YataganYatagans Parfumkommentare

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04.05.2019 14:34 Uhr
46 Auszeichnungen
Grün ist die Hoffnung: als Farbe des Frühlings, als Farbe der Erneuerung im Christentum, als Farbe des Propheten im Islam, als Signalfarbe auf Ampeln, als Farbe einer aufstrebenden Partei, bei Bio-Lebensmitteln. Noch mehr denke ich dabei allerdings an einen Roman von TC Boyle, der das Grün keimender und anschließend wieder verwelkender Marihuana-Pflanzlinge zum satirischen, ironisch überzeichneten Abstieg einer Hippie-Kommune wendet. Wie auch immer: Grün wirkt auch in der Werbung gut und so scheint es beinahe ein Zeichen der Zeit zu sein, dass zwei besonders umsatzstarke Marken (Davidoff und Guerlain) fast zeitgleich einen grünen Herrenduft auf den Markt bringen.

Grundsätzlich bin ich bei allen Düften der L'Homme Ideal-Reihe zunächst skeptisch. Sowohl EdT als auch EdP und Intense waren mir viel zu mandelsüß. Herren-Gourmands sind mir eigentlich ein Graus, auch wenn ich zugeben muss, dass sie Guerlain in diesem Falle nicht schlecht gelungen sind. Die Sport-Variante dagegen finde ich völlig verunglückt und lasse sie bei weiteren Betrachtungen außen vor.

Wo steht nun L'Homme Ideal Cool (was für ein schrecklicher Name...) im Vergleich zu den anderen Versionen dieser inzwischen umfangreichen Serie (von Flankern würde ich angesichts der unterschiedlichen Ausrichtung gar nicht sprechen wollen)?

Die hier mehrfach erwähnte Ähnlichkeit zu dem aus meiner Sicht ausgesprochen gut gelungenen Cologne führt ein wenig in die Irre, wie ich finde. Die Familienähnlichkeit zeigt sich vielmehr über die Mandelnote, die, zieht man die neueren Damendüfte von Guerlain als Referenz heran, so etwas zu sein scheint wie die neue Guerlinade. Bei der L'Homme-Ideal-Reihe wurde sie konsequent auf die Herrenlinie übertragen. Das hat eine gewisse firmeninterne Logik und ist mir darum nicht einmal unsympathisch. Sowohl im Cologne als auch im neuen Cool wurde diese Mandelnote deutlich zurück genommen, ist nicht mehr so präsent wie im EdT, EdP oder im Intense, hat somit auch keinen wirklichen Gourmandcharakter mehr. Parallelen gibt es auch bei dezent erkennbaren Kölnisch-Wasser-Bestandteilen in beiden Düften (Neroli, Orange, Bergamotte), die für eine unterschwellige Frische sorgen, die man beim EdT, EdP und Intense vergebens sucht. Den deutlichen Unterscheid bei den beiden helleren Düften der Reihe (Cologne und Cool) macht jedoch die jeweilige Kopfnote aus, die sich bis weit in die Herznote des Duftes hineinzieht und dort mit der hier jeweils dezenten Mandelnote mischt: Minze und eine (glücklicherweise) ausgesprochen zurückgenommene Aquatik beim Cool, Grapefruit beim Cologne.

Man könnte sagen, dass nun für fast jeden Geschmack ein L'Homme Ideal vorliegt. Für die Liebhaber*innen von Essensresten in Düften das EdT, EdP und Intense (in unterschiedlicher Intensität), für die Liebhaber*innen heller, cologneartiger Varianten Cologne und Cool. Schade wäre es allerdings, wenn das Cologne zu Gunsten des Cool dauerhaft aus dem Programm gestrichen würde. Für mich ist das Cologne nach wie vor die eindeutig beste und vielleicht einzig herausragende Variante.

Wo steht nun das Cool im Kontext des Guerlain-Portofolios? Ich sehe seine Berechtigung als Brückenglied zwischen EdT und Cologne und könnte mir zudem vorstellen, dass es eine echte Alternative für diejenigen ist, die einen Sommerduft ohne Hesperidien-Dominanz suchen. Da ist ja Minze oftmals die einzig wirklich frische Alternative - und hier besser umgesetzt als in nahezu allen anderen Düften, die ich in diesem Stil kenne. Für mich ist Cool ein wirklich gelungener Duft, den ich mir gut in meiner Sammlung vorstellen könnte, niemals aber dem Cologne dauerhaft vorziehen würde.


23.04.2019 17:43 Uhr
47 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 135

Caron pour un homme ist einer der ältesten Herren-Duftserien der Welt und nach wie vor für Lavendel-Liebhaber ein unübertroffen schöner Duft. Genau genommen ist es sogar mein Lieblings-Lavendel und das heißt was. Ich bin mir ziemlich sicher, fast alle verfügbaren Lavendeldüfte auf dem Markt wenigstens einmal getestet zu haben. Wer auch so lavendelverrückt ist wie ich, findet diese in der schlicht und einfallslos "Lavendel" benannten Sammlung auf meiner Seite (derzeit fast 140 Varianten; alle anderen sind in Deutschland mehr oder minder nur schwer oder gar nicht erhältlich).

Die Faszination von Pour Un Homme, des Urvaters dieser Richtung, macht die Spannung zwischen der krautig-frischen, dezent scharfen Lavendelnote und der Vanillenote in der Basis aus. Einige andere Akzente treten hinzu. Nur relative wenige Düfte setzen so dezidiert auf diese Spannung zwischen diesen beiden Duftnoten. Wie schade das ist, zeigt sich an Lavande d'Hiver, der ein weiterer seltener und ausgesprochen schöner Vertreter dieser Konzeption ist und dabei durchaus eigene Konturen hat.

Zunächst ist da auch die klare, helle, krautig-frische Lavendelkopfnote, die sich eine Weile hält. Ähnlich wie bei Pour un Homme von Caron gibt es eigentlich keine Herznote. Stattdessen setzt nach kurzer Wartezeit eine warme, unsüße Vanille-Basisnote ein. Das ist so simpel wie schön. Vorauszusetzen ist aber eine wirkliche Vorliebe für Lavendel, weil die Kopf- und Hauptnote hier noch stärker als bei Carons Pour Un Homme sehr klassisch ausfällt. Das mag daran liegen, dass der Dufthersteller eine der typischen französischen Lavendelmanufakturen ist, die alle möglichen Lavendelprodukte anbieten: Seifen, Duftsäckchen, Cremes, Aromaöle, Raumdüfte...

In der Natur der Lavendelpflanze liegt es, dass sie Männern genauso gut steht wie Frauen. Deshalb sind Varianten mit Vanille in der Basis natürlich nicht nur für Männer geeignet, wie es Carons Herrenserie, die 1934 entwickelt wurde, im Namen suggeriert, sondern ebensogut für Frauen. Das gilt erst recht für Lavande d'Hiver.

Wie alle Lavendeldüfte ist der Duft auch gut zur Beruhigung und Entspannung einsetzbar. Mit der ergänzenden Vanillenote funktioniert das besonders gut, soll doch Vanille bei fast allen Menschen ein Wohlgefühl auslösen und wird auch deshalb so häufig in Nahrungsmitteln verwendet. Somit ist Lavande d'Hiver sicherlich auch das Richtige für einen entspannten Abend, eine meditative Haltung am Tag oder einen erholsamen Schlaf. Das mag für viele hier keine Rolle spielen. Ich persönlich nutze Lavendeldüfte gerade auch deshalb so gerne.


10.04.2019 14:06 Uhr
61 Auszeichnungen
Wenn 4711 einen neuen Duft lanciert, und das passiert im Gegensatz zu früher unter der neuen Leitung eher häufiger, bin ich bei einem Test dabei. Besonders schön fand ich die sog. Remix-Reihe, die seit 2017 erscheint und auf die das Haus besonderen Wert legt. Im Gegensatz zur Acqua Colonia-Reihe, die jeweils ein bis zwei markante Duftakzente in den Mittelpunkt stellt und recht eigenständig ausgerichtet ist, sind die Remix-Colognes Variationen des altbekannten, hochtraditionellen 4711-Themas, wobei jeweils ein anderer der sieben zentralen Duftbausteine in den Mittelpunkt gestellt werden soll. Bei der Aniversery-Variante aus dem Jahre 2017 war das offenbar das bittere, spitze Petitgrain. Der Duft gefiel mir besonders gut, zumal auch Lavendel eine gewisse Rolle spielte. In der Variante von 2018 war es schließlich die Orange, die den Duft dominierte. 2019 soll es dann Lavendel sein, das den Duft prägt. Da ich sowohl ein großer Freund von Lavendel-Düften als auch von Kölnisch Wässern bin (s. meine Sammlungen, die einen Überblick über beide Duftfelder bieten), musste ich natürlich die Kombination aus beiden Welten sofort testen. Dass ich den Duft lieben würde, war quasi von Vorneherein klar. Lavendel x Kölnisch Wasser = Mehrwert.

Nach einem ersten ausführlichen Test kann ich sagen, dass der Lavendel zwar gar nicht so stark im Mittelpunkt steht, wenigstens nicht für einen Liebhaber von reinen oder starken Lavendel-Colognes, aber doch deutlich erkennbar durch die bekannten Strukturen der klassischen 4711-Formel hindurch scheint. Von Angaben wie Iris, Ambrettesamen und Praline, die pudrige oder gourmandige Noten andeuten, sollte man sich nicht allzu sehr irritieren lassen. Die sind allenfalls eine Randnotiz wert (Iris) oder tauchen im Prinzip gar nicht auf (Pralinennote). KIar erkennbar sind dagegen Bergamotte und Zitrone, - wie gehabt. Auf Petitgrain hätte ich auch getippt. Orangenakzente sucht man eher vergebens. Sie werden aber in geringer Tendenz enthalten sein, denn auch sie gehören zum klassischen 4711. Vermuten würde ich auch Neroli, das eigentlich unverzichtbar ist. So bleibt als Gesamteindruck eine schöne, lavendelbasierte eigenständige Variante des klassischen 4711 mit etwas weicheren Akzenten und sanfter Basis, bei der eine saubere Moschusnote ganz langsam durchscheint und dann immer dominanter wird. Verbunden wird dabei das beste aus beiden Welten, auch wenn vielleicht kein ganz großer Duft entstand. Ein schöner Alltagsbegleiter für alle Temperaturen ist es allemal.


23.03.2019 13:59 Uhr
54 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 134

Zoologist setzt mit seinen Düften stets die Gestalt und die übergeordnete Idee eines bestimmten Tieres um. Als ich das vor Jahren zum ersten Mal wahrnahm, fand ich das Konzept - vorsichtig ausgedrückt - irritierend, ebenso wie die im Comicstil gehaltenen Etiketten. Nach den ersten Tests war jedoch schnell erkennbar, dass die Marke wirklich innovativ ist und für mich derzeit zu den wichtigsten Avantgarde-Vertretern auf dem Duftmarkt zählt, insbesondere auch deshalb, weil alle Düfte tragbar sind und nicht im Artifiziellen stecken bleiben. Inzwischen ist mein Lieblingsduft Bat (Vorsicht, der ist extrem), aber auch Elephant, Panda, Rhinoceros, Beaver und viele andere loten die Möglichkeiten von Duft weit und mit Mut zum Risiko aus. Von den beiden Neuerscheinungen gefällt mir Dodo zwar geringfügig besser; bei Chameleon war ich aber besonders gespannt, wie man die Idee der Farbwandlung in Duft umsetzen würde.

Wie mir scheint gibt es da zwei mögliche Ansätze, die beide in diesem Duft vereint wurden:
Ein Duft kann sich (1. ) im Verlauf seiner Entwicklung so stark wandeln, dass Kopfnote, Herznote und Basisnote deutlich voneinander unterschieden sind. Das ist an sich nicht besonders spektakulär, denn die meisten klassischen Chypre-Düfte eröffnen mit einer zitrischen Note (meist Bergamotte), entwickeln sich im Herzen blumiger als zu Anfang (zumeist Rose und Jasmin) und haben eine moosfarbene Basisnote. Im vorliegenden Fall ist zwar eine Entwicklung des Duftes erkennbar (von zitrisch hellen Noten über fruchtige zu floralen und hin zu einer gourmandigen Kokos-Moschus-Note), aber das eigentlich Spektakuläre bei Chameleon ist aus meiner Sicht vielmehr das Schillernde, bunt Glänzende des Duftes, das von Anfang an gleichzeitig (!) vorhanden ist (2.).
So kann ich die Weißblüher-Noten (vor allem Jasmin, aber auch Ylang) quasi sofort wahrnehmen, beinahe im Moment des Aufsprühens, in dem sie sich noch mit den silbrigen Bergamotte-Tönen mischt; eine Minute später kann man bereits würzige, calone-synthetische, holzige und exotisch-fruchtige Noten erkennen. Das ist zwar völlig chaotisch, aber dennoch so charmant, originell und gleichzeitig auch harmonisch, dass es offenbar nicht nur mir ausgesprochen gut gefällt. Abgerundet wird der Duft von vanillig-süßen Akzenten und der bereits erwähnten, deutlich wahrnehmbaren Kokosnote, die gleichfalls nicht erst in der Basis, sondern bereits zu Beginn aufscheint. So glänzt und glitzert dieser Duft wie die schillernde Schuppenhaut eines Chameleons, das sich farblich immer wieder wandelt. Ich bin einigermaßen beeindruckt. Wieder einmal ist es Zoologist gelungen, die Idee eines Tieres als Konzeptduft überzeugend umzusetzen. Und gut tragbar ist das allemal, auch wenn es bei Herren sicherlich recht viel Mut erfordern wird.


15.03.2019 23:59 Uhr
44 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 133

Perris Monte Carlo hat im vergangenen Jahr drei Sommerdüfte im weißen Flakon herausgebracht (Bergamotto di Calabria, Cedro di Diamante, Mandarino di Sicilia), die mir auf Anhieb gefielen. Natürlich braucht es eine gewisse Begeisterung für Colognes und ihre Varianten, aber gesetzt den Fall, man bringt diese Vorliebe mit, sind diese drei neuen Cologne-Vertreter kleine liebevoll gestaltete Kunstwerke, denn sie variieren die klassische Ausrichtung der Eau de Colognes und Kölnisch Wässer raffiniert, indem sie jeweils einen anderen Akzent betonen (Cedro: zitrisch-grüne Töne mit Moschusbasis; Mandarino: Fruchtnoten; Bergamotto: ätherische Hesperidien-Öle).

Bergamotto di Calabria fällt dabei in der Benotung und Einschätzung durch andere User ein wenig hinter die beiden anderen Vertreter zurück, was sicherlich daran liegt, dass Bergamotte di Calabria der klassischste, will heißen traditionellste aus dem Duftbaukasten der Eau de Colognes von Perris Monte Carlo darstellt. Bergamotte und / oder Petigrain, Neroli und / oder Orangenblüten und holzige Basis enthalten eben auch standardmäßig alle Original Eau de Colognes bzw. Kölnisch Wässer, die sich manchem als Duft der 70er-Jahre-Erfrischungstüchlein ins Gedächtnis gebrannt haben.
Andererseits erleben gerade 4711, Farina und andere Marken mit neuen innovativen Varianten einen regelrechten Boom der Kölnisch Wässer, so dass Perris Monte Carlo offenbar nichts anderes als die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheint.

Im Falle von Bergamotto di Calabria piekst zunächst Bergamotte und das noch spitzere Petitgrain in der Nase, ein Auftakt, den ich besonders schätze, wird anschließend weicher und vom typischen Neroli-Duft abgelöst, entwickelt dann jedoch ein Herz voller sanfter Blüten, um abschließend in einer warm-weichen holzigen Basis (und hier liegt der Unterschied zum klassischen Kölnischen Wasser, das eher auf das herbere Zedernholz setzt) auszuklingen.

Das ist nicht spektakulär oder neu, kein bisschen, aber in einer so schönen Art und Weise neu erfunden, dass es schlichtweg Spaß macht. Wer Kölnisch Wässer zu schätzen weiß, dem muss der Duft gefallen. Wer kein Freund dieser Duftrichtung ist, wird auch mit Bergamotto di Calabria nichts anzufangen wissen.


02.03.2019 20:19 Uhr
75 Auszeichnungen
1957

1957 - Chanel

8.0
Ich bin mir vollständig bewusst, dass ich mir mit der Einschätzung, dass dieser weiße Moschus-Duft nicht das Nonplusultra des Winters 2018 / 2019 ist, den Zorn ziemlich vieler Frauen auf mich ziehen werde, und ich bin mir natürlich auch darüber im Klaren, dass ich mir nicht anmaßen muss, einen Duft gut oder schlecht zu bewerten, der nun mal nicht meinen Vorlieben entspricht, darum bekommt er von mir die Note, die da oben steht und darum versichere ich all denen, die sich nun angetriggert fühlen: "Es tut mir wirklich wirklich leid, und ich entschuldige mich vorbehaltlos (...), ich biete notfalls einen kompletten und völligen Widerruf an. Den Beschuldigungen fehlte ja eigentlich auch jegliche faktische Basis, und es hat sich dabei in keinster Weise um einen fairen Kommentar gehandelt und entsprang somit aus purer Bösartigkeit. Und aufs Tiefste bedauere ich das Unglück, welches mein Kommentar bei einigen verursacht haben könnte - oder bei ihrer Familie. Und hiermit versichere ich, das ich mir nie wieder einen solchen Fehltritt erlauben werde, weder jetzt noch in Zukunft." (Zitat einigermaßen frei nach "Ein Fisch namens Wanda").

Im Ernst: irgendwie ist der Duft schon gut und erinnert mich stark an den (wahrscheinlich) viel teureren White von Puredistance, der auch weißen Moschus mit einer honigsüßen Note featured, bei jenem allerdings etwas raffinierter und komplexer, bei diesem hier etwas plakativer. Ob es allerdings überhaupt nötig ist, dass man pudrigen Moschus mit pudriger Iriswurzel und "pudrigen Noten" (s.o.) kombiniert...? Offenbar schon.

In Ordnung geht dann allerdings eine feine scharf-florale Note, die einerseits natürlich durch das angeblich enthaltenen Neroliöl (das man aber nicht so klar im Sinne von "ja, klar ist da Neroli drin", riechen kann, sondern eher so im Sinne von "ja, klar, da oben steht was von Neroli, also muss das wohl diese helle fruchtig-florale Note sein, die ich da rieche"), andererseits auch durch das angeblich enthaltene Bergamotteöl (Ihr wisst schon...) hervorgerufen werden könnte.

Wenn man das alles so zusammen schmeißt, dann kommt bei 1957 ein Duft heraus, der vielen (v.a. Frauen?) gefallen wird (Moschus, Iris, Honig) und den ich wirklich nicht an einem Mann riechen muss (Bitte spart euch Kommentare zur Gender-Thematik bei Parfum: Danke!), der aber an einer Frau vermutlich ganz entzückend riecht (Bitte spart euch...: Ach, vergesst es!).

Irgendwie musste ich bei diesem Duft spontan an das kleine Schwarze denken, das angeblich zur Grundgarderobe einer Frau gehöre (was ja sehr schön ist) und das hier kontrastierend einen olfkatorischen Widerschein als kleines weißes Duftwunder gefunden hat. Könnte essentiell werden.
Wahrscheinlich gefällt es mir dann sogar irgendwann auch.


23.02.2019 17:48 Uhr
53 Auszeichnungen
Colognes sind meine große Leidenschaft, Düfte mit postmoderner Ledernote eher weniger. Hier kommt beides zusammen. Zwar schätze ich sehr die sog. Lederdüfte alter Tradition, die ursprünglich mit Ambra, animalischen Noten (Zibet, Bibergeil, Moschus) und würzig-holzigen Noten den Gerbergeruch traditioneller Lederverarbeitung überdecken sollten (in diesem Stil: Knize Ten, Hermès Bel Ami, Chanel Cuir de Russie, Roja Fetish pour Homme etc.), weniger mag ich allerdings die neueren synthetischen Ledernoten, die an Verloursleder erinnern (bekannt vor allem der leidlich gelungene Tuscan Leather und seine Ableger) und die seit einigen Jahren den Duftmarkt fluten.
Auch bei Memo taucht diese charakteristische Ledernote häufiger auf, wird aber ambitioniert variiert, so dass etliche Düfte originell sind.

Besonders spannend und geradezu herausragend finde ich Eau de Memo, denn hier handelt es sich um ein Cologne, das in der Kopfnote alle Merkmale eines klassischen Kölnisch Wassers zeigt, dann aber sehr schnell eine anfangs subtile, später immer präsentere Ledernote aufweist. Das ist eine überaus originelle Kombination (Kölnisch Wässer, die eine dunkle, schwere Komponente enthalten, habe ich einmal "Schwarze Colognes" genannt: siehe unter meinen Sammlungen) und finde sie besonders innovativ.
Von einem Cologne erwartet der geneigte Tester einen hellen, zitrusfrischen Neroli-Bergamotte-Duft mit krautigen Komponenten. Wenn dann eine dunkle, warme Note hinzutritt, schafft das spannende Kontraste, die die Tradition der Kölnisch Wässer beleben kann. Das ist hier durch Leder und Safran ausgesprochen gut gelungen und erinnert ein wenig an den Geruch von menschlicher Haut.

Leicht erkennbar sind in diesem Duft - neben der Zitrone-Bergamotte-Note zu Beginn und dem Leder-Akkord in Herz und Basis - die charakteristisch lindgrüne, etwas pudrige Note von grünem Tee und dezente florale und würzige Akzente. Der Preis allerdings fällt hoch aus und lässt eine Anschaffung zu einer kleinen Investition werden. Herzlich danke ich darum Zauber600 dafür, dass er meine Vorräte um einige Milliliter aufgestockt hat.


26.01.2019 15:47 Uhr
46 Auszeichnungen
A Love Supreme heißt die bekannteste Aufnahme der Jazz-Legende John Coltrane. Die im Dezember 1964 aufgenommene und 1965 veröffentlichte Platte gilt vielen Fachleuten als die beste Jazz-Einspielung aller Zeiten. Viel mehr als George Gershwin, eher ein klassischer Komponist, steht Coltranes A Love Supreme für Jazz schlechthin. Maria Candida Gentiles "Gershwin" repräsentiert tatsächlich klug die Idee dieser Musik, denn Improvisation mit all ihren überraschenden Richtungswechseln bildet sich hier olfaktorisch ab: bitter-scharfe Hesperidien im Auftakt, Wechsel zum Pfeffer, fast gleichzeitig heller, scharfer Weihrauch ohne sakrale Komponente: Hier geht es profan zu. Der beißende, vielleicht etwas strenge Geruch in einem Kellerclub.
Mit Wasserblume (siehe Inhaltsstoffe) dürfte hier das Buschwindröschen gemeint sein. Das bescheidene Blümlein findet nur recht selten in Düften Verwendung. Wie es nach Mazeration oder Destillation wohl riecht? So richtig durchsetzen wird es sich gegen die lauteren Töne des Weihrauchs, des Pfeffers und der zitrischen Noten sowieso nicht. Genauso wenig wie die Sycamore, die Amerikanische Platane. Wie auch immer: Holz(blas)instrumente klingen mit.
Für mich ergibt sich aus der Kombination dieser Töne in der Herz- und Basisnote eine heuartige Melodie, etwas scharf, aber doch faszinierend, anfangs laut, etwas schrill, dann immer ruhiger, wenn die Nacht länger wird.
Ob Gershwin oder Coltrane: Der Duft ist durchaus so etwas wie ein Solitär, auch wenn es inzwischen so viele Weihrauchdüfte gibt. Er orientiert sich wenigstens nicht am Mainstream, sondern versucht andere Wege zu gehen. Das verdient Respekt und gefällt. Auch wenn man beim Jazz, allemal bei A Love Supreme, Zeit zum Einhören braucht.


19.01.2019 16:24 Uhr
41 Auszeichnungen
Ich will nicht behaupten, dass das hier die Zukunft des Kölnisch Wassers sei, aber es stellt sich doch generell die Frage, ob diese traditionelle Duftrichtung modernisierbar ist - oder ob sie per se und aufgrund ihrer konservativen (und das heißt hier: aufgrund ihrer festgelegten) Struktur nicht für ein zeitgenössisches Duftkonzept taugt.
Da ich mich sehr für die Duftfamilie des klassischen Kölnisch Wassers und alle Abkömmlinge von Farina Gegenübers Original Eau de Cologne (1709) resp. alle Abkömmlinge des populäreren 4711 Echt Kölnisch Wassers (1792) interessiere, stelle ich mir von Zeit zu Zeit die Frage, wohin die Reise mit dieser Konzeption gehen könnte. Vor einiger Zeit habe ich dazu dunklere Kölnisch Wässer in einer eigenen Sammlung zusammengestellt (s. "Schwarze Colognes" auf meiner Seite) und dabei alle mir bekannten wärmer getönten Eau de Colognes, bei denen noch die Ursprungsstruktur des Kölnisch Wassers klar erkennbar ist, aufgelistet. Wie mir scheint, sind solche "Schwarzen Colognes" ein innovatives Konzept. Darüber hinaus habe ich alle aktuell erhältlichen traditionell komponierten "Kölnisch Wässer" recherchiert (s.d. auf meiner Seite), so dass Interessierte alle derzeit verfügbaren Düfte dieser Provenienz überblicken können. Dazu gehören prinzipiell auch die beiden klassischen Eau de Colognes von Maitre Parfumeur et Gantier: Eau pour le jeune Homme / Jeune Homme bzw. der hier besprochene Jeune Homme / Eau pour le jeune Homme Extravagante (letzteren habe ich jüngst aus der genannten Überblicks-Sammlung "Kölnisch Wässer" entfernt, da er kaum noch erhältlich ist). Beide ähneln sich stark und während die normale Version noch produziert wird, wurde die Extravagante-Variante von MPG vor wenigen Jahren aus dem Programm genommen. Tatsächlich braucht man nicht beide Versionen; sie sind (mehr oder weniger) Zwillinge. Die Inhaltsstoffe sind identisch angegeben, Unterschiede mag es allenfalls in der Konzentration oder Dichte geben. Differenzieren können wird man sie nicht so leicht.
Was die beiden Varianten zu innovativen Vertretern ihrer Zunft macht, sind ihre würzigen Akzente. Während die meisten Eau de Colognes im klassischen Stil überwiegend durch Neroli, Hesperidien, Kräuter, Zeder und helle florale Akzente bestimmt sind, findet sich in Jeune Homme eine würzige Spur, die dem Duft eine elegante Note verleiht und ihn zum idealen Begleiter stilvoller Garderobe macht. Als gelungen empfinde ich auch die Idee, für die Basisnote statt hellem Zedernholz das wärmere Sandelholz zu verwenden, das auch vielen britischen Düften die besondere Note verleiht. Gerade deshalb lässt sich Jeune Homme nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter ausgezeichnet tragen, weshalb ich ihn für diesen kalten Januartag ausgewählt habe. Natürlich ist das im eigentlichen Sinne auch kein Duft für den Jeune Homme, sondern eher für den Herren jenseits der 40 oder sogar 50, weshalb ich ihn so oder so tragen darf. Da die Extravagante-Variante, die sich in meiner Sammlung befindet, wie bereits erwähnt, nicht mehr erhältlich ist, empfehle ich die weitgehend identische Version Jeune Homme für einen Test: für Liebhaber*innen von Kölnisch Wässern auch im Winter einen Versuch wert.


28.12.2018 23:02 Uhr
68 Auszeichnungen
Unkommentierte Düfte No. 132

Marie Antoinette betrat lustlos das Bad. Zwar war die Zeit des wasserscheuen Barockzeitalters längst vergangen, aber eine Freundin des Badens war sie nie geworden. Dieser saubere, nichtssagenden Geruch von frisch gewaschener Haut reizte sie nicht. Dem König ging es nicht anders. Vermutlich hielt sich Ludwig XVI. ohnehin bei einer seiner Mätressen auf. Ein exquisiter Duft war viel besser geeignet, die weniger schönen Gerüche des Körpers in die richtige Richtung zu lenken als schnödes Wasser. Heute entschied sie sich für einen mit Bibergeil großzügig parfümierten Duft. Vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber wen störte das schon. Sie war ja die Königin.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie allerdings noch nicht, dass ihr derartige Gedanken bald gleichgültig sein würden. Am 1. August 1793 wurde sie von den Revolutionären ins Concierge-Gefängnis überstellt, am 16. Oktober, ein dreiviertel Jahr nach ihrem Mann, dem König, auf dem Place der la Concorde mit der Guillotine enthauptet.
An diesem Tag aber, einem Wintertag des Jahres 1784, roch sie noch nach einer unfassbar opulenten, honigsüßen Mischung aus floralen Noten, Jasmin, pudriger Iriswurzel, Rose, nach ein wenig zu viel Bibergeil, wie vielleicht schon erwähnt, und holzigen sowie ledrigen Noten (denn sie trug den Duft vor allem auf ihren Handschuhen). Unter diesen Bedingungen konnte sie getrost auf das lästige Bad verzichten. In ihrer Nähe würde man ohnehin nur den Duft wahrnehmen.
Was Marie Antoinette neben ihrem schnöden Tod außerdem nicht ahnen konnte: Exakt 225 Jahre nach ihrem Tod "er-fand" auf wundersame Weise eine begabte Parfumeurin, Francesca Bianchi, den Duft der Königin neu und traf den Ton Marie Antoinettes auf so unglaublich präzise Weise, dass alle, die das rochen, unwillkürlich an die "Witwe Capet" dachten, an die ehemalige Königin von Frankreich, die in den Wirren der französischen Revolution, die Europa so viel Leid, aber auch seine Zukunft bescherten, ihr stark parfümiertes Leben verlor.

Kleiner sachlicher Nachtrag, um Missverständnisse zu vermeiden: Der Duft ist für mich eine Melange älterer Düfte, die in ihren Vintage-Varianten noch mehr Zibet, Castoreum und Moschus enthielten: Mitsouko, Jicky, Tabu, Shocking, Habanita...


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