YataganYatagans Parfumkommentare

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Yatagan vor 3 Tagen 73
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Duft
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Haltbarkeit
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Flakon

Fantomas bedroht die Welt
Den Jüngeren unter euch muss man ja vielleicht erklären, auf welche Figur der neueste Duft von Nasomatto anspielt: Es handelt sich um den geheimnisvollen Superschurken Fantomas aus der gleichnamigen Kriminalkomödie von 1964 mit Jean Marais, Louis de Funès und einer ganzen Riege bekannter französischer Schauspieler*innen. Die filmischen Tricks waren für die damalige Zeit beachtlich (Auto fährt Flügel aus und fliegt davon), während man heute über die launigen Gags und hilflosen technischen Gimmicks nur milde lächeln kann. Sei's drum: Die Filme haben noch heute ihren nostalgischen Charme, so dass sogar unsere Kinder in jungen Jahren ihren Spaß daran hatten.
Offenbar ist Alessandro Gualtierie ebenfalls Fan der Reihe (es folgten noch zwei weitere Filme: "Fantomas gegen Interpol" und "Fantomas bedroht die Welt", dessen Titel ich mir mit sarkastischem Vergnügen als Überschrift für diesen Kommentar ausgeborgt habe), denn die Werbung im Video spielt unverblümt auf die Figur des Fantomas mit hellblauer Maske an und auch die verwendete Schrift ist den Schriftzügen der Filme aus den 60ern entliehen.
Als bekennender Liebhaber der damaligen Filme wollte ich den neuen Gualtieri testen, auch wenn ich mir fast sicher war, dass er mich ebenso enttäuschen würde wie Black Afgano, Duro, Blamage oder die ganzen Orto Parisi-Düfte. Mir erscheinen all diese Düfte grob, laut, (sicherlich bewusst) ordinär, grell und überaus synthetisch. Während allerdings viele Düfte von Alessandro Gualtieri eher einen orientalischen Charakter haben, gehört Fantomas zur Gruppe der helleren Düfte, die dennoch mit enormer Aura und Haltbarkeit punkten wollen. Ich persönlich störe mich sehr an einer derartig starken Haltbarkeit, denn ich mag keine Düfte, die (1.) eine gründliche Dusche überleben, mir (2.) tagelang auf Sakko oder Schal haftend hinterher laufen und (3.) auch noch den Kollegen im Nachbarbüro oder den gesamten Konferenzraum beduften. Mich stört eine solche überbordende Aura massiv an anderen und so will ich auch selbst nicht wahrgenommen werden. Lieber sprühe ich öfters nach und rieche den Duft vor allem hautnah. In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs: In meiner mehr als 35jährigen Parfumerfahrung mit langen Phasen intensiver Sammelwut - schon lang vor Parfumo oder Basenotes - bekam ich vor allem dann "Komplimente" für einen Duft, wenn ich ihn zu stark dosiert hatte, was mir dann auch regelmäßig besonders peinlich war. Stilvoll dosierte Düfte werden vom Umfeld nicht sofort wahrgenommen und erschließen sich in ihrer Komplexität nur bei großer Nähe - und die sollte geliebten Menschen vorbehalten bleiben. Ende des Exkurses.
Eine niedrige Dosierung ist aber bei Fantomas von vornherein fast ausgeschlossen. Wer dem Duft hier eine schwache Haltbarkeit oder mäßige Aura attestiert, sollte sich vielleicht fragen, ob seine Nase durch schwergewichtige Nischendüfte schon ein wenig abgestumpft ist, denn Fantomas haftet auf meinem Duftstreifen und auf einem Stück Textil nun geschlagene vier Tage mit nahezu der gleichen Intensität und das ist leider vor allem nur eines: aufdringlich.

Zum Duft selbst: Ich kann verstehen, wenn man von Fantomas fasziniert ist, denn er spielt wie so oft bei Gualtieri wieder einmal mit wuchtigen Reizen - und das ist sicherlich auch die Stärke von Gualtieri. So wie er mit Black Afgano die Assoziation von Schwarzem Afghanen beschwört, ohne den Geruch tatsächlich nachahmen zu wollen, so wie er mit Duro einen amorphen orientalisch animalisch-ledrigen, harzig-holzigen Klotz in die Landschaft stellt, ohne ein wirklich greifbares Bild erschaffen zu wollen, so ist auch Fantomas ein Phantom ohne Gestalt, aber mit intensiver Wirkung. Woher kommt die?
Hier ein Versuch der Entschlüsselung, allerdings ohne Gewähr: Wie die meisten hier rieche auch ich eine intensive, aber künstliche Melonennote, die sicherlich von Melonen-Ester herrühren dürfte: (Z)-6-Nonenal, 2,6-Dimethyl-5-heptenal.
Eine bitter-salzige und zugleich süße Meeresnote findet sich in vielen Herrenaquaten, die m.E. auch hier in maßvoller Dosierung enthalten ist (Algenextrakt).
Wegen der hellen, etwas wässrigen Kopf- und Herznote tippe ich auf Calone (Methylbenzodioxepinon), bin mir da aber keineswegs sicher. Das ist nur eine vage Vermutung.
Als Basisnote bildet sich vor allem im Drydown und auf dem Duftstreifen stärker als auf der Haut eine Duschgelnote aus, die wir aus vielen zeitgenössischen Düften / Nischendüften kennen und die dann ganz klar auf eine hohe Dosis Ambrox(an) hindeuten würde (3aR,5aS,9aS,9bR)-3a,6,6,9a-Tetramethyl-dodecahydronaphto[2,1-b]furan, chemischer Name und liebevolle Reminiszenz an den früheren Beruf meiner Frau: Chemikerin).
Was da sonst noch drin sein könnte, überlasse ich eurer Fantasie und den vielen Statements weiter unten.

Meine eher schlechte Gesamtnote begründet sich vor allem durch meine Abneigung gegen Fruchtester, die vor allem in vielen Fruity Florals seit den 90ern eine überaus große Rolle spielten, durch meine Abneigung gegen Ambrox und die davon dominierten Düfte (Sauvage, Bleu, diverse Marlys etc.) sowie durch meine langsam gewachsene Abneigung gegen die in Herrendüften inzwischen allzu häufig verwendete Algennote und letztlich durch die eher plakative Komposition mit dem olfaktorischen Holzhammer statt mit dem Pinsel, die mir einfach nicht liegt.
Die Dominanz des Synthetischen allein ist es übrigens nicht, denn aus diesem Segment gibt es hervorragende und artifiziell raffiniert komponierte Parfums (etwa von Comme des Garcons, Maack, Clean).

Betrachtet man diese oben von mir unterstellte, dem Namen gemäße gruselige Mischung, die den Namen Fantomas mehr als verdient, ist meine Bewertung fast noch (zu) gut ausgefallen, aber das liegt vielleicht an einer untergründigen Faszination des Duftes, die zwischen Ekel und wohligem Schauer oszilliert. Und auch das hat seine Berechtigung.
53 Antworten

Yatagan vor 31 Tagen 47
8
Duft
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Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Ein unbekannter Klassiker
Unkommentierte Düfte No. 157

Immer auf der Suche nach Klassikern, wurde ich auf Zumas Colonia Zagara aufmerksam, der bereits sei 1943 in Sizilien produziert wird.
Orangenblüte ist mir gelegentlich zu süß und opulent, aber wenn die frischen, prickelnden Neroli-Anteile groß genug sind, kann das eine sehr feine, sommerlich helle Komposition werden. So hier!

Zunächst startet der Duft mit Hesperidientönen: Bergamotte, Zitrone, Mandarine, grün und säuerlich. Dann nimmt die süße, warme und weiche Orangenblüte Fahrt auf, wird aber gleich von den säuerlich frischen Neroli-Akzeten an die Zügel gelegt. Auf Haut dominieren etwas mehr die Orangenblütentöne, auf Textil und Papier etwas mehr die Nerolinoten.
Im Verlauf der Duftentwicklung lassen sich untergründig noch frische krautige Töne wahrnehmen. Damit klingt der Duft dann nach einigen Stunden aus, ist aber gut als Aura wahrnehmbar.

Bei Zuma handelt es sich offenbar um eine kleinere sizilianische Marke mit längerer Tradition. Nach meiner Kenntnis ist Colonia Zagara der älteste Duft der Marke und wird noch heute neben diversen Colonie produziert. Darüber hinaus lancierte die Marke in jüngerer Zeit einige neue Düfte, die dem Klima in Sizilien entsprechend eher sommerliche, frische, helle Noten präsentieren.

Bestellt habe ich direkt bei der Firma. Der Versand war unkompliziert und schnell, für italienische Verhältnisse nicht zu teuer; die Preise der Düfte sind moderat und sicherlich einen Test wert.
36 Antworten

Yatagan vor 45 Tagen 66
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Einhundertvierzig und ein Lavendel
Unkommentierte Düfte No. 156

Kraft meines mir verliehenen Amtes als staatlich und kirchlich geprüfter Lavendelinspekteur kommt es mir ohne Zweifel zu, den Erstkommentar zu diesem neuen Lavendelduft von Jean-Claude Ellena (sic!) zu verfassen - und eines gleich vorweg: Er ist gut.

In meiner Sammlung der aktuell verfügbaren Lavendeldüfte finden sich 140 Wässerchen (siehe auf meine Seite). Ein weiteres kommt nun hinzu. Nicht mitgerechnet sind die von mir getesteten Lavendeldüfte, über die die Zeit hinwegging und die eingestellt wurden. Ihre Zahl ist Legion.

Die Frage, die sich bei der strengen und unbestechlichen Prüfung allerdings stellt, ist die, ob es sich bei dem vorliegenden Produkt tatsächlich, wie angegeben, um einen Lavendelduft handeln kann.
Immerhin finden sich im brodelnden Kessel so ketzerische Produkte wie schwarze Johannisbeerknospe und weißer Moschus (die Zeder lassen wir mal durchgehen; gegen eine holzige Basis ist nichts zu sagen).

Tatsächlich lässt sich ein grünblättriger und spitz fruchtiger Cassiston in diesem sehr leichten, sehr frischen Duft durchgängig wahrnehmen und ergänzt die krautige Note des Lavendels um eine fruchtige. Damit bewegt sich Lavande Romaine einen Schritt aus dem Feld der klassischen Lavendeldüfte heraus, bleibt aber mit einem Fuß hinter der roten Linie. Die Prüfung kann somit als bestanden gewertet werden, zumal der Moschus weder stört noch pudert, allenfalls ein bisschen die Basis konturiert.

Wer einen ganz neuen, anders akzentuierten, klassischen UND moderner Lavendelduft sucht, den beglückt Meister Ellena hier mit einer charmanten Neukonzeption.

54 Antworten

Yatagan vor 59 Tagen 54
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Duft
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Haltbarkeit
5
Sillage
10
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Russische Wasser sind tief
Unkommentierte Düfte No. 155

Mein Vater war bei meiner Geburt schon über 40 Jahre alt, mit 18 in den Krieg gezwungen worden und bald in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Er hatte das Glück nicht nur furchtbare, sondern auch gute Erfahrungen gemacht zu haben und erhielt sich Zeit seines Lebens eine für manche Zeitgenossen unerklärliche Liebe zu Russland. Er sprach Russisch, bereiste bereits in den 80ern mit meiner Mutter Moskau und Leningrad (zur Zeit des Kalten Krieges keine Selbstverständlichkeit), hörte regelmäßig Radio Moskau, benutzte als After Shave Russisch Leder (auch wenn das von Farina aus Köln kam), war aber dennoch kein russischer Spion, wie nun vielleicht einige mutmaßen mögen.

Auch ich habe wohl deshalb eine starke Sympathie für Dinge mit russischem Markenzeichen. Auch "Russa" kommt - wie Russische Leder - nicht aus Russland, sondern aus dem sonnigen Italien, und zwar von einer meiner Lieblingsmarken: Santa Maria Novella. Das Dufthaus aus Florenz führt seine Geschichte auf das Gründungsjahr 1612 zurück, wobei einige Duftrezepturen angeblich noch älter sein sollen (etwa das schlichte Colonia der Marke), denn die historisch verbürgte Farmacia geht auf eine Klosterapotheke von 1221 zurück. Damit wäre sie wohl die älteste bekannte Apotheke der Welt.

Sympathische ist mir zudem, dass alle Produkte, auch die aus der Kosmetikproduktion, ohne Tierversuche hergestellt werden, noch dazu unter ausschließlicher Verwendung natürlicher Kräuter und Lipide. Seit Kurzem gibt es auch in Deutschland einen Flagshipstore in München (mdc-core.de).

Darüber hinaus war ich mal wieder auf der Suche nach einem neuen After Shave, nach Möglichkeit Naturkosmetik (siehe meine Sammlung 'Grooming'). Besonders gute Erfahrungen bei empfindlicher Haut habe ich mit vielen Klosterprodukten gemacht (z.B. Lotion opaline, Caldey, Ganagobie) und auch das ist der Hintergrund meiner Sympathie für Santa Maria Novella, auch wenn es sich längst nicht mehr um eine Klostermanufakatur handelt.
Insofern eine ganze Reihe guter Gründe das After Shave / Dopo Barba Russa von Santa Maria Novelle zu testen.

Dabei handelt es sich nicht um ein Russisch Leder-Produkt mit Birkenteer, Harzen oder ambrierter Basis, so wie das oft der Fall zu sein pflegt, sondern um ein helles, aber durchaus würziges, den Kölnisch Wassern ähnliches Produkt. Zitrus, Bergamotte, Petitgrain und grüne Noten stehen für hesperidische Frische wie bei einem Kölnisch Wasser / bei einem hellen Cologne, die Gewürznelke sorgt für eine dunkle Färbung und das russische Temperament (Achtung: Klischee!). Benzoe sollte für eine harzig-balsamische Basisnote stehen, tut es auch, aber nicht so kräftig, wie das vielleicht einige erwarten, sondern sehr dezent, sehr schwach, eher untergründig. Beide Düfte passen gut in meine Sammlung Schwarzer Colognes (siehe dort).
46 Antworten

Yatagan vor 75 Tagen 62
9
Duft
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Haltbarkeit
6
Sillage
10
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Sonne und Schatten
Vor einigen Jahren war ich zum ersten Mal auf Sizilien und war begeistert: von der Schönheit der Städte und der Landschaft, von den römischen Ausgrabungen und vor allem vom Blick aufs Meer. Unser Ferienhaus lag erhöht und jeden Abend sah ich auf die untergehende Sonne.
Santa Maria Novellas Acqua di Sicilia fängt diese Stimmung ein. Nahezu perfekt.
Natürlich kommt für mich für wirklich heiße Tage sowieso nur ein Kölnisch Wasser in Frage, und in Sizilien kann es so heiß werden, dass man in der Mittagszeit vor der Kathedrale von Noto oder am Fonte Aretusa in Siracusa trotz der Nähe des Wassers beinahe gegrillt wird. In Italien hat sich aus diesem Grund seit einiger Zeit die wenig ökologische Sitte des künstlichen Wassernebels entwickelt: Aus Düsen, meist oberhalb von Sonnenschirmen, entströmt ein feiner Nebel kühlen Wassers, der den Aufenthalt an heißen Orten wunderbar erträglich macht. Wenn man es als hellhäutiger Mitteleuropäer vom Amphitheater von Taormina unterhalb des Etna mit letzter Kraft in die kaum kühleren Gassen der Altstadt geschafft hat, ist man unter Umständen froh um eine solche typisch italienische Errungenschaft, die wir hoffentlich in Deutschland trotz dramatisch voranschreitender Klimaveränderung noch länger nicht nötig haben werden.
Wirklich gelungene Kölnisch Wässer können an heißen Sommertagen genau diesen Eindruck vermitteln: inmitten eines kühlen Sprühregens zu stehen. Auch Acqua die Sicilia kann das, weil Petitgrain, Bergamotte, Zitrone und Neroli ihren Dienst tun, eine schattige krautige Nuance hinzu tritt, aber gleichzeitig durch die dezent harzige Note der Eindruck einer sonnensatten Landschaft entsteht, die nach der Hitze des Mittags langsam wieder abzukühlen beginnt.
Santa Maria Novella enttäuscht mich selten, aber von diesem Duft bin ich regelrecht begeistert.
Man muss Kölnisch Wässer mit einem dunklen Schatten mögen. Dann ist dieser hier richtig.
53 Antworten

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