YataganYatagans Parfumrezensionen

1 - 5 von 367
Yatagan vor 4 Monaten 80
7
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
9
Flakon

Mittelprächtige Mondnacht
Unkommentierte Düfte No. 165

Wenn man nach vielen Monaten (Monden) mal wieder eine Rezension verfasst und dazu noch zu einem Caron-Duft, der hier noch nicht besprochen und breitgetreten wurde, dann mag es sein, dass einige Leser:innen einen großen Duft erwarten. Das ist hier nicht der Fall. So viel schon mal vorab.

Auch dem im Titel erwähnten, vielleicht berühmtesten deutschen Gedicht aus der Epoche der Romantik (von Eichendorff) wird der Duft nicht gerecht (wer Mondnacht nicht kennt, möge es baldmöglichst lesen: die damit verbundenen Erwartungen werden gründlich verfehlt).

Auch dass die wenigen Bewertungen zwischen 6.0 und 9.0 schwanken, ist nicht verwunderlich: Der Duft hat was und gleichzeitig auch nicht - und das erklärt sich ganz leicht aus den ozonischen Noten, die stark im Vordergrund stehen. Auch das Guajakholz (wie meist etwas künstlich), taucht nicht erst in der Basis auf, sondern bereits sehr früh im Mittelteil und wenn man das beides addiert, ist man genau da, wo die meisten Drogeriedüfte ihre innere Mitte haben: bei einem etwas sterilen, ozonisch frischen, künstlich holzigen Duft, den man auch billiger bekommen könnte. An sich scheint mir das trotzdem ganz passend, denn dieser Caron-Duft wurde in diesen überraschend wandelbaren Zeiten von der vielleicht zweitwichtigsten Traditionsmarke Frankreichs (natürlich in jedem Falle hinter Guerlain einzuordnen) für eine französische Drogerie- und Parfümeriekette entwickelt und landete deshalb nie so richtig im Breitenmarkt, schon gar nicht in Deutschland. Man höre und staune. So etwas hätte es unter Ernest Daltroff, dem Grandseigneur von Caron, niemals nicht gegeben.

Viel mehr wäre über diesen Duft eigentlich gar nicht zu sagen, wäre da nicht ein nostalgischer Touch, der mich an irgendeinen obskuren 70er-Duft erinnert und wenn sich bei mir konkretere Assoziationen dazu einstellen, werde ich sie hier unter P.S. vermerken. Dieser Touch ist es übrigens, der mir den Duft irgendwie sehr angenehm erscheinen lässt. ich würde ihn vorerst hilfsweise da verorten, wo die ersten recht preiswerten Meeresbrise-Düfte zu finden sind, nämlich rund um Bleu Marine von Pierre Cardin (siehe dort). Die bei Bleu Marine kunterbunt verzeichneten zahlreichen Noten sind natürlich Unfug, beschreiben stattdessen vermutlich nur das, was man dem Käufer olfaktorisch einreden wollte. Auch Bleu Marine war und ist ein mehr oder minder synthetischer Duft. Da ist Caron mit seiner frischen Nacht immerhin ehrlicher.
59 Antworten

Yatagan vor 9 Monaten 45
8.5
Duft
6
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon

Being a snob
Unkommentierte Düfte No. 164

Aufmerksam wurde ich auf Angela Flanders wunderbaren Duft durch Neil Chapmans großartiges Buch "Perfume - In search of your signatur scent" von 2019. Das Werk ist ein Fundus für Parfumliebhaber*innen und bietet ähnlich gute Anregungen wie die bissigen Rezensionen von Luca Turin, schlägt aber einen versöhnlicheren Ton an. Dabei ist gleich der Titel eine dreiste Lüge, denn Chapman empfiehlt nichts weniger als einen einzelnen Signature Scent, sondern ergeht sich vielmehr in der Fülle der Duftwelt. Die Zusammenstellung ist schier endlos und beinahe enzyklopädisch.
Von den vier verzeichneten Düften der "late perfumer" Angela Flanders, wie Chapman die alte Dame, die vor Kurzem hochbetagt starb, liebevoll nennt, werden zwei besonders empfohlen: das exquisite Earl Grey (ein Bergamotte- und Patchouli-Duft; die klassische Teenote fehlt britisch-schrullig völlig). und als Sinnbild englischer Exzentrik "Precious One".
Betrachtet man die oben genannten Inhaltsstoffe, dann wird man hier übrigens ähnlich leichtfüßig aufs Glatteis geführt wie bei Earl Grey - und dennoch hat das alles auch seine Berechtigung: Während nämlich Earl Grey zwar keine Teenote enthält, dafür aber den für den Tee gleichen Namens obligatorischen Bergamotte-Akzent und durch eine Ahnung von Patchouli die Erinnerung an einen holzgetäfelten englischen Club erweckt, wo man eben jenes Getränk stilvoll zu sich nehmen könnte, schlägt auch Precious One subtile in Moll gestimmte Töne an. Tuberose blüht hier angemessen distinguiert und ordentlich wie in einem britischen Gewächshaus, die Katze schnurrt, aber markiert natürlich nicht, das Eichenmoos stammt aus den sanften Hügeln von Cotswold und nicht aus den Alpen und Jasmin wurde einfach gleich ganz vergessen - oder so dezent dosiert, dass er gar nicht recht auffallen will. Dann bleibt noch das Vetiver, das ja auch irgendwie typisch britisch ist, denn es stammt schließlich aus den ehemaligen Kolonien oder sagen wir besser - politisch korrekt - aus dem Commonwealth, aber es scheint wohl nur für die etwas herbe Note verantwortlich zu sein, die allem unterlegt ist. So richtig bemerkbar macht es sich auch nicht.
Aus all diesen Gründen plädiere ich aber schließlich und endlich dafür, diesen Duft nicht als Damenduft zu kategorisieren, vielleicht nicht mal als typischen Unisex-Duft, sondern eher als Duft für Snobs (wäre eine eigene Kategorie wert). Aus eben diesen Gründen gefällt er mir.

P.S.: Die Marke wird von Angela Flanders Tochter weitergeführt.
35 Antworten

Yatagan vor 10 Monaten 55
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Schwarzer Lavendel
Unkommentierte Düfte No. 163

Ganz selten gibt es Lavendeldüfte, die eher dunkel interpretiert werden. Zumeist steht Lavendel für einen hellen, frischen, krautig herben Akzent (z.B. in Caldey Lavender, Lavande Précieuse, Cotswold Lavender). Gelegentlich treten süße Töne (Vanille, Amber) hinzu (z.B. in Pour Un Homme de Caron, Brilliantly British, Lavande d'Hiver) oder in Verbindung mit Tonkabohne sorgt Cumarin für die charakteristische Fougèrenote (z.B. in Lehmann Fougère, Fougère Royale). Nicht selten sind auch Kombinationen mit floralen Tönen (z.B. in Filz Eau de Lavande: Rose) oder die Komposition wird deutlich komplexer (Jicky, Mouchoir de Monsieur).
Bei den düsteren Lavendeldüften fällt mir spontan bisher eigentlich nur Phoenix Botanicals Lavender Noir ein, ein sehr seltener Duft, der hier bisher kaum wahrgenommen wurde. Nun kommt aus meiner Sicht ein weiterer Duft hinzu: Scotch Lavander. Die ambrierten und harzigen Töne (Benzoe) sind so deutlich herausgearbeitet, dass sie bereits in der Herznote den Lavendel flanieren und dunkel einfärben. Dabei fällt auf, dass der Lavendel an sich seine Frisch behält, bis zum Drydown aber harzig grundiert wird. Trotz der Tonkabohne kann man m.E. hier nicht von einem Fougèreduft sprechen, auch wenn sich diese Assoziation vielleicht nach einer Weile einstellen mag.
Mir gefällt der Duft, ich finde ihn originell, weil er neue Wege geht, dennoch bevorzuge ich selbst den helleren Lavendelton.

Wer sich für das Komplettangebot an Lavendeldüften auf dem deutschen Markt interessiert, kann sich über diesen Link zu meiner Sammlung "Lavendel" orientieren:

https://www.parfumo.de/Benutzer/Yatagan/Sammlung/1915
36 Antworten

Yatagan vor 10 Monaten 48
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Rote Drachen tragen Hermès
Unkommentierte Düfte No. 162

Ich bin weder ein besonderer Fan der Marke Replay noch gehört Terre d'Hermès zu meinen größten Favoriten, aber ich mag es. Ich bin auch kein Freund von Dupes, sondern orientiere mich in aller Regel am Original. In diesem Falle mache ich mal eine Ausnahme.

Der rote Drache von Replay spuckt nämlich unverkennbar Terre d'Hermès-Feuer, das jedoch keine bloße billige Kopie ist, auch wenn die Parallelen auffällig sind (rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Grapefruit, Rosengeranie, helle Hölzer / Zeder, Patchouli, Vetiver), sondern eine dunklere Version von TdH, die durch die würzige, erdige, rauchig warme Note von Kardamom geprägt wird, die im Drydown noch stärker durchschimmert. Das macht Red Dragon zwar immer noch zu einem düsteren Verwandten des großen Vorbildes, entwickelt aber auf Haut und teilweise auch auf Textil immer noch so viel Eigenständigkeit, dass man nicht einfach von einem phantasielosen Duftzwilling sprechen kann.

Ein wichtiges Argument für den Replay-Duft ist sein Preis, der sich auf Drogerieniveau bewegt, dabei aber keinesweg synthetischer und oder weniger komplex als TdH ausfällt. Für Fans des Vorgenannten eine echte Alternative oder eine Ergänzung in der Sammlung.

Anmerkung: Der Duft-Tipp Red Dragon stammt von Paul Divjak aus seinem Buch "Der parfümierte Mann".
37 Antworten

Yatagan vor 11 Monaten 61
9
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Fabulously French
Unkommentierte Düfte No. 161

Man könnte es sich einfach machen mit diesem Duft und auf die starken Parallelen zum legendären Pour Un Homme de Caron (meinem Signature Scent) verweisen. In beiden Fällen dominiert Lavendel, vor allem in der Eröffnung, aber auch im weiteren Duftverlauf, in beiden Düften weht eine moderat pudrige Moschusnote und darüber hinaus findet sich in der Basis, denn ein wirkliches Herz haben beide Düfte nicht, eine süße Note, die hier mit Salzkaramell angegeben wurde. Man könnte auch Fudge sagen. Und da sind wir dann auch schon beim typisch britischen Duft: (1.) Lavendel: In Großbritannien gibt es in einigen Regionen große Lavendelfarmen, die das Kraut kultivieren. Und es gibt (2.) Fudge: überall. Die Parallelen zum fabulously french Caron sind damit zwar frappierend, aber die Salzkaramell-Note sorgt dann doch noch dafür, dass sich der neue Penhaligon's im Drydwon unterscheidet. Mir liegt nach wie vor mein Caron mehr, weil ich die Vanille-Note mit dem kleinen Hauch Amber in der Basis vornehmer finde, denn so sind sie halt, die Franzosen, immer etwas eleganter als der Rest der Welt, aber ich muss sagen, dass mir Penhaligon's Brilliantly British dann auch 9 Punkte wert war. Wie nah fabulously french und brilliantly british beeinander liegen und ob einem der kleine Unterschied womöglich einen Doppelkauf wert ist, muss man am besten nach einem intensiven Vergleichstest entscheiden. Und Fudge sollte man mögen.
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