Zauber600Zauber600s Parfumrezensionen

1 - 5 von 49
Zauber600 vor 2 Jahren 49
10
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Kontroverses im Sommerloch
Mémoire d'une Odeur scheint ja sehr unterschiedlich wahrgenommen zu werden wenn man sich die Statements von heute so anschaut.

Contra: Da ist von Klebstoff mit 3 Buchstaben die Rede der zurück in die Tube soll, verschmorten Plastik, schimmeligen Holz .. und das dann auch noch mit Holzlack behandelt.

Pro: schöner Flakon, Romatik, Wehmut, Sinnlichkeit, Kamillig-furnierholzig, sehr leicht und anders.
Das drückt sich auch in den Bewertungen aus von 0 - 10.0 .. alles dabei. Sowas habe ich hier länger nicht erlebt.

In letzter Zeit bekam der Parfümeur dieses Duftes - Alberto Morillas - oft schlechte Bewertungen für seine Düfte sobald sein Name ins Spiel kam.

Wenn man sich aber die Mühe macht und mal sein Œuvre anschaut

- 371 Düfte mit einer Durchschnittsbewertung von 7.3 für namhafte Marken wie Armani, Bulgari, Carolina Herrera, YSL und viele andere -

stellt man fest, daß doch einige sehr bekannte und erfolgreiche Düfte von ihm (manchmal auch mit anderen in Kooperation) entwickelt wurden. Die meisten sind Mainstreamer die Gewinn mit Verkauf in der breiten Masse erwirtschaften müssen. Wie ja allgemein bekannt, sind diese mit festem Kostenrahmen für Duft, Flakon, Umverpackung und insbesondere fürs Marketing versehen. Da bleibt man lieber auf der kommerziell sicheren Seite und für außergewöhnliche Düfte fehlt dann oft der Mut.

Und wie hat MitParfumo Stulle zu diesem Thema so treffend bemerkt: Herr M. ist dann halt ein Künstler, der auch gerne Geld verdient - das ist nicht ehrenrührig (auch Künstler essen gerne warm!) .

Es gibt von ihm aber auch einige spannende Düfte und zwar dort wo man ihm sicher Freiheiten gelassen hat. Ich denke da an Kilian, die teure Bulgari-Serie, Chopard und auch meinen Liebling von ihm, Opus VII/Amouage.

Die letzten Gucci Guilty-Veröffentlichungen für die Herren von Alberto Morillas haben meine bisher auch eher negative Meinung abgemildert. Ich finde sie mutig und auch gelungen, insbesondere Gucci Guilty Absolute und auch Gucci Guilty Cologne pour Homme.
Der neue Duft - Mémoire d'une Odeur - gehört auch dazu. Mit einem seltsamen Werbefilmchen versehen, in dem eine Menge seltsame Menschen um ein traumhaft schönes Schloß herum springen, Feuer machen und noch andere seltsame Dinge .. ist die Botschaft natürlich nicht zu verstehen: Es handelt nach meiner Meinung nach um einen 80/90er Jahre-Revival-Duft, mir kam beim ersten Test sofort 'Bitter Sweet Symphony' von The Verve

https://www.youtube.com/watch?v=1lyu1KKwC74

oder auch der Film Call Me By Your Name - Elio

in den Sinn. Dieser Duft irgendwie hat auch irgendwie etwas sehr lebensnahes und lebendiges an sich: Traurig und froh, weich und hart, bitter und süß.

Die hier angegebene Pyramide ist meiner Nase nach unvollständig. Mémoire d'une Odeur startet mit einer herb-bitteren Kamillenote die schnell von honigtönigen Koralljasminblüten (Trauerbaum) unterlegt wird, etwas Lavendel ist vermutlich auch dabei. Seine Leichtigkeit und Klarheit erhält der Duft durch die reichliche Verwendung von leicht seifigen Moschus, die Basis bilden cremiges Sandel- und frisches Zedernholz, eine nahezu unsüße Vanille gibt den Gegenpol.

Mémoire d'une Odeur liegt irgendwo zwischen Comme des Garçons Parfum, Гоша Рубчинский Gosha Rubchinskiy und Fougère Royale Houbigant (2010) .. dies als grober Anhaltspunkt. Der Duft ist sehr eigenwillig und ich bekomme ihn nicht in in die passenden Worte gefaßt. Aber ich denke, daß einige der männlichen Parfumos diese Düfte kennen dürften, für die Damen bleibt dann nur - wenn sie die Düfte nicht kennen - bei Interesse ein heroischer Selbsttest da ich mich mit (vergleichbaren) Damendüften nicht (gut) auskenne. Sorry!

Für mich ist die Komposition von Mémoire d'une Odeur - wie auch die der beiden anderen erwähnten Gucci-Düfte - mal ein mutiger Schritt weg vom üblichen Mainstream-Einerlei trotz der sicher auch hier stringenten Vorgaben.

Haltbarkeit und Sillage: 5 - 6 Stunden und mittel
Edit: Nach unten korrigiert, aus dem Tester hatte der Duft eine bessere H/S als aus meinem Flakon (2 Testläufe)

Genre: Comme 'Comme des Garçons' Odeurs (Wortspiel!)

Für wen: Herren und Damen die sich an ungewöhnlichen Düften erfreuen

Wann: Eigentlich immer - aber ab 25° aufwärts wird er immer geschmeidiger und die Haltbarkeit und Sillage werden deutlich besser!

Alternativen: Alternativlos ;-)

Nachtrag:
Bei der Fragrance Foundation wurde 2020 Duft des Jahres in der Kategorie Universal Prestige

Gucci Mémoire d’une Odeur Eau de Parfum
COTY
Firmenich
Parfüm: Alberto Morillas

https://fragrance.org/awards/



36 Antworten

Zauber600 vor 2 Jahren 27
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Der Anti-Bond
Mit diesem Duft wird eine Insel mit altem Baumbestand olfaktorisch nachgebildet, die einen wunderbaren Blick auf die Südspitze von Manhattan bietet. Früher u.a. eine militärische Anlage um den New Yorker Hafen zu schützen .. heute ein Ausflugsziel mit vielerlei Möglichkeiten zu relaxen und der Historie in den teilweise noch erhaltenen Gebäuden nachzuspüren.

Bond No.9 hat mit Governors Island einen entspannenden Duft geschaffen, der mit Lavendel und einer angenehmen (leicht ozonigen) Ambroxannote startet, die dann gestützt wird von einem ganz eigenwilligen Harz-/Holz-Mix an Weihrauch - ich nenne das mal Räucherstäbchenvibe - der den Wald olfaktorisch andeutet. Leicht und frisch gehalten wird alles von Saubermoschus, einer zarten Lavendelnote und durchweht von einer Brise Vetiver.

Und nun kommt die Überraschung:
Dieser Duft, als dessen aufgebohrte Geschwister beispielsweise Duro von Nassomato und Musk Aoud von Montale (und sicher noch einige andere) bezeichnet werden können, kommt ganz zurückgenommen und laid-back daher ohne dabei auch nur im geringsten laut zu werden oder übermäßig mit der Synthetikkeule zu schwingen. Selbst das Ambroxan ist so geschmeidig verbaut, das es einem nicht die Nasenhaare wegbrennt.
Muscenone und auch Ambroxan werden ja heute in vielen bekannten und auch beliebten Düften verbaut .. hier allerdings wirklich gekonnt.

Ich bin überrascht und habe mich gefreut: So gerne ich ja die oft plakativ-synthetische Machart mit der meistens mehr oder weniger vorhandenen ozonisch-maritim-aquatischen Note der Bonddüfte habe .. dieser Gegenentwurf zum bisherigen Portfolio mußte in meine Sammlung!

Genre: Amerikanische (Insel-)Waldimpression

Für wen: Liebhaber eher zurückgenommener Düfte

Wann: Egal .. der geht immer

Wo: Vom Büro über Freizeit bis zum Meditationsabend

Haltbarkeit/Sillage: Locker 9 Stunden/nach 3-4 Stunden wirds dann langsam skinniger

Klare Testempfehlung!
Braucht Zeit bis er seine Geheimnisse offenbart!
16 Antworten

Zauber600 vor 2 Jahren 13
9
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

FEFÉ ein Dandy? Hmm .. ..
.. .. wie man bei Boellis auf so eine Geschichte zu diesem Duft gekommen ist erschließt sich mir nicht. Erwartet habe ich einen blumigen, pudrig-süßlichen Italo-Klassiker und bekommen habe ich einen wundervollen cremig-würzigen Holzduft.

Der Start mit matten Hesperidien wird sofort von einer Estragonnote durchkreuzt die sich mit Safran zu einer genialen krautigen Gewürzmischung verdichtet, Dazu kommen - quasi zur Entlastung - weiße Blüten, bevor der lange andauernde Holzoverkill startet mit cremigen Sandelholz, Zeder und noch einigen anderen Hölzern. Als I-Tüpfelchen wurden noch ambrierter Patchouli und Moschus hinzugefügt und damit der anfangs unruhige Duft beruhigt.

Mit einem klassisch-eleganten Dandy hat das wenig zu tun. Die Duftnotenpyramide weist da schon in die richtige Richtung: Holzduft. Und ganz sicher nicht nur für Dandys sondern für jeden und zu allen Gelegenheiten!

Die den Hölzern zur Seite gestellten Zutaten schieben diesen anfangs kräftigen Duft dann aber doch - für mich unerwartet - in eine filigranere Richtung. Die Italiener haben dafür einfach ein Händchen wie auch die Düfte von Mazzolari, Farmacia Anunziata S.S. und im besonderen Bois 1920 klar unter Beweis stellen.

Mir kamen beim Testen sofort
"Aoud Musk" (süßer + voller mit 'Oud') und auch "Duro (Extrait de Parfum)" (dieser etwas dunkler, harziger, lauter und linearer) in den Sinn.
Das habe ich dann später überprüft, außerdem noch "Anthracite Noir" und "Library Collection - Opus VII" gegen getestet (alle weiter entfernt von Fefé als vermutet) und festgestellt, daß wir hier mit Fefé eine deutlich hellere und klarere Variante haben als üblich in diesem Genre.
Und genau das macht diesen Duft interessant und auch - dezent dosiert - tragbar im Büro oder in der Freizeit bei wärmeren Temperaturen.

Genre: Eleganter Holzduft ohne orientalische Schwere mit Finezza

Für wen: Nicht nur für Dandys

Haltbarkeit - Sillage: Locker 8 Stunden (Eau de Toilette!) - die erste Stunde kräftig, dann dezenter

Fazit: Nichts wirklich Neues, aber eine interessante und geschmeidige Variante des Themas Holzduft mit italienischen Fingerspitzengefühl komponiert












6 Antworten

Zauber600 vor 2 Jahren 24
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Indonesischer Räucherduft
Für mich beim Ersttest einfach abschreckend .. ich habe mit manchen der mir bekannten Kreationen von Pierre Guillaume Schwierigkeiten. Zum einen die Ingredienzien korrekt zu erkennen (hier nehme ich bspw. ganz deutlich Sandelholz wahr) und zum zweiten die unübliche Mischung selbiger wertzuschätzen.

Hier war es eher letzteres. Ein heller Weihrauchduft per se ist natürlich gut. Mit viel Zitrik aufgefrischt schon ungewöhnlich und sehr gewöhnungsbedürftig. Wenn dann aber noch so spannende Sachen wie Bockshornklee, frisches Elemiharz und Patchouli, balsamische Noten (beinahe unsüß!) mit dezenter Oud-/Moschusunterstützung und der Hauptakteur Safran dazu kommen, wird es spannend. Vor allem, weil 20.1 - trotz seiner Zutaten - nicht wie einer der üblichen orientalischen Düfte riecht. Die Basis ist der immer weicher miteinander verschmelzender zartsüßer Zutatenmix .. sehr sehr schön!

So spannend, daß bei PG auf der Homepage eine interessante Abhandlung über indonesische Räucherrituale steht, die M. Guillaume wohl zu dieser Komposition aus gegenübergestellten hell-dunklen, heiß-kalten und hart-weichen Akzenten veranlaßt hat. Ein weiterer Aspekt war der eines Schutzduftes im Zusammenhang mit Räucherritualen.
Ein - wie ich finde - spannendes wenn natürlich auch nicht neues Konzept.

Auf der Umverpackung stehen übrigens als Duftnoten:

Agrumes
Safran - Cassis
Bois de Kyara
Oliban
Ambre
Musc Animalisé

und genau die letzte der Zutaten unterschiedet 20.1 von einem anderen Duft, der ihm in weiteren Sinn ähnlich ist:

Comme des Garçons Eau de Parfum (1994)

welches erstklassig in Bild und Ton von Siebter beschrieben wird.

Nach einer Weile des Tragens von 20.1 fiel mir die Ähnlichkeit zum CdG auf, dieser ist allerdings deutlich dunkler abgestimmt und riecht ebensowenig wie ein orientalischer Duft trotz entsprechender Zutaten. Er ist allerdings deutlich rauher/aggressiver und in diesem Sinn eher Rüstung als Schutzhülle.

Ich finde den neuen PG - wie übrigens auch Aqaysos - sehr gelungen. Beide verarbeiten Schwarze Johannisbeere sehr unterschiedlich und sind allein schon aus diesem Grund einen Test wert.

Genre: Aromatischer Weihrauchduft ohne Weihnachtsmarkt und Orientalismen

Für wen: Liebhaber von tragbaren aber ungewöhnlichen Unisex-Düften

Haltbarkeit und Sillage: 8 Stunden + .. der Duft wird erst nach mehreren Stunden immer mehr zum Hautduft

Alternativen: Das o.e. Comme des Garçons Eau de Parfum und Aël-Mat von Lostmarc'h im Sinne eines noch weicheren Schutzduftes mit einer schönen Kamillenote

Fazit: An dieser Marke bleibe ich dran!






15 Antworten

Zauber600 vor 2 Jahren 22
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Duschgelaquatik??
.. für mich nicht weil ich mich weigere, diesen meistens unzutreffenden Begriff zu benutzen. Ich will mich jetzt aber nicht weiter über Definitionsfragen im Bereich aquatischer Düfte und deren vielfältigen Abwandlungen auslassen.

Hamptons (für mich irgendwie das amerikanische Sylt) hat als Grundidee eine ähnliche wie Millésime Impérial, einen maritimen Hot Spot der Schönen und Reichen im Sommer darzustellen. Das sagen zumindest das Marketinggeschwurbel von Creed und der Name dieses Bondduftes.

Die maritime Reihe von Bond umfaßt neben Hamptons noch:

Shelter Island (ein großartiger würzig-frischer Duft mit Lilie, Oud und Amber)
Sag Harbor (Landschaftsgemälde mit krautigen, blumigen, fruchtigen und maritimen Noten)
Liberty Island (süßer fruchtiger Duft mit Marsh Mellows als Basis)
Coney Island (Spaß in der Flasche: Margarita, Früchte, Schokolade und Karamell, Meersalz, insgesamt nur leicht süß)
Montauk (ein schlecht beurteilter holziger Duft den ich leider nicht kenne. Stichwort Sonnenuntergang am Meer)
Governor Island (ein zart harziger Waldduft mit etwas Meersalz und Räucherstäbchenvibe)
Fire Island (Strand, Sonnencreme, Tuberose)

Es werden also in dieser Reihe viele unterschiedliche Orte mit ebenso unterschiedlichen Konzepten olfaktorisch abgebildet. So etwas kann natürlich immer nur eine Idee, eine Andeutung sein da jeder, der die Orte persönlich kennt sicher eine andere Dufterinnerung hat. Ich finde diese Serie insgesamt gut gelungen, sie hat - gestützt durch die bei Bond eingesetzte Synthetik - meist eine sehr gute Haltbarkeit/Sillage für dieses oft flüchtig konzipierte Genre.

Einzig Hamptons fällt aus diesem Schema heraus:
Der Duft wird nach einen fulminanten Start schnell hautnah .. was sicher der Idee des dezent nicht auffällig bedufteten Hamptonsbewohners/-besuchers geschuldet ist.

Beim ersten Test nahm ich eine blumige Muffigkeit wahr, die sich nicht wesentlich verändert hat und eher wie ein Damenduft roch. Hamptons wird ja in einigen Beschreibungen auch als Damenduft gewertet .. für mich allerdings ist er - wie die meisten Bonds - ein Unisexduft.

Beim zweiten Anlauf wurde es besser; Der Start mit einer zitrischen Frischenote ist nur kurz alleinstehend wahrzumehmen, verbindet er sich doch zügig mit dem überbordenden Duft (den ich beim Ersttest als muffíg wahrnahm) von Lindenblüten und Jasmin. Der Duft dreht jetzt in eine angenehme würzige Süße und es kommt noch die Magnolie dazu, die mit ihrer eher frischen Anmutung die Süße etwas relativiert.
In der Basis stützen jetzt Amber und cremiges Sandelholz den Duft, der nach 2-3 Stunden skinnig wird.

Mir persönlich ist der Unterschied von starker Kopf-/Herznote zur sehr reduzierten Basis etwas zu krass aber nicht wirklich störend ausgefallen.

Hamptons ist - genau wie Sag Harbor - eher eine olfaktorische Impression, der Versuch eine vielfältige Landschaft abzubilden. Das ist auch gelungen, nach mehrmaligen Tragen der Düfte und Kenntnis der Örtlichkeiten erschließen sich einem da die Feinheiten. Die blumig-würzige Ausrichtung und die Dezenz des Duftes nach der Kopf-/Herznote sind im Grunde genau richtig.

Genre: Stilvoller maritimer Unisex-Duft

Für wen: Liebhaber maritimer Duftgemälde
(Hier sei auch Sag Harbor mit einer schönen Traubennote anempfohlen)

Wann: Freizeit und nicht im Winter

Haltbarkeit / Sillage: 6 - 8h (hierfür sind mehr als drei Sprüher nötig) / insgesamt eher gering

Nachtrag: Ähnlichkeit zu Silver Mountain Water kann ich nicht feststellen!




11 Antworten

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