YataganYatagans Parfumkommentare

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Yatagan vor 3 Tagen 43
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Camouflage
Unkommentierte Düfte No. 159

Offenbar bezieht sich der Name dieses rätselhaften Duftes auf die Kunst der Tarnung, die Camouflage, denn der Flakon trägt ein militärisches Tarnkleid in Grün und Dunkelgrün (darum wohl auch Green Camou im Unterschied zu White und Black Camou, zwei weitere Düfte von Mason's, einem italienischen Modekonzern). Ob das besonders originell oder doch eher makaber ist, muss jeder für sich selbst beurteilen. Als Freund von Metal weiß ich, dass bei dieser Musik in der Vergangenheit Hosen mit Tarnmuster zum guten Ton gehörten, ohne dass damit jemand eine paramilitärische Neigung verband, eher im Gegenteil. Lassen wir es also dabei bewenden und nehmen wir das Design und den Namen als mehr oder weniger geglückten Modegag. Mehr nicht dazu von meiner Seite.

Dieser Duft befand sich in einem Set von Düften, die mir Serge zusandte, allesamt spannende und eigenwillige Dufterfahrungen, so auch Green Camou. Ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle dafür.

Der Duft balanciert in nahezu perfekter Weise die beiden Komponenten Patchouli und Amber, so dass sich kaum sagen lässt, welcher Anteil schwerer wiegt. Sowohl Amber als auch Patchouli gehören hier nicht zur feinen, dezenten Variante, sondern sind ein wenig rustikal, erdig, würzig, was durch die Pfeffernote, die deutlich wahrnehmbar ist, noch verstärkt wird. Weiß man, dass in Green Camou Myrrhe enthalten sein soll, wird man auch diese leicht enttarnen, denn der dunkelgrüne, würzig-krautige, etwas medizinische Ton dieser Pflanze passt ins Gesamtbild.

Eigentlich verleiden mir diese vier genannten Inhaltsstoffe oft einen Duft:
- Amber ist mir meist zu warm und würzig und liegt zu fern von meinen Vorlieben.
- Patchouli erinnert mich bei aller Liebe zur Hippiekultur zu sehr an Schlammschlachten auf dem Burg-Herzberg-Festival in Oberhessen (dem deutschen Woodstock), meistens begleitet von Cannabis-Schwaden, dir mir Übelkeit bereiten (bei gutem Wetter aber sehr zu empfehlen: burgherzberg-festival.de)
- Pfeffer mag ja bis vor zehn Jahren eine originelle Komponente in Düften gewesen sein, wurde mir aber durch die inflationäre Verwendung verleidet.
- Myrrhe mag ich gern als grünen Akzent, steht sie aber zu stark im Vordergrund, kann sie sehr anstrengend sein.

Kombiniert man aber diese vier Elemente, ergibt sich etwas Neues und Überraschendes, eine Erfahrung, die ich auch beim Test zu meinem letzten Kommentar machen konnte. Die Kombination von Grundtönen zu einer neuen Gestalt ist etwas, das mich bei Düften immer neu überrascht und das mich an ein anderes Hobby, die Ölmalerei, erinnert. Für Novizen beim Ölmalen ist es immer wieder überraschend, mit welchen Farben sich bestimmte Töne mischen lassen und wie aus scheinbar bekannten Grundfarben ganz neue Schattierungen entstehen können.

In Summe finde ich diesen Duft, der zwischen würzig, warm, grün-krautig, medizinisch und erdig changiert, ausgesprochen gelungen, fast großartig, wenn auch nicht ganz leicht tragbar und eher maskulin. Wohlgemerkt: Der Duft ist keine Avantgardekomposition, sondern soll ganz offensichtlich alltagstauglich sein, so wie die Mode von Mason's, die man mit einen Klick auf den oberen Link erkunden kann.
39 Antworten

Yatagan vor 26 Tagen 58
8
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Stilles Geheul
Unkommentierte Düfte No. 158
Howl, zu Deutsch "Das Geheul", ist das bekannteste Gedicht von Allen Ginsberg und prägt den düster rauschhaften Ton der Dichtung der Beat-Generation in drastischer Auseinandersetzung mit Drogen und Sucht.
Kennt man den Hintergrund, den die ambitionierte und von mir sehr geschätzte Marke Jardins d'Écrivains ausdrücklich aufruft, wird man Schlimmstes erwarten, dann aber irritiert und doch glücklich ent-täuscht sein. Howl ist kein wüstes Wüten, kein schriller Schrei und keine ambitionierte Avantgarde, sondern ein Duft für den notorischen Gentleman, der einfache Pinselstriche, klare Komponenten und eine reduzierte Komposition schätzt. Manchmal gelingt es Marken mit wenigen, aber neu kombinierten Komponenten etwas Neues zu schaffen. Vielleicht ist das hier etwas hochtrabend formuliert, aber Howl ist wenigstens auf dem Weg zu etwas traditionell Neuem oder neuer Tradition.
Im Wesentlichen rieche ich Lavendel, der den Auftakt bestimmt, aber hartnäckig hängen bleibt, Zimt und Tonka im Herzen, die ich in Düften oft gar nicht so gerne mag, weil sie mir in Kombination oft zu würzig und zu süß ausfallen, hier aber mit dem Lavendel sehr moderat wirken. Da geht das. Die Basis duftet einfach nur noch holzig ambriert, ohne dass ich das näher bestimmen könnte, weil der Duft zu einer sanften Einheit verschmilzt. Mehr ist das eigentlich gar nicht, aber mehr braucht es ja auch gar nicht zu sein, schon gar nicht, wenn ein Duft etwas repräsentiert, das ich vorsichtig euphorisch mit gutem Stil umschreiben würde. Passt ausgezeichnet zum Sakko aus Maßkonfektion (keine Maßschneiderei), vielleicht mit englischem Karo (Prince of Wales wäre eine Option) oder zu Tweed (Harris müsste nicht sein, wäre aber auch kein Fehler), gerne mit Lederpatches am Ärmel, denn der Duft steckt in einer Lederhülle - und wenn schon, denn schon.

Gutes Schuhwerk dazu versteht sich von selbst.
51 Antworten

Yatagan vor 37 Tagen 138
5
Duft
10
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Fantomas bedroht die Welt
Den Jüngeren unter euch muss man ja vielleicht erklären, auf welche Figur der neueste Duft von Nasomatto anspielt: Es handelt sich um den geheimnisvollen Superschurken Fantomas aus der gleichnamigen Kriminalkomödie von 1964 mit Jean Marais, Louis de Funès und einer ganzen Riege bekannter französischer Schauspieler*innen. Die filmischen Tricks waren für die damalige Zeit beachtlich (Auto fährt Flügel aus und fliegt davon), während man heute über die launigen Gags und hilflosen technischen Gimmicks nur milde lächeln kann. Sei's drum: Die Filme haben noch heute ihren nostalgischen Charme, so dass sogar unsere Kinder in jungen Jahren ihren Spaß daran hatten.
Offenbar ist Alessandro Gualtieri ebenfalls Fan der Reihe (es folgten noch zwei weitere Filme: "Fantomas gegen Interpol" und "Fantomas bedroht die Welt", dessen Titel ich mir mit sarkastischem Vergnügen als Überschrift für diesen Kommentar ausgeborgt habe), denn die Werbung im Video spielt unverblümt auf die Figur des Fantomas mit hellblauer Maske an und auch die verwendete Schrift ist den Schriftzügen der Filme aus den 60ern entliehen.
Als bekennender Liebhaber der damaligen Filme wollte ich den neuen Gualtieri testen, auch wenn ich mir fast sicher war, dass er mich ebenso enttäuschen würde wie Black Afgano, Duro, Blamage oder die ganzen Orto Parisi-Düfte. Mir erscheinen all diese Düfte grob, laut, (sicherlich bewusst) ordinär, grell und überaus synthetisch. Während allerdings viele Düfte von Alessandro Gualtieri eher einen orientalischen Charakter haben, gehört Fantomas zur Gruppe der helleren Düfte, die dennoch mit enormer Aura und Haltbarkeit punkten wollen. Ich persönlich störe mich sehr an einer derartig starken Haltbarkeit, denn ich mag keine Düfte, die (1.) eine gründliche Dusche überleben, mir (2.) tagelang auf Sakko oder Schal haftend hinterher laufen und (3.) auch noch den Kollegen im Nachbarbüro oder den gesamten Konferenzraum beduften. Mich stört eine solche überbordende Aura massiv an anderen und so will ich auch selbst nicht wahrgenommen werden. Lieber sprühe ich öfters nach und rieche den Duft vor allem hautnah. In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs: In meiner mehr als 35jährigen Parfumerfahrung mit langen Phasen intensiver Sammelwut - schon lang vor Parfumo oder Basenotes - bekam ich vor allem dann "Komplimente" für einen Duft, wenn ich ihn zu stark dosiert hatte, was mir dann auch regelmäßig besonders peinlich war. Stilvoll dosierte Düfte werden vom Umfeld nicht sofort wahrgenommen und erschließen sich in ihrer Komplexität nur bei großer Nähe - und die sollte geliebten Menschen vorbehalten bleiben. Ende des Exkurses.
Eine niedrige Dosierung ist aber bei Fantomas von vornherein fast ausgeschlossen. Wer dem Duft hier eine schwache Haltbarkeit oder mäßige Aura attestiert, sollte sich vielleicht fragen, ob seine Nase durch schwergewichtige Nischendüfte schon ein wenig abgestumpft ist, denn Fantomas haftet auf meinem Duftstreifen und auf einem Stück Textil nun geschlagene vier Tage mit nahezu der gleichen Intensität und das ist leider vor allem nur eines: aufdringlich.

Zum Duft selbst: Ich kann verstehen, wenn man von Fantomas fasziniert ist, denn er spielt wie so oft bei Gualtieri wieder einmal mit wuchtigen Reizen - und das ist sicherlich auch die Stärke von Gualtieri. So wie er mit Black Afgano die Assoziation von Schwarzem Afghanen beschwört, ohne den Geruch tatsächlich nachahmen zu wollen, so wie er mit Duro einen amorphen orientalisch animalisch-ledrigen, harzig-holzigen Klotz in die Landschaft stellt, ohne ein wirklich greifbares Bild erschaffen zu wollen, so ist auch Fantomas ein Phantom ohne Gestalt, aber mit intensiver Wirkung. Woher kommt die?
Hier ein Versuch der Entschlüsselung, allerdings ohne Gewähr: Wie die meisten hier rieche auch ich eine intensive, aber künstliche Melonennote, die sicherlich von Melonen-Ester herrühren dürfte: (Z)-6-Nonenal, 2,6-Dimethyl-5-heptenal.
Eine bitter-salzige und zugleich süße Meeresnote findet sich in vielen Herrenaquaten, die m.E. auch hier in maßvoller Dosierung enthalten ist (Algenextrakt).
Wegen der hellen, etwas wässrigen Kopf- und Herznote tippe ich auf Calone (Methylbenzodioxepinon), bin mir da aber keineswegs sicher. Das ist nur eine vage Vermutung.
Als Basisnote bildet sich vor allem im Drydown und auf dem Duftstreifen stärker als auf der Haut eine Duschgelnote aus, die wir aus vielen zeitgenössischen Düften / Nischendüften kennen und die dann ganz klar auf eine hohe Dosis Ambrox(an) hindeuten würde (3aR,5aS,9aS,9bR)-3a,6,6,9a-Tetramethyl-dodecahydronaphto[2,1-b]furan, chemischer Name und liebevolle Reminiszenz an den früheren Beruf meiner Frau: Chemikerin).
Was da sonst noch drin sein könnte, überlasse ich eurer Fantasie und den vielen Statements weiter unten.

Meine eher schlechte Gesamtnote begründet sich vor allem durch meine Abneigung gegen Fruchtester, die vor allem in vielen Fruity Florals seit den 90ern eine überaus große Rolle spielten, durch meine Abneigung gegen Ambrox und die davon dominierten Düfte (Sauvage, Bleu, diverse Marlys etc.) sowie durch meine langsam gewachsene Abneigung gegen die in Herrendüften inzwischen allzu häufig verwendete Algennote und letztlich durch die eher plakative Komposition mit dem olfaktorischen Holzhammer statt mit dem Pinsel, die mir einfach nicht liegt.
Die Dominanz des Synthetischen allein ist es übrigens nicht, denn aus diesem Segment gibt es hervorragende und artifiziell raffiniert komponierte Parfums (etwa von Comme des Garcons, Maack, Clean).

Betrachtet man diese oben von mir unterstellte, dem Namen gemäße gruselige Mischung, die den Namen Fantomas mehr als verdient, ist meine Bewertung fast noch (zu) gut ausgefallen, aber das liegt vielleicht an einer untergründigen Faszination des Duftes, die zwischen Ekel und wohligem Schauer oszilliert. Und auch das hat seine Berechtigung.
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Yatagan vor 65 Tagen 46
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Ein unbekannter Klassiker
Unkommentierte Düfte No. 157

Immer auf der Suche nach Klassikern, wurde ich auf Zumas Colonia Zagara aufmerksam, der bereits sei 1943 in Sizilien produziert wird.
Orangenblüte ist mir gelegentlich zu süß und opulent, aber wenn die frischen, prickelnden Neroli-Anteile groß genug sind, kann das eine sehr feine, sommerlich helle Komposition werden. So hier!

Zunächst startet der Duft mit Hesperidientönen: Bergamotte, Zitrone, Mandarine, grün und säuerlich. Dann nimmt die süße, warme und weiche Orangenblüte Fahrt auf, wird aber gleich von den säuerlich frischen Neroli-Akzeten an die Zügel gelegt. Auf Haut dominieren etwas mehr die Orangenblütentöne, auf Textil und Papier etwas mehr die Nerolinoten.
Im Verlauf der Duftentwicklung lassen sich untergründig noch frische krautige Töne wahrnehmen. Damit klingt der Duft dann nach einigen Stunden aus, ist aber gut als Aura wahrnehmbar.

Bei Zuma handelt es sich offenbar um eine kleinere sizilianische Marke mit längerer Tradition. Nach meiner Kenntnis ist Colonia Zagara der älteste Duft der Marke und wird noch heute neben diversen Colonie produziert. Darüber hinaus lancierte die Marke in jüngerer Zeit einige neue Düfte, die dem Klima in Sizilien entsprechend eher sommerliche, frische, helle Noten präsentieren.

Bestellt habe ich direkt bei der Firma. Der Versand war unkompliziert und schnell, für italienische Verhältnisse nicht zu teuer; die Preise der Düfte sind moderat und sicherlich einen Test wert.
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Yatagan vor 79 Tagen 67
8
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
8
Flakon

Einhundertvierzig und ein Lavendel
Unkommentierte Düfte No. 156

Kraft meines mir verliehenen Amtes als staatlich und kirchlich geprüfter Lavendelinspekteur kommt es mir ohne Zweifel zu, den Erstkommentar zu diesem neuen Lavendelduft von Jean-Claude Ellena (sic!) zu verfassen - und eines gleich vorweg: Er ist gut.

In meiner Sammlung der aktuell verfügbaren Lavendeldüfte finden sich 140 Wässerchen (siehe auf meine Seite). Ein weiteres kommt nun hinzu. Nicht mitgerechnet sind die von mir getesteten Lavendeldüfte, über die die Zeit hinwegging und die eingestellt wurden. Ihre Zahl ist Legion.

Die Frage, die sich bei der strengen und unbestechlichen Prüfung allerdings stellt, ist die, ob es sich bei dem vorliegenden Produkt tatsächlich, wie angegeben, um einen Lavendelduft handeln kann.
Immerhin finden sich im brodelnden Kessel so ketzerische Produkte wie schwarze Johannisbeerknospe und weißer Moschus (die Zeder lassen wir mal durchgehen; gegen eine holzige Basis ist nichts zu sagen).

Tatsächlich lässt sich ein grünblättriger und spitz fruchtiger Cassiston in diesem sehr leichten, sehr frischen Duft durchgängig wahrnehmen und ergänzt die krautige Note des Lavendels um eine fruchtige. Damit bewegt sich Lavande Romaine einen Schritt aus dem Feld der klassischen Lavendeldüfte heraus, bleibt aber mit einem Fuß hinter der roten Linie. Die Prüfung kann somit als bestanden gewertet werden, zumal der Moschus weder stört noch pudert, allenfalls ein bisschen die Basis konturiert.

Wer einen ganz neuen, anders akzentuierten, klassischen UND moderner Lavendelduft sucht, den beglückt Meister Ellena hier mit einer charmanten Neukonzeption.

55 Antworten

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