YataganYatagans Parfumkommentare

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24.11.2019 12:43 Uhr
48 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 141

Ich schließe mich mit diesem Kommentar ausdrücklich nicht an die Diskussion an, ob früher alles besser gewesen sei. Ich persönlich glaube zwar auch, dass der aktuelle Markt wenig Überraschungen zu bieten hat, andererseits gerade bei kleinen Manufakturen die eine oder andere Perle zu finden ist. Auf Anmerkungen zu dieser Frage gehe ich bewusst nicht weiter ein, weil mich derartige Teildiskurse nicht wirklich interessieren - nur der Diskurs um Duft an sich.
Fest steht allerdings, dass dieser Duft, der vor allen Einschränkungen durch IFRA-Normen komponiert wurde, heute so wohl nicht mehr möglich wäre. Allein die gewaltige Portion Eichenmoos, die sich für einen ordentlichen Chypre nun mal gehört, müsste manchem Allergiker Alpträume bescheren. Wenn ich die jüngsten Kommentare von Profumo richtig deute, der sich mit der Wiederkunft der Chypres beschäftigt, gibt es inzwischen gelungene Substitute für diesen Inhaltsstoff, so dass Optimismus angebracht scheint. Der Duft von Eichenmoos ohne Allergene: dann wäre die Quadratur des Kreises gelungen.
Hier jedoch haben wir es noch mit einem Original zu tun, mit einer Diva aus vergangenen Jahrzehnten, ein wenig gealtert, aber immer noch so exaltiert im Auftritt wie einst, prätentiös, aber doch würdevoll. Das geht zusammen, wenn man über das entsprechende Charisma verfügt.
Das Eichenmoos mischt sich hier mit gehaltvollem, aber nicht aufdringlichem Ambra. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man den Duftstreifen einen Tag liegen lässt und 24 Stunden später die immer noch markante Textur analysiert. Da halten sich Moos und Ambra die Waage. Auch wenn ich kein besonderer Liebhaber von Ambra bin: So mag ich es. Natürlich enthält auch dieser Chypre die notwendigen floralen Akzente aus Jasmin und Rose, grüne Spitzen erinnern an Vol de Nuit und sollten vom Galbanum stammen (in beiden in entsprechender Dosierung enthalten). Weiter traue ich mir keine Differenzierung zu. Zu vollkommen ist der Gesamtklang.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich dem Duft die Höchstnote geben kann, weil ich immer ein bisschen mit einer so warmen, pudrig-pelzigen Ambra-Basis kämpfe.

Herzlichen Dank an Ergoproxy für den Restflakon.


02.11.2019 14:43 Uhr
42 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 140

Da heißt ein Duft Heilige Seelen, kommt an Allerheiligen bzw. Allerseelen auf den Markt und schon wagt man, sofern man gerne mal eine Kirche betritt, einen kleinen Blindkauf. Bei Maria Candida Gentile, die ich für eine der interessantesten Parfummanufakturen halte, gibt es nämlich kleine handliche und sehr dekorative 15 ml-Fläschchen, die man zu akzeptablen Preisen erwerben kann. Zum Service gehört der recht teure, gleichwohl aber rasant schnelle Express-Versandservice von Italien nach Deutschland, so dass man den Duft in kürzester Zeit vor sich stehen hat.

Da heute der katholische Feiertag Allerseelen ist und das eben hervorragend zum Namen des Duftes passt, wage ich mich mal an den Erstkommentar dieses eigenwilligen Duftes. Zwar konnte man sich Anime Sante anhand der o.a. Inhaltsstoffe einigermaßen süß vorstellen, dennoch bin ich letztendlich ein bisschen enttäuscht, dass es dann genau so kam, wie ich befürchtet oder erwartet hatte. Die Mandelmilch dürfte vermutlich dafür verantwortlich sein, dass der Duft in Kombination mit mild harzigen Tönen und einer diffus floralen Note recht süß erscheint. Im Grunde passiert auch weiterhin nicht viel. Schon kurz nach dem Aufsprühen auf Haut oder Papierstreifen entwickelt sich eine milchige, aber auch pudrig süße Note, die einen Hauch Harz mit sich trägt. Sollte da tatsächlich Melone drin sein, kann sie sich gegen diese Akzente nicht durchsetzen: Ich rieche sie nicht (Nachtrag: Ganz spät schält sich auf Duftstreifen, nicht aber auf Haut, eine Melonennote durch). Nun gehörte ja Frangipani auch nicht gerade zu den leichten Blütendüften und so entfaltet sich ein derart milchig süßer, pudrig floraler Akkord, dass er an eine Süßspeise (Milchreis mit Zimt) erinnert und mit Sicherheit besser auf Frauenhaut aufgehoben ist. Vielleicht vermag der Duft ja ein wenig Trost in Trauersituationen zu spenden (Allerseelen ist der Gedenktag der Verstorbenen), weil er durch seine tröstend süße, sanfte, mandelzarte und zimtfeine Note an Kindheitstage erinnert. Insgesamt gefällt mir der Duft dennoch recht gut. Ein Test sei empfohlen.
Ich wünsche einen stillen, trostspendenden Allerseelentag!


26.10.2019 16:12 Uhr
53 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 139

Wer meine Kommentare oder Blogs gelegentlich gelesen hat, weiß, dass ich ein großer Freund von Klassikern bin und ein Blick in meine Sammlung reicht, um das zu bestätigen. Nun haben Klassiker den Nachteil, dass sie eine aussterbende Spezies sind. Immer mehr landen auf der schwarzen Duft-Liste, weil sie Inhaltsstoffe enthalten, die die IFRA als bedenklich einstuft und die in Konsequenz kaum noch verarbeitet werden. Einer nach dem anderen der berühmten Namen verschwindet von der Bildfläche oder wird bis zur Unkenntlichkeit reformuliert. Bleibt als letzte Option das akribische Studium des Vintagesegments, der Besuch von Flohmärkten oder einschlägiger Internetforen. Irgendwann ist man dann durch und kennt fast alles, was der Markt in früheren Zeiten hergab (Exkurs: Wer das nicht glaubt, mag auf meine Getestet-Liste schauen. Ich freue mich aber sehr über jeden Tipp von bisher nicht entdeckten Perlen). Wo aber liegt die Zukunft von Duft, wenn die Vergangenheit hinlänglich bekannt ist?

Folgt man Luca Turin, was ich (im Gegensatz zu etlichen Kritikern hier in diesem Forum) immer wieder mit Gewinn getan habe, so zeigt sich, dass die Empfehlungen in seinem ersten Duftguide (2008) konsequenterweise fast alle verfügbaren Klassiker aufführen: Mitsouko, Shalimar, Chanel No. 5, Jicky, White Linen, Eau Sauvage sowie einige moderne Klassiker wie Cool Water und Timbuktu, um nur wenige davon stellvertretend zu nennen.

Der zweite Guide (2018), zehn Jahre nach Erscheinen des ersten, wurde von vielen mit Spannung erwartet, denn nachdem sämtliche relevanten Klassiker besprochen waren, blieb nur noch der Blick auf die Gegenwart. Doch während etliche Leser erwartet hatten, dass sich Luca Turin dem hochpreisigen Nischenmarkt zuwenden würde, fiel seine Kritik zu Düften von Roja, Orto Parisi, MFK und anderen wider Erwarten schlecht aus. Zu Recht, wie mir (oft) scheint. Da der aktuelle Mainstreammarkt nur wenige Alternativen bietet, stellt sich die Frage, wo letztendlich interessante Entwicklungen zu finden blieben.

Turin empfiehlt in seinem Guide einen Blick auf kleine und kleinste Manufakturen. Gerade dort ist allerdings Vorsicht angeraten, denn auch etliche dieser Hinterzimmer-Firmen wollen dem willigen Kunden alles verkaufen, was der für einen exotischen Fund hält. Dennoch: Besonders in diesem Segment gibt es den einen oder anderen Lichtblick: Annette Neuffer, Baruti, Dusita, Francesca Bianchi, Jean-Michel Duriez, Mendittorosa, Papillon, Parfum d'Empire, The Zoo (Ich führe hier nur einige wichtige Kleinstmarken auf, insbesondere jene, bei denen ich in meinem Urteil dem von Luca Turin folge).

Was aber kommt nach 2018? Auch hier kann ein Blick auf Turins Homepage helfen und aufwändigste Recherchen nach den neuesten Hypes auf diversen Blogs abkürzen. Die dort von LT jüngst empfohlenen Düfte sind die folgenden (unter Angabe der Sterne, wobei ich die weniger gut bewerteten Düfte übergehe): Andy Tauer Les Années 25 (5 Sterne), Frassai Teisenddu (4 Sterne), Chatillon Lux Lamplight Penance (4 Sterne; Anlass für diesen Kommentar), Masque Romanza (4 Sterne), Zoologist Tyrannosaurus Rex (4 Sterne). Nebenbei bemerkt: Ein dort beschriebener Xerjoff erhielt nur einen einzigen Stern: provokativ, aber nachvollziehbar.

Auch dabei wird deutlich, dass sich Luca Turin den Außenseitern, den Kleinstmarken, den Manufakturen zuwendet, während teure Nische oder Mainstream durchfällt. Um es bei einigen der oben Genannten kurz zu machen: Auch ich empfehle Teisenddu und Tyrannosaurus Rex, finde Romanza und Les Années 25 allemal spannend - und blieb besonders an Chatillon Lux' Lamplight Penance hängen. Nicht etwa deshalb, weil ich diesen Duft für besser halte als die anderen oben empfohlenen, sondern weil er sich weit von den meisten mir bekannten Düften entfernt.

Lamplight Penance ist zunächst einmal einer der wenigen aktuellen Düfte, die noch eine regelrechte Duftentwicklung kennen. Weder die postmoderne Nische noch der Mainstreammarkt setzt 2019 auf Entwicklung, sondern auf monothematische Wiedererkennbarkeit. Das kann artifiziell verstanden werden (i.S. von Klarheit, Struktur, Nüchternheit), aber auch wirtschaftlich (i.S. einer schnellen Kaufentscheidung: alles muss sofort präsent sein, wenn ich mir den Duft zwischen Vormittagsmeeting und Lunch auf den Handrücken sprühen lasse). Lamplight Penance entzieht sich dieser olfaktorischen Transparenz und versteckte sich zunächst hinter einer prickelnden, etwas mineralisch wirkenden Eröffnung, die allerdings schon bald klar macht, dass da enorm viel mehr drunter und drin ist. Im Grunde ist der Duft sogar überladen, enthält zuviel - und weniger wäre wahrscheinlich mehr gewesen. Ich nehme nach den mineralischen Tönen eine alkoholische Note wahr und mehr und mehr eine derartige Dichte, dass man die o.a. Inhaltsstoffe kaum oder nur schwer isolieren kann. Wollte ich dem Duft eine Farbe zuordnen, so wäre es erdfarbenbraun, lederbraun, whiskybraun, kaffeebraun, holzbraun, balsambraun, guajakölbraun oder das Braun eines antiken Möbels. Helle Früchte oder Blüten kann ich im Grunde nicht isolieren. Vielleicht sind sie am Gesamteindruck entscheidend beteiligt, aber das lässt sich kaum mit Bestimmtheit sagen. Nach einer Weile entwickelt der Duft noch eine feine balsamische Süße (ich würde es nicht Harz nennen), bei der ein animalischer Ton (Moschus oder eine pflanzlich animalische Note) mitschwingt, der mir nicht immer ganz angenehm ist, der mich aber fasziniert, so wie es häufiger bei schmutzigem Moschus der Fall ist.

Übrigens finde ich, dass der Duft sich besser macht, wenn man ihn auf Textil trägt. Auf Haut entwickelt er sich farbloser. Vorsicht ist aber bei hellen Stoffen geboten, denn der Duft ist wirklich braun und schwer und könnte Flecken hinterlassen. Da ich kein Haltbarkeitsfetischist bin, im Gegenteil eher eine schwache Aura schätze, konstatiere ich, dass der Duft vielleicht ein bisschen zu lange haftet, aber weit von öliger Penetranz entfernt ist.

Im Drydown ist der Duft schließlich vor allem holzig, wobei sich eine balsamische Note noch lange hält. Andere Brauntöne (Kaffee, Whisky) haben sich dann verabschiedet. Der animalische Grundton schwingt weiter mit. Nichts für Freunde von unkompliziert Tragbarem à la Sauvage / Bleu, nichts für Fans von glattgebügelter Nische à la Marly, nichts für Liebhaber*innen von blasser Synthetik à la MFK, vielleicht am ehesten noch mit den sehr gehaltvollen Rojas vergleichbar - oder im positiven Sinne mit den hervorragenden Düften von Annette Neuffer, auch wenn mir diese charmanter erscheinen. Ich würde dem Duft nur eine 7.5 als Bewertung zugestehen, habe aber auf 8.0 erhöht, weil mich der Duft irritiert. Das gefällt mir.

Nachtrag: Der ungewöhnliche Name "Lampenlicht Buße" wird vom Hersteller auf der Homepage folgendermaßen erklärt: Lamplight Penance beziehe sich auf Henri Chatillon, einen Helden des Oregon Trails, der sich nach dem Tod seiner geliebten Frau, einer Ogallala-Indianerin, in die Stadt zurückzog, aber immer wieder auf dem Dachboden im Schein einer alten Öllampe, zwischen Artefakten seiner Erinnerungen sitzend, an sein früheres abenteuerliches Leben zurück dachte.


31.08.2019 14:32 Uhr
54 Auszeichnungen
Die Überschrift ist vielleicht missverständlich, denn der Duft ist mitnichten ein Favorit unserer Familie, sondern eigentlich fast das Gegenteil, - und das kam so: Ich hatte schon immer ein ausgeprägtes Faible für Klassiker und deshalb schenkte ich meiner Mutter vor vielen Jahren diesen Duft, der aus dem fernen und düsteren Jahr 1933 stammt und keinesfalls mit dem neueren, völlig anderen Fleur de Rocaille (ohne Plural-"s" hinter der Blume) aus dem Jahre 1993 verwechselt werden darf. Tatsächlich gefiel meiner Mutter der Duft nicht sonderlich, was ich erst viel später erfuhr, und er fand sich bald in der Sammlung meiner Großmutter, von der er ziemlich sicher auch nicht allzu häufig benutzt wurde, wenigstens erinnere ich mich nicht daran, dass sie ihn trug (sie bevorzugte zu dieser Zeit Scherrer No. 2). Als meine Großmutter starb, wanderten ihre Düfte (und das finde ich angemessen und rührend schön) in die Sammlungen ihrer Tochter und Schwiegertochter (Scherrer No. 2 und Penhalgon's English Fern erbten meine Tante, die anderen Düfte meine Mutter). Irgendwie fand sich da auch Fleurs de Rocaille wieder und meine Mutter gestand mir bei einem Besuch, dass ihr der Duft zu seifig sei. Da sie keine Verwendung für ihn hatte, nahm ich ihn mit. Zu Hause stand er eine Weile wie Aschenputtel abseits neben den anderen Düften meiner Frau, die ihn auch nicht recht zu schätzen wusste. Da ich in den letzten Wochen sehr viele aldehydlastige Düfte, seifige Düfte und Chypre-Düfte testete, passte Fleurs de Rocaille gut in alle Schemata und ich zog ihn hervor. Dabei fiel mir auf, dass ich selbst ihn seinerzeit gut bewertet hatte (8.0). Aschenputtel ist ein hübsches Mädchen, auch wenn sie aus einer anderen Zeit stammt. Offenbar bin ich als männlicher Nachkomme in unserer Familie der einzige, der diesen Damen(?)-Duft zu schätzen weiß und ihn auch als Mann gerne trage. Nach einem längeren Test bewerte ich den Duft nun noch höher und freue mich über wunderbare Aldehydblüten mit deutlich seifigen Akzenten. Aldehyde sind zwar in der Duftpyramide gar nicht angegeben, wurden aber auch schon von anderen Tester*innen bemerkt und sind unverkennbar von der Kopf- bis zur Herznote vorhanden. In dieser Phase hat Fleurs de Rocaile ganz offenbar eine starke Ähnlichkeit mit Chanel No. 5. Auch hier ist zwar eine Chypre-Textur erkennbar, denn der Duft enthält Bergamotte, Rose, Jasmin und Moschus; für den typischen Chypre-Dreiklang fehlt aber bei beiden Düften eine starke Dosis Eichenmoos (vermutlich enthalten, aber deutlich sparsamer als beim phänotypischen Chypre). Einen besonderen Reiz der Chypredüfte macht jedoch gerade ihre wandelbare Struktur aus - und Eichenmoos kann durch Patchouli, Vetiver, Sandelholz (Chanel No. 5) und Moschus ersetzt werden. Das ist auch hier der Fall und so gibt es offenbar doch eine Verwandtschaft mit den Chypres. Im Gegensatz zu Chanel No. 5 flirren die Aldehyde bei den "Steinblumen" nicht wie die Lichter in einer klaren Sternennacht, sondern liegen hinter einer Wolkendecke. Das ist übrigens ebenso schön.


04.08.2019 17:03 Uhr
49 Auszeichnungen
1927

1927 - Floris

8.5
Unkommentierte Düfte No. 138

Meist schreibt man ja doch einen Kommentar, wenn man begeistert ist. Geht mir auch nicht anders. Seltener sind Verrisse. Ich habe meist keinen Spaß daran. Noch seltener oder nie schreibt man Kommentare zu etwas resp. einem Duft, wenn man sich wundert. Ich jedenfalls nie. Trotzdem habe ich mich hier mal dafür entschieden.

Der Duft passt eigentlich ganz gut in verschiedene meiner Raster (doch, doch, ich habe Interessen jenseits von Lavendel und Colognes): Er enthält Aldehyde (gerade teste ich alles, was Aldehyde enthält), er enthält Narzisse (mag ich einfach sehr), er enthält Veilchen (die sehen putzig aus und riechen sehr fein, finde ich) und er startet mit Bergamotte und Mandarine, was ich sowieso schon mal gut finde. Moschus und Patch in der Basis ist ja auch nicht so verkehrt. So jedenfalls die Theorie, die man oben bei den Inhaltsstoffen nachlesen kann.
Wie das aber so alles zusammen riecht, hatte ich dann doch anders erwartet.

Hell (aber nicht frisch) geht es zunächst mal los, wobei die Aldehyde nicht zu überriechen sind. Die reißen hier das Ruder an sich und lassen es auch ziemlich lange nicht mehr los. Muss man also schon mal mögen. Wer das nicht mag, kann hier gerne noch schnell aus dem Kommentar aussteigen (HIER).

Dann stellt sich aber für mich ein Zusammenklang ein, der allen Synästheten (jemand da?) ziemlich grün erscheinen müsste. Wo das allerdings - außer von der Flakonfarbe - herkommen könnte, weiß ich nicht, aber ein bisschen erinnert es mich an dieses Schlingpflanzengrün von Cacharels Eden (den ich sehr mag). Und siehe da: Die beiden Düfte haben eine ganze Menge gemeinsam: Mandarine, Bergamotte, Mimose, Weißblüher, Patchouli - und ich wette auch auf Moschus und Aldehyde. So sind denn auch die Blüten in beiden Fällen schwer differenzierbar und wirken mehr als Gesamtklang. In beiden Fällen scheint das Patchouli eine wichtige Rolle zu spielen, das übrigens weder bei Eden noch bei 1927 erdig, hippiesk oder indisch daher kommt, sondern eher etwas dumpf, schwer, wächsern, was ich eigentlich sehr schön finde, auch wenn es nicht so klingt. Ein pudriger Ton kommt sicherlich vom Moschus, die Süße vielleicht von der Vanille. Alles in allem also doch ganz logisch. Man hätte sich nicht wundern müssen, aber ich konnte mir partout nicht vorstellen, wie sich diese Noten miteinander verbinden.

Stellt sich jetzt noch die Frage aus der Überschrift, nämlich warum der Duft 1927 heißt. Der Versuch einer Antwort: Floris hat ja eine Reihe mit Düften lanciert, die allesamt eine Jahreszahl im / als Namen tragen. Natürlich soll sich die Komposition der vier Düfte jeweils mit der duftenden Traditionen des entsprechenden Jahres verbinden (1927, 1962, 1976, 1988: eigentlich sind alle recht gut, auch die Idee finde ich spannend). Floris erinnert hier denn auch an die Roaring Twenties, an Jazz, an die Bohemiens jener Jahre. Ich finde auch, dass die Aldehyde und die Blütenopulenz sehr gut dazu passen und in eben jenem Jahr entstanden ja tatsächlich Düfte wie Arpège, Zibeline, Chaldée, Cuir de Russie und lustigerweise sogar Pitralon (die alte, manchmal "Schweizer Variante" genannte Mischung). Gerade Arpège passt da auch ganz gut als Vergleich (s. Inhaltsstoffe), aber 1927 von Floris wirkt auf mich in diesem Kontext ein kleines bisschen zu modern, was wiederum an der recht starken Aura von Patchouli liegen könnte, das mich in dieser prägnanten Form eben sehr an die 70er erinnert. Ich wurde da sozialisiert.

Alles in allem ist der Duft aber sehr gelungen, sehr spannend zumal und bisher leider noch kaum beachtet worden. Bei mir kratzt er an der Wunschliste.


18.06.2019 11:07 Uhr
60 Auszeichnungen
Wie aus einem Statement ein Kommentar wurde:

Eigentlich hatte ich die feste Absicht zu diesem Duft, den mir Gerus525 freundlicherweise näher brachte, nur ein Statement zu schreiben, obwohl ich gleich sehr angetan war, denn hier unten steht ein ausgezeichneter Kommentar von AmyAmy, langjährigen Leser*innen als Kennerin angelsächsischer Düfte bekannt, und dem wäre eigentlich gar nichts mehr hinzuzufügen. Der Duft aber ist so vielschichtig, dass sich eine weitere Perspektive durchaus lohnt und das lässt sich in einem Statement allein nicht abbilden.

Um Lesefaulen den Exkurs über AmyAmys Kommentar zu sparen, obwohl sich die Lektüre unbedingt lohnen würde, sei erwähnt, dass die Düfte von Haeckels aus Margate im Süden Englands stammen, dort vor Ort die meisten Inhaltsstoffe gesammelt, gebraut und gesudet werden (ich stelle mir ein Hinterhoflabor im Stil einer Hexenküche vor) und dann zunächst auch dort vertrieben werden. Wobei es durchaus einen internationalen Vertrieb über Stockists gibt, man also letztlich doch geschäftstüchtiger ist, als man beim ersten Blick auf die Firmenphilosophie vermuten würde. Ab jetzt konzentriere ich mich aber nur noch auf den Duft.

Am Rande sei erwähnt, dass die Haltbarkeit beeindruckend ist, obwohl das ja eine Eigenschaft bei Düften ist, die ich eher bedrohlich finde (ich hasse penetrant klebriges, dauerhaltbares Zeug und sprühe viel lieber nach), aber hier geht sie völlig in Ordnung, denn der Duft ist weder am Anfang noch am Ende des Drydwon, der gefühlt irgendwann am nächsten Tag erreicht ist, aufdringlich, sondern britisch distinguiert, was ich schon mal richtig gut finde.

Dabei ist der Duft alles andere als besonders süß, orientalisch oder harzig, sondern eher traditionell aromatisch, im Drydown hat das was von Barbershop, was bei englischen Düften ja nicht verwundern muss. Natürlich spielt bei solchen Düften immer auch helles Harz (hier ist Balsamtanne angegeben) und viel Holz eine Rolle. Daneben finden sich in einer komplexen Gemengelage, die an die 80er erinnert, fruchtige, zitrische, grüne und krautige Töne (sicherlich auch der angegebene Lavendel) und viele würzige Akzente, vor allem Wacholderbeere (hat fast ein bisschen was von Gin), die aber trotz ihrer Stärke weder orientalisch noch asiatisch wirken, sondern eher margate-isch, also südenglisch, wenn ihr versteht, was ich meine. Man hat tatsächlich das Gefühl in England an der Küste zu stehen, und zwar ganz genau in England und nicht an der Ostsee oder in der Normandie, aufs Meer zu schauen, die Aromen der Luft zu riechen und gleichzeitig irgend so ein traditionelles Rasierwasser von einem Seemann da unten in seinem Boot in der Nase zu ahnen. Man spürt förmlich den Wind und die Wellen brausen, eine Feuchtigkeit in der Luft (keine Aquatik), kurz bevor man bemerkt, dass das eigentlich kitschig und sentimental ist.

Cut!

Auch ohne solche Bilder funktioniert der Duft richtig gut, ist alltagstauglich (auch wenn man je nach der Menge des Auftrags gar keinen Gedanken an den Duft für den Folgetag verschwenden muss, bevor man nicht sehr gründlich geduscht hat) und lässt sich tagsüber im Büro genauso gut tragen wie am Abend. Während der Auftakt eher postmodern-ökologisch-pudrig-zitrisch-krautig und ein klitzekleines Bisschen erdig ist, wirkt der Drydown traditionell rasierwässerig harzig-holzig-aromatisch und begleitet so den Mann (oder wenn sie will auch die Frau) von der Arbeit nach Hause und in den Abend. Ziemlich cool, das!


10.06.2019 14:37 Uhr
50 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 137

Guerlains Idylle Love Blossom ist kein spektakulärere Duft und verdient deshalb sicherlich auch keine spektakulären Worte, aber er gefällt mir. Überhaupt gefielen mir die meisten Idylle-Varianten ziemlich gut und dieser hier fehlte noch in meinem Projekt eines Komplett-Tests aller verfügbaren Guerlain-Düfte, und da er zur rechten Zeit recht preiswert im Netz verfügbar war, habe ich ihn mir ohne vorheriges Ansehen bestellt.

Eigenwillig an der gesamten Reihe ist das Konzept, das auf den ersten Blick ohne roten Faden auskommt. In jeder Idylle-Variante dominieren andere Blüten. Als Klammer dient dann aber doch die Rose, die allerdings fast nie im Mittelpunkt steht, sodann Jasmin, der dann aber gerade im Extrait nicht einmal unter den Inhaltsstoffen auftaucht, und schließlich weitere starke Blüten, öfters Maiglöckchen, teils aber auch Flieder - wie hier in Love Blossom. Zur Basis gehört stets Moschus oder ein elegantes Moschussubstitut wie Ambrettesamen. Daneben gibt es einige weitere Varianten in der Komposition. Trotzdem ist die Familienähnlichkeit aller Idylle-Düfte recht gut wahrnehmbar: starke Blüten mit einem deutlichen Anteil Weißblüher, die eine gewisse Strenge, aber keine Indolik ausstrahlen. Love Blossom wird dabei hier auf Parfumo als Duftkonzentrationsvariante von Idylle Jasmin Lilas beschrieben. Bei der vorliegenden Duftkonzentration handelt es sich lt. Umverpackung um ein EdT, bei Idylle Jasmin Lilas um ein EdP (s. dazu die Fotos von Jasmin Lilas mit Umkarton, auf denen EdP vermerkt ist), das mir deshalb auch tatsächlich merklich stärker auszufallen scheint (s. Statement - und Dank an Silverrain).

Da ich Flieder mag, gerne unter unserem Strauch im Garten sitze und auch Jasmin in maßvoller Konzentration schätze, ist das hier für mich ein wirklich schöner Duft, ohne irgendwie spektakulär zu wirken. In schwacher Dosis trage ich ihn auch als Mann, was verwundern mag, aber der Duft strahlt bei aller blütenvollen Weiblichkeit auch eine gewisse Strenge aus, mit der ich mich wohl fühle, wenn auch vielleicht nicht unbedingt im Büro.

Am heutigen weltvergessenen Pfingstmontag, der für mich eine große Ruhe in sich birgt, die Woche langsamer starten lässt, die Konzentration auf Geist (was ja der ursprüngliche Gedanke dieses Feiertags ist) möglich macht - und bei den eher geringen frühsommerlichen Temperaturen mit leichtem Wind und diffuser Bewölkung den Aufenthalt im Garten reizvoll gestaltet -, erinnert er mich an den nicht mehr blühenden Fliederstrauch auf unserer Terrasse und lässt meine Laune steigen. Ich rate zum Selbsttest.


16.05.2019 13:52 Uhr
40 Auszeichnungen
Unkommentierte Duft No. 136

Ich lasse hier mal die Diskussion um die Reformulierung und den angeblich viel besseren ursprünglichen Duft außen vor, da ich das Original zwar vermutlich kenne (vor 15 Jahren getestet), aber weder eine Abfüllung in meiner Duftorgel noch eine Erinnerung in meinem Hirn gespeichert habe. Insofern beteilige ich mich ausdrücklich auch nicht an der Diskussion um die angebliche Schwäche der neuen Version, die bis hin zu Luca Turins erstem Guide Wellen schlug und der der Version von 2008 nur einen Stern gönnte. Ich will auch nicht mutmaßen, ob es Caron inzwischen gelungen ist, wieder an die alte Größe anzuknüpfen und den Duft wieder aufzupimpen. Immerhin gehört Caron zu den Häusern, die, ähnlich wie Guerlain, etwas sorgfältiger mit Reformulierungen umgehen, was angesichts der beschränkten Möglichkeiten nur heißen kann, nicht gleich aus der Hüfte zu schießen und stattdessen ein wenig Wartezeit verstreichen zu lassen, bevor man neue Formeln auf den Markt wirft.

Entgegen meiner Behauptung im Statement finde ich inzwischen auch nicht mehr, dass Tabac Blond (Parfum) in der Version von 2019 ein dominanter Lederduft (Damensattel) ist, sondern würde mich von der Assoziation leiten lassen wollen, die der Name nahe legt, nämlich durch die Idee von hellem Tabak. Zwar erinnert Tabac Blond auch stark an traditionelle Lederdüfte wie Knize Ten und Bel Ami (also nicht an diese unsäglichen Synthetik-Leder-Parfums der neuen Generation von Tom Ford & Co., die alle diese Velours-Leder-Note enthalten): süßlich, animalisch, mit Sandelholz, Ambra, Bibergeil und oder Zibet, würzigen Blütennoten etc. wie man sie früher verwendete, um den infernalisch animalischen Geruch von gegerbtem Leder zu überdecken. Tabac Blond gehört irgendwie immer noch in diese Kategorie, auch wenn mir da Knize Ten einfach lieber ist.

Noch stärker erinnert mich der Duft aber auch an aromatisierten Pfeifentabak, der einen Cognacton enthält und mit Vanille süß gewürzt wurde. Das ist nicht schlecht, aber auch nichts, was ich ständig tragen wollte. Dazu braucht es schon eine gewisse Stimmung. Ich vermute auch hier Sandelholz, Ambra, Vanille und eine animalische Komponente. Dazu etwas Florales, sicherlich Iris, aber auch Rose und Weißblüher. Die einzelnen Komponenten sind aber nicht zu trennen, sondern ergeben einen dunklen, cognacartigen, etwas rauchigen, warmen, süßlichen Gesamtton.

Die Idee dahinter passt ganz gut zum Jahr 1919, ein Jahr nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges und wiederum ein Jahr vor Beginn der Roaring Twenties, in denen Frauen im Kontext von Emanzipation das Rauchen entdeckten, verstanden als Zeichen der Gleichberechtigung und dem erstarkenden Willen zu gesellschaftlicher Beteiligung. So gesehen hat der Duft auch heute noch was, weil er trotz mehr oder minder vielleicht weniger gut gelungener Reformulierung ein duftendes Symbol ist. Und wo gäbe es das sonst noch!


04.05.2019 14:34 Uhr
46 Auszeichnungen
Grün ist die Hoffnung: als Farbe des Frühlings, als Farbe der Erneuerung im Christentum, als Farbe des Propheten im Islam, als Signalfarbe auf Ampeln, als Farbe einer aufstrebenden Partei, bei Bio-Lebensmitteln. Noch mehr denke ich dabei allerdings an einen Roman von TC Boyle, der das Grün keimender und anschließend wieder verwelkender Marihuana-Pflanzlinge zum satirischen, ironisch überzeichneten Abstieg einer Hippie-Kommune wendet. Wie auch immer: Grün wirkt auch in der Werbung gut und so scheint es beinahe ein Zeichen der Zeit zu sein, dass zwei besonders umsatzstarke Marken (Davidoff und Guerlain) fast zeitgleich einen grünen Herrenduft auf den Markt bringen.

Grundsätzlich bin ich bei allen Düften der L'Homme Ideal-Reihe zunächst skeptisch. Sowohl EdT als auch EdP und Intense waren mir viel zu mandelsüß. Herren-Gourmands sind mir eigentlich ein Graus, auch wenn ich zugeben muss, dass sie Guerlain in diesem Falle nicht schlecht gelungen sind. Die Sport-Variante dagegen finde ich völlig verunglückt und lasse sie bei weiteren Betrachtungen außen vor.

Wo steht nun L'Homme Ideal Cool (was für ein schrecklicher Name...) im Vergleich zu den anderen Versionen dieser inzwischen umfangreichen Serie (von Flankern würde ich angesichts der unterschiedlichen Ausrichtung gar nicht sprechen wollen)?

Die hier mehrfach erwähnte Ähnlichkeit zu dem aus meiner Sicht ausgesprochen gut gelungenen Cologne führt ein wenig in die Irre, wie ich finde. Die Familienähnlichkeit zeigt sich vielmehr über die Mandelnote, die, zieht man die neueren Damendüfte von Guerlain als Referenz heran, so etwas zu sein scheint wie die neue Guerlinade. Bei der L'Homme-Ideal-Reihe wurde sie konsequent auf die Herrenlinie übertragen. Das hat eine gewisse firmeninterne Logik und ist mir darum nicht einmal unsympathisch. Sowohl im Cologne als auch im neuen Cool wurde diese Mandelnote deutlich zurück genommen, ist nicht mehr so präsent wie im EdT, EdP oder im Intense, hat somit auch keinen wirklichen Gourmandcharakter mehr. Parallelen gibt es auch bei dezent erkennbaren Kölnisch-Wasser-Bestandteilen in beiden Düften (Neroli, Orange, Bergamotte), die für eine unterschwellige Frische sorgen, die man beim EdT, EdP und Intense vergebens sucht. Den deutlichen Unterscheid bei den beiden helleren Düften der Reihe (Cologne und Cool) macht jedoch die jeweilige Kopfnote aus, die sich bis weit in die Herznote des Duftes hineinzieht und dort mit der hier jeweils dezenten Mandelnote mischt: Minze und eine (glücklicherweise) ausgesprochen zurückgenommene Aquatik beim Cool, Grapefruit beim Cologne.

Man könnte sagen, dass nun für fast jeden Geschmack ein L'Homme Ideal vorliegt. Für die Liebhaber*innen von Essensresten in Düften das EdT, EdP und Intense (in unterschiedlicher Intensität), für die Liebhaber*innen heller, cologneartiger Varianten Cologne und Cool. Schade wäre es allerdings, wenn das Cologne zu Gunsten des Cool dauerhaft aus dem Programm gestrichen würde. Für mich ist das Cologne nach wie vor die eindeutig beste und vielleicht einzig herausragende Variante.

Wo steht nun das Cool im Kontext des Guerlain-Portofolios? Ich sehe seine Berechtigung als Brückenglied zwischen EdT und Cologne und könnte mir zudem vorstellen, dass es eine echte Alternative für diejenigen ist, die einen Sommerduft ohne Hesperidien-Dominanz suchen. Da ist ja Minze oftmals die einzig wirklich frische Alternative - und hier besser umgesetzt als in nahezu allen anderen Düften, die ich in diesem Stil kenne. Für mich ist Cool ein wirklich gelungener Duft, den ich mir gut in meiner Sammlung vorstellen könnte, niemals aber dem Cologne dauerhaft vorziehen würde.


23.04.2019 17:43 Uhr
47 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 135

Caron pour un homme ist einer der ältesten Herren-Duftserien der Welt und nach wie vor für Lavendel-Liebhaber ein unübertroffen schöner Duft. Genau genommen ist es sogar mein Lieblings-Lavendel und das heißt was. Ich bin mir ziemlich sicher, fast alle verfügbaren Lavendeldüfte auf dem Markt wenigstens einmal getestet zu haben. Wer auch so lavendelverrückt ist wie ich, findet diese in der schlicht und einfallslos "Lavendel" benannten Sammlung auf meiner Seite (derzeit fast 140 Varianten; alle anderen sind in Deutschland mehr oder minder nur schwer oder gar nicht erhältlich).

Die Faszination von Pour Un Homme, des Urvaters dieser Richtung, macht die Spannung zwischen der krautig-frischen, dezent scharfen Lavendelnote und der Vanillenote in der Basis aus. Einige andere Akzente treten hinzu. Nur relative wenige Düfte setzen so dezidiert auf diese Spannung zwischen diesen beiden Duftnoten. Wie schade das ist, zeigt sich an Lavande d'Hiver, der ein weiterer seltener und ausgesprochen schöner Vertreter dieser Konzeption ist und dabei durchaus eigene Konturen hat.

Zunächst ist da auch die klare, helle, krautig-frische Lavendelkopfnote, die sich eine Weile hält. Ähnlich wie bei Pour un Homme von Caron gibt es eigentlich keine Herznote. Stattdessen setzt nach kurzer Wartezeit eine warme, unsüße Vanille-Basisnote ein. Das ist so simpel wie schön. Vorauszusetzen ist aber eine wirkliche Vorliebe für Lavendel, weil die Kopf- und Hauptnote hier noch stärker als bei Carons Pour Un Homme sehr klassisch ausfällt. Das mag daran liegen, dass der Dufthersteller eine der typischen französischen Lavendelmanufakturen ist, die alle möglichen Lavendelprodukte anbieten: Seifen, Duftsäckchen, Cremes, Aromaöle, Raumdüfte...

In der Natur der Lavendelpflanze liegt es, dass sie Männern genauso gut steht wie Frauen. Deshalb sind Varianten mit Vanille in der Basis natürlich nicht nur für Männer geeignet, wie es Carons Herrenserie, die 1934 entwickelt wurde, im Namen suggeriert, sondern ebensogut für Frauen. Das gilt erst recht für Lavande d'Hiver.

Wie alle Lavendeldüfte ist der Duft auch gut zur Beruhigung und Entspannung einsetzbar. Mit der ergänzenden Vanillenote funktioniert das besonders gut, soll doch Vanille bei fast allen Menschen ein Wohlgefühl auslösen und wird auch deshalb so häufig in Nahrungsmitteln verwendet. Somit ist Lavande d'Hiver sicherlich auch das Richtige für einen entspannten Abend, eine meditative Haltung am Tag oder einen erholsamen Schlaf. Das mag für viele hier keine Rolle spielen. Ich persönlich nutze Lavendeldüfte gerade auch deshalb so gerne.


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