néroli", "White Moss & Snowdrop", "Hermessence Myrrhe Églantine", "Hermessence Agar Ebène", "Eau de Citron Noir", "Terre d'Hermès Eau Intense Vétiver", "Klubwasser (2018)", "Eau de Givenchy (2018)", "Bois d'Hadrien", "Casamorati - Corallo", "Eau du Levant", "Black Tulip", "Witchmusk", "Islay", "[email protected] Green", "Belgravia Chypre", "Mandarina Corsica", "Paris - Deauville", "Erawan", "Fleur de Lalita", "[email protected]", "La Lanterne Rouge".

Was aber sind die fünf besten Düfte des Jahres 2018 aus meiner Sicht, die man getestet haben sollte? Ich finde, es sind die folgenden, und an dieser Auswahl erkennt man schon, wie subjektiv eine solche Liste immer sein muss:

1. "Moustache Original 1949": eine großartige Neuinterpretation des Kultklassikers Moustache von Rochas (siehe meinen Kommentar).

2. "The Lover's Tale": eine freie Neuinterpretation von Guerlains Mitsouko, amalgamiert mit diversen anderen Vintage-Düften der Jahre 1889 bis 1940 (s. meinen Kommentar).

3. "Narcissus Orientalis": für mich in diesem Jahr der beste Duft von Annette Neuffer und oben unter Marken bereits genannt. Eine hinreißende Komposition für Freund*innen von Narzissen.

4. "Blu Mediterraneo - Chinotto di Liguria": bereits oben unter den Sommerdüften genannt und - trotz seines Status' als Semi-Mainstream-Duft - für mich der beste Sommerduft des Jahres 2018 (s. meinen Kommentar).

5. "Pour Un Homme de Caron L'Eau": der beste Lavendel des Jahres und oben deshalb bereits genannt (s. meinen Kommentar).

5. "Une Nuit à Montauk - Bohemian Soul": gleichauf mit Carons Duft (s. meinen Kommentar).

Daraus ergibt sich übrigens auch meine diesjährige Empfehlung für Silvester, die ich immer ausspreche:

für den Herrn "Moustache Original 1949" und für die Dame "The Lover's Tale".

Ein gutes neues Jahr wünscht euch Yatagan!

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