YataganYatagans Parfumkommentare

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04.08.2019 17:03 Uhr
49 Auszeichnungen
1927

1927 - Floris

8.5
Unkommentierte Düfte No. 138

Meist schreibt man ja doch einen Kommentar, wenn man begeistert ist. Geht mir auch nicht anders. Seltener sind Verrisse. Ich habe meist keinen Spaß daran. Noch seltener oder nie schreibt man Kommentare zu etwas resp. einem Duft, wenn man sich wundert. Ich jedenfalls nie. Trotzdem habe ich mich hier mal dafür entschieden.

Der Duft passt eigentlich ganz gut in verschiedene meiner Raster (doch, doch, ich habe Interessen jenseits von Lavendel und Colognes): Er enthält Aldehyde (gerade teste ich alles, was Aldehyde enthält), er enthält Narzisse (mag ich einfach sehr), er enthält Veilchen (die sehen putzig aus und riechen sehr fein, finde ich) und er startet mit Bergamotte und Mandarine, was ich sowieso schon mal gut finde. Moschus und Patch in der Basis ist ja auch nicht so verkehrt. So jedenfalls die Theorie, die man oben bei den Inhaltsstoffen nachlesen kann.
Wie das aber so alles zusammen riecht, hatte ich dann doch anders erwartet.

Hell (aber nicht frisch) geht es zunächst mal los, wobei die Aldehyde nicht zu überriechen sind. Die reißen hier das Ruder an sich und lassen es auch ziemlich lange nicht mehr los. Muss man also schon mal mögen. Wer das nicht mag, kann hier gerne noch schnell aus dem Kommentar aussteigen (HIER).

Dann stellt sich aber für mich ein Zusammenklang ein, der allen Synästheten (jemand da?) ziemlich grün erscheinen müsste. Wo das allerdings - außer von der Flakonfarbe - herkommen könnte, weiß ich nicht, aber ein bisschen erinnert es mich an dieses Schlingpflanzengrün von Cacharels Eden (den ich sehr mag). Und siehe da: Die beiden Düfte haben eine ganze Menge gemeinsam: Mandarine, Bergamotte, Mimose, Weißblüher, Patchouli - und ich wette auch auf Moschus und Aldehyde. So sind denn auch die Blüten in beiden Fällen schwer differenzierbar und wirken mehr als Gesamtklang. In beiden Fällen scheint das Patchouli eine wichtige Rolle zu spielen, das übrigens weder bei Eden noch bei 1927 erdig, hippiesk oder indisch daher kommt, sondern eher etwas dumpf, schwer, wächsern, was ich eigentlich sehr schön finde, auch wenn es nicht so klingt. Ein pudriger Ton kommt sicherlich vom Moschus, die Süße vielleicht von der Vanille. Alles in allem also doch ganz logisch. Man hätte sich nicht wundern müssen, aber ich konnte mir partout nicht vorstellen, wie sich diese Noten miteinander verbinden.

Stellt sich jetzt noch die Frage aus der Überschrift, nämlich warum der Duft 1927 heißt. Der Versuch einer Antwort: Floris hat ja eine Reihe mit Düften lanciert, die allesamt eine Jahreszahl im / als Namen tragen. Natürlich soll sich die Komposition der vier Düfte jeweils mit der duftenden Traditionen des entsprechenden Jahres verbinden (1927, 1962, 1976, 1988: eigentlich sind alle recht gut, auch die Idee finde ich spannend). Floris erinnert hier denn auch an die Roaring Twenties, an Jazz, an die Bohemiens jener Jahre. Ich finde auch, dass die Aldehyde und die Blütenopulenz sehr gut dazu passen und in eben jenem Jahr entstanden ja tatsächlich Düfte wie Arpège, Zibeline, Chaldée, Cuir de Russie und lustigerweise sogar Pitralon (die alte, manchmal "Schweizer Variante" genannte Mischung). Gerade Arpège passt da auch ganz gut als Vergleich (s. Inhaltsstoffe), aber 1927 von Floris wirkt auf mich in diesem Kontext ein kleines bisschen zu modern, was wiederum an der recht starken Aura von Patchouli liegen könnte, das mich in dieser prägnanten Form eben sehr an die 70er erinnert. Ich wurde da sozialisiert.

Alles in allem ist der Duft aber sehr gelungen, sehr spannend zumal und bisher leider noch kaum beachtet worden. Bei mir kratzt er an der Wunschliste.


18.06.2019 11:07 Uhr
57 Auszeichnungen
Wie aus einem Statement ein Kommentar wurde:

Eigentlich hatte ich die feste Absicht zu diesem Duft, den mir Gerus525 freundlicherweise näher brachte, nur ein Statement zu schreiben, obwohl ich gleich sehr angetan war, denn hier unten steht ein ausgezeichneter Kommentar von AmyAmy, langjährigen Leser*innen als Kennerin angelsächsischer Düfte bekannt, und dem wäre eigentlich gar nichts mehr hinzuzufügen. Der Duft aber ist so vielschichtig, dass sich eine weitere Perspektive durchaus lohnt und das lässt sich in einem Statement allein nicht abbilden.

Um Lesefaulen den Exkurs über AmyAmys Kommentar zu sparen, obwohl sich die Lektüre unbedingt lohnen würde, sei erwähnt, dass die Düfte von Haeckels aus Margate im Süden Englands stammen, dort vor Ort die meisten Inhaltsstoffe gesammelt, gebraut und gesudet werden (ich stelle mir ein Hinterhoflabor im Stil einer Hexenküche vor) und dann zunächst auch dort vertrieben werden. Wobei es durchaus einen internationalen Vertrieb über Stockists gibt, man also letztlich doch geschäftstüchtiger ist, als man beim ersten Blick auf die Firmenphilosophie vermuten würde. Ab jetzt konzentriere ich mich aber nur noch auf den Duft.

Am Rande sei erwähnt, dass die Haltbarkeit beeindruckend ist, obwohl das ja eine Eigenschaft bei Düften ist, die ich eher bedrohlich finde (ich hasse penetrant klebriges, dauerhaltbares Zeug und sprühe viel lieber nach), aber hier geht sie völlig in Ordnung, denn der Duft ist weder am Anfang noch am Ende des Drydwon, der gefühlt irgendwann am nächsten Tag erreicht ist, aufdringlich, sondern britisch distinguiert, was ich schon mal richtig gut finde.

Dabei ist der Duft alles andere als besonders süß, orientalisch oder harzig, sondern eher traditionell aromatisch, im Drydown hat das was von Barbershop, was bei englischen Düften ja nicht verwundern muss. Natürlich spielt bei solchen Düften immer auch helles Harz (hier ist Balsamtanne angegeben) und viel Holz eine Rolle. Daneben finden sich in einer komplexen Gemengelage, die an die 80er erinnert, fruchtige, zitrische, grüne und krautige Töne (sicherlich auch der angegebene Lavendel) und viele würzige Akzente, vor allem Wacholderbeere (hat fast ein bisschen was von Gin), die aber trotz ihrer Stärke weder orientalisch noch asiatisch wirken, sondern eher margate-isch, also südenglisch, wenn ihr versteht, was ich meine. Man hat tatsächlich das Gefühl in England an der Küste zu stehen, und zwar ganz genau in England und nicht an der Ostsee oder in der Normandie, aufs Meer zu schauen, die Aromen der Luft zu riechen und gleichzeitig irgend so ein traditionelles Rasierwasser von einem Seemann da unten in seinem Boot in der Nase zu ahnen. Man spürt förmlich den Wind und die Wellen brausen, eine Feuchtigkeit in der Luft (keine Aquatik), kurz bevor man bemerkt, dass das eigentlich kitschig und sentimental ist.

Cut!

Auch ohne solche Bilder funktioniert der Duft richtig gut, ist alltagstauglich (auch wenn man je nach der Menge des Auftrags gar keinen Gedanken an den Duft für den Folgetag verschwenden muss, bevor man nicht sehr gründlich geduscht hat) und lässt sich tagsüber im Büro genauso gut tragen wie am Abend. Während der Auftakt eher postmodern-ökologisch-pudrig-zitrisch-krautig und ein klitzekleines Bisschen erdig ist, wirkt der Drydown traditionell rasierwässerig harzig-holzig-aromatisch und begleitet so den Mann (oder wenn sie will auch die Frau) von der Arbeit nach Hause und in den Abend. Ziemlich cool, das!


10.06.2019 14:37 Uhr
51 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 137

Guerlains Idylle Love Blossom ist kein spektakulärere Duft und verdient deshalb sicherlich auch keine spektakulären Worte, aber er gefällt mir. Überhaupt gefielen mir die meisten Idylle-Varianten ziemlich gut und dieser hier fehlte noch in meinem Projekt eines Komplett-Tests aller verfügbaren Guerlain-Düfte, und da er zur rechten Zeit recht preiswert im Netz verfügbar war, habe ich ihn mir ohne vorheriges Ansehen bestellt.

Eigenwillig an der gesamten Reihe ist das Konzept, das auf den ersten Blick ohne roten Faden auskommt. In jeder Idylle-Variante dominieren andere Blüten. Als Klammer dient dann aber doch die Rose, die allerdings fast nie im Mittelpunkt steht, sodann Jasmin, der dann aber gerade im Extrait nicht einmal unter den Inhaltsstoffen auftaucht, und schließlich weitere starke Blüten, öfters Maiglöckchen, teils aber auch Flieder - wie hier in Love Blossom. Zur Basis gehört stets Moschus oder ein elegantes Moschussubstitut wie Ambrettesamen. Daneben gibt es einige weitere Varianten in der Komposition. Trotzdem ist die Familienähnlichkeit aller Idylle-Düfte recht gut wahrnehmbar: starke Blüten mit einem deutlichen Anteil Weißblüher, die eine gewisse Strenge, aber keine Indolik ausstrahlen. Love Blossom wird dabei hier auf Parfumo als Duftkonzentrationsvariante von Idylle Jasmin Lilas beschrieben. Bei der vorliegenden Duftkonzentration handelt es sich lt. Umverpackung um ein EdT, bei Idylle Jasmin Lilas um ein EdP (s. dazu die Fotos von Jasmin Lilas mit Umkarton, auf denen EdP vermerkt ist), das mir deshalb auch tatsächlich merklich stärker auszufallen scheint (s. Statement - und Dank an Silverrain).

Da ich Flieder mag, gerne unter unserem Strauch im Garten sitze und auch Jasmin in maßvoller Konzentration schätze, ist das hier für mich ein wirklich schöner Duft, ohne irgendwie spektakulär zu wirken. In schwacher Dosis trage ich ihn auch als Mann, was verwundern mag, aber der Duft strahlt bei aller blütenvollen Weiblichkeit auch eine gewisse Strenge aus, mit der ich mich wohl fühle, wenn auch vielleicht nicht unbedingt im Büro.

Am heutigen weltvergessenen Pfingstmontag, der für mich eine große Ruhe in sich birgt, die Woche langsamer starten lässt, die Konzentration auf Geist (was ja der ursprüngliche Gedanke dieses Feiertags ist) möglich macht - und bei den eher geringen frühsommerlichen Temperaturen mit leichtem Wind und diffuser Bewölkung den Aufenthalt im Garten reizvoll gestaltet -, erinnert er mich an den nicht mehr blühenden Fliederstrauch auf unserer Terrasse und lässt meine Laune steigen. Ich rate zum Selbsttest.


16.05.2019 13:52 Uhr
41 Auszeichnungen
Unkommentierte Duft No. 136

Ich lasse hier mal die Diskussion um die Reformulierung und den angeblich viel besseren ursprünglichen Duft außen vor, da ich das Original zwar vermutlich kenne (vor 15 Jahren getestet), aber weder eine Abfüllung in meiner Duftorgel noch eine Erinnerung in meinem Hirn gespeichert habe. Insofern beteilige ich mich ausdrücklich auch nicht an der Diskussion um die angebliche Schwäche der neuen Version, die bis hin zu Luca Turins erstem Guide Wellen schlug und der der Version von 2008 nur einen Stern gönnte. Ich will auch nicht mutmaßen, ob es Caron inzwischen gelungen ist, wieder an die alte Größe anzuknüpfen und den Duft wieder aufzupimpen. Immerhin gehört Caron zu den Häusern, die, ähnlich wie Guerlain, etwas sorgfältiger mit Reformulierungen umgehen, was angesichts der beschränkten Möglichkeiten nur heißen kann, nicht gleich aus der Hüfte zu schießen und stattdessen ein wenig Wartezeit verstreichen zu lassen, bevor man neue Formeln auf den Markt wirft.

Entgegen meiner Behauptung im Statement finde ich inzwischen auch nicht mehr, dass Tabac Blond (Parfum) in der Version von 2019 ein dominanter Lederduft (Damensattel) ist, sondern würde mich von der Assoziation leiten lassen wollen, die der Name nahe legt, nämlich durch die Idee von hellem Tabak. Zwar erinnert Tabac Blond auch stark an traditionelle Lederdüfte wie Knize Ten und Bel Ami (also nicht an diese unsäglichen Synthetik-Leder-Parfums der neuen Generation von Tom Ford & Co., die alle diese Velours-Leder-Note enthalten): süßlich, animalisch, mit Sandelholz, Ambra, Bibergeil und oder Zibet, würzigen Blütennoten etc. wie man sie früher verwendete, um den infernalisch animalischen Geruch von gegerbtem Leder zu überdecken. Tabac Blond gehört irgendwie immer noch in diese Kategorie, auch wenn mir da Knize Ten einfach lieber ist.

Noch stärker erinnert mich der Duft aber auch an aromatisierten Pfeifentabak, der einen Cognacton enthält und mit Vanille süß gewürzt wurde. Das ist nicht schlecht, aber auch nichts, was ich ständig tragen wollte. Dazu braucht es schon eine gewisse Stimmung. Ich vermute auch hier Sandelholz, Ambra, Vanille und eine animalische Komponente. Dazu etwas Florales, sicherlich Iris, aber auch Rose und Weißblüher. Die einzelnen Komponenten sind aber nicht zu trennen, sondern ergeben einen dunklen, cognacartigen, etwas rauchigen, warmen, süßlichen Gesamtton.

Die Idee dahinter passt ganz gut zum Jahr 1919, ein Jahr nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges und wiederum ein Jahr vor Beginn der Roaring Twenties, in denen Frauen im Kontext von Emanzipation das Rauchen entdeckten, verstanden als Zeichen der Gleichberechtigung und dem erstarkenden Willen zu gesellschaftlicher Beteiligung. So gesehen hat der Duft auch heute noch was, weil er trotz mehr oder minder vielleicht weniger gut gelungener Reformulierung ein duftendes Symbol ist. Und wo gäbe es das sonst noch!


04.05.2019 14:34 Uhr
47 Auszeichnungen
Grün ist die Hoffnung: als Farbe des Frühlings, als Farbe der Erneuerung im Christentum, als Farbe des Propheten im Islam, als Signalfarbe auf Ampeln, als Farbe einer aufstrebenden Partei, bei Bio-Lebensmitteln. Noch mehr denke ich dabei allerdings an einen Roman von TC Boyle, der das Grün keimender und anschließend wieder verwelkender Marihuana-Pflanzlinge zum satirischen, ironisch überzeichneten Abstieg einer Hippie-Kommune wendet. Wie auch immer: Grün wirkt auch in der Werbung gut und so scheint es beinahe ein Zeichen der Zeit zu sein, dass zwei besonders umsatzstarke Marken (Davidoff und Guerlain) fast zeitgleich einen grünen Herrenduft auf den Markt bringen.

Grundsätzlich bin ich bei allen Düften der L'Homme Ideal-Reihe zunächst skeptisch. Sowohl EdT als auch EdP und Intense waren mir viel zu mandelsüß. Herren-Gourmands sind mir eigentlich ein Graus, auch wenn ich zugeben muss, dass sie Guerlain in diesem Falle nicht schlecht gelungen sind. Die Sport-Variante dagegen finde ich völlig verunglückt und lasse sie bei weiteren Betrachtungen außen vor.

Wo steht nun L'Homme Ideal Cool (was für ein schrecklicher Name...) im Vergleich zu den anderen Versionen dieser inzwischen umfangreichen Serie (von Flankern würde ich angesichts der unterschiedlichen Ausrichtung gar nicht sprechen wollen)?

Die hier mehrfach erwähnte Ähnlichkeit zu dem aus meiner Sicht ausgesprochen gut gelungenen Cologne führt ein wenig in die Irre, wie ich finde. Die Familienähnlichkeit zeigt sich vielmehr über die Mandelnote, die, zieht man die neueren Damendüfte von Guerlain als Referenz heran, so etwas zu sein scheint wie die neue Guerlinade. Bei der L'Homme-Ideal-Reihe wurde sie konsequent auf die Herrenlinie übertragen. Das hat eine gewisse firmeninterne Logik und ist mir darum nicht einmal unsympathisch. Sowohl im Cologne als auch im neuen Cool wurde diese Mandelnote deutlich zurück genommen, ist nicht mehr so präsent wie im EdT, EdP oder im Intense, hat somit auch keinen wirklichen Gourmandcharakter mehr. Parallelen gibt es auch bei dezent erkennbaren Kölnisch-Wasser-Bestandteilen in beiden Düften (Neroli, Orange, Bergamotte), die für eine unterschwellige Frische sorgen, die man beim EdT, EdP und Intense vergebens sucht. Den deutlichen Unterscheid bei den beiden helleren Düften der Reihe (Cologne und Cool) macht jedoch die jeweilige Kopfnote aus, die sich bis weit in die Herznote des Duftes hineinzieht und dort mit der hier jeweils dezenten Mandelnote mischt: Minze und eine (glücklicherweise) ausgesprochen zurückgenommene Aquatik beim Cool, Grapefruit beim Cologne.

Man könnte sagen, dass nun für fast jeden Geschmack ein L'Homme Ideal vorliegt. Für die Liebhaber*innen von Essensresten in Düften das EdT, EdP und Intense (in unterschiedlicher Intensität), für die Liebhaber*innen heller, cologneartiger Varianten Cologne und Cool. Schade wäre es allerdings, wenn das Cologne zu Gunsten des Cool dauerhaft aus dem Programm gestrichen würde. Für mich ist das Cologne nach wie vor die eindeutig beste und vielleicht einzig herausragende Variante.

Wo steht nun das Cool im Kontext des Guerlain-Portofolios? Ich sehe seine Berechtigung als Brückenglied zwischen EdT und Cologne und könnte mir zudem vorstellen, dass es eine echte Alternative für diejenigen ist, die einen Sommerduft ohne Hesperidien-Dominanz suchen. Da ist ja Minze oftmals die einzig wirklich frische Alternative - und hier besser umgesetzt als in nahezu allen anderen Düften, die ich in diesem Stil kenne. Für mich ist Cool ein wirklich gelungener Duft, den ich mir gut in meiner Sammlung vorstellen könnte, niemals aber dem Cologne dauerhaft vorziehen würde.


23.04.2019 17:43 Uhr
48 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 135

Caron pour un homme ist einer der ältesten Herren-Duftserien der Welt und nach wie vor für Lavendel-Liebhaber ein unübertroffen schöner Duft. Genau genommen ist es sogar mein Lieblings-Lavendel und das heißt was. Ich bin mir ziemlich sicher, fast alle verfügbaren Lavendeldüfte auf dem Markt wenigstens einmal getestet zu haben. Wer auch so lavendelverrückt ist wie ich, findet diese in der schlicht und einfallslos "Lavendel" benannten Sammlung auf meiner Seite (derzeit fast 140 Varianten; alle anderen sind in Deutschland mehr oder minder nur schwer oder gar nicht erhältlich).

Die Faszination von Pour Un Homme, des Urvaters dieser Richtung, macht die Spannung zwischen der krautig-frischen, dezent scharfen Lavendelnote und der Vanillenote in der Basis aus. Einige andere Akzente treten hinzu. Nur relative wenige Düfte setzen so dezidiert auf diese Spannung zwischen diesen beiden Duftnoten. Wie schade das ist, zeigt sich an Lavande d'Hiver, der ein weiterer seltener und ausgesprochen schöner Vertreter dieser Konzeption ist und dabei durchaus eigene Konturen hat.

Zunächst ist da auch die klare, helle, krautig-frische Lavendelkopfnote, die sich eine Weile hält. Ähnlich wie bei Pour un Homme von Caron gibt es eigentlich keine Herznote. Stattdessen setzt nach kurzer Wartezeit eine warme, unsüße Vanille-Basisnote ein. Das ist so simpel wie schön. Vorauszusetzen ist aber eine wirkliche Vorliebe für Lavendel, weil die Kopf- und Hauptnote hier noch stärker als bei Carons Pour Un Homme sehr klassisch ausfällt. Das mag daran liegen, dass der Dufthersteller eine der typischen französischen Lavendelmanufakturen ist, die alle möglichen Lavendelprodukte anbieten: Seifen, Duftsäckchen, Cremes, Aromaöle, Raumdüfte...

In der Natur der Lavendelpflanze liegt es, dass sie Männern genauso gut steht wie Frauen. Deshalb sind Varianten mit Vanille in der Basis natürlich nicht nur für Männer geeignet, wie es Carons Herrenserie, die 1934 entwickelt wurde, im Namen suggeriert, sondern ebensogut für Frauen. Das gilt erst recht für Lavande d'Hiver.

Wie alle Lavendeldüfte ist der Duft auch gut zur Beruhigung und Entspannung einsetzbar. Mit der ergänzenden Vanillenote funktioniert das besonders gut, soll doch Vanille bei fast allen Menschen ein Wohlgefühl auslösen und wird auch deshalb so häufig in Nahrungsmitteln verwendet. Somit ist Lavande d'Hiver sicherlich auch das Richtige für einen entspannten Abend, eine meditative Haltung am Tag oder einen erholsamen Schlaf. Das mag für viele hier keine Rolle spielen. Ich persönlich nutze Lavendeldüfte gerade auch deshalb so gerne.


10.04.2019 14:06 Uhr
59 Auszeichnungen
Wenn 4711 einen neuen Duft lanciert, und das passiert im Gegensatz zu früher unter der neuen Leitung eher häufiger, bin ich bei einem Test dabei. Besonders schön fand ich die sog. Remix-Reihe, die seit 2017 erscheint und auf die das Haus besonderen Wert legt. Im Gegensatz zur Acqua Colonia-Reihe, die jeweils ein bis zwei markante Duftakzente in den Mittelpunkt stellt und recht eigenständig ausgerichtet ist, sind die Remix-Colognes Variationen des altbekannten, hochtraditionellen 4711-Themas, wobei jeweils ein anderer der sieben zentralen Duftbausteine in den Mittelpunkt gestellt werden soll. Bei der Aniversery-Variante aus dem Jahre 2017 war das offenbar das bittere, spitze Petitgrain. Der Duft gefiel mir besonders gut, zumal auch Lavendel eine gewisse Rolle spielte. In der Variante von 2018 war es schließlich die Orange, die den Duft dominierte. 2019 soll es dann Lavendel sein, das den Duft prägt. Da ich sowohl ein großer Freund von Lavendel-Düften als auch von Kölnisch Wässern bin (s. meine Sammlungen, die einen Überblick über beide Duftfelder bieten), musste ich natürlich die Kombination aus beiden Welten sofort testen. Dass ich den Duft lieben würde, war quasi von Vorneherein klar. Lavendel x Kölnisch Wasser = Mehrwert.

Nach einem ersten ausführlichen Test kann ich sagen, dass der Lavendel zwar gar nicht so stark im Mittelpunkt steht, wenigstens nicht für einen Liebhaber von reinen oder starken Lavendel-Colognes, aber doch deutlich erkennbar durch die bekannten Strukturen der klassischen 4711-Formel hindurch scheint. Von Angaben wie Iris, Ambrettesamen und Praline, die pudrige oder gourmandige Noten andeuten, sollte man sich nicht allzu sehr irritieren lassen. Die sind allenfalls eine Randnotiz wert (Iris) oder tauchen im Prinzip gar nicht auf (Pralinennote). KIar erkennbar sind dagegen Bergamotte und Zitrone, - wie gehabt. Auf Petitgrain hätte ich auch getippt. Orangenakzente sucht man eher vergebens. Sie werden aber in geringer Tendenz enthalten sein, denn auch sie gehören zum klassischen 4711. Vermuten würde ich auch Neroli, das eigentlich unverzichtbar ist. So bleibt als Gesamteindruck eine schöne, lavendelbasierte eigenständige Variante des klassischen 4711 mit etwas weicheren Akzenten und sanfter Basis, bei der eine saubere Moschusnote ganz langsam durchscheint und dann immer dominanter wird. Verbunden wird dabei das beste aus beiden Welten, auch wenn vielleicht kein ganz großer Duft entstand. Ein schöner Alltagsbegleiter für alle Temperaturen ist es allemal.


23.03.2019 13:59 Uhr
53 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 134

Zoologist setzt mit seinen Düften stets die Gestalt und die übergeordnete Idee eines bestimmten Tieres um. Als ich das vor Jahren zum ersten Mal wahrnahm, fand ich das Konzept - vorsichtig ausgedrückt - irritierend, ebenso wie die im Comicstil gehaltenen Etiketten. Nach den ersten Tests war jedoch schnell erkennbar, dass die Marke wirklich innovativ ist und für mich derzeit zu den wichtigsten Avantgarde-Vertretern auf dem Duftmarkt zählt, insbesondere auch deshalb, weil alle Düfte tragbar sind und nicht im Artifiziellen stecken bleiben. Inzwischen ist mein Lieblingsduft Bat (Vorsicht, der ist extrem), aber auch Elephant, Panda, Rhinoceros, Beaver und viele andere loten die Möglichkeiten von Duft weit und mit Mut zum Risiko aus. Von den beiden Neuerscheinungen gefällt mir Dodo zwar geringfügig besser; bei Chameleon war ich aber besonders gespannt, wie man die Idee der Farbwandlung in Duft umsetzen würde.

Wie mir scheint gibt es da zwei mögliche Ansätze, die beide in diesem Duft vereint wurden:
Ein Duft kann sich (1. ) im Verlauf seiner Entwicklung so stark wandeln, dass Kopfnote, Herznote und Basisnote deutlich voneinander unterschieden sind. Das ist an sich nicht besonders spektakulär, denn die meisten klassischen Chypre-Düfte eröffnen mit einer zitrischen Note (meist Bergamotte), entwickeln sich im Herzen blumiger als zu Anfang (zumeist Rose und Jasmin) und haben eine moosfarbene Basisnote. Im vorliegenden Fall ist zwar eine Entwicklung des Duftes erkennbar (von zitrisch hellen Noten über fruchtige zu floralen und hin zu einer gourmandigen Kokos-Moschus-Note), aber das eigentlich Spektakuläre bei Chameleon ist aus meiner Sicht vielmehr das Schillernde, bunt Glänzende des Duftes, das von Anfang an gleichzeitig (!) vorhanden ist (2.).
So kann ich die Weißblüher-Noten (vor allem Jasmin, aber auch Ylang) quasi sofort wahrnehmen, beinahe im Moment des Aufsprühens, in dem sie sich noch mit den silbrigen Bergamotte-Tönen mischt; eine Minute später kann man bereits würzige, calone-synthetische, holzige und exotisch-fruchtige Noten erkennen. Das ist zwar völlig chaotisch, aber dennoch so charmant, originell und gleichzeitig auch harmonisch, dass es offenbar nicht nur mir ausgesprochen gut gefällt. Abgerundet wird der Duft von vanillig-süßen Akzenten und der bereits erwähnten, deutlich wahrnehmbaren Kokosnote, die gleichfalls nicht erst in der Basis, sondern bereits zu Beginn aufscheint. So glänzt und glitzert dieser Duft wie die schillernde Schuppenhaut eines Chameleons, das sich farblich immer wieder wandelt. Ich bin einigermaßen beeindruckt. Wieder einmal ist es Zoologist gelungen, die Idee eines Tieres als Konzeptduft überzeugend umzusetzen. Und gut tragbar ist das allemal, auch wenn es bei Herren sicherlich recht viel Mut erfordern wird.


15.03.2019 23:59 Uhr
44 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 133

Perris Monte Carlo hat im vergangenen Jahr drei Sommerdüfte im weißen Flakon herausgebracht (Bergamotto di Calabria, Cedro di Diamante, Mandarino di Sicilia), die mir auf Anhieb gefielen. Natürlich braucht es eine gewisse Begeisterung für Colognes und ihre Varianten, aber gesetzt den Fall, man bringt diese Vorliebe mit, sind diese drei neuen Cologne-Vertreter kleine liebevoll gestaltete Kunstwerke, denn sie variieren die klassische Ausrichtung der Eau de Colognes und Kölnisch Wässer raffiniert, indem sie jeweils einen anderen Akzent betonen (Cedro: zitrisch-grüne Töne mit Moschusbasis; Mandarino: Fruchtnoten; Bergamotto: ätherische Hesperidien-Öle).

Bergamotto di Calabria fällt dabei in der Benotung und Einschätzung durch andere User ein wenig hinter die beiden anderen Vertreter zurück, was sicherlich daran liegt, dass Bergamotte di Calabria der klassischste, will heißen traditionellste aus dem Duftbaukasten der Eau de Colognes von Perris Monte Carlo darstellt. Bergamotte und / oder Petigrain, Neroli und / oder Orangenblüten und holzige Basis enthalten eben auch standardmäßig alle Original Eau de Colognes bzw. Kölnisch Wässer, die sich manchem als Duft der 70er-Jahre-Erfrischungstüchlein ins Gedächtnis gebrannt haben.
Andererseits erleben gerade 4711, Farina und andere Marken mit neuen innovativen Varianten einen regelrechten Boom der Kölnisch Wässer, so dass Perris Monte Carlo offenbar nichts anderes als die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheint.

Im Falle von Bergamotto di Calabria piekst zunächst Bergamotte und das noch spitzere Petitgrain in der Nase, ein Auftakt, den ich besonders schätze, wird anschließend weicher und vom typischen Neroli-Duft abgelöst, entwickelt dann jedoch ein Herz voller sanfter Blüten, um abschließend in einer warm-weichen holzigen Basis (und hier liegt der Unterschied zum klassischen Kölnischen Wasser, das eher auf das herbere Zedernholz setzt) auszuklingen.

Das ist nicht spektakulär oder neu, kein bisschen, aber in einer so schönen Art und Weise neu erfunden, dass es schlichtweg Spaß macht. Wer Kölnisch Wässer zu schätzen weiß, dem muss der Duft gefallen. Wer kein Freund dieser Duftrichtung ist, wird auch mit Bergamotto di Calabria nichts anzufangen wissen.


02.03.2019 20:19 Uhr
76 Auszeichnungen
1957

1957 - Chanel

8.0
Ich bin mir vollständig bewusst, dass ich mir mit der Einschätzung, dass dieser weiße Moschus-Duft nicht das Nonplusultra des Winters 2018 / 2019 ist, den Zorn ziemlich vieler Frauen auf mich ziehen werde, und ich bin mir natürlich auch darüber im Klaren, dass ich mir nicht anmaßen muss, einen Duft gut oder schlecht zu bewerten, der nun mal nicht meinen Vorlieben entspricht, darum bekommt er von mir die Note, die da oben steht und darum versichere ich all denen, die sich nun angetriggert fühlen: "Es tut mir wirklich wirklich leid, und ich entschuldige mich vorbehaltlos (...), ich biete notfalls einen kompletten und völligen Widerruf an. Den Beschuldigungen fehlte ja eigentlich auch jegliche faktische Basis, und es hat sich dabei in keinster Weise um einen fairen Kommentar gehandelt und entsprang somit aus purer Bösartigkeit. Und aufs Tiefste bedauere ich das Unglück, welches mein Kommentar bei einigen verursacht haben könnte - oder bei ihrer Familie. Und hiermit versichere ich, das ich mir nie wieder einen solchen Fehltritt erlauben werde, weder jetzt noch in Zukunft." (Zitat einigermaßen frei nach "Ein Fisch namens Wanda").

Im Ernst: irgendwie ist der Duft schon gut und erinnert mich stark an den (wahrscheinlich) viel teureren White von Puredistance, der auch weißen Moschus mit einer honigsüßen Note featured, bei jenem allerdings etwas raffinierter und komplexer, bei diesem hier etwas plakativer. Ob es allerdings überhaupt nötig ist, dass man pudrigen Moschus mit pudriger Iriswurzel und "pudrigen Noten" (s.o.) kombiniert...? Offenbar schon.

In Ordnung geht dann allerdings eine feine scharf-florale Note, die einerseits natürlich durch das angeblich enthaltenen Neroliöl (das man aber nicht so klar im Sinne von "ja, klar ist da Neroli drin", riechen kann, sondern eher so im Sinne von "ja, klar, da oben steht was von Neroli, also muss das wohl diese helle fruchtig-florale Note sein, die ich da rieche"), andererseits auch durch das angeblich enthaltene Bergamotteöl (Ihr wisst schon...) hervorgerufen werden könnte.

Wenn man das alles so zusammen schmeißt, dann kommt bei 1957 ein Duft heraus, der vielen (v.a. Frauen?) gefallen wird (Moschus, Iris, Honig) und den ich wirklich nicht an einem Mann riechen muss (Bitte spart euch Kommentare zur Gender-Thematik bei Parfum: Danke!), der aber an einer Frau vermutlich ganz entzückend riecht (Bitte spart euch...: Ach, vergesst es!).

Irgendwie musste ich bei diesem Duft spontan an das kleine Schwarze denken, das angeblich zur Grundgarderobe einer Frau gehöre (was ja sehr schön ist) und das hier kontrastierend einen olfkatorischen Widerschein als kleines weißes Duftwunder gefunden hat. Könnte essentiell werden.
Wahrscheinlich gefällt es mir dann sogar irgendwann auch.


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