YataganYatagans Parfumkommentare

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Yatagan vor 7 Tagen 60
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Einhundertvierzig und ein Lavendel
Unkommentierte Düfte No. 156

Kraft meines mir verliehenen Amtes als staatlich und kirchlich geprüfter Lavendelinspekteur kommt es mir ohne Zweifel zu, den Erstkommentar zu diesem neuen Lavendelduft von Jean-Claude Ellena (sic!) zu verfassen - und eines gleich vorweg: Er ist gut.

In meiner Sammlung der aktuell verfügbaren Lavendeldüfte finden sich 140 Wässerchen (siehe auf meine Seite). Ein weiteres kommt nun hinzu. Nicht mitgerechnet sind die von mir getesteten Lavendeldüfte, über die die Zeit hinwegging und die eingestellt wurden. Ihre Zahl ist Legion.

Die Frage, die sich bei der strengen und unbestechlichen Prüfung allerdings stellt, ist die, ob es sich bei dem vorliegenden Produkt tatsächlich, wie angegeben, um einen Lavendelduft handeln kann.
Immerhin finden sich im brodelnden Kessel so ketzerische Produkte wie schwarze Johannisbeerknospe und weißer Moschus (die Zeder lassen wir mal durchgehen; gegen eine holzige Basis ist nichts zu sagen).

Tatsächlich lässt sich ein grünblättriger und spitz fruchtiger Cassiston in diesem sehr leichten, sehr frischen Duft durchgängig wahrnehmen und ergänzt die krautige Note des Lavendels um eine fruchtige. Damit bewegt sich Lavande Romaine einen Schritt aus dem Feld der klassischen Lavendeldüfte heraus, bleibt aber mit einem Fuß hinter der roten Linie. Die Prüfung kann somit als bestanden gewertet werden, zumal der Moschus weder stört noch pudert, allenfalls ein bisschen die Basis konturiert.

Wer einen ganz neuen, anders akzentuierten, klassischen UND moderner Lavendelduft sucht, den beglückt Meister Ellena hier mit einer charmanten Neukonzeption.

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Yatagan vor 21 Tagen 55
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Russische Wasser sind tief
Unkommentierte Düfte No. 155

Mein Vater war bei meiner Geburt schon über 40 Jahre alt, mit 18 in den Krieg gezwungen worden und bald in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Er hatte das Glück nicht nur furchtbare, sondern auch gute Erfahrungen gemacht zu haben und erhielt sich Zeit seines Lebens eine für manche Zeitgenossen unerklärliche Liebe zu Russland. Er sprach Russisch, bereiste bereits in den 80ern mit meiner Mutter Moskau und Leningrad (zur Zeit des Kalten Krieges keine Selbstverständlichkeit), hörte regelmäßig Radio Moskau, benutzte als After Shave Russisch Leder (auch wenn das von Farina aus Köln kam), war aber dennoch kein russischer Spion, wie nun vielleicht einige mutmaßen mögen.

Auch ich habe wohl deshalb eine starke Sympathie für Dinge mit russischem Markenzeichen. Auch "Russa" kommt - wie Russische Leder - nicht aus Russland, sondern aus dem sonnigen Italien, und zwar von einer meiner Lieblingsmarken: Santa Maria Novella. Das Dufthaus aus Florenz führt seine Geschichte auf das Gründungsjahr 1612 zurück, wobei einige Duftrezepturen angeblich noch älter sein sollen (etwa das schlichte Colonia der Marke), denn die historisch verbürgte Farmacia geht auf eine Klosterapotheke von 1221 zurück. Damit wäre sie wohl die älteste bekannte Apotheke der Welt.

Sympathische ist mir zudem, dass alle Produkte, auch die aus der Kosmetikproduktion, ohne Tierversuche hergestellt werden, noch dazu unter ausschließlicher Verwendung natürlicher Kräuter und Lipide. Seit Kurzem gibt es auch in Deutschland einen Flagshipstore in München (mdc-core.de).

Darüber hinaus war ich mal wieder auf der Suche nach einem neuen After Shave, nach Möglichkeit Naturkosmetik (siehe meine Sammlung 'Grooming'). Besonders gute Erfahrungen bei empfindlicher Haut habe ich mit vielen Klosterprodukten gemacht (z.B. Lotion opaline, Caldey, Ganagobie) und auch das ist der Hintergrund meiner Sympathie für Santa Maria Novella, auch wenn es sich längst nicht mehr um eine Klostermanufakatur handelt.
Insofern eine ganze Reihe guter Gründe das After Shave / Dopo Barba Russa von Santa Maria Novelle zu testen.

Dabei handelt es sich nicht um ein Russisch Leder-Produkt mit Birkenteer, Harzen oder ambrierter Basis, so wie das oft der Fall zu sein pflegt, sondern um ein helles, aber durchaus würziges, den Kölnisch Wassern ähnliches Produkt. Zitrus, Bergamotte, Petitgrain und grüne Noten stehen für hesperidische Frische wie bei einem Kölnisch Wasser / bei einem hellen Cologne, die Gewürznelke sorgt für eine dunkle Färbung und das russische Temperament (Achtung: Klischee!). Benzoe sollte für eine harzig-balsamische Basisnote stehen, tut es auch, aber nicht so kräftig, wie das vielleicht einige erwarten, sondern sehr dezent, sehr schwach, eher untergründig. Beide Düfte passen gut in meine Sammlung Schwarzer Colognes (siehe dort).
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Yatagan vor 37 Tagen 63
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Sonne und Schatten
Vor einigen Jahren war ich zum ersten Mal auf Sizilien und war begeistert: von der Schönheit der Städte und der Landschaft, von den römischen Ausgrabungen und vor allem vom Blick aufs Meer. Unser Ferienhaus lag erhöht und jeden Abend sah ich auf die untergehende Sonne.
Santa Maria Novellas Acqua di Sicilia fängt diese Stimmung ein. Nahezu perfekt.
Natürlich kommt für mich für wirklich heiße Tage sowieso nur ein Kölnisch Wasser in Frage, und in Sizilien kann es so heiß werden, dass man in der Mittagszeit vor der Kathedrale von Noto oder am Fonte Aretusa in Siracusa trotz der Nähe des Wassers beinahe gegrillt wird. In Italien hat sich aus diesem Grund seit einiger Zeit die wenig ökologische Sitte des künstlichen Wassernebels entwickelt: Aus Düsen, meist oberhalb von Sonnenschirmen, entströmt ein feiner Nebel kühlen Wassers, der den Aufenthalt an heißen Orten wunderbar erträglich macht. Wenn man es als hellhäutiger Mitteleuropäer vom Amphitheater von Taormina unterhalb des Etna mit letzter Kraft in die kaum kühleren Gassen der Altstadt geschafft hat, ist man unter Umständen froh um eine solche typisch italienische Errungenschaft, die wir hoffentlich in Deutschland trotz dramatisch voranschreitender Klimaveränderung noch länger nicht nötig haben werden.
Wirklich gelungene Kölnisch Wässer können an heißen Sommertagen genau diesen Eindruck vermitteln: inmitten eines kühlen Sprühregens zu stehen. Auch Acqua die Sicilia kann das, weil Petitgrain, Bergamotte, Zitrone und Neroli ihren Dienst tun, eine schattige krautige Nuance hinzu tritt, aber gleichzeitig durch die dezent harzige Note der Eindruck einer sonnensatten Landschaft entsteht, die nach der Hitze des Mittags langsam wieder abzukühlen beginnt.
Santa Maria Novella enttäuscht mich selten, aber von diesem Duft bin ich regelrecht begeistert.
Man muss Kölnisch Wässer mit einem dunklen Schatten mögen. Dann ist dieser hier richtig.
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Yatagan vor 57 Tagen 62
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Mit Yuzu in die Nacht
Yuzu ist eine neuere Entdeckung von mir. Immer häufiger taucht die Frucht in Düften auf und hat dabei einen eigenen, bitter-sauren, sehr frischen Charakter, der sie von anderen Zitrusfrüchten unterscheidet. Yuzu ist eine frühe Kreuzung aus der Ichang-Zitrone und Mandarine und wird seit Tausenden von Jahren im Yangtze-Becken in China angebaut. Der erste Duft, bei dem meiner Wahrnehmung nach Yuzu im Mittelpunkt stand, war "Yuzu Rouge" von 06130 - Zéro Six Cent-Trente (2003). Der Duft hat mir auf Anhieb gefallen und mein Interesse an diesem sauren und bitteren Gewächs geweckt. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir die Frucht kein Begriff. Übrigens liegt in meinem Supermarkt im Regal der Exotenfrüchte bis dato keine Yuzu neben der Kiwi. Tatsächlich wird sie gerne für die Parfumindustrie angebaut.

In größeren Abständen erschienen dann Düfte wie "09 Yuzu Ab Irato" von Pierre Guillaume (2006), oder "Yuzu Fou" von Parfum d'Empire (2008) sowie Düfte kleinerer und kleinster Marken. Erst nach 2010 nahm die Zahl solcher Düfte stetig zu und die Verwendung von Yuzu wurde gängig. Interessante Düfte aus diesem Feld (Yuzu im Zentrum) sind darüber hinaus "Eau de Yuzu", gerade neu bei Nicolai erschienen, "L'Eau d'Issey pour Homme Yuzu", "Note de Yuzu" von Heeley, "Yuzu" von Acqua di Parma, "Yuzu Man" von Caron und "Remix Cologne Edition 2020" von 4711.

Das 'Izu' im Namen dieses Duftes dürfte übrigens keine anderslautende lateinische Umschriftung des chinesischen resp. japanischen Wortes für Yuzu sein, wie ich erst vermutete, sondern sich auf eine Provinz / Region bzw. Stadt in Japan beziehen. Dennoch steht auch bei diesem Duft von Keiko Mecheri Yuzu klar im Mittelpunkt, ähnlich wie bei den o.g. Düften. Das hat mich neugierig gemacht.

Les Nuits d'Izu eröffnet mit einer sanften Yuzu-Aura, der sich noch in der Kopfnote eine Moschuswolke anschließt, die man von verschiedenen Keiko-Mecheri-Düften gewohnt ist. Im Verlauf der Entwicklung wird der pudrige Moschus immer dominanter, dann aber in der Herznote weich von Rose untermalt. Moos hätte ich nicht erkannt, scheint mir aber plausibel. Dabei bleibt der Duft auf Textil oder Papier frischer und säuerlicher, auf der Haut wirkt er weicher und pudriger. Immerhin bieten die Nächte von Izu somit zwei Varianten: eine für den friedvollen Schlummer (Hesperidien) und eine für die Erotik (Rose und Moschus). Das hat doch was.
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Yatagan vor 69 Tagen 51
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Weißes Wasser - wider Erwarten schön
Brecourt gehört zu denjenigen Marken, mit denen ich bisher keine guten Erfahrungen machen konnte. Getestet habe ich viele, gefallen haben mir wenige. Etliche fand ich uninspiriert. Insofern war meine Erwartung auch hier eher niedrig. Immerhin war nach Durchsicht der Inhaltsstoffe klar, dass es sich um einen Zitronen- und Tee-Duft handeln würde - und das liegt mir. Tatsächlich bin ich sehr angetan, weil die deutlich wahrnehmbare Zitrone mit einer schönen würzigen Teenote zu einer cremigen Melange verschmilzt, an der der Moschus seinen Anteil haben dürfte. Bergamotte und Mandarine bleiben dezent, immerhin aber noch stark genug, um nachvollziehen zu können, dass sie enthalten sein sollen. Sowas hat seinen Reiz. Ein floraler Hauch weht darüber hinaus leise durch die Komposition.

Viele bemängeln hier besonders Haltbarkeit und schwache Aura. Dass mich das nicht stört, habe ich schon häufig genug erwähnt. Hier finde ich es aber gar nicht so schlecht, wie beschrieben. Zwar zieht sich der Duft schnell auf Hautnähe zurück, bleibt aber als Ahnung um die Person herum lange bemerkbar. Während eines Spaziergangs an der frischen Luft hatte ich die cremige Zitrone immer wieder in der Nase und das, obwohl ich nur zwei sparsame Sprühstöße auf den Handrücken aufgetragen hatte. Mehr will und erwarte ich nicht, - für mich und meine Umwelt.
Insofern hat Eau Blanche, das weiße Wasser, mein Bild von Brecourt positiv korrigiert.

Als weitere Empfehlung sei Mauvais Garçon genannt, ein ebenso dezenter Lavendelduft dieser Marke.
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